Ausgabe 
3.6.1936
 
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sie das Volk nennt.

Walter Neurath.

Aus der Provinzialhauptstadt

dem

geben

legen einen Baum anrannte. Durch den heftigen

Umbau imBühnenhausdesGtadttheaters

ge-

Am sich in

nau mit Sonnwende zusammen fällt. Schon sein Name soll sehr vielen Nutzen bringen. Wer auf den Namen des Täufers getauft ist, über den soll der Teufel keine Macht haben, ja er soll ein Gückskind sein. Alle Burschen im Märchen, die sachteweg in ihr Glück hinein- manchmal auch vor­beistolpern, heißen Hans. Für Johannistag gilt das abwartende Wort des Wetterpropheten:

Am St. Johannismorgen

istGerst' und Hafer weder geraten noch verdorben."

Nun kommt die große Jahreszeitenscheide heute Frühling, morgen Sommer erst zur Aus-

** Neue Impftermine werden von der Stadtverwaltung in unserem heutigen Anzeigenteil bekanntgegeben. Die vor einigen Tagen veröffent­lichten Termine sind aufgehoben worden. Interessen­ten mögen die heutige Bekanntmachung beachten.

** Ausbruch der Rotlaufseuche. Die

Polizeidirektion Gießen teilt mit: In dem Schweine­bestand des Louis Keiner in Gießen, Walltor­

wirkung. Und auch sonst soll nun, nach 24. Ium, die Sonne Herrscherin bleiben:

Gute Möbel bei Koos

Giessen Schulstr6

bei alle Arbeiten unter Nutzbarmachung sämtlicher technischer Neuerungen auf diesem Gebiete vorge­nommen werden können. Die Drehbühne wird einen Durchmesser von 12 Meter haben. Ihr Einbau geht dergestalt vor sich, daß die jetzt bereits be­stehende eiserne Unterkonstruktion der Bühne um etwa einen Meter abgeschnitten, d. h. in ihrer Höhe verringert wird, damit die Lagerung der neuen Drehbühne auf diesen Unterbau aufgesetzt werden kann, ohne das Niveau des Bühnenbodens zu er­höhen. Bei dieser Gelegenheit soll auch ein elektri­scher Antrieb für das Bühnenportal geschaffen wer­den, das sich künftig in Hochformat und in Quer­format mit Leichtigkeit verwandeln lassen wird. Ein gleicher elektrischer Antrieb wird für den Rund­horizont der Bühne eingebaut werden. Um dem gegenwärtigen Raummangel auf der Bühne nach Möglichkeit entgegenzuwirken, hat man ferner vor­gesehen, die Dekorationszüge vom Bühnenboden weg zu verlegen und auf die obere Arbeitsgalerie zu verbringen.

Durch diese Erneuerungen erhofft man sich eine wesentliche Erleichterung der technischen Bühnen- arbeiten und damit auch eine flottere Abwicklung der Szenenumbauten, damit künftighin der Ver­lauf der Vorstellungen in flotter Folge vor sich gehen kann. Am heutigen Mittwoch wird in einer Besprechung der technischen Einzelheiten die Durch­führung der gesamten Erneuerung endgültig festge­legt werden.

des Holzes für das Sonnwendfeuer:

Heiliger St. Veit, schick uns ein Scheit! Heiliger Hans, ein recht lang's!

Sixt, ein recht dick's!

Florian, zünd' unser Haus nicht an!"

Hans ist natürlich Johannes, dessen Tag fast

Die deutsche Rrbcitofront v < n.9,=6cmcinf(haftfiraft durch frcuöc

werde, sich verringern.

VertehrSunfall in der Marburger Straße.

134 Tote, 4064 Verletzte!

Reichsverkehrsminister Freiherr von E l h - Rübenach feilt mit: In der vorigen Woche wur­den im Straßenverkehr 134 Personen getötet und 4064 Personen verletzt.

Durchschnittlich kommen zur Zeit im Straßen­verkehr des Reiches wöchentlich 120 Menschen um und rund 3000 Menschen werden verletzt.

Fußgänger, Radfahrer, Pferdekutscher, Kraft­fahrer! Schiebt nicht einer die Schuld auf den an­dern! Jeder erziehe sich dahin, daß die Unfalls­zahlen, die ich von jetzt ab wöchentlich bekannt-

Schaden kamen. An jener Stelle wollte ein Motor­radfahrer, der in Richtung Lollar fuhr, seine Ma­schine wenden, ohne jedoch durch Zeichen anzu­geben, daß er umdrehen wolle. Ein hinter dem Motorradler fahrendes Auto erfaßte infolgedessen den auf die Mitte der Straße gefahrenen Motor­radler an einem Rad und kam dadurch aus der Fahrtrichtung auf die linke Straßenseite, wo es

nach rechts oben schräg gestellten goldenen Pfeil mit silberner Spitze zeigt, der über ein Mernes Herz führt. Zu beiden Seiten des Pfeils befindet sich je ein secyszackiger goldener Stern. Das Modell von Bildhauer Ludwig G ü n g e r i ch, Gießen, für das Kriegsehrenmal in Wieseck, als Bildbeigabe in Dr. Karl BernbecksKriegsbrlefe gefallener Ka­meraden", fand gebührende Beachtung. In einer Ernstes und Heiteres verbindenden Tischrede unter­strich Dekan Sattler, Wieseck, ausgehend von der ersten Christengemeinde, den Wert des Fa­milientages für Volk und Staat und gab dem Ge­löbnis der Treue für Führer und Vaterland in einem freudig aufgenommenen Sieg-Heil Ausdruck, worauf das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied gesungen wurde. Beim gemütlichen Teil füllte Paul G ü n g e r i ch, Salzkotten, noch manche Tanz­pause mit dem Vortrag heiterer Geschichchen aus Thüringen und Sachsen.

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Zusammenvrall wurde das Auto auf die Straße straße 41, ist Schweinerotlauf festgestellt worden, zurückgeschleudert und drehte sich hierbei um seine 1 Gehöftsperre ist angeordnet.

' fachsten Farben. Die vielbesungene Heckenrose (Rosa dumetorum), die Hundsrose (R. canina), die Essigrose (R. gallica) und die vielen Garten­formen. Es erübrigt sich wohl, die Rose näher zu beschreiben, denn sie ist eine der wenigen Blumen, die seit alters dem Volke bekannt und lieb ist, das beweisen die vielen Redewendungen, Sprichwörter und vor allem die Lieder, in denen die Rose be­sungen wird. Auch in der bildenden Kunst ist keine Blume so oft dargestellt und als Sinnbild verwendet worden, wie die Rose, die Königin der Blumen, wie

eigene Achse, so daß es mit der Spitze des Wagens in Richtung Gießen stand. Bei dem Anprall an den Baum wurden zwei Insassen des Autos verletzt, und zwar hat der eine einen Oberschenkelbruch er­litten, während der andere Schnittwunden davon- trug. Der Motorradler blieb unverletzt. Das Auto mußte schwer beschädigt abgeschleppt werden, das Motorrad wurde nur leicht beschädigt.

Schweres Motorradunglück.

Ein verunglückter in der Gießener Klinik gestorben.

Am zweiten Pfingstfeiertag verunglückte der 38 Jahre alte Walzenmeister Karl K e r st i n g aus Sinn, der sich, mit seiner Frau auf dem Soziussitz, mit dem Motorrad auf der Rückfahrt vom Rhein befand, in der Nähe von Hachenburg dadurch schwer, daß er in einer unübersichtlichen Kutve gegen ein Auto rannte. Der bedauernswerte Mann erlitt dabei einen schweren Schädelbruch und eine Reihe weiterer schwerer Kopfverletzungen. Seine Frau trug einen Kieferbruch davon. Das Ehepaar wurde am gestrigen Dienstagabend von Hachenburg nach der Gießener Klinik überführt, wo der Mann am heutigen Mittwochfrüh seinen Verletzungen er­legen ist.

Juni.

Es istim Leben häßlich eingerichtet, daß bei den Rosen gleich die Dornen stehn , aber die Dornen stören eigentlich weniger als die Läuse. Und wegen dieser Blattläuse, die der Rosenmonat Ju­nius reichlich ausbrütet, muß er sich neben feinem poetischen Namen auch die BezeichnungLuse- maen" (Läusemonat) gefallen lassen, wenigstens in dem rosenreichen Holstein.

Der Juni ist die Brücke zwischen Lenz und Som­mer und somit eine Quelle der Hoffnungen, aber auch der Sorgen für den Bauern, der gerade jetzt zwischen Saat und Ernte Kopf und Hände reich­lich voll hat. Wann auch hätte die alte Zweifels­frage:Wie wird das Wetter?" mehr Berechtigung als jetzt zwischen Blüte und Reife? Nicht zu ein­seitig soll die Witterung sein:Juni feucht und warm, macht den Bauern nicht arm!" Deshalb ist auch nicht Regenwind oder Trockenwind erwünscht sondern ihr Zwischending, der nur im Winter lästigeBoreas":

Wenn im Juni Nordwind geht, das Korn zur Ernte trefflich steht."

Im großen und ganzen grenzen sich die bäuerlichen Wetterwünsche nach dem Ablauf des Monats ab, immer unter dem Gesichtspunkte: Dor der Reife etwas feuchter, beim Ausreifen aber recht sonnen- warm.

Bunt durcheinander gehen also in diesen Juni­wochen Wünsche, Befürchtungen und Prophezei­ungen. Das sieht man schon an der Bedeutung ein» zelner Monatstage im bäuerlichen Brauchturne: Wie's wittert am Medardustag (8. Juni) bleibt's sechs Wochen lang danach." Deshalb ist noch alle Möglichkeit vorhanden, gut gedeihende Aussaaten zu machen:Wer auf Medardus baut, dem wächst viel Heu und Kraut". Auch Flachs sät man am Me- darditag gern. Und der Winzer urteilt:Wie Me- dardus schlecht oder fein so wird auch der heurige Wein".

Der 15. Juni ist St. Veit geweiht. Dann pflegt warmes Wetter von Bestand zu bleiben. Das zeigt schon die Vermehrung des Ungeziefers:St. Vit bringt d' Flieg'n mit" heißt es alemannisch. Uebri- gens führt man den glücklicherweise heute selten gewordenenVeitstanz", diese mehr oder weniger heftige Muskelzuckung, auf die Wärmeeinwirkung der Juniwochen zurück (Mediziner mögen entschei­den, ob das gerechtfertigt ist). Im übrigen beginnen viele Dorfkinder am 15. Juni mit dem Sammeln

Schon seit Jahren macht sich im Bühnenhaus unseres Stadttheaters der Mangel einer geeigneten technischen Einrichtung zur schnellen Herstellung neuer Bühnenbilder während der Vorstellungen empfindlich bemerkbar. Je länger je unangenehmer wurde dieser Uedelstand bei dem Wechsel des Szenenaufbaues sowohl von der Theaterleitung, als auch von den technischen Mitarbeitern unserer Bühne empfunden, so daß sich immer stärker die Not­wendigkeit einer neuzeitlichen gründlichen Erneue­rung herausstellte. Nunmehr ist in dieser Hinsicht eine Entscheidung getroffen worden, von deren Aus- roirtung man auf eine befriedigende Lösung nach Maßgabe der zur Zeit bestehenden Möglichkeiten erwarten kann, wobei man sich aber darüber im klaren ist, daß auch die jetzige technische Neuord­nung noch feine endgültige Behebung aller Schwie­rigkeiten darstellt, sondern die wirklich durchgreifende Besserung erst in Verbindung mit einer baulichen Erweiterung des ganzen Bühnenhauses erzielt wer­den kann. Man darf daher wohl der Hoffnung Aus­druck geben, daß es in absehbarer $eit der Stadt­verwaltung möglich fein möge, diese Erweiterung des Bühnenhauses finanziell zustande zu bringen.

Gegenwärtig wird der Einbau einer modernen Drehbühne im Bühnenhaus in die Wege geleitet. Die Arbeiten sollen in etwa drei Wochen beginnen und bis zum 20. August beendet fein, so daß die neue Bühneneinrichtung mit Beginn der Winter­spielzeit zur Verfügung steht. Die moderne Dreh­bühne, die an die Stelle einer vor Jahren bereits behelfsmäßig geschaffenen, aber schon lange nicht mehr benutzten Einrichtung treten wird, gewähr­leistet den raschen und einwandfreien Umbau des I Bühnenbildes im Verlaufe der Vorstellungen, wo-

Achter Johannisdage mutt man nich um Regen bibben,

wenn een ok bat Sweit von ber Swaren loppt."

Deshalb sieht man auch dem Siebenschläfer (27. 6.) mit gemischten Gefühlen entgegen. Aber bas mit bemSiebenwochenregen" ist boch etwas übertrieben. Man hat 56 Jahre hindurch die Probe gemacht; in dieser Zeit regnete es 26mal an diesem Lostage, und nur 11 mal folgte ein Dauerregen! Und das wäre ganz gut, wenn es meist so gnädig abgehen sollte, denn für den 29. Juni gilt Jahr für Jahr die Bauernweisheit:An Peter und Paul stirbt dem Roggen die Wurzel ab!" Das Wachstum ist beendet, die Reifezeit beginnt.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

Gloria-Palast, Seltersweg:Der Abenteurer von Paris". Lichtspielhaus, Bahnhofstr.: Broadway» Melodie".

Befennfnisgemeinbe Gießen.

Heute, Mittwoch, abend Vortrag im Johannessaal überAmt und Recht des Laien beim Neubau ber Kirche". (Siehe heutige Anzeige.)

7. Güngerich-Familientag.

Zum siebenten Male war ber alle zwei Jahre in Gießen tagenbe Familientag ber Güngerich ein­berufen worben. Es waren an bie 80 Teilnehmer, die von nah unb fern sich am Nachmittag bes zwei» ten Pfingsttages im Haus bes Gesellschaftsvereins versammelten. Den Vorsitz führte ber beseitige Se­nior ber Familie, Oberamtmann Robert Gün­gerich von Hof Oppelshausen bei Altenstabt (Hessen). Paul Güngerich, Gießen, in dessen Hand wieder die Vorbereitung gelegen hatte, ge­dachte an mancherlei Freud und Leid im Kreis der Familie seit dem letzten Familientag. Die Verstor­benen, dabei ber frühere Senior, ber Landgerichts» Präsident i. R. Geheimrat Dr. jun Gustav Gün­gerich, Gießen, wurden in ber üblichen Weise ge­ehrt. Von ben Anwesenden hatten zwei bereits Die achtzig überschritten. Stammbäume, angeheftet an ber Wand und ausgebreitet auf ben Tischen, unter­stützten ben Bericht über bie in ben beiden letzten Jahren gut fortgeschrittenen Forschungen. Mit gro­ßem Interesse nahm man Kenntnis von dem man­cherlei Material, das in den Waldeckschen Akten über die Mennoniten zu finden ist. Es wurden viele Verhandlungen geführt zwischen der Regie» rung und den Mennoniten, deren Oberhaupt sehr oft von ben Güngerich oberJüngerich" gestellt würbe. Diele von ihnen find auch nach Amerika ausgeroanbert. Daß bie Einwanberung in Deutfd)» lanb nicht aus Hollanb, wie man lange annahm, sonbern aus ber Schweiz erfolgte, steht ganz fest: 1669 würbe Christian Güngerich vom Rat in Bern vertrieben. Paul Güngerich, Salzkotten, be­richtete von feinem Besuch auf bem Stammsitz in Hünighausen unb konnte auch Silber von dieser nun aufgeteilten früheren Domäne zeigen. Dr. med. Kennel, Darmstadt, berichtete über sein Eintref­fen der Güngerich am Thuner See. Behandelt wurde noch ein Aufsatz in denFamiliengeschicht- lichen Blättern" unb bie bei einer strengenpro­testantischen Religionspartei" leicht erklärliche starke Versippung unb Verschwägerung festgestellt. Freu­

gestrigen Dienstag gegen 17 Uhr ereignete ber oberen Marburger Straße, an bem Ab­zweig ber Straße nach bem Neuen Friedhof, ein Verkehrsunfall, bei bem leiber zwei Menschen zu

44.UU! IUI CUUUC JVUllULU lUHACIl l|L JVfJl XJluitQtn, i ivt-i vvn.- | .. < << v . r r

bie Kartoffel hat weihe Blüten, ber Buch- Pflanzen, bie wir ohne Muhe blühend antreffen weizen rötlich-weiße, ber Flachs ober Lein werben, aber eine Blume muß unbedingt noch ge- (Linum usitatissimum) hellblaue unb weiße unb bie1 nannt werben. Das ist bie R o f e.

Luzerne (Medicago sativa). | In vielen Arten unb Var^ttonen, wild unb fulti-

Schnell geht bie Entfaltung an den feuchten Stanb» viert öffnet die Rose iljreJBlüten m den manmg- orten Daran, wo es bisher noch zu kalt mar. 3n1cc" *" p"-rf-"rnf

Sümpfen, an Ufern, an und in stehenden und lang­sam fliehenden Gewässern blüht es jetzt so massen» bajt, daß wir hier nur einige nennen können: das Pfeilkraut (Sagittaria sagittaefolia) der Frosch­löffel (Alisma Plantago), der Froschbiß (Hy­drocharis morsus ranae), bie geschützte Weiße Seerose (Nymphaea alba) unb bie ebenfalls ae« schützte Gelbe Teichrose ober Mummel (Nu- phar luteum). Auch ber Weiberich (Lythrum salicaria) mit seiner purpurroten Aehre, ber Aestige Igelkolben (Sparganium ramosum) unb ber Kalmus (Acorus calamus) verdienen genannt zu

Sonderzug nach Frankfurt a. IN.

Am Sonntag, 7. Juni, fährt ein Sonderzug zum Reichshandwerkertag nach Frankfurt. Der Fahrpreis beträgt 1,40 Mark. Die Abfahrtzeiten der Hin- und Rückfahrt sind fo gelegt, daß die Anfchlußzüge er­reicht werden. Anmeldungen müssen umgehend bei der Kreisdienststelle Gießen, Schanzenstraße 18, er­folgen.

Bolkstanikreis.

Am Donnerstag, 20 Uhr, Uebungsfhinbe im Haus der Arbeit, Schanzenstraße, großer Saal. Es können sich noch einige Angehörige der DAF., HI. ober BDM. beteiligen.

NMiNMWh«!

Vornan von Marl se Köllina.

Urheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau

30 ^ortlefiung Nachdruck verboten j

Benedikte, Kind! Ist irgend etwas geschehen? !

Was machst du hier so früh?"

Er faßte erschreckt nach ihrer Hand.

Ich konnte nicht schlafen, Jens. Ich mußte immer an dich denken. Ach Jens--" |ie brach

ab. Die ganze Angst ber Nacht feit bem Gespräch mit Stessens stieg roieber in ihr au"

Sofort sah er bie Verwirrung auf ihrem Gesicht.

Was hast bu?"

Sie wußte nicht, wie beginnen. Es war alles fo fdj'.j.r.

Jens", fragte sie plöhlid) leise,Jens, was ist zwischen bir unb Marie Krüger gewesen?"

Er prallte zurück.

Woher weiht bu von ihr? Wer hat dir etwas ge'agt?"

Sie hätte aufschreien können, so weh tat ihr bas Herz. Seine unbeherrschte Frage hatte ihr verraten es war etwas Wahres an ben Worten Steffens'. Tränen fliegen ihr In bie Augen unb würgten ihr in ber Kehle.

, 'Benebitte", er sah sich um, niemanb war in der Nähe, er zog sie an sieh, sie fühlte seine regennassen Hände ihr kaltes Gesicht streicheln.

Benedikte, ich bitte dich, wie kommst bu zu dieser Frage? Was geht uns an, was gewesen ist? Liebe ich dich nicht, Benedikte? Du bist mein ein und mein alles. Nichts anderes ist mehr, nichts mehr, nur eine Erinnerung, und die, Benedikte, bie muht bu mir lassen."

Benebikte sah zu ihm auf. Wie gramvoll fein Besicht war!

Ich bin nicht eifersüchtig, ich bin nickt töricht. Wenn bu je biescs Mädchen geliebt hast, kein Wort sollst du von mir darüber hären. Ader warum hast du es mir nicht gesagt Warum habe ich es von anderen Leuten hören müssen, auf so häßliche Weise?"

Auf so häßliche Weise? Was hat man dir gesagt, Benedikte!

Seine Stimme klang beinah streng.

Daß diese Marie ... sich um deinetwillen--"

sie schlug die Hände vors Gesicht,ach, Jens, ich kann es nicht sagen."

Sprich es doch ruhig aus", warf er hart ein. Daß Marie sich das Leben genommen hat, das hat man dir erzählt, ja?"

Sie nickte.

Er fd)wieg einen Augenblick. Dann sagte er:

Man hat es dir richtig und doch falsch berichtet. Aber ich kann mich nicht wehren. Wenn du glaubst,! ich sei schuld daran--ich kann darüber nicht |

sprechen, Benedikte. Ich will darüber nicht sprechen."

Du willst nicht? Heißt bas, baß man recht hat mit bem, was man mir erzählte?"

Denke, was bu willst. Ich kann über Marie Krüger unb mich nichts sagen."

Jens, ha!' n wir uns nicht gelobt, baß zwischen! 'ins immer > s wahr sein sollte, baß nichts Heim-! liches zwisch n uns stehen bürste? Jens, mein ganzes Leben liegt so klar vor bir, aber bas beine nun?"

Du mißtraust mir, Benebikte?"

Nein, nein", flüsterte sie gequält,aber ber Ge­danke, daß ein Mensch um deinetwillen--" sie

schauderte. Plötzlich sah sie es zum Greifen deutlich vor sich: den Bodden, das tiefe Wasser, nicht blau und leuchtend wie sonst, em tückisches Etwas, bas bie Menschen vernichtete. Sie sah em Mäbchen auf bas Wasser zugehen, Schritt für Schritt, mit ver­zweifeltem Gesicht, sah mübe Füße hineintasten in bie erste Welle, sah einen lebensmüben Menschen sich fallen lassen unb erstickt werben von bem gierigen feuchten Grau.

Jens Petersen stöhnte auf:

Wenn bu kein Vertrauen haben kannst, Bene­bitte, bann ist alles hoffnungslos.

Sprich boch", flehte sie,sag doch ein Wort. Wenn bu mich wirklich mehr liebst als jene anbere, bann muht bu mir boch etwas sagen können, bamit ich roieber ruhiger werbe."

..Ich kann bir nichts sagen, Benebikte, ich kann nur um dies eine bitten, daß du mir vertraust. Benedikte" er wollte ihren Kopf in feine Hände nehmen, ihr Gesicht aufheben, ihr in die Augen schauen, aber sie machte sich mit einer müden Be­wegung frei.

Laß Jens, ich muß mit all dem erst fertig werden."

Sie ging langsam ihrem Hause zu und schaute sich nicht mehr um.

Jens Petersen stand und sah ihr nach. Als die Tür sich hinter ihr geschlossen hatte, vergrub er fein Gesicht in den Händen:

Es ist zu schwer, Marie", flüsterte er,zu schwer, was ich auf mich genommen habe. Aber ich habe es dir gelobt, und ich muß es halten."

ch

Zäh und unermüdlich fiel der Regen über die "InfeL Die Sonne schien ertrunken in dem dickten Grau. Kamm einmal ein paar schüchterne Strahlen hervor, so fegte eine Stunde später schwarzgraues Gewölk am Himmel dahin unb ergoß neues Naß über bas Lanb.

Der Stranb war verlassen. Nur einige Mutige hockten mit Reg'nkapuzen unb Regenmänteln fric- renb in ihren Strandkörben. Die Wiesen quollen vor Feuchtigkeit. Besorgt schauten bie Fischer unb Bauern auf ihre Felber. Wenn bas fo weiter ging, wie sollte bas (Betreibe reifen, wie sollte man em- ! ten? An einigen Stellen waren bie Felber schon ver- I schlämmt, Rost setzte sich auf bie Halme. Es war I böse Zeit.

Die Badegäste drängten sich in den Hotelräumen j mfammen, saßen in ber Konditorei ober in ber : Likörstube, bem Stolz bes einen Gasthauses. Die Wege lagen verübet, wer nicht hinaus mußte, blieb ' daheim.

1 Benedikte unb Jens sahen sich kaum. Die gemein­samen Spaziergänge hätten bei biesem Wetter fo- | wieso aufhören müssen. Benedikte erschien es wie eine Fügung, daß sie Jens jetzt ausweichen konnte. Sie kam nicht mit sich ins reine. Die Worte Stef­fens gruben sich immer tiefer in ihre Seele ein. Das unbegreifliche Verhalten Jens Petersens ließ . den Giftstachel sich immer tiefer in ihr Herz bohren. | Sie sah den Geliebten von ihrem Wohnzimmer ab unb zu einmal am Fenster bes Schulgebäudes. Aber er kam nicht zu ihr herüber, er ließ nichts von sich hören, er wartete. Sie wußte, wie verletz­lich unb wie stolz er war. Ihre Worte:Ich muß erst mit all bem fertig werben" hatte er wörtlich genommen. Er tat den ersten Schritt nicht, und sie

vermochte es einfach nicht. Sv tat sie ihre Arbeit, ging mit blassem, verschlossenem Gesicht durchs Haus und quälte sich mit ihrer Angst.

Fräulein Gielecke fühlte, Benedikte war aus dem Gleichgewicht. Aber als sie einmal versuchte, zu fragen, hatte Benedikte mit ganz ungewöhnlicher Heftigkeit erklärt:Mir fehlt nicht das geringste, das bilden Sie sich nur ein."

Fräulein Giefecke wußte zwar, daß sie es sich nicht einredete. Es muhte etwas Ernstliches zwischen Jens Petersen unb Bmebikte vorgefallen sein. Warum lehnte Benebikte Fräulein Gieseckes Vorschlag, Jens Petersen herüberzurufen, fo energisch ab? Aber unqes Volk hatte oft krause Gedanken im Kopf unb mußte mit sich selbst zurechtkommen. So ließ sie Benebikte in Frieben.

Auch Josua merkte, baß irgonb etwas im Hause nicht in Drbnung war. Sonst machte Benebikte mmer einen Scherz mit ihm, jetzt sprach sie nur das Notwenbigste.

Nein, es war nicht gut, fanb Josua. Aber wie konnte es auch gut sein in einem Land', in bf*m nach wenigen Sommerwochen Regen unb Kälte herrschte? Josua war sehr unzulri'den mit bem Leben, sein Gesicht sah noch verknitterter als sonst aus. Vielleicht machte sich bie Herrin auch Sorgm um ben jungen fierrn.

Von bem hatte man feit feinem Auszug nichts mehr gehört. Nur vom Krämer erfuhr Josua manch­mal, daß es oben auf berBurg" hoch herginge unb immer neue Menschen au'tauchten. Vor ein paar Tagen war sogar jemanb im Sportflugzeug angekommen, von ben Dorftinbern gebührend an­gestaunt. Unb ber junge Herr schien sich wohl zu fühlen in biefer Welt. Man sah bie halbe Nacht bas Haus erleuchtet.

Ja, die da oben langweilten sich nicht. Die hatten wohl auch den ganzen lieben, langen Tag nichts anderes zu tun, als zu feiern unb vergnügt zu fein. Komisch nur, baß sie auch bei bem miserablen Wet­ter immer noch Ausflüge mit ihrer Motorjacht unter­nahmen. Der Maler, ber neulich hier war, saß auck immerfort mit seinem Malzeug an Bord, als oo man bei solchem Regenwetter überhaupt was malen könnte. Josua war wieder einmal geneigt, alle (Eur ropäer für ausgesprochen verrückt zu halten.

(Fortsetzung folgt!)