den mir weder Gerechtigkeit noch Frieden in der Welt. Wir Soldaten des Weltkrieges müssen daher alles daran setzen, auf dem Wege einer wahrhaftigen und festen Verständigung und Freundschaft weiter zu gehen und danach zu streben, den Standvunkt der anderen kennenzulernen." Die Versammlung nahm dann eine Entschließung an, in der ernste Sorge über die gegenwärtige Lage in Europa und der Wunsch, allen Widerständen zum Trotz mit der Politik der Pflege brüderlicher Freundschaft mit den ehemaligen Feindstaaten fortzufähren, zum Ausdruck kommt. Diese Politik werde man fortsetzen, in der Hoffnung, daß es dann gelingen möge, in ganz Europa Friede, Verständigung und Sicherheit herbeizuführen.
Schuldspruch im englischen Versicherungsslandal.
Der ehemalige Minister Thomas vollverantwortlich.
London, 2. Juni. (DNB.) Der mit der Untersuchung des englischen Versicherungsskandals betraute richterliche Ausschuß stellt einmütig fest, daß der ehemalige Minister Thomas und sein Freund Alfred B a t e s die Schuld für die nicht autorisierte Weitergabe von Mitteilungen über Öen diesjährigen Haushaltsplan trügen und daß Alfred B a t e s diese Informationen zum Zwecke seiner persönlichen Bereicherung verwendet habe. Der Un- tersuchsausschuh ist außerdem zu dem Ergebnis gelangt, daß auch der konservative Unterhausabgeordnete Sir Alfred Butt nichtautorisierte Mitteilungen von I. H. Thomas über den Haushalt empfangen und von diesem Mitteilungen gleichfalls im Interesse seiner persönlichen Bereicherung Gebrauch gemacht habe. Die als Zeugen vernommenen Beamten des Schatzamtes und anderer Stellen werden von jeder Verantwortung freigesprochen. Es wird als erwiesen angesehen, daß keine dieser Personen jemals mit einem Kreis in Verbindung gestanden habe, der Versicherungen gegen die Steuer- und Zollerhöhungen tätigte. Als dem früheren Kolonialminister Thomas der Schuldspruch des Untersuchungsausschusses mitgeteilt wurde, war er schwer erschüttert. Er verschob zunächst jede Aeußerung bis zur Beratung mit seinen Anwälten. Danach gab er eine längere Erklärung ab, in der er wiederholte, daß er niemand etwas über den Haushaltsplan m i t g e - t 2 i l t habe. Sein Gewissen fei rein.
©er Eindruck
in der englischen Oeffentlichkeit.
L o n ö o n, 3. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Bericht über die Untersuchung, in der der ehemalige Kolonialminister Thomas der Verletzung des Haushaltsgeheimnisses für schuldig befunden wurde, hat in der englischen Oeffentlichkeit starke Beachtung gefunden. Man fragt, ob der Befund des Richterausschusses irgendwelche Strafmaßnahmen nach sich ziehen wird. Diese Frage wird in nächster Zeit von den Rechtsbeamten der englischen Krone entschieden werden. Das Kabinett wird sich in der nächsten Woche mit dem Urteil befassen. Im U n - terhaus wird voraussichtlich am Donnerstag eine Aussprache darüber stattfinden, in der Thomas und der ebenfalls beschuldigte Abgeordnete Sir Alfred Butt möglicherweise Erklärungen abgeben werden. Die Opposition trägt sich mit der Absicht, Gesetze zu fordern, durch die Spekulationen im Zusammenhang mit dem Haushalt verboten werden. Eine andere Frage geht dahin, ob die Versicherungsgesellschaft Lloyds nun das Recht hat, die ausgezahlten Versicherungen auf Grund des Urteils zurückzufordern.
Ribbentrop in London.
London, 2. Juni. (DNB.) Botschafter von Ribbentrop, der die Pfingsttage mit einem privaten Besuch bei einem englischen Freund auf dem Lande verbracht hatte, traf heute zu einem kurzen Aufenthalt in London ein. Botschafter von Ribbentrop und Frau waren die Gäste von Lord und Lady Londonderry auf Schloß Mount Stewart in Nordirland. Alle Kombinationen über angebliche politische Besprechungen, wie sie z. V. von der „Sunday Referee" und von einem Teil der französischen Presse angestellt wurden, gehören in das Reich der Fabel.
Ein Landfrauenkongreß in Washington
Heber 6000 Landfrauen, die größte Ansammlung weiblicher Delegierter, die Washington je gesehen hat, sind versammelt, um ihre Probleme von lokalen, nationalen und internationalen Gesichts- Sunkten aus zu erörtern. 16 Fremdländer, arunter Deutschland, haben Vertreterinnen entsandt, die über die Erfahrungen ihrer Länder berichteten. Frau Roosevelt und mehrere Kabinettsminister hielten Ansprachen. Präsident Nooesevelt gab den Landfrauen im Weißen Hause einen Empfang, der infolge der gewaltigen Teilnehmerzahl am Andrang und Durcheinander alles überstieg, was die Räume des Präsidentenpalais je erlebt haben. Trotzdem spielte sich alles in froher Stimmung ab, und die Frauen, die teilweise direkt von ihrer Farmarbeit von weither gekommen waren und sich das Fahrgeld in vielen Monaten sauer erspart hatten, äußern sich begeistert über die Gelegenheit der Besichtigung der Bundeshauptstadt und den Gedankenaustausch mit den fremden Delegationen. Am Mittwoch gibt Botschafter Luther den deutschen Landfrauen ein Bankett.
Kleine politische Nachrichten.
Reichserziehungsminister R u st tritt am Mittwoch einen dreiwöchigen Erholungsurlaub an.
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Im Auftrage des Stellvertreters des Führers wurden aus Anlaß der 20. Wiederkehr des Jahrestages der Seeschlacht vom Skagerrak durch Vertreter der NSDAP, am Grabe des Admirals Scheer in Weimar ebenso wie in Weilheim am Grabe des Admirals von Hipper Kränze niedergelegt.
Der Oberste SA.-Führer hat angeordnet, daß die Standarte 24, Standort Neuruppin, von nun an den Namen „General L i tz m a n n" zu führen hat.
Als letzter großer studentischer Verband hat sich die Deutsche Landsmannschaft auf dem 68. Landsmannschaftertag in Coburg a u s g e l ö st.
Die Frage der Auflösung der Alten-Herren- Organisation, des Coburger Gesamtverbandes Alter Landsmannschafter, ist noch nicht geklärt.
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In Oesterreich hat die Regierung für die Zeit vom 20. Juni bis 30. September ein 23 e r - sammlungsverbot erlassen. Begründet wird dieses Verbot mit der Notwendigkeit einer ungestörten Abwickelung des Fremdenverkehrs. Militärische Hebungen der Frontmiliz werden durch das Verbot nicht betroffen, die Hebungen des Heimatschutzes werden also unter das Verbot fallen.
Berlin, 2. Juni. (DNB.) Unter dem Vorsitz von Reichsminister Dr. Frank fand im Reichstagssitzungssaal der Krolloper eine F e st s i tz u n g der Akademie für deutsches Recht statt zu Ehren der in Berlin weilenden ausländischen Mitglieder des Weltkongresses für gewerblichen Rechtsschutz. Nachdem das Landesorchester Gau Berlin unter Leitung von Professor Haoemann die Festsitzung mit der „Fidelio"-Ouvertüre eingeleitet hatte, begrüßte Reichsminister Dr. Frank die ausländischen Gäste. Dann beschäftigte sich der Minister u. a. mit den richtunggebenden Gesetzeswerken des Nationalsozialismus, die die Substanzwerte des deutschen Volkes mit Rechtsschutz versehen. Als solche Substanzwerte führte er die Rasse, den Boden, den Staat, die Ehre und die Arbeit an. Der Staat Adolf Hitlers bemühe sich in der Gesetzgebung, diesen ewigen Wahrheiten zum Durchbruch au verhelfen. Der unbe- streitbare Erfolg der nationalsozialistischen Reichsführung beweise klar die geschichtliche Berechtigung dieser neuen Gesetzgebung.
Der Vizepräsident und Mitbegründer der Akademie für deutsches Recht, Geheimrat Prof. Dr. Kisch, vermittelte hierauf in einem ausführlichen Vortrag über die Arbeiten der Akademie ein eindrucksvolles Bild über diese Schöpfung des neuen Deutschland. Er erwähnte die systematische Forschungsarbeit. Dabei sei u. a. an die Herausgabe großer rechts- und staatsenzyklopädischer Werke und
Reichsmittel für Kinderheilfürsorge.
Auch dieses Jahr hat der Reichsarbeitsminister den Landern beträchtliche Mittel zur Durchführung der Kinderheilfürsorge Aur Verfügung gestellt. Es handelt sich hierbei um Kuren, die hilfsbedürftigen Kriegerwaisen, Kindern von Kriegsbeschädigten und von Sozial- versicherten ermöglicht werden. Die Durchführung der Kuren geschieht durch die Reichszentrale „Landaufenthalt für Stadtkinder e. D." in der Reichsleitung der NSDAP., Hauptamt für Volkswohlfahrt.
die Schaffung von Spezialschriftenreihen sowie eine bessere Organisation der rechtswissenschaftlichen Zeitschriften gedacht. In München werde in enger Verbindung mit Staat und Bewegung eine Forsch u n g s - und Bildungsstätte erstehen, an welcher sorgfältig auserlesene künftige Führer des deutschen Rechtslebens ihre letzte Ausbildung erfahren sollen. Es sei nur eine Selbstverständlichkeit, daß eine Körperschaft, die an der Formung des deutschen Rechtes mihuroirfen berufen sei, dieses Recht den weltanschaulichen Ideen und Idealen des neuen Reiches anpassen müsse. Daß sich diese Zielrichtung mit den Anforderungen strengster Wissenschaftlichkeit wohl vereinbare, hoffe die Akademie durch ihre Arbeit beweisen zu können.
Der Vortragende gab sodann einen Heberblick über die äußere Organisation der rechtspolitischen Arbeit und die Arbeitsmethode der Ausschüsse, deren Arbeit sich in völliger g e i« ft i g e r Freiheit und Hnabhängigkeit vollziehe, ausschließlich geleitet von dem Bestreben, die sachlich besten Ergebnisse zu erzielen. Es sei der Ausdruck einer herzlichen und aufrichtigen Empfindung, wenn die Hoffnung ausgesprochen werde, daß sich zwischen den ausländischen Gästen und der Akademie ein fruchtbares Zusammenwirken entwickeln möge im gemeinsamen Dienst an den großen Menschheitsidealen: Frieden, Fortschritt, Wahrheit und Gerechtigkeit.
Aächtliche Aufbahrung General Ätzmanns.
Auf der Kowno-Höhe von Neuglobsow.
Neuglobsow, 2.Juni. (DNB.) Trauer ist in dem kleinen verträumten märkischen Erholungsort Neuglobsow eingezogen, seit sein größter Sohn, der Heerführer des großen Krieges und nationalsozialistischer Kämpfer General der Infanterie Karl L i tz m a n n seine Augen für immer schloß. Das Wohnzimmer des schlichten Gutshauses ist mit dunklem schwarz-roten Tuch ausgeschlagen. Aus dem lichten Grün der Rückwand ragt ein schmales silbernes Kreuz hervor, das auf den schweren Eichensarg herabsieht. Auf dem Sarg ruhen der Helm und der Ehrendegen, den General Litzmann von Kaiser Wilhem I. als Anerkennung für sein hervorragendes Abschneiden auf der Kriegsakademie bekam und davor eine fast unübersehbare Fülle von Kränzen und Blumen, von seinem alten Regiment, von den Gauen der NSDAP., von den Gliederungen der Bewegung und der märkischen Heimat des Generals. Dor dem Hause hat ein Doppelposten der Wehrmacht Wache bezogen, nachdem bis dahin die SA. die Ehrenwache gestellt hatte.
Dor der nächtlichen Heberführung auf die Kowno-Höhe im Park fand im engsten Familienkreise die feierliche Aussegnung statt. Ein Schwiegersohn des Generals sprach Worte des Gedenkens.
Nach Beendigung der Familientrauerfeier formierte sich vor dem Gutshause der Trauerkondukt. SA.-Männer setzten den schweren Eichensarg auf die sechsspännige Lafette. Dumpf dröhnten die Trommelwirbel in die nächtliche Stille. Im Fackelschein reckten sich die Arme empor zum Gruß an den großen Heerführer und nationalsozialistischen Kämpfer. Dann setzte sich ein Zug Infanterie von der Wachtruppe Berlin an die Spitze. Es folgte die Lafette mit dem Sarg, dahinter gingen die nächsten Angehörigen des Generals, in Der ersten Reihe fein Sohn SA.-Obergruppenführer Litzmann. Dann schloffen sich SA.-Männer an, die die
Vater seiner Soldaten.
persönliche Erinnerungen an General Litzmann.
Wenn Feldsoldaten nach einer siegreichen Schlacht ihrem Heerfüyrer den Ehrenbeinamen „Papa^ verleihen, wie es oftmals in der Kriegsgeschichte und zuletzt dem Kommandeur der 3. Garde-Infanterie- Division General Litzmann nach dem todesmutigen Durchbruch von Brzeziny im Herbst 1914 geschah, bann wird plötzlich das sichtbar, was man in der gelehrten Sprache der Philosophie mit Metaphysik bezeichnet. Auf gut deutsch: die einfachen Soldaten können zwar nicht mehr mit ihren fünf Sinnen, mit dem Verstand allein die Größe ihres Führers begreifen und erklären, aber, indem feine Persönlichkeit auf sie einwirkt, fühlen und empfinden sie unbewußt und übersinnlich (metaphysisch) diese Persönlichkeit so stark, daß sie ihren Gefühlen und Empfindungen durch einen volkstümlichen Begriff oder eine gemeinverständliche Bezeichnung Ausdruck geben musien.
Wenn daher die Soldaten der 3. Garde-Jnfan- terie-Division ihren Führer, der mit Krückstock und Haudegen neben ihnen zu Fuß kämpfte und ihnen ooranftürmte, fortab „Papa Litzmann" nannten, und wenn diese Ehrung über das frische Grab des Dahingeschiedenen für immer fortbestehen wird, dann muß uns das ein Beweis dafür fein, daß dieser General Litzmann wahrlich der Vater seiner Soldaten war.
Ganz sicher ist dieses „Vater-sein" der hervorragendste Zug in dem Wesen des Führers und Helden von Brzeziny. Unb wer diesem Manne begegnete, wer ihm unmittelbar gegenüberstehen durfte, dem erschloß sich auch diese väterliche Gesinnung sofort und unmittelbar. Dreimal habe ich General Litzmann so gegenüberftehen dürfen. Unb jedesmal spurte ich von neuem die e Seite seiner Persönlichkeit zu allererst.
Als im Januar 1915 die 80. Reserve-Diosion im Lock st edier Lager (Holstein) zusammengestellt worden war, und der Führer des XXXX. Reservekorps, General Litzmann, uns besichtigte, sah ich ihn zum erstenmal. Nach der großen Felddienst
vielen Kranzspenden trugen. So ging der Weg etwa einen halben Kilometer lang durch das Fackelspalier der märkischen SA.
In dieser nächtlichen Heberführung kam symbolhaft das Wesen ■ des großen Toten zum Ausdruck. Der deutschen Wehrgeltung galt fein ganzes Leben und sein ganzer Einsatz im großen Krieg und der nationalsozialistischen Idee gab er sich in nie versagendem Opfermut und beispielhafter Tatkraft hin. So geleiteten ihn denn die Männer der wiedererstandenen Wehrmacht und der SA. gemeinsam auf dieser nächtlichen Heberführung.
Auf der Kowno-Höhe wurde der Sarg auf einen schwarz umsäumten niedrigen Katafalk niedergesetzt, vor dem sich die Kränze zu einem gewaltigen Berg häuften. Hell leuchtete der Schein der Fackeln über die kleine, von märkischen Kiefern umsäumte Anhöhe. Er siel auf die drei Findlinge, die der General hier hatte herschaffen lassen. Ihre Inschriften sind symbolhaft für sein Leben. Der erste Stein wurde gesetzt am 18. Oktober 1913 zur Erinnerung an die große Schlacht bei Leipzig, der zweite am 18. August 1925 zur Erinnerung an d i e Erstürmung von Kowno, bei der sich General Litzmann besonders auszeichnete, und der dritte schließlich zur Erinnerung an den 30. Januar 1933, die Geburtsstunde des Dritten Reiches. Neben diesen drei Findlingen steht nun der Sarg ausgebahrt zur letzten Feier.
In andächtiger Stille verharrten die Ehrenabordnungen und die Trauergäste. Dann zogen in endlosen Reihen die Einwohner, Trauergäste und Formationen der Bewegung vorbei an der Bahre des Heerführers und nationalsozialistischen Kämpfers, der hier aufgebahrt war auf seinem Heimatsitz auf märkischer Erde und unter märkischen Kiefern. Sie zogen vorbei in dieser nächtlichen Stunde, um Abschied zu nehmen von diesem großen Vorbild.
Übung nahm General Litzmann an einem Essen im Offizier-Kasino teil. Um ihn ganz aus der Nähe zu sehen, hatte ich mich an das Kopfende der Tafel geschlängelt, wo ich als junger Leutnant durchaus nichts zu suchen hatte. Plötzlich nahm General Litzmann Platz; alle folgten seinem Beispiel; so kam es, daß ich, etwas überrascht, drei Schritte von General Litzmann entfernt stand. Ehe ich mich zu meinem Platz „unten" an der Tafel begeben konnte, bemerkte er mich. Mit einer kameradschaftlichen Handbeweaung wies er auf einen freien Platz in feiner Nähe und sagte (ungefähr): „Aber nehmen Sie doch dort Platz, Herr Leutnant!". Befehl ist Befehl, und so nahm ich dieses denkwürdige Essen (wenige Tage später ging's in die Winterschlacht von Masuren) ganz „hoch oben", zwischen dem Divisionsstab sitzend, ein. Eine gewisse belanglose Angelegenheit. Unb dennoch: diese „rangordnungswidrige" Einstufung entsprang dem Gefühl dieses „Papa" Litzmann, daß wir zuletzt alle Kameraden sind und zusammengehören, ob mit Achselstück ober mit Schulterklappe, ob mit Stern ober Tresse. Nicht ber Korpskommanbeur hatte gesprochen, fonbern— unser Vater.
Als ich zum zweiten Mal biesem großen Manne gegenüberftanb, lag unser Deutschlanb nach bem Diktat von Versailles tief banieber. General Litzmann hatte mit bemunbernsroertem Mut unb mit jugendlicher Spannkraft den Kamps gegen die Schuldlüge ausgenommen. Mit seinen 70 Jahren hatte er noch die spanische Sprache erlernt unb hielt in ben ersten Jahren nach bem Zusammenbruch belehrenbe unb begeifternbe Vorträge in Sübamerika. Auf biefe Weise hat er bort das deutsche Ansehen, die deutsche Ehre gerettet. Nun war er zurückgekehrt unb in Hamburg im „Hotel Atlantic" abgestiegen. Ich suchte ihn bort auf unb würbe als „alter 265er" sofort von ihm empfangen. Hnvergeßlich ist mir biefe Begegnung. Was er erzählte unb berichtete, mündete in die Worte aus: „Wir sind alle Kinder des gro°
Festsitzung derAkadenuefür deuffchesRecht
Für die Teilnahme des Weltkongreffes für gewerblichen Rechtsschutz.
ßenDeutschlandsund müssen diesem Deutsch, land helfen, wer wir auch sind unb wo wir auch stehen." Wieberum also bieses: wir find alle Käme- raben! Aber das schneeweiße Haupt bieses Kämp- fers für Deutschlanb erschien mir abermals als bas Haupt unseres „Vaters". Denn wer hatte barnals von den alten und hochbetagten Heerführern so kräftig zugepackt wie er? Wer fühlte sich so als „Vater ber beutschen Kinber" vor ber Geschichte verantwortlich? Die Unterrebung fanb übrigens in einem einfachen, nach einer Seitenstraße führenben Hotelzimmer statt. „Papa Litzmann" brauchte keine Salons unb Prunkräume! .'
Das britte Mal — im Frühjahr 1932 — sah ich ben nun 82jährigen bei einer Kundgebung ber Nationalsozialistischen Partei in ben Berliner Tennishallen. Gauleiter Wilhelm Kube hatte gesprochen. In ber Pause brängte alles zum Tisch des alten Generals Pg. Litzmann, ber als einfacher Kämpfer Adolf Hitlers uns von neuem ein Beispiel der anspruchslosen unb vorbehaltlosen Hingabe an Deutschlanb gab. Unb bort war es, wo ich General Litzmann so recht als „Papa" empfin- ben unb berounbern konnte. Kaum eine halbe Minute bauerte bas Zwiegespräch zwischen ihm unb einem ehemaligen ßanbfturmmann, ber sich bei ihm „meldete". Das Gespräch verlief so:
„Ich habe als Kraftfahrer Euer Exzellenz bei einer dienstlichen Besichtigungsreife auf der Insel Sylt gefahren!"
Woraufhin General Litzmann überrascht, erfreut, ja fast überglücklich ausrief:
„Ach! Das waren Sie!!!?"
„Jawohl, Euer Exzellenz!" klang es stolz zurück, „das war ich!"
Daß nun General Litzmann unter ben Zehn- taufenben „seiner" Solbatenklnber sich just dieses Mannes genau erinnerte, ist kaum anzunehmen; benn wie oft unb immer roieber war ber General in feinem Leben bienstlich „gefahren" worben. Doch „Papa Litzmann" wußte: für diesen Kameraden, der seinen einfachen Dienst als Kraftfahrer getan hatte, war die Fahrt auf Sylt ein Erlebnis für immer gewesen; unb so gab auch „Papa Litzmann" sich ben Anschein, was uns Umstehenbe tief rührte, als ob auch er sich gerade dieser Fahrt lebhaft erinnerte, unb als ob er von Herzen froh sei, nun endlich zu wissen, wer ihn damals gefahren hatte! Wiederum belanglos? Nein, die tiefe, alles umspannende Güte eines Vaters lag in Dielen Worten, in diesem freudigen Ausruf des Generals Litzmann.
Diese drei der kurzen Erinnerungen können keineswegs die große Persönlichkeit des Generals umreißen. Wer vermag diesen Mann, der sich 1870 bereits das Eiserne Kreuz erkämpfte, der als hoher, begabter Offizier im Frieden, als Heerführer. im Weltkriege, als Gefolgsmann Adolf Hitlers für das Dritte Reich Großes schuf, in feiner Bedeutung so au würdigen, daß alle Seiten seines genialen Wesens offenbar werden? Denn auch ber Ehrenname „Papa Litzmann" schilbert ja nur eine Seite dieses Riesen an Kraft, an Mut unb an Geist. Aber er zeigt die menschliche Seite bieses Mannes auf, unb läßt uns sehen, welch ein Mensch dieser große Deutsche gewesen ist. So paßt denn so recht lauf diesen S aten Deutschlands, an dessen Grabe wir die Fahn:n senken, das Wort Goethes:
Denn ich bin ein Mensch gewesen, Unb das heißt ein Kämpfer fein.
F. B.
Geburtenzahl und Wehrkraft.
Der Stabsarzt an ber Militärärztlichen Akabemie Dr. W. D o n 1 e untersucht im „Archiv für Bevölkerungswissenschaft" bas Verhältnis zwischen Geburtenzahl unb Wehrkraft und kommt zu folgenden bedeutsamen Feststellungen:
Beim Vergleich der Entwicklung ber Wehrkraft in ben einzelnen ßänbern kann man brei Gruppen unterscheiben: eine Gruppe, in welcher bie Wehr- kraft sehr stark abgesunken ist, im Gegensatz dazu ein paar Länder, welche g l e i ch g e b 1 i e- b e n sind, dazwischen eine Gruppe, welche ein mäßiges Sinken der Rekrutenzahlen aufweist. Zur Gruppe ber ßänber mit sehr oerminberten Jahrgangsstärken gehören Oe st erreich unb Deutschlanb. Die absoluten Zahlen finb bei Oesterreich auf fast bie Hälfte, bei Deutschlanb bis zum Jahre 1953 fast ebenso stark gesunken, die Tschechoslowakei hat sich in ben allerletzten Jahren bieser Bewegung angeschlossen. Die beut- scheu Zahlen ber Jahre 1954 unb 1955 zeigen als unbestreitbaren unb sehr beachtlichen Erfolg des Nationalsozialismus ein kräftiges Ansteigen, es ergibt sich aber daraus auch, daß wir weit davon entfernt sind, bie Verluste bes Geburtenrückgangs ber letzten zwei Jahrzehnte auszugleichen, ja, baß wir noch nicht einmal bie zur Erhaltung einer zahlenmäßigen Stärke von 66 Millionen erforberliche Geburtenzahl von 1 400 000 bis 1 500 000 jährlich erreicht haben, welche einer Rekrutenjahrgangsstärke von 400 000 bis 420 000 entsprechen würbe. Unter Zugrundelegung bieses „Existenzminimums" feh- len seit 1915 minbestens 600000C (9 e. bürten, welche wir bei einer jährlichen Geburtenzahl von 1,5 Millionen nicht ersetzen können. Dazu wäre notwenbig, baß im nächsten Jahrzehnt Jahr für Jahr zwei Millionen Geburten erfolgten. Die deutschen Geburtenzahlen bes ersten Vierteljahres 1936 zeigen aber bereits wieder ein Absin- ken ungefähr auf ben Stanb von 1934 (1 197 000 Geburten).
Zur Gruppe ber ßänber, bereu Wehrkraft keine wesentliche Schwächung erfahren hat, gehören Frankreich, bie Nieberlanbe unb wahrscheinlich auch R u ß l a n b. Die zwischen biesen beiden Extremen stehende Gruppe, die ßänber mit langsam sinkenben Jahrgangsstärken, ist burch Italien, Polen unb Belgien vertreten. Der Rückgang beträgt hier seit 1913 10 bis 20 v. H.
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Deutsche Vorgeschichtsforscher tagen In Braunschweig.
In Braunschweig hält bie Norb- unb Westdeutsche Arbeitsgemeinschaft des Reichsbunbes für beutfche Vorgeschichte ihre erste Jahres- tagung ab, bie mit der ersten Gautagung für Vorgeschichte des Gaues Südhannover-Braunschweig des NS-Lehrerbunbes verbunden ist. Die offizielle Eröffnung fand in Anwesenheit des braunschweigischen Ministerpräsidenten K l a g g e s und des Beauftragten des Führers für deutsche Vorgeschichte unb Bun- bessührer bes Reichsbunbes für deutsche Vorgeschichte. Professor R e i n e r t h , statt. Der ßeiter der Nord- unb Westdeutschen Arbeitsgemeinschaft, Professor Matthes, begrüßte die Gäste. Ministerpräsident K l a g g e s sagte u. a., bie Wissenschaft von ber beutschen Vorgeschichte gehöre zu ben Wissenschafts- Aweigen, bie für bie Weltanschauung bes National» sozialismus unb ihre Begründung die allergrößte Bebeutung haben. Er bezeichnete es als bi-e Haupt» aufgabe der deutschen Vorgeschichtler, die Kultur 31t


