Ausgabe 
31.10.1933 Drittes Blatt
 
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Schöffengericht Gietzen.

Mm gestrigen vierten Derhandlungstag wurde in einer umfangreichen, äußerst verwickelten Betrugs­sache, verbunden mit Konkursvergehen, das Urteil gefällt.

Mngeklagt waren der Kaufmann Josef Oppen­heimer wegen Betrugs in mehreren Fällen und wegen Anstiftung zum Betrug, der Fabrikant 9t Lch. ebenfalls wegen Betrugs, sowie Vergehens gegen das GmbH-Gesetz und die 9ti3O., der Kauf­mann K E. wegen des gleichen Delikts und der ehemalige Bankbeamte (9. W. wegen Betrugs und Untreue. Sämtliche Angeklagten sind aus Butz­bach.

Der Vorgang reicht ziemlich weit zurück. Im Jahre 1928 ging die Firma Oppenheimer, Butzbach, in Konkurs. Konkursverwalter wurde der Angeklagte Sch. Die Abwicklung des Konkurses erfolgte nicht in der üblichen Art, sondern es wurde Im Mai 1930 ein Zwangsvergleich (20 o. H.) ge­schlossen und gleichzeitig eine GmbH, gebildet, die Die Verpflichtung des Gemeinschuldners, Befriedi- gung der bevorrechtigten Gläubiger und Zahlung der 20-v. H.-Tilgungsquote, übernahm. Gesellschaf­ter waren die Angeklagten Sch., E., Oppen­heimer und der Zeuge Sch. Es entstand auf diese Art das seltsame Stadium, daß einerseits der Konkurs noch nicht beendet war, andererseits aber bereits eine bürgerlich-rechtliche Gesellschaft bestand. Sch. war so gleichzeitig Konkursoer- walter und Geschäftsführer der GmbH. Die neugegründete GmbH., die ein halbes Jahr später, nach Beendigung des Konkursverfahrens, Ins Handelsregister eingetragen wurde, erwies sich jedoch als nicht lebensfähig und ging ebenfalls pleite. Den Angeklagten Oppenheimer und Sch. wurde nun zur Last gelegt, die Gläubiger durch Vorspiegelung falscher Tatsachen zu jenem Zwangsvergleich verleitet und sie empfindlich ge­schädigt zu haben.

Die dreitägige Beweisaufnahme ergab, daß das für Oppenheimer auch zutrifft, während Sch. n gutem Glauben gehandelt hatte. Die beiden Ge­schäftsführer Sch. und E. waren außerdem ange­klagt wegen Verstoßes gegen RDO. und dgl., weil sie die Krankenkassen- und sonstigen Beiträge nicht ordnungsgemäß abgeführt hätten, und außerdem wegen Vergehens gegen das GmbH.-Gesetz durch nicht rechtzeitiges Anmelden des Konkurses. Beides konnte den Angeklagten nicht nachgewiesen werden. Darüber fühlten sich die Angeklagten unterein­ander betrogen und eine Reihe von Zeugen durch die Angeklagten. Die Beweisaufnahme er­gab klar und deutlich, daß die treibende Kraft bei allen Manipulationen der Jude Oppenheimer in Butzbach als führender Kommunist bekannt war. Ihm persönlich wurden noch einige Betrugsfälle zur Last gelegt, die ihm jedoch nicht alle eindeutig nachgewiescn werden konnten. Er war es auch, der einen unbescholtenen Bank­beamten, den Angeklagten W., zum Betrug ver­leitete, indem er ihn dazu veranlaßte, ungedeckte Schecks bis zu einer Höhe von mehreren tausend Mark unverbucht zu lassen, um ihm (Oppenheimer) dadurch einen höheren Kredit bei der Bank zu ver­schaffen. Während feine Gläubiger leer ausgingen, steckte Oppenheimer ein Gehalt von monatlich 650 Mark und mehr ein. Er verstand es meister­haft, den Namen des bis dahin unbescholtenen, vertrauensseligen Sch. zu feinen unsauberen Mani­pulationen zu mißbrauchen und noch andere ins Unglück zu stürzen.

Der Staatsanwalt beantragte für Oppen- ftelmtr eine Gesamtstrafe von acht Monaten Ge­fängnis, für Sch. drei Monate und 100 Mark Geld­strafe, für W. sechs Wochen, für E. Freisprechung.

Das Gericht erkannte nach zweistündiger Be- vatung auf eine Gefängnis st rase von ins­gesamt fünf Monaten für Dopen» hclmer, einen Monat für W., Sch. und E. mür­ben sreigesprochen. W. wurde unter Ansetzung einer dreijährigen Bewährungsfrist bedingter Strafauf­schub gewährt.

Bekanntmachungen

Entlassen wurden

mit sofortiger Wirkung aus dem hessischen Staats- dienst auf Grund des § 4 des Gesetzes zur Wieder­herstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933

am 19. Oktober 1933 der Oberrechnunasrat bei der Oberrechnungskammer Johannes Ass,

der Oberassistent beim Amtsgericht in Hirschhorn Jakob Beher,

der Gerichtsassessor Dr. Ludwig Engel beim Amts­anwalt in Gießen;

aus dem Vorbereitungsdienst für den hessischen Staatsdienst:

der Gerichtsreferendar von Friedberg Erich M i - I i u 9,

der Gerichtsreferendar Karl Delp in Darmstadt;

auf Grund des § 2 des gleichen Gesetzes au» dem hessischen Staatsdienst:

der Iustizoberwachtmeister inMain; Josef Stengle;

aus dem hessischen Staatsdienst am 20. Oktober:

der Derwaltungspraktikant Rudolf Heinrich Leh­mann bei der Buchhaltung der Ministerial- Abteilung 1b,

der Amtsaerichtsrat beim Landgericht Darmstadt Julius G i l m e r.

3n den Ruhestand verseht

wurde auf fein Nachsuchen der Rechnungsdirektor bei der Ministerialabteilung II Georg Philipp Metzger,

gemäß § 5 (2) des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 mit Wirkung vom 1 Februar 1934 unter Anerkennung feiner dem Staate geleisteten Dienste.

Ueberfragen wurden

am 14. Oktober 1933: der Lehrerin Erna Como zu Bürstadt, Kreis Bensheim, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Worms;

der Lehrerin Helene D o r y zu Finthen, Kreis Mainz, eine Lehrerftelle an der Volksschule zu Bürstadt, Kreis Bensheim;

der Lehrerin Barbara Eckart zu Nackenheim, Kreis Oppenheim, eine Lehrerstelle an der Volks­schule zu Finthen, Kreis Mainz;

dem Lehrer Heinrich Müller zu Ober-Gleen, Kreis Alsfeld, eine Lehrerftelle an der Volks­schule zu Gießen;

am 17. Oktober dem Lehrer an der Volksschule zu Nieder-Wiesen, Kreis Alzey, Friedrich Schnei­der, eine Lehrerftelle an der Volksschule zu Flonheim, Kreis Alzey;

Sonderzüge nach München zum 9. Jlovember!

75 Prozent Fahrpreisermäßigung.

Von der Gauleitung München-Oberbayern der NSDAP, wird uns nutgeteilt:

Aus Anlaß der Veranstaltungen am 8. und 9. November in München verkehrt zunächst ein Sonderzug von Kassel über Gießen nach Mün­chen mit folgenden Abfahrts- und Ankunftszeiten:

7. November 21.19 Uhr ab Kassel Hbf., * 22.27 Treysa, 22.54 Kirchhain, 23.12 Marburg, 23.46 Gießen, 8 November 10.30 Uhr an München Hbf. 9. November 22.10 Uhr ab München Hbf., G i e 6 e n an 10. November 8.55, Marburg 9.42, Kirch- hin 9.59, Treysa 10.27, Kassel an 11.39 Uhr.

Karten mit einer Fahrpreisermäßigung von 75 Prozent sind bei den örtlichen Dienststellen der NSDAP, erhältlich. Niemand sollte sich diese außer­gewöhnlich günstige Gelegenheit, München zu be­suchen, entgehen lassen. Soweit möglich, wird die Gauleitung Freiquartiere oder verbilligte Unter- kunstsmöglichkeiten bereitstellen. Duartieranmelbun- aen sind zu sammeln und, soweit noch nicht ge- schehen, umgehend dem Quartieramt der Gaulei­tung Müychen-Oberbayern, München, Barerstr. 14, zu melden.

Verbilligte Anschlußfahrten von München aus sind wie folgt vorgesehen: Sonderzug Berchtes-

des Personalamtes.

am 19. Oktober: dem Lehrer Wilhelm Werte zu Esienheim, Kreis Mainz, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Mainz;

sämtlich mit Wirkung vorn Tage des Dienstantritts an.

Zugelasfen ward«:

am 9. Oktober 1933 der Bürgermeister a. D., Dr. Friedrich Dahlem, in Bad Dürkheim zur Rechtsanwaltschaft bei dem Landgericht der Pro­vinz Rheinhessen in Mainz.

3n den Ruhestand verseht wurden

am 14. Oktober 1933: die technische Lehrerin an der Volksschule zu Worms, Margarete Dietz;

die Lehrerin an der Volksschule zu Mainz, Hed­wig Marcks, Witwe, geb. Ulrich;

die Lehrerin an der Volksschule zu Worms, Regina Falkenstein;

die technische Lehrerin an der Volksschule zu Worms, Katharina Lautenschläger;

sämtlich auf Nachsuchen mit Wirkung vorn 16. Okto­oer 1933 an.

Auf Grund des § 6 des Gesetzes zur Wiederher­stellung des Berufsbeamtenturns vom 7. April 1933 wurde mit Wirkung vom 1. Februar 1934 der Ministerialrat und ftimmiübrenbe stellvertretende Reichsratsbevollmächtigte, Dr. Manfred Heinrich Martin Edward, in den Ruhestand versetzt.

Entlassen wurden

mit sofortiger Wirkung auf Grund des § 4 des Ge­setzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933:

am 20. Oktober 1933: die Pfleger bei der Landes- Heil- und Pflegeanstalf in Heppenheim a. d. B., August Ullrich, Jakob Fleck und Hans Winkler;

die Oberpfleger bei der Landes-Heil- und Pflege­anftalt in Alzey, Valentin Thamerus und Georg Maurer;

der Pfleger bei der Landes-Heil- und Pflege­anstalt in Alzey, Georg Gölz,

der Gerichtsvollzieher in Herbstein, Heinrich W e ber, aus dem hessischen Staatsdienst;

der Gerichtsreferendar in Darmstadt, Alfred Gern, aus dem Vorbereitungsdienst für den hessischen Staatsdienst;

auf Grund des § 2 des gleichen Gesetzes der Spar- kassenkontrolleur bei der BezirkssparkasseMathil- denstift" in Vilbel, Heinrich Karl Roth, aus dem Dienst der BezirkssparkasseMalhildenstift" in Vilbel.

gaben Königssee am Freitag, 10. Novern- ber: ab München gegen 6.30 Uhr, an München 22 Uhr; Preis 6,40 Mark.

Bergbahnen-Sonderzug München ©ar» misch , Freitag, 10. November: ab München gegen 7 Uhr, an München gegen 22 Uhr. Fahrpreise: MünchenGarmischMünchen 3,50 Mark, Mün­chenGarmischZugspitze (Schneefernerhaus) und zurück 14,50 Mark. Ermäßigte Karten für Wank­oder Kreuzeckbahn 3,50 Mark.

Auto-Rundfahrten am Dienstag, 7. und Freitag, 10. November: MünchenLandsberg OberammergauGarmifchWalchenseeIsartal München 8,80 Mark, MünchenIsartalWalchensee GarmischOberammergauMünchen 7,80 Mark.

Stadtrundfahrten durch die festlich ge­schmückten Straßen Münchens 2,50 Mark.

Die Sonderzüge werden nur durchgeführt bei einer Mindestbeteiligung von 300 Personen, die Zugspitzfahrt bei 100 Personen. Autofahren bei voll­besetzten Wagen. Die Fahrten finden bei jedem Wetter statt, gelöste Karten können nicht zurück­genommen werden.

Anmeldungen sofort nach Ankunft in München bei: Norddeutscher Lloyd, Lloydreisebüro GmbH., Brienner Straße 5 am Wittelsbacher Platz, Amt­liches Bayerisches Reisebüro, München-Hauptbahn- Hof, Mittelbau; Verkehrsabteilung des Gaues Mün- chen-Oberbayern der NSDAP, 'München, Haupt­bahnhof, Saal 52.

Rundfunkprogramm.

Mittwoch, 1. November.

635 Uhr: Mannheim: Morgenkonzert. 8.45i Meffe des elsässischen Komponisten Theodor Schacht. 930: Feierstunde des Schaffenden^ 10: Kacholisch« Morgenfeier: Allerheiligen. 10.45: Stunde des Chor- aejangs. 12: Mittagskonzert. 13: Kleine» Kapitel der Zeit. 13.15: Mittagskonzert. 14.30: Sinderstunde. 16: Nachmittagskonzert. 18:lieber den Tod", von Dr. Drexel. 1830: Die Stillen im Land; aus der Chronik des schlichten Leben». 19: Reichssenduna: Stunde der Ration:Die Mannheimer Schule'; die Wiege der deutschen Klassik. 20: Griff in» Heute. 20.10: Die Herrgottsschmyer von Ammergau; Volks- ftück von L. Ganghofer Neuert. 21.20: Abendseier: Notturno für Klavier, Violine und Violincello in Es-Dur von Fr. Schubert. 22.20: Du mußt wissen .. 22.45: Unterhaltung»muj>k 23: Eurydike; beschwo­rene Schalten abgeschiedener Frauen. 24 bi» 1! Nachtmusik.

Donnerstag, 2. November.

6.05 Uhr: Morgenkonzert. 7.15: Frühkonzert. 10.10: Schulfunk Erläuterungen von Gedichten von Platen und George. Vortrag von Albert H. Rausch. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Hau». 12: Mittagskonzert. 14.40 stunde des Liede». 16: Nachmittagskonzert. 18: Spanischer Sprach­unterricht. 18.20: Johann Heinrich Darnieder, ein schwäbischer Künstler. Zur 175. Wiederkehr feine» Geburtstage». Don Dr. Karl Blanck. 18.35: ..Per­sien in deutscher Vorstellung und in Wirklichkeit". Gespräch zwischen Edgar Manfred Eber und Petek Reisdorf. 19: Reichslendung: Stunde der Nation. Konzert zum Allerseelen-Tage. 20: Griff in» Heute. 20.10: Lus Totenmessen. 22.20: Du mußt wissen .. 22.45: Alte Kammermusik auf alten Instrumenten- 0.15 bis 1: Johanne» Brahms.

Taten für Tiendtag, 31.Oktober.

1517: Luther schlägt seine 95 Thesen gegen den Ablaßhandel an die Tür der Schlohkirche zu Witten- berg an: 1632: der holländische Maler Ian Meer oan Delft in Delft geboren; 1731: Vertreibung der evangelischen Salzburger; 1855: der norwe­gische Polarforscher Otto «verdrup in Bindal (Hel- geland) geboren.

flirtbfidie Tlachricbfen.

Evangelische Gemeinden.

Dienstag, 31. Oktober.

Cangeborf. 20.30 Uhr: Gottesdienst zur Feier de< Reformationstages, verbunden mit Ehrung alter Kirchenvorsteher, Kollekte. Letten hausen. 19: Got­tesdienst; Kollekte.

Mittwoch, 1. November.

Langsdorf. 20 Uhr: Andacht zum Beginn ber Win- terarbeit des Frauenvereins.

katholische Gemeinden.

Dienstag, 31. Oktober.

Gießen. 16.30 Uhr: Beichte; 18: Rosenkranzandacht mit Segen; 19: Beichte.

Mittwoch, 1. November.

Aller heiligensesl.

Gießen 630 Uhr. Beichte; 7: Messe; 8: Kommu­nion; 9. Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Pre­digt; 14: Vesper mit Segen; 16.30: Beichte; 17.45: Rosenkranzandacht; 18: Predigt und Andacht für die Abgestorbenen; 19: Beichte. Grünberg. 9 45: Messe mit Predigt. Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. Cid). 10: Hochamt mit Predigt. Nidda. 8.30: Hoch­amt mit Predigt. Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt.

Donnerstag, 2. November.

Allerseelenlag.

Gießen. Don 6.30 bis 8 Uhr sind hl. Messen; 8: Seelenamt für alle Verstorbenen ber Pfarrei; 17.30: Beichte; 18: Rosenkranzandacht für die Abgestor­benen.

Freitag, 3. November.

Gießen 6.30 Uhr: Segensamt. Cid). 7.15: Segensmesse.

geziemend In Kenntnis zu setzen.

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Die Beerdigung findet statt Dienstag, den 31. Okt-, nachmittags 3* , Uhr. vom Portale des israelitischen Friedhofes. Um allseitige Beteiligung bittet

Der Vorstand

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Für die wohltuenden Beweise liebevoller Teilnahme, die uns bei dem Hinscheiden unseres lieben Ent­schlafenen

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zuteil wurden, sowie für die überaus reichen Blu­menspenden und die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers sprechen wir hiermit unseren herzlichsten Dank aus.

Die trauernden Hinterbliebenen.

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