Von der Arbeit und vom Geld
passen.
(Fortsetzung folgt.)
Aus aller Welt
Ueberschwemmungen und Oürreschäven in USA.
Die Ueberschwemmungen in Texas haben sich durch den Dauerregen noch auf weitere Gebiete ausgedehnt und weitere Striche überflutet. Bisher wurden 2 3 Leichen geborgen. Zahlreiche Personen werden noch vermißt. Verschiedene kleine Orte wurden von der Außenwelt abgeschnitten und z. T. zerstört. Der Schaden wird bereits auf über 3 Millionen Dollar geschätzt.
Während es in Südtexas Ueberschwemmungen gibt, werden vom Nordwesten Dürreschäden gemeldet. Der Ackerbauminister Wallace ordnete den Ankauf von etwa 1 Million Stück Vieh an, das infolge der Dürre in den Prärien kein Futter mehr finden kann. Das Vieh soll geschlachtet und das Fleisch an die Arbeitslosen verteilt werden. Infolge der Ernteschäden der von der Dürre besonders betroffenen Staaten wurden etwa 100 000 Farmerfamilien mittellos. Die von der Bundesregierung errichteten Nothilfestellen beschleunigen die Maßnahmen zur Unterbringung der Opfer. Der Schaden an der Ernte wird auf 25 Millionen Dollar geschätzt. — Ein Wirbel st urm suchte den Distrikt Archbald in Louisiana heim. Eine Person wurde getötet und mehrere verletzt, darunter drei schwer.
Degen Doppelmordes zum Tode verurteilt.
Das Schwurgericht in Saarbrücken verurteilte die 26jährige Auguste K o e h l aus Pflugscheid bei Nürnberg wegen Mordes in Tateinheit mit schwerst Brandstiftung zum Tode und erkannte der Angeklagten die Ehrenrechte auf Lebenszeit ab.
Die Ko eh le hatte ihre Mansardenwohnung in Brand gesteckt, um sich ihrer beiden unehelichen Kinder, die sie vorher durch Einflößen von Malagawein eingeschläfert hatte, zu entledigen. Bald nach dem Ausbruch des Brandes erstickten beide Kinder durch Einatmen von Oxydgasen. Die Leichen konnten nur in stark verstümmeltem Zustande geborgen werden. In der Verhandlung leugnete die Angeklagte die Tat, obwohl sie im Ermittlungsverfahren voll geständig war.
Die schlesischen Lisenbahnräuber in einem schweren Feuergefecht erschossen.
Die Fahndung nach den flüchtigen schlesischen Eisenbahnräubern Gebrüder Schüller hat dank der vorbildlichen Zusammenarbeit von staatlichen Forstbeamten und Gendarmerie zum Erfolg geführt. Dieser Tage beobachtete der staatliche Hilfsförster Goebel im Forstamtsbezirk Poppelau, Kreis Oppeln (OS.), zwei verdächtige Männer, die im Forst lagerten. Er verständigte, ohne daß er von den Verdächtigen bemerkt worden war, den zuständigen staatlichen Revierförster Ritschel. Beide Forstbeamte begaben sich mit dem zuständigen Gcndarmeriemeister P u ch m a n n zu den Verdächtigen, die noch an der Lagerstelle angetroffen wurden. Bei der Untersuchung der Verdächtigen, in denen Hermann und Willy Schüller festgestellt wurden, zogen die Gestellten, die anfangs eine harmlose Haltung vorgetäuscht hatten, blitzschnell ihre schußbereit verborgen mitgeführten Pistolen. Dem Revierförster R i t s ch e l gelang es, den ihn mit der Waffe bedrohenden Hermann Schüller im letzten Augenblick durch einen Schuß tödlich zu verletzen, während Willy Schüller ein lebhaftes
ID. Die kurzfristigen Anlagen der Kreditinstitute.
Die Bank ist wie jedes Kreditinstitut bestrebt, sämtliche kaufmännisch vertretbaren und wirtschaft- lich gerechtfertigten Kre-itwünsche .ihrer Kundschaft zu befriedigen. Jedoch darf sie dabei nicht etwa alle bei ihr verfügbaren Gelder ausleiben. Abgesehen von der üblichen Vorsorge zur jederzeitigen Zahlungsbereitschaft für die Schwankungen des normalen Geschäftsverkehrs, soll keine Bank die ihr anvertrauten Gelder mit längeren Fristen ausleihen, als sie selbst zur Rückzahlung verpflichtet ist.
Nun stammen heute die meisten fremden Gelder der deutschen Kreditinstitute aus den Girokonten der Kundschaft, also aus jederzeit fälligen Guthaben. Darum sind die Institute verpflichtet, über die Vorsorge zur sofortigen Zahlungsbereitschaft — durch ihren Kassenbestand und ihre eigenen Bankguthaben — mindestens einen Teil der Kredite in einer Form auszuleihen, die die Zurückziehung dieser Beträge für den Bedarfsfall in kür^ zester Frist und zu vorher Übersehbaren Terminen gestattet.
Dieses Ziel würde nicht erreicht, wenn die Bank nur Darlehen oder sogenannte Buchkredite ausleihen würde. Daher zieht sie dieser an sich auch sehr üblichen und notwendigen Form die Finanzierung bestimmter und einzelner Geschäfte vor. Das geschieht weniger durch die Beleihung von Wertpapieren, als durch Waren- oder Wechsel k r e d i t e. Bei der Beleihung eines einzelnen Warengeschäftes oder seine Bevorschussung, was vor allem im Außenhandel üblich ist, ermöglicht die Bank durch ihre Krsdithilfe den Ankauf großer Warenposten oder eine Ausfuhrlieferung mit langen Zahlungsfristen, deren Einräumung die eigene Finanzkraft des Ausführers übersteigt.
Im inländischen Warenverkehr wird aber von den Banken der Wechselkredit vorgezogen. Auch die Reichsbank und die Reichsregierung legen großen Wert darauf, daß die Kreditinstitute Wechsel ankaufen, die sich die Bankenkundschaft von ihren Abnehmern als bindendes Zahlungsversprechen unterschreiben lassen. Der Wechselkredit wickelt sich gewissermaßen von selbst immer wieder ab. Denn während die Banken sich von Fall zu Fall über den Ankauf neuer Wechsel entscheiden können, werden die vorher angekauften bei Fälligkeit durch die Abnehmer der Bankenkundfchast eingelöst.
Die Bank kann aber auch, wie wir es bereits sahen, die Wechsel an die Reichsbank weiter verkaufen. Damit kann sie sich jederzeit Bargeld beschaffen und ihre Anlage in Wechseln beweglich gestalten. Das ist wichtig, denn die Bank verwaltet ja fremde Gelder. Sie hat die Pflicht, die durch ihre Hände fließenden Geldströme weiter in Bewegung zu halten und sie vor einem zu stärken Festlegen — der Bdnkmann spricht dann von „Einfrieren" — zu bewahren.
VIII. Geldschöpfung durch die Mchsbank.
Bei der Bank hatten am letzten Freitag nicht nur die Möbelfabrik Schulz & Lehmann, sondern auch andere Betriebe Gelder für Lohnzahlungen abgehoben und dabei zum Teil die Kredithilfe der Bank in Anspnrch genommen. Am Samstag und am
Montag waren zwar von den Ladengeschäften Einzahlungen geleistet worden, aber weniger als sonst, denn übermorgen, am Mittwoch, mar der Monatsletzte und damit das Ende eines Vierteljahres. Die Bank weiß aus Erfahrung, daß am Letzten und Vorletzten des Monats stärkere Abhebungen zur Zahlung von Gehältern und Mieten stattfinden. Daher muß die Bankleitung „zum Ultimo Vorsorgen". Das heißt, sie muß ihre Ka s sende st ü n d e erhöhen. Sie hat ja selbst auch ein Bankguthaben, und zwar bei der Reichsbonk, der Bank der Banken. Jedoch ist dieses Guthaben nicht ganz ausreichend. Denn die Reichsbank zahlt ja für diese Einlagen aus Girokonten keine Zinsen. Da die Bank ihrerseits für alle Einlagen der Kundschaft Zinsen vergüten muh, ist sie natürlich bestrebt, ihre Kassenbestände und Guthaben bei der Reichsbank nicht höher ansteiaen zu lassen, als es die notwendige Zahlungsbereitschaft erfordert.
Für diesen Monatsschluß, wie für so manchen anderen, beschreitet die Bank den für sie bequemsten Weg. Sie läßt noch am Montag in ihrer Wechselabteilung einen Posten Wechsel zusammcnstel- len, um ihn an die R e i ch s b a n k z u vertäu- f e n. Diese Wechsel müssen ganz bestimmten Vorschriften entsprechen. Die Bank stellt bereits selbst eine Abrechnung aus und zieht von den Wechselsummen einen Zins bis zum Fälligkeitstage ab. dieser jeweils von der Reichsbank bekanntgegebene Zins ist der Reichsbankdiskontsatz, er beträgt zur Zeit 4 v. H.
In dem Posten Wechsel ist auch der Abschnitt über 980 Mark, ausgestellt auf den Möbelhändler
Otto Krause. So wie ihn die Bank von der Möbelfabrik Schulz & Lehmann angekauft hatte, als diese ihre Kredithilfe in Anspruch nahm, um Lohngelder flüssig zu machen, braucht jetzt die Industrie- und Handelsbank die Kredithilfe der Reichsbank, um für alle Zahlungsansprüche ihrer Kundschaft am Monatsletzten flüssig („liquide") zu sein.
Die Reichsbank schreibt die diskontierten Wechsel der Bank gut und richtet sich auf eine sofortige Abhebung der Summe ein. Auch sie hat vorgesorgt und ganze Bündel neuer Banknoten bereitgelegt. Denn sie kann ja ihrerseits auf niemand weiter zurückgreifen, und gibt ihre eigenen Noten gegen die angekauften Wechsel aus. Sie „schöpft" damit Geld, wie dieser Vorgang bezeichnet wird. Da sie aber ihre Banknoten nur gegen Ankauf von Warenwechseln ausgibt, ist auch die Sicherkeif gegeben, daß der Ausgabe neuer Banknoten eine Arbeitsleistung in der Volkswirtschaft vorausgegangen ist.
Während im Laufe eines Monats natürlich dauernd inzwischen fällig gewordene Wechsel der Reichsbanknebenstelle eingelöst werden, wobei Bank- noten an die Reichsbank zurückfließen, steigt die „Beanspruchung der Reichsbank" zum Monats-, vor allem aber zum Vierteljahrsschluß. Ihr Wech- selbestand nimmt dann sehr schnell zu und der Notenumlauf wächst im selben Ausmaß. Die Wirtschaftszeitungen schreiben dazu, wenn einige Tage nach dem Vierteljahrsschluß die Reichsbank ihren Geschäftsstand von „Ultimo" bekanntgibt: „Starke Ultimobeanspruchung der Reichsbank".
Das schadet auch nichts, denn „es ist die Aufgabe der Reichsbank, den Geldumlauf jeweils den Erfordernissen der deutschen Wirtschaft anzu-
Feuer aus zwei Pistolen gegen den Gendarmerie- meister und den Hilfsförster Goebel richtete. Obwohl der Gendarmeriebeamte durch drei lebensgefährliche Schüsse schwer verletzt wurde, gelang es ihm, Willy Schüllar zwei Pistolenschüsse beizubringen, während der Hilfsförster, der ebenfalls von Schüller angeschossen wurde, diesem eine sofort tödliche Verletzung beibringen konnte. Die beiden Beamten wurden einem Krankenhaus zugeführt. Gendarmeriemeister Buchmann, der zwei schwere Bauchschüsse erhalten hat, wurde sofort operiert. Mit der Unschädlichmachung von Hermann und Willy Schüller gelang es, zwei der schwersten Dolksschädlinge zur Strecke zu bringen. Nach dem letzten noch flüchtigen Täter — Erich Schüller — wird gefahndet.
Rekordflug des LZ „Hindenburg".
LZ „Hindenburg" ist am Donnerstagmorgen um 5.20 Uhr Neuyorker Zeit glatt in L a k e h u r st gelandet. Das Luftschiff hat die Reise Frank- furt—Lakehurst in der kurzen Zeit von 51 Stunden 29 Minuten zurückgelegt und damit die bisher schnellste Flugzeit um acht Stunden verringert.
Erstmals in der Postgeschichte Palästinas traf in Jerusalem ein Brief aus Amerika ein, der nur sieben Tage unterwegs war. Der Brief war von LZ „Hindenburg" nach Europa befördert worden, von wo er mit dem Flugzeug nach Jerusalem gebracht wurde.
Der Tod in den Bergen.
Von St. Anton (Vorarlberg) aus hatten zwei Bergsteiger, K a 11 n e r und Rudolf Weidner aus Mährisch-Ostrau, eine Tour auf den Patteriol unternommen. Nach Aufenthalt in der Konstanzer Hütte hatten sie auch den Gipfel erreicht. Beim Abstieg stürzte der 37 Jahre alte Weidner, der nicht angeseilt war, etwa 50 Meter ab. Eine sofort entsandte Rettungskolonne konnte die L e i ch e am nächsten Tage bergen.
Wetterbericht
des Reichrwetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.
Noch immer setzt sich mit lebhafter Wärmetätigkeit über dem Ostatlantik die Zufuhr frischer Meeresluft über das Festland fort. In deren Bereich kam es auch am Donnerstag zu vereinzelten, teil- weise gewittrigen Niederschlägen. Die wechselhafte und leicht unbeständige, aber nicht durchweg un- freundliche Witterung bleibt vorerst erhalten.
Aussichten für Samstag: Veränderlich mit teilweiser Aufheiterung, aber auch einzelnen schauerartigen Niederschlägen, Temperatur wenig geändert, südwestliche bis westliche Winde.
Lufttemperaturen am 2. Juli: mittags 21,9 Grad Celsius, abends 16 Grad; am 3. Juli: morgens 15,1 Grad. Maximum 23 Grad, Minimum heute nacht 12 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. Juli: abends 23,9 Grad; am 3. Juli: morgens 19,8 Grad. — Sonnenscheindauer 5,3 Stunden.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil i. V.: H. L. Neuner. Anzeiaenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. V. 36: 9760. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch-und Steindruckerei R.Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.
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Mit dem Verkauf und der Verwendung der in Ausführung des Urkundensteuergesetzes vom 5. Mai 1936 erforderlichen Urkundensteuermarken ist das Finanzamt Gießen beauftragt. Daneben kommen für ihren Geschäftsbereich besonders Gerichte und Notare in Betracht. 4241D
Gießen, den 30. Juni 1936.
______________Finanzamt Gießen._____________
Bekanntmachung.
Betr.: Maßnahmen der Reichsregierung zur Verbilligung der Speisefette für die minderbemittelte Bevölkerung; hier: Ausgabe der Verbilligungsscheine für Juli, August und September 1936.
Für folgende Bezugsberechtigte, die nicht laufende Unterstützung vom Wohlfahrtsamt oder Arbeitsamt beziehen, nämlich: 42370
Empfänger von Kurzarbeiter-Unterstützung, Notstands- oder Fürsorgearbeiter,
Empfänger von Krankengeld, auch solange die etwa vorher bezogene Arbeitslosen- oder Krisenunter- stützung beim Arbeitsamt ruht,
Personen, deren Einkommen den um V» erhöhten Richtsatz der öffentlichen Fürsorge nicht wesentlich übersteigt,
werden die Verbtlligungsscheine für Juli, August und September 1936 ausgegeben wie folgt:
IHontag, den 6. Jim 1936: Familiennamen mit den Anfangsbuchstaben A bis K,
Dienstag, den 7. Juli 1936: Familiennamen mit den Anfangsbuchstaben L bis Z,
nachmittags von 15 bis 17 Uhr im Amtsgebäude Lonyftrahe 2 (Erdgeschoß, Zimmer 6).
Auf Anordnung der Reichsregierung wird noch be- sonders daraus hingewiesen, daß die einzelnen Abschnitte nur während des aufgedruckten Monats Gültigkeit haben und nach Ablauf der Gültigkeitsdauer nicht mehr in Zahlung genommen werden dürfen. Ebenso ist es unstatthaft, die noch nicht fälligen Abschnitte vorzeitig zu verwenden. Bezugs- berechtigte sowohl als Verkaufsstellen, die gegen diese Bestimmungen verstoßen, werden vom weiteren Bezug bzw. von der weiteren Annahme von Der- billigungsscheinen ausgeschlossen.
Gießen, den 30. Juni 1936.
Der Oberbürgermeister. (Wohlfahrtsamt.)


