Ausgabe 
3.4.1936
 
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Nr. 80 Erstes Blatt

186. Jahrgang

Zreitag, 3. April 1936

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Krankreich und der deutsche Kriedensplan.

Ruhigere Beurteilung der Lage.Klandin wünscht Konferenz der Locarno-Mächte, um Gegenvorschläge zu machen.

Poris, 3. April. (DRV. Funkspruch.) Nach der ersten, wahrscheinlich etwas oberflächlichen Prüfung der deutschen Friedensvorschläqe, die am Donners­tag zu einer starken Nervosität und grundsätzlich ablehnenden Haltung der Pariser Presse führte kann man heute eine wesentlich ruhigere Beurteilung der Lage feststellen. Wenn sich auch nichts an der Auffassung geändert hat, daß rne deutschen Gegenvorschläge in ihrer augen­blicklichen Form unannehmbar (!!) seien, so muß doch festgestellt werden, daß die Blätter wahrscheinlich unter dem Eindruck der wesentlich günstigeren Aufnahme des deutschen. Planes in London sich größererZurückhaltung be­fleißigen und die Lage sehr viel ruhiger betrachten.

Das Hauptaugenmerk der Blätter richtet sich heute auf die Zusammenkunft der £ o - carnomächte, die nach französischer An­sicht am kommenden Mittwoch in Brüssel oder Paris stattfinden könnte, obgleich eine endgültige Antwort der englischen Regierung voch nicht vorliegt. Die weiter unten gemeldete Aebergabe des englischen Garan­tieschreibens an die Botschafter Belgiens und Frankreichs hat außerdem nicht unwesent­lich zu einer Entspannung beigetragen. Aus den Besprechungen, die Außenminister Flan- bin am Donnerstag zunächst mit dem Mini­sterpräsidenten 6 a r r a u t und später auch mit dem englischen Botschafter in Paris hatte, wollen die Blätter den bestimmten Ein­druck gewonnen haben, daß die französische Re­gierung die deutschen Vorschläge weder rundweg ablehnen noch annehmen werden. Ls sei vielmehr beschlossen worden, daß Flandin auf der geplanten Konferenz der Locarno-Mächte die deutsche Denkschrift einer sehr ausführlichen Kritik unterziehen und eine Reihe von Gegenvorschlägen machen werte, die mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auf der mittleren Linie zwischen der Forderung der Locarnomächte vom 11. März und der deutschen Antwort vom 31. März lie­gen dürften. Die französische Regierung, so heißt es, werde mit besonderem Nachdruck auf den Abschluß von gegenseitigen Bei­standspakten nicht nur im Westen Euro­pas, sondern auch mit den anderen Nachbarn Deutschlands bestehen und im übrigen den Grundsatz der kollektiven Sicherheit im Rahmen des Völker­bundes verteidigen. Es fei anzunehmen, daß vor dem Zusammentritt der Locarnomächte sehr eingehende diplomatische Bespre­chungen zwischen Paris und den Mächten der Kleinen Entente stattfinden würden, als deren Sprecher Frankreich ebenfalls aufzu- lreten wünsche.

Während sich dasEcho de Paris" und derPetit Parisien" nach wie vor völlig ablehnend verhalten, ist dasJournal" am Freitagmorgen in der Beur­teilung der Lage wesentlich ruhiger gewor­den. Aus der genauen Prüfung der deutschen Ant­wort ergebe sich die Tatsache, daß zwischen Deutsch­land und Frankreich st arte Meinungsver­schiedenheiten über die Mittel befinden, mit denen man im Westen die Ruhe und Ordnung in Europa Herstellen und ein System der Sicherheit und des Friedens errichten könne. In der Bespre­chung zwischen dem Ministerpräsidenten Sarraut und Flandin seien bereits die großen Linien der Erklärung aufgesetzt worden, die Frankreich auf der Zusammenkunft der Locarno­mächte abgeben werde. Diese Erklärung werde zwar auf eine Ablehnung der deutschen Vorschläge hinauslaufen, so wie sie augenblicklich a b g e f a ß t seien, sie werden aber kommen« den Verhandlungen die Tür nicht ver­schließen.

Die Notwendigkeit dieser Verhandlungen wird auch vomPetit Journal" unterstrichen. Eine Wei­gerung, die deuschen Vorschläge zu prüfen unter dem Vorwand, daß sie für Frankreich unannehm­bar seien, sei nicht angängig. Es sei leicht, zu sagen, diese Vorschläge seien unannehmbar und man müsse sieen bloc zurückweisen. Man müsse sich aber auch fragen, was dann werden soll. Man müsse sich vor allem fragen, was werden solle, wenn Frankreich auf lange Sicht jede Fühlung mit Deutsch­land abbreche. Die Haltung der französischen Diplo­matie sei vollkommen klar. Frankreich müsse sobald wie möglich eine Zusammenkunft der Lo­carnomächte Hervorrufen und eine gemeinsame und genaue Prüfung der deutschen Vorschläge vor­nehmen. Dann müßten Gegenvorschlag e aus­gearbeitet werden und schließlich müsse der Führer unterrichtet werden, daß man bereit sei, zu ver­handeln unter der Bedingung, daß diese Verhand­lungen im Rahmen des Völkerbundes stattfinden.

In derRepublique" fordert der ehemalige Ge­neralsekretär der radikalsozialistischen Partei Eduard Pfeiffer die Regierung auf, unter keinen Um­ständen Verhandlungen abzulehnen. Man müsse sich einmal die Frage vorlegen, was Frankreich eigent­

lich tun wolle, nachdem es Nein gesagt habe, Die englische Presse fordere Paris schon jetzt auf, die deutschen Vorschläge zumindest als Ver­handlungsgrundlage anzuerkennen. Ein französisches Nein würde nur Nachteile haben. Frankreich würde sich von England entfernen und darüber hin­aus die gesamte Weltöffentlichkeit verstimmen, die heute den Eindruck habe, daß Hitler den Frie­den wolle, während Frankreich sich ihm widersetze. Außerdem müsse berücksichtigt wer­den, daß eine Weigerung Frankreichs, zu verhan­deln, dazu führen könne, daß England das Locarnoabkommen in Frage stelle, und das sei das schlimmste, was Frankreich zustoßen könne.

Die Generalstabsbesprechungen.

Zwei englische Briefe an Frankreich und Belgien.

London, 2. April. (DNB.) Außenminister Eden empfing am Donnerstagabend nacheinander d e n französischen und den belgischen Botschafter, denen er je zwei Briefe aushändigte. Das eine Schreiben bezieht sich auf Teil 3 des Weißbuches, der sich mit den G e -

Paris, 3. April. (DNB. Funkfpr.) In Paris fand am Donnerstag eine Versammlung der Feuer- kreuzler stall, auf der die Haltung der französischen Regierung scharf kritisiert und eine endgültige Bereinigung aller deu tsch- fra nz öfi- fchen Meinungsverschiedenheiten ge­fordert wurde. Einer der maßgebenden Führer der Bewegung erklärte unter großem Beifall der An­wesenden, daß das Schicksal Frankreichs immer noch in den Händen derselben alten Mannschaft liege, die sich gegen das Ausland auflehnen wolle, obgleich sie bisher alles geduldet habe. Das französische Volk wünsche den Frie­den und die Ehre. Es werde keinen dauer­haften Frieden in Europa geben, solange die ewig deutsch-französischen Meinungsverschiedenheiten keine Lösung gefunden hätten.

*

In Sartrouville bei Paris und T a r b e s in Südwestfrankreich, wo ebenfalls Versammlungen der Feuerkreuzler stattfanden, kam es zu heftigen Zusammen st äßen mit linksgerichteten Elementen, wobei es auf beiden Seiten 23er«

London, 3. März. (DNB. Funkspruch.) Die Times" begrüßt die dreiwöchige politische Pause, die Dr. Goebbels in Deutschland ange­kündigt habe und erklärt, es gebe keine bessere Propaganda für d e n Frieden in diesem Augenblick. Was jetzt benötigt werde, sei Zeit für eine ruhigere Erörterung und Prüfung des umfangreichen Mate­rials, das auf dem Tisch liege. Das beste Heil­mittel für die Neurasthenie und die Erregbarkeit der europäischen Politik sei eine nüchterne und ruhige Prüfung der Heilmittel, die für die Krank­heit vorgeschlagen worden seien. Der erstaunte Eng­länder, der einige Kommentare der Pariser Presse gelesen habe, werde bei ihnen zum mmbeften eine Artklinisches Thermometer" anwenden müssen.

Diese aufgeregte Haltung fei natürlich völlig erfolglos. Eine Erklärung für die Lage finde man jedoch in den wenig gemäßigten französischen Stimmen, die zugeben, daß die deutschen Anregungen die Grundlage für eine Erörterung abgeben könnten, wenn man des deutschen guten Glaubens sicher sei. Alles läge natürlich in demw e n n. Wenn man unter allen Umständen und für immer ableugne, daß es so etwas wie einen guten Glauben Deutschlands gebe, so könne dies nur zur Katastrophe führen.

Daily Telegraph" meint, in England herrsche die Neigung, über die unmittelbaren Hin­dernisse für die Aufnahme der Verhandlungen hin- wegzusehen und die Hoffnung auf den Friedens­plan zu fetzen. Für Frankreich seien die anfäng­lichen Erörterungen wichtiger. Was geschehen könne, um zu beruhigen, sei geschehen. D-as englische Bei­standsversprechen an Frankreich und Belgien und die in Aussicht genommenen Generalstabsbespre­chungen seien Maßnahmen, die die Zeit und die Atmosphäre schafften, die nötig seien, um die Völ­ker an den Konferenztisch zu bringen.

n e r a lst a b s b e s p r e ch u n g e n für bie lieber» gangsperiode befaßt, bas andere Schreiben auf bie Anlage bes Weißbuches, bie von ben Gene­ralstabsbesprechungen handelt, bie im Falle eines Scheiterns der Verhanblungen mit Deutschlanb geführt werben sollen.

Reuter erklärt u. a., bie Tatsache, baß der Brief am Donnerstag ausgehändigt wurde, bedeute nicht, baß bie in ihm vorgesehenen Verpflich­tungen, bie sich streng auf ber Grunblage ber Gegenseitigkeit hielten, in Kraft getreten seien. Sie würden er st dann wirksam werden, nachdem in einer Konsultation zwischen der briti­schen, ber französischen unb ber belgischen Regie­rung entschieben worben sei, daß bie Dersöh- nungsversuche fehlgeschlagen seien. Das zweite am Donnerstag ausgehändigte Dokument sei ein Brief, der sich auf den § 3 des Weißbuches beziehe, ber Stabsbesprechungen zwischen England, Frankreich unb Belgien für bie Zwischen- p e r i o b e vorsieht. Es verlaute, baß dieser Brief auf die politische Begrenzung Bezug nimmt, innerhalb deren diese Stabsbesprechungen stattfinden müßten. Botschafter Corbin reife am Freitag nach Paris ab, um diese Mitteilungen mit seiner Regierung zu besprechen.

letzte gab. In Sartrouville, einer marxistisch ver­walteten Stadt, hatten sich etwa 600 Feuerkreuzler versammelt, als plötzlich Alarmsirenen zu heulen begannen. Dies war für bie Linkskreise das Zeichen, zu versuchen, bas Versammlungslokal im Sturm zu nehmen. Der Ordnungsbienst ber Polizei war viel zu schwach, um dem wütenden Angriff ber Massen standhwalten zu können, unb erst als Mobilgarbe zur Verstärkung eintraf, gelang es, bie aufgehetzte Menge zurückzubrängen. Inzwischen war es jeboch bereits zu Zusammenstößen gekommen, wo­bei es auf beiben Seiten Verletzte gab. Erst nach 1 Uhr nachts gelang es ber Polizei, den Feuer- kreuzlern einen ungehinderten Abzug zu sichern. In T a r b e s hielten gleichzeitig mit ben Feuer- kreuzlern antifaschistische Verbände eine Versammlung ab, nach deren Abschluß die Marxisten sich vor das Versammlungslokal ber Feuerkreuzler begaben unb eine Barrikabe errichteten. Als bie Teilnehmer bas Lokal verließen, würben sie von den Mitgliedern der Volksfront mit einem Hagel von Steinen empfangen. Ferner schnitten die Antifaschisten die Reifen sämt­licher Kraftwagen durch.

News C h r o n i c l e" (liberal) weist darauf hin, daß Frankreich feit Beendigung des Krieges immer wieder versichert habe, daß es Sicherheit wünsche. Frankreichs Militärbündnisse im Osten hätten lediglich die Gefahr vermehrt, gegen die es sich zu schützen wünsche. Es sei ihm bisher nicht gelungen, die britischen Garantien zu erhalten, bie es als ausreichenb ansehe.

Iehl fei Frankreichs Gelegenheit ge- kommen. Indem Frankreich den deutschen Plan als Verhandlungsgrundlage annehme, könne es eine Lage schaffen, in der es wahr­scheinlich die erwünschten Garantien eher erhalten würde als jemals seit Kriegsende oder jemals in Zukunft. Wenn Frankreich wirklich Sicherheit wünsche, dürfe es sich die Gelegenheit nicht entschlüpfen lassen. Wenn das, was Hitler angeboten habe, nach Frankreichs Ansichtphantastisch" sei, sollten dann seine Staatsmänner vielleicht nicht zum mindesten erklären, was sie denn eigent­lich zufrieden ft ellen würde.

DerDaily S) er alb" schreibt, daß Furcht und Aerger nicht geeignet seien, Europa aus seinen Wirren unb Gefahren herauszuführen. In Hitlers Angebot fei zweifellos einiges enthalten, was für französische Nerven aufreizend sei, aber derartiges sei auch in dem Weißbuch für Deutschlands Nerven enthalten gewesen. Der Aerger des Augenblicks dürfe aber nicht bie Zukunft einer ganzen Gene­ration gefährben. Man müsse bie Vergangen­heit ruhen lassen. In Hitlers Vorschlägen sei zu minbestens eine Gelegenheit gegeben. Unb könne irgend jemand mit gesundem Menschenverstand sich ohne Bedauern unb Scham dessen erinnern, wie in ben vergangenen Jahren eine Gelegenheit nach ber anberen vertan worben sei? Hier sei eine neue Gelegenheit gegeben. Die Vorschläge Hitlers seien versöhnlich unb nicht herausfordernd. Sie müßten in vielen Punkten aufgeklärt werden. Diese Aufklärung sei eine Arbeit, die Ruhe ver­lange.

Frankreich vor den Wahlen.

Von unserem ss.-Berichierstaiier.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Paris, 31. März 1936.

Betrachtet man die Haltung Frankreichs zu den gegenwärtigen internationalen Vorgängen, vor allem auch gegenüber dem neuen deutschen Frie- densplan vom 31. März, so darf nicht vergessen werden, daß dieses Land eigentlich bis Anfang Ma i praktisch ohne Regierung ist. Denn während in einem autoritären Staat wie Deutsch­land heute eine Volksabstimmung bie stärkste Be­festigung ber Führung unb bie volle Gegenzeich­nung ihrer Hanblungen bebeutet, tritt in Frankreich bie an sich schon schwach entwickelte Verantwor- tungsfreubigfeit ber als Minister tätigen Parla­mentarier vollkommen hinter ber Sorge um bie Wieberwahl zurück, sobalb bie Legislatur- periobe abgeschlossen unb ber Wahlfelbzug eröffnet ist. Gewiß machen bie Senatoren von dieser Regel eine Ausnahme, aber auch sie müssen Rücksicht her­auf nehmen, ihre Parteifreund nicht unnötig zu kompromittieren. Deshalb konnte nichts den fran­zösischen Politikern unerwünschter kommen, als ber Zwang, vor ihren Wählern zu dem Ereignis bes 7. März, b. h. zu ber FrageKonflikt ober 23er» ftänbigung mit Deutschlanb?" Stellung nehmen zu müssen. Außenminister Flanbin hat selbst bas Beispiel für bie allgemeine Sehnsucht nach dem Kontakt mit dem Wähler gegeben, indem er bereits am 20. März ber Kammer durch feine etwas vor­eilige Bündnisrebe einen sofortigen Ferienbeginn ermöglichte und bann selbst alsbald in feinen Wahlkreis abreifte. Aber andere Minister haben größere Sorgen als er, so etwa der von rechts unb links gleich heftig angegriffene Land­wirtschaftsminister Zf) eitler oder der Luftfahrt­minister Seat, ber in einem Pariser Vorort vor vier Jahren noch als Kanbidat der Blumschen Marxisten gewählt wurde und nun zusehen muß, ob seine eigene Gruppe ber Französischen Sozia­listen wenigstens für ihn selbst genügenb Trag­fähigkeit bietet.

Allerbings gibt es nicht nur für Minister, sondern für die Abgeordneten des scheidenden Parlaments überhaupt eine handgreifliche Garantie der Wieder­wahl, die zugleich der schwerste Hemmschuh für eine Erneuerung des politischen Lebens durch neue Män­ner und Parolen bedeutet, nämlich das System der Einerwahl im Bezirk. Seit der Vor­kriegszeit wird immer wieder versucht, das System ber Verhältniswahl in Frankreich einzuführen, und immer wieder lehnt das Parlament, das sich in diesem Fall besonders gern als Richter in eigener Sache aufspielt, eine Reform ab, die nur im Inter­esse unbequemer Außenseiter ober ber sogen,mal £lus liegt, d. h. berjenigen, bie bas letztemal erst im zweiten Wahlgang unb mit Hilfe ber Nachbar­gruppen burchgekommen finb. Die größte Versiche­rung auf Gegenseitigkeit bebeutet seit jeher bie von links bis in die Mitte des Parlaments sich er­streckenderepublikanische Disziplin", derzufolge ein Kandidat der demokratischen Par­teien niemals einem Rechtskandidaten bei ber Stichwahl helfen barf, wohl aber verpflichtet ist, sich bei ber Entfcheibung vor bem stärksten Links- fanbibaten zurückzuziehen.

Als solches Wahlbündnis ber Linken sollte natür­lich auch bie vielbesprocheneVolksfront" wir­ken, bie seit vorigem Sommer auf gemeinsamer antifaschistischer Grunblage zwischen Radikalen, So­zialisten (französischer unb marxistischer Prägung) unb Kommunisten gebilbet worben ist. Freilich hat es sich in ben letzten Wochen gezeigt, baß in ber Praxis auf eine Rücksichtnahme von kommunistischer Seite schwerlich zu rechnen sein bürste, so baß wahr­scheinlich bie Sozialisten unb vor allem bie Rabika­len bie Kosten ber Volksfront tragen werben, zu­gunsten eines Zuwachses ber Kommunisten. Dies um so mehr, als bie Kommunisten sich, abgesehen von ben großen Stabten, keineswegs als soziale Revolutionäre geben, fonbern lediglich mit Hilfe bes Sowietbünbnifses ihr patriotisches Jakobinertum in ben Vorbergrunb stellen. Dagegen Kämpfen bie alten Jakobiner, nämlich bie Herriot- unb Daladierpartei ber Rabikalen unb Rabikalsozialisten, ernstlich mit ber Gefahr eines langsamen Absterbens dadurch, baß bie fommenben Generationen für Freimaurer- ideale unb für bie ganze Deputiertenwirtschaft mit ihren skanbalosen Schattenseiten wenig Verständnis mehr aufbringt.

Ohne ben 7. März wäre ber Linksruck, ber schon 1932 sehr groß war, vermutlich noch sehr verstärkt worden, unb zwar wie gesagt, haupt­sächlich zugunsten ber äußersten kommunistischen Linken unter Führung von Cachin. Nun aber kön­nen bie Abgeorbneten ber rechten Minder- beit, b. Y)- die bürgerlich Gemäßigten aller Grade, damit rechnen, daß ihnen das Nationalge- fühl im Volk ebenfalls zu Hilfe kommt, zumal sie für ein stark gerüstetes Frankreich, aber gegen das Sowjetbündnis unb teilweise sogar für bie deutsch-französische Aussprache, natürlichmit ben nötigen Garantien", eintreten. Ihre Wahlplakate zeigen Ueberschriften wie etwa:Die Volksfront führt uns in ben Krieg", scheuen allerbings auch vor antibeutschen Hetzbilbern nicht zurück. Immer­hin ergibt sich bas in ben Anfängen der Dritten Republik schon dagewesene Schauspiel, daß in einem kritischen Augenblick bie Rechte friebensfreundlicher auftrat, als bie Linke, um dieser das erdrückende Uebergewicht ber Zahl wenigstens in Einzelfällen streitig zu machen.

Wie gering allerdings die Aussichten der Rechten gegen den Vormarsch der Volksfront sind, hat man aus dem Demissionsschreiben T a r b i e u s gesehen, der dem Parlament nicht etwa nur aus Empörung

®je AEM'sE'MHMk

für deussch-sranzösische Generalbereinigung.

Frankreichs Gelegenheit ist gekommen.

Oie englische Presse wünscht ruhige Prüfung des deutschen Friedensplans.