Ausgabe 
31.3.1933 Frühausgabe
 
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Nr. 77 Erstes Blatt

183. Jahrgang

8reitag,31.MärzlyZ3

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Dt. Fnedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tkyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und rür den An« jeigcnteil i.D.Th.Kümmel sämtlich in (Bienen.

PanzerschiffDeutschland"

i>on Erich Metzenthin, Korvettenkapitän a. O.

Am 1. April 1933 wird das neue Panzer­schiffDeutschland" zum erstenmal Kriegs- flügge und Wimpel hissen. und sich damit in die deu.iche Weyunacht zur See einreihen. Als die Marateiachveistano.gen der Feinumachte dem Dem- scheu Reich in Versailles neben soviel anderen Ra- stungsveschräntungen die Bedingung auhroangen, Daß unsere Panzersch.sfersatzbauten eine Wasserver­drängung von höchstens lOuOO Tonnen haben durf­ten waren sie davon überzeugt, damit Deutschland endgültig aus der Reihe der mitzählenden Seemach:e gestochen zu haben. Heute wie stets bildet das schwerbewaffnete Kampfschiff den Kern d e r Flotten. Seine Starre hängt in ent­scheidender Weise von der Schiffsgröße ab, da diese bas Maß an Angriffs- und Verteidigungswaffen bestimmt, die in dem Schiffsrumpf untergebracht werden können. Die Folge davon ist d i e ft ä n d i g e Steigerung der Schiffsgrößen. Noch 1890 hat keine große Marine ein Schlachtschiff von den verhältnismäßig geringen Abmessungen unserer Deutschland" gebaut. Im Washingtoner Flotten- abkommen von 1922 haben die großen Seemächte für ihre Marinen d i e Höchstgrenze für Panzerschiffe auf 35000 Tonnen festge­setzt. Angesichts dessen mußte die Konstruktion eines brauchbaren Kampfschiffes von nur 10 000 Tonnen als unmöglich erscheinen. Auch in der deutschen Ma­rine hielt man diese Aufgabe während einer ganzen Reihe von Fahren für unlösbar. Nun ist es aber unter Anwendung aller Mittel der Technik den- noch gelungen, ein Panzerschiff zu konstruieren, das bei den Fachleuten aller Marinen der Well eine ungewöhnliche Beachtung und Anerkennung gefun­den hat.

DieDeutschland" trägt eine schwere Armie­rung von sechs 28-cm-Schiffskanonen, die zu je dreien in zwei Türmen im Vor- und im Achter­schiff ausgestellt sind. Acht 15°cm.Schiffskanone>,, hauptsächlich zur Torpedobootsabwehr, eine Anzahl von Flugzeugabwehrgeschützen und sechs 50-cm-Tor- pedorohre ergänzen die Angriffswaffen. Das Schiff ist für die hohe Geschwindigkeit von 26 See­meilen (48 Kilometer) in der Stunde konstruiert und hat ohne Brennstoffergänzung einen Fahr­bereich (Aktionsradius) von 10 000 Seemeilen. Selbstverständlich ist auch ein kräftiger Panzer- s ch u tz und eine bis ins kleinste durchgebildcte wasserdichte Einteilung der unteren Schiffsräume zum Schutz gegen Torpedo- und Minentreffer vorhanden. Die Möglichkeit, einen so erheblichen Teil der Tragfähigkeit des Schiffes für die rein militärischen Anforderungen verfügbar zu machen, ist dadurch erzielt worden, daß dieDeutsch­land" als erstes großes Kriegsschiff der Welt aus- schließlich Dieselmotoren als An­triebskraft erhalten hat, die insgesamt 54 000 Pferdekräfte entwickeln. Durch den Fortfall der Kesselanlagen ist viel Raum und Gewicht gespart. Auch der Schiffsrumpf ist besonders leicht gewor­den, weil man die Außenhaut nach einem schon bei den letzten deutschen Kreuzerbauten erprobten Verfahren nicht genietet, sondern geschweißt hat. Außerdem ist, wo irgend angängig, Leichtmc - lall verwendet worden.

Die taktischen Verhältnisse zur See sind weit­gehend durch das Washingtoner Flotten- a b k o m m e n zwischen England, den Vereinigten Staaten, Japan, Frankreich und Italien bestimmt. Die großen Seemächte haben sich 1922 entschlossen, bis auf weiteres auf den Bau schwer gepanzerter Kampfschiffe im wesentlichen zu verzichten und als größte Kreuzer einen nur schwachgepanzerten, sehr schnellen Typ von 10 000 Tonnen zu bauen, dessen Hauptarmierung kein schwereres Kaliber als 20,3 cm haben darf. Diese Verhältnisse haben sich unsere Konstrukteure zunutze gemacht. Sie haben mit der . Deutschland" ein Schiff konstruiert, das an Fahrgeschwindigkeit und bezüglich der Schußweite feiner Geschütze fast allen Panzerschiffen der Welt überlegen ist, im Gefecht mit einem solchen also die Kampfentfernung nach Belieben wählen oder sich unter ungünstigen Verhältnissen dem Gefecht ganz entziehen kann. Auf allen Meeren der Welt schwimmen zur Zeit nur vier Schlachtkreu­zer, drei englische und ein türkischer, unsere alte Goeben", die der neuenDeutschland" sowohl an artilleristischer Kampfkraft als auch an Schnelligkeit überlegen sind. Die sehr zahlreichen, feit dem Kriegsende gebauten fremden Kreuzer von 10 000 Tonnen Wasserverdrängung und weniger, sind zwar erheblich schneller als dieDeutschland", aber artilleristisch und bezüglich des Panzerschutzes so unterlegen, daß sie sich auf ein ernstliches Gefecht mit ihr gar nicht einlaffen können

So nimmt in der Tat unserTaschenpanzerschisf", wie die Engländer es genannt haben, eine markante Sonderstellung ein. Es ist die geniale Lösung eines ungewöhnlich schwierigen schiffbaulichen Problems. Das darf natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, daß absolut gesehen, eine ganze An zahl von Schiffen der großen fremden Marinen an Geschützkaliber, Geschützzahl, Stärke des Panzers und damit an Kampffähigkeit überlegen sind. Seeherrschaft ausüben kann man aber letzten Endes nicht dadurch, daß man dem überlegenen Gegner ausweicht» sondern nur, indem man i h m Stand hält, ihn niederkämpft oder verjagt. Diese M ig- lichkeit ist gegenüber den sehr zahlreichen fremden Kreuzern ohne weiteres gegeben, nicht aber gegen­über den besten G r o,ß k a m p f s ch i s f e n fremder Marinen, obwohl auch, diesen gegenüber die beson­ders weittragende schwere Artillerie derDeutsch­land" unter Umständen von entscheidender Bedeu­tung sein kann.

Ulalin" veröffentlicht den Wortlaut des Mssolinipatts.

Die politische Verständigung der vier Wesimächte.Revision der Friedensdiktate im Rahmen des Völkerbundes. - Deutsche Küstungsgteichheit in Etappen. Zehn Fahre Laufzeit.

Die sechs Ariike

Paris. 31. März. (MTV. Funkspruch.) Der Malin" erklärt, in der Lage zu fein, heute den ungekürzten Wortlaut des politischen Pakt- Vorschlages für eine Zusammenarbeit Deutsch­land, England, Frankreich und Italien zu veröffent­lichen, den Mussolini in Rom am 18. März Macdonald unterbreitet hat. Er soll lauten:

Artikel 1. Die vier westmächIe Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien verpflich­ten sich untereinander, eine effektive Poll- t i k der Zusammenarbeit zwecks Aufrecht­erhaltung des Friedens nach dem Geiste des Kellogg- paktes und des Paktes der Nichtanwendung der Gewalt zu verwirklichen. Sie verpflichten sich, auf dem Gebiete der europäischen Beziehungen so zu handeln, daß diese Friedenspolitik nötigenfalls auch von den anderen Staaten ange­nommen wird.

Artikel 2. Die vier Mächte bestätigen den Grundsatz der Revision der Frieden s- vertrage gemäß den Klauseln des Völkerbunds st atutes in dem Falte, daß sich Situationen Herausstellen, die dazu angetan sind, einen Konflikt zwischen den Staaten herbei­zuführen. Sie erklären zu gleicher Zeit, daß dieser Grundsatz der Revision nur im Rahmen des Völkerbundes und in einem Geiste wechselseitiger Verständigung und Solidarität der gegenseitigen Inter­essen angewendet werden kann.

Artikel 3. Frankreich, Groß-Britannien und Ita­lien erklären, daß in dem Falte, daß die Ab - ^tungskonserenz nur ju Teilergeb­nissen führen wird, die Gleichberechti­gung, die Deutschland zuerkannt worden ist, eine effektive Bedeutung haben muh. Deutschland verpflichtet sich, diese Gleichberechtigung in Etappen zu verwirklichen, die durch aufein­anderfolgende Abmachungen festgesetzt werden soll, die die vier Mächte auf gewöhnlichem diplomatischen Wege abzuschließen haben. Die vier Mächte ver­pflichten sich, im selben Sinne bezüglich Oesterreich, Ungarn und Bulgarien sich zu verständigen.

Artikel 4. In allen politischen und nichtpolitischen europäischen und außereuropäischen Fragen sowie aus kolonialem Gebiete verpflichten sich die vier Mächte, soweit wie möglich eine gemein­same verhattungslinie anzunehmen.

Artikel 5. Dieses politische Abkommen der Ver­ständigung und der Zusammenarbeit, das, wenn nötig, der Billigung der Parlamente in­nerhalb von drei Monaten unterbreitet wird, gilt a u f d i e Dauer von zehn Jahren und gilt als um die gleiche Zeit verlängert, wenn es nicht von einem der vertragschließenden Teile ein Iahr vor Ablauf gekündigt wird.

Artikel 6. Der vorstehende Pakt wird beim Völkerbundssekretariat eingetragen.

Paul-Boncours Gorgen.

Völkerbund und kleine Dächte a's Vor­wand zur Kritik

Paris, 31. März. (TU.) Vor dem Auswär­tigen Ausschuß der Kammer soll der französische Außenminister zum Mussoliniplan erklärt haben, daß man diesen Vorschlag begrüßen könne und daß er mit größter Aufmerksamkeit ge­prüft zu werden verdiene, da eine Zusammen­arbeit der vier Großmächte eine Entspannung be­deuten würde. Nichtsdestoweniger könne Frank­reich feine Haltung nicht ändern und die Anwen­dung der in Rom ins Auge gefaßten Formen nur im Rahmen der Äölkerbundsat- z u n g e n zulassen. Alle Staaten möchten gleich­berechtigt sein. Es gebe keine großen und keine kleinen Staaten, wenn man sich auf rechtliches Gebiet begebe. Auf die Frage über die Möglich­keit einer Revision der Verträge hat der französische Außenminister geantwortet: Nichts sei ewig. Aber man müsse abwarten, bis in

Europa wieder Ruhe eingetreten sei, um diese schwerwiegende Frage mit Erfolg behandeln zu können.

Ferner ist der Außenminister auch auf die Er­eignisse in Deutschland eingegangen. Er soll die Anweisungen verlesen haben, die er dem französischen Botschafter in Berlin nach dem Kehler Fall erteilt hatte und hinzugefügt haben, daß sie augenscheinlich ihren Eindruck auf die deutsche Regierung nicht verfehlt hätten, da die Lage jetzt eine Entspannung aufweise. Botschafter Nadolny über bas

Ergebnis von Genf.

TcutschiandsHa npf ulnGieichlerechtigung echt wc ter.

Berlin, 30. März. (CNB. Gig. Meld.) Dor der Presse äußerte sich der aus Genf zurückgekehrte Bot­schafter N a d o l n y über den bisherigen Verlauf der Konferenz und über die Haltung Deutschlands. Der englische Entwurf fasse alles zusammen, was auf dem Gebiete der Abrüstung in den ganzen letzten Jahren an Fragen aufgeworfen und geklärt worden sei. Er hat nach Auffassung des Botschaf­ters Nadolny den Vorzug, daß er wirklich a n d e n springenden Punkt der Materie her»

Ein Aufruf des Münchener Zentralkomitees.

München, 31. März. (CNB.) Das Zentral­komitee zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boy­kotthetze weist in einem Ausruf darauf hin, daß der Boykott nur gegen einwandfrei als I u» den anzusehende Personen und Ge­schäfte oorzubereiten ist. In Zweifelsfällen ist gegen den Boykott zu entscheiden. Alle bekannt- gegebenen Anordnungen treten erst ab Sams­tag, 10 Uhr vormittags, in Kraft und dürfen nicht vorher in Anwenduna kom­men. Jeder Deutsche, so heißt es in dem Aufruf weiter, muß seine Ghre daransetzen, daß gemäß der Anordnung der Reichsleitung der NSDAP, keinerlei Gewalttätigkeiten unterlaufen. Gewalttätigkeiten werden umso schwerer be- straft, als anzunehmen ist, daß sie von Spit­zeln, die der gerechten Sache Schaden zufügen wollen, ausgehen.

Wie von nationalsozialistischer Seite weiter ver­lautet, wird der angekündigte Boykott b e st i m m t am Samstagvormittag 10 Uhr beginnen. Der Boy­kott ist nicht b e f r i ft e t. Die Dauer hängt ledig­lich davon ab, ob die für die Hetze im Ausland ver­antwortlichen Kreise ihre durch nichts gerechtfertigte Greuelpropaganda ein stellen bzw. hierzu von den verantwortlichen ausländischen Stellen g e - zwungen werden.

Der Reichskanzler an Deutsche in Amerika.

Berlin, 31. Mär;. (WTV. Funkspruch.) Die Bereinigten Deutschen Gesellschaften in Reuyork hatten an Reichskanzler Adolf Hitler das nachstehende Telegramm ge­richtet:Vereinigte Deutsche Gesellschaften von Reu- york in Gemeinschaft mit hiesigen deutschen Iuden deutscher und amerikanischer Staatsangehörigkeit erhoben heute schärfsten Einspruch gegen unerhörte Deutschenhehe in Amerika. Erbitten zwecks Abwehr Erklärung über künftige rechtliche politische und wirtschaftliche Stellung der I u - den in Deutschland, persönliche Antwort für das Deutschtum hier von größter Bedeutung."

Darauf ist vom Staatssekretär in der Reichskanzlei Dr. a m m e r s öie folgende Antwort ergangen: Reichskanzler dankt für Ihre Mitwirkung im

angeht, indem für die Bemessung der Rüstun­gen der verschiedenen Staaten feste Zahlen ein­gesetzt werden. Die deutsche Delegation hat den von den Engländern ausgestellten Konventionsentwurf gleichfalls als Diskussionsgrundlage angenommen, sie hat aber keinen Zweifel dar­über gelassen, daß wir in dem Entwurf bereits eine grundsätzliche Anerkennung unserer vollen Gleichberechtigung bis zu einem gewissen Grade erblicken, daß jedoch hinsichtlich der Zahlen und Einzelangaben nach unserer Auffas­sung noch keine genügende Konkreti­sierung der vollen Gleichberechtigung für uns im Entwurf enthalten ist. Die von uns ver­langte allgemeine Abrüstung muß ebenso weit gehen, wie die erzwungene Abrüstung Deutsch­lands und feiner ehemaligen Verbündeten. Bot- schaster Nadolny verlangt infolgedessen die Gleich­berechtigung in der Hinsicht, daß auch allen an­deren verboten wird, was uns verboten i ft, und daß uns geftattet wird, was den anderen gestattet ist. Die nächste Tagung der Abrüstungskonferenz betrachtet Nadolny als die Endphase. Er nimmt an, daß sie im Zeichen des Kampfes stehen wird, aber auch im Zeichen unserer festen Haltung und im Zeichen der Rückwirkung der gesamtpolitischen Situation auf die Konferenz und der Konferenz auf die politische Situation.

Kampf gegen jüdische Hetze. Deutsche Iuden werden wie alle anderen Staatsange­hörigen gemäß ihrer Einstellung zur nationalen Regierung behandelt wer­den. Abwehraktion Nationalsozialistischer Partei durch Verhalten deutscher Iuden im Auslande herausgeforder t."

Die amerikanische Siaaissührung gegen Schritte amerikanischer Inden.

Washington, CO. März. (WTB.) Eine Ab­ordnung jüdischer Kriegsveteranen über­reichte im Weihen Haus eine Petition gegen die angeblichen Judenverfolgungen in Deutsch­land. Der Präsident lehnte es ab, die Abordnung zu empfangen. 3n der gleichen Angelegenheit machte heute der Rabbiner W i s e im Staatsdepartement einen Besuch. Sein Anliegen wurde jedoch nur lediglich zur Kenntnis genommen. Stratssekreiär Hüll beauftragte seinen Hilfsstaatssekretär C a r r, bei der betreffenden Kommission des Repräsentanten­hauses gegen die Dickstein-Resolution P r o t e st zu erheben, die die Aufhebung der Ein­wanderungsschranken zwecks Zulassung der aus Deutschland flüchtenden Juden verlangt. Carr erklärte, die Regierung billige weder die Begründung noch das Ziel dieser Resolution. Auch Vertreter nationaler Verbände haben gegen die Aushebung der Einwanderungs­beschränkungen Protest erhoben, die eigens zur Verhinderung der Einwanderung aus Osteuropa errichtet worden seien.

Der heute mit dem DampferBremen" aus Europa hier eingetroffene Bankier W i g g i n teilte Pressevertretern mit, daß er von angeb­lichen Judenverfolgungen in Deutschland nichts bemerkt habe.

Der Vizepräsident des Centralver­eins DeutscherStaatsbürger jüdi­schen Glaubens, Wallach, übergab vor sei­ner Abreise nach Deutschland mit dem Dampfer Bremen" der amerikanischen Presse eine Erklä­rung, in der es heißt: 3d) bin fest davon über­zeugt, daß die gegenwärtige Lage niemals ent­standen wäre, wenn dieGefühle desdeut- schenVolkes nicht so tief verletzt wor­den wären durch die Schritte, die ausländi­sche Gruppen unternahmen, um zu einer DerurteilungDeutschlandsin der gan­zen Welt aufzurufen durch Methoden, die in der­artigem Umfange bisher noch nie gegen ein anderes Land angewandt wurden.

Der deutsche Abwehrkampf gegen die Greuelhehe.

Eine der Hauptaufgaben unserer Flotte besteht darin unter allen Umständen öie Verbindung zwischen dem Reich und O st Preußen zu sichern. Der Seeweg hat um so größere Bedeutung, weil Polen die Weichsellinie sehr stark mit Befesti­gungen ausgebaut hat. Es wird sich darum hande'n, Transportflotten gegen feindliche Angriffe zu sichern; möglicherweise muß auch das Eindringen aus der Nordsee kommender Geschwader in die Ostsee verhindert werden. Für derartige Aufgaben ist die schnelle, stark armierte, verhältnismäßig flach­gehendeDeutschland" hervorragend geeignet. Na­türlich reicht e i n Schiff dafür aber nicht aus. Daher ist es erfreulich, daß gegenwärtig bereits zwei weitere Panzerschiffe,Ersatz Lothringen" undErsatz Braunschweig", in Bau sind, von denen das erste 1934, das zweite 1936 in Dienst kommen

soll. Ein viertes,Ersatz Elsaß", wird 1934 be­gonnen, 1938 beendet fein. Wenn dieses Geschwader schwimmt, wird Deutschland in der Ostsee die bedeutend ft e Seemacht (ein. Zur Zeit besitzt dort nur Rußland drei schon etwas^ ver­altete Großkampfschiffe. Polen und die Rand- staaten haben außer einigen Unterseebooten feine Fahrzeuge von wesentlichem militärischen Wert.

Es ist dringend nötig daß die Genfer Verhand­lungen Deutschland die Möglichkeit zum Bau von Unterseebooten und Flugzeugen zum Schutz seiner langge st reckten Küsten bringen. Der Besitz dieser beiden modernen und verhältnismäßig billigen Kampfmittel ist uns bisher untersagt, während z. B. Rußland 18, Dänemark 13, Schweden 18, Finnland 4, Lettland 2, England 65, Frankreich 109, Polen 3 U-Boote fertig und im Lau besitzen. Aber wichtiger und entscheidender ab

alle Mittel des Kleinkrieges sind und bleiben Panzer­schiffe. Deswegen ist der Taa, an dem die neue Deutschland" in Dienst gestellt wird, sachlich und symbolisch von außerordentlicher Bedeutung. Er zeigt der Welt, -daß das Deutsche Reich sich nicht von der See verdrängen lassen will, son­dern seinen Anteil an der Beherrschung der Meere beansprucht. DieDeutschland" ist das erste deutsche Kriegsschiff der Nachkriegszeit, an dessen Gaffel vom ersten Tage der Indienststellung an öie reine schwarzweißrote Flagge mit dem Eisernen Kreuz weht. Damit knüpft sich das Schiss in besonderer Weise an die stolze Tradition der alten kaiserlichen Kriegsmarine von Coronel und vom Skagerrak an. Möge es sich i h r e r w ü r - d i g erweisen!