Die Danziger Legierung Ziehm zurückgetreten.
D a nz i g, 30. Mai. (TU.) Amtlich wird mitgeteilt: Der Senat ist heute zurückgetreten. Er führt bis zur Bildung einer neuen Regierung gemäß Artikel 31 der Danziger Verfassung die Geschäfte weiter. Um möglichst bald die Bildung einer neuen Regierung zu ermöglichen, hat der Senat den Wahlkommissar ersucht, die endgültige F e st st e l l u n g der Wahlergebnisse zu beschleunigen. Mit der Feststellung der Wahlergebnisse ist frühestens Anfang nächster Woche zu rechnen.
AurdieSPO.fürAusnahmerechtgegen nationale Deutsche im Gaargebiet.
Saarbrücken, 30. Mai. IWTB.) Der Lande s r a t nahm heute zu dem Derordnungsentwurf über das neue Dereinsgeseh Stellung. E i n m ü t i g lehnten die Parteien, einschließlich der Kommunisten, den Entwurf ab, lediglich der Sprecher der SPD. verteidigte ihn. Die durch das unnötige Vorgehen der Regierungskommission hervorgerufene Veun- ruhigung — so betonten die Redner — würde sofort wieder verschwinden, wenn die letzten drei Verordnungen „zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Sicherheit" wieder rückgängig gemacht würden.
Abberufung des bayrischen Gesandten in Hessen.
D a r m st a d t, 30. Mai. (TU.) Amtlich wird mitgeteilt: Der bayerische Gesandte in Hes - fen, Dr. Tischer, überreichte dem Ministerpräsidenten Dr. Werner sein Abberufungsschreiben und verabschiedete sich anschließend offi- zie von der hessischen Regierung.
In dem Abberufungsschreiben teilt der bayerische Ministerpräsident Siebert mit, daß die Umgestaltung im Aufbau des Deutschen Reiches auch die Beziehungen zwischen den deutschen Ländern auf eine neue Grundlage gestellt habe. Die völlige Einmütigkeit der Auffassung über die Ziele und Wege der Politik sei unter der Führung des Reichskanzlers gesichert. Aus diesem Grunde sähe sich die bayerische Regierung veranlaßt, die bayerische Gesandtschaft bei der hessischen Regierung mit Wirkung oom 1. Juni 1933 aufzuheven und ihren Gesandten abzuberufen.
Kleine politische Nachrichten.
Wie wir erfahren, wird sich der Herr Reichspräsident zu Pfingsten nach Reudeck begeben. Die Rachrichten, wonach der Reichspräsident der Stadt Marienwerder anläßlich ihres 703jährigen Bestehens einen Besuch abstatten würde, entsprechen nicht den Tatsachen.
Der Reichskanzler empfing am Dienstag eine Abordnung der deutschnationa- len Reichstagsfraktion, bestehend aus den Abgeordneten Berndt, Frhr. v. Frehtagh- Loringhoren und v. Restorff zu einer etwa anderthalbstündigen außen- und innenpolitischen Aussprache.
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Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt, daß die Meldung verschiedener ausländischer Zeitungen über die angebliche Verhaftung General von Schleichers frei erfunden ist.
Rach einer parteiamtlichen Bekanntmachung können Angehörige der RSBO. in Zukunft ihreMitgliedschaft zurRSDAP. erst beantragen, wenn sie nachweislich mindestens ein halbes Jahr der RSBO. angehört haben. Ferner können alle jene Personen in die RSDAP. ausgenommen werden, welche nach halbjähriger Dienstzeit als Anwärter offiziell in die SA. bzw. in die SS. ausgenommen wurden.
2m preußischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit wird der Ministerialdirektor Schulze unter Gewährung des gesetzlichen Wartegeldes sofort einstweilen in den Ruhe st and versetzt. Der kommissarische Oberbürgermeister von Stettin. Rechtsanwalt Dr. Wilh. S t u ck a r d t,
Frankreichs Saboiageplan gegen die Abrüstung.
Genf, 30.Mai. (TU.) Im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz wurde am Dienstag das europäische Sicherheitsabkommen in erster Lesung unverbindlich durchberaten. Es umfaßt im ersten Kapitel den europäischen Gewaltverzicht, im zweiten Kapitel die gegenseitigen Hilfsmaßnahmen der Staaten. Auf Grund der Erklärung Norman D a v i s' wurde der zunächst auf Europa beschränkte Gewaltverzicht als universell erklärt.
Die Grundgedanken des Paktes zur gegenfeiti- gen Hilfeleistung bedeuten ein teilweises Wiederaufleben des Genfer Protokolls, in dem die europäischen Staaten sich gegenüber einem Angreifer zu gemeinsamen Sanktionen verpflichten sollten. Es fehlt jedoch die Verpflichtung zur obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit, vor allem für politische Fragen und damit der Gedanke der völkerrechtlichen Stabilisierung des Status quo. Jedoch wird dieser Gedanke in dem vorliegenden Entwurf indirekt ausgenommen, da er die formelle Anerkennung des französischen Bündnissystems durch die anderen Mächte vorsieht.
Die deutsche Stellungnahme zu diesem Abkommen ergibt sich aus der Tatsache der einseitigen Abrüstung Deutschlands. Eine Teilnahme Deutschlands an einem solchen Abkommen könnte nur nach einem tatsächlichen Rüstungsausgleich zwischen den abgerüsteten und hochgerüsteten Nationen in Frage kommen. Da auch England und Italien, sowie Sowjetrußland einem solchen Abkommen nicht beitreten werden, wird Frankreich mit seinen Bundesgenossen bei der Annahme dieses Paktes isoliert bleiben. Es wird angenommen, daß Frankreich das Nichtzustandekommen dieses Abkommens als Vorwand für die Ablehnung aller Abrüstungszugeständnisse benutzen wird.
Der Hauptausschuß beschloß, am Mittwoch keine Sitzung abzuhalten, um den Großmächten Gelegenheit zur privaten Besprechung zu geben.
In englischen und amerikanischen Kreisen verstärkt sich die Tendenz, die Konferenz nur während der Generalaussprache der Londoner Weltwirtschaftskonferenz ungefähr auf 14 Tage z u vertagen und sie dann bis in den August hinein durchzuführen.
Das Verbot des Gaskrieges.
Genf, 30. Mai. (WTB.) Das Verbot des Gaskriegs wurde am Dienstag vom Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz im Rahmen des englischen Konventionsentwurfs behandelt. Die Entscheidungen wurden bis zur zweiten Lesung zurückgestellt. Schwierigkeiten bietet immer noch die Frage der Sanktionen und Repressalien. Der deutsche Vertreter Botschafter N a d o l n y erklärte wieder die Zustimmung Deutschlands zu einem uneingeschränkten Verbot des chemischen und des Gaskriegs. Auch eine Anwendung als Repressalie dürfte nicht gestattet sein. Er behalte sich vor, bei der zweiten Lesung den deutschen Standpunkt noch einmal endgültig zu präzisieren.
England und die Krage des Lustbombardements.
London, 30. Mai. (WTB.) Zur Frage des Luftbombardements gab Baldwin im Unterhause eine Erklärung ab, in der er den bekannten englischen Standpunkt präzisierte, wonach das Luftbombardement als P o l i z e i m a ß - nähme in entlegenen Ländern gestat- t e t sein müsse. Man dürfe nicht erwarten, daß die Regierung ihren Standpunkt den verschiedenen Einwänden zuliebe aufgebe, die inzwischen laut geworden seien. Die Regierung werde die Gründe ihrer Haltung in Genf darlegen und die Einwände zu widerlegen suchen.
ist endgültig zum Ministerialdirektor im Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ernannt worden.
2n feierlicher Sitzung der Hamburger Synode wurde der Synodalpräsident D. Dr. Schöffel, Hauptpastor zu St. Michaelis, zum Landesbischof gewählt.
Dr. Fritz S t i ch t e n o t h , der bisherige parlamentarische Staatsrat im Freistaat M e ck l e n - burg-Strelitz, wurde vom Reichsstatthalter Hildebrand zum Staatsminister für Meck- lenburg-Strelitz ernannt. Der bisherige Staatsminister Dr. v. M i ch a e l hat gleichzeitig telegraphisch dem Reichsstatthalter seinen Rücktritt angeboten.
Dem österr. Heeresminister V a u g o i n wurde vom Papst das Grohkreuz des St. Gre- gorius-Ordens (Militärklasse) verliehen, das ihm durch den päpstlichen Runtius Erzbischof Silibia überreicht wurde.
Kunst unb Wissenschaft.
71. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Ingenieure.
2n Friedrichshafen im Luftschiffbau Zeppelin hielt der Verein Deutscher Ingenieure seine 71. Hauptversammlung ab, zu der sich über 120) Teilnehmer aus allen Gebieten des Reiches eingefunden hatten. Der neue Vorsitzende des VDI. führte u. a. au£: Die Ingenieure begrüßen es, daß die neue Regierung es sich zur Aufgabe gemacht hat, das ganze Volk zur Achtung vor der Arbeit zu erziehen. Der Vorstand hat beschlossen, als äußeres Zeichen dieser Zustimmung der Stiftung für die Opfer der Arbeit einen Betrag von 50)0 Mk. zu überweisen Der neue Präsident der Physikalisch- Technischen Aeichsanstalt Professor Dr. Stark, Berlin, kündigte an, daß demnächst die Rotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft i n einen Reichsforschungsdienst u m g e - wandelt werde mit der Aufgabe, zwischen
Wirtschaft und Wissenschaft möglichst fruchtbare Beziehungen herzustellen, wozu auch Vertrauensmänner aus dem Kreise der Ingenieure berufen würden. An Dr. Eckener wurde ein Telegramm gesandt, ebenso an den ersten Reichsminister für Luftfahrt Göring, um auch vom VDI. zu bekunden, wie sehr er mit der deutschen Luftfahrt verbunden ist. In einem Telegrermm an den Vorarlberger Technischen Verein wurde diesem mitgeteilt, daß die Haltung der österreichischen Regierung den VD2. gezwungen habe, von dem Besuch bei den 2n- genieuren unseres Brudervolkes abzusehen. Trotzdem bleibe man aber mit den österreichischen Berufskollegen aufs engste verbunden. — 2n der neuen Luftschiffhalle I, deren größter Teil bereits mit dem im Bau befindlichen Gerippe des neuen Verkehrsluftschiffes L 629 ausgefüllt ist, wurde darauf im Angesicht des neuen Beweisstückes deutscher 2ngenieurkunst von dem Zeppelinbau den Tagungsteilnehmern ein Frühstück gegeben.
Heinrich Wolf 75 Jahre alt.
Prof. Dr. Heinrich Wolf-Düsseldorf, der bekannte Vorkämpfer einer völkischen Geschichtsbetrachtung, konnte dieser Tage seinen 75. Geburtstag feiern. Prof. Wolf hat besonders durch sein großangelegtes Werk „Die angewandte Geschichte" an der Grundlegung der nationalsozialistischen Weltanschauung mitgewirkt.
Aus aller Welt.
Eine Reichswehrpatrouille in den Alpen von einer Lawine erfaßt.
Bei den zur Zeit im Gar Mischer Alpengebiet übenden Hochgebirgstruppen der 7. Bayerischen Division hat sich ein bedauerliches Unglück ereignet. Eine Patrouille der ersten Kompagnie des 7. Bayerischen Pionierbataillons München wurde im Abstieg von der Alpspitze von einer Lawine teilweise erfaßt. Bei der großen Geschwindigkeit der Lawine konnten sich nur w e - nige Leute retten. Zwei Pioniere fanden den Tod. Der Führer der Patrouille sowie ein Gefreiter
wurden schwer, ein Oberpionier mittelschwer, ein Gefreiter leicht verletzt.
Leutnant A l t m a n n von den Münchener Pionieren, der bei dem Lawinenunglück an der Alp- pitze verschüttet worden war und noch lebend geborgen werden konnte, ist am Dienstagnachmittag einen Verletzungen erlegen.
Zum Tode Marga von Etzdorfs.
Lieber den Tod von Marga v. Etzdorf werden folgende Einzelheiten bekannt: Rachdem die Fliegerin am Sonntag auf dem Flugplatz von Mouslimieh, ungefähr 16 Kilometer nördlich von Aleppo, eingetroffen war und ihre
beschädigte Maschine verlassen hatte, wurde sie nach der Fliegermesse geleitet, wo in jeder Beziehung für sie gesorgt wurde. Später begab sie sich auf eigenen Wunsch nach dem Ruhezimmer, das für Flieger, die eine Rotlandung gemacht haben, bereitgehalten wird. Plötzlich — um 18.30 Llhr — wurden mehrere Schüsse gehört. Alles eilte nach dem Ruhe- zimmer, wo Marga v. Etzdorf auf dem Bett liegend tot au fgefunden wurde. Reben ihr lag die Schnellfeuerpistole, die sie auf ihren Flügen mit sich zu führen pflegte. 2hr Kopf war von zwei Kugeln durchbohrt. Die ärztliche Llntersuchung läßt darauf schließen, daß die Fliegerin f r e i w i l lig in den To d gegangen ist.
Demonstrationen an der deutschen llniversilät in Prag.
An der deutschen Universität Prag demonstrierten Dienstag vormittag deutsche national- sozial i st ische und andere rechts st ehen- de Hochschüler der juristischen Fakultät gegen die geplante Berufung des in Deutschland seines Amtes enthobenen Staatsrechtslehrers K e l - s e n. Ferner setzte kurz nach Beginn der Vorlesung des Volkswirtschaftlers Professor Dr. Weiß ein Pfeifkonzert ein. Die Demonstranten riefen im Sprechchor u. a. „Fort nach Moskau! — Niemals Kelsen! Fort mit den jüdischen Universitätsprofessoren!" Zu Tätlichkeiten ist es nicht gekommen.
Zwei Tote beim Indianapolis-Rennen.
Bei dem alljährlichen 500-Meilen-Rennen der größten a u t o m o b i l s p o r t l i ch e n Veranstaltung in den USA., verunglückten zwei Wagen. Dabei wurden die beiden Fahrer und ein Mechaniker schwer verletzt. Der Mechaniker und ein Fahrer sind inzwischen gestorben. — Bei dem Rennen wurden außerordentliche Geschwindigkeiten erzielt, was bei der Schwierigkeit der Rennstrecke zu den Unfällen führte.
Ein tolles Banditenstück.
Ein tolles Wildweststück hat sich in Kansas City zugetragen. Dort entführten zwei Räuber die 25jährige Tochter des Stadtdirektors Mc Elory, die sich in Abwesenheit ihrer Eltern gerade in der Badewanne befand. Beim Dienstmädchen hinterließen sie, daß sieeinLösegeldvonbO 0 0 0 Dollar verlangten, andernfalls würde das Mädchen getötet werden. Gleichzeitig warnten sie dringend vor einer Benachrichtigung der Polizei oder der Presse. Der Vater und der Bruder der Entführten gehorchten diesem Befehl der Räuber und zahlten diesen auf einer einsamen Waldstraße am Sonntag 30 000 Dollar aus. Zwei Stunden später erschien das entführte Mädchen unversehrt in der elterlichen Wohnung.
Gießener StaSttheater.
Lenz: „Tie Nacht zum Donnerstag."
Das Stadttheater wartete in der vorletzten Vorstellung — gestern abend — mit einem Kriminalstück auf, das sehr wohl von Wallace sein konnte, wenn es nicht gerade von Leo Lenz wäre. Es erweist sich immer wieder, daß sich das Kriminalstück auf der Bühne ebenso gut ausnimmt, wie der Kriminalroman im Buche. Wie eifrig war der Zuschauer auch gestern wieder bemüht, den Geschehnissen üorausxueilen und einen Schluß herauszukombinieren. Alle diese Versuche waren aber diesmal wieder vergeblich, denn der Dichter verfuhr sehr willkürlich und ließ die Situationen (nach anfänglichem mystischem Dunkel über der Afsaire) häufig wechseln. Es scheint außerdem und überhaupt ein stillschweigend geübter oder verabredeter Trick der Kriminalschriftsteller zu sein, ihre Opfer (hier den Zuhörer oder den Leser) auf psychologische Irrwege zu verführen, sie systematisch durcheinander zu schaffen, um sie dann umso sicherer und vernichtender mit der raffiniert gebauten Lösung zu erschlagen.
Hand aufs Herz! Wer hätte geglaubt, daß der brillante, frauenumschwärmte Gregor Wisilieff tatsächlich der Schuft sei, der seine Komplicen betrügt und als politischer Spion im Dienste zweier Parteien steht? Wer hätte geglaubt, daß das liebenswürdige Vorspiel in der Eisenbahn mit einem solchen Scherz endete, wie ihn das Nachspiel brachte? Und wer hätte schließlich erwartet, daß das ganze Kriminalstück eigentlich nur ein Traum gewesen sein sollte, der der Lektüre einiger Kapitel Kriminalroman und dem Unterbewußtsein einer jungen Frau entsprungen war. Die Spannung und die Aufmerksamkeit für alles, was auf der Bühne verging, war also bis zwei Minuten vor Schluß gesichert. Es wäre verfehlt, von der Handlung mehr zu verraten. Den Besuchern eventueller zukünftiger Vorstellungen soll nichts vorweggenommen sein.
Das Stück war in seinem szenischen Aufbau recht wirkungsvoll gefügt. Dramatische Höhepunkte waren die Verhandlungen vor dem Schwurgericht, das hier nicht fehlen durfte. Der Dichter ließ viele Personen in Aktion treten. Der Polizeipräfekt stand neben der mondänen Frau, der Staatsrat neben der Spionin, die mysteriöse Figur der Angeklagten und der alte Kapitän traten sinnvoll
auf und fesselten immer wieder aufs neue, während inmitten der bunten Gesellschaft die problematische Figur des Gregor Wasilieff stand und Rätsel auf- gab. So wurde man zwei Stunden ausgezeichnet unterhalten
Die Aufführung wurde den Stimmungsgehalten, den starken. Spannungen innerhalb der Handlung und außerdem der äußeren Form in höchstem Maße gerecht. Karl Heyfer führte die Regie untadelig.
Die weibliche Hauptrolle (Helga) trug Alix Krahmer, ein früheres Mitglied des Gießener Stadttheaters, als Gast, mit sicheren schauspielerischen Mitteln. Nicht weniger gut war Maria Koch als Frau des Staatsrats. Jochen Hauer (Gregor Wasilieff) gab den verzweifelt gesuchten politischen Mörder mit spielerischer Eleganz. Elisabeth Wielander sah man (Sonja Morawsky) in der ungewohnten, aber überraschend guten Figur einer hintergründigen ' Frau. Wolfgang Kühne als Polizeipräfekt gab feiner Rolle eine starke eigene und glückliche Note. Gert Geiger hatte seine Aufgabe als Diener und geheimer Beobachter sehr sorgfältig herausgearbeitet. Rainer Eggemann trat in seiner einzigen Szene recht sicher auf. In gut besetzten Nebenrollen sah man Fierment (Hoteldirektor), Nieren (Verteidiger), KarlVo lck (Kapitän Larsen) u. a. Das Haus dankte mit lebhaftem Beifall. Sehr viele Blumen gab es für den Gast. —n.
Was wir am Wege finden.
photo-plauderei zu Pfingsten.
Alles Photographieren ist ein Finden. Oft ein glückhaftes Finden ohne Suchen, noch öfter ein gegen Widerstände und Schwierigkeiten erkämpftes nach langem Suchen und Versuchen. Es liegt im Wesen der Lichtbildkunst begründet und war bestimmend für ihre großen Fortschritte, daß der strebende Lichtbildner niemals zu streben aufhört und ich mit dem Erreichten zufrieden gibt. Aber ander- eits braucht er sich auch nicht Schwierigkeiten zu chaffen, wo keine sind. Und bas ist mehr als sonst in dieser Zeit zwischen dem Frühling und dem Sommer der Fall. Die Lichtverhältnisse sind schon günstiger und nähern sich dem Höhepunkt, und die Schatten sind noch nicht so tief wie sie bald «ein werden, wenn das Laubdach der Bäume seine größte
Dichte erreicht hat. Das große Blühen in der Natur ist noch durch keine Heuernte zerstört, und die Getreidefelder haben noch nicht jene Höhe der Halme, die dem Blick oft alle Aussicht sperrt.
Pfingsten fällt diesmal in diese schönste Zeit des Jahres, die auch für den Liebhaberphotographen soviel bringt. Wer auf Pfingstfahrt geht, wer auch nur einen Feiertag dem Wandern widmen kann und seinen Apparat als getreuen Begleiter bei sich hat, der findet unendlich viel am Wege, das im Bilde festgehalten zu werden lohnt. Die Baumblüte ist zwar vorbei, aber damit haben viele Landschaften wieder ihren eigentlichen Charakter angenommen. Die Dörfer liegen wieder eingebettet in das Grün der Oost- bäume, nachdem der kurze Jubel des weißen Blütentraumes diesmal gar so rasch verwehte. Die Alleen sind wieder jo, wie der Wanderer sie in der meisten Zeit des Jahres sieht, nachdem auch Ebereschen und Kastanien oom Blühen zum Reisen fortschritten. Die Bäume heben sich also wieder gegen den Himmel ab, was im Blühen oft so schwer auf der photographischen Platte zu erreichen war. Dennoch solleti wir grundsätzlich Landschaftsaufnahmen mit dem Gelbfilter machen. Scheint die Sonne nicht prall, so genügt ein mittleres oder einfaches. Das aber ist nötig. Die vielen Abstufungen von Grün, die ein bewaldeter Hang zeigt, laufen sonst unansehnlich in einander. Dasselbe gilt für blühende Wiesen ober Feldränder, wo jetzt alle Farben und Farbtöne sich mischen — die sich nachher im Bilde deutlich untereinander abheben sollen. Allgemein erfordern blühende Wiesen die Mattscheibenprobe, oder ein geübtes Auge. Durch das Fehlen der Farbe wirken sie im Photo oft enttäuschend schlicht gegenüber dem Wirk- lichkeitsbilde, das der Photograph festhalten wollte. Eintönigkeit ist am besten zu vermeiden, indem mir entweder ein paar Bäume ober Büsche als Vordergrund mit ins Bild nehmen — noch reizvoller, wenn die Schatten über Teile der Wiesen und ihrer Blumen werfen! — oder indem wir mindestens den Wiesenausschnitt geschickt wählen. Einige hohe Blütenstauden im Vordergrund (Spierstaude, Johanniskraut, Lupinen, Fingerhut usw.) geben dem Bilde Tiefe und Ausdruck. Bei Vorherrschen einer Blumenart (Wucherblumen, Glockenblumen) suchen wir für den Vordergrund einige besonders wirksame und schöne aus, die kennzeichnend auch für die Un= menge derer sind, welche bei weit offener Blende nicht allesamt scharf kommen können.
Eben war von Schalten die Rede. Auch für
sie seien kurze Winke gegeben, wie es der Zweck dieser pfingstlichen Photo-Plauderei für verschiedene Gebiete ist. Schatten geben dem Bilde Plastik. Deshalb seien Bilder vom 2nnern eines Dorfes, von Bauernhöfen usw., von Waldrändern und blühenden Hecken (Heckenrosen, Schlehen) am besten nicht in der senkrechten Mittagssonne gemacht, die fast keine Schlagschatten wirft. Auch Wege und Straßen können erheblich gewinnen, wenn die Schattenbänder von Bäumen oder auch nur von Telegraphenstangen, von einem Gartenzaun oder einer Meilensäule sie teilen. Allerdings gibt es auch photographische Motive, die nun schon in den Schatten zu verschwinden drohen. Alte Gemäuer, Ruinen.usw. stehen nicht immer so frei, wie der Photograph sie gerne haben möchte. Bäume hüllen sie oft ein, was übrigens auch für andere Motive wie Felsen und selbst kleine Anwesen gelten kann. Da heißt es, einen geeigneten Standpunkt finden, und mit entsprechend längerer Belichtung unter Verzicht auf eine Gesamtaufnahme einen wirkungsvollen Einzelteil festzuhalten. Das braucht nur eine Haustante zu sein, oder ein Fenster mit Blumen, oder ein Giebel mit Ranken. Aber möglichst nie frontal, sondern immer im leichten Winkel, um Langeweile zu vermeiden. Handelt es sich um Bauernhäuser, so ist ebenso wie bei Hausgärten, die jetzt schöne Bilder bieten, eine gewisse Eile geboten. Sonst scheitert die Aufnahme an der inzwischen herbeigelaufenen Dorfjugend, oder an neugierigen Gesichtern, die im Fenster wohl manchmal, aber nicht immer willkommen sind.
Was im übrigen Personen betrifft (von unseren Wanderkameraden abgesehen), so gilt für sie dasselbe wie für alle anderen Momentbilder netter Szenen, die oft auch das Tierleben der durchwanderten Gegend bietet: daß sie niemals gestellt oder nach langen Vorbereitungen gut aufs Bild kommen. Dafür geben sie oft Gelegenheit zu Schnappschüssen, für die wegen der Einfachheit der Einstellung immer wieder die Rollfilmkamera am besten sich eignet. —
Das ist nur eine Auslese aus alldem, was der Pfingstwanderer am Wege findet, und was er auf die Platte bannen mag. Wir wünschen unseren Photofreunden dazu das richtige Pfingst- toetter und können diesen Wunsch kurz zusammen- fassen in ein herzhaftes „Gut Licht!"


