Ausgabe 
31.3.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 77 Zweites Blatt

Hreitag, 31. März 1933

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Reichskanzler und Staatspräsident Ehrenbürger von Gedern.

/ Gedern, 30. März. In ihrer gestrigen Einung ehrte die hiesige Gemeindevertretung ein­stimmig den Reichskanzler Adolf Hitler und den hessischen Staatspräsidenten Pros. Dr. Werner durch Verleihung des Ehrenbürgerrechtes der Stadt Gedern.

weitere Ehrungen der nationalen Führer.

Burkhards (Kreis Schotten,', 30. März. Der hessische Stacllspräsik-nt Pro*. Dr. Wer­ner wurde in dankbarer 2l erlern u g fe'.neZ ver­ständnisvollen Eintretens <ür die -c-duiDirtfujaft von dem Gemeinderat unseres Dorfes einstimmig zum Ehrenbürger ernannt.

' Ober-Seemen (Krs. Schotten), 30.Mürz. Der Gemeinderat unseres Ortes beschloß, den Reichskanzler Adolf Hitler in dankbarer Wür­digung seiner unvergänglichen Verdienste um die Wiedererweckung des nationalen Gedankens in Deutschland zum Ehrenbürger unseres Ortes zu ernennen.

LehrervereinS-Kundgebung für die nationale Negierung in Hessen.

rl. S t o ck h e i m , 29. März. In einer Sitzung des Vorstandes des Kreislehrervereins Büdingen berichtete der Kreisobmann, Lehrer V i e r h e l l e r - Düdelsheim, über die Lage des Hess. Landes-Lehrervereins nach dem Rücktritt seines seitherigen Obmanns, Rektor Reiber- Darmstadt, und des gesamten Vor­standes. In allen Teilen des Landesvereins sol­len in Kürze Reuwahlen stattfinden, damit bei der auf den 14. Mai verlegten Vertreter- Versammlung in Vilbel in allen Kreis- und De- zirlsvereinen Männer an der Führung sind, die das Vertrauen der Lehrerschaft, sowie der Regierung haben.

An den Leiter des hessischen Schulwesens, Herrn Oberschulrat Ringshausen, ging folgende Entschließung ab:

Sehr geehrter Herr Oberschulrat!

Eine dr.ngliche Ausschußsihung des Kreis- Vereins Büdingen des Hess. Lan­des-Lehrervereins beschäftigte sich mit der Umwandlung der Leitung des Gesamtvereins und aller seiner Telle.

Die Lehrerschaft des Kreises, die in ihrer überwältigenden Mehrheit von jeher auf be­tont nationalem Boden steht und in ihren Reihen viele, auch Ihnen bekannte alte und neue nationale Kämpfer hat, begrüßt die neue Leitung des hessischen Schul- wesens, und es wäre ihr dringend erwünscht, toenn der Hess. Landes-Lehrervere n, dessen Vor­stand nunmehr zurückgetreten ist, mit der neuen Regierung in Fühlung käme, damit neue, klare Verhältnisse geschaffen würden mit dem Ziel, die große nationale Ein­heitsorganisation aller Lehrer auch in Hessen zu schaffen.

Wir bitten den Herrn Oberschulrat, diese Ent­wicklung auch in Fühlung mit neuen, geeig­neten Männern des Hess. Landes­lehrervereins von der Regierungsseite her nachdrücklichst zu fördern.

Mit deutschem Gruß!

Der Vorstand des Kreisvereins Büdingen, gez.: Vierheller, Ganh, Häuser, Schnierle, Kutt, Koch, Roth, Knau s."

Oberbürgermeister-Wechsel n Darmstadt

WSN. Darmstadt, 30. März. Auf Grund der Verordnung zur Sicherung der Verwaltung in den Gemeinden vom 20. März 1933 wurde mit sofortiger Wirkung die Amtszeit des Oberbürgermeisters Mueller und des Bürgermeisters Delp (SPD.) in Darmstadt für beendet erklärt. Mit der kommissa­rischen Versehung der Dienstgeschäfte wurde beauf­tragt anstelle von Oberbürgermeister Mueller

Oie Besetzung der KruppschenWerke in Essen. 3ur Erinnerung an den ZI. März 1923.

Äon Professor Dr. Grimm.

Das erste Angriffsziel des französischen Ein­bruchs in das Ruhrgebiet war die Industrie. Poincare hatte geglaubt, daß es der ^fried­lichen Ingenieurkommission", die er unter dem Schutz von kriegsmäßig ausgestatteten Divisionen ins Ruhrgebiet entsandt hatte, mit leichter Mühe gelingen werde, den Widerstand der Industriellen zu brechen und damit das wirtschaftliche Herz Deutschlands seinerPfänderpolilil" dienstbar zu machen.

Der Mainzer Prozeß gegen Thyssen und die Übrigen Vertreter des Ruhrbergbaus hatte aber gezeigt, daß Poineare sich in dieser Rechnung getäuscht hatte. Seitdem hatte Poineare die Tak­tik geändert. Der zweite Angriff war gegen die Beamten gerichtet. Beamte aus allen Verwal­tungen wurden vor die Kriegsgerichte gestellt und in großer Zahl verurteilt oder ausgewiesen. Die französische Politik hoffte, hierdurch einen Keil zwischen diepreußische" Beamtenschaft und die rheinische Bevölkerung zu treiben, so den Wider­standswillen zu lähmen und darüber hinaus auch die weiteren Ziele einer separatistische Politik zu erreichen.

Im März aber ging man auch gegen die In­dustrie wieder energischer vor. Es kam zu zahl­reichen Werksbesehungen. Die Arbeiter­schaft protestierte. Jedesmal, wenn eine Industrie­anlage beseht wurde, ertönten die Sirenen und die Arbeiter strömten zusammen. Solche Demonstra­tionen kamen z. B. am 10. März 1923 in den Thys- senwerken in Hamborn, am 12. März in Hörde, am 19. März bei Mannesmann und Rheinmetall in Düsseldorf, am 22. März 1923 bei Orenstein & Koppel, am 23. März auf Reumühl, am 26. März aufSchlägel und Eisen", ferner auf Deutsch-Luxemburg und anderen Werken vor. Die französischen Tesa^ungebeh.rden sahen keinen An­laß zum Einschreiten, und die Demonstrationen verliefen ohne wesentlichen Zwischenfall.

Am 31. März, am Karsamstag 1923, fand eine ähnliche Demonstration in den Kruppwerken in Essen statt. Gegen 7 Uhr morgens wurden die großen Automobilhallen der Kruppschen Werke von einer französischen Kampfgruppe, einem Offizier und elf Mann besetzt. Versuche des He­

ber seitherige Leiter des Polizeiamts in Mainz Amtsgerichtsrat Dr. Barth (M. d. L), anstelle des Bürgermeisters Delp der seitherige Bürochef des Staatskommissars für das Polizeiwesen in Hessen Derwaltungsobersekretär Wilhelm H a u g (M. d. L.) Der seitherige Leiter des Polizeiamts in Offenbach Dr. Landmann wurde mit der kommissarischen Leitung des Polizeiamts in Mainz beauftragt. Mit der kommissarischen Leitung des Polizeiamts Offen­bach wurde Rechtsanwalt Dr. Käß in Mainz betraut.

Weitere Beurlaubungen bei der Offenbacher Stadrverwaltung.

WER. Offenbach, 30. März. Auch am ge­strigen Tage wurden weitere Beurlau­bungen bei der Stadtverwaltung ausgesprochen. Davon wurden u. a. der Direktor des Elektrizitätswerkes Lemke und der Betriebs­amtmann Langenbeck von der Straßenbahn­verwaltung betroffen. Außerdem wurden am Schlachthaus die beiden jüdischen Tierärzte Dr. Strauß und Dr. Wolfstein ihrer Aemter enthoben.

Veränderungen im Mainzer Verwaltungs- und Wirtschaftsleben WER. Mainz, 30. März. Im Zuge der Maßnahmen zur Llmorganisation der Mainzer Verwaltung ist dem Direktor der Städtischen Mu­sikhochschule Hans Gal, sowie dem Stadtfür­sorgearzt Dr. Marquard die Kündigung ausgesprochen worden. Auch eine Anzahl j ü - bischer (Beamter und Angestellter der Stadt, sowie mehrere Aerzte im Städtischen Kran­kenhaus sind beurlaubt bzw. gekündigt worden.

Der Präsident der Mainzer Industrie» und Handelskammer Ludwig Meyer ist von seinem Posten zurückgetreten. Den Rücktritt wei­terer Ausschuhmitglieder erwartet man für die nächsten Tage.

ZnS Untersuchungsgefängnis eingeliefert.

Offenbach, (0 März. (WER.) Der frühere Direktor des Offenbacher Arbeitsamtes Z s ch e ch, der bei der SPD. eine führende Rolle spielte, ist aus der Schuhhaft ins Offenbacher Untersuchungs-Gefängnis übe.geführt worden, da Unn-gvana^giCikn Dotgct.-u.^n sein sollen. Die Akten sind der Staatsanwaltschaft in Darmstadt die die Untersuchung leitet, übermittelt worden.

DerbreitervonGreuelmärchenverhastet

WER. Mainz, 30. März. In der vergange­nen Rächt wurde der ehemalige S e p a r a t i st Leo Bendlto Steigerwald aus Mainz nach seiner Ankunft aus Frankreich auf dem hiesigen Hauptbahnhof verhaftet. Er steht un­ter dem dringenden Verdacht, an der Verbrei­tung derGreuelnachrichten beteiligt zu sein.

WSR. F r a n k f u r t a. M., 30. März. Gestern wurden hier zwei ausländische Iuden, und zwar der 38jährige Markus Reumann, russischer Staatsangehöriger, Grünestraße 19 wohnhaft, sowie der 22jährige Rumäne Alexander Sternberg, ebenfalls Grünestraße 19 wohn­haft, wegen Verbreitung von Greuelnachrichten durch Beamte der Abteilung I A festgenommen. Bei der Haussuchung wurde stoßweise belastendes Material gesunden. In letzter Zeit hatten sie Rachrichten nicht nur in Frankfurt a. M., sondern auch in Schweden und Rumänien verbreitet, daß jüdische Passanten auf offener Straße verprügelt würden und die Polizei sich dabei passiv ver­halte. Aus dem beschlagnahmten Material geht weiter hervor, daß sie den Reichskanzler Adols Hitler beschimpft und im Ausland auf das gröblichste verächtlich gemacht haben. Die beiden standen auch mit ausländischen Zeitungen in eng­ster Verbindung. Reumann und Sternberg werden dem neugebildeten Sondergericht vorge­führt.

triebsrates, die Franzosen durch Verhandlungen zum Abzug zu bewegen, blieben erfolglos._

Da wurden, entsprechend einer schon früher mit der Betriebsleitung getroffenen Vereinbarung, die Sirenen gezogen, und die Arbeiter verliehen die Betriebe und zogen zum Protest vor der Automo­bilhalle auf.

Das militärische Kommando hatte den Befehl, in der Automobilhalle eine Kommission zu er­warten, die die Beschlagnahme von Automobilen durchführen sollte. Diese Kommission blieb aber aus. Stundenlang lieh man die kleine Kampf­gruppe ohne Rachricht und ohne Befehl.

Die Soldaten fühlten sich offenbar nicht bedroht. Sie hatten telephonische Verbindung mit einer alliierten Kontrollkommission, durch die sie leicht Hilfe und Weisungen erhalten konnten. Aber sie machten davon keinen Gebrauch.

Die Menge vor der Halle wuchs immer mehr an, bewahrte aber die Ruhe. Die Anklageschrift selbst muhte zugeben, daß sich auf Seiten der Deutschen einige Personen ehrlich bemühten, die Masse der Kundgeber ruhig zu halten. Die Sire­nen waren schon abgestellt und die Menge begann bereits, sich zu verlaufen. Das geschah das Furcht­bare. Der Führer der Soldaten hatte offenbar die Rerven verloren.

Der Leutnant hatte vor bem Eingang bet Halle einen Strich gezogen, ben keiner der Kund- geber überschreiten dürfe. Als einige Betriebs­ratsmitglieder, darunter der Arbeiter Müller, an die Menge Worte der Beruhigung richten wolllen, drängten die weiter Zurück stehenden nach dorn, um besser zu verstehen, und so wurden die vorne Stehenden vorgestoßen und der Strich wurde überschritten.

Da gab plötzlich der Leutnant den Befehl, aus einem bereitgestellten Maschinengewehr zu feuern.

Das Ganze war das Werk von Sekunden, und sofort lagen Hauken von Menschen in ihrem Blut.

Dreizehn Tote und zahlreiche Verwundete waren zu beflogen. Den Soldaten geschah nichts. Sie zogen unbehelligt ab.

Unter allgemeiner Anteilnahme der Bevölke­rung wurden die Opfer zu Grabe getragen. Ganz Essen trauerte um die Toten: das war im besten Sinne eine Volksgemeinschaft, die sich ohne Un­terschied der Partei und des Glaubens zusammen- gefunben hatte, ber gemeinsamen Trauer Aus­druck zu geben.

Die französische Militärjustiz aber schritt ein. Richt gegen die Verantwortlichen. Der Leutnant, der das Blutbad angerichtet hatte, wurde öffentlich belobt. Es ging um das Prestige, das noch immer der Feind Gerechtigkeit war. Statt dessen ließ

Wirtschaft.

Frankfurt still und uneinheitlich.

Frankfurt, 31. März. (WTB. Drahtmel» düng.) Die heutige Mittagsborfe eröffnete in großer Geschäftsftille. Die Kulisse übte aus mannig­fachen Gründen stärkste Zurückhaltung, während die Kundschaft der Börse fast völlig fern blieb. Gegen­über der erneut schwachen Meldungen aus dem Ausland blieben verschiedene günstige Momente wie die weitere Zunahme der Spareinlagen im Reiche und die Erklärung, daß kein weiterer Rück­gang in der industriellen Beschäftigung mehr ein­getreten ist, fast ohne Wirkung. Die Stimmung war recht unsicher und die wenigen Kurse, die zu­nächst zur Notiz kamen, lagen meist schwächer, da noch einige Verkäufe offenbar zu Geldbeschaffungs- Zwecken für den heutigen Quartalsultimo erfolgten. Denen nur wenig Aufnahmeneigung gegenüber- ftanb. Die durchschnittlichen Kursrückgänge betru­gen etwa 1 v. H. Mehr rückläufig waren einige «pezialwerte wie IG., Deutsche Erdöl, Bekula, Siemens, Ilse Bergbau Genuß, bei denen Abschwä­chungen von 2 bis 3,50 v. H. zu verzeichnen waren. Auch AEG. (minus 1,75 o. H.), AG. für Verkehrs­wesen (minus 1,90 v. H.), Mannesmann (minus 1,50 v. H.), Rheinstahl (minus 1,25 v. H.) und Ze­ment Heidelberg (minus 1,25 v. H.) eröffneten recht matt. Unverändert zur kräftig erholten Abendbörse setzten Reichsbank, Norddeutscher Lloyd, Stahlver­ein, Gelsenkirchen und Otaoi Minen ein. Etwas fester lagen Felten, Gesfürel, Goldschmidt und Gebr. Iunghans mit Erhöhungen von 1 bis 1,50 v. H. Nach ben ersten Notierungen unterlagen die Kurse, insbesondere einige Spezialwerte, mehrfachen Schwankungen, später traten schließlich auf kleine Interventionen wieder Erholungen ein, wobei teilweise die Anfangsnotierungen um 0,50 bis 1 o. H. überschritten wurden.

Der Rentenmarkt unterlag bei kleinem Umsatz stärkeren Schwankungen. Altbesitz, die ge­stern abend kräftig erholl waren, verloren zum ersten Kurs 2,50 v. H., Neubesitz und späte Reichs­schuldbuchforderungen waren zu 12 bzw. 80,25 o. H. unverändert. Später unterlagen auch hier die Kurse mehrfachen Schwankungen bei eher nach unten gerichteter Tendenz. Goldpfandbriefe und Kommu­nalobligationen waren noch etwas angeboten und etwa 0,50 bis 1 v. H. niedriger. Auch Stadtanleihen gaben überwiegend 1 bis 2 v. H. nach. Staatsrenten und Jnduftrieobligationen lagen ruhig. Ebenso der Auslandsrentenmarkt. Tagesgeld war zum Ultimo mit 4,50 v. H. (4 v.H.) stark gesucht.

Berlin uneinheitlich, später leicht befestigt.

Berlin, 31. März. (WTB. Funkspruch.) Nach der freundlicheren Frankfurter Abendbörse war die Stimmung auch an der heutigen Vorbörse wesentlich beruhigter, da man die technische Abwicklung des Ulti­mos mit dem gestrigen Tage als erledigt ansah. Es lagen zwar zu Beginn des offiziellen Verkehrs an einzelnen Märkten noch Verkaufsorders vor, doch fand die herauskommende Ware glatt Unterkunft, wenn

auch die Kursgestaltung nicht immer einen einheit­lichen Charakter zeigte. Es ergaben sich Besserungen bis zu 2,5 o. H. gegen die gestrigen Schlußnotie­rungen, Lahmeyer tonnten sogar um 3,25 v. H. anziehen und Schuckert um 2,75 v. H. Als anregen­des Moment war die Frühjahrsenllastung auf dem Arbeitsmarkt zu bezeichnen, ferner die Zunahme der Einlagen bei den Sparkassen sowie die internatio­nalen Rohstahlverhandlungen in Paris. Dagegen verstimmte etwas der Rückgang des Ruhrkohlen- absatzes im Monat März. Die schwächeren Meldun­gen von den Auslandsbörsen blieben ganz ohne Ein­fluß auf die hiesige Tendenz. Rheinische Braun- kohlen, bei denen bekanntlich heule die Generalver­sammlung ftattfinbet, büßten 2 v. H. ein. Farben lagen zunächst ziemlich fest, doch stellte sich der An- fangskurs zirka 2 v.H. unter die Vorbörse, jedoch fast 1 v. H. über gestern. Montanwerte waren mit wenigen Ausnahmen durchweg fester, während Braunkohlenpapiere schwächer notierten. Erwähnens­wert waren noch RWE. sowie Schubert & Salzer, Deutsche Atlanten, Süddeutsche Zucker, Wintershall und Spritaktien, die ziemlich schwach lagen. Anleihen waren gleichfalls beruhigt und bis zu 1 v. H. fester.

Im Verlause der Börse war die Kursgestaltung bei ruhigem Geschäft zunächst nicht einheit­lich. doch konnte sich später meist eine leichte Be­festigung durchsetzen. So waren Siemens, Farben, RWE., Schultheis und andere Werte bis zu 1,5 v. H. über Anfang.

Wettervoraussage.

Die kühlere Luft hat bereits das Festland erreicht und gestattet das Wetter etwas wechselhaft. Dabei ist das Barometer von Westen her angeftiegen, so daß wieder Beruhigung eintreten wird. Allerdings wird durch die immer noch zufließende Westluft weiter­hin vorübergehend wechselhafte Bewölkung hervor- gerufen. Für allzu lange Zeit scheint die Hochdruck­wetterlage aber diesmal nicht gesichert zu fein, da roeftlv' von Irland bereits Anzeichen einer neuen Störung vorhanden sind.

Aussichten für Samstag: Stellenweise Frühnebel, sonst wechselnd bewölkt mit Aufheiterung, mäßig warm und meist trocken.

Aussichten für Sonntag: Wolkig bis heiter, tagsüber etwas wärmer und trocken.

Lufttemperaturen am 30. März: Mittags 18 Grad Celsius, abends 9,2 Grad Celsius: am 31. März morgens 4,9 Grad Celsius. Maximum 18,2 Grad, Minimum minus 1.6 Grad, Rieder­schläge 0,2 Millimeter, Sonnenscheindauer fli/3 Stunden.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinden.

Samstag, den 1. April.

Johanneskirche. 14 Uhr: Beichte für die Konfir­manden der Johannes- und Militärgemeinde uni) deren Angehörigen; Bfr. Ausfeld.

Aufklärung eines abscheulichen Mordes

Lpd. Frankfurt a. M., 30. März. In der Nacht zum 1. März wurde in der Kasinostrahe im Stadtteil H ö ch st der 33jährige Kraftfahrer Josef Dieser, Scharführer der SS., durch einen Pistolenschuß in den Kopf getötet. Der Kriminalpolizei ist es jetzt gelungen, als Täter den Schreiber Heinrich O ck e r t, geboren am 28. Mai 1902 in Zelle, Mitglied des Reichsbanners, zu er­mitteln. Odert wurde am Tage nach der Tat von Gesinnungsgenossen nach der Schweiz geschafft. Dort ist er auf Ersuchen der Frankfur­ter Kriminalpolizei fe ft genommen worden, lieber feine Auslieferung ist noch nicht entschieden. Auch der Begleiter des Ockert bei der Tat wurde

der französische General Iacguemot am Tage nach der Tat die Kruppschen Direktoren Dr. Bruhn, Hartwig und O e st e r 1 e n, die nichts mit dem Vorfall zu tun hatten, und später auch den Arbeiter Müller, zuletzt sogar Krupp von Pohlen und Halbach selbst verhaften und vor das Kriegsgericht stellen.

Die Anklage lautete auf Störung der öffent­lichen Ordnung, Komplott und Organisation des Widerstandes. Das Urteil war denn auch dem­entsprechend. Fünfzehn Iahre Gefängnis gegen Krupp von Bohlen und Halbach, ähnliche Gefäng­nisstrafen gegen die Direktoren, sechs Monate Ge­fängnis gegen den Arbeiter Mütter, der die Menge ausgewiegelt haben sollte, dazu ent­sprechend hohe Geldstrafen.

Ein Schrei der Entrüstung ging durch das ganze Land. Aber auch im Auslande wurde die Auf­merksamkeit auf die unhaltbaren Zustände im Ruhrgebiet hingelenkt.

Der Vorfall in der Kruppschen Fabrik und das drakonische Urteil gegen Krupp und die Direkto­ren und den Arbeiter hatte eine große Bedeu­tung. Sie bildeten einen 'Abschnitt in der Ent­wicklung des großen Ringens, das sich damals an Rhein und Ruhr abspielte. Hatte Poincare im Thyssenprozeh Milde walten lassen, um die Industriellen zu gewinnen, so wollte er jetzt durch Gewalt und Härte den Widerstand brechen. Das Urteil im Krupp-Prozeh fällt zusammen mit dem Todesurteil gegen Schlageter.

Besonderen Eindruck hatte die Art und Weise gemacht, wie man Krupp von Dohlen und Hal­bach verhaftete. Er befand sich damals in Berlin, um an wichtigen Sitzungen des Staatsrates teil« zunehmen. Da erreichte ihn eine Vorladung vor das Kriegsgericht, wo er alsZeuge" ver­nommen werden sollte. Diese Vorladung war nur ein Vorwand, ihn nach Essen zu locken. Seine Verhaftung war schon von vornherein beabsichtigt gewesen. Krupp von Bohlen war gewarnt worden. Aber er entgegnete den War­nern, daß er selbstverständlich nach Essen zurück­fahren werde. Er wolle nicht durch sein Fern­bleiben irgendwie den Eindruck erwecken, als ob er die Direktoren für schuldig halte.

Sieben Monate mußten die CBerurteilten im Gefängnis zubringen, zuerst in Werden, später in Düsseldorf, bis das Mikumabkommen ihnen die Freiheit wiedergab.

Zehn Iahre sind feit den Vorgängen des Jahres 1923 verflossen. Der Ruhreinbruch gehört der Geschichte an. Gerade deshalb sind wir berechtigt, uns die Vorgänge von damals, von denen wir heute bereits genügend Abstand

festgenommen, da er an dem Vorfall jedoch nicht beteiligt war, wurde er inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Flucht Ockerts geschah mit Hilfe der Rechtsschutz st eile der Eisernen Front in Frankfurt, und zwar durch Vermittlung des Rechtsanwalts Dr. Ernst Siegfrieb Strauß. Recytsanwatt Strauß ist f l ü ch 11 g und konnte bis jetzt noch nicht ermittelt werden. Die Flucht Ockerts wurde mit dem Auto des bei der sozialdemokrati­schenVolksstimme" als Mitarbeiter beschäftigten Journalisten Beckmann bewerkstelligt. Das Auto wurde von dem Kaufmann Christian Haack, der gleichfalls festgenommen wurde, gesteuert. Auch Haack ist Mitglied der SPD. und der Eisernen Front.

haben, in die Erinnerung zurückzurufen. Richt um Haß oder Rachegefühle zu erwecken, sondern um die historische Bedeutung der Geschehnisse zu begreifen, die sich damals abgespielt haben.

Man versteht den Duhrkampf nur, wenn man ihn in den größeren Rahmen des Jahrtausende alten Ringens um den Rhein stellt, das das Kernstück der französischenklassischen",hi­storischen" odertraditionellen" Politik darstellt. In Versailles war diese Politik in dem Pro­gramm eines Clemenceau, eines Poin­care und eines T a r d i e u neu erwacht.

Sanktions- und Pfänderpolitik sollten noch ein­mal den Erfolg bringen, der in Versailles nicht direkt erreicht war: die Zerschlagung des Deut­schen Reiches und die Abtrennung der Rhein­lands von Deutschland. 3m Kampf an der Ruhr ist uns der Rhein erhalten geblieben.

Das ist die Bedeutung des passiven und aktiven Widerstandes an Rhein und Ruhr, daß es das erste große deutscheRein" nach dem Kriege war, ein Rein Im richtigen psychologischen Augenblick, ein Rein mit allen Konsequenzen. Unö dieser Kampf um Frankreichsewige These", diefixe Idee der Geschichte Frankreichs", wie es Waurice Darres genannt hat, ist zu einem deutschen Sieg geworden. Das hat der französische Presse­chef der Rheinlandarmee, Vial-Wazel, in feinem lesenswerten BuchDer Rhein ein deut­scher Sieg" selbst zum Ausdruck gebracht. Der Tag von Essen und der Krupp-Prozeß bildet den Höhepunkt der Gewaltperiode. Der Druck frem­der Militärgewalt konnte sich nicht stärker fühl­bar machen

Wieder hatte Poincare sich verrechnet. Die Gewalt richtete sich im letzten Grunde gegen ihn selbst und seine Politik.

Die Rhein- und Ruhrpolitik Poincares wurde im Mai 1924 vom französischen Volk selbst ver­worfen. In den Wahlen des Jahres 1924 stürzte das französische Volk Poincare. Das Ruhrgebiet wurde frei und mit ihm die Rheinlande.

Der erste Schritt zur (Bereinigung der Politik von Versailles war damit getan. Die Vernunft siegte über die Gewalt, weil das deutsche Volk zusammenstand und durch Opfer und einmütiges Zusammenhalten der ganzen Welt das Unrecht und die Unhaltbarkeit der Politik von Versailles offenbarte.

Der Ruhrwiderstand hat uns zuerst den Weg gezeigt, den wir gehen müssen, wenn wir uns und Europa von dem Albdruck von Versailles befreien wollen. Das gibt uns das Recht, dieses Widerstandes von 1923 heute zu gedenken.