Ausgabe 
3.4.1936
 
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den Rücken kehrte, sondern vor allem, weil er daran verzweifelte, in absehbarer Zeit wieder Minister werden zu können. Auch darf nicht übersehen wer­den, daß Tardicus Schritt in der Oeffentlichkeit keineswegs ernst genommen wurde, und daß Män­ner außerhalb des Parlaments, wie der Oberst La Rocque mit seinen Feuerkreuzlern, keine Aussicht haben, politisch zum Zug zu kommen, es sei denn beim Gegenstoß gegen etwaige inner­politische Uebergrifse der Volksfront im nächsten halben Jahr. Es wird zweifellos das Bestreben der linken Mitte sein, in einer Regierung etwa mit den Kommunisten zusammen alarmierende demagogische Maßnahmen zu verhindern, die das Vertrauen in die Bank von Frankreich und die Finanzen er­schüttern würden. Bon der rechten Mitte an ist man allerdings von vornherein überzeugt, daß die Linke doch wiederDummheiten" machen wird, und man nennt deswegen schon wieder Namen der gemäßigten Parteien für ein Ministerium des kommenden Herbstes, darunter natürlich auch als Außenminister den Namen Laval.

Abschließend darf festgestellt werden, daß das Dolksinteresse für die Wahlen von Mal zu Mal geringer wird, nicht nur in Paris, wo sich der Spott aller Volksschichten über das ,Ileine Komö­dienhaus", soll heißen die Kammer im Palais Bourbon, ergießt. Aber auf absehbare Zeit ist das Schauspiel der Ringkämpfe in allen französischen Bezirken zwischen dem Abgeordneten und seinen Gegenkandidaten P und Z noch immer der Inbe­griff des französischen politischen Lebens und das Symbol dafür, daß in Frankreich die Legis­lative alles überwuchert auch die Not­wendigkeiten einer zielbewußten Staatsführung.

London für diplomatischen Meinungsaustausch.

London, 3. April. (DNB. Funkspruch.)Daily Telegraph" meldet, daß die britische Regierung bis­her keinerlei Forderung der französischen oder bel- gislchen Regierung nach Einberufung einer ro ei­te r e n Konferenz der Locarnomächte erhalten habe. Es sei wohl bekannt, daß Paris besondere Gründe habe, eine solche Konferenz zu wünschen. London sei jedoch der Ansicht, daß das ruhigere und intimere Verfahren eines Meinungsaustausches durch die Botschafter den Erfordernissen des Augenblicks besser entspreche. AuchMorning Post" berichtet, daß die britische Regierung den Gedanken einer weiteren Konferenz nicht sehr geneigt sei und eine Besprechung durch die gewöhnlichen diplomati­schen Kanäle vorziehen würde.

Die Durchführung der Wehrpflicht in Oesterreich.

Wien, 2. April. (DNB.) Das christlich-soziale Neuigkeitsweltblatt" bringt Mitteilungen von un­terrichteter Seite über die Durchführung der Bun­desdienstpflicht. Danach soll am 1. Oktober ds Js. der Jahrgang 1915 einberufen werden. Die Dienstzeit soll grundsätzlich sechs Monate be­tragen. Offiziersanwärter dienen 1 Jahr. Für die Jahrgänge 19 0 0 bis 1915 werden militäri­sche A u sbildungskurse eingerichtet werden, deren Dauer vier bis acht Wochen betragen soll. In diesem Jahre sollen noch die Jahrgänge 1901 und 1902 zu solchen Kursen herangezogen werden.

Angehörige des Jahrganges 1900, sofern sie noch in der alten österreichisch-ungarischen Armee gedient haben, werden in besonderen Ausbildungskursen unterrichtet. Die Jahrgänge 18 9 4 bis 19 00 sollen auf absehbare Zeit nicht zu militärischen Hebungen herangezogen werden.

30 verhaftete Rigaer Deutsche freigelaffeu.

Riga, 2. April. (DNB.) Wie aus guter Quelle verlautet, sind von den in den letzten drei Wochen verhafteten 35 Rigaer Deutschen etwa 30 wieder a u f freien Fuß gesetzt, so daß sich noch fünf bis sechs Deutsche in Haft befinden. Die Freigelassenen wurde zu Polizei st rasen ver­urteilt, und zwar wegen Teilnahme an polizeilich nicht erlaubten Versammlungen während des Kriegs­zustandes. Die Strafen bewegen sich zwischen 100 Lat bis zu 750 Lat. Gegen diese Strafe kann beim Innenminister Beschwerde eingelegt werden.

Die Verlängerung der Amtsdauer der Dertrauensräte.

Berlin, 2. April. (DNB.) Im Reichsgesetzblatt vom 1. April wird folgendes Gesetz veröffentlicht: Die Amtsdauer der derzeitigen Mitglie- der des Vertrauensrates (§ 5 des Ge­setzes zur Ordnung der nationalen Arbeit, § 3 des Gesetzes zur Ordnung der Arbeit in öffentlichen Verwaltungen und Betrieben) wird bis zum 3 0. April 19 3 7 verlängert. Eine erneute Ablegung des feierlichen Gelöbnisses gemäß § 10 des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit und § 8 des Gesetzes zur Ordnung der Arbeit in öffentlichen Verwaltungen und Betrieben findet nicht statt.

Der Reichsfremdenverkehrsverband.

Berlin, 2. April. (DNB.) Der Präsident des Reichsfremdenverkehrsverbandes,Staatsminister a. D. Hermann Esser, erläuterte der Presse das neue Gesetz über den Reichsfremdenverkehrsoerband. Der Fremdenverkehr diene der immer innigeren Ver­schmelzung der deutschen Volksgenossen und Stämme miteinander. Durch das Reichsgesetz über den Reichsfremdenverkehrsverband fei die organisato­rische und gesetzliche Untermauerung der deutschen Frerndenoerkehrsarbeit vorläufig abgeschlossen. Zu­nächst erfolge nun die einheitliche Durch­führung der durch das neue Gesetz geschaffenen Richtlinien und Voraussetzungen, was bei rund 10 000 Fremdenverkehrsgemeinden und 24 Landes- fremdenverkehrsverbänden eine erheblicke Organi­sationsarbeit bedeute. Hand in Hand damit gehe die systematische wissenschaftliche und st a - tistische Förderung der Fremdenverkehrs­arbeit durch die Reichsanstalt für die deutsche Bäder­forschung in Breslau. Die Errichtung eines Lehr­st u h l e s für Werbung in der Fremden­verkehrsarbeit an einer deutschen Universi­tät sei in die Wege geleitet. Der Mittelpunkt in der deutschen Fremde'nverkehrsarbeit werde das Haus des deutschen Fremdenverkehrs in93er- lin werden. Als Nachrichten- und Schulungsorgan wird am 1. Mai die ZeitungDer Fremden­verkehr" erscheinen. Schulter an Schulter mit der Gruppe Hilfsgewerbe des Verkehrs (Reisebüro) werde schließlich die Mobilisierung der nicht durch die OrganisationKraft durch Freude" erfaßten und zu erfassenden Volksgenossen für den deutschen Reiseverkehr fortgesetzt.

AeueVorschnstenüberdieGteuerbefreiung des Reuhausbesitzes.

Berlin, 2. April. (DNB.) Das Reichsfinanz­ministerium teilt mit: Nach den bisherigen Vor­schriften über die Steuerbefreiung neu errichteter Kleinwohnungen waren nur solche Kleinwohnun­gen befreit, die bis zum 31. März 1936, unter Um­ständen bis zum 31. M a i 1936, bezugs­fertig werden. Durch das neue Gesetz vom 2. April 1936 ist die Frist für das Bezugsfertigwer­den um ein Jahr verlängert worden. Es find alfo nun auch Kleinwohnungen steuerbefreit, die bis zum 31. März 1937 bezugsfer- t i g werden. Die Frist verlängert sich bis zum 31. Mai 1937 für solche Kleinwohnungen, die bis Aum 31. Dezember 1936 i m Rohbau vollen- d e t werden. In der Begründung zum Gesetz vom 2. April 1936 ist ausdrücklich hervorgehoben wor­den, daß eine weitere Verlängerung der Frist für das Bezugsfertigwerden nicht in Aussicht genommen ist.

Zur Vermeidung von Mißverständnissen wird darauf hingewiesen, daß die Dauer der Steuerbefreiung für die Kleinwohnungen nicht verlängert worden ist. Die Steuerbe­freiung endet auch für die Kleinwohnungen, die bis zum 31. März (Mai) 1937 bezugsfertig werden, bei der Vermögenssteuer und der Grundsteuer am 31. März 1939 und bei der Einkommenssteuer am 31. Dezember 1938 (oder am Schluß des Wirt­schaftsjahres 1937/38.)

Das neue Gesetz vom 2. April 1936 beschäftigt sich weiterhin mit demälteren Neuhausbe s i tz". Es versteht darunter die Wohngebäude, die in der Zeit vom 1. April 1918 bis zum 31. Marz 1931 bezugsfertig geworden sind. Die Steuerbefreiung des älteren Neuhausbe­sitzes von der Grundsteuer richtete sich bisher im wesentlichen nach Landesrecht. Infolgedessen er­gaben sich innerhalb des Reiches die größten Ver­

schiedenheiten. Das Gesetz vom 2. April 1936 dient dem Zweck, die Befreiungsvorschriften möglichst zu vereinheitlichen. Es bestimmt, daß bei der Lan­de sg r u n b ft e u e r die Befreiungen, die am 31. März 1936 galten, noch ein weiteres Jahr, d. h. bis zum 31. März 19 3 7 bestehen bleiben.

Während bei der Landesgrundsteuer eine völlige Vereinheitlichung hiernach noch nicht erreicht wird, ist der Gedanke der Vereinheitlichung bei der G e - meinbegrunbfteuer streng durchgeführt. Nach dem neuen Gesetz ist der gesamte ältere Neuhausbesitz ab 1. April 1936 zur G e- mein begründ st euer heranzuziehen. Für das Rechnungsjahr 1936 werden jedoch weit­gehende Erleichterungen gewährt. So sieht das Gesetz vor, daß der Bettag, um den sich die Gemeindegrundsteuer gegenüber dem bisherigen Zustand erhöht, keinesfalls den Landes­durchschnitt der Gemeindegrun.dsteuer übersteigen darf. Darüber hinaus hat der Reichsminister der Finanzen zugleich im Namen des Reichsministers des Innern und des Reichsar­beitsministers in einem Schreiben an die Regie­rungen der Länder Maßnahmen getroffen, durch die einerseits Mieterhöhungen ausge­schlossen und andererseits unbillige Här - t e n für die Hausbesitzer vermieden werden. Die Maßnahmen bestehen darin, daß in den Fällen, in denen die Mehrbelastung durch die Gemeinde­grundsteuer im Rahmen der bisherigen Miete nicht tragbar ist, Entgegenkommen bei der Verzinsung der Wohnungsbaudarlehen, die aus der Gebäude- entschuldungssteuer gegeben worden sind, gewährt wird. Wo diese Maßnahme nicht ausreicht ober des­halb nicht möglich ist, weil keine solchen Wohnungs­baudarlehen bestehen, ist der Betrag, um den sich die Gemeindegrundsteuer erhöht, unter Umständen zu erlassen.

Wie sieht es in der Wirtschaft aus?

Mit dem 1. April ist die im Kleinhandel übliche Bezeichnung eines Pfundes für ein halbes Ki­logramm verschwunden. Künftighin werden als zulässige Gewichtsbezeichnungen im deutschen Wirt­schaftsleben nur noch das Kilogramm und das Gramm gelten. Gleichzeitig verschwinden die sehr unterschiedlichen Maße für Flächen, z. B. Morgen und Rute. Aus der Zeit der deutschen Länderzersplitterung stammten diese Bezeichnungen, die je nach Land und Gewohnheit eine unterschied­liche Bedeutung hatten, denn das Pfund z. B. war keine einheitliche Gewichtsgröße. Es wurde zwar durch den deutschen Zollverein auf 500 Gramm fest­gesetzt, aber in Bayern war gewohnheitsmäßig das Pfund 560 Gramm, und das englische Pfund, das von manchen Firmen für ihre Warenpackungen be­liebt wurde, betrug nur 420 Gramm. Die Flächen­maße widersprachen völlig dem Dezimalsystem, denn ein preußischer Morgen war gleich 180 Qua­dratruten, also 2553,2 Quadratmeter, und dabei gab es preußische und mecklenburgische und süddeutsche Morgen von unterschiedlicher Bedeutung. Das neue Maß- und Gewichtsgesetz führt generell eine Verein­heitlichung durch, und zwar nach dem Dezi­mal s y st e m , also nach Ziffern, die durch 10 teil­bar sind. Weiter sind neue Vorschriften über Schankgefäße, alfo Gläser, Krüge, Flaschen, Karaffen, Kannen erlassen worden, die ebenfalls auf der Grundlage des Dezimalsystems ruhen und die unterschiedlichen Bezeichnungen für Hohlmaße, wie Klafter, Quart, Metze, Scheffel, Oxhoft, Anker, beseitigen. Wer wußte zum Beispiel, daß die Tonne Bier in Wirklichkeit l1/? Hektoliter umfaßte und ein Fuder Wein 8V« Hektoliter? Jetzt ist das einzig rechtliche Hohlmaß der L i t e r = 1 Kubikdezimeter, 100 Liter sind 1 Hektoliter und 1000 Liter sind = 1 Kubikmeter.

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Unter den vielfältigen wirtschaftlichen Vorgängen der Berichtszeit sind vor allem die Transaktio­nen in der Westdeutschen Industrie be­merkenswert. Man muß hierbei zwei verschiedene Ereignisse unterscheiden. Zunächst hat die Ver­einigte Stahlwerke AG. in Düsseldorf den gesamten Besitz des Reiches an Stahlvereinsaktien, also rund 100 Mill Mark, erworben, und zwar mit der Auflage, dieses Aktienpaket zur Einziehung zu bringen. Für den Kaufpreis verwendete der Stahl­verein im wesentlichen seinen etwa 70 Mill. Mark betragenden Besitz an Aktien der EssenerStein- kohlenbergwerke AG. Nach der Stahlver­einsseite hin ist dieser Aktienerwerb durchaus klar und für die Maßnahmen des Reiches wird die Auf­fassung des nationalsozialistischen Staates mit maß­gebend gewesen sein, sich möglichst wenig selbst in der Wirtschaft zu betätigen, als vielmehr den Füh­rungsanspruch des Staates in der Wirtschaft zu verwirklichen. Der zweite in diesem Geschäft wesent­liche Vorgang ist, daß neben kleineren und mittleren Käufern die Harpener Bergbau AG. die Sperrminderheit des zum Verkauf gelangten Aktien­paktes erworben hat. Für Harpen waren hierbei lediglich bergwirtschaftliche Gründe maßgebend, nicht etwa daß ein beherrschender Einfluß auf die Essener Steinkohlenbergwerke beabsichtigt war. Für beide Gesellschaften ergeben sich vielfache wirtschaftliche Berührungspunkte wie z. B., daß die Kohlenfelder der Gesellfchaften an mehreren Stellen sich berüh­ren. Weiterhin ist an eine Erweiterung des seit einem Jahr bestehenden Verkaufsvereins Harpen-Gewerkschaft Mont Cenis durch den Beitritt der Essener Steinkohlen ge­dacht. Hierdurch würde zweifellos die Stellung Harpens im Rheinisch-westfälischen Kohlensyndikat erheblich gestärkt, da durch das Zusammengehen Harpen die zweitgrößte Zechengruppe im Syndikat bilden würde. Die weiteren mannigfachen Auswir­kungen, die diese Transaktionen haben werden, lassen sich zunächst noch nicht übersehen.

Abgesehen von der Allgemeinen Deutschen Credit- gesellschast, der Adca, die keine Dividende verteilt, haben die deutschen Großbanken nach ihren jetzt vorliegenden Bilanzen die Dividen­denzahlung wiederaufgenommen, und zwar zahlen sie 4 v. H. nach vier dividendenlosen Jahren. Nur mit Staatshilfe ist nach dem furcht­baren Zusammenbruch des 13. Juni 1931 das Ge­schäft wieder in Gang gekommen. Die Debitoren- verluste durch Zusammenbrüche und Bereinigungen sind überstanden, die Kredite an Warenhäuser und an die oberschlesische Industrie bereiten den Banken keine Sorgen mehr. Schon 1934 hätten sie die Dividendenzahlungen aufnehmen können, denn das Geschäft war ja infolge des Aufschwunges der Kon­

junktur schon damals einträglich, aber die großen Banken, die Ol)-Bank, die Dresdner Bank, die Commerz- und Privat-Bank benutzten die Gewinne, um die Refervenpolster wieder aufzufüllen, eine Politik, die sich aus der Gesamtlage mit Notwen­digkeit ergab. Was die Banken verdient haben, läßt sich nicht einwandfrei feststellen. Im Gegensatz zu den Aktiengesellschaften der Industrie, die durch die vorgeschriebene Gewinn- und Verlustrechnung einen guten Einblick gewähren, sind die Bank­bilanzen schwer zu lesen und vor allem sind die vorweggebuchten Verdienste der Banken gar nicht zu übersehen. Immerhin geben die gezahlten Steuern einen Anhaltspunkt für den Aufschwung des Bankengeschäfts. Sie betrugen in Millionen Mark

DD= Dresdner Commerz- und Bank Bank Privat-Bank 1934 7,7 2,9 3,4

1935 8,4 6,7 4,7

Die Liquidität der deutschen Banken ist gestiegen, die Spareinlagen haben eine wesentliche Zunahme zu verzeichnen. Unter der nationalsozialistifchen Re­gierung erfüllen vor allem die Banken den Zweck der mehr oder minder bedeutenden öffentlichen Beteili­gung, und die Reprivatisierung der Banken hat ihnen größere Bewegungsfreiheit gegeben, so daß sie wieder zu ihrer natürlichen Funktion, Diener des Staates zu fein, zurückkehren.

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Die neuen Rekordfahrten des 21 uto-Union» Rennwagens mit Hans Stuck am Steuer sind über das rein Rekordmäßige bemerkenswert. Sie gestatten in mehr als einer Hinsicht wichtige wirt­schaftliche Ausblicke. Bekanntlich wurden die acht neuen Weltbestleistungen es handelt sich um sechs Weltrekorde über 5 Meilen, 10 km, 50 km, 50 Meilen, 100 km und 100 Meilen sowie zwei Klassenrekorde für die Klasse von Fünf- bis Acht- Liter-Wagen nicht bei zu diesem Zwecke veran­stalteten Rekordsahrten, sondern gelegentlich von Versuchsfahrten für die neuen Reun­reifen der Continental-Gummi-Werke aufgestellt. Zum ersten Male wurden auch die Reichsautobahnen für solche Großversuche herangezogen. In jeder Hinsicht konnte man nun bei diesen Fahrten einen Erfolg verbuchen. Einmal hat die deutsche Kraftfahrzeug Industrie wieder bewiesen, daß sie mit ihren Konstruktionen in der Welt führend ist, und praktisch alle Welt­geschwindigkeitsrekorde für Kraftwagen in der Hand hält, wenn man einmal von dem mit einem Hebet» rennroagen von tausenden PS, dessen einmalige Herstellung ungeheure Kosten verursachte, aufge­stellten Weltrekord des Mr. Campbell absieht. Zwei­tens haben die Versuche die überragende Güte des deutschen Reifenmaterials bewiesen und drittens hat sich gezeigt, daß die Reicbsautobahnen für große Versuchs- und Rekordfahrten durchaus geeignet find. Man braucht also in Zukunft zu diesem Zwecke nicht mehr wie bisher ins Ausland zu gehen.

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Der Zusammenbruch des Wiener Phönix hat die österreichische Regierung veran­laßt, über alle Versicherungen eine strengere Auf­sicht einzuführen. Durch die Machenschaften der jüdischen Direktoren sind bei der Phönix-Gesellschaft rund 250 Millionen Schilling spurlos verschwunden, und für das Verschwinden werden ganz verschiedene Gründe angegeben: die Betätigung auf den einer Versicherung wesensfremden Gebieten, die Hnter- stützung gewisser politischer Bestrebungen in Oester­reich und dasRepräsentattons-Vedürfnis" der Direktoren, die gewaltige Summen über ihre Be­züge hinaus verbrauchten. Für die österreichischen Versicherten ist die Sache besonders mißlich, da nicht nur die bei der Phönix Versicherten für diese Sünden beim Wiener Phönix gradestehen müssen. Die tschechische Abteilung des Phönix ist eben­falls in Schwierigkeiten geraten. Die in der Tsche­choslowakei entstandenen Verluste werden auf min­destens 360 Millionen Tschechenkronen geschätzt. Die deutsche Abteilung der Wiener Phönix unterliegt dagegen der Staatsaufsicht und ist nach der Versicherung der Berliner Direktion absolut gesund. Mit dem Phönix ist auch die WienerKompaß, also die Allgemeine Kredit- und Garantiebank, in Schwierigkeiten geraten und hat um Verhängung der Geschäftsaufsicht gebeten. Die Kompaß-Bank soll etwa 6,5 Millionen Schilling beim Phönix liegen haben, also fast ein Drittel ihrer Gesamt­debitoren. Für die Wiener Verhältnisse ist es be­zeichnend, daß der kürzlich freiwillig aus dem Leben gegangene Generaldirektor der Phönix, Berliner, dem Vorstand der Kompaß-Bank angehörte, der

aus ihm, Arthur Prager und Fritz Saffir ge­bildet wurde. Berliner vertrat offiziell die öster­reichische Negierung in ihren Finanzgeschäften mit dem Völkerbund. Diese letzteren werden wahrschein­lich die Anklagebank zieren, aber die Österreichischen Versicherten haben unter der Vernachlässigung des Aufsichtsrechts des Staates zu leiden. Daß die anti­semitische Stimmung in Oesterreich als Folae dieser wirtschaftlichen Zustände gewachsen ist, ist selbstver­ständlich, bietet aber, da die Regierung zu pät ein- griff, den Leidtragenden nur einen kümmerlichen Trost.

Die Wirtschaftskonferenz der Klei- neu Entente hat nicht vermocht, das natürliche Schwergewicht der beteiligten Staaten, also den deutschen Wirtschaftsraum, zu ersetzen, und auch die Länder, die unter Italiens Führung politisch und wirtschaftlich dieser Klei­nen Entente entgegengesetzt sind, also Oester­reich und Ungarn, können unmöglich auf den deutschen Absatzmarkt verzichten. Man muß immer bedeuten, daß wir auch heute noch, und in zuneh­mendem Maße, Ungarns bester Kunde sind, und in der ungarischen Einfuhr weit Italien überflü­geln und an erster Stelle stehen. Mit einem Land der Kleinen Entente, Jugoslawien, ist jetzt in Verfolg des Handelsvertrages vom 1. Mai 1934 eine Verständigung dahin erzielt worden, daß die ge­genseitige Ein- und Ausfuhr einigermaßen aus­geglichen wird, weil das im Interesse des Aus­gleichs der Zahlungsbilanz liegt. Und zwar soll diese Regelung nicht durch eine Drosselung des gegenseitigen Warenverkehrs, sondern im Gegen­teil durch dessen Steigerung erzielt wer­den. Damit ist wieder einmal die Folgerichtigkeit der deutschen Handelspolitik unter Beweis gestellt morden.

Wer kann Offizier der Schutz­polizei werden?

Voraussetzung für die Zulassung zu der Lauf­bahn des Offiziers der Schutzpolizei ist außer dem Besitz der deutschen Reichsangehörigkeit und arischer Abstammung sowie des Reifezeugnisses einer neun- fluffigen höheren Lehranstalt, ein Lebensalter von mindestens 20, höchstens 24 Jahren. Der Bewerber muß vor Eintritt in den Polizeidienst der NSDAP, oder der SS., SA., HI. oder dem NSKK. ange­hört haben. Abgeleistete Arbeitsdienstpflicht und erfolgreich abgeleistete militärische Ausbildung von mindestens einjähriger Dauer find Vorbedingung. Für die Jahrgänge 1912 und 1913 kann von der Forderung der einjährigen militärischen Ausbildung abgesehen werden. In diesen Fällen genügt die (Er­nennung zum Reserveoffizieranwärter nach Ablei­stung von zwei Ausbildungsübungen von je 2 Mo­naten Dauer. Diese beiden Hebungen können not­falls während der Zeit der polizeilichen Ausbil- oung abgeleistet werden.

Die Bewerbung für die Laufbahn des Offi­ziers der Schutzpolizei hat spätestens bis zum 3 0. April zu erfolgen. Bewerber, die noch im aktiven Militärverhältnis stehen, reichen die Ge­suche in der Zeit vom 1. Juni bis 15. Juli ein. Die Gesuche sind an die zuständigen Kommandos der Schutzpolizei bei den staatlichen Polizeiverwaltun­gen zu richten. Hier sind ausführliche Merkblätter erhältlich, aus denen die Bewerber alle Einzelheiten < ersehen können.

Die Einstellung erfolgt etwa 6 bis 8 Wochen nach erfolgter Hnterfuchung, soweit der Bewerber die gestellten Bedingungen erfüllt. Die Ausbil­dung umfaßt etwa 2V2 Jahre. In dieser Zeit erfolgt die Ausbildung im praktischen Polizeidienst und in einem besonderen Offizieranwärterlehrgang. Die Aussichten für die Offizierlaufbahn der Schutz­polizei find günstig.

Der Schöpfer der Deutschen Heeresbücherei.

Oberst Profesior Siegfried K l e f e k e r, der Di­rektor der Deutschen Heeresbücherei und Referent im Reichskriegsministerium, ist wegen Heberschrei, tung der Altersgrenze nach fast 48jähriger Dienst­zeit aus der Wehrmacht ausgeschieden. Oberst Kle- feier schuf im Jahre 1919 bei Auflösung der alten Wehrmacht aus deren wissenschaftlichen Bibliothe­ken im Gebäude der ehemaligen Kriegsakademie zu Berlin eine Zenttalbibliothek für Kriegs- und Wehrwissenschaften: die deutsche Heeresbü­cherei. Mit 400 000 Bänden und über 200 000 Karten sollte sie der wissenschaftlichen und beruf- lichen Bildung der Wehrmachtsangehörigen dienen und als öffentliche Reichsbibliothek alle Bestrebun- gen unterstützen, die auf Pflege des Wehrgeistes und Erhaltung des Wehrwillens im Volke gerichtet waren. Ungeheure Werte an Büchern und uner­setzliche Werke der Kriegswissenschaften wurden so vor dem Untergang und Verschleiß gerettet. Die Deutsche Heeresbücherei ist die größte mili- tärwissenschaftliche Fachbibliothek der Welt geworden und hat mit ihrer vorbild­lichen Verwaltung und ihren modernen Einrichtun­gen besondere Anerkennung in deutschen und aus­ländischen Wissenschaftskreisen gefunden. Oberst Pro­fessor Klefeker gestaltete auch das übrige Hee - resbüchereiwesen von Grund auf um und schuf neben der Zentralbibliothek auch kleinere Wehrkreisbüchereien. Besondere Sorgfalt widmete er schließlich der Schaffung und Einrich­tung von etwa 100 0 Kleinbüchereien für Offiziere und Mannschaften bei der Truppe. Auf Anregungen dieses hochverdienten Offiziers und Wissenschaftlers geht auch die Gründung wehrwissenschaftlicher Gesellschaft t e n zurück, so der Scharnhorst-Vereinigung, der Wehrwissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft, sowie der Deutschen Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwissenschaften, deren Generalsekretär er zwei Jahre lang war.

Oie zweiteKdK."-Flotte nach Madeira ausgelaufen.

Hamburg, 2. April. (DNB.) Donnerstag stand der Hamburger Hafen im Zeichen der Ausfahrt der zweitenKraft-durch-Freude"-Flc>tte. Wieder hatten sich 3000 deutsche Arbeiter und Arbeiterinnen auf die im Hamburger Hafen liegenden SchiffeSt. Louis",Der Deutsche" undSierra Cordoba" eingeschifft, um in den sonnigen Süden zu fahren. Von Bord desHein Godenwind" ries der Reichs­amtsleiter des Amtes für Reisen, Wandern und Urlaub, Pg. Dr. Laf ferentz den ausfahrenden Tausenden "die Grüße des Reichsorganisationsleiters Dr. Ley zu. Insbesondere hieß er auch die Män­ner des Jagdgeschwaders Richthofen sowie SS.« Obergruppenführer Sepp Dietrich, der mit einer Reihe verdienter Kameraden der Leibstandarte Adolf Hitler an der Madeirafahrt teilnimmt, an Bord willkommen. Der begeisterte Gesang des Horst-