Das Wunder
der Magussi Weiser
Vornan von Fr. Lehne.
Urheberschutz durch T. Ackermann, Stuttgart.
24. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Er nickte, stand auf und ging in das angrenzende Wohnzimmer, das kaum die Fülle der Blumen zu fassen vermochte,- beinahe betäubend duftete es nach Rosen.
Mit einem unbestimmten Blick überflog er die Pracht,- ein bitteres Lächeln verzog ihm die Lippen.
„Ah, Zeugen deines gestrigen Triumphes!"
Sie wollte den deutlichen Spott in seiner Stimme nicht hören. Unbefangen deutete sie auf einen entzückenden Korb voll roter Rosen, — „dies ist eine Aufmerksamkeit von Frau Oberbürgermeister Schalk, und diese herrliche Kamelie sandte mir Exzellenz Barleben —"
„Es interessiert mich nicht!" wehrte er ab. „Es entschuldigt nicht, was du mir angetan."
Sie senkte den Blick zu Boden,- das Herz klopfte ihr schwer und unregelmäßig,' jetzt hatte Eduard das erste Wort gefunden, das ihr ganz deutlich verriet, wie er dachte! Streng, hart, verurteilend, — aber sie wollte ihm bis an die äußerste Grenze entgegenkommen, weil sie ihre Schuld gegen ihn fühlte!
„Magusi, als ich heute mittag seinen Brief in Händen hielt, ging mir eine Welt in Trümmer! — Wie hast du mein Vertrauen getäuscht!"
habe dich nicht getäuscht, Eduard!"
„Nennst du das keine Täuschung, wenn du wochenlang mit solchem schwerwiegenden Entschluß neben mir hergehst — und darüber schweigen kannst? Ist das kein Mangel an Vertrauen?"
„Nenne es mehr Mangel an Mut! Denn oft war ich nahe daran, dir zu sagen, daß ich die Rolle der Hero studierte! Halling traure dem Können und den Nerven der Grellbcrg nicht unbedingt — er befürchtete im letzten Augenblick sogar einen Umfall! Und um ihm die Oper zu retten, sollte ich einspringen! Nun hatte es sich so gefügt."
„Zu deiner Freude und Genugtuung wohl?" Nach kurzem Zögern sagte sie: „Ja, Eduard, ich habe dieses Geschehen begrüßt, und - ich will ganz offen zu dir sein, — ich habe es sogar gewünscht."
„Das sind nun die Folgen meiner Nachgiebigkeit! Ich habe dir mehr gestattet, als es ein anderer Mann getan hätte — aber der
Gedanke lag mir ferne, daß du deine Ausbildung dazu benutzen würdest, um als Bühnenkünstlerin aufzutreten! Das jedoch war, wie mir jetzt klar geworden, das geheime Ziel, dem du zustrebtcst! Und mit Erfolg! Die Besprechungen sind ja geradezu begeistert! Unterwegs haben dein Vater und ich alles gelesen! Er ist außer sich!"
„Willst du mir damit drohen? In diesem Punkte ist, wie du weißt, Papa am allerwenigsten für mich maßgebend!"
„Und ich, Magussi, ich?"
„Für dich tue ich alles, Eduard, wenn du mir in dem einen nachgibst!"
„In welchem einen?"
„Kannst du es dir nicht denken? Mich weiter künstlerisch zu betätigen!"
„Du meinst — die Bühne?" fragte er langsam.
Ihre Augen ruhten groß und voll in den seinen.
„Du sagst es, Eduard!"
„Nein, Magussi, es ist ausgeschlossen!" entgegnete er erregt.
Sie legte die Hände auf seine Schultern und sah ihn bittend an. „Eduard, es drängt mich dazu! Du weißt, wie seit Jahren das mein heißer Wunsch ist — und nun bin ich so weit — ich bitte dich —"
Er nahm ihre Hände und legte sie gegen seine Brust. Mit dunklem Blick suchte er ihre Augen.
„Magussi, liebst du mich?"
„Fühlst du es nicht?" fragte sie leise zurück, während es heiß und rot in ihre Wangen stieg. _
„Und dennoch dieses Verlangen, Kind? Du weißt ja nicht, was du forderst! Es geht um das Glück unserer Ehe."
„Nein, Eduard, der Ansicht bin ich nicht! Im Gegenteil, wenn ich mich künstlerisch ausleben und auswirken kann, dann werde ich noch viel glücklicher sein, als ich jetzt schon an deiner Seite bin —" und schmeichelnd legte sie ihre Wange gegen seine Hand.
Er preßte sie an sich,' in heißem Verlangen suchte er ihren Mund, und in ihrer Franen- sehnsucht küßte sie ihn wieder.
Sie glaubte ihn nachgiebig geworden. „Eduard, es geht dir ja nichts von mir verloren! Sei groß, hemme mich nicht! Ich bin ja ganz dein!" „Nein, Magussi, das bist du dann nicht mehr. Du lebst in deiner Kunst, die dich beansprucht! Und wenn du auf der Bühne stehst, nimmt jeder Besitz von dir, genießt deine Schönheit! Ich könnte es nicht ertragen, Hunderte von Gläsern auf dich gerichtet zu sehen und dich dann kritisiert zu wissen! Du gehörst mir — mir ganz allein! Und dann hielten dich deine Partner im Arm —
Heute der Tenor, morgen der Bariton, drück
ten dich an sich —"
„Eduard, werde, bitte, nicht kleinlich."
.Schilt mich kleinlich und spießbürgerlich! Doch ich gönne keinem andern Manne, nur deine Hand zu berühren! Und auf der Bühne mußt du vielen in Umarmung gehören, mußt feurige Liebesgesänge austauschen — das alles könnte ich nicht ertragen! Mein Weib gehört in mein Haus! Schrankenlos liebe ich dich, Magussi." Seine Stimme bebte in tiefster Erregung. Er drückte ihren blonden Kopf gegen seine Brust. Sie hörte den starken Schlag seines Herzens. Einen Augenblick ging es durch ihren Sinn: „Hatte er nicht Recht? Bleibe bei ihm! Lasse dir genügen an dem einen großen Erfolg! Das wahre Glück kann dir nur der Geliebte schenken! Suche es nicht draußen im Lärm der Welt, wo du doch nicht Wurzel fassen kannst! Deine ganze Veranlagung zieht dich zur Stille und Zurückge
zogenheit."
Was waren das für Stimmen? Wollte man sie betören, umgarnen, da sie ihren Weg doch schon fest vor sich sah?
„Magussi, Geliebte, Liebe, wir wollen vergessen, was gestern war! Ich will an dein Unrecht gegen mich nicht mehr denken!"
„Eduard, mir Vorwürfe darüber zu machen, ist begründet, und ich nehme sie geduldig hin, obwohl die Beweggründe zu meinem Schweigen nicht schlecht waren! Frage die Fürstin, der ich mich in meinen Gewissensnöten anvertraut! Und ich gestehe dir, daß sie mir den Rat gab, mich dir zu offenbaren — doch der Mut fehlte mir."
„Weil du wußtest, wie ich dachte!"
„Ich m u ß singen, Eduard, es ist mir Lebensbedürfnis!"
„Du sollst singen, so viel du willst, Magussi — an deinen Freunden wirst du genug dankbare Zuhörer haben."
„Daß ich es so nicht gemeint, Eduard, weißt du! Ich will ernst schaffen und wirken in einem großen Kreise!"
„An einer Bühne?"
Ohne Zögern kam die Antwort: „Ja, Eduard!"
„Und du hast schon bestimmte Pläne?"
„Nein, Eduard! Der Direktor des Stadt- thcaters bot mir eine Anstellung hier an, und am Nachmittag ließ sich auch ein Theateragent melden —"
„Und — ?"
Der eigentümliche Ton seiner Frage fiel ihr auf.
„Was meinst du, Eduard?"
„Ich meine, ob du schon irgendwie eine bestimmte Zusage gemacht hast?"
„Noch nicht! Natürlich mußte ich mich doch
erst mit dir darüber unterhalten! Nur habe ich dem Direktor versprechen müssen, am Sonntag nochmals in der neuen Oper zu singen!"
„Nein, Magussi, das kann ich nicht zugeben!* sagte er rasch und erregt. „Ich bitte dich, dem Direktor in diesem Sinne Mitteilung zu machen!" t t
„Ich bedaure, Eduard, das rst ganz unmöglich,- sonst wäre, die Vorstellung in Frage gestellt!" entgegnete sic in bestimmtem Tone.
Wieder kam ihm die Erinnerung an jenen Brief ohne Unterschrift und damit der Gedanke an den Kapellmeister. Quälend, peinigend.
„Ist es wegen des Direktors oder wegen des Komponisten, daß du dich für die Oper so einsetzest?"
Er hatte diese Frage stellen müßen, obwohl ihm Scham darüber kam.
Vorwurfsvoll sah sie ihn an.
„Eduard, es ist deiner nicht würdig, so zu sprechen! Ich verstehe gut, zwischen deinen Worten zu hören, — du erniedrigst dich und mich damit! Es freut mich, daß ich mit dazu beitragen konnte, dem Werk eines wahren Künstlers zum Erfolg zu verhelfen! Bruno Halling ist ein großer Künstler! Er hat mir viel gegeben, auch das sage ich offen und frei."
Ueber Eduards Gesicht zuckte es in mühsam verhaltener Qual. Begütigend legte sie die Hand auf seinen Arm, „dennoch hast du nie- mals Veranlassung zur Eifersucht oder zum Mißtrauen — er gilt mir nur als Mensch und Künstler — als Mann gar nichts."
Lange sah er sie an.
„Ich will dir glauben, Magussi, weil du alles vom Standpunkt deines Idealismus siehst! Aber ob e r auch so rein denkt wie du? Alles Unreine und Unschöne ist dir bisher ferngeblieben,- doch wenn du einmal Kulissenluft atmest, wird es sich dir sehr bald nähern, und hilflos wirst du ihm gegenüberstehen,' denn du bist im Grunde keine starke Natur!"
Er nahm ihre beiden Hände. „Magussi, wenn du mich liebst, wie du mich glauben ließest, dann gib deine abenteuerlichen Pläne auf — suche deine Befriedigung in unserem Hause! Ich liebe dich ja so unbeschreiblich, daß ich dich mit nichts teilen kann."
„Solche Liebe ist Egoismus, Eduard! Sieh, wie viele berühmte Künstlerinnen — Sängerinnen und Schauspielerinnen — sind die besten Hausfrauen gewesen, voller Befriedigung und Glück, weil sie sich nach ihrer Veranlagung ausleben und auswirken durften! Tausendmal will ich dir es danken, wenn du mich den Weg gehen lässest, den ich gehen muß."
„Und wenn ich es nicht kann, Magussi, weil es meinem ganzen Denken und Empfinden widerstrebt?" (Fortsetzung folgt.)
Im Alter von 65 Jahren.
Gießen, den 30. August 1933.
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Lichtspielhaus • Gießen
5405 D
Klein-Linden, den 30. August 1933.
B403D
[Verschiedenes [
CT
Von der Reise zurück
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und die neue Ufa-Ton-Woche
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DANKSAGUNG.
Für die vielen Beweise liebevoller Teilnahme beim Heimgang unseres unvergeßlichen Entschlafenen, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers, des Kirchen- und Posaunenchors, und die vielen Kranzspenden sprechen wir allen hiermit unseren herzlichsten Dank aus.
Familie Wilhelm und Ludwig Theiß L. Germann und Frau.
Die Beerdigung findet am Freitag, dem 1, September, nachmittags 2 Uhr, aut dem Neuen Friedhof statt.
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_______________ 53970
Bekanntmachung.
Der in der Sitzung des Stadtrats vom 29. August 1933 festgestellte Voranschlag der Stadt Gießen für das Rj. 1933, ebenso die Voranschläge des Wohlfahrtsamts, der Elektrizitätswerke, des Gaswerks, des Wasserwerks, des Dolksbades, der Straßenbahn, der Studienanstalt und der Gewerbeschule liegen vom 31. August 1933 ab während einer Woche im Stadthaus, Bergstraße, Zimmer Nr. 17, offen. Die Beteiligten können innerhalb der Offenlegungsfrist die Voranschläge einsehen und schriftlich oder zu Protokoll Einwendungen gegen ihren Inhalt vorbringen. 5398G
Gießen, den 30. August 1933.
Bürgermeisterei Gießen: Dr. Keller.
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Gießen, den 30. August 1933.
Rodhelmer Str. 57
Die trauernden Hinterbliebenen:
Pauline Heil
Wilhelm Hell und Familie
Rudolf Heil und Familie
und alle Verwandten.
STATT KARTEN.
Nachdem wir unseren lieben, teuren und uns unver
geßlichen Gatten und Vater zur letzten Ruhe gebettet haben, drängt es uns, für die Anteilnahme
und den herrlichen Blumenschmuck sowie für das
Geleit zur letzten Ruhestätte unseren innigsten,
tiefgefühlten Dank auszusprechen. Dies alles war uns ein Trost in den so schweren Tagen.
Im Namen aller Hinterbliebenen:
Frau Anna Müller, geb. Peter
Heute morgen 10 Uhr verschied plötzlich nach langen, schweren, mit Geduld ertragenen Leiden unsere liebe Mutter. Schwieger
mutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante
Frau Elisabeth Heil Witwe
Großen-Buseck, Gießen, den 29. August 1933.
540 D
Die Beerdigung findet Freitag, den 1. September, nachmittags um 3 Uhr statt.
In tiefer Trauer:
Familie Scheid Familie Rück
Familie Dort
Gott dem Herrn hat es gefallen, unsere treubesorgte Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Urgroßmutter
Frau Ludwig Scheid 4.Wwe.
Marie, geb. Balser
heute abend im Alter von 77 Jahren durch einen sanften Tod zu sich zu nehmen.
Kaiser's Spezialsorten:
RM 2. — d. Pfd. Haushaltkaffee
RM 2.40 „ w sehr beliebte Sorte
RM 3. — „ „ etwas ganz Besonderes Kaiser's Tee, Kakao, Schokoladen, Pralinen, Bonbons, Waffeln, Puddings, Fruchtsäfte
trinke ich tagaus — tagein mein Tässchen Kaiser’s Kaffee. Wir beide sind unzertrennliche Freunde. Fürwahr: Kaiser's Kaffee ist der beste!
Kaisers kaffee
KAISER'S GESCHÄFT


