Ausgabe 
31.5.1933 Frühausgabe
 
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Die Danziger Legierung Ziehm zurückgetreten.

D a nz i g, 30. Mai. (TU.) Amtlich wird mitgeteilt: Der Senat ist heute zurückgetreten. Er führt bis zur Bildung einer neuen Regierung gemäß Artikel 31 der Danziger Verfassung die Geschäfte weiter. Um möglichst bald die Bildung einer neuen Regierung zu ermöglichen, hat der Senat den Wahl­kommissar ersucht, die endgültige F e st st e l l u n g der Wahlergebnisse zu beschleunigen. Mit der Feststellung der Wahlergebnisse ist frühestens Anfang nächster Woche zu rechnen.

AurdieSPO.fürAusnahmerechtgegen nationale Deutsche im Gaargebiet.

Saarbrücken, 30. Mai. IWTB.) Der Lan­de s r a t nahm heute zu dem Derordnungsentwurf über das neue Dereinsgeseh Stellung. E i n m ü t i g lehnten die Parteien, ein­schließlich der Kommunisten, den Entwurf ab, le­diglich der Sprecher der SPD. vertei­digte ihn. Die durch das unnötige Vorgehen der Regierungskommission hervorgerufene Veun- ruhigung so betonten die Redner würde so­fort wieder verschwinden, wenn die letzten drei Verordnungenzur Aufrechterhaltung von Ruhe und Sicherheit" wieder rückgängig gemacht wür­den.

Abberufung des bayrischen Gesandten in Hessen.

D a r m st a d t, 30. Mai. (TU.) Amtlich wird mit­geteilt: Der bayerische Gesandte in Hes - fen, Dr. Tischer, überreichte dem Ministerpräsi­denten Dr. Werner sein Abberufungs­schreiben und verabschiedete sich anschließend offi- zie von der hessischen Regierung.

In dem Abberufungsschreiben teilt der bayerische Ministerpräsident Siebert mit, daß die Umgestal­tung im Aufbau des Deutschen Reiches auch die Beziehungen zwischen den deutschen Ländern auf eine neue Grundlage gestellt habe. Die völlige Einmütig­keit der Auffassung über die Ziele und Wege der Politik sei unter der Führung des Reichskanzlers ge­sichert. Aus diesem Grunde sähe sich die bayerische Regierung veranlaßt, die bayerische Gesandtschaft bei der hessischen Regierung mit Wirkung oom 1. Juni 1933 aufzuheven und ihren Gesandten ab­zuberufen.

Kleine politische Nachrichten.

Wie wir erfahren, wird sich der Herr Reichs­präsident zu Pfingsten nach Reudeck be­geben. Die Rachrichten, wonach der Reichspräsi­dent der Stadt Marienwerder anläßlich ihres 703jährigen Bestehens einen Besuch ab­statten würde, entsprechen nicht den Tatsachen.

Der Reichskanzler empfing am Dienstag eine Abordnung der deutschnationa- len Reichstagsfraktion, bestehend aus den Abgeordneten Berndt, Frhr. v. Frehtagh- Loringhoren und v. Restorff zu einer etwa andert­halbstündigen außen- und innenpolitischen Aus­sprache.

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Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt, daß die Meldung verschiedener ausländischer Zeitungen über die angebliche Verhaftung General von Schleichers frei erfunden ist.

Rach einer parteiamtlichen Bekanntmachung können Angehörige der RSBO. in Zu­kunft ihreMitgliedschaft zurRSDAP. erst beantragen, wenn sie nachweislich mindestens ein halbes Jahr der RSBO. ange­hört haben. Ferner können alle jene Personen in die RSDAP. ausgenommen werden, welche nach halbjähriger Dienstzeit als Anwärter offi­ziell in die SA. bzw. in die SS. aus­genommen wurden.

2m preußischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit wird der Ministerialdirektor Schulze unter Gewährung des gesetzlichen Wartegeldes so­fort einstweilen in den Ruhe st and ver­setzt. Der kommissarische Oberbürgermeister von Stettin. Rechtsanwalt Dr. Wilh. S t u ck a r d t,

Frankreichs Saboiageplan gegen die Abrüstung.

Genf, 30.Mai. (TU.) Im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz wurde am Dienstag das europäische Sicherheits­abkommen in erster Lesung unverbindlich durch­beraten. Es umfaßt im ersten Kapitel den euro­päischen Gewaltverzicht, im zweiten Kapitel die gegenseitigen Hilfsmaßnahmen der Staaten. Auf Grund der Erklärung Norman D a v i s' wurde der zunächst auf Europa beschränkte Gewaltver­zicht als universell erklärt.

Die Grundgedanken des Paktes zur gegenfeiti- gen Hilfeleistung bedeuten ein teilweises Wie­deraufleben des Genfer Protokolls, in dem die europäischen Staaten sich gegenüber einem An­greifer zu gemeinsamen Sanktionen verpflichten sollten. Es fehlt jedoch die Verpflichtung zur obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit, vor allem für politische Fragen und damit der Gedanke der völkerrechtlichen Stabilisierung des Status quo. Jedoch wird dieser Gedanke in dem vor­liegenden Entwurf indirekt ausgenommen, da er die formelle Anerkennung des französischen Bündnissystems durch die anderen Mächte vor­sieht.

Die deutsche Stellungnahme zu diesem Abkommen ergibt sich aus der Tatsache der ein­seitigen Abrüstung Deutschlands. Eine Teilnahme Deutschlands an einem solchen Abkom­men könnte nur nach einem tatsächlichen Rüstungsausgleich zwischen den abgerüste­ten und hochgerüsteten Nationen in Frage kommen. Da auch England und Italien, sowie Sowjetruß­land einem solchen Abkommen nicht beitreten wer­den, wird Frankreich mit seinen Bun­desgenossen bei der Annahme dieses Paktes isoliert bleiben. Es wird angenommen, daß Frankreich das Nichtzustandekommen die­ses Abkommens als Vorwand für die Ab­lehnung aller Abrüstungszugeständnisse benutzen wird.

Der Hauptausschuß beschloß, am Mittwoch keine Sitzung abzuhalten, um den Großmächten Gelegen­heit zur privaten Besprechung zu geben.

In englischen und amerikanischen Kreisen verstärkt sich die Tendenz, die Konferenz nur während der Generalaussprache der Londoner Weltwirtschaftskonferenz ungefähr auf 14 Tage z u vertagen und sie dann bis in den August hinein durchzuführen.

Das Verbot des Gaskrieges.

Genf, 30. Mai. (WTB.) Das Verbot des Gaskriegs wurde am Dienstag vom Hauptaus­schuß der Abrüstungskonferenz im Rahmen des eng­lischen Konventionsentwurfs behandelt. Die Ent­scheidungen wurden bis zur zweiten Lesung zurück­gestellt. Schwierigkeiten bietet immer noch die Frage der Sanktionen und Repressalien. Der deutsche Vertreter Botschafter N a d o l n y erklärte wieder die Zustimmung Deutschlands zu einem uneingeschränkten Verbot des chemischen und des Gaskriegs. Auch eine Anwendung als Repressalie dürfte nicht gestattet sein. Er behalte sich vor, bei der zweiten Lesung den deutschen Stand­punkt noch einmal endgültig zu präzisieren.

England und die Krage des Lust­bombardements.

London, 30. Mai. (WTB.) Zur Frage des Luftbombardements gab Baldwin im Unterhause eine Erklärung ab, in der er den be­kannten englischen Standpunkt präzisierte, wonach das Luftbombardement als P o l i z e i m a ß - nähme in entlegenen Ländern gestat- t e t sein müsse. Man dürfe nicht erwarten, daß die Regierung ihren Standpunkt den verschiedenen Ein­wänden zuliebe aufgebe, die inzwischen laut gewor­den seien. Die Regierung werde die Gründe ihrer Haltung in Genf darlegen und die Einwände zu widerlegen suchen.

ist endgültig zum Ministerialdirektor im Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ernannt worden.

2n feierlicher Sitzung der Hamburger Synode wurde der Synodalpräsident D. Dr. Schöffel, Hauptpastor zu St. Michaelis, zum Landes­bischof gewählt.

Dr. Fritz S t i ch t e n o t h , der bisherige parla­mentarische Staatsrat im Freistaat M e ck l e n - burg-Strelitz, wurde vom Reichsstatthalter Hildebrand zum Staatsminister für Meck- lenburg-Strelitz ernannt. Der bisherige Staatsmini­ster Dr. v. M i ch a e l hat gleichzeitig telegraphisch dem Reichsstatthalter seinen Rücktritt ange­boten.

Dem österr. Heeresminister V a u g o i n wurde vom Papst das Grohkreuz des St. Gre- gorius-Ordens (Militärklasse) verliehen, das ihm durch den päpstlichen Runtius Erz­bischof Silibia überreicht wurde.

Kunst unb Wissenschaft.

71. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Ingenieure.

2n Friedrichshafen im Luftschiffbau Zeppelin hielt der Verein Deutscher Ingenieure seine 71. Hauptversammlung ab, zu der sich über 120) Teilnehmer aus allen Gebieten des Reiches eingefunden hatten. Der neue Vorsitzende des VDI. führte u. a. au£: Die Ingenieure be­grüßen es, daß die neue Regierung es sich zur Aufgabe gemacht hat, das ganze Volk zur Achtung vor der Arbeit zu erziehen. Der Vorstand hat beschlossen, als äußeres Zeichen dieser Zustimmung der Stiftung für die Opfer der Arbeit einen Betrag von 50)0 Mk. zu über­weisen Der neue Präsident der Physikalisch- Technischen Aeichsanstalt Professor Dr. Stark, Berlin, kündigte an, daß demnächst die Rot­gemeinschaft der deutschen Wissenschaft i n einen Reichsforschungsdienst u m g e - wandelt werde mit der Aufgabe, zwischen

Wirtschaft und Wissenschaft möglichst fruchtbare Beziehungen herzustellen, wozu auch Vertrauens­männer aus dem Kreise der Ingenieure berufen würden. An Dr. Eckener wurde ein Tele­gramm gesandt, ebenso an den ersten Reichs­minister für Luftfahrt Göring, um auch vom VDI. zu bekunden, wie sehr er mit der deutschen Luftfahrt verbunden ist. In einem Telegrermm an den Vorarlberger Technischen Verein wurde diesem mitgeteilt, daß die Haltung der österreichischen Regierung den VD2. gezwungen habe, von dem Besuch bei den 2n- genieuren unseres Brudervolkes abzusehen. Trotzdem bleibe man aber mit den österreichischen Berufskollegen aufs engste verbunden. 2n der neuen Luftschiffhalle I, deren größter Teil bereits mit dem im Bau befindlichen Gerippe des neuen Verkehrsluftschiffes L 629 ausgefüllt ist, wurde darauf im Angesicht des neuen Beweisstückes deutscher 2ngenieurkunst von dem Zeppelinbau den Tagungsteilnehmern ein Frühstück gegeben.

Heinrich Wolf 75 Jahre alt.

Prof. Dr. Heinrich Wolf-Düsseldorf, der be­kannte Vorkämpfer einer völkischen Geschichtsbetrachtung, konnte dieser Tage seinen 75. Geburtstag feiern. Prof. Wolf hat beson­ders durch sein großangelegtes WerkDie ange­wandte Geschichte" an der Grundlegung der nationalsozialistischen Weltanschauung mitgewirkt.

Aus aller Welt.

Eine Reichswehrpatrouille in den Alpen von einer Lawine erfaßt.

Bei den zur Zeit im Gar Mischer Alpen­gebiet übenden Hochgebirgstruppen der 7. Baye­rischen Division hat sich ein bedauerliches Unglück ereignet. Eine Patrouille der ersten Kompagnie des 7. Bayerischen Pionierbataillons München wurde im Abstieg von der Alpspitze von einer Lawine teilweise erfaßt. Bei der großen Geschwindigkeit der Lawine konnten sich nur w e - nige Leute retten. Zwei Pioniere fanden den Tod. Der Führer der Patrouille sowie ein Gefreiter

wurden schwer, ein Oberpionier mittelschwer, ein Ge­freiter leicht verletzt.

Leutnant A l t m a n n von den Münchener Pio­nieren, der bei dem Lawinenunglück an der Alp- pitze verschüttet worden war und noch lebend geborgen werden konnte, ist am Dienstagnachmittag einen Verletzungen erlegen.

Zum Tode Marga von Etzdorfs.

Lieber den Tod von Marga v. Etzdorf werden folgende Einzelheiten bekannt: Rachdem die Flie­gerin am Sonntag auf dem Flugplatz von Mouslimieh, ungefähr 16 Kilometer nörd­lich von Aleppo, eingetroffen war und ihre

beschädigte Maschine verlassen hatte, wurde sie nach der Fliegermesse geleitet, wo in jeder Beziehung für sie gesorgt wurde. Später begab sie sich auf eigenen Wunsch nach dem Ruhezimmer, das für Flieger, die eine Rotlandung gemacht haben, bereitgehalten wird. Plötzlich um 18.30 Llhr wurden mehrere Schüsse gehört. Alles eilte nach dem Ruhe- zimmer, wo Marga v. Etzdorf auf dem Bett liegend tot au fgefunden wurde. Reben ihr lag die Schnellfeuerpistole, die sie auf ihren Flügen mit sich zu führen pflegte. 2hr Kopf war von zwei Kugeln durchbohrt. Die ärztliche Llntersuchung läßt darauf schließen, daß die Flie­gerin f r e i w i l lig in den To d gegangen ist.

Demonstrationen an der deutschen llniversilät in Prag.

An der deutschen Universität Prag demonstrier­ten Dienstag vormittag deutsche national- sozial i st ische und andere rechts st ehen- de Hochschüler der juristischen Fakultät gegen die geplante Berufung des in Deutschland sei­nes Amtes enthobenen Staatsrechtslehrers K e l - s e n. Ferner setzte kurz nach Beginn der Vorlesung des Volkswirtschaftlers Professor Dr. Weiß ein Pfeifkonzert ein. Die Demonstranten riefen im Sprechchor u. a.Fort nach Moskau! Niemals Kelsen! Fort mit den jüdischen Universitätsprofes­soren!" Zu Tätlichkeiten ist es nicht gekommen.

Zwei Tote beim Indianapolis-Rennen.

Bei dem alljährlichen 500-Meilen-Rennen der größten a u t o m o b i l s p o r t l i ch e n Ver­anstaltung in den USA., verunglückten zwei Wagen. Dabei wurden die beiden Fahrer und ein Mechaniker schwer verletzt. Der Mechaniker und ein Fahrer sind inzwischen gestorben. Bei dem Rennen wurden außerordentliche Geschwin­digkeiten erzielt, was bei der Schwierigkeit der Rennstrecke zu den Unfällen führte.

Ein tolles Banditenstück.

Ein tolles Wildweststück hat sich in Kansas City zugetragen. Dort entführten zwei Räuber die 25jährige Tochter des Stadtdirektors Mc Elory, die sich in Abwesenheit ihrer Eltern gerade in der Badewanne befand. Beim Dienstmädchen hin­terließen sie, daß sieeinLösegeldvonbO 0 0 0 Dollar verlangten, andernfalls würde das Mäd­chen getötet werden. Gleichzeitig warnten sie dringend vor einer Benachrichtigung der Polizei oder der Presse. Der Vater und der Bruder der Entführten gehorchten diesem Befehl der Räuber und zahlten diesen auf einer einsamen Waldstraße am Sonntag 30 000 Dollar aus. Zwei Stunden später erschien das entführte Mädchen unversehrt in der elterlichen Wohnung.

Gießener StaSttheater.

Lenz:Tie Nacht zum Donnerstag."

Das Stadttheater wartete in der vorletzten Vor­stellung gestern abend mit einem Kriminal­stück auf, das sehr wohl von Wallace sein konnte, wenn es nicht gerade von Leo Lenz wäre. Es er­weist sich immer wieder, daß sich das Kriminalstück auf der Bühne ebenso gut ausnimmt, wie der Kri­minalroman im Buche. Wie eifrig war der Zu­schauer auch gestern wieder bemüht, den Gescheh­nissen üorausxueilen und einen Schluß herauszu­kombinieren. Alle diese Versuche waren aber dies­mal wieder vergeblich, denn der Dichter verfuhr sehr willkürlich und ließ die Situationen (nach an­fänglichem mystischem Dunkel über der Afsaire) häufig wechseln. Es scheint außerdem und über­haupt ein stillschweigend geübter oder verabredeter Trick der Kriminalschriftsteller zu sein, ihre Opfer (hier den Zuhörer oder den Leser) auf psychologische Irr­wege zu verführen, sie systematisch durcheinander zu schaffen, um sie dann umso sicherer und ver­nichtender mit der raffiniert gebauten Lösung zu erschlagen.

Hand aufs Herz! Wer hätte geglaubt, daß der brillante, frauenumschwärmte Gregor Wisilieff tatsächlich der Schuft sei, der seine Komplicen be­trügt und als politischer Spion im Dienste zweier Parteien steht? Wer hätte geglaubt, daß das lie­benswürdige Vorspiel in der Eisenbahn mit einem solchen Scherz endete, wie ihn das Nachspiel brachte? Und wer hätte schließlich erwartet, daß das ganze Kriminalstück eigentlich nur ein Traum gewesen sein sollte, der der Lektüre einiger Kapitel Kriminal­roman und dem Unterbewußtsein einer jungen Frau entsprungen war. Die Spannung und die Aufmerk­samkeit für alles, was auf der Bühne verging, war also bis zwei Minuten vor Schluß gesichert. Es wäre verfehlt, von der Handlung mehr zu verraten. Den Besuchern eventueller zukünftiger Vorstellun­gen soll nichts vorweggenommen sein.

Das Stück war in seinem szenischen Aufbau recht wirkungsvoll gefügt. Dramatische Höhepunkte waren die Verhandlungen vor dem Schwurgericht, das hier nicht fehlen durfte. Der Dichter ließ viele Personen in Aktion treten. Der Polizeipräfekt stand neben der mondänen Frau, der Staatsrat neben der Spionin, die mysteriöse Figur der An­geklagten und der alte Kapitän traten sinnvoll

auf und fesselten immer wieder aufs neue, während inmitten der bunten Gesellschaft die problematische Figur des Gregor Wasilieff stand und Rätsel auf- gab. So wurde man zwei Stunden ausgezeichnet unterhalten

Die Aufführung wurde den Stimmungsgehalten, den starken. Spannungen innerhalb der Handlung und außerdem der äußeren Form in höchstem Maße gerecht. Karl Heyfer führte die Regie untadelig.

Die weibliche Hauptrolle (Helga) trug Alix Krahmer, ein früheres Mitglied des Gießener Stadttheaters, als Gast, mit sicheren schauspieleri­schen Mitteln. Nicht weniger gut war Maria Koch als Frau des Staatsrats. Jochen Hauer (Gregor Wasilieff) gab den verzweifelt gesuchten politischen Mörder mit spielerischer Eleganz. Elisabeth Wie­lander sah man (Sonja Morawsky) in der un­gewohnten, aber überraschend guten Figur einer hintergründigen ' Frau. Wolfgang Kühne als Polizeipräfekt gab feiner Rolle eine starke eigene und glückliche Note. Gert Geiger hatte seine Aufgabe als Diener und geheimer Beobachter sehr sorgfältig herausgearbeitet. Rainer Eggemann trat in seiner einzigen Szene recht sicher auf. In gut besetzten Nebenrollen sah man Fierment (Hoteldirektor), Nieren (Verteidiger), KarlVo lck (Kapitän Larsen) u. a. Das Haus dankte mit leb­haftem Beifall. Sehr viele Blumen gab es für den Gast.n.

Was wir am Wege finden.

photo-plauderei zu Pfingsten.

Alles Photographieren ist ein Finden. Oft ein glückhaftes Finden ohne Suchen, noch öfter ein gegen Widerstände und Schwierigkeiten erkämpftes nach langem Suchen und Versuchen. Es liegt im Wesen der Lichtbildkunst begründet und war be­stimmend für ihre großen Fortschritte, daß der stre­bende Lichtbildner niemals zu streben aufhört und ich mit dem Erreichten zufrieden gibt. Aber ander- eits braucht er sich auch nicht Schwierigkeiten zu chaffen, wo keine sind. Und bas ist mehr als sonst in dieser Zeit zwischen dem Frühling und dem Sommer der Fall. Die Lichtverhältnisse sind schon günstiger und nähern sich dem Höhepunkt, und die Schatten sind noch nicht so tief wie sie bald «ein werden, wenn das Laubdach der Bäume seine größte

Dichte erreicht hat. Das große Blühen in der Natur ist noch durch keine Heuernte zerstört, und die Ge­treidefelder haben noch nicht jene Höhe der Halme, die dem Blick oft alle Aussicht sperrt.

Pfingsten fällt diesmal in diese schönste Zeit des Jahres, die auch für den Liebhaberphotographen soviel bringt. Wer auf Pfingstfahrt geht, wer auch nur einen Feiertag dem Wandern widmen kann und seinen Apparat als getreuen Begleiter bei sich hat, der findet unendlich viel am Wege, das im Bilde fest­gehalten zu werden lohnt. Die Baumblüte ist zwar vorbei, aber damit haben viele Landschaften wieder ihren eigentlichen Charakter angenommen. Die Dör­fer liegen wieder eingebettet in das Grün der Oost- bäume, nachdem der kurze Jubel des weißen Blüten­traumes diesmal gar so rasch verwehte. Die Alleen sind wieder jo, wie der Wanderer sie in der meisten Zeit des Jahres sieht, nachdem auch Ebereschen und Kastanien oom Blühen zum Reisen fortschritten. Die Bäume heben sich also wieder gegen den Himmel ab, was im Blühen oft so schwer auf der photo­graphischen Platte zu erreichen war. Dennoch solleti wir grundsätzlich Landschaftsaufnahmen mit dem Gelbfilter machen. Scheint die Sonne nicht prall, so genügt ein mittleres oder einfaches. Das aber ist nötig. Die vielen Abstufungen von Grün, die ein bewaldeter Hang zeigt, laufen sonst unansehnlich in einander. Dasselbe gilt für blühende Wiesen ober Feldränder, wo jetzt alle Farben und Farbtöne sich mischen die sich nachher im Bilde deutlich unterein­ander abheben sollen. Allgemein erfordern blühende Wiesen die Mattscheibenprobe, oder ein geübtes Auge. Durch das Fehlen der Farbe wirken sie im Photo oft enttäuschend schlicht gegenüber dem Wirk- lichkeitsbilde, das der Photograph festhalten wollte. Eintönigkeit ist am besten zu vermeiden, indem mir entweder ein paar Bäume ober Büsche als Vorder­grund mit ins Bild nehmen noch reizvoller, wenn die Schatten über Teile der Wiesen und ihrer Blu­men werfen! oder indem wir mindestens den Wiesenausschnitt geschickt wählen. Einige hohe Blütenstauden im Vordergrund (Spierstaude, Jo­hanniskraut, Lupinen, Fingerhut usw.) geben dem Bilde Tiefe und Ausdruck. Bei Vorherrschen einer Blumenart (Wucherblumen, Glockenblumen) suchen wir für den Vordergrund einige besonders wirksame und schöne aus, die kennzeichnend auch für die Un= menge derer sind, welche bei weit offener Blende nicht allesamt scharf kommen können.

Eben war von Schalten die Rede. Auch für

sie seien kurze Winke gegeben, wie es der Zweck dieser pfingstlichen Photo-Plauderei für verschie­dene Gebiete ist. Schatten geben dem Bilde Pla­stik. Deshalb seien Bilder vom 2nnern eines Dorfes, von Bauernhöfen usw., von Waldrändern und blühenden Hecken (Heckenrosen, Schlehen) am besten nicht in der senkrechten Mittagssonne ge­macht, die fast keine Schlagschatten wirft. Auch Wege und Straßen können erheblich gewinnen, wenn die Schattenbänder von Bäumen oder auch nur von Telegraphenstangen, von einem Garten­zaun oder einer Meilensäule sie teilen. Allerdings gibt es auch photographische Motive, die nun schon in den Schatten zu verschwinden drohen. Alte Gemäuer, Ruinen.usw. stehen nicht immer so frei, wie der Photograph sie gerne haben möchte. Bäume hüllen sie oft ein, was übrigens auch für andere Motive wie Felsen und selbst kleine An­wesen gelten kann. Da heißt es, einen geeigneten Standpunkt finden, und mit entsprechend länge­rer Belichtung unter Verzicht auf eine Gesamt­aufnahme einen wirkungsvollen Einzelteil festzu­halten. Das braucht nur eine Haustante zu sein, oder ein Fenster mit Blumen, oder ein Giebel mit Ranken. Aber möglichst nie frontal, sondern immer im leichten Winkel, um Langeweile zu ver­meiden. Handelt es sich um Bauernhäuser, so ist ebenso wie bei Hausgärten, die jetzt schöne Bilder bieten, eine gewisse Eile geboten. Sonst scheitert die Aufnahme an der inzwischen herbeigelaufenen Dorfjugend, oder an neugierigen Gesichtern, die im Fenster wohl manchmal, aber nicht immer will­kommen sind.

Was im übrigen Personen betrifft (von un­seren Wanderkameraden abgesehen), so gilt für sie dasselbe wie für alle anderen Momentbilder netter Szenen, die oft auch das Tierleben der durchwanderten Gegend bietet: daß sie niemals gestellt oder nach langen Vorbereitungen gut aufs Bild kommen. Dafür geben sie oft Gelegenheit zu Schnappschüssen, für die wegen der Einfach­heit der Einstellung immer wieder die Rollfilm­kamera am besten sich eignet.

Das ist nur eine Auslese aus alldem, was der Pfingstwanderer am Wege findet, und was er auf die Platte bannen mag. Wir wünschen un­seren Photofreunden dazu das richtige Pfingst- toetter und können diesen Wunsch kurz zusammen- fassen in ein herzhaftesGut Licht!"