l
f ( e
1
i
t t
h
i
0' it
)N
n« r*
er
5* 1« je n
L
l
r
3
1
3
>S
10
15
19 J5
27
52
30
66
56 05 ZI
18 46
85
91
---
)
8
t
3
5
9
1
I
I
2
Zeugnis ab. Außer den in der Kategorie der meistgespielten Stücke bereits erwähnten Operetten standen — teils in Erstaufführungen, teils in Neuauf- führungen — auf dem Spielplan: „Schwarze Husaren" von W. W. Goetze, „Paganini" und „Die blaue Mazur" von Lehar und „Die unvollkommene Ehe" von Nehring. Die Operette, die sich als theatralische Gattung bei uns von jeher eines lebhaften Interesses erfreute, fand denn auch in dieser Spielzeit, soweit wir uns davon überzeugen konnten, recht gut besetzte Häuser und ein dankbares Publikum.
Unter den sonstigen Veranstaltungen der Spielzeit sind weiterhin eine Reihe von Gastspielen zu nennen, an erster Stelle die schon um der aufschlußreichen Vergleichsmöglichkeiten willen sehr interessanten Tanzabende, die nach einander Harald Kreutzberg, Palucca, Mary Wigmatt und die indische Tanzgruppe Menaka bei uns bestritten. Ferner: Henny Porten mit eigenem Ensemble; „Die acht Entfesselten"; Musikclown Noni.
Besonderen Wert legt die Theaterleitung auf die neueingeführten Sonntagmorgen-Veranstaltungen, die auch in der kommenden Spielzeit fortgesührt werden sollen, und die, in Anbetracht ihres intimeren Charakters, außerordentlich geeignet sind, das Verhältnis zwischen Publikum und Theater noch inniger zu gestalten. Es ist deshalb sehr zu wünschen, daß diese Veranstaltungen sich in Zukunft eines etwas zahlreicheren Besuches zu erfreuen haben werden, zumal wenn es sich um Einführungen handelt, die den Besucher auf die eine oder andere Ausführung vorbereiten sollen, wie das gelegentlich von Lope de Degas „Stern von Sevilla" und von Haertens „Tollem Christian" geschah. Erfreuliche Leistungen boten auch beispielsweise die Morgenfeier am Heldengedenktag und die Aufführung alter Musik.
Mit dieser Aufzählung mag der Ueberblick über die künstlerischen Leistungen des Theaters in der letzten Spielzeit (der selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt) beschlossen sein. Wir dürfen, da wir am Ende stehen, mit gutem Gewissen feststellen, daß die Theaterleitung zu Beginn nicht zuviel versprochen hat; wir dürfen zufrieden sein mit dem, was uns dargeboten wurde, und uns dessen freuen, daß das Gießener Theater sich heute bereits wieder eines guten Rufes und auf gediegene Leistung gegründeten Ansehens unter den Bühnen der deutschen Provinz zu erfreuen hat. Wir dürfen auch darauf vertrauen, daß die unter der rührigen und ehrgeizigen Leitung unseres Intendanten im vergangenen Herbst begonnene Arbeit in der kommenden Spielzeit — mit teilweise neuen Kräften, mit erweiterten technischen Mitteln — do« allem aber mit dem gleichen künstlerischen Ernst und derselben Hingabe und Liebe zur Sache fortgeführt, ausgebaut und vertief* werden wird. hth.
Das Gießener Gtadttheater in der Gvielzeit 1935/36.
Nachdem das Theater am Pfingstmontag mit der letzten Aufführung von Shakespeares „Ende gut, alles gut" seine Pforten geschlossen hat, scheint es an der Zeit, rückblickend und zusammensassend noch einmal zu überschauen, was in der abgelaufenen Spielzeit geleistet worden ist. Diese Spielzeit kennzeichnete sich, erhielt ihren besonderen Charakter und ihr eigentümliches Gesicht durch den Umstand, daß sie unter neuer künstlerischer Leitung — Intendant Hermann Schultze-Griesheim — stand und mit einer ganzen Reihe neugewonnener Kräfte im darstellenden Personal bestritten wurde. Ehe sich im Herbst zum festlichen Auftakt mit Kleists „Prinzen von Homburg" zum ersten Male der Vorhang hob, entwickelte der Intendant vor den Besuchern in großen Zügen Programm und Richtlinien, nach denen er sein Theater zu leiten und seinen Spielplan zu formen gedachte. Und wenn der Intendant vor der letzten Vorstellung in diesen Tagen abermals an die Rampe trat und, selber rückschauend, erklärte, es dürfe wohl heute gesagt werden, daß das Vertrauen zum Theater wiederhergestellt und neu gefestigt sei, so darf hinzugefügt werden, daß dies erreicht wurde mit einem Programm, welches mit Bewußtsein und voller Absicht unter das Bekenntnis zum dichterischen Theater gestellt worden ist Es sollte eine Kunst auf der Bühne gegeben werden, von der die alte und ewige Erschütterung, Erhebung und Befreiung durch das dichterische Wort ausgeht und die Menschen vor dem Vorhang in seinen Bann schlägt. Damit war, im Gegensatz zur vorausgegangenen Spielzeit, dem Schauspiel wieder der dominierende Platz im Repertoire em- geräumt, der ihm an einer Bühne wie der unsren ganz besonders gebührt; und innerhalb des Schauspiels war wiederum den Klassikern (im weiteren Sinne) der ihnen zukommende Rang als der Grundlage und dem Rückgrat der gesamten Spiel- plangestaltung zugewiesen.
Es ist recht lehrreich, ehe wir auf Einzelheiten eingehen, einen Blick auf das Gesamtbild zu wer, fen, wie es sich, zunächst ganz nüchtern und Ziffern, mäßig, in der Zusammenstellung des dramaturgischen Büros (im letzten Programmheft) ausdruckt. Es sind in der letzten Spielzeit insgesamt 236 Jßor- stellungen gegeben worden, davon 96 tm Abonne- ment, 61 außer Abonnement, 26 auf Abstecher und 26 für die „Deutsche Bühne', die damit auch dies- mal wieder eine planvolle, breite Volksschichten er- fassende, erzieherische Kultur- undDildungsorbe im Sinne des Dritten Reiches geleistet hat Hinzu kommen 8 Gastspiele, 7 Morgenfeiern und 4 Sym- phoniekonzerte. Den Aktionsradius des Stadt- theaters bezeichnen die Gastspiel-Orte Alsfeld, Butz-
von Goetz-Deval hervorgehoben, in einer der besten, regiemäßig erfreulichsten und darstellerisch reifsten Aufführungen der vergangenen Spielzeit. Den oolksstückhaften Charakter betonten Stücke wie „Krach im Hinterhaus" (Böttcher), „Wenn der Hahn kräht" (Hinrichs), „In Luv und Lee die Liebe" (Lindemann), „Straßenmusik" (Schurek) und „Holzappel" von H. A. Weber. „Holzappel" war die erste Uraufführung und mit insgesamt 13 Ausführungen das erfolgreichste Stück der Spielzeit. Die Aufführungsziffern sind überhaupt recht lehrreich: an nächster Stelle erscheinen das Weihnachtsmärchen „Der kleine Muck" (11) und die Operetten „Die Tanzaräfin" und „Die Fledermaus" (je 10). „Der Dogelhändler" brachte 9, „Der Waffenschmied", „Die Komödie der Irrungen", „Der Mann mit den grauen Schläfen" und „Krach im Hinterhaus" je 8; demgegenüber hatten der „Prinz von Homburg" 6, „Der zerbrochene Krug" (zusammen mit Reina- chers „Lapp im Schnakenloch") 5, „Der tolle Christian" nur 3 Aufführungen.
Stark ausgebaut und zu einem organischen, ganz aus eigenen Kräften erhaltenen Bestandteil des Repertoires wurde der Opernspielplan entwickelt. Das erfordert naturgemäß eine gewisse Ausweitung des Personalbestandes (während die Oper früher mit auswärtigen Gastspielen oder auf Grund gewisser Kompromißlösungen in der Personalbesetzung bestritten wurde) — entspricht aber von jeher, gerade in einer musikalisch so interessierten und angeregten Stadt wie Gießen, einem Bedürfnis und lebhaftem Interesse des Publikums. Es wurden gegeben: „Tiefland" (d' Albert), „Der Apotheker" (Haydn), „Undine" und „Der Waffenschmied" (Lortzing), „Cosi fan tutte" (Mozart), „Maskenball" (Verdi) und „Susannens Geheimnis" (Wolf-Ferrari; zusammen mit Haydns „Apotheker"). Ein Blick auf diese Werke läßt die Prinzipien, nach denen der Opernspielplan bei uns aufgebaut und durchgeführt wird, klar erkennen: keine Experimente, sondern bewährte, in ihrer Anziehungskraft auf das Publi- kum meist seit langem erprobte Stücke, die weder technisch noch im Musikalisch - Darstellerischen die Möglichkeiten und Grenzen einer Provinzbühne im Stile des Gießener Stadttheaters überschreiten. Aufführungen wie „Tiefland", „Cosi fan tutte" und „Der Waffenschmied", der mit insgesamt acht Vorstellungen die zahlenmäßig ergiebigste Oper dieses Winters war, standen musikalisch und szenisch auf einer für unsere Verhältnisse durchaus angemessenen, beachtlichen Leistungshöhe. Eine starke Stütze bildete das Orchester, das sich unter der Obhut der beiden Kapellmeister Paul Walther und Ernst Bräuer immer mehr zu einem Spielkörper von harmonisch durchgebildeter, wohldisziplinierter Ge- schlossenheit und angeregter Musizierfreudigkeit entwickelt hat. Davon legten auch sowohl die bereits genannten Konzerte wie teilweise die Morgenveranstaltungen und endlich die Operetten-Aufführungen
bach, Grünberg, Heuchelheim, Bad Homburg, Lauterbach, L.ich, Marburg, Bad-Nauheim, Siegen und Wetzlar. Damit ist auch die Bedeutung unserer Bühne als eines Kulturmittelpunktes und Theaterzentrums für Oberhessen und die benachbarten preußischen Bezirke hinreichend und erfreulich gekennzeichnet.
Im einzelnen umfaßte der Spielplan die folgenden Aufführungen: 13 Schauspiele, 16 Lustspiele, ein Märchen, 7 Opern, 7 Operetten, 7 Morgenfeiern, 4 Tanzabende, 3 Bunte Abende, 4 Symphoniekonzerte und 4 andere Konzerte (Kammermusik, Rundfunk usw.). Im klassischen Schauspiel standen Shakespeare („Komödie der Irrungen", „Ende gut, alles gut") und Kleist („Prinz Friedrich von Homburg", „Der zerbrochene Krug") zusammen mit der Uraufführung von Lope de Vegas „Stern von Sevilla" (zum 300. Todestage des großen Spaniers) an erster Stelle; man sah diese Stücke durchweg in ausgezeichneten Aufführungen, die vom Intendanten persönlich inszeniert waren und am deutlichsten erwiesen, in welcher Form und mit welchen Mitteln er feine künstlerischen Ziele zu verwirklichen bestrebt ist. Besonders anzuerkennen ist, auch in diesem Zusammenhang, die Bemühung um eine sprachliche Durchdringung und Ausformung des dramatischen Kunstwerks. Hand in Hand damit geht die Bildung eines einheitlichen, lückenlos und vielseitig zusammenspielenden und sich wechselseitig ergänzenden Ensembles, eines vom Willen zu echter, künstlerischer Gemeinschaftsarbeit durchdrungenen Spielkörpers. Das ist freilich eine Aufgabe auf längere Sicht und nicht im Ablaufe eines Theaterwinters zu erreichen. Die üblichen und teilweise auch unvermeidlichen Veränderungen im Personal (wir haben kürzlich bereits an dieser Stelle darüber berichtet) bringen es mit sich, daß der Theaterleitung für diese grundsätzlich wichtige Aufgabe billigerweise ein gewisser zeitlicher Spielraum eingeräumt werden muß.
Das neuere Schauspiel kam in recht glücklich gewählten Proben zur Geltung. Ibsens „Peer Gynt", schon als Inszenierungsproblem immer aufs neue reizvoll und interessant, konnte als Bindeglied zwischen dem klassischen und dem modernen Drama gelten, wie es sich mit der „Insel" von Bratt, Müller-Schelds „Schach dem Zaren", Wenters „Kanzler von Tirol" und insbesondere dem „Tollen Christian" von Theodor Haerten repräsentierte. Auch für dieses zuletzt genannte Stück hatte sich der Intendant persönlich eingesetzt; sein Autor wird von der nächsten Spielzeit an, wie vor einiger Zeit bereits mitgeteilt wurde, als Schauspielregisseur seine langjährige praktische Bühnenerfahrung unserm Theater dienstbar machen. Besondere Pflege erfuhr neben dem klassischen auch das moderne Lustspiel (im weitesten Sinne). Neben den erprobten Engländern Shaw und Wilde („Pygmalion", „Eine Frau ohne Bedeutung") fei besonders „Towarrsch"
Nr. 127 Dritter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch, Z.Zuni M6
Außenministeriums Untersuchung ist bis heute noch
Streitfall verfolgt, zwei Parteien gebildet. Die eine, kleinere, hält es mit dem Papst, während die große Mehrheit offen auf der Seite Monsignores de la Villerabels steht, der sich bisher geweigert hat, seine Absetzung anzuerkennen. Ueberdies haben sämtliche kirchlichen Würdenträger des Erzbistums den Prälaten Berlin wissen lassen, daß sie bei dem bevorstehenden Festgottesdienst zum Andenken an die Verbrennung der Jungfrau von Orleans in Rouen geschlossen die Kathedrale verlassen würden, falls er sich sehen lasse oder gar seinen Platz als Domherr und Prälat einnehme. Schließlich hat auch noch die französische Regierung sich der Angelegenheit angenommen und für Monsignore de la Vil- lerabel Partei ergriffen. Der französische Botschafter beim Vatikan wurde beauftragt, gegen die Absetzung des Erzbischofs offiziell Einspruch zu erheben. In Abwesenheit des kranken Außenministers Flandin werden die Geschäfte des Quai d'Orsay gegenwärtig von dem Staatsminister Paul-Bon- cour geleitet, der nicht nur ein Schulfreund Monsignores de la Villerabels ist, sondern auch Mitglied der zukünftigen Regierung Löon Blums fein wird.
Wie dieser Konflikt zwischen Quai d'Orsay und Vatikan ausgehen wird, ist völlig ungewiß. Die Kirche bestreitet dem französischen Staat das Recht zum Einspruch gegen die Absetzung. Bei der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen wurde ihm durch eine Denkschrift des Kardinals Gasparri lediglich ein sogenanntes „droit de regard“ bei der Ernennung, dagegen nicht bei der Absetzung, zu- gesichert. Allerdings könnte der Staat, der seit den Enteignungsgesetzen Eigentümer des Erzbischofssitzes ist, dem Nachfolger den Einzug verwehren.
chenabteilung des französischen wurde eine gerichtliche gegen Berlin eingeleitet. Diese
Zu Beginn des Jahres hatten wir uns vorgenommen, auf das Erblühen der Blumen zu achten und sie durch alle Monate zu verfolgen. Natürlicherweise waren es anfangs nur wenige, im Verborgenen blühende Pflanzen. Dann kamen in großer Zahl die fast allgemein bekannten Frühjahrsblumen, die wir noch ohne Mühe finden und aufzählen konnten. Aber schon Ende April und vor allem im Mai nahm der Arten- und Formenreichtum so schnell zu, daß wir uns auf eine Auswahl beschränken mußten. Trotzdem haben wir eine an sich lange Liste angeführt und konnten das wagen, weit' wohl alle diese Blumen bekannt sind. Selbst die seltenen oder nur beschränkt verbreiteten wie etwa der Frauenschuh oder die meisten Orchideen, sind jedem geläufig, wenn auch nur durch Abbildungen. Wer wenig Planzen kennt, konnte sie allerdings danach nicht unterscheiden lernen, aber er bekam einen Eindruck von der immer wieder Überraschenden Fülle unserer Planzenwelt — und das war die Absicht.
Nun ist der blütenreiche Monat Mai zu Ende gegangen, und damit hat die äußerlich sichtbare Entwicklung in der Planzenwelt einen gewissen Abschluß erreicht. Die ausgesprochenen Frühlingsblumen sind verblüht, alle Büsche und Bäume sind wieder belaubt und fast alle blühen in voller Pracht. Ja, Flieder, Goldregen und Rotdorn übertreffen die eigentlichen Blumen an Großartigkeit und Farbigkeit. Doch nun scheint es, als ob ein Stillstand in der Entwicklung eingetreten fei.
Der Uebergang vom Mai zum Juni ist nicht sehr scharf, im Gegenteil. Viele Pflanzen, die Ende Mai aufblühten, werden noch lange nicht welken, viele werden den ganzen Sommer hindurch blühen. Eine ganze Reihe von Blumen des Juni sind ebenso kennzeichnend für den Juli und sogar für den August. Der Sommer fängt zwar kalendermäßig
nicht abgeschlossen. Um so üppiger sprießen alle möglichen Gerüchte.
So heißt es, daß in der gerichtlichen Anklageschrift dem früheren Generalvikar nicht nur vorgeworfen werde, mit den ihm anoertrauten Geldern spekuliert zu haben, sondern daß er sich auch namhafte Beträge kurzerhand aneignete. Viel weiter gehen die Anschuldigungen des sozialistischen „Populaire", des Regierungsorgans von morgen, der öffentlich behauptet, Monsignore Berlin habe eine minderjährige Mätresse gehabt, die bei einer versuchten Schwangerschaftsunterbrechung gestorben sei. Die Verantwortung für diese schier unglaubliche Behauptung muß dem Blatt überlassen bleiben. Sie wurde hier nur angeführt, um zu zeigen, bis zu welcher Schärfe sich die Auseinandersetzung bereits gesteigert hat. Im Vatikan ist man nämlich von der Schuldhaftigkeit Vertins offenbar noch keineswegs überzeugt. Der Prälaten-Titel und das Amt des apostolischen Protonotars wurden ihm jedenfalls ausdrücklich vorn Heiligen Stuhl belassen, während den Erzbischof die außergewöhnlich harte Strafe der Absetzung getroffen hat.
Darüber haben sich in der Bevölkerung von Rouen, die mit leidenschaftlicher Anteilnahme den
. Paris, Mai 1936.
Seit dem französischen Kulturkampf zu Beginn nnn ^hunderts der mit der völligen Trennung L ? U/H Staat und der Enteignung des ftrd)Iid)en Besitzes in Frankreich im Jahre 1905 geenoet hatte, waren von beiden Seiten neue Ver- rouflungen tunlichst vermieden worden. Kurz nach Dem Weltkriege wurden die diplomatischen Begehungen wieder aufgenommen. Die katholische Äirdje loste ihre Bindungen zu den royalistischen “reifen und betonte bei jeder Gelegenheit ihre pofihoe Einstellung zu der republikanischen Staats- form in Frankreich. Die Dritte Republik ihrerseits Zeigte durch gewisse Milderungen der Enteignungs- Sesttze von 1905 der Kurie gegenüber Entgegen- kommen. Und als Außenminister Laval im Jähre 1935 feine Anwesenheit in Rom dazu benutzte, um dem Papst einen Besuch abzustatten, wurde ange« nommen, daß nun die Voraussetzungen für eine engere Zusammenarbeit zwischen Quai d'Orsay und Vatikan gegeben seien.
Porm Vorabend der Regierungsübernahme durch Die „Volksfront ist aber zwischen beiden ein Konflikt ausgebrochen, der angesichts der kirchenfeind- lichen Einstellung der französischen Linksparteien schwerwiegende Folgen haben kann. Die Erregung der Bevölkerung von Rouen hat Ausmaße erreicht, die von der wilden Kampfstimmung unter der Regierung Emile Combes zu Anfang des Jahrhunderts nicht weit entfernt waren. Allerdings wurde von der Regierung alles getan, um die öffentliche Meinung zu beruhigen, und die Pariser Blätter berichteten nur spärlich über die ganze An- gelegenheit, so daß es schwer ist, ein klares Bild von dem Streitfall von Rouen zu gewinnen. Immerhin scheinen doch folgende Einzelheiten festzustehen.
Der Erzbischof von Rouen, Monsignore be la Villerabel, wurde überraschend vom Papst seines hohen Amtes enthoben, angeblich, weil er es nicht verhindert hatte, daß finanzielle Unregelmäßigkeiten feines Generalvikars, Monsignore Berlin, zum Gegenstand eines Verfahrens der ordentlichen Gerichte gemacht wurden. Als Monsignore de la Dillerabel im Jahre 1921 das Erzbistum von Rouen übernahm, stellte er als feinen Sekretär einen jungen Priester, namens Berkin, ein, der ihm von kirchlicher Seite besonders empfohlen war, und dem er daher außerordentliches Vertrauen schenkte. Bereits mit 25 Jahren wurde Berlin zum Domherrn, dem jüngsten Domherrn in ganz Frankreich, ernannt, und wenige Jahre später berief ihn das Vertrauen des Erzbischofs auf den Posten des Generalvikars. In dieser Eigenschaft hatte Berlin nicht nur die gesamte finanzielle Verwaltung des Erzbistums zu besorgen, jonbern er vertrat seinen Herrn auch in wichtigen kirchlichen Angelegenheiten. Dank der Fürsprache des Erzbischofs beim Papst wurde Berlin sogar zum Prälaten und apostolischen Protonotar ernannt, und seine Betrauung mit einem Bistum stand bevor.
Der Günstling des Erzbischofs rechtfertigte das in ihn gesetzte Vertrauen sehr schlecht. Mit den ihm zur Verfügung stehenden Geldern betrieb er dunkle Geschäfte und verschaffte sich im Laufe der Jahre, obgleich von Hause aus vollkommen mittellos, ein Vermögen von mehreren Millionen Franken, das er, von der Sicherheit der französischen Währung offenbar wenig überzeugt, in belgischen und Schweizer Banken anlegte. Als Monsignore de la Villerabel vor etwa zwei Jahren davon erfuhr, entließ er den ungetreuen Generalvikar sofort aus seinem Amte, und auf Veranlassung der Kir-
Das Lahr der Blumen
Die Pflanzenwelt im Luni.
Kirche und Staat in Frankreich
Der Konflikt um den Erzbischof von Rouen.
Von unserem Or. IH -Korrespondenten.
erst am 21. Juni an, doch die jetzt erscheinenden Blumen sind schon Sommerblumen.
Während im Frühjahr die Blumen in geregeltem Abstand und zu bestimmter Zeil aufblühten und meist nur für beschränkte Dauer blühten, ist jetzt der Wechsel und die Aufeinanderfolge nicht mehr so augenfällig, es ist ja jetzt überall grün, und überall blüht es in vielen Farben. Daher kommt es wohl auch, daß ein großer Teil der Sommerblumen nicht jedem so geläufig ist, ganz abgesehen von der unüberblickbaren Zahl. — Deshalb wollen wir jetzt nur eine kleine Auswahl nennen, besonders kennzeichnende, allgemein bekannte oder aus besonderen Gründen erwähnenswerte.
Bisher fanden wir am meisten im Schutz des Waldes und der Hecke und erwähnten schon, daß sich mit vollendeter Belaubung auch das Bild der Bodenflora ändert. Nicht als ob der Wald jetzt arm an Blumen fei, aber sowohl an Artenzahl als vor allem in der Menge der Einzelpflanzen sind die Wiese und das Bachufer nun viel reicher.
Durch die Ungunst des Wetters dieses Jahres ist manches später zur Entwicklung gekommen, als die philologischen Tabellen als normal angeben. Weiter erscheinen viele Blumen an sich im lieber-« gang vom Mai zum Juni, in der Zeit des späten Frühlings zum Frühsvmmer. Daher werden wir noch viele „alte Bekannte" draußen antreffen; dazu kommen jetzt die „Neuen".
Im Wald, im Gebüsch und an den Hecken erscheinen die kleinen, weißen Blüten des Wald- Labkrautes (Galium silvaticum), die gelblich- grünen, glockenförmigen der Zaunrübe (bryonia dioica), die durch ihren kletternden Stengel und ihre teilweise verzweigten Blattranken auffällt. Weit verbreitet ist auch das eigenartige, haarige Hexenkraut (Circaea lutetiana). Außer den schon blühenden Ginsterarten bringen leuchtendes Gelb verschiede
ner Tönung in das Laubwerk der großblütige Wald-Wachtelweizen (Melampyrium pra- tense), das Johanniskraut (Hypericum pulchrum) und der stattliche Gelbe Fingerhut (Digitalis lutea).
Rot blühen z. B. der Wa ld-Storchschnabel (Geranium silvaticum), der W a l d - Z i e st (Stachys silvatica) und die Pracht-Nelke (Dianthus su- perbus).
Außer verschiedenen Glockenblumen (Campanula- Arten) blüht der Sturm- oder Eisenhut (Aconitum napellus) mit blauer Farbe, eine stattliche Pflanze, der die eigenartige Form der großen Blüten den Namen gab. Er und fein weniger häufiger Vetter, der gelbe Eisenhut (Aconitum lycocto- num) stehen unter Naturschutz. Trotz der Bemühungen des Staates ist der Gedanke des Naturschutzes noch nicht Allgemeingut des Volkes geworden. Die langen Listen der geschützten Pflanzen und Tiere nützen wenig, wie man immer wieder beobachten kann. Zum Teil liegt es wohl daran, daß diese Pflanzen recht selten sind und daher unbekannt bleiben. Aber es sollte doch jedem selbstverständlich fein, selbst da, wo eine solche Art in großen Mengen wächst, nicht armdicke Bündel und Sträuße abzu- reißen, auch wenn man nicht weiß, ob sie geschützt ist.
Geschützte Pflanzen des Waldes, die im Juni blühen, find zum Beispiel das rundblättrige, das kleine Wintergrün und andere noch seltenere dieser Familie (Pirola rotundifolia, P. minor usw.). Dann der wegen seiner sonderbaren Blütenform berühmte Türkenbund (Lilium martagon) und die nicht weniger majestätischen Rote und der Gelbe Fingerhut (Digitalis purpurea und D. grandi- flora). Ihre Verbreitung ist auf Gebirgswälder beschränkt, ebenso wie die Tollkirsche (Atropa belladonna). Fast alle liefern wichtige Stoffe für die Heilkunde.
Auf den Wiesen und Weiden wirkt weniger die große stattliche Gestalt der einzelnen Pflanze wie dort auf den Waldlichtungen und Kahlschlägen, sondern der vielfarbige Gesamteindruck der dicht neben- und durcheinander wachsenden Arten.
Hier hat die große Zeit für die Familien der Umbeüifern und Compositen begonnen. Mit ihren großen, weißen Dolden sehen sich alle, wenigstens auf die Entfernung, ähnlich: der Bärenklau (Heraclium Sphondylium), die gemeine Möhre (Daucus carota), die Sichelmöhre (Falcaria vulgaris) und die Schafgarbe (Achillea mille- folium). Dazu kommen der wesentlich kleinere Goldklee (Trifolium aureum) und der Große Wiesenknops (Sanguisorba off.) mit seinen dunkelroten Blütenköpfchen und viele andere Wiesenpflanzen. Es ist die Zeit, in der die Getreidearten und die meisten Gräser blühen; gegen Ende des Monats setzt die Heuernte ein, ein einschneidendes Ereignis für die Lebensgemeinschaft „Wiese".
Auf den Siedern, auf Wegen und ähnlichen trockeneren Standorten erscheinen die Hundskamille (Matricaria inodora) mit massivem und die wohlriechende Echte Kamille (Matricaria chamo- milla) mit hohlem Blütenboden. Vor allem denkt man gleich an die schönen, farbenfrohen Unkräuter des Getreidefeldes, die Kornblume (Centaurea cyanus), die rote Kornrade (Agrostemma Gi- thago), den Klatschmohn (Papaver Rhoeas) und, etwas später, den Schlafmohn (P. somniferum).
Sinö Sie gestern abend ousgegangen?
241
Wenn Sie mehr als sonst geraucht und getrunken haben, schnell die Zähne mit Nivea-Zahnpasta putzen! Die ganze Mundhöhle nimmt das frische, angenehm wirkende Aroma der Nivea-Zahnpasta auft und Ihr Atem wird wieder rein und natürlich. Das erfrischt ungemein,


