Ausgabe 
3.4.1936
 
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Hr.80 Zweites Blatt

Zreitag, Z. April 1936

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Englische Außenpolitik in englischer Karikatur.

Ju5t one thing alter another (Der etwas hilflos aussehende Jockei Genf fVölkerbundf sucht mit Hilfe des britischen Löwen senglische Außenpolitik) die riesige Hürde mit der AufschriftCrisis" zu nehmen. (Zeichnung ausDaily Mail". Scherl-M.)

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Rordheffens Elf gegen Sau Mitte.

Für den Fußball-Gaukampf Mitte Nordhessen am Ostersonntag in Halle hat der Gau Nordhessen folgende Mannschaft aufgestellt:

Tor: Sonnrein (Hanau 93); Verteidiger: Eufinger (Hanau 93), Lippert (1900 Gießen); Läufer: Weißenborn (Hanau 93), Maintz (Bo­russia Fulda), Reinhardt (Hanau 93); Sturm: Röll (Borussia Fulda), Philippi (Hanau 93), Bütt­ner (VfB. Marburg), Schaffert (Hessen Hersfeld), Kleim (03 Kassel).

F.-Sv.-V. 1926 Steinbach.

Steinbach I Hungen I.

Am Sonntag erwartet Steinbach zwei Mann­schaften von Hungen. Erst vor 14 Tagen, als Stein­bach in Hungen weilte, gab es zwei schöne Spiele zu sehen. Steinbachs Jugend errang einen glatten 4:0-Sieg, und die 1. Mannschaft mußte eine 2:1° Niederlage einstecken. Wie die Spiele am Sonntag enden, läßt sich nicht voraussagen, denn Hungen stellt körperlich kräftige Mannschaften ins Feld.

Zugend-Klubkampf

der Spielvg.1900 in Sie n-Linden.

Für den kommenden Sonntag wurde ein Klub- karnps gegen die Jugendabteilung Klein-Linden ab­geschlossen. Obwohl Klein-Linden den Vorteil des eigenen Platzes für sich in Anspruch nehmen kann, sollten die Blau-Weißen doch einen Sieg in der Ge­samtwertung erringen können.

Für die 1. Jugend wird es schwierig sein, einen Sieg zu holen, nachdem sie sich im Vorspiel ge­schlagen bekennen mußte. Aber das zuletzt aus­getragene Spiel gegen Leihgestern hat bewiesen, daß die Mannschaft zu kämpfen versteht. Vor nicht allzu­langer Zeit weilte die 2. Jugend in Klein-Linden. Das Spiel endete unentschieden. Inzwischen sollte die Mannschaft an Spielerfahrung gewonnen haben.

Ein Sieg liegt durchaus im Bereich des Möglichen.

Einen klaren Sieg kann i^an der 1. Schülerelf zutrauen. Die beiden Pflichtspiele wurden beide hoch gewonnen. Die 2. Schülerelf wird auch alles daran setzen, ihr Spiel siegreich zu gestalten. Es wird dies eine Generalprobe für das an Ostern stattfindende Spiel gegen Hanau 93 sein.

Rollhockey - Wettspiele in Stuttgart.

In der mit 3000 Zuschauern sehr gut besuchten Stuttgarter Stadthalle wurden am Mittwoch die ersten Weltspiele im Rollschuh-Hockey eröffnet, in deren Rahmen die 9. Europameisterschaften durch­geführt werden. Die Besetzung ist eine^anz hervor­ragende. Sieben Nationen haben ihre Vertreter ent­sandt.

Der Nachmittag brachte zunächst die Vor- und Zwischenläufe zum 1000-Meter-Schnellaufen. Wil- kinson - England (2:21.0) und Mathis Frankreich (2:20.0) gelangten als Sieger der beiden Zwischen­läufe in die Entscheidung.

Die sportlichen Wettkämpfe wurden mit bVm Roll­hockeyspiel Schweiz Frankreich eröffnet. Die Schweizer kamen dabei dank großen Kampf­geistes zu einem verdienten 6:3- (4:1)-Sieg. In der Pause zeigte das englische Geschwisterpaar Lidstone herrliches Kunstlaufen. Der Münchener Benno Faltermaier, der durch seine Grotesk- Tänze auf dem Eise bekannt wurde, erhielt ebenso wie die Engländer für seine Darbietungen großen Beifall.

Das Rollschuh-Hockey-Turnier wurde mit der Be­gegnung Deutschland Belgien fortgesetzt. Beide Mannschaften begannen recht temperament­voll, jedoch erwiesen sich die Deutschen als die tech­nisch bessere Mannschaft und kamen zu einem kla­ren 4:0-Sieg.

Die erste große Ueberraschung war dann im letz­ten Spiel des Abends zwischen dem achtfachen Eu­ropameister England und der Mannschaft von

Italien fällig. Mit 1:1 (1:1) entrissen die Italie­ner dem Favoriten einen wichtigen Punkt.

Während der Pausen ernteten die Deutsche Mei­sterin Renner und das ehemalige deutscye Mei­sterpaar S e l m a i e r - P f i st e r für ihre prächti­gen Kunstlauf-Darbietungen starken und wohlver­dienten Beifall.

Der deutsche Lustsport 1935/36.

Wie alljährlich so gibt der Reichsluftsportführer auch in diesem Jahre wieder einen Jahresbericht über die Arbeit des Deutschen Luftsport-Verbandes im Jahre 1935/36 heraus. Dem Werk, das mit vie­len Bildern ausgestattet ist und für den Gedanken des Luftsports wirbt, entnehmen wir folgende Zeilen:

Der DLV. ist aufgebaut auf Gemeinschaftsgeist, Disziplin und Kameradschaft. In den drei hinter uns liegenden Aufbaujahren des Luftsports galten ausschließlich diese Grundsätze für Ausbildung und Leistungssteigerung. Die Keimzellen für den Aufbau sind die Ortsgruppen, zusammengefaßt in den Be­reichen von 16 Luftsport-Landesgruppen. Wenn die luftsportlichen Reichsveranstaltungen zu so gro­ßen Erfolgen führten, dann hatten diese ihren Ur­sprung immer in der zähen und gründlichen Lan­des- und Ortsgruppenarbeit. Nach oen vom Reichs­

luftsportführer gegebenen Richtlinien erfolgt die Ausbildung im Modellbau, die Förderung und Durchführung des Gleit- und Segelfluges. In ört­lich begrenztem Schul- und Flugbetrieb, in den Ausscheidungskämpfen innerhalb der einzelnen Lan­desgruppen, werden die Kräfte herangebildet, die in den großen Veranstaltungen um den Sieg ringen. Das Segelfluglager in Trebbin, die Reichsmodell­bauschule Kamenz, der Flugplatz Kissingen und das Urlauberheim in Ahrenshoop sind Anlagen, deren Bedeutung weit über die Landesgruppengrenzen hinausgeht. Die Verbreitung des Luftfahrt-Gedan­kens im Volk ist einzig das Verdienst des Natio­nalsozialismus, der den Begriff des deutschen Menschen über alle örtlichen Begrenzungen hinaus schuf."

Auf den 50 Seiten erstehen in zahlreichen Bil­dern noch einmal die Großereignisse des Luftsport­jahres vor unseren Augen. Der Deutschlandflug, der Zugspitz- und der Alpenflug und von den segel­flugsportlichen Veranstaltungen der Rhön-Wettbe- werb zeigen uns neben Bildern aus den anderen Arbeitsgebieten des DLV. die Schönheiten des Fliegerlebens unter dem Geleitwort, unter dem die ganze Arbeit des Verbandes steht:

Wir deutschen Flieger blieben Sieger durch uns allein; Volk flieg Du wieder, und Du wirst Sieger durch Dich allein!"

Handball im kreis VIII (Lahn-Dill).

Vor dem am kommenden Sonntag auf dem Platze der Spieloereinigung 1900 in Gießen stattfindenden Endspiel um die Gaumeisterschaft im Frauenhand­ball läßt der Kreis VIII zwei Auswahlmannschaf­ten spielen, die aus folgenden Spielern zusam­mengestellt sind:

Mannschaft A: Wenzel (Tv. Hörnsheim); Schmidt A. (Tv. Hörnsheim), Engel (Tv. Lützel­linden); Lübke (MTV. Gießen), Schneider (Groß- Rechtenbach), Seipp (MTV. Gießen); Schwarz (To. Hörnsheim), Weber (Groß-Rechtenbach), Fa­ber (Tv. Hörnsheim), Sittner (Grüningen), Weber (Tv. Haufen).

Mannschaft B: Hahn (Tv. Holzheim); Krum­bach (To. Münchholzhausen), Zörb (Tv. Hochel­heim); Kehr (Tv. Heuchelheim), Schlicht (Wetzlar- Niedergirmes), Ulm (Tv. Heuchelheim); Buß (Tv. Holzheim), Höing (1900 Gießen), Hels (Münchholz­hausen), Berghäuser (Wetzlar-Niedergirmes), Schü­ler (1900 Gießen).

Mannschaft A spielt in den Gießener Stadt­farben; Mannschaft B spielt in der Kleidung der Spieloereinigung 1900 Gießen. Spielführer der Mannschaft A: Sittner (To. Grüningen); Spiel­führer der Mannschaft B: Schlicht (Wetzlar-Nieder­girmes).

Dieses Spiel hat den Zweck, die Spieler zu suchen, die in der kommenden Spielzeit den Kreis VIII vertreten sollen. Mancher wird sich fragen,

weshalb gerade so viele Neulinge aufgestellt wor­den sind. Diese Maßnahme hat ihren Zweck. Ein­mal soll dabei gerade diesen Gelegenheit gegeben werden, ihr Können zu beweisen, zum andern aber ist eine Sichtung erforderlich, weil viele große Kön­ner entweder nicht mehr aktiv tätig sind, oder durch Versetzung usw. abwesend sind. Es macz sein, daß der eine oder andere Posten noch besser hätte besetzt werden können; die beiden Mannschaften werden aber, als Ganzes gesehen, Einheiten darstellen, die für ein interessantes und spannendes Spiel garantieren. Interessant wird es gerade sein, festzustellen, wie sich die beiden Stürmerreihen untereinander ver­stehen. Alle sind Könner und alle werden auch so spielen, als ob sie eine Dereinsmannschaft seien. Das Treffen wird gewiß ein schöner Auftakt fein für das dann folgende Spiel des Tages das Endspiel um die Frauenmeisterschaft im Gau Hessen.

Die in beiden Auswahlmannschaften aufgestellten Spieler haben um 14.15 Uhr vor dem Eingang des Sportplatzes der Spieloereinigung 1900 Gie­ßen anzutreten. Besondere Benachrichtigungen er­gehen nicht mehr. Die Kleidung wird gestellt. Es ist nur für einwandfreies Schuhwerk Sorge zu tragen (evtl, auch für Unterkleidung). Etwaige Rückfragen gehen nur an mich. A. Lu h, Kreisspielwart.

3m Zeichen der fünf Ringe.

Sturm auf die Olympia -Einlaßkarten.

Zehnmal überzeichnet.

Die Eröffnungsfeier, das große Festspiel, der Schlußtag im Reiten mit anschließender Schluß­feier, die Veranstaltungen der Leichtathletik, des Schwimmens und des Fußballs im Stadion sind bereits zehnmal überzeichnet, so daß nur der kleinste Teil der bisher eingegangenen Bestellun­gen berücksichtigt werden kann. Anträge auf Zu­teilung von Karten für diese Veranstaltungen sind daher zwecklos.

Die Hälfte aller Veranstaltungen ausverkauft.

Die Schalter der Berliner Kartenstellen für die XI. Olympischen Spiele, die am Mittwoch zum ersten Male wieder geöffnet worden waren, muß­ten in den Mittagsstunden des gleichen Tages wie­der geschlossen werden. Es stellte sich heraus, daß der über alle Maßen gewaltige Andrang in kei­

nem Verhältnis zu der zur Verfügung stehenden Kartenanzahl stand. Es sind daher Eintrittskarten nur noch zu erhalten, wenn sie schriftlich entweder auf dem Fragebogen des Organisationskomitees mittels Postkarte oder brieflich bei dem Organisa­tionskomitee für die XI. Olympischen Spiele, Ber­lin - Charlottenburg, Hardenbergstraße 43, angefor­dert werden. Telegraphische Bestellungen sind zwecklos.

Welche Karlen sind noch zu haben?

Zur Verfügung stehen noch Eintrittskarten für folgende Veranstaltungen: Baseball mit großem Konzert der Los Angeles - Band am 12. August, Großes Militärkonzert mit Zapfenstreich am

Schleussnei

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OLYMPAN

Gießener Konzertverein.

IV. Symphonie-Konzert.

Das am meisten ansprechende Werk des letzten Symphonieabends war zweifellos Karl Maria von Webers K l a r i n e t t e n - K o n z e r t op. 73 f-moll, denn es kommt dem Hörer am meisten entgegen durch feine allen geläufigen musi­kalischen Ausdrucksmittel ynd durch die in ihm ge­bundene Gemütstiefe.

Heinrich Grau, der 1. Klarinettist unseres Stadt­theater-Orchesters, hatte schon seinerzeit mit Mo­zarts Konzert sich als ein bedeutender Vertreter seines Instruments gezeigt, und in den vielen Kon­zert- und Opernaufführungen hat er seine Fähig­keiten im Orchester immer wieder unter Beweis .gestellt. Aber diesmal hatte er seinen Ehrentag. Eine ausgeglichene Technik, die die schlanken ara­beskengleichen Figuren sich ranken ließ, in runden Trillern jauchzte, ein schöner warmer Ton, der in allen dynamischen Graden fein abmodelliert wurde, und eine weiche, gesangliche, seelenerfüllte Linie, alles half einer tiefen musikalischen Durchdringung und wohlbedachter, vollendeter Ausnützung des In­struments zum Einsatz für die Ausdruckswelt Webers. Die überaus klare Gliederung des Figuren­werks und die feine saubere Art der Phrasierung vereinten sich in der Herzhaftigkeit des Rondos mit feiner sprudelnden Frische und kecken Art; ganz besonderen Eindruck aber hinterließ das Adagio, zumal in den Episoden, wo sich der Ton der Klarinette mit dem sehr sorgsam behandelten Klange der gestopften Hörer mischte. Der brausende Bei­fall war aufrichtiger Dank und berechtigte An­erkennung; denn Heinrich Grau wurde sicher manchem prominenten Vertreter seines Faches nichts nachgeben.

War bei dem Konzert das Orchester bemüht, mit zu schaffen und es dem Kollegen gleich zu tun, so legten die beiden anderen Werke beredtes Zeugnis von dem hingebungsvollen Mitgehen unter der Führung von Prof. Dr. Temesvary ab. Die Polowetzer Tänze von Alexander Borodin übten durch ihre markante charakteristische Rhythmik und die starke Temperamentserfüllung ganz be­sondere Wirkung aus. Das Orchester folgte gespannt dem inneren Aufbau der einzelnen Sätze mit einem Aufwallen bis an die Grenze des Elementaren, ebenso aber im Nachgeben des Absinkens und der Uebergänge. Das starke Eigenkolorit wurde leuch­tend in Farbe und Harmonik, wie die rhythmische Akzentuierung der Themen sich im einzelnen und

in der Gegenüberstellung abzeichnete und die reiz­vollen Nebenstimmen sich klar abhoben.

Dasselbe erwies sich auch in Tschaikowskys pathetischer Symphonie; eine füllige Sättigung des Klanges wie etwa in der Apotheose des zweiten Themas in der Reprise des ersten Satzes, wo ganz besonders die Klarinette mit ihren weichen schwindenden Klängen anerkannt sei. Auch die Durchführung dieses Satzes erstand mit starkem triebhaftem Eigenleben; das Allegro con grazia mit feiner fließenden Bewegtheit und der Gegen- fätzlichkeit des Mittelsatzes erklang ebenso charakte­ristisch wie das Allegro molto vivace in seiner markanten Pointiertheit bis zur heroischen Auf­steigerung. In diesen beiden Sätzen hatte der Diri­gent den Uebergängen besondere Sorgsamkeit ge­widmet, aber in vielen Fällen war die Abstufung der Kontraste von der persönlichen Auffassung des Dirigenten beeinflußt. Mit tiefem Erschöpfen wurde das Elegische des Finale in seiner vollen Breite kund, mit stärkster innerlicher Gehaltenheit der bannende Ausklang.

Die Hörer waren so von der Kraft der Stim­mung gefangen, daß sich erst nach langer Pause die Hände zum Beifall erhoben, um sowohl dem Dirigenten wie auch dem Orchester vollste Aner­kennung zu zollen. Dr. H.

Das letzte Sott"

Dies ist ein Paramount-Film in deutscher Be­arbeitung und Regie; er behandelt ein ähnliches Thema wie der seinerzeit ausführlich besprochene FilmBengali". Damals war es Nordwest-Jndien, hier spielt die Handlung in Kurdistan, in Aegyp­ten und im Sudan. Auch hier handelt es sich um das Schicksal britischer Offiziere, die auf weit vor­geschobenem Posten unter der Flagge ihres Landes beschwerlichen und gefährlichen Dienst tun, und deren Dasein da draußen einem wilden und bunten Abenteurer-Leben gleicht. Eingeborenen-Aufstände, Gefangennahme, Flucht und Verfolgung, Kamps und Tod in der Wüste: das sind die dramati­schen Elemente her Handlung, und auch diesmal jpielt, wie seinerzeit inBengali", eine Liebesge- jchichte hinein, die den alten, einfachen und immer wirksamen Konflikt ergibt, die Spannung zwischen persönlichem Schicksal und der höheren Aufgabe, der Pflicht und der Verantwortung gegen das Vater­land.Bengali" wirkte im Gesamteindruck stärker, weil dieses nationale Ethos der Pflicht und der Vaterlandsliebe schärfer und überzeugender heraus­gearbeitet war als hier, wo man immer ein wenig den romantischen, wenn auch sehr dramatischen und

spannenden Spielfilm der Paramount vor sich sieht. Dort war alles etwas ausführlicher behandelt, stel­lenweise gleichsam erzählt, aber dafür traten die einzelnen Charaktere der die Handlung im wesent­lichen tragenden englischen Offiziere 'schärfer und konturenreicher hervor, während imLetzten Fort" die Gestalten eher als sympathische, aber etwas durchschnittliche Typen erscheinen. Auch ist die Lie­besgeschichte nicht besonders geschickt entwickelt, und der Konflikt, der sich natürlich im unpassendsten Augenblick und in der heikelsten Situation zur persönlichen Auseinandersetzung zuspitzt, wirkt in­folgedessen etwas gesucht und innerlich unbegründet. Aber man begreift natürlich auch hier, worauf es ankommt, und was gezeigt werden sollte. Die Regie, Charles B a r t o n, arbeitet mit erheblichem Auf­wand und bringt eine Reihe guter und überzeugend gedrehter Aufnahmen. Von den Darstellern tragen Cary Grant und Claude Rains die persönlich­sten Züge; Gertrude Michael ist die Frau zwi­schen beiden Männern, die, ohne es zu wollen und die Zusammenhänge zu kennen, den Konflikt her­aufbeschwört. Das Drehbuch schrieben Ph. MacDonald, M. Roberts und A. Phil­lips; deutsche Regie: Harry Frank. Die Syn­chronisierung läßt nichts zu wünschen übrig. Der Film läuft seit gestern im Lichtspielhaus. Im Beiprogramm: die Ufa-Wochenschau und zwei Kulturfilme, von denen ,berAus der Geschichte des Fernsprechers in Deutschland" allgemeines In­teresse beanspruchen darf.r

Wenn der Bräutigam fehlt.

Auf die Zahl der Hochzeitsgäste kommt es nicht so sehr an, aber Braut und Bräutigam müssen sich doch wohl pünktlich zur Trauung einfinden. Ohne diese beiden geht es wirklich nicht, und wenn es sich etwa der Bräutigam im letzten Augenblick noch einmal anders überlegt, so bleibt nichts übrig, als die Hochzeit aufzuschieben oder das Verlöbnis auf­zuheben. Es können Zufälle fein, die den schon vorher schwankenden Ehekandidaten zur schleunigen Flucht treiben. So verschlief z. B. ein Bräutigam die Stunde seiner Trauung und schämte sich so darüber, daß er, nachdem er aufgewacht war, auf und da­von lief und nie mehr von der verlassenen Braut gesehen wurde. Ein anderer Bräutigam konnte am Morgen des Hochzeitstages sein Gebiß nicht finden. Da er sich schämte, ohne die Pracht seiner Zähne vor der Erwählten zu erscheinen, verschwand er auf immer. Ein anderer wieder machte sich beim Anziehen für die Trauung mit einer scharfen Säure Flecken, die den Hochzeitsfrack unbrauchbar mach­

ten. Aus Verzweiflung stürzte er zum Bahnhof und dampfte mit dem nächsten Schnellzug in die weite Welt ab. Ein irischer Bräutigam, der bei seiner Hochzeit fehlte, erklärte nachher, er sei zu nervös gewesen. Der Richter, der die Klage der Braut auf Schadenersatz zu entscheiden hatte, nahm diese Ent­schuldigung nicht an, sondern verurteilte ihn zur Zahlung einer beträchtlichen Summe. Zwei Jahre später versöhnten sich die beiden jungen Leute wie­der, und nun sollte die Hochzeit stattfinden. Aber der Bräutigam fehlte wieder zur festgesetzten Stunde, und erst nach einem Jahr wurde man seiner habhaft.

Zeitschriften.

11 e b er Künstler und Kritiker, über Wesen und Sinn der Kritik am Kunstwerk, schreibt Hermann Hieber im April - Heft der K u n st k a m m e r" (Propyläen - Verlag, Berlin). Im gleichen Heft dieser schönen Monatsschrift der Reichskammer der bildenden Künste untersucht Ro­bert Pollog die Frage:Für wen arbeitet der Künstler?" Weitere Aufsätze beschäftigen sich mit moderner Innenarchitektur, Gebrauchs-, Porzellan- und Email-Malerei. Professor Kurt Wehlte gibt praktische Ratschläge zur Pflege moderner Ge­mälde. Das Heft enthält fast vierzig schöne Ab­bildungen moderner Bilder und Wandgemälde, Gebrauchsgraphiken und Jnnen-Ausstattungen und von neuem Kunsthandwerk.

Die neue Nummer derS i r e n e", der illu­strierten Zeitschrift des Reichsluftschutzbundes, bringt eine Fülle von belehrenden Beiträgen. Ein AufsatzDer Selbstschutz im Luftschutz als prakti­scher Nationalsozialismus" zeugt von der engen Zusammenarbeit zwischen den Polizei-Dienststellen und dem RLB. Sehr interessant ist ein bebilderter Text, der die Kampfwagen des Reichsheeres be­handelt.

Das Aprilheft von Langenscheidts English Monthly Magazine ist vollständig auf Unterhaltung eingestellt. Erleichtert wird die Lektüre durch Do- kabelerläuterungen, die am Rande jeder Seite ge­boten werden, niemals stören, aber stets dann auf­treten, wenn sie gebraucht werden, besonders oott dem, der über nur geringe Vorkenntnisse verfügt. Aus dem Inhalt der Anrilnummer erwähnen mir nur folgende Ueberschristen: Winston Churchill; Australia; Westminster Abbey; Airplanes, Bombs and Air-guns. Dazu wird wieder viel Humor geboten. Witze, kleine anregende Texte und eine Short-Story.