m.127 Erstes Blatt
Mittwoch, 3. Juni 1936
186. Zahrgang
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Englands Schwierigkeiten in Palästina.
Jerusalem, 3. Juni. (DNB. Funkspruch.) Auf der Eisenbahnstrecke Jerusalem — Lydda wurden am Dienstag die Schienen aufgerissen. Man hofft jedoch, den Verkehr am Mittwoch wieder aufnehmen zu können. Dienstag haben im übrigen wieder verschiedentlich Schießereien stattgefunden. Die Mandatsregierung hat die gesamte arabische Presse Palästinas auf die Dauer von zehn Tagen verboten. Auf den zwischen Jaffa und Jerusalem verkehrenden Autobus wurde ein Feuerüberfall verübt. Ein Reisender wurde getötet und zwei weitere verwundet. In Jerusalem wurden zwei jüdische Kom- mu nisten verhaftet. Die Telegraphenlinie nach Aegypten wurde zerstört, so daß der Verkehr vorübergehend unterbrochen war. Die Vorsteher derjenigen Araberdörfer, in der Nähe von Jerusalem, aus denen die mutmaßlichen Schuldigen an dem Ueberfall auf die jüdischen Autobusse stammen, sind von den Behörden zu Vernehmungen vorgeladen worden. — Die Zeitungen berichten über die neuen Verstärkungen der britischen Garnisonen, die sich jetzt auf insgesamt 8 0 0 0 Mann belaufen. Nach einer amtlichen Verlautbarung aus Jerusalem sind seit Beginn der Unruhen etwa 1100 Araber und rund 10 0 Juden verhaftet worden. Auch wird eine örtliche Pressezensur durchgeführt.
England schweigt im Mandatsausschuß des Völkerbundes.
Genf, 2.Juni. (DNB.) Im Mandatsausschuß des Völkerbundes, der sich am Dienstag mit dem Jahresbericht der englischen Mandatsverwaltung über Palästina beschäftigte, wurden von verschiedenen Mitgliedern Fragen an den englischen R e g i e r u)i g s v e r t r e - t e r gestellt, die sich auf die jüngsten Ereignisse in Palästina bezogen. Der englische Vertreter lehnte die Beantwortung all dieser Fragen mit der Begründung ab, daß der Ausschuß nur zur Erörterung des Berichts über das Jahr 1935 zuständig sei. Da einzelne Ausschußmitglieder sich hiermit nicht abfinden wollen, ist nicht ausgeschlossen, daß die Angelegenheit in der einen oder anderen Form vor den Völkerbundsrat gebracht werden wird.
Aegypten.
Die militärischen Fragen noch ungelöst.
London, 3. Juni. (DNB. Funkspruch.) In politischen Kreisen wird dem Besuch des britischen Oberkommissars für Aegypten, Sir Miles L a m p - s o n in London außerordentliche Bedeutung beigemessen. Obwohl die bisherigen britisch-ägyptischen Besprechungen bereits zu dem Ergebnis geführt hätten, daß ein Abkommen über viele Punkte durchaus nicht unmöglich fei, könne, wie es heißt, in bezug auf die militärischen Frag en noch keine Lösung gefunden
Genf, 2. Juni. (DNB.) Der Vertreter Argentiniens beim Völkerbund hat dem Generalsekretär den Antrag seiner Regierung auf Einberufung der VölkerbUndsversa m m l u n g überreicht. In dem Antrag wird erklärt, daß der Völkerbund auf dem Grundsatz der Gleichberechtigung beruhe und daß daher allen seinen Mitgliedern Gelegenheit geboten werden müsse, die in Abessinien entstandene neue Lage zu prüfen; das verlange auch die öffentliche Meinung aller Länder. Bei dieser Prüfung müsse Artikel 10 (gebietsmäßige Unversehrtheit der Mitglieder) und die andern Artikel der Dölkerbunds- satzung zugrunde gelegt werden. Diese Grundsätze ständen im Einklang mit den Ueberlieferungen, auf denen der panamerikanische Gedanke, der alle Völker in der neuen Welt umfasse, beruhe. — Die argentinische Note schließt mit folgenden Worten: „Meine Regierung ist der Auffassung, daß die Versammlung, deren Einberufung sie hiermit beantragt, sowohl die durch die Annexion Abessiniens geschaffene Lage als auch die von den Völkerbundsmitgliedern verhängten Sanktionen zu prüfen hat".
Der Generalsekretär des Völkerbundes erklärte der Presse, daß die Völkerbundsoersammlung bestimmt im Juni einberufen werde. Der Generalsekretär hatte auch eine Unterredung mit dem italienischen Vertreter, der auf die gleichzeitige Einberufung des Achtzehner-Aus-
roerben. Hier handele es sich nicht nur um die Stärke und den Standort der britischen Garnisonen, die in erster Linie vom Gesichtspunkt der britischen Verbindungswege berücksichtigt werden müßten, sondern auch um die Zukunft der ägyptischen Selbstverteidigung. Von den im Zusatzvertrag von 1930 vorgesehenen 5000 Mann in der Kanalzone sei man zwar abgegangen, doch gäbe es neue Schwierigkeiten, weil die ägyptische Regierung die britische Besatzung von Kairo ablehne; auch der Sudan stelle noch eine Frage dar, die von einer Lösung weit entfernt fei.
schufses der Sanktionskonserenz, der für die etwaige Aufhebung der Sanktionen formell allein zuständig ist, Wert legte.
Das Echo in London.
England wünscht keine Uebereilung.
London, 3. Juni (DNB. Funkspruch.) Der Botschafter Argentiniens in London, Dr. Manuel M a l b r a n, hat den britischen Außenminister Eden von dem Wunsche seiner Regierung verständigt. Seine Regierung beabsichtige, nicht dem kollektiven Grundsatz des Völkerbundes den Rücken zu kehren, wie das Ekuador und Chile getan haben. Der Wunsch nach einer Einberufung der Völkerbundsoersammlung entspringe vielmehr dem Bedürfnis, die Möglichkeit zu unterbinden, daß wichtige Entscheidungen von den einflußreicheren Mitgliedern des Bundes unter Ausschluß anderer Staaten getroffen würden.
„Morning Post" meint, daß der argentinische Antrag erst auf der planmäßigen Septem b e r t a g u n g zur Sprache gebracht werden würde. Danach würde Zeit für die Entwicklung der gegenwärtig sich bessernden englisch- italienischen Beziehungen gewonnen werden. Inzwischen würden die Sanktionen aufrechterhalten bleiben und die italienische Besitzergreifung Abessiniens nicht anerkannt werden.
Argentinien beantragt Einberufung der Mkerbundsbersammlung.
OieilnruheninpalMna
Von unserem W. M.-Berichierstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Jerusalem, Ende Mai 1936.
Es ist im Grunde nicht zulässig, von einer arabisch-jüdischen Frage zu sprechen, so, als ob sie ein selbständiges Leben führe. Vielmehr stellt sie nur eine bestimmte Seite des palästinischen Gesamtproblems dar, das seinerseits nicht nur durch die Tatsache der arabischen Bevölkerung und der Bal- fourbeHaration, sondern ebenso von der britischen, französischen und russischen Orientpolitik wie auch von dem Emanzipationsstreben der orientalischen Völker und Nationen außerhalb Palästinas überhaupt bestimmt wird. Innerhalb dieses Gesamtkomplexes erscheint die arabisch-jüdische Frage nur als eine Nuance. Allerdings eine Nuance, die sehr an der Oberfläche des Palästinaproblems liegt, die in allen Proklamationen, in allen Formulierungen palästinisch-arabischer Wünsche als zentral bezeichnet und sicherlich von den meisten Arabern entsprechend empfunden wird; und wenn Europäer an Palästina als an ein politisches Problem denken, so denken sie zunächst und vor allem eben an diese Spannung zwischen Arabern und Juden. Unter diesen Umständen mag es berechtigt erscheinen, für einen Augenblick die Fiktion eines in sich geschlossenen arabisch-jüdischen Problems gelten zu lassen, um das wirklich Wesentliche dieser Seite des allgemeinen Palästina-Problems schärfer herauszustellen.
An der geschichtlichen Seite des Problems interessiert vor allem die Tatsache, daß die arabische Gegnerschaft gegen das jüdische Nationalheim nicht von vornherein, insbesondere auch nicht im Anschluß an die Bals ourd eklaration, bestand. Es sei nur an die Begegnung erinnert, die 1918 in Akaba zwischen dem Emir F eis al, dem Sohne des Königs Hussein vom Hedschas, in Gegenwart des englischen Hauptmanns Ormsby-Gore, dem jetzigen Kolonialminister, mit dem Zionistenführer Prof. Dr. Chajim W e i z m a n n stattfand, bei der sich der spätere Jrakkönig zu den zionistischen Bestrebungen sehr freundlich äußerte. Derselbe arabische Fürst, der unbestritten die gesamte arabische Nationalbewegung vertritt, schrieb 1919 an den amerikanischen Zionistenführer Prof. Felix Frankfurter, der mit der amerikanischen Friedensdelegation nach Paris gekommen war, einen Brief, in dem er sich geradezu enthusiastisch über den Plan der Errichtung des „Jewish National Home" ausließ. In dem Schreiben betont Feisal die gemeinsame semitische Rasse, spricht von den „tiefsten Sym- thien", die die Araber den zionistischen Bestrebungen entgegenbringen und meint schließlich, daß das arabische und das jüdische Volk einander zum wirklichen Erfolg bedürften.
Letzten Endes stand ja auch die Balfourdekla- ration keineswegs in einem Gegensatz zu den Versprechungen, die England an die Adresse des Königs Hussein den Arabern 1915 gemacht hatte., Denn sie spricht ja keineswegs von Palästina „als" einer jüdischen Heimstätte (eine Formulierung, die Weiz- mann ursprünglich erreichen wollte), sondern von einer jüdischen Heimstätte „i n" Palästina, so daß also die Möglichkeit eines arabischen Palästinas nicht unbedingt davon berührt werden mußte. Es ist eine Auslegungsfrage, ob in dem geheimen Sykes-Picot-Abkommen von 1916, das den Vorderen Orient für den Fall des Sieges in französische und englische Einflußsphären aufteilt, ein Wider- spruch zu den englischen Versprechungen an Hussein liegt. Die Araber fassen jedenfalls diesen Vertrag und den Mandatsvertrag von 1922 als hiermit unvereinbar auf.
Wie dem auch fei, nach dem Kriege entwickelte sich unter den Arabern Palästinas ein starker Widerstand gegen das Jüdische Nationalheim, der bereits 1921 zu blutigen Unruhen führte. Die Gründe für den arabischen Stellungswechsel dürsten vor allem darin zu suchen fein, daß Palästina, und zwar wiederum nur West- palästina, aus dem gesamtarabifchen Komplex herausgenommen wurde. Eine panarabische Bewegung, die Grundlage und Ziel der Politik der Haschimtten war, und die sich auf weite Räume erstreckt, kann den Gedanken eines jüdischen Nationalheims weitaus eher ohne Prestigeverlust ertragen als eine arabische Bewegung, deren Basis das kleine Westpalästina ist. Es liegt in der Natur der Sache, daß ein Palästina selbst mit einer jüdischen Majorität in einem geschlossenen großarabischen Raum, wie er Hussein und Feisal vorschwebte, kein Problem ersten Ranges, keine Lebensfrage darstellen muhte, während eine auf Palastma beschränkte und national sich bewußt werdende arabische Bevölkerung durch die Enge des abgesteckten Raumes zu dem Konflikt von selbst gedrängt wird. Die Völker können einander nicht mehr ausweichen. „Man kann nicht zwei Degen in eine Scheide stecken", sagt ein arabisches Sprichwort.
Der jüdisch-arabische Konflikt zeigt sich vor allem in zweifacher Weise: i m B o d e n - u n d i m E i n - w a n d e r u n g s p r o b l e m. Es ist eines der ersten Axiome der zionistischen Ideologie, daß in Palästina ein Ruhepunkt in der ewigen zweiwu- lendjährigen Wanderungsbewegung des jüdischen Volkes nur dann geschaffen werden kann, wenn der Boden in möglichst geschlossenen Komplexen jüdisches Eigentum wird, ^^ hebräische Terminus dieses Prinzips lautet „Geulath haarez", d. i. „Erlösung des Landes". Es liegt in her inneren Logik dieses Prinzips, wenn es ernst genommen wird, daß es keine Begre n zu n g l<nnt außer der, die durch die Grenzen Palästinas lelbft gegeben ist. Eng verbunden mit diesem Pnn° sip ist das Prinzip der jüdischen 21 r= bett (Kibbusch Haawoda = Eroberung der Ar
beit): Der Zionismus glaubt, daß das Phänomen des „Ewigen Ahasver" eng mit der zwischenschich- tigen, „parasitären" Struktur des sozial auf dem Handel und den intellektuellen Berufen beruhenden jüdischen Volkes verbunden ist, so daß ein Stillstand der Wanderungen nur durch eine neue Berührung des jüdischen Volkes mit der Urproduktion erreicht werden kann.
Beide Prinzipien, Geulath Haarez und Kibbusch Haawoda, bedeuten zwar nicht eine Verdrängung der Araber aus dem Lande, wohl aber vorn Lande, d. h. sie bedeuten deren Verstädterung, also einen Angriff auf die soziale Struktur des palästinischen Arabertums. Diese Gefahr ist keineswegs akut; denn bisher find erst etwa ein Zwanzigstel der Gesamtfläche und etwa 11 v. H. der gesamten anbaufähigen Fläche Westpalästinas in jüdischem Besitz. Die Entwicklung wird nicht nur durch die unvorstellbar hohen Bodenpreise und durch die finanziellen Mittel der zionistischen Bewegung, sondern auch durch viele gesetzliche Erschwerungen des Bodenkaufs gehemmt. Aber die Tendenz geht zweifellos auf die Erwerbung bes gesamten Bodens hin. sie muß öaMn gehen, wenn die zionastische Bewegung sich selbst ernst nimmt. Diese Entwicklung zu hemmen, ist eine der vordringlichsten Forderungen und Probleme der arabo-pakästinischen Politik.
Das Problem der jüdischen Einwanderung ist besonders seit dem Jahr 1933 akut geworden. Dieses Jahr hatte durch die Entwicklung in Deutschland mit dramatischer Wucht gezeigt, daß die jüdische Emanzipation des 19. Jahrhunderts selbst in Westeuropa nicht, wie es die Utopisten des Liberalismus geglaubt hatten, die Beendigung der Judenfrage bedeutet. Die Wanderungsbewegung, die in Westeuropa angesichts der politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Sättigung des westeuropäischen Judentums seit langem gestockt hatte, trat in diesem Jahr zum erstenmal wieder als Massenbewegung auf. Aber sie stieß auf eine von der Wirtschaftskrise verriegelte Welt. Nur in Palästina konnten dank der Vorarbeiten der zionistischen Bewegung ein Auffana geschaffen werden. So stieg die Einwanderungszifser plötzlich und steil in die Höhe und erreichte bald einen früher von Fachleuten als utopisch bezeichneten Monatsdurchschnitt von 4500 Seelen. Inzwischen wankt auch in Oesterreich und in Polen der Boden unter den Füßen der Juden, so daß auch von dort — im Verein mit einer nicht unbeträchtlichen Quote aus Amerika und Südafrika — ein erheblicher Massenstrom allmonatlich nach Palästina fließt. Im Gegensatz zu früheren Zeiten (wenn man einmal oon der durch bestimmte polnische Regierungsmaßnahmen hervorgerufenen Masseneinwanderung von 1925/26, die jedoch bald wieder in eine Rückwanderung mündete, absieht), werden die Juden nicht mehr durch die zionistische Idee und daher natur- gemäß unter einer starken zahlenmäßigen Auslese, sondern durch die sozialen, politischen und wirt- schaftlichen, also objektiven Bedingungen der Her-
funftslänber nach Palästina gebrängt; während noch im vorigen Jahrhundert Amerika die Bedürfnisse der seit der Zerstörung des jüdischen Staates immer vorhandenen jüdischen Wanderungsbewegung vollauf befriedigen konnte, besteht diese Möglichkeit einer außerpalästinischen Lenkung des Massenstroms im Augenblick nicht. Die Tore Palästinas werden durch diesen Massensturm eingedrückt, und wenn heute erst 450 000 Juden in Palästina sind, so rechnen sich die Araber bereits heute schon aus, wann sie unter Beibehaltung bes gegenwärtigen Tempos durch die Juden majorisiert werden. Die Majorität — das ist das schwindende Besitztum der Araber und das heiß ersehnte jüdische Ziel. Durch nichts läßt sich für den Durchschnittsaraber die Dringlichkeit und Notwendigkeit arabischer Aktivität eher nachweisen als mit diesem Argument der jüdischen Einwanderung, die zum nationalen Alpdruck des palästinischen Arabertums wurde.
So ergibt sich die zweite Hauptforderung der Araber: Drosselung der jüdischen Einwanderung. Der arabische Generalstreik hat sich
ganz auf diese Forderung zugespitzt. Beide Forderungen, Verbot des Bodenkaufs und der Einwanderung, rühren an die Grundlagen der Balfour- Deklaration und des jüdischen Nationalheims und man wird sich daher darauf gefaßt machen müssen, daß nicht nur die aufgeschreckten und durch die Einwanderungsziffern alarmierten Araber alle Kräfte — das Nationalgefühl der städtischen Intelligenz, den religiösen Fanatismus und den Fremdenhaß der breiten Unterschicht — mobilisieren werden, sondern daß auch das gesamte jüdische Volk seine Chancen nicht ohne Aufbietung aller Möglichkeiten aus der Hand geben wird. Die Erbitterung ist auf beiden Seiten groß, weil starke, objektive, soziale Kräfte beide Gruppen aufeinander zutreiben. Sicher wird der Ausgang der gegenwärtigen Unruhen und des arabischen Generalstreiks nicht die Entscheidung bringen, die durch die Einschaltung einer dritten Macht immer weiter aufgeschoben wird: England, dessen Ziel nicht der jüdisch-arabische Ausgleich, sondern die Erhaltung Palästinas als Herrschaftsgebiet ist.
Ausländische Frontkämpfer bei König Eduard.
Für Friede, Verständigung und Freundschast unter den Völk"«,.
London, 3. Juni. (DNB. Funkspruch.) König Eduard empfing am Dienstagabend die führenden ausländischen Frontkämpfer, die sich an der Iahrestagung der British Legion in Buxton beteiligt hatten. Die deutschen Frontkämpfer waren durch den Herzog von Sachsen-Koburg und Gotha und h. G. S f a t) m e r vertreten. Ferner waren General Für st Schönburg - harten st ein (Oesterreich), General B a z o f f (Bulgarien), General Graf Takach-Tolvay (Ungarn), General weygand als Vertreter Frankreichs und General van der Durch für die belgischen Frontkämpfer anwesend. Der König unterhielt sich etwa dreiviertel Stunden lang mit den Frontkämpfern, die ihm durch den Präsidenten der British Legion, Generalmajor Frederick Maurice, vorgestellt wurden. Wie „Daily Telegraph" meldet, wiederholte König Eduard im Verlaufe der Audienz feinen starken Wunsch, daß die Frontkämpfer weiterhin für die Sache des Friedens arbeiten und in diesem Geiste Zusammentreffen und ihre Meinungen austaufchen mögen.
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Auf der Jahrestagung in Buxton erklärte Sir Frederick Maurice, Der Rat der Legion habe,
fein Bestes getan, um freundschaftliche Beziehungen zu den ehemaligen Kriegsteilnehmern der früheren Feindstaaten durchzuführen. Infolge des Todes des Königs Georg und der verwickelten internationalen Lage seien Schwierigkeiten zu überwinden gewesen. Doch hätten viele Ortsgruppen der British Legion Vertreter nach Deutschland entsandt, nach deren Rückkehr es zu der wirklich bemerkenswerten Zusammenkunft von Frontkämpfern aus 15 verschiedenen Ländern in Staffordshire gekommen sei.
Der Vertreter Oesterreichs, General Fürst Schönburg-Hartenstein, begrüßte den Gedanken der British Legion, die Gegner von einst zusammenzubringen. General W e y g a n d , der Vertreter Frankreichs, äußerte sich in gleichem Sinne und erklärte, daß keinerlei Haßstimmung jemals die alten Soldaten trennen könne.
Mit stürmischen Hochrufen wurde der Herzog oon Sachsen-Coburg-Gotha, als Vertreter der deutschen Frontkämpfer begrüßt, als er für den Frieden und für die Verständigung zwischen den Völkern eintrat, die einstmals im Weltkrieg sich als Gegner gegenübergeftanben haben. Der Wunsch nach Frieden sei vor allem der Wunsch des Führers Adolf Hitler. Die Friedensbewegung unter den Frontkämpfern sei zwar ständig im Wachsen begriffen, sie müsse aber zur unumstößlichen Tatsache werden. „Noch, Kameraden", (o sagte er, „fin-


