Ausgabe 
31.3.1933 Frühausgabe
 
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Llm die Unabhängigkeit der deutschen Tlahmngsversorgung. Staatssekretär t>. Rohr über die Lösung der Landwirtschaft vom Weltmarktpreis.

Eine Weiterführung der Protestkampagne, j zu der die Demonstration in Madison Square Garden gehört, wird nur zu einer noch gröberen Spannung zwischen der öffent­lichen Meinung beider Länder und zu einer noch stärkeren Reaktion auf politischem und psychologischem Gebiet führen. Der Central­verein appelliert an die Juden in den Vereinigten Staaten, sich weiterer Schritte und weiterer Agi­tation zu enthalten, die nur schaden und nicht nutzen kann.

Die britische Regierung wünscht sich nicht einzumischen.

L o n d o n, 30. März. (TU.) Im Oberhaus erklärte auf Anfragen Lord Cecils und Lord R e a d i n gs der englische Kriegsminister Lord H e i l s h a m im Namen der Regierung, daß die Anfragen wegen der Lage der Juden in Deutschland eine sehr vorsich­tige und taktvolle Handhabung verlang­ten. Es gäbe eine große Anzahl englischer Staatsbürger jüdischer Abstammung in Deutschland. Wenn einer von ihnen verhaftet oder mißhandelt würde, würde England das Recht haben, darauf zu dringen, daß ihm Gerechtigkeit widerfahre. Auf Grund der angcstellten Nachfor­schungen könne er erfreulicherweise dem Oberhaus versichern, daß die englische Regierung von kei­nem derartigen Vorfall in Deutsch- land Kenntnis erhalten habe. Kein britischer Staatsangehöriger jüdischer Abstammung habe irgendeinen Grund zur Beschwerde über schlechte Behandlung innerhalb des deutschen Reichsgebietes gehabt. Er alaube nicht, daß es richtig sei würde, bei der deutschen Regierung Vorstellungen hinsichtlich der Behandlung deutscher Staatsbürger, ganz gleich, welcher Abstammung, zu erheben. Die Regierung glaube nicht, daß sie für sich irgend­welche Sonderrechte hinsichtlich der deutschen Staatsbürger jüdischer Abstammung in Anspruch nehmen könne.

Entschiedene Stellungnahme der ibero-amerikanischen Generalkonsuln.

Hamburg, 31.März. (WTB. Funkspruch.) Die R e v i st a a l e m a n a", das Organ des Aufklä­rungsausschusses Hamburg-Bremen veröffentlicht formulierte Erklärungen und Interviews mit den Generalkonsuln sämtlicher Jbero- amerikaniscyen Staaten über die Lage in Deutschland. Die Generalkonsuln drücken überein­stimmend ihre offene Bewunderung für den hohen Grad von Bürgertugend aus, den das deutsche Volk während des Wahlaktes und bei der reibungslosen Einsetzung des neuen Re­gimes in Hamburg bewiesen habe. Die General­konsuln bestätigen ausdrücklich, daß sie nach wie vor in voller Ruhe ihrer täglichen Beschäf­tigung nachgehen können und daß sie im übrigen größte Ordnung und Disziplin auf den Straßen wahrnehmen.

Oer Verein Deutscher Zeitungsverleger appelliert an die amerikanische presse.

Berlin, 31.März. (VDZ.) Der Vorsitzende des Vereins Deutscher Zeitungsverleger hat an die Di­rektoren der beiden großen amerikanischm Rach­richtenbureaus Associated Preß und United Preß gleichlautende Telegramme gesandt, in denen es heißt:Bitte alle Mühe aufzuwcnden, daß hetze gegen Deutschland sofort eingestellt wird. 3n Deutschland herrscht vollkommene Ruhe und Ordnung.

Gez.: Dr. Srumbhaar

Präsident des Vereins Deutscher Zeitungsverleger."

Warnungvor kommunistischen

Provokateuren.

Plünderungsabfichten in SA.-Uniform getarnter Kommunisten

Berlin, 31. März. (ERD. Funkspruch.) Mit­glieder der kommunistischen Kampforganisation be­absichtigen, wie wir erfahren, den morgigen na« tionalsozialistischen Boykott gegen die jüdische Greuelhetze dazu zu benutzen, um P l ü n - derungen durchzuführen. Die Kommunisten wollen sich dabei derSA. -Llniforrnbe- dienen, um so getarnt jüdische Geschäfte zu plündern und dadurch eine allgemeine Llnruhe in den Städten anzuzetteln. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß sogar besondere kommuni st i- fche Motorrad st affeln ausschließlich für diesen Zweck zusammengestellt werden, und in Ge­genden, die nicht so schnell von der Polizei zu er­reichen sind, Plünderungen durchzuführen. Es geht ihnen hauptsächlich darum da sie in SA.-Llni- form aufzutreten beabsichtigen die Ratio­nalsozialistische Deutsche Arbeiter- Parteizu belasten und dem Auslande Ma­terial in die Hand zu spielen, mit dem die Greuel- Hehe weiter ^trieben werden soll. Es wird noch.- mals eindringlich vor diesen Provoka­teuren gewarnt, da die SA.-Mannschaften die strikte Anweisung haben, sich an die Anordnungen des Zentralkomi­tees zur Abwehr der Greuelhetze zu halten, in der ausdrücklich betont wird, daß den Juden kein Haar gekrümmt werden darf.

Dernu tnerus claufus für Oie preußischen Schulen gefordert.

Berlin, 31.März. (WTB.) Die Abgeord­neten Dr. Löpelmann, Dr. Haupt, Mei- st e r und S u n k e l haben im Einverständnis mit dem Fraktionsführer K u b e namens der preu­ßischen Landtagsfraktion der RSDAP. an den Reichskommissar für das preußische Kultusmini­sterium R u st ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt:

Im Augenblick kämpft das deutsche Volk einen schweren Kampf, um sich gegen den Lügenfeldzug und die Hetze der internationalen Judenschaft seines Lebens zu wehren. Wir bitten Sie, auch in Ihrem Machtbereich diesen Kampf der deut­schen Ration wirkungsvoll zu unterstützen. Ra- mens der nationalsozialistischen Preutzenfraktion dürfen wir von Ihnen folgende Maß­nahmen wohl erwarten:

1. Sämtliche jüdischen, d. h. von Juden her­stammende oder bastardierendeLehrpersonen mit sofortiger Wirkung an allen preußischen iln- terrichtsanstalten zu beurlauben, bzw. 06311» bauen.

2. Für die jüdischen Schüler und Schü­lerinnen, Studenten und Studen­tinnen wird der numerus clausus ent­sprechend der Bevölkerungszahl des jüdischen Volks innerhalb des deutschen Volks eingeführt.

München, 30. März. (WTB.) Der Land­wirtschaftliche Verein in Bayern veranstaltete heute seine diesjährige Frühjahrshauptverfamm- lung in München. Staatssekretär v. Rohr über­brachte die Grüße des Reichsernährungsministers Dr. Hugenberg. Die grundsätzliche Frage, so fuhr Herr v. Rohr fort, ist heute die: Soll die Arbeit der Industrie und der Landwirtschaft z u Weltmarktpreisen gel'^ert werden, oder soll sie nicht viel mehr einen Preis erhalten, der den besonderen Wünf>--en und Be­dürfnissen unseres Volkes entspricht?

Bei der Industrie ist letzteres schon lange der Fall. Für die Landwirtschaft aber ist die­ser Grundsatz bisher nicht anerkannt wor­den. Durch die Absperrung der verschiedenen Länder der Welt ist der deutsche Export von 13 Milliarden auf 6 Milliarden herabgesunken: es fällt indessen der Reichsregierung nicht ein, allen­falls diesen Weltmarkt jetzt sofort wiedererobern zu wollen. Es muß vor allem im Innern Deutschlands ein Markt geschaffen werden. Richt Zinssenkung, nicht Llmschuldung, nicht Ost­hilfe können einen Ersah für den verlorengegange­nen Weltmarkt bringen, die nationale Regierung wird vielmehr an die Stelle der Hilfe und Sub­ventionen eine Agrarpolitik setzen, welche solche Hilfen überflüssig macht. Eine solche Politik bedeutet, daß man das deutscheVolk frei macht von der Knute des Welt­marktpreises. Die Getreidepreise wurden durch die Schielesche Politik vom Weltmarktpreis

d. h. nur immer 1 Prozent der Schü­lerschaft einer An st alt darf jüdisch oder jüdischer Herkunft sein.

Oie altpreußischen Logen an Hitler.

Berlin, 30. März. (LU.) Die drei alt- preußischen Logen-Grohmeister der Großen nationalen Mutterloge (gez. D. Habicht), der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland (gez. von Heeringen) und der Gro­ßen Loge von Preußen (gez. Feistkorn) haben folgendes Telegramm an den Reichs­kanzler Adolf Hitler gerichtet: An dem für Deutschland bedeutungsvollen Tage von Pots­dam geben der nationalen Regierung die drei altpreußischen Großlogen eingedenk ihrer engen Verbundenheit mit dem preußischen Königs- und deutschen Kaiserhaus die Versicherung ihrer tief st en Ergebenheit. Wie wir bisher getreu unseren nationalen christlichen Ueberliefcrungen bemüht waren, für das Wohl des deutschen Volkes zu wirken, so werden wir auch weiter unentwegt der nationa­len Regierung treue st e Gefolgschaft l e i st e n und alle uns zu Gebote stehenden Kräfte einsetzen zur Mitwirkung an dem Wieder­aufbau unseres geliebten Vaterlandes." Die Große Landesloge der Freimaurer von Sachsen hat folgendes Telegramm ge­sandt:Die Große Landesloge der Freimaurer von Sachsen begrüßt am heutigen Wechetage die nationale Erhebung des deutschen Volkes und Vaterlandes. Sie gelobt in christlich-natio­naler Pflichttreue wie bisher imGeisteihres Bruders Friedrich des Großen mit der Reichsregierung zu arbeiten für Deutschlands Ehre und Größe, Einigkeit und Freiheit. Den Allmächtigen bitten wir, das neue Reich segnen zu wollen."

Kaiser Wilhelm kehrt vorläufig nicht nach Deutschland zurück.

Bad Homburg, 31. März. (CNB. Funk­spruch.) Die Generalverwaltung des vor­mals regierenden preußischen Kö­nigshauses hat an den Magistrat der Stadt Bad Homburg im Auftrage Kaiser Wilhelms ein Schreiben gerichtet, in dem zunächst der Stadt Bad Homburg für den Beschluß, den Kaiser zu bitten, die Stadt Bad Homburg als künftige Resi­denz auszuwählen, gedankt wird. Aus schwerwie­genden, grundsätzlichen Erwägungen habe der ehe­malige Kaiser jedoch vorläufig nicht die Absicht, in die Heimat zurückzukeh­ren.Sollte", so schließt das Schreiben der Ge- neraloerwaltung,wie wir wohl alle hoffen, sich das aber dereinst verwirklichen, so wird, dessen wol­len Sie versichert sein, Bad Homburg v. d. H. nicht vergessen werden".

Der Republikanische Schutzbund in Oesterreich aufge oft.

Wien, 31. März. (WTB. Funkspruch.) Bun­deskanzler Dollfuß hat mit einhelliger Zustim­mung der Regierung die Auflösung desRe- p u b l i k a n i s ch e n Schutzbundes für das ganze Bundesgebiet verfügt. In der Be­gründung des Verbotes wird auf verschiedene Ruhestörungen und Gewalttätigkeiten gegen die Bevölkerung und gegen die staatlichen Exekutiv­organe sowie auf die in Tirol gefundenen Doku­mente hingewiesen, die die Vorbereitung eines bewaffneten Wider st andes ein­wandfrei erhärten. Jeder Widerstand gegen diese Verfügungen werde mit allen Mitteln unterdrückt werden. Die Heimattreue und friedliebende Bevöl­kerung wird aufgefordert, Ruhe und Disziplin zu bewahren und die Regierung zu unterstützen, die mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln die Aufrechterhaltung der Sicherheit von Staat und Bevölkerung gewährleisten werde.

Kleine politische Nachrichten.

In Kassel wurde in der ersten Sitzung des neuen Stadtparlaments einstimmig beschlossen, neben dem Reichspräsidenten 0. Hindenburg, der bereits seit 1919 Ehrenbürger der Stadt Kassel ist, auch dem Reichskanzler Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft anzutragen.

Am 1. Avril wird über den Deutschland­fender Königswusterhausen folgendes Pro­gramm gesandt: 1. Teil von 20 bis 21 Llhr: Ewi­ges Deutschland (Von Versailles über Ver­sailles nach Potsdam, Hörbild in drei Szenen, Manuskript und Bearbeitung von Ottoheinz Jahn). 2. Teil von 21 bis 22 Tlhr: Huldigung der deutschen Jugend an der Bis­marck-Warte am Müggel-See: Feuer­

losgelöst, aber eine erfolgreiche Agrarpolitik kann nur getrieben werden, wenn man die Landwirt­schaft als Ganzes aufsaht.

Der Staatssekretär befaßte sich in diesem Zu­sammenhang mit dem F e t t p I a n der Reichs­regierur g V^m Handel wird geradezu Sturm gelaufen gegen die heutige Politik des Reichs­ernährungsministeriums. Das ist gänzlich un­berechtigt und ich hoffe bestimmt, daß wir im neuen Erntejahr die altbewährten Einfuhr­scheine wieder einführen können. Ich hoffe auch, daß wir das M a i s m 0 n 0 p 0 l in einiger Zeit wieder aufheben können. Wenn der Schutz an der Grenze vollendet ist, dann werden wir uns mit dem Absatz in Deutschland s e l b st befassen. Und wie es gelungen ist. den Getreidepreis auf dem gleichen Riveau zu halten, so wird es uns auch bei den anderen Produkten ge­lingen. Auch die Siedlungspolitik wird selbstverständlich von der Lage der landwirt­schaftlichen Preisgestaltung beeinflußt: denn es ist doch nicht möglich, daß wenn ein alteinge­sessener Bauer nicht durchkommt, dann ein neu­zugewanderter dies vermag. Die Hauptsache ist aber, daß am Ende unserer Politik eine un­abhängige deutsche Rahrungsver- s 0 r g u n g stcht. Auch die Landwirtschaft muh an der nationalen Erneuern g teilnehmen. Da­für wird die Regierung der nionalen Erhebung sorgen, und das deutsche Volk soll das e r st e unter allen Völkern der Erde sein, das aus Ver­gangenheit und Geschichte lernt.

rede von Reichsminifter Dr. Goebbels. Sprecher am Mikrophon Baldur v. Schirach.

Reichsminister a. D. v. Keudell ist zum Hauptvorsitzenden des Landkreistages ge­wählt, nachdem der bisherige Vorsitzende Dr. vonAchenbach aus Altersrücksichten vom Vor­sitz zurückgetreten und in Anerkennung seiner gro­ßen Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden ist.

3n Königsberg L Pr. wurde der Vor­sitzende der Allgemeinen Ortskrankenkasse Königsberg, Fritz Polenz, gleichzeitig Geschäfts­führer des Landesverbandes Ostpreußen des Hauptverbandes Deutscher Krankenkassen, Berlin e. V., verhaftet. Es besteht Verdacht auf Unterschlagung von Dienstgeldern und Betrug.

Für das Amt des Kanzlers derRömischen Kirche, das lange Jahre von dem unlängst ver- storbenen Kardinal F r ü h w i r t h ausgeübt wurde, hat Pius XI. den Kardinal B 0 ggiani bestimmt. Der Sitz des Amtes ist der Pa.azzo della Cancel- leria, die frühere päpstliche Staatskanzlei.

Der hessische Odenwaldklub an Staatspräsident Dr. Werner.

Darmstadt, 30. März. (WSR.) Die Presse­stelle der Hessischen Staatsregierung teilt mit: Der Odenwaldklub hat an den Herrn Staatspräsidenten Dr. Werner folgendes Schreiben gerichtet:

Hochverehrter Herr Staatspräsident! Der Odenwaldklub, der seit über 50 Jahren für die Heimat und an der Erziehung seiner Mitglieder zur Heimattreue und. Heimatliebe ar­beitet und dessen Mitglieder zu zwei Dritteln aus Angehörigen des hessischen Staates bestehen, begrüßt mit freudiger Genugtuung die neue nationale Regierung in Reich und Ländern und vei^ichert die Hessische Regierung seiner unermüdlichen steten Bereit­willigkeit, nach besten Kräften mitzuarbeiten an dem Werk der nationalen Erneuerung, an der inneren Gesundung und dem Wiederaufstieg un­seres geliebten Volkes und Vaterlandes. Mit besonderer Genugtuung und aufrichtiger Freude begrüßen wir in Ihnen, hochverehrter Herr Staatspräsident, einen Mann als den Führer des hessischen Volkes, der seit Jah­ren ein eifriger Anhänger und För­derer der deutschen Wandersache ist, und wir sind sicher, daß unsere Arbeit bei Ihnen Verständnis und Förderung im Rahmen des Möglichen finden wird. In diesem Sinne be­grüßen wir Sie mit deutschem Wandergruß Frisch auf! Der Hauptausschuß des Odenwaldklubs: Mueller, Oberbürgermeister; Dr. Götz, Stu­dienrat.

Aus aller Wett.

Verlängerung des Reichstarifs im Vankgewerbe.

Für den Tarif im Bantgewerbe war im De­zember 1931 durch Schlichter-Entscheidung eine Kündigungsfrist von einem Monat festgesetzt worden, die auf Antrag des Deut­schen Bankbeamtenvereins später aus drei Monate verlängert wurde. Die Kündi­gungsmöglichkeiten waren seitdem nicht in An­spruch genommen worden, so daß die Tarif­dauer zunächst bis zum 30. Juni lief. Run hat der Reichsverband der Bankenlei­tungen nach Verhandlung mit dem Deut­schen Bankbeamtenverein, der natio­nalen Fachgewerkschaft im Bankgewerbe, auch jetzt aus eine Kündigung verzichtet. Die unveränderte Verlängerung des Tarifes bis zum 30. September ist damit gesichert.

Der Fall Beckers vor dem Schwurgericht in halle.

Unter starkem Andrang des Publikums begann vor dem Schwurgericht Halle die Verhandlung gegen den Handlungsgehilfen Beckers, der der vorsählichenTötung des Halleschen Haus­arztes Dr. Boes und des Goldschmieds Buch­holz in Duisburg angeklagt ist. Beckers, der als Kaufmann viel im Auslande lebte, hatte, wie erinnerlich, seinerzeit in Halle seine Frau er­schossen, die er mit 17 Jahren geheiratet hatte, und von der er sich dauernd betrogen fühlte. Er wurde dafür zu drei Jahren Gefängnis ver­urteilt, von denen ihm neun Monate wegen tadelloser Führung erlassen wurden. Im Sep­tember vorigen Jahres erschoß er dann in Halle den Arzt Dr. Boes, dessen Ramen er in der Cerihtsverhandlung erfahren hatte, in seinem Sprechzimmer. Daraus fuhr er nach Duisburg und erschoß dort auch den Goldschmied Buch­holz. Die Verhandlung, zu der acht Zeugen ge­laden sind, wird zwei Tage in Anspruch nehmen.

Aus her provinzialhauptsta-t.

Oer Weg ins Leben.

Ein neuer Weg auf der Wanderung durch das Leben beginnt für viele Kinder mit der Schul­entlassung. Mit glänzenden Augen sitzen sie zum letztenmal in den Räumen, die ihnen durch acht Jahre hindurch zur zweiten Heimat geworden waren. Sie freuen sich, denn ein Gipfel ist erstiegen. Sie haben freien Blick, der Zwang hört auf, die Freiheit winkt. So meinen sie.

Mit ganz andern Gefühlen stehen die Eltern vor ihren Kindern. Für sie ist es kein so großer Freudentag, wie für ihre Kinder, denn die Sorge über die Zukunft hängt immer noch wie eine schwere Wolke vor uns. Aber wie es auch kom­men mag, unsere Kinder haben im Elternhaus ihre Heimat, hier finden sie Stütze und Rat zu jeder Zeit. Diese Heimat soll als weit leuchtender Stern ihren Lebensweg erhellen und sie auf ihrer Wanderung begleiten. ,

Es werden Tage kommen, an denen sich die Sonne hinter Rebeln verbirgt, es werden Wetter hereinbrechen, die uns mit Regen und Schnee überschütten. Die Wanderung wird nicht immer leicht sein. Es werden nicht nut weiche, mit Gras bewachsene Waldwege sein, die unsere Kinder durchschreiten, es werden sicher auch steinige, steile Wege kommen, auf denen gar mancher sich müde hinschleppt, oder gar erlahmt und zusam­menbricht.

Glücklich werden die sein, die mit klaren Augen ihr Ziel vor sich sehen, das sie dann auch er­reichen. Wie viele aber müssen ihrem Herzens­wunsch entsagen und einen Beruf ergreifen, dem sie innerlich noch ganz fernstehen. Aber hier müssen wir Eltern unfern Kindern zurufen:Laßt den Mut nicht sinken!" Wie oft haben wir eine Wanderung durch öde, kahle Gegenden ange­treten. Dann aber kamen wir nach und _ nach durch wohlgepflegte Felder, herrliche Walder, an fließenden Bächlein und an stillen Teichen vorbei, und am Abend konnten wir befriedigt feststellen: Das war doch eine wundervolle Wan­derung heute!

Deshalb ist es gut, wenn wir Eltern als Führer zu unfern Kindern stehen und ihren Mut anfeuern, ihnen immer wieder neue Hoffnungen erwecken, wenn sie auf dem neuen Weg des Lebens verzagen und zurückkehren wollen. Wan­dern wir mit ihnen! Wohl schauen die Kinder sehnsüchtig hinaus auf de-i Weg in das Leben, von dem sie alles erwarten. Sie denken aber nicht an die schweren Hindernisse, die sich ihnen ent­gegenstellen werden. Aber trotzdem sagen wir ihnen:

Wandert mutig fort, und an jedem Ort sei euch Glück und Heil zur Seite!

Dieses Lied haben viele Kinder in der Schule gesungen. Möge es ihnen im neuen Leben ein Trost sein! Vielleicht erinnern sie sich auch in den Tagen der Rot an die Menschen, deren Schicksal oft von der ilngunft des Lebens hart bedroht wurde. Sie haben im Unterridjt von Kolumbus, von Gutenberg, von Friedrich dem Großen, von Zeppelin und vielen anderen gehört. Wie oft standen diese Männer in bitterster Rot, am Rande der Verzweiflung. Aber sie hatten ein Ziel vor Augen, sie schauten nur vorwärts und wanderten mutig fort und erreichten dieses Ziel.

"nd denken wir am heutigen Tage vor allem auch daran, daß es auf der Lebenswanderung auvj viel Sonnenschein, viel Freude und schöne Früchte gibt. Deshalb wollen wir mit unfern Kindern voller Zuversicht in die Zukunft schauen* und den Kopf Hochhalten!

Daten für Freitag, 31. März.

1727: der englische Raturforscher Isaac Rewton in London gestorben: 1814: Einzug der Ver­bündeten in Paris: 1923: die Franzosen ermor­den 13 deutsche Arbeiter in Essen.

Wechsel in der Leitung des Arbeitsamts Gießen.

Regierungsrat Dr. L i st vom Arbeitsamt Frank­furt a. M. ist mit Wirkung vom 30. März 1933 ab mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Vorsitzen­den des Arbeitsamts Gießen und Dr. Kolh vom Landesarbeitsamt Hessen, Frankfurt a. M., mit der stellvertretenden Geschäftsführung beauftragt wor­den.

Hessischer Landes-Buß- und Bettag.

Für den allgemeinen Buß- und Dettag, der nach alter frommer Sitte wiederum am Sonntag Palmarum zu begehen ist, sind durch die oberste Kirchenbehörde die folgenden Schriftworte als Predigttexte bestimmt worden:

1 Für den Vormittag: Matthäus 3, 811.

2 . Für den Rachmittag: 1. Ioh. 5, 4.

Dazu erläßt das Landeskirchenamt ein Aus­schreiben, in dem gesagt wird, daß der Bußtag am Sonntag vorher unter Mitteilung dieser Schriftworte den Gemeinden anzukündigen ist und sie zu einer ernsten Feier und gemeinsamer Beugung vor Gott und seinem heiligen Willen aufzufordern sind. Weiter heißt es darin:Es ist vor allem eine wirkliche Erneuerung unseres Volkes von innen her not, damit die Wahrheit und die Kraft reformatorischen Glaubens in un­seren Gemeinden und unserer Kirche lebendig wirke und in unserem Vaterlande neues Leben gestalte. Rur wenn Gottes ewige Lebensgesehe unter uns unbedingt in Geltung sind, wird sich Gott zu uns bekennen. Rechter Gottesfurcht, rech­tem Gottvertrauen, ernster Berufstreue unb_ Ge­wissenhaftigkeit gilt seine Verheißung. Brüder­liche Gesinnung und Opferwilligkeit für das Ganze sind Gottes Forderung. In ernster Feier und stiller Einkehr des Buß- und Dettages stärke uns Gott durch seine Verheißung, damit er uns durch Iesu Geist und durch lebendigen Glau­ben aufs Reue in seiner Treue segnen kann".

Umfangreiche Durchsuchungen inTrohe

Wie wir auf Erkundigungen beim Polizeiamt Gießen hören, sind feit heute früh in Trohe in einer Reihe von Häusern Durchsuchungen durch die Polizei und die Hilfspolizei im Gange. Zur Durchführung dieser Aktion begab sich ein größeres Polizeiaufgebot am frühen Vormittag vom Polizeiamt Gießen nach Trohe. Zur Zeit der Riederschrift dieser Zeilen ist die polizeiliche Maßnahme noch nicht beendet.

Zunghelfer bei des Reichsbahn.

Etwa 320 junge Leute mit abgeschlossener Dolks- schulbildung werden von /der Reichsbahn sofort als Iunghelfer eingestellt, jSie müssen das 14. Le­bensjahr vollendet haben ,unö dürfen nicht über 16 Jahre alt sein. Wichtig ist dies besonders fül