Nr. 179 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Montag, 3. August (936
XL OLYMPISCHE SPIELE Q99
Die olympischen Wettkämpfe in der Leichtathletik haben für Deutschland einen verheißungsvollen Auftakt genommen Unter den Augen des Führers wurden zwei Goldmedaillen errungen. Hans Wöllke gewann das Kugelstoßen mit der neuen olympischen Bestleistung von 16,20 m. Die zweite Goldmedaille für Deutschland errang die Frankfurterin Tilly Fleischer mit ebenfalls einer Olympia-Bestleistung im Speerwurf mit der Weite von 45,18m.
BERLIN 1936
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21 Uhr: Voraufführung „Herakles", Dietrich-1 land — Luxemburg), Poststadion: Schweden gegen Eckart-Bühne. Japan, Hertha-Platz.
10 Uhr: Freistilringen (Dorkämpfe): 19: 9 Uhr: Moderner Fünfkampf (Schiehen),
Freistilringen (Entscheidung), Deutschland-Halle. Ruhleben.
17.30 Uhr: Fußball-Vorrunde (Deutsch-' 10 Uhr: Segelfliegen (Vorführung), Staaken.
sammelt. Auch die beiden anderen Deutschen Eberhardt und Krüger zeigen famose ausgeglichene Leistungen, wobei besonders Krüger mit einem 43,29-Meter-Wurf großen Beifall erntet.
In der anderen Ecke des Stadions haben die
Der erste olympische Kampftag ist vorüber. Zweimal ging die deutsche Flagge am großen Siegesmast empor, zweimal konnten in überquellender Sieges- steude die deutschen Nationalhymnen gesungen werden.
Als Zuschauer über der Kampfbahn.
Nach den vielen Vorbereitungen, nach den ungeheuren Arbeiten aller Organisatoren und nach den erhebenden Feierstunden der Eröffnung, haben nun endlich die Wettkämpfer das Wort. Sie haben Zeit gehabt, sich in aller Ruhe vor dem Kampf in dem idyllischen Olympischen Dorf zu erholen und sie kennen nicht die Nöte des kleinen Menschen, der in dem Riesenbau des Stadions sitzt und unter Hunderttausenden geduldig der Dinge harrt, die da kommen sollen. Was weiß der Wettkämpfer schon von den Kämpfen, die sich am Postschalter absptelen, wenn Tausende ausgerechnet am 1. .August«den Olympiastempel haben wollen, was weiß der Wettkämpfer schon von den Sorgen des Besuchers der Spiele, der mit knurrendem Magen zum Retchs- sportfeld läuft, in der Hoffnung, wenigstens dort oder in der nächsten Umgebung einiges zu essen zu bekommen? Wie groß muß also die Begeisterung der Besucher sein, die von weit her gekommen sind,
wird.
Olympischer Zeitplan für Dienstag.
Leichtathletik.
10.30 Uhr: Weitsprung (Ausscheidung in zwei Gruppen): 200-Meter-Lauf (8 Vorläufe): 15: 400- Meter-Hürdenlauf (2 Zwischenläufe); 1515: Dts- kuswerfen, Frauen (Dorkampf und Entscheidung); 15.30: 200-Meter-Lauf (4 Zwischenläufe); 15.50: Sven Hedin spricht; 16: 100-MeterFauf, Frauen (Entscheidung); 16.30: Weitsprung (Dorkampf und Entscheidung); 17.30: 400-Meter-Hurdenlauf (Ent- scheidunq); 17.45: 800-Meter-Lauf (EnM^Umng); 18- 5000-Meter-Lauf (drei Dorläufe); 19.30: Vorführung: Norwegen; Sieger-Zeremomen, jeweils im Olympia-Stadion. . . . . -c rs
14 Uh;: Polo (Ausscheidungsspiele), Matseid.
16.30 Uhr: Hockey-Turnier: Vorrunde: Holland — Belgien; Hockey-Turmer, Vorrunde: Frankreich — Schweiz; jeweils im Hockey-Stadion.
9 Uhr: Florettfechten; 10.30: Mannschasts- kämpfe; 13: Vorschlußrunde; 15: Florett-Mann- schaftskämpfe; 20: Endrunde,
9 Uhr: Frauen-Florettfechten (Vorrunde): 13: Frauen-Florettfechten (Zwischenrunde); 20: Frauen- Florettfechten (Vorschl. ° Runde), Kuppelsaal un Reichssportfeld,
Zwei Goldmedaillen für Deutschland
Vier Leichtathletik-Entscheidungen am ersten Tag.
Der letzte Staffelwechsel vor dem Olympischen Tor. (Scherl-Bilderdienst-M.)
und die in Berlin weiter nichts sehen, als Menschen, Menschen, Autos, Straßenbahnzuge, St^tbahnen und Untergrundbahnen, die ständig überfüllt fmb.
Dieser begeisterte Olympia-Besucher kennt nur die Sorge, noch einen Platz ä" ekomm , wo er notfalls über den Hutrand des Vordermannes einen Blick auf den gr-unen Rasen werfen kann, auf dem gerade die Frauen die Speerwu s entscheidunq austragen. ,
W e spannend und wie grandios war gerade der Verlaus dieser Konkurrenz d.e unte den 6 End, rundteilnehmerinnen drei Deutsche sah und noch *T L7 “Ä $au9s
Frankfurt, die zuverlasstge Werfer,n^d.e^ zu,^den ®Tfp,Ä.
haargenau ausgemessen ist jeuei > manisch fließen all- Bewegungen zusammen bis zur letzten Konzentration des Abwurfes wenn oer
au chs der Speer bei 45 Meter wuchtig und fe- dernd in den Boden schlagt. Ja, ^T?at°sie Frankfurt ist schon richtig, und im öturm yar sie sich die Herzen aller Stabionbesucher erobert, die ein lautes „Tilly-Geschrei" anstimmen wenn bie Deutsche an den Ablauf geht und sich zum Wurf
Der erste Wettkampftag der XI. Olympischen Spiele von Berlin hat nicht nur das gehalten, was man sich in aller Welt und vor allem bei uns in Deutschland von ihm versprochen hatte, sondern er hat die Erwartungen weitaus übertroffen. Ein Weltrekord, einige neue olympische Bestleistungen und — zwei deutsche Olympia-Siege in der Leichtathletik... das ist die hervorragende Ausbeute des ersten Olympia-Wettkampftaaes.
Tilly Fleischer, die Frankfurter Speerwerferin, und Hans Wöllke, unser deutscher Meister im Kugelstoßen, holten für Deutschland schon am ersten Tage zwei Goldene Medaillen. Uno Luise Krüger und Gerhard Stück sorgten in beiden Disziplinen mit einem zweiten bzw. dritten Platz dafür, daß der deutsche Sieg sich noch eindrucksvoller gestaltete. Tilly Fleischer und Hans Wöllke ernteten mit ihrem olympischen Sieg den schönsten Lohn in ihrer ganzen bisherigen sportlichen Laufbahn. Hans Wöllke ist überhaupt der erste deutsche Leichtathlet, der beim Olympia eine „Goldene" erringen konnte. Hans Wöllke gewann mit einem Stoß von 16,20 Meter vor Bärlund-Finnland (16,12 Meter) und Gerhard Stück, der mit seinen 15,56 Meter noch die Amerikaner Francis, den Weltrekordmann Jack Torrance und Zaitz klar hinter sich ließ.
Damit wurde die Vorherrschaft der Amerikaner im Kugelstoßen, die seit Bestehen der modernen Olympischen Spiele m dieser Disziplin bis auf ein einziges Mal (1920 Antwerpen Porhölä-Finnland!) immer den Sieger stellten, von deutschen Athleten gebrochen! .
Im Speerwerfen der Frauen kam Tilly Fleischer mit einem Wurf von 45.18 Meter vor Hilde Krüger (43.29 Meter) und der Polin Kwasniewska (41,80 Meter) zum Siege, nachdem sie vorher schon mit 44,69 Meter den bestehenden olympischen Rekord der Siegerin von 1932, Babe Didrickson, um genau einen Meter verbessert hatte. Auch die Leistung Wöllkes mit 16,20 Meter bedeutete einen neuen
Der schlanke amerikanische Neger Jesse Owens ist ein wahres Lauswunder. Mit spielender Leichtigkeit holte er in seinem Vorlauf auf der schnellen Bahn im Reichssportfeld schon den 10,3-Einstand zum Weltrekord heraus, und als er dann am Nachmittag im Zwischenlauf wieder über die 100 m flog, da fiel der Weltrekord ... 10,2 Sekunden meldeten die elektrischen Meßgeräte. Jesse Owens erste olympische Tat!
Nicht nur in der Leichtathletik, auch in einigen anderen Sportarten, die am Sonntag mit ihren Kämpfen begannen, kamen Deutschlands Olympiakämpfer zu einigen schönen und großen Erfolgen. Im Modernen Fünfkampf, der mit dem Geländeritt eingeleitet wurde, sicherte sich Oberleutnant Handrick zusammen mit dem Belgier Oberleutnant Mollet in 9:09,6 Minuten bei 0 Fehlern den zweiten Platz hinter Oberleutnant Abba (Italien). — Im Florett- Mannschafts-Fechten erreichte die deutsche Mannschaft zusammen mit Frankreich, Belgien und Argentinien in der Gruppe 2 die Vorendrunde.
olympischen Rekord. .
Deutschlands Führer Adolf Hitler ließ sich in seiner Loge die Olympia-Sieger und -Siegerinnen vorstellen und für Tilly Fleischer und Hans Wöllke wird es wohl das beglückendste Gefühl gewesen sein, als deutsche Gewinner der Olympischen Goldmedaille die Anerkennung und den Glückwunsch des Führers entqeqennehmen zu dürfen.
Vier Entscheidungen brachte der erste Wettkampftag in der Leichtathletik. Zwei davon gestalteten sich zu großen Erfolgen für Deutschland, die beiden anderen wurden dafür aber auch zu ebenso durchschlagenden Siegen für die Finnen und Amerikaner. Die Finnen machten im 10 000-m-Lauf ihrem großen Vorbild Paavo Nurmi alle Ehre, sie traten sein Erbe in einer Weise an, wie sie nicht über^euaender sein konnte. Drei Finnen — Salminen, Äksola und Iso Hollo — durchliefen als Erste das Ziel. 30:15,4 —
Hochspringer das Wort. Man weiß oft nicht, wo man zuerst hinschauen soll und welcher Leistung man die besondere Aufmerksamkeit widmen muß. 21 Hochspringer traten an und 20 Hochspringer schafften noch mühelos die Höhe von 1,85 Meter, eine Sprunghöhe, die der Finne Kotkas noch gleichmütig ausließ und die Amerikaner noch im Trainingsanzug sprangen. Als noch 11 Mann bei 1,94 Meter in der Konkurrenz waren, sahen die Sprünge noch genau so leicht, federnd, schwebend und mühelos aus. Und doch steckt in diesen famosen Burschen eine unerhörte Willenskraft, wenn sie körperlich entspannt und geistig konzentriert am Ablauf stehen, wenn das Äuge prüfend die Anlaufstrecke abschätzt und den bekannten Turnschuh sucht, mit dem sich der Hochspringer seine Anlaufbahn abzumessen pflegt. Aber auch bei den Hochspringern hält es uns nicht zu lange, denn die 800 Meter-Läufer finden sich nach und nach am Start ein. Wie werden diese Läufe ausgehen, die für den deutschen Meister Harbig in der Auslosung nicht gerade günstig ausgefallen sind? Wird auch dieser Läufer das Schicksal der deutschen 100-Meter-Läufer teilen müssen, die in den Dor- und Zwischenläufen hängen blieben, wo lediglich Borchmeyer mit 10,5 Sek. eine ausgezeichnete Zeit lief, die ihn in die Vorentscheidung bringt. Hornbostel und Edwards sind im ersten Dorlauf die schwersten Gegner des Deutschen Harbig. Zwei alte Füchse aus USA. und aus Kanada, ein Schwarzer und ein Weißer, die sich drüben in der Neuen Welt so oft schon erbitterte Zweikämpfe geliefert haben und denen man es ansieht, daß sie auch hier in Berlin ihren Mann stellen wollen. Unwillkürlich denkt man zurück an die Zeiten, wo einsam ein Deutscher, Hans Braun, gegen eine feind- liche Uebermacht im Kampf über 800 Meter stand, und wo er sich trotz aller Widrigkeiten durchsetzte.
Keine Zeit mehr zu solchen Gedanken, der Start- schuß aus der Pistole des ausgezeichneten deutschen Starters Miller peitscht durch die Spannung dieser Minuten und in schnellem Tempo geht das Feld vom Start. Der Deutsche hat die Außenbahn ge- lost und er versucht in der Kurve mit aller Macht an die Spitze zu kommen. Hornbostel und Edwards — welch wundervollen Stil laufen die beiden! — hatten die Spitze und führen das übrige Feld in einem für Vorläufe mörderischen Tempo. Der Deutsche Harbig kann dieses Tempo auf die Dauer nicht mithalten und beim Einbiegen in die Ztel- gerade muß er das Feld ziehen lassen, an dessen Spitze sich wie erwartet Hornbostel und Edwards den gewohnten Kampf liefern, bis sie schließlich in der famosen Zeit von 1:53,2 zusammen die Ziel- linie passieren. In einem der anderen Dorläufe hat der Deutsche Mertens mehr Glück. Nach klug durchdachtem Rennen kommt er als Vierter seines Laufes ■ in den Zwischenlauf, der am Dienstag gestartet
Einzug der Nationen ins Deutsche Stadion.
fioFif mnrr den Einmarsch der griechischen Olympiasporller, die als erste in die Kampfbahn eir^ogen. und'die^itMd-r d--Olympischen Komitee- d.e Mann.
sthasten begrüßten. » (Schexl-Btlderdienst-M.)
30:15,6 — 30:20,2 Minuten ... bas waren die ausgezeichneten Zeiten der drei finnischen Sieger. An ihnen erkennt man die ausgezeichneten Leistungen des kleinen Japaners, der nur fünf Sekunden nach dem Dritten (Iso Hollo) das Ziel erreichte. Auch die Zeit des Deutschen Gebhardt, der hinter Juan Zabala Siebter wurde, ist mit 31:29,6 Minuten noch sehr zu beachten.
Im Hochsprung der Männer wurden die drei Olympischen Medaillen eine Beute der in glänzender Technik über die Latte steigenden Amerikaner. Vier Mann übersprangen hier 2 Meter! Der Sieger Cornelius C. Johnson schaffte 2,03 m, David D. Albritton, Delos P. Thurber und der Finne Kotkas kamen über genau 2 m. Im Stechen mußte sich dann der ermüdete Kotkas den Amerikanern beugen. Unser deutscher Meister W e i n k ö tz hatte das Pech, bei 1,97 — hoch über der Latte liegend — mit der Hand zu reißen.
Deutsche in der Entscheidung.
Bei den Dor- und Zwischenläufen zu den 100 m schieden zwei Deutsche — Kersch und Hornberger — aus. Borchmeyer dagegen erfocht zwei glänzende Siege. Im 8. Vorlauf gegen Humber (Kanada) und im 4. Zwischenlauf gegen Sweeney und Mac Phee. Aus den 800-m-Vorläufen erreichten von den Deutschen Mertens und Dessecker die Startberechtigung für die Zwischenläufe. Harbig wurde im ersten Vorlauf in 1:56,8 Minuten nur Sechster.
Der Marathonsieger von 1896 übergab dem Führer den Oelzweig.
Als sinnvollen Gruß Griechenlands überbrachte der erste Marathonsieger von 1896, der Grieche Spiridon Luis, dem Führer einen Oelzweig. Im Hintergrund erkennt man den griechischen Kronprinzen Prinz Paul. — (Presse-Jllustration-Hoffmann-M.)


