Ausgabe 
3.7.1936
 
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Ur. 153 Zweites Blatt

Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Zreitag, 3. Juli (936

Vom Deutschtum in Güdbrasilien. Oer Kulturfilmdienst der Kaulhaberstistung in Neu-Württemberg Don Friedrich Krähe.

Im Dezember 1932 konnten wir von einem durch­reisenden deutschen Arzt einen Agfa-Schmal- s i l m a p p a r a t kaufen und damit unsere Arbeit, die allein der Erhaltung deutschen Volkstums hier im fernen Neu-Württemberg dient, auf ein Feld un­geheurer Wichtigkeit ausdehnen. Vor nunmehr neun Jahren gründeten wir unsere Stiftung und gaben ihr den Namen des Mannes, der der Organisator der Kolonie Dr. Herrmann Meyers: Neu-Würt- t e m b e r g und der Gründer des ganzen deutschen Serraschulwesens in seiner heutigen Form war, um ihn in dauernder Verbundenheit mit unserer Arbeit zu halten und sein Andenken zu ehren. Zu­nächst stellten wir uns die Aufgabe, das, was Her­mann Faulhaber geschaffen, zu erhalten und in seinem Sinne weiter auszubauen: die deut­sche Schule hier in Neu-Württemberg. Es ist hier nicht der Platz, darüber zu berichten, in wel­cher Weise wir dieser Aufgabe nachkamen; nur das will ich erwähnen, daß wir im Mai vorigen Jahres dieser Schule ein großes prächtiges Heim über­geben konnten, in dem Schule und kirchliche Ver­eine und unsere Volksbücherei außer einem gro­ßen Festsaal nun ihre Räume haben. Neben dieser Arbeit für die Schule trieben wir seit Beginn eine umfangreiche Deutschtumsarbeit durch Unterhaltung einer 3000bändigen Volksbücherei, durch einen ausgedehnten Zeitungsdienst, in dem wir jährlich bis zu sieben tausend deutsche Zeitun­gen kostenlos unter die Bevölkerung bringen, durch Unterhaltungsabende und durch einen Kulturfilmdienst Von diesem möchte ich heute erzählen.

Schon bevor wir den Schmalfilmapparat erwar­ben, begannen wir den Filmdienst. Wir hatten da­mals einen wundervollen Normalfilm, der in acht großen Teilen von der deutschen Heimat erzählte: im Traum erlebt ein junger Mann ein Märchen, er kommt durch deutsche Gaue durch Industrie und Kunst, durch alle Schönheit deutscher Natur . und alles das lebt und webt im Film Mit diesem Film zogen wir in die Bezirke unserer Kolonie und gaben an etwa 10 Plätzen Vorführungen Darunter an manchen Plätzen, an denen viele nie elektrisches Licht, geschweige dann bewegliche Filme sahen! Wie haben die Menschen gestaunt! Schon wenn wir an­kommen, und haben uns durch drei Raketenschüsse angemeldet, damit die Leute wissen: die Spieler (so nennt man uns) sind da! kommt groß und klein und wundern sich, was da alles aus dem Fracht­auto herauskommt: der Vorführungsapparat, ein Motor, der als Scheinwerfer auf deutscher Seite einst den Weltkrieg mitmachte und nun hier den elektrischen Strom liefern muß, Leitungsdraht und manches andere, Durch irgendeine Ritze in der Wand, die Säle sind meist aus Holz gebaut, legen wir die Leitung, bringen im Saal und draußen Glühbirnen an, bauen den Apparat auf, spannen die Leinwand, richten den Kassentisch und setzen Bänke und Stühle . . langsam wird es dunkel und langsam kommen die Zuschauer.

Einige Tage vorher haben wir durch den Lehrer des betreffenden Bezirkes Programme verteilen und durch die Schüler Karten verkaufen lassen. Jedes Kind, das zehn Eintrittskarten verkauft, be­kommt eine Freikarte, wobei wir aber die Zahl zehn auch schon früher gelten lassen Es bleibt uns noch Zeit, etwas zu Abend zu essen. Das ist bei den verschiedenen Saalbesitzern ganz verschieden. Meist gibt es Kaffee, Brot, Streußelkuchen und Mettwurst! Und manchmal muß guter Hunger den guten Geschmack ersetzen. Dann rappelt der Motor, das Licht flammt auf und Staunen liegt besonders in der»-Kinderaugen! Unser Vorsitzender bedient den Apparat, ich die Kasse. Erst ein Rundgang durch den Saal, die Karten abfordern, dann an den Ein­gang die Schelle ertönt und das erste Bild ist da!

Köstlich ist es nun, besonders dort, wohin wir Zum erstenmal mit- Filmen kamen, die Wirkung au beobachten. Erst lautlose Stille, bann ein Lachen

»ch^ien fast: ist es doch gar nicht auszudenkem oatz der Mann da auf der Leinwand den Mund bewegt daß ein Auto plötzlich fast in die Zuschauer Ylnemfahrt, hinter einer Katze sauft ein Hund her. nein, wie ist das alles nur möglich! Immer wieder orehen Kopie sich um und schauen zum Apparat, nur einen Auaenblick, vielleicht kann man schnell hinter das Geheimnis kommen, doch nein, chnell fieber zur Leinwand hin, wo schon wieder neue ueberrafdjungen sind. Dann kommt Schrift, be- oachtig fangt neben mir ein Kolonist mit an au *Cnn?Urfd)' W bie Schrift fort!Das geht zu schnell , sagt der Mann. Da sind wir dazu über­gegangen, selbst den Text laut mit oorzulesen und aud) weiterhin die Bilder zu erklären. Nun gehts besser. *

Und so staunen nun volle zwei Stunden in großer Aufmerksamkeit die Menschen da draußen das an, roas unser Apparat ihnen vorführt. In den Pausen stuelt einer Ziehharmonika, den wir für diesen Zweck für eine kleine Entschädigung bestellten. Als ich ihm nach Schluß sein Verdientes gebe, sagt er treuherzig, ich solle das Eintrittsgeld abhalten, er hatte noch nicht bezahlt! Was ich natürlich nicht tue. Auch zum Wirt gehe ich und will das Abend­essen bezahlen: Nein, sagt der, ihr habt uns so was Schönes gezeigt und wir haben doch auch kein Ein­trittsgeld gezahlt, da braucht ihr nichts zu bezahlen, und mit so schönen Filmen könnt ihr öfter kom men!" Das macht dann Freude! Noch beim Ab­räumen stehen alle um uns herum und sehen zu, wie alles verpackt wird. Dann hört der Motor zu rappeln auf, der Wirt sorgt für Lampenbeleuchtung, im Nu sind Bänke und Stühle fortgeräumt, wir sitzen schon im Frachtauto, da ertönt die Zieh­harmonika: ein gemütliches Tanzkränzchen hält die Leutchen noch lange zusammen. Wir aber fahren mübe und still und doch voll innerer Frohheit wieder heim und kommen meist nach Mitternacht erst zur Ruhe. Immer aber dankbar, daß wir mit­helfen konnten, für unser deutsches Vaterland zu werben, daß wir Freude bringen durften unfern deutschen Volksgenossen hier in der Heimat fernem Lande.

Seit mir den Schmalfilmapparat haben, ist es für uns viel einfacher. Da fahren immer nur der Vorsitzende und ich im kleinen Auto und nur da­hin, wo elektrische Kraft vorhanden ist. Kürzlich zu einem Müller, der für sich und seine Nachbarn eine Wasserkraft ausnutzt und Licht erzeugt. lieber» all unterwegs an Bäumen, Zaunpfoften usw. find unsere Propagandazettel angeklebt. Tage vorher war unser Vorsitzender zu Pferde hinaus gewesen und hatte das besorgt. Ein Saal ist nicht bei der Mühle. So bauen wir im Freien auf. Am Schweineftall werden Leisten mit der Leinwand befestigt, von der Hinteren Treppe des Wohnhauses werden die Bilder darauf geworfen. Bretter und Baumstümpfe dienen als Sitzgelegenheit. Da es uns beim vorletzten Mal passierte, daß wir in einem Bezirk nichts zum Abendessen bekamen, haben wir vorgesorgt und stehen am Auto im Halbdunkel und ... futtern. Da kommt der Müller: kommt schnell rein, das Essen ist auf dem Tisch, Und da gabs ein nettes Abendessen, freiwillig und gern gegeben. Aber noch mehr Ueberraschungen brachte der Abend. Der erste Film zeigt den Bergbau im Kohlenrevier an der Ruhr. Eben wollen wir er­klären beim ersten Bild, da fingen zwei weibliche Stimmen mit Lauten Begleitung: Glückauf, Glück­auf, der Bergmann kommt!" Mich hat das ordent­lich gepackt! Wie ich denn überhaupt bei all diesen Sachen unendlich viel Schönes erlebe!

Auch der finanzielle Erfolg dieses Abends im Freien war gut. An Unkosten kommen die für

das Auto, für Propaganda, Raketen und Film­miete in Frage. Der Ueberschuß kommt Schul­zwecken zugute. Auch die Bezirksschulen, die den Vorverkauf besorgen, bekommen etwas mit. Die Hauptsache aber ist, daß wir unfern Volksgenossen d i e Heimat, unser Deutschland nahe bringen konnten. Daß wir sie teilnehmen lassen konnten am großen Geschehen im heutigen Deutschland. Wir haben über Neu-Württemberg eine reich mit Bildern geschmückte Schrift herausgegeben, die man

für 1,15 RM. mit Porto von Herrn Studienrat Kuhlmann in Berlin-Dahlem, Habelschwerdter Allee 16, beziehen kann. Auch der Ertrag dieser Schrift kommt unserer Deutschtumsarbeit zugute, einer Ar­beit, die einmal nur aus Freude getan wird, bann aber auch aus Pflichtgefühl, aus Dem heraus wir, soviel wir können, werben wollen für unser nun wieder so stolzes und großes deutsches Vater­land.

Eine Hochzeit in der Sportwelt.

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Am 13. Juli werden die deutsche Weltfliegerin Elly Beinhorn und der erfolgreiche Rennfahrer der Auto-Union Bernd Rosemeyer auf dem Milmersdorfer Standesamt in Berlin getraut.

Die Jagd im Juli.

Brachte der Juni die Eröffnung der Jagd auf den Rehbock, so steht auch noch der Juli in dem Zeichen des Bockes. Das Ziel des Juni-Abschusses, die Ausmerzung der Artverderber, konnte auch dort, wo der Jäger mit Eifer danach strebte, nur unvollkommen erreicht werden. Der Witterungs­verlauf bedingte, daß bereits Ende Mai ein großer Teil des Rehwildes im Getreide, im hohen Wiesen­aras oder im Klee stand und damit nur schwer zu besagen war. Hinzu kam, daß der Bock Ende Juni in die Feiste tritt, das soll heißen, daß er wenig um sich geht und daher auch dem Jäger nur wenig zu Gesicht kommt. Wenn Ende Juni die Wiesen gemäht sind, werden die Verhältnisse mitunter etwas günstiger, doch erst wenn die Liebe sich im Blute regt, wenn um die Mitte des Juli die Brunft des Rehwildes beginnt, ist wieder mehr Aussicht auf guten Anblick gegeben. Diese Zeit aber gilt es vor allem auszunutzen, um die abschußnotwendigen Böcke noch auf die Decke zu legen, bis bann vom 1 August an auch der Schuß auf den jagdbaren, guten Bock freigegeben ist. Wer Gelegenheit hatte, einen Teil der Strecke dieses Jahres bereits zu sehen, wird festgestellt haben, wieviel schlechtes, kümmerliches Zeug mit verbogenen ober porösen Stangen ober armseligen Knöpfen trotz bes milden Winters noch vorhanden ist, er wird aber auch im Revier gesehen haben, wieviel hoffnungsvolle Bocke dort heranwachsen. Benutzen wir deswegen die kommende Blattzeit und zwar möglichst bald dazu, um noch hinwegzunehmen, was weg sollte.

Im Rot- und Damwild remer schieben die Hirsche noch, um bann Ende bes Monats meist mit bem Fegen zu beginnen. Alttiere führen wie die Nicken ihre Kälber und verlangen in der Zeit be­sonderen Schutz des Jägers gegen Störungen durch Mensch und Tier.

Im Feldrevier geht die Brutzeit des Federwildes zu Ende. Das Wetter war überall dort, wo nicht schwere Regengüsse auftraten, nicht ungünstig, so daß hoffentlich bie Bruten gut durchgekommen finb. Leiber finb wieder erhebliche Verluste beim Mähen zu verzeichnen.

Die jungen Enten sind schon so groß, daß die Jagd auf die Wildenten ab 16. Juli freige­geben ist. Der Jäger, der daran Freude haben will, wird allerdings nur solche Jungenten schießen, die wirklich schon slugreif und schußbar find. Im Win­ter 1928/29 sind nach zuverlässigen Schätzungen 75 v. H. bes gesamten Entenbesatzes in Deutschland eingegangen. Diese Scharte ist noch lange nicht aus- gewetzt, und in verschiedenen Teilen Deutschlands sind großzügige Maßnahmen zur Hebung des En­tenbesatzes im Gange. Wenn bei uns bie Entenjagd auch nur eine untergeordnete Rolle spielt, sollten wir uns durch die Opferbereitschaft der Jäger Nord­deutschlands nicht beschämen lassen und grundsätzlich bie alte Ente schonen, wenn sie irgenb anzusprechen ist. Gerade bie Jungenten führenbe Entenmutter aber läßt sich burch ben Größenunterschied leicht er­kennen. Es soll zwar auch Jäger geben, die umge­kehrt verfahren und zuerst die alte Ente schießen, um die Jungen führerlos zu machen. Darüber, baß dieses Verfahren mit bem Geiste bes Reichsjagd- gesetzes nicht zu vereinbaren ist, kann kein Zweifel bestehen. Es sei beshalb bavor gewarnt! Die He­bung des Entenbesatzes liegt nicht nur im jagd­lichen, sondern auch im Allgemeininteresse. Die Enten vertilgen auf Bächen und Gräben eine Un­menge von kleinem Getier, bas z. T. äußerst schäb- lich ist. Denken wir nur an bie Schnecken, bie als Zwischenwirte bes Leberegels bort leben unb Haus­tiere unb Wilb gefährben. Die deswegen wünschens­werte Entenschonung muß allerdings auch von an­derer Seite gefordert werden. Solange es üblich, jeden Bach geradezulegen unb febes Ufergebüsch zu beseitigen, kann es ntft ben Enten nicht mehr auf­wärts gehen.

Die Erfahrungen bes Juni haben gezeigt, baß sich zahlreiche Jäger noch nicht genügenb mit der neuenWildoerkehrsordnung" vertraut gemacht haben, bie an Stelle berWildhandelsordnung" ge­treten ist; sie war in vollem Umfange in ben Jagd­zeitungen abgedruckt. Vor allem ist es notwendig, baß alle Jagbausübungsberechtigten sofort bei bem für ihren Wohnort zuständigen Kreisjägermeister

Fünfzig Lahre Goethe-Nationalmuseum.

Von Walter Schwerdtfeger

Arn 3. Juli 1886 wurde das Goethe- Nationalmuseum in Weimar der Öffentlich­keit übergeben.

Bald nach Goethes Tode hat der Archäologe C. A. Böttiger die Anregung gegeben, das Haus des Dichters in Weimar zu einemNational­museum" umzugeftalten und seine Sammlungen dem Volke zugänglich zu machen. Der Deutsche Bund hat dann langwierige Verhandlungen mit Goethes Enkeln um den Ankauf des Nachlasses ge­führt, die schließlich ergebnislos abgebrochen mor­gen sind. Durch das Testament des letzten Goethe- Nachkommen gelangte 1885 das Haus am Frauen­plan samt seinen Kunstschatzen in den Besitz des weimarischen Staates. Ein Jahr danach, am 3. Juli 1886, wurde das Goethe-Museum der Oefsentlichkeit übergeben.

Die Vorgänge in seinem Hause haben tiefe Schatten auf Goethes letzte Lebensjahre geworfen. Früh starb Christiane. Auf feiner Jtalienreife erlag 1830 in Rom der degenerierte Sohn dem Fieber. Niemand durfte in bem großen Haus am Frauenplan vom Tobe Augusts von Goethe spre­chen;das Ausbleiben meines Sohnes", so sagte der alte Mann. Der Einundachtzigjährige mußte die Wirtschaft aus den Händen der hemmungs­losen Schwiegertochter nehmen; nun ließ er das Brot abwiegen und schlief, den Schlüssel zum Hol^ stall unter feinem Kopfkissen. In Wien, wohin sich Ottilie nach Goethes Tod mit ihrem Geliebten, einem jungen Engländer, begeben hatte, starb sieb­zehnjährig ihre einzige Tochter, Alma von Goethe. Nur die beiden Knaben blieben: Maximilian Wolf- gang, ber Dichter, unb Walter Wolfgang, ber Mu­siker. Beide schmal, scheu, Durchschmttsmenschen, die die Last des großen Namens erdrückte, den sie führten. Unoermählt sind sie gestorben, nachdem sie ein halbes Jahrhundert lang das Erbe. pedantisch gehütet hatten.Ein unvergeßlicher Anblick bot sich mir dar", so beschreibt Herman Grimm seinen Eindruck,als ich kurz nach Walthers Tode in die eben eröffneten, viele Jahre unangerührten Boden­kammern eintrat, wo der Wust Goethefchen alten Hausrates zufammengehäuft unb staubbedeckt Da- stand."

An 40 000 Gegenstände umfassen Goethes na- turwissenschastliche Sammlungen:

Herbarium, Gesteine, zoologische Präparate. Die Allgegenwart des Göttlichen ist es, die Erhaben­heit ber Schöpfung, bie sich ihm in dem Wunder- gebild eines Blütenkelches, dem Schulterknochen eines fossilen Stieres oder in einem Stückchen tonigen Ockers offenbarte.

Da sind die zahlreichen Kunstschätze. Die Mün­zensammlung, zumeist aus antiken Stücken bestehend, die aber auch viele der schönen dünnen Silbermünzen bes deutschen Mittelalters enthält. In bem kleinen Neubau finb Bronzeabgüsse von Stücken aus ber Blütezeit ber italienischen Gold- schmiedekunst untergebracht. Außerdem findet man dort Majoliken aus Gubbio, Faenza und Urbino; ferner an zehntausend Abgüsse der schönsten Gem­men unb Kameen aller Zeiten, antike Vasen unb Bronzen, Elfenbein- unb Holzplastiken ber Re­naissance unb ber Barockzeit. In ben Schränken ruhen in vielen Mappen bie Kupferstiche, Rabie- rungen, Holzschnitte und Handaeichnungen, bie Goethe gesammelt hat. Unter ben Originalen finden sich Blätter von Altdorfer, ein Aquarell Peter Vischers d. I.; aus neuerer Zeit Chodo- wiecki, Tischbein, der das bekannte Bild geschaffen hat, welches Goeche in der Campagna barftellt, Cornelius, Caspar David Fried- rich und Philipp Otto Runge, eine Tänzerin von Watteau, Blätter von Boucher und Gr e uze, Landschaften von Claude Lorr a in. In schonen Abdrücken sind bie Werke von Silbe- greoer, Behaim, Dürer unb Schon- gauer vertreten, Stiche nach M a n t e g n a , Giulio Romano unb ben Meistern ber venezia­nischen Schule, Tizian vor allem; bie bebeutenb» ften Niederlänber wie Rembranbt, Asselyn, O stabe unb van Dyck. Daneben viele Schatten- aeidinungen, Mebaillons von Davib d ' A n g e r s , der bem Dichter 1830 bie Goethe-Büste schenkte, bie sich heute in ber Bibliothek zu Weimar befindet. Mehr als 2000 Blätter gibt es von Goethes eige­ner Hand. _ m

Goethes Haus am Frauenplan,em Pantheon voll Silber unb Statuen" nach I e a n P a u l s Warten, erinnert an einen italienischen Palast. Goethe hat einmal geftanben daß eine Vorliebe für schöne Treppen verberblich für sein Haus ge­worben fei, inbem bie Zimmer alle kleiner ausge. lallen feien, als sie fällten. Die sechzehn historischen Wohnraume im ersten Stock hat man m.eber un- gefäl)r in ben Staub gefetzt, ben sie bei Lebzeiten Goethes hatten. Da ist bas Juno-Zimmer, bas leinen Namen nach bem neben ber (Eingangstur stehenden Abguß bes herrlichen Junokovfes aus ber Billa Lubovisi erhielt, ben Goethe von feiner italie-

nischen Reise mitbrachte. Das Zimmer, ganz in Blau gehalten, diente als Empfangsraum. An der Wand, die grünen Vorhänge find beiseite geschoben, ist eine Kopie des Freskos von der Aloobrandi- nischen Hochzeit. In der Ecke steht der kostbare Wiener Flügel, auf dem Zelter und Clara Schumann gespielt haben, auf dem die schone Szymanowska phantasierte und in Goethes Herzen den Nachklang der jugendlich-seligen Tage von Marienbad erweckte,den Götterwert der Töne wie der Tränen".

Nach dem Garten offnen sich die Fenster des schlichten Arbeitszimmers.Eine Umgebung von bequemen und geschmackvollen Meublen hebt mein Denken auf und versetzt mich in einen behaglichen passiven Zustand." An dem großen Mitteltisch saß der Sekretär, und um ihn wandelte der Ansagende stundenlang feine Kreise. Auf dem Stehpult am Fenster liegt ein Thermometer, ein Brennglas und ein Feuchtigkeitsmesser. Auf einer langen Liste sind die Gartenarbeiten verzeichnet, die Goethe im März, feinem Sterbemonat, machen wollte. Sämereien und Pflanzenteile liegen in den Schubladen; am Fenster ist ein Tellerchen mit Erde stehen geblieben. Durch eine Tapetentür betritt man das Schlaf­zimmer, ein enges, unheizbares Gemach. Es war versiegelt und ist völlig in dem Zustand erhalten, in dem es sich an jenem Tag des Frühlingsanfangs 1832 befand, da Goethe in dem Lehnstuhl neben dem Bett verschied ...

Aus Quedlinburgs germanischer Vorzeit

In Quedlinburg, der alten Stadt Heinrichs I., in der in diesen Tagen die Gedenkfeier zur Erinnerung an den Schöpfer des ersten deutschen Volksreiches stattfindet, haben die Ausgrabungen Spuren von Siedlungen ergeben, die weit in die germanische Vorzeit zurückreichen. Im Juliheft der bei K. F. Koehler in Leipzig erscheinenden Monatsschrift Germanien", das als Sonderheft zum 1000. Todes­tage König Heinrichs erscheint, gibt K. Schir- w i tz einen Ueberblicf über diese geschichtlichen Stätten Quedlinburgs. Der Königshof, das heutige Klostergut St. Wigbert, liegt, wie ältere und neuere Funde aeigen, an einer Stelle, an der schon vor einem Jahrtausend v. Chr. germanische Ge­schlechter ihre Hofstätte hatten; das heutige Aus­sehen der Kapelle, deren erste Anlage für die Zeit um 840 angenommen wird, zeigt in dem Zustand der meisten Bauteile und in der Art ihrer Ver­wendung, daß sie von einem noch älteren Bau stammen müssen. Für den Schlohberg, eine hoch­

ragende Kuppe, ist anzunehmen, daß hier bereits während der jüngeren Steinzeit eine stärkere Besied­lung durch nordische Siedler eintrat. Dom letzten Jahrtausend v. Chr. an setzt eine neue dichte Be­siedlung ein, die auf starken Zuzug aus südhan­növerschen Germanengebieten schließen' läßt. Diese Siedlungen müssen schon burgähnliche Anlagen ge­wesen sein. Die letzten Grabungen vor der Krypta haben auch für die frühgeschichtliche Zeit neue Er- gebniffe gebracht, durch das Auftreten eines kleinen Skelettfriedhofes, dessen ältere Gräber, von denen einige noch Beigaben hatten, in den gewachsenen Felsen so eingetieft waren, daß für den Kopf eine besondere Nische herausgearbeitet worden war, wie sie auch sonst im Gebiet auftreten. Damit wird eine Festlegung dieser Grabform für eine wesentlich frühere Zeit sicher, als man bisher geneigt war anzunehmen, nämlich für das 9. bis 16. Jahrhun­dert. Gerade dieser Friedhof beweist am deutlichsten, wie die Zeit Heinrichs eine Fortsetzung dessen be­deutet, was seit langem Brauch war. Von dem ehe­mals umwallten Strohberg liegen bisher außer Spuren der Umwallung Reste aus der jüngeren Bronzezeit vor; wichtiger sind einige römische Mün­zen und eine kleine Bronzeschale aus der ersten Germanenzeit. Den Anschluß an die geschichtliche Zeit vermitteln verschiedene Einzelfunde wie Eisen­messer und Würfel und frühdeutsche Tonwaren. Von König Heinrich wurden die alten germanischen Volksburgen auf dem Schloßberg und dem Stroh­berg, die die alten Straßen von Osten nach Westen und Norden nach Süden beherrschten, zeitgemäß und zweckentsprechend umgestaltet. Auch die einzel­nen Teile der Altstadt haben vorgeschichtliche Sied­lungen erkennen lassen.

6od)fd)ulnad)rid)ten

Professor Dr. Klughardt, Extraordinarius für Zahnheilkunde an Der Universität Jena, ist zum ordentlichen Professor in Jena ernannt worden.

Professor Dr Traugott Fischer, Extraordina­rius für Vermessungswesen an der Technischen Hochschule Stuttgart, ist zum ordentlichen Professor in Stuttgart ernannt worden.

Professor Dr. Otto Graf, Extraordinarius für Baustoffkunde an der Technischen Hochschule Stuttgart, ist zum ordentlichen Professor in Stuttgart ernannt worden

Professor Max Gutzwiller, Ordinarius für Römisches und Bürgerliches Recht an der Univer­sität Heidelberg, ist auf eigenen Antrag von oen ^amtlichen Verpflichtungen entbunden worden.