Ausgabe 
2.7.1936
 
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scheu bei starkem Verkehr, das falsche Einbiegen in Seitenstraßen, das Mchtbeachten der Wege- und Verkehrszeichen das alles sind Erscheinungen, die Menschenleben gefährden und dem Verkehrstod dauernd neue Opfer zuführen. Auch hier ist es nur eine Frage der Disziplin. Fahrer, die alle Sorgfalt im Verkehr walten lassen und die auch an sich selbst ein wenig denken, werden mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit von Unfällen ver­schont bleiben. Ueberhaupt scheint es, als ob die rasenden Fahrer, die es so eilig haben, daß sie mit Sekunden geizen und die dann nachher Monate im Krankenhaus zubringen müssen, immer wieder über­sehen, daß der Verkehrsunfall durchaus keine ein­seitige Angelegenheit ist. Wie oft müssen die Schul­digen gleich an Ort und Stelle mit ihrem Leben büßen oder sie erleiden derart schwere Verletzungen, daß sie für immer zum Krüppel werden. Das mögen die Kilometerfresser endlich einmal beben- fen? wenn sie ungeduldig am Steuer sitzen und am liebsten einem von einem vorsichtigen Fahrer ge­lenkten und vor ihnen in normalem Tempo dahin» fahrenden Wagen einen Stoß geben möchten, um ihn zu größerer Geschwindigkeit anzutreiben. Schnelligkeit ist ganz gewiß eine schöne Angelegen­heit, sie findet aber an den Gesetzen der Sicherheit und der Verkehrsordnung ihre Grenzen.

So bleibt denn schließlich noch der Fußgän­ger, dessen Sündenregister ebenfalls lang ist. Ist weder dem Kraftwagen noch dem Fahrrad das Recht der alleinigen Beherrschung der Straße in« und außerhalb der Stadt zuzusprechen, so ist auch der Fußgänger deswegen noch längst nicht der alleinige Herr der Verkehrswege. Einer hat auf den andern Rücksicht zu nehmen, der Mann am Steuerrad hat sich ebenso vorzusehen wie der Fuß­gänger beim Ueberschreiten der Straßen. Ja, dem Fußgänger fällt auch noch die Pflicht zu, beson­ders auf spielende Kinder zu achten, die sich mit Vorliebe Fahrwege aussuchen, so daß immer wieder Kinder in größerer Zahl unter den Verkehrs­opfern zu finden sind.

Ziehen wir eine Bilanz der Verkehrsunfälle und ihrer Verhütung, dann können wir nur von neuem die Forderung nach stärkster Strahendiszi- p l i n erheben. Ohne Disziplin kann weder eine Ar­beit zum guten Ende geführt werden noch ein Volk sein Dasein behaupten, noch ein so komplizierter Verkehr wie der Straßenverkehr in voller Ordnung abgewickelt werden. Vergessen wir aber nicht, daß vom Kraftwagen Hunderttausende deutscher Volks­genossen leben, daß jeder Unfall die unmittelbaren Zeugen derart erschüttert, daß sie, sofern sie sich bis dahin mit der Absicht trugen, einen Kraftwagen zu erreichen, wahrscheinlich von diesem Plan wieder abkommen werden. Den Rückschlag erleidet dann der deutsche Arbeiter der Automobil- und der Zu­behörindustrie. Wer die Motorisierung Deutschlands anstrebt und selbst dazu beiträgt, der hat dann die unabweisliche Pflicht, sich so auf der Straße zu ver­halten, daß die Zahl der vermeidbaren Unfälle aus der Unfallstatistik verschwindet.

Schwerer Unfall des Musik­zuges der GG.-Leibstandarie.

Der im ganzen Reich durch seine Konzerte be­liebte Musikzug der SS. -Leibstandarte wurde von einem schweren Unfall betroffen. Der Musikzug befand sich in zwei Autobussen auf der Heimkehr von einer Konzertreise im Westen des Reiches. Zwischen Burg (bei Magdeburg) und Genthin durchfuhren die Wagen im langsamen Tempo eine stark ansteigende Strecke. Aus der ent­gegengesetzten Richtung kam von Genthin her ein Lastwagen mit Anhänger, der auf der durch einen niedergegangenen Wolkenbruch schlüpfrig geworde­nen Asphaltdecke ins Schleudern geriet. Der Fah­rer konnte den schweren Zug nicht mehr zum Hal­ten bringen und fuhr gegen einen Baum. Hierbei rutschte der Anhänger so unglücklich über die Straße, daß er mit voller Wucht die Seiten­wand des zweiten Autobusses der SS.-Leibstan- barte in ihrer ganzen Länge aufriß. Zwei Männer des Musikzuges waren sofort tot, zwei Mann starben kurz nach ihrer Einlieferung im Kreis­krankenhaus. Außerdem befinden sich im Kranken­haus zur Zeit noch sechs Schwerverletzte und eine Anzahl von Leichtverletzten. Der erste Autobus, der die Höhe bereits überwunden hatte, bemerkte von dem Unfall nichts; erst in Berlin erfuhren die Männer von dem furchtbaren Un­glück, das ihre Kameraden betroffen hat. Als die Meldung von dem Unfall in Lichterfelde bekannt wurde, eilte Obergruppenführer Sepp Dietrich sofort zur Unfallstelle und zu den verletzten Kame­raden.

Die Nachricht von dem schweren Schicksalsschlage, der den im ganzen Reiche außerordentlich beliebten Musikzug der SS.-Leibstandarte betroffen hat, wird in der gesamten deutschen Bevölkerung mit Er­schütterung und innigem Mitgefühl ausgenommen werden. Die Nation senkt ihre Fahnen in tiefer Trauer um die in Ausübung ihres Dienstes so jäh aus dem Leben gerissenen SS.-Männer.

DieFiuanzlaoe derReichsbahn

Essen, 1. Juli. (DNB.) Der Verwaltungsrat der Reichsbahn beschäftigt sich mit Finanzfragen. Ein Ueberblick der Einnahmeentwicklung des ersten Halbjahres 1936 zeigt einen Zuwachs von 9,2 v. H. gegenüber dem Vorjahre; dabei entfällt auf den Personen- und Gepäckverkehr eine Mehrein­nahme von 5,5 v. H., auf den Güterverkehr eine solche von 12,3 v. H. Den erhöhten Einnahmen aus verstärkten Verkehrsleistungen stehen erheblich vermehrte Betriebsausgaben gegen­über. Der Verwaltungsrat gab seine Zustimmung zu einem Fahrzeugbeschaffungspro­gramm von 80 Millionen RM.

Beim Mitteleuropäischen Reisebüro hat die Umsatzsteigerung auch im Jahre 1935 ange­halten. Die Steigerung beträgt gegenüber 1934 rund 9 v. H. Das MER. unterhielt am Jahres­schluß 269 Inlands- und 844 Auslandsvertretun­gen, insgesamt also 1113 Vertretungen. Die Reichsbahnzentrale für den deutschen Reiseverkehr (RDV.) konnte in dem starken Besuch der 4. Olympischen Winterspiele einen guten Erfolg ihrer intensiven Werbearbeit verzeichnen. Die Werbung für die 11. Olympischen Spiele in Berlin und für die Segel-Olympia in Kiel wurde von Monat zu Monat weiter gesteigert. Das Netz der Auslandswerbestellen der RDV. beträgt 28 RDV.-Stützpunkte und Vertretungen, zu denen 5 nur für die Olympiawerbung eingerichtete Aus­kunftsstellen treten. Auch die Mitropa hat im Jahre 1935 einen weiteren Aufschwung erzielt, der in einer Umsatzsteigerung von ungefähr 8 v. H. seinen Ausdruck fand. Die Mitropa hatte im Som­merverkehr täglich 190 Schlafwagen, 228 Speise­wagen und 41 Küchenpackwagen.

Genfs Antwort an den Negns.

Blum und Eden begründen das Versagen des Völkerbundes.

Genf, 1. Juli. (DNB.) Die Vormittagssitzung der Völkerbundsoersammlung begann mit der War­nung des Vorsitzenden van Zeeland, keine Ruhestörungen mehr zu unternehmen, an­dernfalls ftrenaere Maßnahmen ergriffen werden müßten. Der Vertreter Kolumbiens erklärte, da sich gezeigt habe, daß der Völkerbund nicht funktioniere, müsse man wenig st ens die Grundsätze retten. Es sei besser, daß sich der Völkerbund in Zukunft auf das beschränke, was er wirklich durchzuführen fähig sei, als ihn weiter mit überspannten Ausgaben und Idealen fortbestehen zu lassen, die er nie erfüllen könne. Der Plan der Gründung eines lateinamerikanischen Völkerbundes werde im Herbst vor dem Panameri­kanischen Kongreß zur Behandlung kommen. Die- ser Bund solle im Rahmen des Völkerbundes be­stehen, der regionale Bünde ja befürworte.

Oer französische Ministerpräsident Leon Slum

sagte u. a.: Die Ereignisse nach dem 7. März lege man so aus, als begründeten sie in der französi­schen Außenpolitik eine Periode der passiven Re­signation, in der sich Frankreich alles gefallen lasse und erst recht hinsichtlich der anderen alles hin­nehme. Beides sei ein schwerer Irrtum. Gewiß hat Europa erwartet, daß die militärische Be­setzung der Rheinlandzone ebenfalls eine militärische Antwort Hervorrufen werde. Frank­reich hat sie nicht gegeben. Es hat die Lösung einer so gefährlichen Krise nur im internatio­nalen Verfahren gesucht. Anstatt zu mobi­lisieren, hat es die Garantiemächte des Locarno­vertrages angerufen. War das eine Schwäche? Sind 'wir so weit gekommen, daß Europa heute meint, ein Volk schwäche und deklassiere sich, wenn es sich auf die Waffen des Rechtes beschränkt? Frankreich sei in einem großen Umbruch begriffen, der sich ohne Gewalt vollziehe. Wohl ist unser inneres Leben sehr bewegt, aber ein Volk schwächt sich nicht, sondern wird stärker, wenn seine innere Energie zunimmt. Ein Volk hängt um so mehr an seiner Unabhängigkeit, je freier es in einer gerechten Gesellschaftsordnung lebt. So steht es heute mit Frankreich.

Die Ursache für das Versagen des Völ­kerbundes liege nicht im Pakt, sondern in seiner verspäteten, unbestimmten und zweideutigen A n w e n d u n g. Die Paktver- pflichtungen müssen deshalb verstärkt werden. Der gleiche Selbsterhaltungstrieb, der die Völker ihre Rüstungen verstärken lasse, müsse sie dazu bringen, s i ch enger zusammenzu­schließen. Die Rüstungen dienten zur Aufrecht- erhaltung des Friedens, aber die auf eine Koa­

lition der Rüstungen gegründete kollek­tive Sicherheit könne kein dauerhaftes Friede nsin st rument fein. Aus der abessini­schen Erfahrung müsse die Lehre gezogen werden, daß die kollektive Sicherheit in einer überrüsteten Welt die Starken vor eine zu grausame Wahl stelle. Wenn man in der Erfüllung seiner Verpflich­tungen bis zum äußersten gehen wolle, so muß man die Gefahr eines Krieges auf sich nehmen.

Die französischen Reformpläne be­schränkten den Beistand auf die geographisch und politisch dem angegriffenen Staat am nächsten stehenden Ländern, aber auch so bleibe das Risiko eines Krieges be­stehen und müsse mutig getragen werden, ob­wohl dieser Gedanke heute beinahe als eine lächerliche .Utopie erscheine. Aber ohne Abrü­stung könnten die internationalen Schiedssprüche keine Wirkung haben und die friedlichen Sank­tionen nicht abschrecken. Kollektive Si­cherheit und Abrüstung bedingten sich gegenseitig. 3n diesem Sinne werde Frankreich seinen Einfluß geltend machen und vor keiner Initiative zurückfchrecken.

Der Völkerbund müsse an die Länder, die Rechts­brüche begangen hätten, die wesentliche Frage stel­len, ob sie entschlossen seien, an dem Werk des ent­waffneten Friedens im Rahmen des neuerstan­denen Völkerbundes mitzuarbeiten. Sie müßten ge­fragt werden, welche Abrichten sie hegten und welche Garantien sie vorschlagen wollen. Die ita­lienische Denkschrift stelle einen wertvollen Beitrag in diesem Sinne dar. Es sei zu wünschen, daß die deutsche Antwort auf den englischen Fragebogen ihrerseits den Ausgangspunkt für einen politischen Wiederaufbau Europas bilden könne. Keine Macht könne ihre Mitarbeit verwei­gern, wenn sie sich einem gemeinsamen Willen aller gegenübersehe. Wenn sie sich außerhalb der Ge­meinschaft halte, so zwinge sie alle anderen Völker zu immer schärferer Aufrüstung, während doch die Welt Ruhe haben wolle.

Der Vertreter der Südafrikanischen Union forderte den Völkerbund auf, in elfter Stunde d i e Kollektivaktion gegen Ita­lien, die im Oktober 1935 von 50 Nationen in seltener Einmütigkeit beschlossen worden sei, fort« zusetzen. Der Verzicht auf eine entschlossene Kol­lektivaktion unter Verletzung von feierlich übernom­menen Verpflichtungen sei ein Verrat am Weltfrie­den und am Völkerbund. Die Mitarbeit der Südafri­kanischen Union werde in Frage gestellt, wenn der Völkerbund seinen Verpflichtungen nicht nachkomme.

England beantragt Aushebung der Sanktionen.

Oer englische Außenminister <§den führte bann u. a. aus: Wir haben gestern einen Aufruf des Kaisers von Abessinien ge­hört, der mit einer Würde vorgetragen wurde, die die Sympathie eines jeden von uns erweckt hat. Die Anwendung der Sanktionen haben nicht den Zweck erfüllt, dem sie dienen sollten. Nach unserer Mei­nung könnte nur eine militärische Aktion heute ein Ergebnis erzielen. Ich kann, nicht glau­ben, daß in der heutigen Weltlage eine solche mi­litärische Aktion für möglich gehalten werden könnte. Unter den bestehenden Umständen kann die Fortführung der Sanktionen keinen nützlichen Zweck verfolgen. Die britische Regierung ist aber der Meinung, daß die Versammlung i n keiner Weise die italienische Eroberung Abessiniens anerkennen sollte.

Zu L6on Blums heuttgenAusführungen erklärte Eden, daß feine Regierung an der Aufgabe, die Autorität des Völkerbundes wiederherzustellen, mit­arbeiten werde. Das ideale System der kollektiven Sicherheit fei fo geartet, daß in ihm alle Völ­ker bereit wären, militärisch gegen je» den Angreifer vorzugehen. Wenn dieses Ideal augenblicklich nicht erreicht werden könne, und er fei mit L6on Blum der Meinung, daß eine schwer gerüstete Welt die Erreichung erschwere, so müßte nicht notwendigerweise die Satzung ab­geändert werden, sondern die Methode, um ihr Nachdruck zu verschaffen. Es fei wesentlich, daß al­len Ländern genügend Zeit gegeben werde, diese Frage zu prüfen. Deshalb schlage er vor, daß die Septemberversammlung das Problem in Angriff nehmen solle. In den letzten Tagen habe er als Ratspräsident Gelegenheit gehabt, mit ver­

schiedenen Abordnungen in Fühlung zu treten. Er habe dabei ein Übereinstimmung der Ansichten über viele Fragen angetroffen und insbesondere darüber, daß der Völkerbund fortfahren müsse zu versuchen, seine Mission zu erfüllen.

Oer Eowjetkommissar Litwinow

hielt darauf eine wie üblich mit versteckten Aus­fällen gegen Deutschland gespickte Rede, in der er die Verstärkung des Völker- bundspaktes forderte. Aus den Ursachen des abessinischen Mißerfolges müsse man Lehren für die Verhütung ähnlicher Vorkommnisse in der Zu­kunft ziehen. Artikel 16 berge starke Möglichkeiten in sich, die beim abessinischen Krieg aus vielfachen Gründen, z. B. auch wegen deranderweitig in viel stärkerem Mahstabe betriebenen Kriegsvorbe­reitungen", bei weitem nicht ausges chöpft worden seien. Die Unvollkommenheit des Paktes beruhe auf feinen Lücken und Unklarheiten. Er ent­halte keine klare Definition des An- griff es und sehe fein Organ für dessen Fest­stellung vor. Die Durchführung wirtschaftlicher Sanktionen müsse für alle Staaten obligatorisch werden, und diese in Ausnahmefällen Hand in Hand mit militärischen Maßnahmen gehen. Bis man aber soweit sei, müsse Europa mit einem Netzwerk von Regionalpakten überzogen werden. Als stärkste (Garantie für den Frieden betrachte die Sowjetunion nach wie vor die totale Abrüstung. Solange diese radikale Maßnahme nicht getroffen werde, bleibe nichts anderes übrig, als den Völkerbund, d. h. die kol­lektive Sicherheit und den Grundsatz der Unteilbarkeit des Friedens, zu ver­stärken.

Die italienischen Völkerbunds-Ioumalisten aus dem Kanton Genf ausgewiesen.

Genf, 2. Juli. (DNB.) Die während der Sitzung der Dvlkerbundsversammlung vorn Dienstag ver­hafteten italienischen Journalisten wurden am Mittwoch aus dem St. Antonien-Ge- fängnis entlassen. Sie begaben sich zu Fuß und unter Bewachung von Polizisten in Ziviel ins nahegelegene Polizeigebäude, wo der italienische Gesandte der Schweiz, T a m a r o , und der italie­nische Generalkonsul in Genf, Speiser, anwesend waren. Den Jouralisten wurde zur Kenntnis ge­bracht, daß gegen sie ein A u s w e i s u n g s b e - fehl vom Kanton Genf erlassen worden sei. Der Vorsteher des Justiz- und Polizeidepartements des Kantons Genf, Staatspräsident N i k o l e, teilte den Journalisten mit, daß sie den Kanton b i s Mitternacht zu verlassen hätten. Da die Bekanntgabe erst um 22.30 Uhr »erfolgte, der letzte Zug nach Italien aber bereits um 22.52 Uhr ab- geht, bestand für die Journalisten keine Möglich­keit mehr, in ihre Hotels zurückzukehren und ihr Gepäck zu holen. Sie beschlossen daher, in Kraft­wagen nach dem waadtländischen Ort Moppet zu fahren. Um 23.50 Uhr setzte sich die Wagenkolonne nach (Toppet in Bewegung.

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Das Verhalten der italienischen Journalisten wird i n R o m von maßgebender italienischer Seite als eine spontane und in keiner Weise an» geordnete Kundgebung gekennzeichnet. Die anwesenden Italiener konnten nicht umhin, gegen den früheren Herrscher eines Landes zu protestieren.

in dem die abscheulichsten Greueltaten begangen wurden. Kundgebungen des Mißfallens sollten ebenso zugelassen sein wie solche des Beifalles und der Zusttmmung. Auch hätten die italienischen Journalisten niemanden beschimpft oder persönlich belästigt, während eine dem Völkerbundssekretariat nahestehende Zeitung fast täglich Angriffe gegen Italien erhebe. Die norditalienischen Blätter geben der stärksten Entrüstung und Empörung über die Behandlung der italienischen Journalisten in Genf Ausdruck und nehmen das Ereignis zum Anlaß, noch einmal mit aller Deut­lichkeit den italienischen Standpunkt vorzubringen. Die TurinerGazzetta del Popolo" schreibt, mit einer solchen Handlungsweise, wie sie die Behand­lung der italienischen Journalisten darstelle, dürfe der Völkerbund nicht hoffen, den eigenen Ruf zu heben und die Wiederaufnahme der europäischen Zusammenarbeit fördern zu können. Die Episode sei ein neuer Beweis dafür, daß der Völkerbund, wenn er leben wolle, eine dringende Reform nötig habe. Der MailänderSortiere della Sera" betont, Italien habe die Angelegenheit mit Abessi­nien nach 40 Jahre geregeltund zwar a u f endgültige Weise. Das hätten auch die offe­nen und versteckten Feinde Italiens zur Kenntnis zu nehmen. Noch einmal sei zu wiederholen, daß Genf Italien weit nötiger habe, als Italien Genf. Die Vergangenheit habe den Be­weis dafür geliefert, die Zukunft werde dies be­stätigen.

Die Pariser Presse zur Rede Leon Blums.

Paris, 2. Juli. (DNB. Funkspruch.) Zu Löon Blums Rede in Genf gibtMatin" zu verstehen, man hätte er gern gesehen, wenn Blum nach­drücklicher auf die Angriffe geant­wortet hätte, die d e r N e g u s am Tage zuvor gegen Frankreich gerichtet hatte, wenn er auch zugibt, daß durch die geschickte Zurückhaltung viel­leicht eine fruchtlose Polemik vermie­den worden sei. Die Rede Blums in ihrer Gesamt- heit sei namentlich bei den Russen und bei der Kleinen Entente mit großer Befriedigung ausge­nommen worden. Der Berichterstatter desJour­nal" in Genf hebt hervor, daß die Stelle der Blum- Rede über die Sicherheit großen, die Stelle über die Abrüstung jedoch wenig Beifall ge­funden habe. Selbst innerhalb des Völkerbundes glaube man also nicht mehr an die Abrüstung. Das Petit Journal" findet die Rede würdig und ge­haltvoll. Löon Blum müsse Europa den fran­zösischen Frieden geben, heißt es in dem Blatt.

Echo de Paris" schreibt, Blum hahe seiner mit kriegerischem Alarm angestimmten Rede als Hinter­arund gewisse Abrüstungsandeutungen geben wollen, so wie die italienischen Maler ihre dunklen Ge­mäldemotive durch eine herrliche Landschaft als Hintergrund heller machen. Aber Europa sei für den Augenblick diesesgelobteLandversagt. Oeuvre" behauptet, die Worte Blums hätten den Völkerbund für den Augenblick gerettet.Le Jour" schreibt, Blum fordert Europa zum Wettrüsten auf. DerQuotibien" dagegen erklärt, Blum erlasse an die Regierungen Europas einen Aufruf zum ab- gerüfteteten Frieden. ImFigaro" heißt es u. a., die Rede fei ein politifcher Irrtum, denn die Ausführungen hätten keine Beziehungen z u r W i r k l i ch k e i t.

Immer noch Andauer der Gireiks in Frankreich.

Paris, 2. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die Zahl der Streikenden in ganz Frankreich wird mit 154 302 angegeben. Nach längeren Verhandlungen ist in der Präfektur in Metz eine Einigung zu­stande gekommen. Es wurde beschlossen, daß Die Räumung der Fabriken am Donnerstag um 6 Uhr beginnen und die Arbeit möglichst bald wieder aufgenommen wird. Neue Streiks und Werkbesetzungen werden aus folgenden Ort­schaften Lothringens gemeldet: Bürbach, Angevillers, Hayangen, Fontoy und Roncourt. In Lille ist der Z e i t u n g s st r e i k durch einen Schiedsspruch des Präfekten beendet worden. In Nizza wurde in der vergangenen Nacht eine vorläufige Eini­gung im Gaststättengewerb-e erzielt. Die Hotels an der französischen Riviera werden am Donnerstag wieder geöffnet. Die Verhand­lungen über den Einheitsrahmentarif dauern noch an. Im Pariser Zeitungsgewerbe wurde von Verlegern und Setzern der Schiedsspruch des Arbeitsministers gefordert, über dessen Annahme oder Ablehnung beide Verbände zu entscheiden haben werden.

Gerüchte um Baldwin.

L o n b o n , 2. Juli. (DNB. Funkspruch.)Times" erklärt die in Umlauf befinblichen Gerüchte über einen Rücktritt Balbwins als p h a n t a st i s ch , hält es aber für möglich, daß der wachsenden Auf­gaben des Kabinetts wegen der Ministerpräsident nur an zwei Tagen in der Woche auf Fragen im Unterhaus antworten werde, die direkt an ihn gerichtet feien. AuchDaily Tele­graph" erklärt alle Gerüchte, daß sich Baldwin mit Rücktrittsgedanken trage, als jeder Unterlage ent­behrend.News Chronicle" gibt der Meinung Aus­druck, baß nur eine rasche Wieberherstel- lung seiner Gesundheit und persönliches Bemühen, sein Ansehen wieder herzustellen, den Ministerpräsidenten halten könne.Daily Expreß" hält es für möglich, daß Baldwin das Amt des Ministerpräsidenten gegen das des Lordsiegelbewah­rers, des Lordpräsidenten ober eines Ministers ohne Geschäftsbereich austauschen werde.

Reichsminister Rust im Gan Heffen-Aassau.

NSG. Von der Feier des 550jähtigen Bestehens der Universität Heidelberg kommend, traf am Mitt­wochmittag Reichsminister Rust in Weilburg ein und übergab das neu hergerichtete Mann- schaftshausWind Hof" der Hochschule für Lehrerbildung in Weilburg in einem feierlichen Akt feiner Bestimmung. Zu der Feier waren der Oberpräsibent der Provinz Hessen- Nassau, Prinz Philipp von Hessen, (Bau« amtsleiter Lange, als Vertreter des Gauleiters, und zahlreiche andere führende Persönlichkeiten von Partei und Staat erschienen. Die Schulen der näheren Umgebung und die Landjahrheime des Kreises Oberlahn waren gekommen, um den Mini­ster zu begrüßen. Am Nachmittag wohnte der Mi­nister einem K i n d e r f e st anläßlich der Weil- burger Kirmes bei, das von der Weilburger Volks­schule und den Studenten der Lehrerhochschule ge­staltet wurde.

Weibliche Hilfe in der Landwirtschaft.

Berlin, l.Juli. (DNB.) Amtlich. Die Auf­gaben der Landwirtschaft fordern den Einsatz aller verfügbaren Arbeitskräfte, Staat und Partei sind bemüht, in verschiedensten Formen auch die deutschen Mädchen zur Hilfe in der Landwirtschaft heranzuziehen. Wenn die gesetzlich bereits festgelegte Arbeitsdienst- pflicht für die weibliche Jugend eingeführt ist, bann wirb hier eine Hilfsquelle erschlossen sein. Der Reichsminister bes Innern und der Reichsarbeits­führer haben sich auch damit einverstanden erklärt, daß Diejenigen Mädchen über 17 Jahren nicht mehr zur Ableistung der künftigen Arbeitsdienst­pflicht der weiblichen Jugend herangezogen werden, die nachweislich vor dem 1. Oktober 19 37 freiwillig wenigstens neun Monate Landarbeit geleistet haben. Dabei ist es gleich­gültig, ob diese Arbeit a) im freien landwirtschaft­lichen Arbeitsverhältnis ober b) in der Landhilfe ober c) in einem BDM.-Umschulungslager verrichtet worden ist. Als Nachweis gilt außer Dem Land-

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