Nr. 80 Dritter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Zreitag, 3.April (936
Aus der Provinzialhaupistadt.
Schulferien.
Ferien — Ruhetage, Feiertage! Welches Kinderherz schlägt nicht höher, wenn es ihrer gedenkt! Gar mancher Schulbub, manches Schulmädel streicht schon wochenlang vor den großen Ferien allabendlich den verflossenen Tag aus dem Kalender möglichst dick aus und sieht mit glänzenden Augen, wie der un- durchstrichenen Tage immer weniger werden. Aber auch der gestrenge Herr Lehrer sowohl, wie die Frau Oberstudienrätin sehnen sich meist nicht weniger nach der so notwendigen Frei- und Erholungszeit, als die wilden Rangen.
Und doch ist die Erkenntnis, daß eine solche Freizeit sowohl Lehrern wie Kindern wirklich not tut noch nicht gar alt. So waren zum Beispiel zur Zeit Friedrichs des Großen in Berlin noch nicht einmal die festgelegten freien Mittwoch- und Samstaanach- mittage üblich. Bis weit ins 16. Jahrhundert hinein gab es Ferien, wie wir sie heute kennen, an den Schulen überhaupt nicht, es wurden stets nur einzelne Tage freigegeben.
Die Festsetzung dieser schulfreien Tage geschah, je nach Orten verschieden, durch die kirchlichen oder die Gemeindebehörden. In der Regel hatten die Schüler frei an den Tagen, an denen Jahrmärkte abgehalten wurden, am Erntedankfest, an den Kirchweihen (bei denen meist drei bis vier Tage gefeiert wurde), häufig auch in der lustigen Fastnachtszeit. (Roch heute finden wir im Rheinland vielfach den Brauch, daß mindestens am Fastnachtsdienstag, oft auch am Rosenmontag schulfrei gegeben wird.)
Die Zeit des Jahrmarktes schreibt auch die älteste Schulordnung des grauen Klosters in Berlin für die Schulferien vor, während in einer Schulordnung des Gymnasiums zu Nordhausen aus dem Jahre 1583 folgendes geschrieben steht: „Ob man woll den praeceptoribus gönnet, daß sie bisweilen ruhe haben und remissiones, muß doch solches auch seine maße haben, damit die knaben nicht vorwenet oder nicht zu sehr verseumet werden. Demnach sollen alle andere Ferien, die inen die Collegae gemacht, genzlich abgeschnitten sein, on allem folgende, welche inen sollen vorgunet werden, nemlich:" ... Hier folgt die Angabe einiger frei zu gebender Tage.
Im allgemeinen blieb die Festlegung dieser Tage jedoch dem freien Ermessen der einzelnen Schul- leiter überlassen. Sicher ist, daß es sich stets nur um wenige Tage handelte — vielleicht wie bei den ja heute noch vielfach auf dem Lande üblichen „Kartoffelferien", — um aus reinen Zweckmäßigkeitsgründen eingeschobene schulfreie Tage — und nicht um wirkliche Ferien, die der Ausspannung, der Erholung von Schülern und Lehrern dienen sollten. Solch eigentliche Ferien gab es keinesfalls vor dem 17. Jahrhundert. Verordnungen über die Zeiten der Schulferien brachte im allgemeinen wohl erst das 19. Jahrhundert. E. B.
Vornotizen.
Tageskalender für Freitag.
NSG. „Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.45 Uhr allgemeine Körperschule im Lyzeum; 20.30 bis 21.30 und 21.30 bis 22.15 Uhr Schwimmen im Volksbad; 20 bis 21 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr „Die unvollkommene Ehe". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Herbstmanöoer". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das letzte Fort". — Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz): 16 bis 17 Uhr Ausstellung von Gemälden von Richard Geßner, Düsseldorf.
Stadttheater Gießen.
Heute von 20—22.30 Uhr die neue Lustspieloperette „Die unvollkommene Ehe", musikalisches Lust- spielt von Albrecht Nehring. Musikalische Leitung: Ernst Bräuer. Spielleitung: Paul W r e d e. 24. Freitag-Abonnement.
NS.Kutturgemeinde Gießen. Ring ..Deutsche Bühne".
Als Aprilvorstellungen bringt die NS.-Kulturge- meinde Gießen, Ring „Deutsche Bühne", am 18. April die romantische Zauberoper „Undine" von Lortzing, am 25. April „Lapp im Schnakenloch" und „Der zerbrochene Krug", zwei heitere Einakter von Reinacher und Kleist. Die Kartenausgabe findet am 4. April statt. Wir verweisen auf die Veröffentlichung im heutigen Anzeigenteil. __________________
Die Tippgräfin.
Roman von Klothilde v Stegmann
Urheberrechtsschutz: Auswärts-Verlag, Berlin, SW 68.
29 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
„Und wenn ihr alle euch bemüht, mir Erhard verächtlich zu machen, weil ihr mich vor dem Gefängnis bewahren wollt — ich ehre und achte das Andenken eines Toten, der mir mehr bedeutete als das Leben. Sei mir nicht böse, Renate! Ich weiß, wie gut du es mit mir meinst. Aber um keinen Preis versündige ich mich an Erhard. Lieber gehe ich wirklich ins Gefängnis — schließlich habe ich die Strafe ja auch verdient!" fügte sie aufschluchzend hinzu.
Renate schwieg? Man mußte dies Thema lassen. Es war mit Mariella über diesen Punkt noch nicht zu reden. Vielleicht war es auch noch zu früh.
„Wir wollen schlafen gehen, Mariella!" sagte sie freundlich. „Morgen ist wieder ein arbeitsreicher Tag für uns beide."
„Gottlob", gab Mariella zurück, „daß ich arbel- ten darf, Renate! Das größte Gnadengeschenk des Schicksals. Und wem verdanke ich es? Dir!"
Eng umschlungen gingen die beiden jungen Mädchen ins Haus. Plötzlich kam Mariella ein Gedanke.
Scheu fragte sie nach Tante Annina.
„Ich habe nichts Wesentliches von ihr gehört", war Renates Antwort. „Sie soll im Augenblick in Baden-Baden sein und sich dort glänzend amüsieren."
19. Kapitel.
Getäuschte Hoffnung.
Das Auftauchen und Wiederverschwinden des geheimnisvollen Luftschiffes hatte den Prinzen Bo- naglia von der schönsten Hoffnung in die tiefste Verzweiflung gestürzt. Da hatte er geglaubt, die Rettung aus seiner jahrelangen Urwaldgefangen- schast sei nahe. Hatte gehofft, daß für ihn und sein heißgeliebtes Pflegetöchterchen Jlaro die Stunde der Befreiung schlagen würde. Und nun war das rettende Flugzeug wieder verschwunden. Er zerbrach sich den Kopf darüber, warum die Europäer ihn zwar gesichtet, aber nicht mitgenommen hatten.
Iahrplanverbesserungen der Reichsbahn im Gommer 1936.
Bedeutsame Vorteile für den Gießener Bezirk.
Der Sommer-Fahrplan der Reichsbahn, der am 15. Mai in Kraft tritt, bringt auch für den Gießener Bezirk und für den Vogelsberg einige wesentliche Aenderungen, die als bedeutsame Verbesserungen zu begrüßen sind.
Auf der Strecke Gießen —Butzbach wird der Personenzua ab Gießen 13.48 Uhr (gegenwärtig 13.39 Uhr Samstags) künftig wochentags über Butzbach hinaus bis Bad-Nauheim durchgeführt und dort mit dem Zug Bad-Nauheim—Frankfurt (ab Bad-Nauheim 14.23 Uhr) zufammenge- schlossen. Dadurch wird eine neue durchgehende Verbindung Gießen—Frankfurt (ab Gießen 13.48 Uhr, an Frankfurt 15.11 Uhr) geschaffen.
In der Zeit vom 15. Mai bis 3. Oktober wird zu dem v-Zug 186 Kassel — Frankfurt (jetzt ab Gießen 14.40 Uhr, an Frankfurt 15.43 Uhr) an den Samstagen ein Vorzug gefahren, der in Gießen um 14.33 Uhr abfahren und in Frankfurt um 15.37 Uhr eintreffen wird. Der Hauptzug wird im Sommer-Fahrplan um 14.41 Uhr in Gießen abfahren und um 15.44 Uhr in Frankfurt eintreffen. Durch diesen Vorzug wird besonders an Tagen vor Sonn- und Feiertagen wegen des starken Militär- urlauberoerkehrs eine Entlastung des Hauptzuges herbeigeführt.
Im Anschluß an diese beiden Züge wird auf der Strecke Gießen — Koblenz ein beschleunigtes Personenzugpaar verkehren, das für den Sommer- Fahrplan wieder geschaffen wurde. In Richtung Koblenz fährt der Zug in Gießen um 14.57 Uhr ab, so daß der Anschluß an den Zug von Kassel her gegeben ist; der Zug hält in Wetzlar, Braunfels, Weilburg, Limburg, Nassau, Bad Ems, Nieder- Lahnstein und kommt um 16.51 Uhr in Koblenz an. Der Gegenzug, mit gleichen Halten auf den eben genannten Bahnhöfen, verläßt Koblenz um 13.48 Uhr und trifft um 15.42 Uhr in Gießen ein, wo er den Anschluß an den O-Zug nach Berlin und Hamburg (ab Gießen 15.48 Uhr) herstellt.
Auf der Strecke Frankfurt — Gießen — Niederwalgern wird der Personenzug a b Frankfurt jetzt 7.51 Uhr im Sommer-Fahrplan auf 7.36 Uhr vorverlegt. Durch diese frühere Abfahrt in Frankfurt wird erreicht, daß der Personenzug bei Verspätungen nicht mehr vor Friedberg durch den nachfolgenden O-Zug Frankfurt—Hamburg—Berlin überholt werden muß, wodurch bisher der Ueber- gang auf den O-Zug in Friedberg verloren ging.
Auch die fahrplanmäßige Ueberholung in Friedberg fällt im Sommer-Fahrplan fort. Der Personenzug trifft nach dem neuen Plan vor dem O-Zug in Gießen um 9.05 Uhr ein (jetzt 9.26 Uhr), so daß der Uebergang auf den O-Zug in Gießen vorhanden ist. Zwei weitere wichtige Anschlüsse werden künftig in Frankfurt hergestellt durch Späterlegung des Eil-Zuges jetzt Frankfurt ab 9.17 Uhr, im Sommer-Fahrplan Frankfurt ab 9.23 Uhr, in Richtung Gießen. Der Eilzug kommt jetzt in Gießen um 10.25 Uhr an; er wird im Sommer-Fahrplan, trotz der späteren Abfahrt in Frankfurt, infolge Steigerung der Fahrgeschwindigkeit um 10.26 Uhr in Gießen eintreffen. Durch die Späterlegung der Abfahrtszeit dieses Zuges in Frankfurt wird erreicht, daß der Anschluß an den Zug von Aschaffenburg, an Frankfurt 9.18 Uhr, und an den Zug von Karlsruhe, an Frankfurt 9.18 Uhr, hergestellt wird.
Auf der Strecke Gießen — Siegen wird wieder ein neues Eilzugpaar, das bereits im vorigen Sommer verkehrte, im Winter aber ausfiel, in den Fahrplan eingestellt. Der Eilzug am Vormittag fährt in Siegen um 6.40 Uhr ab und trifft in Gießen um 7.46 Uhr ein, wo er den Anschluß an den O-Zug nach Frankfurt (ad Gießen 7.53 Uhr) herstellt. Der Gegenzug am Abend verläßt Gie - feen um 21.17 Uhr und nimmt in Gießen den Anschluß von dem Eilzug 19.54 Uhr ab Frankfurt, an Gießen 21.02 Uhr, sowie den Anschluß von dem v-Zug Hamburg-Kassel—Frankfurt, an Gießen 21.12 Uhr, auf. In Siegen trifft dieser Eilzug um 22.25 Uhr ein, wo er den Anschluß an einen Personenzug von Siegen nach Hagen herstellt, mit dem die Reisenden etwa um die Mitternachtszeit in Hagen eintreffen können.
Auf der Strecke Frankfurt — Vilbel — Lauterbach wird der Zug ab Stockheim 11.46 Uhr, der bisher in Vilbel-Nord endigte, bis Frankfurt-Hauptbahnhof durchgeführt; er hält nur in Frankfurt-West. Der bis jetzt nur in Vilbel-Nord beginnende Zug wird ab Frankfurt-Hauptbahnhof durchgeführt; er fährt in Frankfurt um 13.41 Uhr ab und kommt in Lauterbach- Nord um 17.14 Uhr an.
Zur besseren Bedienung des Ausflugsverkehrs zwischen Frankfurt und dem Vogelsberg wurde der Zug ab Lauterbach bisher 18.27 Uhr um IV2 Stunden später gelegt.
Vinterhilfswerk 1935/36
Ortsgruppe Gießen-Süd.
Kohlenscheinabrechnung.
Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine „Serie F" am Freitag, 3. April, von 19 bis 20 Uhr, auf unserer Geschäftsstelle, Crednerstraße 24, einzureichen. Später eingereichte Gutscheine werden nicht mehr angenommen.
Ortsgruppe Giehen-Ost.
Vetr. Kohlenversorgung.
Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlenscheine der Serie F täglich bis einschl. Samstag, 4. April, von 15 bis 19 Uhr auf der Geschäftsstelle, Kaiserallee 52, gegen Wertquittungen umzutauschen. Eine spätere Annahme kann nicht mehr erfolgen.
Ortsgruppe Giehen-Mitte.
Die Kohlenhändler werden ersucht, die für den Monat März 1936 gültigen Kohlengutscheine der Serie F am Samstag, 4. April, 20.30 Uhr bei der NSV.-Geschäftsstelle, Kaplans- gasse 18, mit Firmenstempel versehen nebst den entsprechenden Rechnungen einzureichen. Es ist besonders darauf zu achten, daß der Abrechnungstag unbedingt eingehalten werden muß, weil der 5. April auf einen Sonntag fällt. Später eingehende Rechnungen werden unweigerlich abgelehnt.
Ortsgruppe Gießen-Rord.
Betr. Kohlenscheinabrechnung.
Die Kohlenhändler werden aufaeforbert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine Serie F bis spätestens Samstag, 4. d. M., auf der Geschäftsstelle, Walltorstraße 16, abzuliefern. Später eingereichte Gutscheine können nicht mehr angenommen werden.
Die öcutfdie Rrbeitofront 1 n.9.=6emeinf(haft „firaft burdi frcubc"-
wochenendzug am Sonntag, 19. April, nach Köln.
Unsere Wochenendfahrten haben im vorigen Jahr derartigen Anklang gefunden, daß wir uns entschlossen haben, auch in diesem Jahr wieder mehrere Fahrten durchzuführen. Die erste Fahrt geht diesmal nach Köln, der Domstadt am Rhein.
Diese Hansestadt, die drittgrößte Stadt Deutschlands, ist mit ihren 760 000 Einwohnern als große Handelsstadt der Hauptknotenpunkt des europäischen Eisenbahn- und Flugzeugnetzes. Die Stadt besitzt den größten Nachtlandeflugplatz Europas. Der Kölner Dom, ein Meisterwerk gotischer Baukunst, wird dem Besucher zu einem besonderen Erlebnis. Eine große Sehenswürdigkeit ist das Kölner Rathaus, inmitten alter Häuser und enger Straßen gelegen. Nicht weit davon entfernt erhebt sich der Gürzenich, das alte Ballhaus der Kölner Bürger, viel bewundert das große Gesellschaftshaus mit seinen Kon
zerten und Tagungen, die Stätte für das alljährlich wiederkehrende, weltbekannte Fest des Kölner Karnevals.
Sucht man aber Kölner Eigenart, dann geht man in die alten Gaststätten am Rhein und in der Altstadt. Hier werden alle Sprachen der Welt auf „kölsch" gesprochen. Hier gibt es nur einen Dolmetscher, der heißt: „Köbes". Dieser Herr serviert mit Vorliebe einen „halven Hahn" und dazu ein köstliches Getränk aus Urväterszeiten, das herbe, ober- gärige Glas „Kölsch" auf einen weißgescheuerten Tisch. Jetzt ist man richtig in Köln.
Volksgenossen, die an dieser Fahrt teilnehmen wollen, füllen das Anmeldeformular in dem Monatsprogramm aus und geben es mit dem Betrag ihrem zuständigen „KdF."-Wart, ober ber Kreis- dienstftelle „KdF.", Gießen, Schanzenftr. 18. Preis ber Fahrt ab Gießen 3,90 Mk., mit Essen 4,80 Mk.
Der Mann beim Kartenspiel.
Willst bu erkennen, wie ein Mann in feinem Innern denkt unb fühlt, so sieh ihn bir genauer an, wenn er mit Freunben Karten spielt. Schlägt er z. B. auf den Tisch, baß jedes Glas zur Höhe springt, so ist er mehr als kriegerisch, — bu zähmst ihn bann wohl nur bebingt.
Unb wenn er bös unb krittlig wird, sobald er merkt, daß er verliert, unb wenn er sagt, baß er nicht irrt, obwohl man ihn schon überführt, unb wenn er laut wirb unb gar schreit unb an ber Stirn bie Ader glüht, so ist es wohl bie höchste Zeit, baß man sich nicht mehr um ihn müht.
Unb sieh, wie er bie Karten hält!
Hält er sie nicht an sich heran, so baß ein jeber, bem’s gefällt, ihm in bie Karten gucken kann, so traue ihm nicht allzuviel unb halte an ber Meinung fest, baß er sich auch im Lebensspiel stets in bie Karten gucken läßt.
Doch falls er, wenn ein Blatt er zückt, vorsichtig äugt unb unentwegt mißtrauisch bann noch um sich blickt unb ftunbenlang erst überlegt, bann ist er, besten sei gewiß, ein übler, kleinlicher Pebant.
Ihm fehlen Nachsicht, Schwung und Schmiß, und Freimut hat er nie gekannt.
Unb wenn es ans Bezahlen geht, so gib wohlweislich darauf acht, ob er zu dem Verlust auch steht und keinerlei Sperenzchen macht. Drum paffe auf und schaue hin, gewärtig Deines Lebensziels, denn es liegt wahrlich tiefer Sinn auch in ber Art des Kartenspiels! Puck.
Sportomt „Kraft durch Ireude".
heule folgende Kurse:
Allgemeine Körperschule (Frauen unb Männer). Von 20.30 bis 21.45 Uhr in Gießen, Lyzeum, Dammstraße 26. Don 19.45 bis 21 Uhr in Großen-Buseck, Neue Schule.
Fröhliche Gymnastik unb Spiele (Frauen). Don 20.30 bis 21.45 Uhr in Lollar, Kantine ber Fa. Buberus.
Schwimmen (Frauen unb Männer). Von 20.30 bis 21.30 Uhr unb von 21.30 bis 22.15 Uhr, Volks- bab, Seltersweg.
Eine einfache Rechnung
und deshalb ein für allemal: die Schuhe putzt man mit Erdal
Nun war es wohl für immer vorbei mit ber Hoff- nung, von hier zu entkommen.
Bonaglia ahnte nicht, was sich inzwischen begab. Verzweifelt lag er in seinem Zelt, bas als prächtigstes auf einem kleinen Hügel, ein wenig abseits von bem Dorfe ber Zwergjäger, errichtet war. Er sprach kein Wort. Selbst Jlaro gelang es nicht, seinen Trübsinn zu verscheuchen.
Das junge Mäbchen selbst war von Angst unb Unruhe ergriffen. Jlaro kannte ja kein anberes Dasein wie bas des Urwalbs. Zwar hatte ihr Giovanni bi Bonaglia bas Leben ba brüben in Europa in leuchtenden Farben geschildert. Aber sie konnte es sich nicht recht vorstellen Bei bem Gebauten, ihr grün umschirmtes Urwalbparadies zu verlassen, ergriff sie beinah Furcht. So war sie nicht einmal traurig, baß bas geheimnisvolle Ding am Horizont, bas fliegen konnte wie ein Vogel unb boch kein Vogel war, nicht wieberkehrte — nur bie Trauer ihres geliebten Pflegevaters brückte schwer auf sie.
In höchster Erregung waren inzwischen Arlesius unb Heßling mit ihren Begleitern an Borb des Luftschiffes nach ihrem Ausgangspunkt zurückgekehrt. Sie konnten es kaum erwarten, bis sie gelandet waren. Der Herzog war am Landungsplatz. Die Träger der Expedition, Bata voran, warteten gleichfalls. In überstürzten Worten berichtete Heßling von den beiden Menschen, die sie da unten gesehen.
„Es ist Bonaglia. Es muß Bonaglia sein", sagte er leidenschaftlich. „Ich habe den Vater Mariellas gefunden."
Seine Stimme zitterte. Ein unsagbares Glück strahlte aus seinen Augen. Und auch der Herzog mar voll tiefster Freude. Nur wer dieses weiße Mädchen war, darüber zerbrachen sich alle den Kops. Es gab jetzt nur eins, zu versuchen, die beiden Weißen zu retten. Und schon am nächsten Tage fuhr das Luftschiff mit seinen Begleitern an Bord wieder der Insel zu.
Die Nachricht von der Entdeckung, die die Luftschiffer gemacht, war auf unerklärliche Weise bereits in der ganzen Kolonie verbreitet. Diese Entdeckung war das Tagesgespräch aller Schwarzen und auch aller Europäer, die sich in Tanga, dem Hafen, zusammenfanden, um einen Europadampfer zu empfangen. Dieser Dampfer brachte nickt nur Reisende und Briefpost, sondern auch eine Anzahl
sehnsüchtig erwarteter Lebensrnittel und landwirtschaftlicher Artikel mit.
Aus den nahegelegenen Pflanzungen waren Weiße und Schwarze gekommen, um Freunde von Bord zu holen und die bestellten Warenlasten in Empfang zu nehmen.
Auch Mister Errel aus Bomale, ber englische Farmer, war anroefenb. Es war berfelbe, ber Lore von Ankermann ben Auftrag auf Bruteier ihres Geyerleghuhns erteilt hatte.
Seine Farm lag im Uelle-Diftrikt, gegenüber bem Landungsplatz des Luftschiffes. Er hatte Heßling sowie Pepito Arlesi persönlich kennengelernt unb so manchen Abenb mit ihnen verbracht. So wußte er auch von ben Rettungsplänen, bie bem verschollenen italienischen Prinzen galten. Pepito Arlesi hatte es ihm versprochen, nach der Rückkehr von der Expedition ein paar Tage fein Gast zu sein. Auch das Luftschiff und Walter Heßlings Flugzeug hatte er gesehen und erzählte auf der Landungsbrücke in begeisterten Worten davon, bis ganz hinten am Horizont der Europadampfer auftauchte. Er brachte dem jungen Farmer die Blechkisten mit hundert Eiern, die aus Deutschland kamen. Daß das hundertste Ei darin ein entzückendes Mädchenporträt zeigte, das noch viel Verwirrung anrichtete, wußte Ronald Errel um jene Stunde noch nicht
Inzwischen fuhr Walter Heßling, diesmal in feinem Flugzeug, wiederum durch die heiße Tropenluft über die Wipfel des Urwalbs hinweg. Mit Kompaß unb Lanbkarte stellte man genau ben Weg fest, den man vor ein paar Tagen genommen. Endlich war man wieder ungefähr in der Nähe des Platzes, auf dem man den geheimnisvollen Mann und feine blondhaarige Begleiterin gesehen hatte.
An Bord befand sich der treue Pilot Jaan.
„Nur nichts übereilen!" schrie Doktor Heßling seinem Begleiter zu. „Erst müssen wir nach einem geeigneten Landungsplatz Umschau halten, ehe wir handeln können."
Sorgfältig versuchte er durch das Dickicht der Urwaldriesen hindurch einen Landstrich zu erspähen, der es ihm ermöglichte, mit seiner Maschine ungefährdet zu Boden zu gehen.
Endlich hatte er gefunden, was er brauchte. Zehn
Minuten später lag die „Speranza" auf üppigem Boden, in den ihre Räder tief versanken.
„Wie wir hier wieder fortkommen sollen, mag der Himmel wissen", seufzte Heßling und sah sich suchend nach bem Flugkameraben um. Doch Jaan war verschwunden. Voller Neugier war er aus ber Maschine gesprungen unb bavongelaufen, noch ehe sie ben Boben richtig berührte. Besorgt sah sich Walter nach ihm um. Sein Herz schlug hart gegen seine Brust; von ber leuchtenben Schönheit ber Natur bemerkte er nichts. War er auf ber richtigen Fährte? Hatte er recht gesehen, als er tief unter sich ein weißes Mädchen zu erblicken glaubte? Handelte es sich tatsächlich um den verschwundenen Vater derjenigen, die sein Liebstes auf Erden war? Oder um einen gleichgültigen Fremden, den sein Schicksal gleichfalls hierher verschlagen?
Da kam Jaan katzengleich angeschlichen, und sein Gesicht hatte einen merkwürdigen Ausdruck, als er vor dem erregten Heßling stand.
„Da. Herr Doktor, Glück auf Anhieb! Sehen Sie einmal, was ich gefunden habe!"
Er reichte dem verwunderten Heßling einen kleinen, schmutzigen, zusammengeknüllten Papierknäuel, daß Heßling Mühe hatte, das klebrige, zerknitterte Etwas zu entfalten. Regengüsse unb bie Zähne rpilber Tiere hatten bazu beigetragen, bie Schriftzüge, die ehemals darauf gestanden haben mochten, zu verwüsten unb zu verwischen. Deutlich lesbar geblieben waren nur ein paar Silben, bie sich mehrmals wieberholten:
„... riella klei ... Mariella ... a ... bina . . ."
Verblüfft suchte Heßling zunächst Sinn in bas Fragment zu bringen, bas auf bem fragroürbigen Stückchen Papier ftanb. Plötzlich leuchteten feine Augen auf. Hastig griff er nach Papier unb Bleistift, ließ sich auf ben weichen Urroalbboben sinken unb schrieb:
„Mariella ... kleine Mariella ... mia bam- bina ..."
Dann sprang er mit einem Jubelschrei roieber in bie Höhe.
„Jaan, Sie find ein Tausenbsassa! Wissen Sie, was auf bem Zettelchen ftanb, bas Sie fanben?"
„Nun?" Neugierig hatte ber biebere Hamburger dem jungen Anwalt bei ber Entzifferung der Silben zugesehen. (Fortsetzung folgt.)


