Ausgabe 
31.5.1933 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

Großer Landvolktag in Nidda.

Nationalsozialistische Führer sprechen vor der Bauernschaft.

Der von dem Junglandbund veranstaltete Landvolktag der Reichsgemeinschaft deutscher Bauern in Hessen, der unter dem Protektorat des Staatskommissars für die hessische Landwirt­schaft Dr- Wagner stattfand, bestimmte am Sonntag das Bild des Städtchens, er brachte in seinen Veranstaltungen Höhepunkte, die von den Teilnehmern so bald nicht vergessen werden dürften. Rkdda stand an diesem Tage ganz im Zeichen der nationalsozialistischen Bewegung, stand ganz im Zeichen der Flaggen de- neuen Reiches, im Zeichen des braunen Ehrenkleides und des frischen Geiste-, der überall da auftritt, wo sich SA. und SS., wo sich Hitler-Jugend, der Bund deutscher Mädchen und das Hitler- Jungvolk zeigen.

Rachdcm die Klänge des Weckrufs in den Stra­ßen der Stadt verklungen waren, fand man sich zu einer würdigen Feier, zu einem

Gedenken der Gefallenen des Weltkrieges und des Zreiheitshelden Schlageter

am Defallenen-Ehrenmal ein, um in stiller An­dacht derer zu gedenken, die den Grundstein zu Deutschlands Wiederaufstieg legten. Rach einem einleitenden Choral hielt der Führer des Jung­landbundes, Landesführer Robert Schmitt, Steinheiin, die Gedächtnisansprache, in der er das große Opfer der Soldaten des Weltkrieges und das Opfer der Helden des deutschen Frei- heitskampses schilderte und von der Verpflicht tung sprach, die aus dem Opfer der Gefallenen für die jetzige und für die zukünftige Generation erwachsen sei. Zum Abschluß seiner Rede legte der Landesführer einen Kranz nieder, der auf der Schleife die Aufschrift trug:Den Kämpfern für Deutschlands Freiheit vom Hessischen Junglandbund". Die Kapelle beschloß mit dem Lied vom guten Kameraden die ernste Feier.

Gegen 9 Uhr fand man sich bei strahlendem Sonnenschein auf dem Festplah an der Turn­halle zum

Gottesdienst

ein. Orgelvorspiel, das gemeinsam gesungene Riederländische Dankgebet und Gebet gingen der Predigt von Dekan S c r i b a voraus. Der Geist­liche wies auf den Sinn des Tages hin, an dem sich die Landjugend und die Landbevölkerung überhaupt vereinige zu einem Bekenntnis zu Bolk und Vaterland, zu Staat und Regierung, Ku den Führern, um sich damit einzugliedern in die Front des Aufbaues. Der Aufbau könne ober nicht ohne Gott geschehen. Man danke Gott, daß er uns einen solchen Führer wie den Reichs­kanzler Adolf Hitler geschickt habe, der das Volk aus dem Elend führe. Der Führer allein könne es aber nicht tun, wenn nicht der einzelne Mensch mithelfe am Aufbauwerk. Der Staat rufe die Kirche zur Hilfe auf, und die Kirche habe die Verpflichtung, dem Volke zu dienen und somit mit- zuhelfen. Es sei um so leichter auch für die Kirche, als der neue Staat, das neue Reich auch das Christentum mit auf seine Fahnen geschrieben habe. Gemeinschaftsgeist, Zucht und Glauben seien die gemeinsamen Grundlagen für das Aufbauwerk der Zukunft. Wenn dasJa" zu Gott und die übrigen Voraussetzungen Wirklichkeit werden, dann stehe das Volk vor einer echten und edlen Gemeinschaft.

Gegen 13 Uhr formierte sich in der Bahnhofs- und Ludwigstraße ein

stattlicher Zeskzug,

der sich dann in vorbildlicher Ordnung durch die Stadt bewegte. Die Bevölkerung säumte in dichten Scharen die Straßen und nahm stärksten Anteil. Der Reitersturm und der Reiterverein Nidda eröffneten den Festzug, an dem auch der Ministerpräsident Professor Dr. Werner (der überall von der Be­völkerung auf das herzlichste begrüßt wurde) und der Staatskommissar Dr Wagner neben anderen Führern der SA. und SS. teilnahmen. Unter dem TitelIunglaudvolk marschiert!" hatte der Junglandbund Gruppen zusammengestellt, die in bunter Kleidung, angetan mit den Werkzeugen der bäuerlichen Beschäftigung, viel Beachtung sanden. Mit viel Humor war auch eine Reihe von Wagen hergerichtct worden, in denen die Geschichte des deut­schen Volkes in den Jahren von 1914 bis 1933 sym­bolisch dargestellt war. Diesen Gruppen und Wagen folgten die SA. in schneidiger Marschordnung, das Hitler-Jungvolk, die Frauenschaft und der Freiwil­lige Arbeitsdienst mit vielen Angehörigen, die in ihrer grauen Arbeitsuniform und mit ihrem Hand­werkszeug erschienen. Turnvereine, Eisenbahner, Kriegeroereine und andere Organisationen schlossen sich an und rundeten so das vollkommene Bild des Festzuges, der ohne Zwischenfall auf dem Festplatz anka.n.

Die Menge war schon auf dem Platz und unter den geräumigen Zelten, als die letzten Teilnehmer des Festzuges einmarschierten. Es mögen an zehn­tausend Menschen gewesen fein, die sich am frühen Nachmittag auf dem Festplatz vor der Turn­halle in einigem Geiste zusammenfanden. Nach einem schneidigen Marsch der Standartenkapelle Friedberg, die hervorragend musizierte, und einem Lied der Landbundjugend, hielt

der Landesführer desZunglandbundes, Robert Schmitt, Steinheim

die Begrüßungsansprache. Er hieß besonders den hessischen Ministerpräsidenten Prof. Dr. Werner und den Staatskommissar Dr. Wagner willkom- men, er begrüßte den Landesvorsitzenden Dr. von H e l m o 11 vorn Altlandbund, den geschäftsführen­den Präsidenten des Reichslandbundes Tlein» berg, den Bürgermeister der Stadt Nidda Rull­mann und die SA.- und SS.-Führer. Nicht zu- letzt begrüßte er auch die Vertreter der Behörden, die der Landvolktagung großes Interesse entgegen- brachten. In seinen weiteren Ausführungen sprach er davon, daß die Landjugend zusammengekommen sei, weil sie das neue Reich zu feiern gedenke, sie feien alle gekommen, weil sie wieder einen Glauben und ein Ziel haben. Der Juny- bauer wolle die Erhaltung des Besitzes und die Freiheit von Volk und Vaterland. Der lag solle gleichzeitig die Grundlage zur Neubildung des Jung-Landdundes sein. Jeder 3un(j- bauer müsse ein Kämpfer sein, denn man dürfe nicht vergessen des Volkskanzlers Adolf Hitlers zu gedenken, ohne den heute der Bauernstand nicht ein Stand, sondern ein Chaos wäre. Der Bauer und der Jungbauer dürften nicht Nachlassen im Kampf um den Bestand der Nation. (Lebh. Beifall.)

Staatskommissar für die hessische Landwirtschaft Or. Wagner

Seinen Ausführungen sei folgendes entnom­men: Man frage heute schon nach dem, was die

nationale Regierung bisher erreicht habe. Es gebe einige Unzufriedene. Ihnen müsse man antworten, daß man in drei Monaten nicht mehr verlangen könne, als was in 14 Jahren ge­schehen oder nicht geschehen sei. Was bisher er­reicht worden sei an Förderungsmaßnahmen der Bauernschaft sei nur au erreichen gewesen durch die Bewegung und durch den agrarpolitischen Apparat der RSDAP., der durch den Beauf­tragten für Dauernfragen Richard Walther Darrs aufgebaut worden sei. Er (Redner) wolle darlegen, wie er sich die Hilfsmaßnahmen für die Bauernschaft denke. Die Landwirtschaft müsse in vier Säulen wieder aufgebaut werden.

1. Der Bauer müsse im L«;ndbund sein. Jeder Jungbauer müsse der SA. ange­hören und gleichzeitig im Landbund sein. Die Interessengemeinschaften müssen zusammengefaßt werden in der Landesführergemeinschaft. Es müsse ein RS.-Landbund geschaffen werden. Jeder Bauer müsse mithelfen am Ausbau des Standes.

2. Die Landwirtschaftskammer bedürfe der Umgestaltung. Wir seien nicht Landwirte, son- dem Bauern. Die Landwirtschaftskammer müsse Bauernkammer heißen. Sie solle nichts an­deres sein wollen, als sie sein muß. Die Bauern- fammer habe die gesamttechnische Förderung der Bauernschaft oorzunehmen.

3. Was die Genosfens cha ften angehe, so feien die Gleichschaltungen der Zentralgenossenschaft, wie auch der Landesgenossenschaftsbank notwendig. Die bisherige Führung dieser Institute sei untrag­bar für den Bauern gewesen. Die Rationalisierung der Genossenschaften sei eine weitere Notwendigkeit. Es dürfe in Zukunft nicht sein, daß in einem Orte zwei Genossenschaften neben- und gegeneinander arbeiten.

4. Der Landhandel befinde sich noch in sei­nem Anfangsstadium. Die Organisation müsse erst aufgebaut werden. Die Arbeitsgebiete zwischen Ge­nossenschaften und Landhandel müßten in den Grenzen klargelegt werden.

Was die weiteren Aufgaben für den Aufbau des Bauernstandes anbetreffe, fo habe er zunächst zu betonen, daß man noch mitten in der Revolution fei. Es gebe viele Schwierigkeiten zu überwinden. Das Milchproblem fei besonders schwierig zu lösen gewesen. Für die Butter werde man durch Preisfestsetzungen ab Molkerei eine Lösung finden. Er verspreche, alles zu tun, um die Nöte im Vogelsberg zu lindern. Im hessischen Ried, wie im Vogelsberg sollen Meliorationen durchgeführt werden, durch die es möglich fei, 30 000 Menschen Arbeit zu geben. Er werde ferner bemüht fein, in ständigem Kontakt mit dem prak­tischen Leben zu bleiben und keinerlei Entscheidun­gen schwerwiegender Art vom grünen £ifd) aus zu fällen. Im Beauftragten für Bauernfragen, R. W. Darrs, habe man einen Mann an der Spitze, der genügend Weitblick besitze, um dem Bauernstand wieder aufzuhelfen. Es dürfe nicht vergessen werden, daß Blut und Boden die Grundlagen des Staates seien. Der Bauer müsse zum Staat Vertrauen haben. Der Bauer sei gegenwärtig aber unzufrie­den mit dem Ernährungsminister Dr. Hugen- berg, weil er nicht Blut von ihrem Blute sei. Aus diesem Grunde müsse ein Berufenerer an die Spitze. (Lebhafter Beifall!)

Im Anschluß daran sprach der geschäftsführende Präsident des Reichslandbundes

Meinberg, Berlin

Er wies zunächst auf die wesentlichen Unterschiede in der Charakter- und Geisteshaltung der Stadt- und der Landbevölkerung hin. Wenn man vom Bauern spreche, so sei das kein Begriff, der mit der Größe des Besitzes etwas $u tun habe. Bauerntum fei etwas anderes. Gutsbesitzer könne jeder werden: das habe man ja zur Genüge erfahren. Zum Bauerntum müsse man geboren sein. Bauern- tum s e i Tradition. Ein selbstbewußter Bauer sei das stärkste Bollwerk des Staates. Heute sei man dabei, dem deutschen Bauern wieder zur ursprüng­lichen Kraft zu verhelfen. Der größte Garant eines Staates fei das Vertrauen des Bauern zum Staat. Je größer die Aufgabe fei, je größer müsse der Ernst fein, und dann würden auch die Fragen, vor denen der Bauernstand heute stehe, gelöst. Das NS.- Bauernrum, das sich unter Adolf Hitler organisiert habe, brauche nur einer Willensmeinung zu fein, fo würde das in allen Fragen den Ausschlag geben. Was noch an Widerständen vorhanden fei, würde bann hinweggefegt. Er, der Redner, habe auf die Gefahren hingewiesen, die die Berufung der Herren Hugenberg und von Rohr in das Ernäh­rungsministerium des Reiches darstellten. Der deutsche Bauer habe zu diesen Herren kein Vertrauen, denn sie seien dem deutschen Bauerntum fremd. Wenn der gegenwärtige Be­auftragte für Bauernfragen, Darrs, das Geschick der Bauern in die Hand nehme, sei das Geschick der Herren Hugenberg und von Rohr er- füllt. (Starker Beifall.)

Im Anschluß an die Ausführungen des gefchäfts- führenden Reichslandbund-Präsidenten verlas der Staatskommissar Dr. Wagner eine

Entschließung,

der von der nach Tausenden zählenden Menge ein­mütig zugestimmt wurde. Die Entschließung hat fol­genden Wortlaut:

An den Herrn Reichskanzler und den Herrn Reichspräsidenten! Die in Ridda versammelten Tausende von hessischen Bauern aus allen Provinzen des Landes fordern als Reichsernährungsminister den na­tionalsozialistischen Bauernführer, den Beauf­tragten des Reichskanzlers für Bauern fragen, Richard Walther Darrs. Die heffischen Bauern haben am 5. Mär; Hitler gewählt, weil sie zu ihm und nicht zu hugenberg vertrauen haben.

Die vereinigten hessischen Bauern.

Ministerpräsident Pros. Or. Werner

sprach dann als letzter Redner, der in seiner kurzen Ansprache besonders auf die Geschichte der völkischen Bewegung in Oberhessen einging, an jene denk­würdige Versammlung in Ober-Widdersheim erin­nerte, in der erstmals vor Tausenden von hessischen Bauern die völkischen Abgeordneten sprachen. 20 stehe man im Niddaer Land auf klassischem Boden der völkischen Bewegung. Er freue sich, daß er unter den Teilnehmern des Festes manches bekannte Ge­sicht sehe. Es fei auch Pflicht, derer zu gedenken, die den Kampf um die völkische Bewegung mittragen halfen, nachdem nun das Hakenkreuzbanner über allen Dörfern flattere. So begrüße er heule die

Volksgemeinschaft und jede ehrbare Arbeit. Nun habe man die Wege gesunden und nun wiße man, was man zu tun habe, um den Bauernstand wieder zur alten Höhe zu bringen.. Nun könnten sich die Geister der Vergangenheit mit den Geistern der Gegenwart verbinden, der deutsche Geist sei nun der Mittler und weise klar seine Wege. Deshalb gelte fein dreifachesSieg-Heil!" nicht allein der Volksgemeinschaft, sondern auch der Heimat, die wir lieben, dem hessischen Land, dem hessischen Landvolk und besonders auch der Landjugend als

dem Träger der deutschen Zukunft. Die Mengs stimmte begeistert in das ..Sieg-Heil!" des Minister­präsidenten ein und bereitete ihm herzliche Ovatio­nen für seine eindrucksvollen Worte.

Im weiteren Verlaufe des Tages erwartete die Menge noch den Befuch des Reichsstatthalter Sprenger, über den wir gestern bereits berich­teten. Bei Konzert der Standartenkapelle, bei gc- felliger Unterhaltung und Tanz wurde der Land- volktag geschlossen, der allen Teilnehmern noch lange in der Erinnerung bleiben wird.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Jäger Achtung!

Aus Jagdgebieten der Gegend von Bieden­kopf und vom westlichen Vogelsberg häufen sich die Meldungen von dem Auffinden von Rehen, die alle dieselben Merkmale deS Gerissenseins aufweisen. Entweder sind Drossel und Hals­schlagader durchbissen oder cs fehlt gar der ganze Kopf, der von einem tierischen Täter ab- geschnitten zu sein scheint- Das Auffinden noch warmer, frisch schweißender Stücke deutet auf frisches Reißen und nicht etwa nachträgliches Anschneiden von Fallwild hin. Die betanntge- wordenen Zahlen sind in einzelnen Revieren so erschreckend hoch, daß alle Revierinhaber und Jagdschutzbeamte gewarnt und aufgefordert wer­den, in gemeinsamer Zusammenarbeit von Revier au Revier Vorbeuge zu treffen. Es besteht der bringende Verdacht, daß es sich um wildernde Hunde handelt- Verschärfter Jagdschuhdienst er­scheint notwendig, um die Ursache baldigst ein­wandfrei festzustellen und zu beseitigen. Beob­achtungen aus der Umgebung von Gießen werden umgehend an VereinHubertus" erbeten. Das Veterinär-Pathologische Institut der Universität, Direktor Geh. Rat Prof. Dr. Olt, wäre für den Hals frischer Stücke dankbar. H ö 1 z e l.

Tagung der Deutschen Kaufmanns­jugend in Büdingen.

Vom Deutschnationalen Handlungs- gehilsenverband wird uns mitgeteilt:

Zum ersten Male wird sich zu Pfingsten 1933 die im Deutschnationalen Handlungsgehilfenvcrband jetzt zusarnrnengefchlossene deutsche männliche Kausmanns- jugenb zu einer großen Kundgebung in der schönen, alten, oberhessischen Stabt Büdingen zusammen- finden. Der Tagung kommt insofern besondere Be­deutung zu, als die berufsständische Kaufmanns- fügend ein machtvolles Bekenntnis zu dem neuen deutschen Staat und seinen Führern oblegen wird. Den Höhepunkt der Veranstaltung dil- bet eine große KundgebungDas ganze Deutschland soll es sein". Am Montag findet ein großes Geländespiel als Abschluß der Tagung statt. Die bereits vorliegenden zahlreichen Anmeldun­gen aus allen Teilen des Main-Wefer-Gaues ver­sprechen einen außerordentlich starken Besuch der Tagung. Die Stadt Büdingen selbst wirb eine f e st - gliche Beleuchtung ber alten Stabt- mauern und der Berge durchführen und so

auch ihrerseits zu einem guten Verlaus ber Tagung beitrogen.

Pornotizcn.

TageSkalenber für Mittwoch: Oberhefsischer Kunstverein, Turmhaus am Brand- platz, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. Lichtspiel­haus, Dahnhofstraßc,Dielleichl bist Du bas große Glück".

** Platzkarten unb Arbeiterrückfahr- karten an den Pfingsttagen. Von ber Reichsbahnbirektion Frankfurt wird mitgetei't: Platzkarten werden für die in ber Zeit vom 1. bis 7. Juni verkehrenden D-, Fd- und FFO-Zügc schon jetzt ausgegeben. Diese Regelung gilt sowohl für die gewöhnlichen Fahrkarten, für die Festtagsrückfahr- karten und die Arbeiterrückfahrkarten. Die Arbeiter­rückfahrkarten können in ber Zeit vorn 1. bis 7. Juni an jedem beliebigen Tag zur Hin- unb Rückfahrt be­nutzt werben. 21 n ber üblichen lOtägigcn Geltungs­dauer der Arbeiterrückfahrkarten ändert sich durch diese Maßnahme nichts. Wird z. B. eine Arbeiter- rückfahrkarte am 3. Juni gelöst, fo gilt sie bis 3um 12. Juni. Die Entfernungsgrenze für Arbeiterrück­fahrkarten ist allgemein aufgehoben.

Maienblasen. Bei dem am heutigen Mittwoch, 19 Uhr, vom Turme der Johannes- kirche aus stattfinbenden Maienblasen werben fol­gende Stücke vorgetragen: 1. ChoralRun danket alle Gott", 2.(Sott grüße dich" von Mücke, 3. Deutschland, Deutschland über alles", 4. Horst- Wessel-Lied.

Schließung der Technischen Hochschule in Darmstadt.

Darmstadt, 30. Mai. (IDSH.) Die Tech­nische Hochschule in Darmstadt teilt mit: Die Technische Hochschule hat sich veranlaßt gesehen, ihre Räume bis auf weiteres zu schließen, weil innere Störungen die Aufrechterhaltung ihres Lehrbetriebes unmöglich gemacht haben. Es find Maßnahmen eingeleitet worden, um die Hinder­nisse fo schnell roie möglich z u beseiti­gen. Die Abwicklung der verwaltungvgeschäfte wird dadurch nicht berührt.

Sie letzten Soldaten des Weltkrieges.

Teilnehmerberichten nacherzählt von Walter Schimmel'Aalkenau.

n.

Die Seldentragödie im Baltikum.

Unb bie Bezahlung, die Englanb sorberte, gip­felte schließlich darin, daß ber mit den Erfolgen ber deutschen Truppen immer stärker werdende deutsche Einfluß in den baltischen Ostseeprovinzen wieder vermindert werden mußte. Der frühere Ministerpräsident U l m a n hatte inzwischen im nördlichen Lettland unter dem Schuhe der Eng­länder unb ber Esten neue Truppen auf* gestellt. Diese wanbten sich nun gegen die let­tischen Truppen des Ministerpräsidenten R e e - d r a , die in ber Baltischen Landeswehr zusam­mengeschlossen waren unb Schulter an Schulter mit berEisernen Division" bie Bolschewiken be­siegt hatten. Ein Kampf stand also bevor des von England gestützten Exministerpräsidenten gegen den von den deutschen Baltikumkämpfern berufenen Präsidenten Reedra, eigentlich also ein Kampf Englands gegen Deutschland. Da aber die deutsche Regierung nicht das geringste für bie deutschen Truppen im Baltikum tat, gar kein Verständnis für die hohen vaterländischen und kulturpolitischen Ziele hatte, für die schließlich dieEiserne Divi­sion" dort oben damals ihr Leben einsetzte, muß­ten sich bie nun bei Wenden entbrennende 1 Kämpfe schließlich zugunsten Ulmans unb bamit zugun­sten Englanbs entscheiden

Das Kabinett Reedra wurde zur Abdankung gezwungen. Riga mußte von den reichsbeutschen unb baltischen Truppen geräumt werden. UI- man wurde von England wieder als Minister­präsident eingesetzt. Ein Waffenstillstand wurde abgeschlossen. DieEiserne Division" lag taten* los nahe bei Mitau, die Baltische Landeswehr stand bei Tuckum. Die lettischen Truppen unter Führung des Obersten Ballod traten sofort in die Dienste Ulmans über. Der deutsche Einfluß unb damit bie Möglichkeit weitreichenber Han- belsbsziehungen unb Siedlungen war bis nach Kurland hinauf durch diese jüngsten Ereignisse fast vernichtet worden. Die große, auf­opfernde Arbeit unserer Baltikumkampfer, die sehr wohl wußten, um welche hohen vaterländi­schen Interessen ihr Kampf geführt wurde, war durch die untätige, ja direkt feindselige Haltung der deutschen Regierung ihnen gegenüber um­sonst geleistet worden.

Durch diese inneren Schwierigkeiten hatte die vordem in wilde Flucht geschlagene Bolsche­wistenarmee Zeit und Gelegenheit gefunden, sich an den östlichen Grenzen Lettlands unb Est­lands erneut zu sammeln. Riemand erkannte bie Gefahr, bie von den Bolschewisten drohte, erneut drohte, in diesem Augenblick besser als Major Bischoff, der ruhmreiche Führer berEiser­nen Division". Er hatte mit seinen Truppen die Ostfeeprovinzen von den Bolschewiken gesäubert, seine Truppen hatten im Verein mit willigen Balten unb unter ber Mitwirkung kleiner zari­stischer Russentruppenteile Deutschland vor der Dolschewisteninrasion unb bamit vor der Kom­munistenherrschaft bewahrt.

Riemanb, am wenigsten die damalige deutsche Regierung, war sich in Deutschland im Frühjahr 1919 darüber klar gewesen, wie unerhört nahe die kommunistische Gefahr an den Grenzen stand. Es ist und bleibt das unvergängliche Verdienst unserer

Daltikumkämpfer, diese Gefahr erkannt zu haben, sie aufgehalten zu haben, Deutschland vor ihr be­wahrt au haben. Die durch bie von England poli­tisch sehr klug hervorgcrufenen Streitigkeiten zwi­schen Esten und Letten einerseits, den Balten unb ben Deutschen andererseits, hatten den Bolsche­wisten Gelegenheit gegeben, wie schon gesagt, eine neue Kampffront auszustellen, die nun er­neut bie baltischen Ostseeprovinzen unb mit ihnen auch Deutschland lebhaft bedrohte. Als darum im August 1919 der Befehl zur Auflö­sung unb zum Abtransport ber Eisernen Division" von ber beutschen Regierung ausgesprochen würbe, war damit zu­gleich der Befehl ausgesprochen, bie baltischen Ost­seeprovinzen fast schutzlos mit ihren vielen deutsch- stämmigen Bewohnern unb deutschen Kulturgü­tern dem wieder mächtig anrückenden Bolsche­wismus auszuliefern. In Erkenntnis dieser Gefahr, die durch den wahrscheinlichen Sieg der Bolschewisten über Esten und Letten auch dem deutschen Voterlande wieder drohte, weigerte sich der Führer derEisernen Division, dem Befehl seiner Regierung Folge zu leisten. Am 23. August erklärte Major Bischoff feierlichst, daß er feine Truppen nicht verlassen werde, daß er sich an die Spitze der Bewegung stelle, daß die Eiserne Division" unter feiner Führung in Kur­land verbleiben werde. Diese Kundgebung des Führers löste eine Begeisterung aus, oie sich mit Worten kaum beschreiben läßt. Andere Truppen­teile schlossen sich daraufhin Major Bischoff so­fort an, zaristisch gesinnte russische Soldaten tra­ten immer wieder ein und verstärkten die Truppe. Die Daltikumkämpfer dachten hierbei auch und wer möchte es ihnen verdenken an das ihnen im Dezeml>er 1918 von dem Präsidenten Ulm an gegebene Siedlungsversprechen. DerSoldaten­lied! ungsver band Kurland" hatte bereits über 6000 Landanteilscheine ausgcgeben. Immer wieder an* langende Aufforderungen der deutschen Regie­rung, Befehle zur Auflösung konnten die Truppe in ihrem festen Entschluß nicht beirren, einmal die bolschewistische Gefahr vollständig zu über­winden, zum anderen das ihr gegebene Sied­lungsversprechen auch zur Erfüllung zu führen.

In ganz Deutschland wurde damals dieses eigenmächtige Handeln derEisernen Division" mißverstanden. Die tapferen Baltikumkämpfer, deren zähem Kampfe gegen die Bolschewiken Deutschland so viel zu verdanken hatte, wurden Meuterer gescholten, Fahnenflüchtige. Der eng­lische Einfluß hatte Auwcge gebracht, daß die treue Baltische Lanoeswehr, bie wackere Bun- desgenossin unsererEisernen Division" in so vielen schweren unb siegreichen Kämpfen gegen Moskau, einem englischen Obersten un­terstellt wurde, der sie nun an der Bolsche­wistenfront einsehte. Die ..Eiserne Division" war dadurch Ende August 1919 auch des letzten Bun­desgenossen beraubt worden, sie stand ganz allein im Baltikum auf der Wacht, von Fein­den und Reidern auf allen Seiten umgeben, be­reit, bis zum letzten Atemzuge für ihr großes va­terländisches Ziel einzutreten.

Wie wir schon ausführten, hatten sich im Laufe des ersten Halbjahres 1919 der Baltischen Landes­wehr zahlreiche antibvlschewistische Truppen ange­schlossen, die zu sogenannten russischen Formatio­nen gruppiert unter der Führung des deutsch-*