Großer Landvolktag in Nidda.
Nationalsozialistische Führer sprechen vor der Bauernschaft.
Der von dem Junglandbund veranstaltete Landvolktag der Reichsgemeinschaft deutscher Bauern in Hessen, der unter dem Protektorat des Staatskommissars für die hessische Landwirtschaft Dr- Wagner stattfand, bestimmte am Sonntag das Bild des Städtchens, er brachte in seinen Veranstaltungen Höhepunkte, die von den Teilnehmern so bald nicht vergessen werden dürften. Rkdda stand an diesem Tage ganz im Zeichen der nationalsozialistischen Bewegung, stand ganz im Zeichen der Flaggen de- neuen Reiches, im Zeichen des braunen Ehrenkleides und des frischen Geiste-, der überall da auftritt, wo sich SA. und SS., wo sich Hitler-Jugend, der Bund deutscher Mädchen und das Hitler- Jungvolk zeigen.
Rachdcm die Klänge des Weckrufs in den Straßen der Stadt verklungen waren, fand man sich zu einer würdigen Feier, zu einem
Gedenken der Gefallenen des Weltkrieges und des Zreiheitshelden Schlageter
am Defallenen-Ehrenmal ein, um in stiller Andacht derer zu gedenken, die den Grundstein zu Deutschlands Wiederaufstieg legten. Rach einem einleitenden Choral hielt der Führer des Junglandbundes, Landesführer Robert Schmitt, Steinheiin, die Gedächtnisansprache, in der er das große Opfer der Soldaten des Weltkrieges und das Opfer der Helden des deutschen Frei- heitskampses schilderte und von der Verpflicht tung sprach, die aus dem Opfer der Gefallenen für die jetzige und für die zukünftige Generation erwachsen sei. Zum Abschluß seiner Rede legte der Landesführer einen Kranz nieder, der auf der Schleife die Aufschrift trug: „Den Kämpfern für Deutschlands Freiheit — vom Hessischen Junglandbund". Die Kapelle beschloß mit dem Lied vom guten Kameraden die ernste Feier.
Gegen 9 Uhr fand man sich bei strahlendem Sonnenschein auf dem Festplah an der Turnhalle zum
Gottesdienst
ein. Orgelvorspiel, das gemeinsam gesungene Riederländische Dankgebet und Gebet gingen der Predigt von Dekan S c r i b a voraus. Der Geistliche wies auf den Sinn des Tages hin, an dem sich die Landjugend und die Landbevölkerung überhaupt vereinige zu einem Bekenntnis zu Bolk und Vaterland, zu Staat und Regierung, Ku den Führern, um sich damit einzugliedern in die Front des Aufbaues. Der Aufbau könne ober nicht ohne Gott geschehen. Man danke Gott, daß er uns einen solchen Führer wie den Reichskanzler Adolf Hitler geschickt habe, der das Volk aus dem Elend führe. Der Führer allein könne es aber nicht tun, wenn nicht der einzelne Mensch mithelfe am Aufbauwerk. Der Staat rufe die Kirche zur Hilfe auf, und die Kirche habe die Verpflichtung, dem Volke zu dienen und somit mit- zuhelfen. Es sei um so leichter auch für die Kirche, als der neue Staat, das neue Reich auch das Christentum mit auf seine Fahnen geschrieben habe. Gemeinschaftsgeist, Zucht und Glauben seien die gemeinsamen Grundlagen für das Aufbauwerk der Zukunft. Wenn das „Ja" zu Gott und die übrigen Voraussetzungen Wirklichkeit werden, dann stehe das Volk vor einer echten und edlen Gemeinschaft.
Gegen 13 Uhr formierte sich in der Bahnhofs- und Ludwigstraße ein
stattlicher Zeskzug,
der sich dann in vorbildlicher Ordnung durch die Stadt bewegte. Die Bevölkerung säumte in dichten Scharen die Straßen und nahm stärksten Anteil. Der Reitersturm und der Reiterverein Nidda eröffneten den Festzug, an dem auch der Ministerpräsident Professor Dr. Werner (der überall von der Bevölkerung auf das herzlichste begrüßt wurde) und der Staatskommissar Dr Wagner neben anderen Führern der SA. und SS. teilnahmen. Unter dem Titel „Iunglaudvolk marschiert!" hatte der Junglandbund Gruppen zusammengestellt, die in bunter Kleidung, angetan mit den Werkzeugen der bäuerlichen Beschäftigung, viel Beachtung sanden. Mit viel Humor war auch eine Reihe von Wagen hergerichtct worden, in denen die Geschichte des deutschen Volkes in den Jahren von 1914 bis 1933 symbolisch dargestellt war. Diesen Gruppen und Wagen folgten die SA. in schneidiger Marschordnung, das Hitler-Jungvolk, die Frauenschaft und der Freiwillige Arbeitsdienst mit vielen Angehörigen, die in ihrer grauen Arbeitsuniform und mit ihrem Handwerkszeug erschienen. Turnvereine, Eisenbahner, Kriegeroereine und andere Organisationen schlossen sich an und rundeten so das vollkommene Bild des Festzuges, der ohne Zwischenfall auf dem Festplatz anka.n.
Die Menge war schon auf dem Platz und unter den geräumigen Zelten, als die letzten Teilnehmer des Festzuges einmarschierten. Es mögen an zehntausend Menschen gewesen fein, die sich am frühen Nachmittag auf dem Festplatz vor der Turnhalle in einigem Geiste zusammenfanden. Nach einem schneidigen Marsch der Standartenkapelle Friedberg, die hervorragend musizierte, und einem Lied der Landbundjugend, hielt
der Landesführer desZunglandbundes, Robert Schmitt, Steinheim
die Begrüßungsansprache. Er hieß besonders den hessischen Ministerpräsidenten Prof. Dr. Werner und den Staatskommissar Dr. Wagner willkom- men, er begrüßte den Landesvorsitzenden Dr. von H e l m o 11 vorn Altlandbund, den geschäftsführenden Präsidenten des Reichslandbundes Tlein» berg, den Bürgermeister der Stadt Nidda Rullmann und die SA.- und SS.-Führer. Nicht zu- letzt begrüßte er auch die Vertreter der Behörden, die der Landvolktagung großes Interesse entgegen- brachten. In seinen weiteren Ausführungen sprach er davon, daß die Landjugend zusammengekommen sei, weil sie das neue Reich zu feiern gedenke, sie feien alle gekommen, weil sie wieder einen Glauben und ein Ziel haben. Der Juny- bauer wolle die Erhaltung des Besitzes und die Freiheit von Volk und Vaterland. Der lag solle gleichzeitig die Grundlage zur Neubildung des Jung-Landdundes sein. Jeder 3un(j- bauer müsse ein Kämpfer sein, denn man dürfe nicht vergessen des Volkskanzlers Adolf Hitlers zu gedenken, ohne den heute der Bauernstand nicht ein Stand, sondern ein Chaos wäre. Der Bauer und der Jungbauer dürften nicht Nachlassen im Kampf um den Bestand der Nation. (Lebh. Beifall.)
Staatskommissar für die hessische Landwirtschaft Or. Wagner
Seinen Ausführungen sei folgendes entnommen: Man frage heute schon nach dem, was die
nationale Regierung bisher erreicht habe. Es gebe einige Unzufriedene. Ihnen müsse man antworten, daß man in drei Monaten nicht mehr verlangen könne, als was in 14 Jahren geschehen oder nicht geschehen sei. Was bisher erreicht worden sei an Förderungsmaßnahmen der Bauernschaft sei nur au erreichen gewesen durch die Bewegung und durch den agrarpolitischen Apparat der RSDAP., der durch den Beauftragten für Dauernfragen Richard Walther Darrs aufgebaut worden sei. Er (Redner) wolle darlegen, wie er sich die Hilfsmaßnahmen für die Bauernschaft denke. Die Landwirtschaft müsse in vier Säulen wieder aufgebaut werden.
1. Der Bauer müsse im L«;ndbund sein. Jeder Jungbauer müsse der SA. angehören und gleichzeitig im Landbund sein. Die Interessengemeinschaften müssen zusammengefaßt werden in der Landesführergemeinschaft. Es müsse ein RS.-Landbund geschaffen werden. Jeder Bauer müsse mithelfen am Ausbau des Standes.
2. Die Landwirtschaftskammer bedürfe der Umgestaltung. Wir seien nicht Landwirte, son- dem Bauern. Die Landwirtschaftskammer müsse Bauernkammer heißen. Sie solle nichts anderes sein wollen, als sie sein muß. Die Bauern- fammer habe die gesamttechnische Förderung der Bauernschaft oorzunehmen.
3. Was die Genosfens cha ften angehe, so feien die Gleichschaltungen der Zentralgenossenschaft, wie auch der Landesgenossenschaftsbank notwendig. Die bisherige Führung dieser Institute sei untragbar für den Bauern gewesen. Die Rationalisierung der Genossenschaften sei eine weitere Notwendigkeit. Es dürfe in Zukunft nicht sein, daß in einem Orte zwei Genossenschaften neben- und gegeneinander arbeiten.
4. Der Landhandel befinde sich noch in seinem Anfangsstadium. Die Organisation müsse erst aufgebaut werden. Die Arbeitsgebiete zwischen Genossenschaften und Landhandel müßten in den Grenzen klargelegt werden.
Was die weiteren Aufgaben für den Aufbau des Bauernstandes anbetreffe, fo habe er zunächst zu betonen, daß man noch mitten in der Revolution fei. Es gebe viele Schwierigkeiten zu überwinden. Das Milchproblem fei besonders schwierig zu lösen gewesen. Für die Butter werde man durch Preisfestsetzungen ab Molkerei eine Lösung finden. Er verspreche, alles zu tun, um die Nöte im Vogelsberg zu lindern. Im hessischen Ried, wie im Vogelsberg sollen Meliorationen durchgeführt werden, durch die es möglich fei, 30 000 Menschen Arbeit zu geben. Er werde ferner bemüht fein, in ständigem Kontakt mit dem praktischen Leben zu bleiben und keinerlei Entscheidungen schwerwiegender Art vom grünen £ifd) aus zu fällen. Im Beauftragten für Bauernfragen, R. W. Darrs, habe man einen Mann an der Spitze, der genügend Weitblick besitze, um dem Bauernstand wieder aufzuhelfen. Es dürfe nicht vergessen werden, daß Blut und Boden die Grundlagen des Staates seien. Der Bauer müsse zum Staat Vertrauen haben. Der Bauer sei gegenwärtig aber unzufrieden mit dem Ernährungsminister Dr. Hugen- berg, weil er nicht Blut von ihrem Blute sei. Aus diesem Grunde müsse ein Berufenerer an die Spitze. (Lebhafter Beifall!)
Im Anschluß daran sprach der geschäftsführende Präsident des Reichslandbundes
Meinberg, Berlin
Er wies zunächst auf die wesentlichen Unterschiede in der Charakter- und Geisteshaltung der Stadt- und der Landbevölkerung hin. Wenn man vom Bauern spreche, so sei das kein Begriff, der mit der Größe des Besitzes etwas $u tun habe. Bauerntum fei etwas anderes. Gutsbesitzer könne jeder werden: das habe man ja zur Genüge erfahren. Zum Bauerntum müsse man geboren sein. Bauern- tum s e i Tradition. Ein selbstbewußter Bauer sei das stärkste Bollwerk des Staates. Heute sei man dabei, dem deutschen Bauern wieder zur ursprünglichen Kraft zu verhelfen. Der größte Garant eines Staates fei das Vertrauen des Bauern zum Staat. Je größer die Aufgabe fei, je größer müsse der Ernst fein, und dann würden auch die Fragen, vor denen der Bauernstand heute stehe, gelöst. Das NS.- Bauernrum, das sich unter Adolf Hitler organisiert habe, brauche nur einer Willensmeinung zu fein, fo würde das in allen Fragen den Ausschlag geben. Was noch an Widerständen vorhanden fei, würde bann hinweggefegt. Er, der Redner, habe auf die Gefahren hingewiesen, die die Berufung der Herren Hugenberg und von Rohr in das Ernährungsministerium des Reiches darstellten. Der deutsche Bauer habe zu diesen Herren kein Vertrauen, denn sie seien dem deutschen Bauerntum fremd. Wenn der gegenwärtige Beauftragte für Bauernfragen, Darrs, das Geschick der Bauern in die Hand nehme, sei das Geschick der Herren Hugenberg und von Rohr er- füllt. (Starker Beifall.)
Im Anschluß an die Ausführungen des gefchäfts- führenden Reichslandbund-Präsidenten verlas der Staatskommissar Dr. Wagner eine
Entschließung,
der von der nach Tausenden zählenden Menge einmütig zugestimmt wurde. Die Entschließung hat folgenden Wortlaut:
„An den Herrn Reichskanzler und den Herrn Reichspräsidenten! Die in Ridda versammelten Tausende von hessischen Bauern aus allen Provinzen des Landes fordern als Reichsernährungsminister den nationalsozialistischen Bauernführer, den Beauftragten des Reichskanzlers für Bauern fragen, Richard Walther Darrs. Die heffischen Bauern haben am 5. Mär; Hitler gewählt, weil sie zu ihm und nicht zu hugenberg vertrauen haben.
Die vereinigten hessischen Bauern.“
Ministerpräsident Pros. Or. Werner
sprach dann als letzter Redner, der in seiner kurzen Ansprache besonders auf die Geschichte der völkischen Bewegung in Oberhessen einging, an jene denkwürdige Versammlung in Ober-Widdersheim erinnerte, in der erstmals vor Tausenden von hessischen Bauern die völkischen Abgeordneten sprachen. 20 stehe man im Niddaer Land auf klassischem Boden der völkischen Bewegung. Er freue sich, daß er unter den Teilnehmern des Festes manches bekannte Gesicht sehe. Es fei auch Pflicht, derer zu gedenken, die den Kampf um die völkische Bewegung mittragen halfen, nachdem nun das Hakenkreuzbanner über allen Dörfern flattere. So begrüße er heule die
Volksgemeinschaft und jede ehrbare Arbeit. Nun habe man die Wege gesunden und nun wiße man, was man zu tun habe, um den Bauernstand wieder zur alten Höhe zu bringen.. Nun könnten sich die Geister der Vergangenheit mit den Geistern der Gegenwart verbinden, der deutsche Geist sei nun der Mittler und weise klar seine Wege. Deshalb gelte fein dreifaches „Sieg-Heil!" nicht allein der Volksgemeinschaft, sondern auch der Heimat, die wir lieben, dem hessischen Land, dem hessischen Landvolk und besonders auch der Landjugend als
dem Träger der deutschen Zukunft. Die Mengs stimmte begeistert in das ..Sieg-Heil!" des Ministerpräsidenten ein und bereitete ihm herzliche Ovationen für seine eindrucksvollen Worte.
Im weiteren Verlaufe des Tages erwartete die Menge noch den Befuch des Reichsstatthalter Sprenger, über den wir gestern bereits berichteten. Bei Konzert der Standartenkapelle, bei gc- felliger Unterhaltung und Tanz wurde der Land- volktag geschlossen, der allen Teilnehmern noch lange in der Erinnerung bleiben wird.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Jäger Achtung!
Aus Jagdgebieten der Gegend von Biedenkopf und vom westlichen Vogelsberg häufen sich die Meldungen von dem Auffinden von Rehen, die alle dieselben Merkmale deS Gerissenseins aufweisen. Entweder sind Drossel und Halsschlagader durchbissen oder cs fehlt gar der ganze Kopf, der von einem tierischen Täter ab- geschnitten zu sein scheint- Das Auffinden noch warmer, frisch schweißender Stücke deutet auf frisches Reißen und nicht etwa nachträgliches Anschneiden von Fallwild hin. Die betanntge- wordenen Zahlen sind in einzelnen Revieren so erschreckend hoch, daß alle Revierinhaber und Jagdschutzbeamte gewarnt und aufgefordert werden, in gemeinsamer Zusammenarbeit von Revier au Revier Vorbeuge zu treffen. Es besteht der bringende Verdacht, daß es sich um wildernde Hunde handelt- Verschärfter Jagdschuhdienst erscheint notwendig, um die Ursache baldigst einwandfrei festzustellen und zu beseitigen. Beobachtungen aus der Umgebung von Gießen werden umgehend an Verein „Hubertus" erbeten. Das Veterinär-Pathologische Institut der Universität, Direktor Geh. Rat Prof. Dr. Olt, wäre für den Hals frischer Stücke dankbar. H ö 1 z e l.
Tagung der Deutschen Kaufmannsjugend in Büdingen.
Vom Deutschnationalen Handlungs- gehilsenverband wird uns mitgeteilt:
Zum ersten Male wird sich zu Pfingsten 1933 die im Deutschnationalen Handlungsgehilfenvcrband jetzt zusarnrnengefchlossene deutsche männliche Kausmanns- jugenb zu einer großen Kundgebung in der schönen, alten, oberhessischen Stabt Büdingen zusammen- finden. Der Tagung kommt insofern besondere Bedeutung zu, als die berufsständische Kaufmanns- fügend ein machtvolles Bekenntnis zu dem neuen deutschen Staat und seinen Führern oblegen wird. Den Höhepunkt der Veranstaltung dil- bet eine große Kundgebung „Das ganze Deutschland soll es sein". Am Montag findet ein großes Geländespiel als Abschluß der Tagung statt. Die bereits vorliegenden zahlreichen Anmeldungen aus allen Teilen des Main-Wefer-Gaues versprechen einen außerordentlich starken Besuch der Tagung. Die Stadt Büdingen selbst wirb eine f e st - gliche Beleuchtung ber alten Stabt- mauern und der Berge durchführen und so
auch ihrerseits zu einem guten Verlaus ber Tagung beitrogen.
Pornotizcn.
— TageSkalenber für Mittwoch: Oberhefsischer Kunstverein, Turmhaus am Brand- platz, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. — Lichtspielhaus, Dahnhofstraßc, „Dielleichl bist Du bas große Glück".
•
** Platzkarten unb Arbeiterrückfahr- karten an den Pfingsttagen. Von ber Reichsbahnbirektion Frankfurt wird mitgetei't: Platzkarten werden für die in ber Zeit vom 1. bis 7. Juni verkehrenden D-, Fd- und FFO-Zügc schon jetzt ausgegeben. Diese Regelung gilt sowohl für die gewöhnlichen Fahrkarten, für die Festtagsrückfahr- karten und die Arbeiterrückfahrkarten. Die Arbeiterrückfahrkarten können in ber Zeit vorn 1. bis 7. Juni an jedem beliebigen Tag zur Hin- unb Rückfahrt benutzt werben. 21 n ber üblichen lOtägigcn Geltungsdauer der Arbeiterrückfahrkarten ändert sich durch diese Maßnahme nichts. Wird z. B. eine Arbeiter- rückfahrkarte am 3. Juni gelöst, fo gilt sie bis 3um 12. Juni. Die Entfernungsgrenze für Arbeiterrückfahrkarten ist allgemein aufgehoben.
•• Maienblasen. Bei dem am heutigen Mittwoch, 19 Uhr, vom Turme der Johannes- kirche aus stattfinbenden Maienblasen werben folgende Stücke vorgetragen: 1. Choral „Run danket alle Gott", 2. „(Sott grüße dich" von Mücke, 3. „Deutschland, Deutschland über alles", 4. Horst- Wessel-Lied.
Schließung der Technischen Hochschule in Darmstadt.
Darmstadt, 30. Mai. (IDSH.) Die Technische Hochschule in Darmstadt teilt mit: Die Technische Hochschule hat sich veranlaßt gesehen, ihre Räume bis auf weiteres zu schließen, weil innere Störungen die Aufrechterhaltung ihres Lehrbetriebes unmöglich gemacht haben. Es find Maßnahmen eingeleitet worden, um die Hindernisse fo schnell roie möglich z u beseitigen. Die Abwicklung der verwaltungvgeschäfte wird dadurch nicht berührt.
Sie letzten Soldaten des Weltkrieges.
Teilnehmerberichten nacherzählt von Walter Schimmel'Aalkenau.
n.
Die Seldentragödie im Baltikum.
Unb bie Bezahlung, die Englanb sorberte, gipfelte schließlich darin, daß ber mit den Erfolgen ber deutschen Truppen immer stärker werdende deutsche Einfluß in den baltischen Ostseeprovinzen wieder vermindert werden mußte. Der frühere Ministerpräsident U l m a n hatte inzwischen im nördlichen Lettland unter dem Schuhe der Engländer unb ber Esten neue Truppen auf* gestellt. Diese wanbten sich nun gegen die lettischen Truppen des Ministerpräsidenten R e e - d r a , die in ber Baltischen Landeswehr zusammengeschlossen waren unb Schulter an Schulter mit ber „Eisernen Division" bie Bolschewiken besiegt hatten. Ein Kampf stand also bevor des von England gestützten Exministerpräsidenten gegen den von den deutschen Baltikumkämpfern berufenen Präsidenten Reedra, eigentlich also ein Kampf Englands gegen Deutschland. Da aber die deutsche Regierung nicht das geringste für bie deutschen Truppen im Baltikum tat, gar kein Verständnis für die hohen vaterländischen und kulturpolitischen Ziele hatte, für die schließlich die „Eiserne Division" dort oben damals ihr Leben einsetzte, mußten sich bie nun bei Wenden entbrennende 1 Kämpfe schließlich zugunsten Ulmans unb bamit zugunsten Englanbs entscheiden
Das Kabinett Reedra wurde zur Abdankung gezwungen. Riga mußte von den reichsbeutschen unb baltischen Truppen geräumt werden. UI- man wurde von England wieder als Ministerpräsident eingesetzt. Ein Waffenstillstand wurde abgeschlossen. Die „Eiserne Division" lag taten* los nahe bei Mitau, die Baltische Landeswehr stand bei Tuckum. Die lettischen Truppen unter Führung des Obersten Ballod traten sofort in die Dienste Ulmans über. Der deutsche Einfluß unb damit bie Möglichkeit weitreichenber Han- belsbsziehungen unb Siedlungen war bis nach Kurland hinauf durch diese jüngsten Ereignisse fast vernichtet worden. Die große, aufopfernde Arbeit unserer Baltikumkampfer, die sehr wohl wußten, um welche hohen vaterländischen Interessen ihr Kampf geführt wurde, war durch die untätige, ja direkt feindselige Haltung der deutschen Regierung ihnen gegenüber umsonst geleistet worden.
Durch diese inneren Schwierigkeiten hatte die vordem in wilde Flucht geschlagene Bolschewistenarmee Zeit und Gelegenheit gefunden, sich an den östlichen Grenzen Lettlands unb Estlands erneut zu sammeln. Riemand erkannte bie Gefahr, bie von den Bolschewisten drohte, erneut drohte, in diesem Augenblick besser als Major Bischoff, der ruhmreiche Führer ber „Eisernen Division". Er hatte mit seinen Truppen die Ostfeeprovinzen von den Bolschewiken gesäubert, seine Truppen hatten im Verein mit willigen Balten unb unter ber Mitwirkung kleiner zaristischer Russentruppenteile Deutschland vor der Dolschewisteninrasion unb bamit vor der Kommunistenherrschaft bewahrt.
Riemanb, am wenigsten die damalige deutsche Regierung, war sich in Deutschland im Frühjahr 1919 darüber klar gewesen, wie unerhört nahe die kommunistische Gefahr an den Grenzen stand. Es ist und bleibt das unvergängliche Verdienst unserer
Daltikumkämpfer, diese Gefahr erkannt zu haben, sie aufgehalten zu haben, Deutschland vor ihr bewahrt au haben. Die durch bie von England politisch sehr klug hervorgcrufenen Streitigkeiten zwischen Esten und Letten einerseits, den Balten unb ben Deutschen andererseits, hatten den Bolschewisten Gelegenheit gegeben, wie schon gesagt, eine neue Kampffront auszustellen, die nun erneut bie baltischen Ostseeprovinzen unb mit ihnen auch Deutschland lebhaft bedrohte. Als darum im August 1919 der Befehl zur Auflösung unb zum Abtransport ber „Eisernen Division" von ber beutschen Regierung ausgesprochen würbe, war damit zugleich der Befehl ausgesprochen, bie baltischen Ostseeprovinzen fast schutzlos mit ihren vielen deutsch- stämmigen Bewohnern unb deutschen Kulturgütern dem wieder mächtig anrückenden Bolschewismus auszuliefern. In Erkenntnis dieser Gefahr, die durch den wahrscheinlichen Sieg der Bolschewisten über Esten und Letten auch dem deutschen Voterlande wieder drohte, weigerte sich der Führer der „Eisernen Division, dem Befehl seiner Regierung Folge zu leisten. Am 23. August erklärte Major Bischoff feierlichst, daß er feine Truppen nicht verlassen werde, daß er sich an die Spitze der Bewegung stelle, daß die „Eiserne Division" unter feiner Führung in Kurland verbleiben werde. Diese Kundgebung des Führers löste eine Begeisterung aus, oie sich mit Worten kaum beschreiben läßt. Andere Truppenteile schlossen sich daraufhin Major Bischoff sofort an, zaristisch gesinnte russische Soldaten traten immer wieder ein und verstärkten die Truppe. Die Daltikumkämpfer dachten hierbei auch — und wer möchte es ihnen verdenken — an das ihnen im Dezeml>er 1918 von dem Präsidenten Ulm an gegebene Siedlungsversprechen. Der „Soldatenlied! ungsver band Kurland" hatte bereits über 6000 Landanteilscheine ausgcgeben. Immer wieder an* langende Aufforderungen der deutschen Regierung, Befehle zur Auflösung konnten die Truppe in ihrem festen Entschluß nicht beirren, einmal die bolschewistische Gefahr vollständig zu überwinden, zum anderen das ihr gegebene Siedlungsversprechen auch zur Erfüllung zu führen.
In ganz Deutschland wurde damals dieses eigenmächtige Handeln der „Eisernen Division" mißverstanden. Die tapferen Baltikumkämpfer, deren zähem Kampfe gegen die Bolschewiken Deutschland so viel zu verdanken hatte, wurden Meuterer gescholten, Fahnenflüchtige. Der englische Einfluß hatte Auwcge gebracht, daß die treue Baltische Lanoeswehr, bie wackere Bun- desgenossin unserer „Eisernen Division" in so vielen schweren unb siegreichen Kämpfen gegen Moskau, einem englischen Obersten unterstellt wurde, der sie nun an der Bolschewistenfront einsehte. Die ..Eiserne Division" war dadurch Ende August 1919 auch des letzten Bundesgenossen beraubt worden, sie stand ganz allein im Baltikum auf der Wacht, von Feinden und Reidern auf allen Seiten umgeben, bereit, bis zum letzten Atemzuge für ihr großes vaterländisches Ziel einzutreten.
Wie wir schon ausführten, hatten sich im Laufe des ersten Halbjahres 1919 der Baltischen Landeswehr zahlreiche antibvlschewistische Truppen angeschlossen, die zu sogenannten russischen Formationen gruppiert unter der Führung des deutsch-*


