Nr. 281 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für OberWen)vienstag, (.Dezember 1956
„Ein guter Diener und ein böser Herr."
Das Geld in Volkstum und Wirtschaft/ in Spruch und Brauchtum.
Von Werner Lenz.
V. A. Die Metallmünze ist in deutschen Gauen _ wie auch bei fremden Völkern — ein nicht gar zu altes Zahlungsmittel. Aber Jahrtausende vor der Benutzung gemünzten Goldes, Silbers und Kupfers hatten unsere Vorfuhren doch bereits Wertmesser, die dem Handelsverkehr eine breitere Grundlage gaben, als es der noch viel ältere Tauschhandel vermochte. Galt im Tauschverkehr nur das eine Tauschobjekt im jeweiligen Verhältnis zum andern Tauschgegenstand, so ist „Geld" etwas, das innerhalb eines gewissen Gebietes ständig „gilt". Finden wir den Begriff „gelt“ — althochdeutsch — oder „jelt“ — altfriesisch — in altgermanischen Sprachdenkmälern, fe ist damit noch nicht Münzgeld, sondern „Leistung" oder „Gegenwert" zu verstehen. Im Langobardischen gab es beispielsweise das Wort „launegild“, das bedeutet „Lohnentgelt", also die Gegenleistung für geleistete Dienste. Noch Walther von der Dogelweide bezeichnet mit dem Worte „gelt“ eine Schuld: „nun grozer gelt ist abe geslagen“ (meine große Schuld ist abgeschlagen, vom Kerbholz getilgt).
Hören wir vom „Wergeld", althochdeutsch were- gelt, so ist darin ein Ersatzanspruch für erlittenen Schaden — Tötung, Eigentumsverletzung — zu verstehen. Und eben daraus entwickelte sich der Begriff „Geldwert", „Preis"; denn alte Rechtsgrundsätze setzten solche Werte genau fest. Für die Tötung eines Freien mußten soundso viel Stücke Vieh oder Spangen Goldes gegeben werden, um die Blutrache — oder später die gerichtliche Sühne — abzuwenden. Wir sehen hier gleich, in welchen Stoffen die Geldwerte errechnet wurden. Gerade das „kugildi“, das Kuhgeld, spielt eine bedeutende Rolle im altgermanischen Rechtsleben. Außer den Metallspiralen war beliebte Gegengabe — z. B. beim Kauf oder aber als Geschenk an Gesolgs- mannen — der Ring. Mit der Zeit stellte man sehr rohe Ringe — die sich ihrer scharfen Kanten halber gar nicht zum Tragen eigneten — massenweise her, nur um sie als Zahlungsmittel zu verwenden. Waren ehedem bronzene Sicheln und kupferne Doppeläxte Dinge von Gebrauchs- und Geldwert, so verfertigte man sie bei steigendem Handelsbedarf schon vor Jahrtausenden in Mengen als „Stückgeld". Natürlich trat nun die Gebrauchsfähigkeit völlig zurück; es war schlechte Serienware, was die Form, Wertmetall, was den Stoff anbetrifft; und es ist bei alten Funden ein Zeichen, daß wir es mit echtem „Gerätegeld" zu tun haben, wenn der Gegenstand in „Kümmerform" — also gebrauchsunfähig — erscheint, wie z. B. die Sicheln so klein und die Aexte so schwach waren, daß sie keinen praktischen Zweck erfüllen können. Hacksilber wurde als Geld verwogen. Käse wurden in christlicher Zeit als Zins gezahlt, in Rund- und Backsteinform. Bei den Friesen wurde weit ins Mittel- alter mit dem „vadmal“, dem Tuchmaß, bezahlt, Tuchstücken von bestimmter Größe und Güte. Dabei mag von unseren nordischen Nachbarn erwähnt sein, daß man in Telemarken bis fast zur Neuzeit nach Tierfellen rechnete; und auf den Färöer zahlte man bis 1836 mit Schaffellen zum Kurssatze von 1/24 Speziestaler fürs Stück. In Island hieß die Umlaufmünze „fisk“, nach dem Trockenfisch, mit dem man zahlte — nicht tauschte —; und ein „Nahrungsmittelgeld" hat sich auch in Ostfriesland und an der Unterelbe noch bis 1793 erhalten. Als Strafmaß für Versehen erscheint im Deichregister die Tonne Bier. Erst später wurde der Umrechnungswert in Talern dazugesetzt. Dieses „Dazusetzen" eines Münzbetrages zu geldwerten Gegenständen ist es gewesen, was in viel älterer Zeit „Richtpreise" für marktgängige Ware schuf. Im Görlitzer Landrecht finden wir die Viehwerte in Münzgeld umgerechnet, wenn mit solchem die Tötung oder Fortnahme eines Tieres — anstatt
mit Naturalersatz — gutgemacht werden sollte: „Einis lambis iLammes) gelt, daz sind vier phen- ninge, des scnafis achte, einis jarigen swinis drie Schillinge“.
Die Ueberleitung vom Naturalgeld zum Kunst- g e l d beruht auf der Tatsache, daß manche — und wohl die ältesten — Münzeinheiten Gewichte waren. Wie England heute noch das „Pfund" hat, so haben wir die „Mark"; sie war ehedem ein altdeutsches Gewicht von Halbpfundschwere. Andere Geldarten haben andere Namensentstehung. Der Pfennig — althochdeutsch phantinc, pfenninc — hat die gleiche Wortwurzel wie „Pfand", ist also „Wertsicherung". Der Gulden ist ursprünglich ein „guldin pfenninc“. Der Schilling hat seine Bezeichnung von althochdeutsch „scillin“ aus „scellan“, d. h. schellen, klingen. Der Groschen ist der „dena- rius grossus“, der Dickpfennig; Dukaten wurden unter der Münzhoheit des Herzogs — dux, duce — geschlagen. Auf dem Kreuzer war ein Kreuz. Der Heller (Häller) ist der „Händleinpfennig" aus Schwäbisch-Hall, eine überaus beliebte Silbermünze des 13. Jahrhunderts. Der Taler heißt nach dem „Joachimstaler Gulden", einer märkischen Münzprägung.
Zahllose Verpflichtungen wirtschaftlicher Art erfüllte man durch Geldhingabe schon in alter Zeit, woraus eine Vielfältigkeit bereits der altdeutschen Wirtschaftsverhältnisse zu entnehmen ist. Das „widergelt“ ist die Rückzahlung, etwa eines Darlehens. Torgeld, Sperrgeld, Marktgeld, Brückengeld, Waaggeld, Wachgeld mußten der Bauer und der Handelsmann entrichten oder wer sonst zu Markte zog oder die Lande durchquerte. Wassergeld ist bei uns Brückenzoll oder Fährgeld, denn so schlimm war es nicht in deutschen Landen, wie es W e r ni k e 1704 von unserm Nachbarn schildert:
„Es macht in Frankreich viel Geschrey, als man daselbst das Wasser schätzte und ein gewisses Geld auf alle Brunnen setzte". Ein „Nadelgeld" bekam die Tochter vermögender Leute; der Lehrling mußte „Lehrgeld" bezahlen; und wenn er sich als Meister später niederließ, entrichtete er zur Aufnahme in die Innung ein „Werkengeld". In uralter Zeit mußte der Käufer eines Gehöftes — außer der sonstigen Kaufsumme — der Frau des Verkäufers ein „Herdgeld" für Abtretung der Herdgewalt zahlen. Gibt man heute ein „Trinkgeld", so wirkt das etwas lächerlich, wenn man es einem Mädchen gibt, das im seltensten Falle diese Gabe „vertrinken" wird; viel geschmackvoller sagte man im Mittelalter dafür „Seifengeld". Und auch wenn ein Bote eine Nachricht brachte, so reichte man ihm ein „Badgeld", damit er sich nach dem heißen Ritte erquicke. In Baden gab ehedem der Bräutigam bei der Verlobung seiner Braut ein Goldstück — womöglich eine seltene Münze. Das ist ein Rest des alten „Treugeldes", das auch bei andern Verträgen — denn das ist eine Eheverab- redung — gezahlt wurde, z. B. der Mietzahler oder das Draufgeld bei Gesindeanstellung und beim Diehhandel. Der „Ehetaler" wurde anderwärts erst am Tage der Hochzeit geschenkt. Er galt als heilig, sein Verlust — auch wenn er ausgegeben werden mußte — bedeutete Unheil.
Bei der großen Wichtigkeit des Geldes im Wirtschaftsleben ist es gar kein Wunder, daß unzählige Bräuche, zahlreicher Aberglauben sich um das „liebe Gel d" ranken. Den „Heckpfennig" hätte gern jeder, denn er macht mühelos reich. Wer ihn nun leider nicht hat, soll — nach altem Volksglauben — feine Barschaft bei zunehmendem Monde zählen, dann nimmt sie auch zu. Wer Schlag 12 in der Silvesternacht mit einem Geldstück in der Hand vom Tische springt, bat das ganze Jahr Geld genug. Nicht nur beim ersten Kuckucksruf, sondern auch beim ersten Gewitter des Jahres soll man seine ■ i ■ ■ in ii ii—am
Geldbörse schütteln. Ins erste Bad eines Kindes warf man früher eine Münze, damit das junge Menschlein im Leben dereinst fromm, sparsam und glücklich werde. Die Westgoten zeigten einem Knaben, der demnächst sieben Jahre wurde, einen Apfel und ein Geldstück zur Wahl; griff er nach der Münze, so war er gescheit genug, so daß nunmehr die Erziehung durch die Männer der Sippe erfolgen konnte; andernfalls blieb er noch eine Weile am Schürzenzipfel der Mutter hängen. Das Anspucken des am Arbeitstage erstverdienten Geldes ift — als segensbringend — weitbekannt. In Schlesien sagt man dabei noch: „Pui, pui, hol mehr!" Halldgeld vom Junggesellen bringt besonderes Glück. Am Weihnachtsmorgen legt noch heute so mancher Bauer eine Münze in den Wassertrog des Viehes; dann gedeiht es; die Kuh kalbt leicht und milcht gut. Am Neujahrsmorgen nimmt der Hofeigner die Münze mit in die Kirche und legt sie in den Klingelbeutel. Am Heiligen Abend — oder zu Silvester — steckt man Pfennigstücke in die Rinde der Obstbäume als „Geschenk", das jene nun mit gutem Fruchtertrage vergelten.
Wie besinnlich unser Volk feit alters den Segen ober auch den Unsegen des Geldes anschaut, das bezeugen viele Sprichwörter: „Geld ist ein guter
Diener, aber ein böser Herr". Das wird immer so sein; denn der Mensch kann nur von dem Dinge Segen haben, das er mit Vernunft gebraucht. So heißt es denn anderwärts zutreffend: „Geld will einen guten Vormund haben". Ein alter Vers be- ftätigt solche Erfahrung:
„Reich ist, wem dient sein Geld, Arm ist, wer dient dem Gelbe".
Immerhin stimmt es schon: „Geld im Handel ist wie Seel im Leibe"; und trotz seiner bewußt humorvollen Uebertreibung hat auch dieses uralte Wort recht: „Ein mann ohn gelt is ein tödtliche Leich". Ja, selbst ein Hohlkopf kann durch Geldbesitz zu Ansehen oder doch zu Einfluß kommen. Denn „bas Gelb, bas stumm ist, macht grab, was krumm ist." Aber ber bummerhaste Protz macht sich auch lächerlich: „Wo Gelb ist, ba ist auch Ehre", sagte ber Frosch, als er sich aufblies und auf einen Heller satzte! (setzte). Ebenso drastisch sagt das Sprichwort: „Für Geld bekränzt man einen Esel". Dennoch ist Geld eine Macht, denn Geld ist ber Mittler ber Wirtschaft hier auf Erben. Doch einmal ist auch diese Macht vorbei; sagt doch der Volksmund voll schlichter Weisheit: „Geld öffnet alle Türen außer ber Himmelspforte".
Die Jagd im Dezember.
Dezemberjagb — Winterjagb im schneeverhängten Walb auf Kahlwilb unb Sauen, auf Fuchs ober Has-Treiben über Wiese unb Sturz, Pirsch ober An- ftanb am eisklirrenben Bach. So muß die Dezemberjagb sein, wenn sie bem Jäger wirklich Freube machen soll. Aber nicht nur um seiner Freube, fonbern auch um bes Wilbes willen brauchen wir einen Winter, ber biefen Namen wirklich verbient unb nicht einen, ber sich nur kalenbermäßig feststellen läßt. Dauernb milbe Winter schaffen einen Wilbstanb, ber nicht wiberstanbsfähig genug ist, weil bie natürliche Auslese fehlt.
Leiber hat sich ber hinter uns liegenbe Herbst schon unerfreulich genug angelassen! Die Aussichten auf eine gute Hasenjagb schienen noch im September gegeben zu sein. Damals traf man bei ber Hühner- jagb Junghasen in Menge an, wenn auch in einzelnen Revieren schon bamals bas Frühjahr mit seinem ungünstigen Verlauf nicht ohne Einfluß geblieben zu sein schien. Die nassen Herbstwochen haben leiber bie Hoffnungen stark heruntergebrückt. Denn es entwickelte sich bas gleiche Vilb wie im Jahre 1930. Auch bamak schien ein gutes Hasenjahr bevorzustehen, bis ber Regen einsetzte unb nicht enben wollte. Dann fanb man überall bie eingegangenen Hasen, 20 bis 30 Stück in einzelnen Revieren, unb zwar wie heute fast alles geringere Hasen von biesjährigen Sätzen, bie vollkommen abgemagert waren. Wenn sich Reoierinhaber, bie selbst nicht viel in ihr Revier kommen, einmal bei Bauern, Förstern ober Schäfern umtun wollen, werben sie erfahren, woher bie geringen Strecken bieses Jahres zum größten Teil kommen. Im Walb unb Feld sind bie Üeberrefte ber eingegangenen Hasen, burch Fuchs ober Krähe oft verschleppt, zu finden. Als Ursache des Eingehens kommt, wie Fallwilduntersuchungen ergeben, vor allem die Kokzidiose in Frage, die, wie in Kaninchenställen, vor allem Jungtiere befällt und oft ganze Würfe vernichtet. Kleine tierische Schmarotzer in der Darmschleimhaut oder in den Gallengängen rufen sie hervor. Daneben mag, wie 1930, auch die sog. Pseudotuberkulose der Nagetiere eine Rolle spielen, hervorgerufen durch einen Spaltpilz, der mit der Losung des Hasen nach außen gelangt. Werden nun bestimmte Aecker, etwa Wintersaat am Waldrande, gern und oft von Hasen zur Aesung aufgesucht, so ist die Möglichkeit der Infektion sehr groß. Dieser Krankheitserreger tritt immer bei feuchtem Wetter verstärkt auf unb kann außerorbentliche Verluste Hervorrufen. Sodalb aber bas Wetter trockener wirb, weil Frost bie Feuchtigkeit binbet, ober wenn gar eine Schneebecke sich über bie Erbe legt, bann gegen bie Eingänge sofort zurück. Hasen,
bie über bie Kokzibiose glücklich hinweggekommen sinb, ohne baran einzugehen, werben übrigens immun bagegen, wie bas auch bei Kaninchen ber Fall ist. Daraus mag es sich erklären, daß im wesentlichen Junghasen eingehen.
Was kann der Jäger dagegen tun? Leider wenig. Die Stärke, mit der die Krankheiten auftreten, ist durch die Witterung bedingt, auf die der Mensch keinen Einfluß hat. Alle Bekämpfungsmittel können bei Erkrankungen freilebender Tiere nur bedingt und in gewissen Grenzen ihr Ziel erreichen. Was erreicht werden soll, ist, der Verbreitung ber Erreger möglichst einen Riegel vorzuschieben. Es ist besroegen angebracht, mit flüchtigen Hunben bas Felb abzusuchen. Erkrankte Hasen sinb immer matt unb werben meist leicht von Hunben gegriffen. Auch ein ausgiebiger Abschuß wirb von Olt-Ströse in „Wilbkrankheiten" für notroenbig erklärt, wobei darauf hinzuweisen ist, daß gegen die Verwertung der geschaffenen Hasen keinerlei Bedenken bestehen. Besonders gefährlich ist gleichgültiges Verhalten gegen Fallwild. Eingegangene Hasen sind zu sammeln und an einer Stelle zu verbrennen, ober tief zu vergraben. Dabei ist burch Verwittern Vorsorge zu treffen, baß Raubwilb sie nicht roieber ausscharrt. Dem Fuchs bürste bei bem Wegfangen ber kranken Hasen auch eine gewisse Bebeutung zukommen. Es wäre aber verfehlt, ihm auch bie Beseitigung bes Fallwilbes zu überlassen. Fuchs wie Krähe verschleppen ihre Beute, nachbem sie biese vorher zerrissen unb zerhackt haben, unb verbreiten daburch bie Krankheitskeime.
Leider muß auch von Verlusten unter Rehwild berichtet werden. Es scheinen vor allem Kitze zu sein, die gefunden werden. Verschmierte Spiegel Deuten auf bie gleichen Krankheitserreger hin, bie im feuchten Frühjahr oft starke Einbußen bebingen.
Gegenüber biefen für ben Jäger sehr schmerzlichen Erscheinungen, bie seine ganzen Berechnungen
Nur in sich selbst erlebt der Mensch das Wunderbare. Perlender Schaumwein frei« gert die Freude am Erlebnis und beflügelt die Fantasie.
SCHAUMWEIN '■&cinat fcoKsinn!
„Zwischen Abend und Morgen."
Gloria-Palast.
Dies ist ein Jrnperialfilm im Ufaleih, eine französische Produktion: Marcel L'H e r b i e r und Charles Spaak schrieben das Drehbuch nach einem Roman von Claude F a r r ö r e. Zwischen Abend und Morgen, in einer nebligen Nacht, vollzieht sich das Schicksal bes französischen Kreuzers „Alma". Am Abenb hat der Kommanbant, Kapitän be Corlaix, zu einem Bordfest eingelaben. Nach ein paar Stunden muß ber Ball vorzeitig abgebrochen werben: ber Kreuzer hat Befehl zum Auslaufen erhalten, um einen Aufstanb unb ein auf ber Seite ber Aufständischen Fämpfenbes Meuterer- schiff zu bekriegen. Die weiblichen Gäste verlassen den Kreuzer, auf bem man alle Vorbereitungen trifft, ben Hafen zu verlassen. An Bord bleibt, infolge eines unglücklichen Zufalls, außer ber Besatzung nur eine Frau, bie junge Gemahlin bes Kommanbanten, Jeanne be Corlaix: sie hat in einem erst diesen Abend an Bord kommandierten Offizier, Oberleutnant d'Artelle, einen guten Freund wierdererkannt; be Corlaix weiß nichts von dieser früheren Bekanntschaft; Jeanne leugnet auch, ihn zu kennen, sucht aber heimlich eine Aussprache mit d'Artelle bie bieser ablehnt. Jeanne wirb von b'Ar- telles Burschen irrtümlich in besten Kammer emge» schlossen. Inzwischen läuft der Kreuzer aus. Spater findet d'Artelle zu seiner Bestürzung Jeanne m seiner Kammer,- faßt sich aber und macht ihr, bie ihrem Mann alles gestehen will, klar, daß man dem Kommandanten Jeannes Anwesenheit verheimlichen müsse; er hofft sie morgens heimlich in Bi- ferta ausbooten lasten zu können. Jeanne bleibt also in schrecklicher Angst in d'Artelles Kammer. Vom Ausbooten ist am Morgen keine Rede mehr: das Schiff ist in Nacht und Nebel auf ben meuternden Kreuzer gestoßen, hat ihn nach schwerem Gefecht versenkt, ist aber selbst burch einen lorpebotreffer im letzten Augenblick zum Sinken gebracht worden. Unter ben Geretteten befinben sich Jeanne, Der Kommanbant, ber noch immer nicht weiß, baß seine Frau an Borb war, und ber erste Offizier, Bram- bourg; b'Artelles ist gefallen. De Corlaix, ber bis -uletz't auf seinem Schiff blieb unb später verwundet aufgefischt würbe, wird nach seiner Entlassung vor ein Kriegsgericht gestellt: man macht ihm den Prozeß, weil er das Feuer zu spat eröffnet habe er behauptet, er habe von bem im Nebel östsiachst unerkennbaren feindlichen Schiff französische (rrren= nungsjignale erhalten. Brambourg hat sie auch gesehen, kann sich aber, am Kopf verwunbet, nicht mehr erinnern. Alles hängt an seiner Aussage. Da
opfert Jeanne ihre Ehre für bie bes angeklagten Gemahls: sie sagt aus, baß sie beobachtet habe, wie Brambourg bie Signale erkannt habe — Brambourg erinnerte sich jetzt, be Corlaix wirb frei- gesprochen und erhält ein ehrenvolles neues Kommando. Unb auch Jeannes Ehre wirb wieberher- gestellt — burch einen letzten Brief bes fterbenben b'Artelles, ber jeden Schatten eines Derbachtes von ihr nimmt.
Dem beutfchen Betrachter wird im Gesamtaufbau unb in allerlei Einzelheiten manches frembartig Vorkommen, unb er wirb finden, baß der Film feine französische Herkunft — er wird aber von deutschen Schauspielern gesprochen — weder in der Fabel an und für sich noch im theatermäßig stark betonten Darstellungsstil verleugnen kann. Marcel L'H e r b i e r, der bei ber Abfassung bes Buches mitwirkte, führte auch Regie. Seiner Spielführung boten sich — schon vom Stoff her — ungewöhnliche Möglichkeiten: vor allem in ber Wiebergabe bes nächtlichen Kreuzergefechtes (die Aufnahmen erfolgten mit Genehmigung des französischen Marineministeriums) unb später in ber großen Szene vor bem Kriegsgericht, das übrigens in voller Oeffentlichkeit stattfindet. — Darstellerisch zieht A n- nadella in ber Rolle ber Jeanne naturgemäß alle Aufmerksamkeit auf sich. Wir sahen sie hier zuletzt in „Natascha" und „Variete". Es ist schade, daß sie nicht auch die deutsche Fassung selber spricht; dadurch geht doch manches vom ursprünglichen Eindruck verloren; man denke zum Vergleich an „Variete", wo sie mit Albers zusammen spielte. Wer sie dort und in „Natascha" sah und hörte, wird sich eine Vorstellung davon machen können, in welchem Grade sie auch für diese neue Rolle, deren Charakter und Umfang wir anzudeuten versuchten, befähigt erscheint. Besonders charakteristisch für bie Art, wie sie ihre Aufgabe bewältigt, scheinen bie Szenen bes Abschieds von ihrem Gatten, bie Episobe im Lazarett unb zuletzt bie große Gerichtsszene. Die übrigen Darsteller werben bem deutschen Besucher kaum bekannt sein. Unter ben im äußeren Typus unb im Charakter scharf belichteten unb miteinanber kontrastierenden Offiziersgestalten seien genannt: Victor Trancen (be Corlaix), Pierre Renoir (Brambourg) unb Robert Vibalin (b'Artelle). —An ber Kamera: Kruger unb Fossarb. Deutsche Bearbeitung: Elli Rieck.
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Im Beiprogramm: ein technisch bemerkenswerter Farbenfilm; ein Kulturfilm „Im Lanbe ber Königin von Saba" (Helfritz-Expebition nach Sübara- bien i Ma-Tonwoche.
Dr. Hans Thyriot.
Mniher Bomben.
Von Emerich OReecf.
Vorweihnachtszeit bedeutet für bie Stabt Lieg- nitz und ihre Bomben- unb Bombenfplitterfabriken Hochkonjunktur. Von Liegnitz aus find bie Bomben, feine schmackhaften Bomben, über die ganze Welt geroanbert und haben biefem jungen deutschen Weihnachtsgebäck einen Ruf geschaffen, ber bem ber guten, alten beutfchen Weihnachtsgebäcke nicht nachsteht. In bie ganze Welt gehen die Bomben — nach Amerika, nach Afrika. ÜeberaU werden sie geschätzt, unb überallhin kommen jährlich zu Weih- nachbem bie Pakete mit ben köstlichen Liegnitzer Erzeugnisse. Die alten Liegnitzer, bie irgenbroo draußen wohnen, müssen zu Weihnachten ihr Paket mit Bomben haben. Aber auch die ehemaligen Kadetten von Wahlstatt. Denn alle Kadetten, die in Wahlstatt erzogen wurden, sind ben Liegnitzer Bomben verpflichtet. Sie sinb herzlich gern und recht oft von dem nahen Wahlstatt herübergekommen nach Liegnitz, um im „Omnibus" ihren Kaffee zu schlür- fen und sich an den Herrlichkeiten, die die Kunst eines Meisterkonditors und -pfefferküchlers aus dem Ofen hervorzauberte, zu erfreuen. Der „Omnibus" war der mittlere Raum einer kleinen Konditorei in ber Frauenftraße. In bem alten, engen, aber um so traulicheren Caf6 fühlten sich bie jungen Solbaten wohl. Viele hohe Offiziere haben hier in ihren jungen Jahren verkehrt. Selbstverstänblich auch ber Reichspräsident v. Hindenburg, als er Wahlstätter Kabett war. Unb als er 1928 zum letzten Male in Liegnitz weilte, ba entsann er sich sehr wohl ber kleinen Konbitorei.
In bieser kleinen Konbitorei wurden die Bomben im Jahre 1853 erfunben. Der Erfinber war einer ber Gebrüber Müller, benen bie Äonbitorei gehörte. Der Name, ben er seinem Gebäck gab, ist leicht auf die militärische Kundschaft bes Cafös zurückzuführen. Mit „Bomben" gingen bie jungen Solbaten um. Ihrem Kriegshanbwerk zuliebe nannte ber Lebküchler Müller feine neue Erfinbung Liegnitzer Bombe. Er schuf auch bie ungefährlichen „Bombensplitter", ein Gebäck, bas aus bem gleichen Teig wie bie Bomben besteht. Müllers Bomben würben ein Volltreffer. Ganz Liegnitz unb bald auch Schlesien versammelte sich bei „Bombenmüllers". Aus ber kleinen Konbitorei würbe eine „Fabrik". Sie allein konnte bald die Nachfrage nicht mehr bewältigen. Andere Fabriken taten sich auf unb hatten Erfolg. Drei Firmen sind es im wesentlichen, die jetzt die Liegnitzer Bomben Herstellen und versenden. Aber auch alle anderen Liegnitzer Konditoren haben
gelernt, bie Bombe zu machen. Mehr als hunbert Kleinbetriebe verschicken ebenfalls eine sehr beachtliche Menge von Bomben; denn auf keinem schlesische Weihnachtstisch bürfen sie fehlen. So wirkte bie Jbee eines einzelnen sich nutzbringend für sie alle aus.
12 000 Bomben aller Größen stellt in der Vor- weihnachtszeit ein einziger Großbetrieb täglich her. Die größte Bombe heißt „Dicke Bertha" unb hat, wie einst bie echte, einen Durchmesser von 42 Zentimeter. In halbmeterbreite unb vier bis fünf Meter lange Streifen wirb ber Teig, dessen Zusammensetzung streng gewahrtes Geheimnis ist, ausgerollt unb bann mit einer Meschung aus Zitronat, Manbeln, Rosinen unb verschiedenen Gewürzen bestrichen. Nun werben bie Bänber zusammengerollt unb in Stücke geschnitten. In kleinen Würfeln gelangt bie fertige Teigmaste in bie Form. Ist sie gefüllt, so roanbern bie Bomben in ben Ofen zum Backen. Den Schokolabeüberzug erhalten sie von ber Ueberzugsmaschine. Jetzt ist bie Bombe fertig. Sie kommt in ben Packraum, wo Liegnitzer Möbels barauf warten, sie in einen hübschen Karton zu stecken, ihn zu umschnüren unb mit einer Bleiplombe zu verschließen.
Aber nicht nur Bomben unb Bombensplitter kommen aus Liegnitz. Pfefferkuchenmänner mit bunten Bildern unb Weihnachtskrippen aus Lebkuchenteig sind nach wie vor begehrt. Selbst bie alte Kunst ber Zuckerbäckerei lebt noch in ber Katzbachstabt. Buntbemalte Zuckerhühner unb -Hasen usw. haben noch immer ihre Liebhaber. Die Bombe aber hat alle anderen Liegnitzer Gebäckerzeugnisse in friedlichem Wettstreit hesiegt. Unb bas „Bombarbement" mit Leckerbissen aus Honigteig läßt alle Welt sich gern gefallen.
Teure Schnupftabaksdosen.
Bei ber bekannten Kunsthanbelsfirma Christie in Lonbon wurden in ben letzten Tagen wertvolle alte Schnupftabaksdosen versteigert, die hohe Preise erzielten. Der höchste Preis von 5000 Mark wurde für eine feinemaillierte Pariser Dose mit einem Stilleben von Carnet be Bal, aus ber Zeit um 1770, gezahlt. Anbere Dosen derselben Zeit brach- ten 1500 unb 1300 Mark. Für eine goldene ovale Schnupftabaksdose aus der Zeit Ludwigs XV., die emailliert und mit Diamanten besetzt ist, gab em Sammler 4600 Mark. Eine andere goldene ovale Schnupftabaksdose aus der Zeit Ludwigs XVI., auf ber Schlittschuhläufer bargeftellf sind, in einem Goldrahmen mit Perlstickerei, wurde für 3200 Mark verkauft.


