Ausgabe 
2.6.1936
 
Einzelbild herunterladen

Tagen die ratternde Mähmaschine, dann sind tot­gemähte oder schwer verletzte Kitze die Folge. Dar­um ist es gut, wenn in der Mahdzeit der Jäger vor der Maschine hergeht und zu retten sucht, was «r finden kann. Neben Kitzen und Junghasen sind auch die Gelege von Hühnern und Fasanen gefähr­det, vor allem im Klee. Auch hier ist der beste Weg zur Verhütung zu großer Verluste der einer Zu­sammenarbeit zwischen Bauer und Jäger. Weiß der Bauer, daß er es nicht umsonst tut, wenn er ein Stück seines Ackers oder seiner Wiese nicht ge­mäht stehen läßt, bis das Gelege ausgefallen ist, oder wenn er ein vermähtes Gelege, auf dem die Henne getötet wurde, dem Jäger sofort meldet, dann wird er um so vorsichtiger sein. Denn Spaß macht es ihm bestimmt an sich schon nicht, wenn er auf einmal feststellen muß, daß seine Sense eine brü­tende Henne verletzt oder geköpft hat. Das Aus­loben von Belohnungen macht sich für den Jäger immer bezahlt. Es macht den Bauer darauf auf­merksam, daß er jetzt unter Umständen Schaden anrichten kann, und es zeigt ihm auch, daß seine Bemühung anerkannt werden soll.

Mit dem Weiterbrüten vermähter Gelege sollte

immer ein Versuch aemacht werden, denn Wild­huhneier sind nicht sehr empfindlich, wenn sie auch einmal einen ganzen Tag unbedeckt bleiben. Es macht viel Freude, wenn man eines Tages eine Kette oder ein Gesperre der Freiheit übergeben kann, die man vor dem sicheren Verderb gerettet hat. In solchen Maßnahmen liegt aber gerade die hohe Befriedigung, die durch die Hegerarbeit bei dem wahren Jäger ausgelöst wird. Hier trennen sich Jäger und Schießer.

Im Fuchsbau sind Jungfüchse, die bald der Mutter ins Getreide folgen werden. Abschuß am Bau oder Graben der kleinen Freibeuter ist jetzt wieder am Platze; denn die stille Hoffnung mancher Fänger, daß das Tellereisen wiederkäme, hat der Oberstjägermeister gründlich zerstört. Die Bejagung des Fuchses muß also in der Hauptsache mit Pulver und Blei erfolgen. Dazu darf aber nicht nur der Winter benutzt werden; sonst ist zu befürchten, daß der Schaden an Jungwild zu groß wird. Und auch der Geflügel haltende Bauer hat ein Anrecht dar­auf, daß der Fuchs kurz gehalten wird.

Hubertus.

Internationale Kanuregatta auf dem Bodensee.

Am Pfingstmontag war Radolfzell der Austragungsort für eine internationale Kanu-Kurz- ftreckenregatta, an der zahlreiche Schweizer Kanu- fahler beteiligt waren. Es gab in fast allen Boots­gattungen spannende Rennen, die zumeist bei strö­mendem Regen ausgefahren werden mußten. Be­sonders die Einer und Vierer waren scharf um­stritten.

Ergebnisse:

Rennfaltboot-Einer: 1. Hörmann (Eßlingen) 4:42; 2. Resch (München) 4:45,9; 3. Moser (Zürich) 5:50,1. Rennfaltboot-Zweier: 1. Resch-Muggenthaler (München) 4:18,3; 2. Bolz-Axel (Neckarau) 4:24; 3. Gebrüder Wölzenmüller (München) 4:26,4. Kajak- Einer: 1. Moser (Zürich) 4:28; 2. Zahn (Mannheim) 4:30,3; 3. Hörmann (Eßlingen) 4:55,1. Kajak-Zweier 1. Weißgerber-Zahn (Mannheim) 4:50; 2. Kolb-Axel (Neckarau) 4:52. Kajak-Vierer: 1. Kanuoereinigung Eßlingen 3:50; 2 Mannheimer Kanugesellschaft 3:50 (totes Rennen). Kajak-Einer (Frauen): 1. H. Becker-Mannheim 3:54,4; 2. Ida Brand-Hof 4:13,2. Wandersaltboot-Einer (Frauen): 1. Hilde Becker- Mannheim; 2. Ida Brand-Hof. Rennfaltboot-Zweier (Junioren): 1. Plitt-Lorenz-Mannheim 4:21,2. Ka- jak-Einer: 1. Wölzenmüller-München 4:48. Kajak- Vierer (Junioren): 1. Mannheimer Kanu-Gesell­schaft 3:45,2. Kajak-Einer (Frauen): 1. Käthe Ober- maier-Neckerau 4:05,1.

Sämtliche Rennen der Männer gingen über 1000, die der Frauen über 600 Meter.

SportamtKraft durch Freude'-.

heule folgende Kurse:

Kindergymastik. Von 17.15 bis 18.30 Uhr, Frankfurter Straße 60, Gartenhaus.

Fröhliche Gymnastik und Spiele für Frauen. Von 20.30 bis 21.45 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26.

Schwimmen, Anfänger und Fort­geschrittene. Pon 20 bis 21 Uhr, Frauen und Männer, Volksbad. Von 21 bis 22 Uhr nur für Frauen, Volksbad.

Tennis. Von 18 bis 19 und von 19 bis 20 Uhr, städtische Plätze am Schützenhaus.

Reiten. Von 21 bis 22 Uhr, Universitäts-Reit­institut, Brandplatz.

Weitere Sportberichte im 2. Blatt.

Unter Autotrümmern begraben.

Zwei Schwerverletzte bei einem Verkehrsunfall.

Mainz, 29. Mai. (LPD.) Am Donnerstag er­eignete sich auf der Wiesbadener Landstraße zwi­schen Biebrich und Amöneburg ein Verkehrsunfall. Ein Lastkraftwagen wollte, aus Biebrich kommend, kurz vor Amöneburg nach links an die dortige Güterrampe einbiegen, als ein in gleicher Richtung fahrender Personenwagen aus Diez (Lahn) überholen wollte. Dem Fahrer des Perso­nenwagens, der mit großer Geschwindigkeit fuhr, gelang die Ueberholung nicht mehr und er bremste scharf ab. Der Wagen geriet ins Schleudern und flog gegen den Hinteren Teil des Lastkraftwagens. Die beiden Insassen des Personenwagens wurden schwer verletzt aus dem stark beschä­digten Wagen herausgezogen und ins Biebricher Krankenhaus gebracht. Nach den bisherigen Fest­stellungen trifft den Fahrer des Lastkraftwagens keine Schuld.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 1230 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach­mittag geschlossen.

Araber,

üstensand und Automobile.

Re.senotizen von einem Kluge nach Tripolis.

Von Or. Hans Bollmann.

©.jf.-ifportf

Ausruf

für das Deutsche Iugendfest.

Berlin, 30. Mai. (DNB.) Für das vom 8. bis 21. Juni ftattfindende Deutsche Jugendfest haben die Unterzeichneten folgenden Aufruf erlassen:

Das 3. Deutsche Jugendfest im Jahre 1935 hat zum erstenmal über die körperliche Leistungs- f ä t) i g f e i t der gesamten deutschen Jugend Auf­schluß gegeben. Wir haben das Recht, auf diese Jugend stolz zu sein, und rufen nunmehr imIahre der XI. Olympischen Spiele für den 20. und 21. Juni zum 4. Deutschen Jugendfest auf.

Wir erwarten, daß jeder deutsche Junge und jedes deutsche Mädel an den Start geht. Unsere Jugend soll durch ihr Beispiel und durch ihren Schwung das deutsche Volk mitreißen und für den olympischen Gedanken begeistern.

Sie soll der Welt, die in diesem Jahre ganz beson­ders auf uns blickt, ein Bild unserer Leibes­erziehung geben, die sich am eindringlichsten in der Einheit des sportlichen Wett- k a rn p f e s und der Sonnenwendfeier beim Deut­schen Jugendfest kundtut.

Schließlich ist es unser Wunsch, daß am 20. Juni, dem Tage des Jungvolks, und am 21. Juni, dem Taae der Hitler-Jugend, sich die ganze deutsche Ju­gend kameradschaftlich in hartem, sportlichem Wett­kampf als treueste Gefolgschaft des Führers zusammenfinde.

Der Reichs- und Preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung: Rust.

Der Reichs- und Preußische Minister des Innern: Frick.

Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda: Dr. Goebbels.

Der Jugendführer des Deutschen Reiches: Baldur von Schirach.

Der Reichssportführer: von Tschammer.

Gottfried von Gramm französischer Tennismeister.

(5273,84) und JGSV. (5250,87); bei den Frauen lag Kassel mit 267,775 Punkten vor JGSV. mit 224 Punkten.

Die Olympia-Kandidatinnen brachten trotz der ungünstigen Wetterverhältnisse einige gute Leistun­gen zuwege, wobei allerdings der Wind zu berück­sichtigen ist. Frl. Mauermeyer (München) ge­wann das Diskuswerfen mit 45,04 Meter vor Mol- lenhauer,Hamburg, mit 41,59, Busch39,18, Hagemann 38,34. Die Münchnerin holte sich mit 1,50 Meter den Hochsprung vor Jack (Frankfurt) (1,42 Meter). Die 80-Meter-Hürden wurden von Frl. Seifert (Bres­lau) mit 12,3 Sek. vor Busch (12,9) gewonnen, im Speerwerfen siegte Kahle mit 40,56 Meter.

Das Hauptereignis im Klubkampf der Männer war unstreitig der 800-Meter-Lauf, den Veit-Mün­chen überraschend in 1:53,5 (Jahresbestzeit) vor Hamann-Berlin (1:55,2) und Lang-München (1:56) gewann. Auch die 5000-Meter-Zeit von Ostertag- München mit 15:24,6 Min. ist recht achtbar.

Der Leichtathletik-Vierklubkampf wurde am Pfingstmontag abgeschlossen. Trotz diesmal durch­aus günstigen Wetters kamen die Münchener nicht auf die erhoffte Punktzahl, doch ist zu berücksichti­gen, daß sie einmal zwei ihrer besten Hammerwer­fer infolge Erkrankung zu ersetzen hatten und zum anderen die Staffeln erst am Schluß der Wettbe­werbe gelaufen wurden, als sich schon empfindliche Abkühlung störend bemerkbar machte.

Erwähnenswert sind von den Wettbewerben des Sonntags besonders der 400- und der 1500-Meter- Lauf. lieber 400 Meter lief Hamann-Allianz Ber­lin ein großes Rennen. Auf Außenbahn hatte er schon beim Einkauf in die Gerade einen Vorsprung, den er bis ins Ziel gegen den schnellen Frankfurter Helmle bis auf vier Meter ausdehnen konnte. Ha­manns 48,6 Sek. sind Jahresbestzeit, Helmle blieb mit 49,3 auch noch unter der 50 Sekunden-Grenze. Die 1500 Meter holte sich der Münchener Lang nach hartem Gefecht mit feinem Klubkameraden Leng- dobler, der aber im Endspurt nicht mehr mitkam. Auch Langs 4:02,4 Min. können sich sehen lassen.

In der Gesamtwertung war der Sieg der Mün­chener jedoch nie gefährdet. Mit 12 771,81 Punkten besetzten sie den ersten Platz vor Allianz Berlin mit 12177,03, Hessen-Preußen Kassel mit 11062,91 und JGSV. Frankfurt mit 10 959, 09 Punkten.

Bei den Entscheidungen der französischen Tennis­meisterschaften im Pariser Tennisstadion schlug im Herreneinzelspiel der deutsche Meister Gottfried von Gramm am Pfingstmontag zum ersten Mal den besten Spieler der Welt Fred Perry-England in einem gewaltigen Fünfsatzkampf 6:0, 2:6, 6:2, 2:6, 6:0. Der Deutsche lag jedesmal in Führung, Perry konnte zwar aufholen, verausgabte sich aber dabei so, daß er im letzten Satz nicht ein einziges Spiel buchen konnte. Von Gramm hat damit zum zweiten Male den französischen Meistertitel er­worben.

Reichssportführer von Tschammer und Osten hat an den Deutschen Tennismeister Gott­fried von Gramm folgendes Glückwunschtele­gramm gesandt:Herzlichen Glückwunsch zum Siege gegen stärkste europäische Klasse. Lade Sie nunmehr ein, Deutschlands Farben in USA. zu vertreten."

Handball im Sportsreis Gießen.

1. Feiertag.

To. Katzenfurt To. Orüningen (Aufstiegspiel) 11:11. To. Katzenfurt Jgd. To. Grüningen Jgd. 5:4. To. Dutenhofen To. Gonzenheim (Ts.) 10:9 (9:3). To. Dutenhofen II To. Gonzenheim II 11:6 (4:4). To. Dutenhofen Jgd. To. W.-Nieder- Sirmes Jgd. 4:5 (2:0). Tv. Hörnsheim Tgs.

ffenbach 6:11 (4:2). To. Allendorf (Lahn) Tv. Garbenheim 2:6 (0:2). Tv. Dorlar To. Raun­heim 15:6 (6:5). Tv. Lützellinden Jgd. To. Garbenheim Jgd. 13:7.

2. Feiertag.

A u f st i e g s p i e l e: Tv. Wetzlar Tv. Dörnig­heim 9:7 (3:2). Tv. Grüningen Tv. Allendorf (Lumda) 4:7 (1:3). To. Katzenfurt Tv. Alsfeld 4:14 (2:7). To. Lützellinden Jgd. To. Rutters­hausen Jgd. 21:5 (7:2).

Freundschaftsspiele: To. Wetzlar II Tv. Garbenheim I 6:13 (3:5). Tv. Atzbach Tv. Wißmar 11:6 (8:2). Tv. Dorlar Jgd. To. Burg­solms Jgd. 1:2 (0:2). To. Heuchelheim I Tuspo Butzbach I 15:7 (7:4). Tv. Heuchelheim II Tv. Allendorf (Lahn) I 5:5. Tv. W.-Niedergirmes To. Gonzenheim 10:6 (5:3). Tv. W.-Niedergirmes II Tv. Gonzenheim II 14:2 (8:1).

Leichtathlet,k-Klubkampf in furt.

An beiden Pfingsttagen gab es in F >rt auf dem schönen Sportplatz des JGSV nffurt

einen Leichtathletik-Vierklubkampf, dessen misse

für die Deutsche Vereinsmeisterschaft ger wur­den. 1860 München, Allianz Berlin, Hessen ßen

Kassel und der veranstaltende JGSP. F. n mrt am Main waren die Teilnehmer. Der Besuch hielt sich in ansprechenden Grenzen, doch störte ein star­ker Nordwestwind empfindlich. Trotzdem gab es be­sonders bei den Läufen zum Teil ausgezeichnete Ergebnisse. Zu gleicher Zeit wurde zwischen JGSV. und Hessen-Preußen Kassel ein Frauenklubkampf durchgeführt, in dessen Rahmenprogramm auch einige unserer Olympia-Anwärterinnen Kämpfe be­stritten.

Bei den Männern führt nach den Kämpfen des ersten Tages 1860 München klar mit 6085.07 Punkten vor Allianz Berlin (5740,33), Kassel

Zwei Siege der Hockey-O»ympiaelf.

Deutschland Schweiz B 2:0 (2:0).

Im Rahmen des Silberjubiläums-Turniers des HE. Wacker München wurde am Pfingstsonntag bei kühlem und regnerischem Wetter im Münchener Dante-Stadion vor rund 3000 Zuschauern das Hockeytreffen zwischen der Deutschen Olympia-Elf und der Schweizer National-B-Mannschaft durchge­führt.

Die deutsche Mannschaft war recht gut, konnte aber bei der ausgezeichneten Verteidigung der Geg­ner kein höheres Ergebnis herausholen. Pon An­fang an bestimmte die deutsche Mannschaft das Spiel und war klar überlegen, so daß die Schwei­zer nur selten vor das deutsche Tor kommen konn­ten. In der 7. Minute kam der rechte Flügel gut durch, Stimme! gab den Ball an Kubitzki, der freistehend einschoß. Auch im weiteren Svieloer- lauf war das Schweizer Tor oftmals in Gefahr, aber Brunner hielt die unglaublichsten Sachen. Noch vor der Pause fiel der zweite Treffer für Deutschland aus einer Strafecke, die Cuntz zum 2:0 verwandelte. Nach der Pause war das Treffen anfangs ausgeglichener, bann behielten wieder die Deutschen die Oberhand und schafften vor dem Schweizer Tor die brenzligsten Situationen. Brun­ner war aber nicht zu überwinden. Selbst einige recht gefährliche Eckbälle konnten nicht verwandelt werden. Schließlich siel für Deutschland noch ein drittes Tor, das aber wegen Abseits nicht gegeben werden konnte, so daß es beim 2:0 blieb.

DieHarzrundfahrt"-e ngroßerErfolg

Arenls nutz Scheller die Sieger.

DieHarzrundfahrt", eine der populärsten deut­schen Straßenfernfahrten, hatte am Pfingstsonntag einen schönen Erfolg zu verzeichnen. Ungemein groß war das Publikumsinteresse und auf den schweren Steigungen der Harzberge lieferten sich die Fahrer erbitterte Kämpfe. Sieger im Lager der Ama­teure wurde der jetzt in Schweinfurt beheimatete ehemalige" Nürnberger Scheller, der sich schon am vergangenen Sonntag in die Siegerliste von ..Rund um die Hainleite" einzeichnen konnte. Bei den Berufsfahrern hatte der schnelle Magde­burger W e ck e r l i n g das Ziel als Spurtsieger passiert, doch auf einen Protest wegen unerlaubter Hilfe durch Geyer hin wurde er nur auf den vierten Rang gesetzt. Arents gewann so vor Umbern Hauer, Roth und Weckerling.

Hoher deutscher 'ftadsieg.

Die Schweiz in Singen 16:9 geschlagen.

Die besten Amateur-Bahnfahrer Deutschlands und der Schweiz standen sich am Pfingstsonntag zum dritten Male in einem Länderkampf in Singen gegenüber. Die Deutschen gewannen sämtliche Wett­bewerbe und triumphierten im Gesamtergebnis hoch mit 16:9 Punkten Erfreulich war, daß Welt­meister Merkens seineschnellen Beine" wieder­gefunden hat, er holte sich nicht nur das Mal­fahren, sondern dazu auch noch das Zeitfahren. Beide Male belegte der Schweizer Meister Wägelin den zweiten Rang.

Wer viel Zeit hat und trotzdem immer in Eile zu sein vorgibt, wirkt lächerlich. Wer aber in das Tempo und die Hetze unserer Tage eingespannt ist, kann mit Hilfe unserer modernen Verkehrsmittel immer noch Zeit genug gewinnen, um schnell einen Blick in die weite Welt zu tun. Unsere Jugend­sehnsucht nach Reisen in ferne Länder findet heute frohe Erfüllung. Selbst zu einem Besuch des schwarzen Erdteils bedarf es heute keiner besonderen Entschlüsse mehr, keines Panthersprungs und keiner Expeditionssorgen. Ein kleiner Sprung nach Afrika ist heute nichts anderes als eine flug- planmäßige Angelegenheit. Nach dem Frühstück Start in Tempelhof, Zwischenlandung in München, in 5000 Meter Höhe über die Alpen, ein Blick auf den Canale Grande und die Markuskirche von Venedig und wenige Stunden später am Spätnach­mittag ein Bummel durch die Frühlingsstraßen von Rom. Eine abendliche Rundfahrt durch die mond­überglänzte Stadt vermittelt ein eindringlicheres Repetitorium, als es ungezählte Latein- und Ge­schichtsstunden je vermochten. Um dieser einen Stunde willen sei allen denen verziehen, die uns einst vor eingetrockneter Gelehrsamkeit die erhabene Größe dieser ewigen Stadt nicht sehen ließen. Das moderne Rom atmet den Geist des alten Impe­riums. Ordnung, Disziplin und Sauberkeit sind der äußere Ausdruck dessen, was der Faschismus der Bevölkerung seiner Hauptstadt an innerer Haltung gegeben bat. Ueberraschend die strenge Regelung des lebhaften Verkehrs, die von jungen, drahtigen Beamten in schwarzem Tropenhelm und weißen Handschuhen mit liebenswürdiger Bestimmtheit ge­übt wird. Kein Hupenlaut der ungezählten Auto­mobile, als wollte man die Ruhe der großen Zeu­gen geschichtlicher Vergangenheit, die uns hier auf Schritt und Tritt begegnen, nicht stören.

Auf gepflegter Autostraße führt uns am nächsten Morgen der Weg nach dem Seeflughafen Ostia. Wie'bunte Vögel liegen die Wasserflugzeuge der Ala Littoria im Hafen an der Tibermündung. Bunt nicht allein aus Freude an der Farbe; sollte einer auf dem weiten Flug nach Afrika niedergehen müssen, so soll er auf den Wellen des Mittelmeeres leichter erkennbar fein. Gnau Strich führt die Strecke von Ostia an Neapel vorbei über die Straße von Messina nach Syrakus. Hier fesselt uns nicht so sehr das Mittagsmahl nach echt italienischer Küche mit Risotto, Spaghetti und ersten Walderd­beeren. An jeder Wand der Fliegerschuppen und Dienstgebäude des großen Hafens stehen in hohen, schwarzen Lettern lapidare Aussprüche des Duce. Jeder der vielen jungen Fliegersoldaten wird so täglich und stündlich an das gemahnt, was er sei­nem Volk und Staat schuldig ist. Weiter führt der Flug an der Ostspitze von Malta vorbei, das sich einsam und drohend aus dem Meer erhebt. Nach wenigen Stunden zeichnet sich die Küste Afrikas am Horizont ab. Als das Flugzeug in weiter Kurve über Tripolis dahingleitet, erscheint der schwarze Erdteil zunächst einmal blütenweiß. Die weißen Rechtecke der Häuser und die hellen Kuppeln der Araberniederlassungen und Moscheen leuchten aus dem Grün der Strandanlagen.

*

Nach der Landung bleibt nicht die Zeit, wie einst Scipio es tat, einHabeo te, Africa (Ich habe dich, Afrika) auszustoßen. Ein Gewimmel zerlump­ter Araber- und Negerjungen, nach Centesimi und Zigaretten lüstern, umschwirrt den Reisenden. Vom hellsten Braun bis zum tiefsten Schwarz ein ver­wirrendes Völkergemisch. Zwei grundverschie­dene Welten stoßen hier aufeinander. Elegante Hotels neben armseligen Eingeborenensiedlungen, modernste Stadtviertel neben in Jahrtausenden ge­wachsener arabischer Baukultur, auf neuzeitlicher Asphaltstraße das Luxusauto neben dem schwer be- pakten Esel und der Kamelkarawane; Am Abend beherrschen Frack und ordengeschmückte Uniformen das gesellschaftliche Bild auf vornehmen Terrassen, während draußen auf den Straßen und in den Vierteln der Araber die Eingeborenen in der Tracht ihrer Väter ihr Dasein fristen. Das alles find in die Augen springende Gegensätze und doch auch wie­der Zusammenhänge, über die ein vo.schnelles Ur­teil nach kurzem Aufenthalt nicht gegeben werden kann und auch nicht gefällt werden darf.

Im Straßenbild von Tripolis herrscht die Uniform. Weiße und farbige Soldaten, Marine, faschistische Miliz, uniformierte Beamte und uni­formierte Jugend zeigen eindeutig, wer hier Herr im Lande ist. Wenn am Abend in stolzer Haltung unter klingendem Spiel die Wache aufzieht und

mit Sonnenuntergang die Flagge am GafteTIo nte* dergeholt wird, verkündet ein Kanonenschuß, daß der Vehrkehr eine Minute zu ruhen hat. An jedem Abend das gleiche Bild. Unbeweglich stehen die Menschen entblößten Hauptes auf Straßen und Plätzen, und irgendwo in der Ferne verklingt ein Giovinezza. Nicht nur im Bau von Krankenhäusern, Schulen und Kasernen verkörpert sich der Wille des Kolonisators, der bezwingende Einfluß Roms auf die Menschen ist unverkennbar. Wer die Begeiste­rung der Massen beobachtet hat, wenn eine Rede des Duce durch Lautsprecher übertragen wird ober die Kapelle vor dem Kaffeehaus an der Post in Tripolis das Adualied immer und immer wieder spielen muß, erkennt sehr bald, daß hier selbst unter Einbeziehung des südländischen Temperaments sich unwägbare Kraftströme auswirken.

*

Balbo, der Generalgouverneur von Lybien. Der erst 39jährige herrscht nicht nur mit harter Hand, er ist auch beliebt. Wenn er repräsentiert, dann tut er es mit all dem Glanz und der Pracht­entfaltung des Orients. Ein abendlicher Empfang in seinem Palazzo erscheint wie ein seltenes Blatt aus einem Märchenbuch. So haben wir uns als Kinder den Schauplatz der morgenländischen Geschichten aus 1001 Nacht vorgestellt, was hier zu kaum zu beschreibender Wirklichkeit wird. Por dem Palast halten unbeweglich auf edlen arabischen Schimmeln seine afrikanischen Reiter. Auf den Freitreppen und unter den grünen Bogen der Hecke im Park salu­tieren sporenklirrend die Söhne der Wüste im Schmuck ihrer roten Mäntel vor den Gästen des Marschalls. Schöne Frauen und Offiziere in glän­zenden Uniformen promenieren im Garten an bun­ten Springbrunnen vorüber, und über allem leuch­tet der afrikanische Himmel, der diesem Märchen erst den rechten Zauber verleiht.

Inmitten der italienischen Propagandaschlacht wahrt der Araber unbeirrt die geheiligten Sitten der Väter. Im Araberviertel sind die einzelnen Handwerke geschlossen beheimatet. Die Gassen der Teppichweber, die Schuster, der Kupfer- und Silber- schmiede geben ein unverfälschtes Bild arabischen Lebens. Mit primitiven Werkzeugen schaffen sie kunstvolle Arbeiten, die wie die Architektur und die Tore ihrer Häuser den Sinn dieses Volkes für das Ornamentale offenbaren. Frei aus der Hand ent­stehen wundervolle, gleichsam als Erbgut über­kommene Muster. In den Suks, die nach den Stämmen und Landesprodukten ihre Namen tra­gen, blüht der Handel. Für Vieh, Felle und Früchte ersteht hier der Kamelreiter und der Eseltreiber Töpfe, Stoffe, Schmuck und was ihm sonst an Be­darfsartikeln fehlt, um dann in tage» und wochen­langen Märschen seiner Wüstenheimat wieder zu- zustreben. Die Zeit ist für ihn fein Begriff in einem Lande, dessen Ruinenstädte, wie etwa Leptis Magna (125 Kilometer östlich von Tripolis), vor über 2500 Jahren gegründet, noch heute eine eindringliche Sprache reden vom Blühen und Vergehen machtvoller Reiche und hochentwickel­ter Kulturen.

*

Den Menschen von heute mahnt das Ehrenmal für die bei der Eroberung Libyens gefalle­nen Träger der Medaglia doro, die unserem Pour le m^rite entspricht, an die Toten dieser Tage. Als ein Sinnbild des vorwärtsstürmenden Lebens steht dagegen draußen in der Oase die nach modernsten Gesichtspunkten gebaute Tribüne der Autorenn­bahn. Unter dem weißen, frei tragenden Dach finden 20 000 Zuschauer Platz und Schatten. Ihre verchromten Geländer glänzen in der Sonne, ihre von deutschen Technikern gebaute Signalanlage gibt Auskunft über Sieg oder Niederlage. Ein be­glückendes Gefühl, daß an diesem Vorposten der Zivilisation auch in diesem Jahr deutsche Fah­rer und deutsche Wagen ehrenvoll bestehen konnten imGroßen Preis von Tripolis". Ihre Gegner waren die gleichen, wie sie hier seit Jahr­tausenden dem Eroberer entgegentraten: der zer­mürbende Sandsturm und die Hitze, die den Men­schen anspringt wie ein wildes Tier. Wer aber denkt noch daran, wenn am Abend nach dem Siege der Wind vom Meere kühlend herüberweht und der strahlende Sternenhimmel Afrikas Stabt und Land in seinen Zauber zwingt! Und so verstehen wir auch die alten Afrikaner, die eine Sehnsucht nach jenen afrikanischen Nächten lebenslang im Herzen tragen, auch wenn sie längst im hohen Norden wieder heimisch geworden sind.