Ausgabe 
31.1.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhaupisiadi

Grenz^and-Atend im DHD.

empfunden.

" Ocffentliche Dücherhalle. 2m Ja­nuar wurden 1505 Bände ausgeliehen. Davon kamen auf: Erzählende Literatur 1033. Literatur­geschichte 9. Zeitschriften 22, Gedichte und Dra­men 10. Iugendschriften 113. Lander- und Völ­kerkunde 104, Kulturgeschichte 8, Geschichte und Biographien 98. Kunstgeschichte 2, Naturwissen­schaft und Technologie 46. Heer- und Seewesen 5, Haus- und Landwirtschaft 4, Gesundheitslehre 1, -Religion und Philosophie 22. Staatswissenschaft 25, Sport 1. Fremdsprachliches 2 Bande. Nach auswärts kam 1 Band.

Große Strafkammer Gießen.

III.

0er nordische Krieg

gczieferbefall. .

«ine lebhafte Aussprache bildete den Abschluß der gut besuchten Versammlung.

Pornotizen.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute von 20 bis 22 Uhr. Dienstag-Abonnement, das Lustspiel2:2 unent-

König, Kriegsmann, Herkules

Zum 200.Todestage Augusts des Starken am l.$e6ruar.

Don Maximilian pallanca.

Nah und näher raste das Unheil auf August den Starken zu. Er versuchte dem Schwedenvotter und dessen kriegsgewaltigen Truppen auszumeichcn, wurde aber auf dem Wege nach Krakau bei K 11 ßow eingeholt und mußte sich zum Kampf stellen. Es war der 19. Juli 1702. August hatte polnische und sächsische Truppen zur Verfügung; die Polen liefen, kaum war das Feuer eröffnet, sofort wie die Hasen davon: die Sachsen allein vernwchten die Situation nicht mehr zu retten Reiterei und Fuß volk wurden über den Haufen geworfen: alles schien verloren.

Das wirre Chaos noch zu vermehren, brach gleich Öim Westen Europas ein neuer großer Kriegs-

> aus, der spanische E r b s o l g e k r i e g . der entstand, um die mit dem Tod des habsburgischen Karl II. erledigte spanische Krone. In diesen wilden Erbstreit griffen ein England, Holland, Frankreich, das Reich: Spaniens wegen verbündete sich der Hohenzoller mit Schweden: Aligust mengte sich, ob­gleich er vor Sorgen kaum mehr aus noch ein wußte, auch in dieses Abenteuer, verbündete sich, unter Bruch seiner Abmachungen mit Frankreich, zur Abwechslung einmal mit dem Kaiser, schickte ächsische Truppen gegen die Bayern und Franzosen, ah sie aber geschlagen zurückkehren und setzte ie noch einmal in Polen ein, gegen die immer mehr an Boden gewinnenden Schweden.

Vergebens, alles vergebens ... Die Sachsen un ter Steinau werden am 1. Mai 1704 bei Pultust

Preise. ,

*» Von der Bahn GießenKoblenz. Der beschleunigt verkehrende Personenzug Nr. 402 GießenLimburgKoblenz (Gießen ab 8.04, Sw» blenz an 10.26) hält vom I.Februar ab täglich in Villmar. Der Zug trifft um 9.07 Uhr in Vill­mar ein und fährt um 9.0714 Uhr ab.

** Die Steuergutscheine für Mehr­beschäftigung. Vorn Wirtschaftsprüfer und Steuersyndikus Hermann Will zu Gießen wird uns im Anschluß an die aus feinenAktuellen Steuerfragen" gestern zitierte Meldung über Die Steuergutscheine folgendes mitgeteilt: Nach einer Information, die Montag nachmittag bei mir em- ging haben der Reichsarbeitsminister und der Reichsminister der Finanzen mit Rücksicht auf die verspätete Herausgabe der Antragsformulare für Steuergutscheine die Finanzämter angewiesen, An­träge, die nach dem 3 1. Januar eingereid)t werden, wie rechtzeitig eingereichte An­träge zu behandeln. Eine zeitliche Begrenzung der Verlängerung der Antragsfrist ist nicht erfolgt.

Starkes Glatteis lag heute in den frühen Morgenstunden auf allen Wegen und Plat- zen unserer Stadt. Offenbar war im Laufe der Aacht nach Regenfällen wieder etwas kältere Temperatur eingetreten, die die starke Vereisung der Straßen zur Folge hatte. Der Fußgängerver­kehr war bei diesem Zustand der Straßen mit außerordentlichen Anstrengungen verknüpft. In mehreren Fällen foUen Passanten gestürzt sein, zum Glück aber liegen bis zur Stunde Meldungen über ernstere Unfälle nicht vor. Daß an man­chen Stellen von Frühaufstehern unter den Haus­besitzern die Bürgersteige mit abstumpfenden Mit­teln bestreut worden waren, wurde angenehm

^Der Redner ging dann auf die Entstehung des Samens, dessen Nährstoffgehalt und Bedeutung für die junge Pflanze, wie auch für den Haus­halt der gesamten Natur ein. Er behandelte ferner das im Keimling schlummernde Leben, dessen all- mähliches Abklingen und schließliches Berloschen nach einer gewissen Dauer. Lehrreiche Dettpiele aus Praxis und Wissenschaft erklärten die Wider- ftandsfähigkeit ruhender Samen gegen extreme Wärme und Kälte und die manchen ilntrautfamcn innewohnende Fähigkeit, gleich den Siebenschlä­fern nach sehr langen Zeiträumen wieder aufzul^- den, wenn sie aus tieferen Bodenschicht^! durch irgendwelche Umstände an das Tageslicht kom­men. Zu den praktischen Folgerungen über- gehend, die sich aus der Bauer der Keimkraft uno anderen Eigenschaften der Samen ergeben, warnte der Vortragende vor verfrühter Aussaat. Jede Art bedarf zur Keimung und zum freudigen > terwachscn einer bestimmten Dodenwarme. Diese liegt für die meisten Gemüse- und Blumensamen bei fünf Grad Wärme in 10 Zentimeter Tiefe. Auch wenn frühzeitig gesäte Samen zum Keimen gelangen, so ist damit die ungestörte Weiterent­wicklung noch nicht gewährleistet, spätere Aussaa­ten überholen nicht selten die früheren betracht- lich. Bohnen brauchen 12 Grad, ebenso alle Blu- menarten, die im Herbst bei den ersten Frosten erfrieren. Gurken sind wärmebedürftiger und be­nötigen eine Bodenwärme von 15 Grad. Wie alles jugendliche Leben, so braucht auch die fungc Pflanze mehr Nahrung, als im ausgewachsenen Zustande, wenn nicht Erscheinungen von Schwache auf treten sollen, die sich noch in der spateren En^ Wicklung nachteilig auswirken. Cs wird uamnch bereits bei Bildung des dritten oder vierten Blat­tes, oft auch schon früher der Plan für das künf­tige Wachstum gelegt, der sich nach den zur Zeit vorhandenen Nährstoffen im Boden und im Ge­nuß von Licht richtet. Nachträgliche Zufuhr von Nahrung in Form reichlicher Düngung und Schaf­fung von Lichtgenuß vermag zwar die Pflanze zu kräftigen, jedoch kein weiteres Blatt oder Blu­tenknospe, Blüte oder Frucht hervorzurrtten. Nichts ist schädlicher, als zu dichte Saat, schlechter Boden in den Anzuchtsbeeten, oder

Düngung der Sämlinge. Ferner wurden behandelt die Technik der' Samenzucht im Groh- und Klein­betrieb, die Züchtung besserer Rassen auf wis­senschaftlicher Grundlage, die Neuheiten-Gewin- nung, das Beizen, Pikieren und andere Maßnah­men zur Vorbeugung von Krankheiten und Un»

Die Iugendgruppe Gießen im DHV (Deutschnatio- | nalen Handlung-gehilsen-Verband) veranstaltete am ; Sonntagabend im Cas< Leib einen Grenzlandabeno, der (ehr aut besucht war. _

Ein Eroffnungsmc-.rsch der Hauskapelle des DHV-, der Einmarsch der Iugendgruppe und frische ^char- gesänge leiteten den Abend em. Em Vorspruch wies auf den Sinn d.s Abends hin. Kretsiugendfuhrer Bepperlin-) begrüßte die Teilnehmer. Er dankte für das Interne am bedrohten deutschen Erenzlcmd, das in dem starken Besuch zum Ausdruck komme. Dem deutschen Volke seien im Osten schwere Wun­den gesch-agen, der Kampf gehe um Volkstum, Sprache and Sitte, der Deutsche im Osten müsse er­bittert um seinen Heimatboden ringen. Ihn zu um tersti'uen, sei nationale Ehrenpflicht. Der DHV- habe fc\er Jugend durch Fahrten nach dem deutschen x^ffen Gelegenheit gegeben, Grenzlandnot kennen- zulernen Die Grenzlandsrage sei die Frage um Deut chlands Zukunft. Sodann gelangte em Gedicht zum Vortrag, das in die Zeit ^r Deutschordens­ritter zurücksührte und m lebendiger Form eine EP sode des Kampfes zwischen den Polen und den Deutschordensrittern schilderte. nrntnrnrhP

Im Mittelpunkt des Abends stand die Ansprache von Studienrat Dr. K ö n i a. Er.^rte a. aus. Deutsches Land im Osten sei durch die Deutschordens^ ritter gewonnen worden. Aus Wildnis schufen f Kulturland. Nun wollen die

Die Polen hätten zwar vor zwei Jahrhunderten ihren Staat verloren, aber Polen sei deshalb damals nicht untergegangen, weil das Volk nicht unterging. Ein Volk könne wohl den Staat verlieren aber wenn es sich nicht selbst verliere, lebe es fort. Polen wartete feine Zeit ab, habe nun aber die Guns «durch d<!- BerlaiHcr Dittot

und sich übernommen. Die Blicke der Polen schweiften begehrlich nad) Osten und Westen. Der Osten sei schwer bedroht. Deshalb richte das deutsche Volk auch heute wieder den Blick nach Osten, wie es im 12. Jahrhundert geschah. Der Osten sei lange vergessen gewesen, man habe das Land nicht im Herzen getragen. Es werde nun eine Angelegenheit desganzen Volkes und der Jugend insbesondere sein verlorenes Land wiederzugewinnen, die Gren­zen wieder herzustellen. Die Gefahr sei groß denn Polen wähne sich noch nicht am Ende seiner Reichs- gründung.Groß-Polen" mäste sein, sei m Polen die öffentliche Meinung. Man spreche bei uns davon, daß das deutsche Volk einVolk ohne Raum sei, trotzdem aber fei der deutsche Osten "Raum ohne Volk". Das Bauernvolk sei abgewandert, der Boden ohne Volk: das reize die Polen, 3" sagen der Raum müsse ihnen gehören. Es gelte, das Land für Deutsch­land zu erhalten: es mit deutschen Bauern zu be­siedeln sei die große Aufgabe. Innere Kolonisation laute die Forderung der Gegenwart. Not könne überwunden werden, wenn man sich dessen bewußt sei daß das Volk und seine lebendigen Kräfte das Wertvollste sind. (Lebhafter Beifall.)

Im weiteren Verlaufe des Abends gelangte ein Theaterstück in drei Aufzügen zur Aufführung, das in dramatischer Gestaltung und unterstützt durch eine ausgezeichnete Wiedergabe seitens der DHV--Jugend- gruppe einen tiefen Eindruck hnterließ. In leben­digen Bildern und in schwungvoller Sprache wurde hier die Not der Deutschen in Oberschlesien zur Zeit des Einfalls der polnischen Insurgenten geichildert. Den Abschluß des Abends bildete ein gemeinsam ge­sprochenes Bekenntnis zu Volk und Vaterland. lObst- und Gartenbauverein Gießen.

In der Versammlung des Obst- und Garten- »airoetetnS Gießen am Sonntag un Saale des Hotel Kobel sprach Garteninspektor Re hnel t über©amen, Saat und Pslanzung . Zunächst wurden Gratisproben von Namen des neuen chi­nesischen Kohls an die Mitglieder verteilt der einem Probeanbau aus breiter Grundlage dienen

neu geschlagen, Thom wird besetzt, Elbing erobert und obgleich August, der Gefahr eines polnische» Gegenkönigs zu entgehen, schnell noch die Söhne des Sobieski, von denen Karl einen zum Polenkönig ausersehen, gefangen nimmt und verschleppt, setzt ihn eine polnische Generalkonföderation ab und wählt am 15. Juli 1704, M Warschau unter schwe­dischem Druck den Woirnadm von Posen Stanis­laus Lefzczynski zu- polnischen König ...

Eigentlich ist jetzt schon das Ende da, aber August der starke, glühender Optimist und angesichts aller Schicksalsschläge unleugbar tapfer, gibt nicht nach. Er setzt den Stampf fort, und der Zar Hilst ihm. Es kommt zu neuen Niederlagen: Peter, der Russenzar, beginnt ein Doppelspiel, versucht die Vermittlung des Hohenzollern zu erlangen für einen Sonder­frieden mit Schweden. August steht in Wstklichkeit ganz allein, seine Sache ist verloren. Die Schweden brechen in sein Erblond Sachsen ein und erobern, da die zusammengeschmolzenen Truppen Augusts nirgends mehr standzuhalten vermögen, in kürzester Frist saft gan,} Sachsen. Karl XII. schlägt sein Haupt­quartier in dem bei Leipzig gelegenen Dorf Alt- Ranstadt auf. Hier kommt es zu Friedensverhand­lungen. Am 24. September 1706 wird der Frie - den von Alt-Ran ft ädt unterzeichnet: August verzichtetaufdie polnische Krone und erkennt seinen Gegenkönig Stanislaus ßejv czynski bedingungslos an; lediglich den Titel eines Königs darf der Besiegte bis zu seinem Ableben 1 weiterführen: ferner hat August allen gegen Schwe­den gerichteten Bündnissen zu entsagen. Die schwe- I dischen Truppen bleiben zu Sachsen in Winter­quartieren Unterhalt und Sold bezahlt das Land Sachsen. _ j.

Das ist das Ende ... Polen verloren, pachten aus ein ganzes Jahr besetzt und ausgesoaen, bis Karl XII. [eine Truppen endlich über Schlesien und Polen nad) Rußland einem dunklen Schicksal entgegensührt: und dazu als grausige SchlußbUanz: 80 000 Men­schen hat dieser Krieg das Land Sachsen gekostet und an Geldern ungefähr 90 Millionen Taler ... Sach­sen ist kaum weniger schlimm daran als zu Ausgang jenes Krieges, der dreißig Jahre währte ...

(Fortsetzung folgt.)

Schulden zu Haus und in aller Welt, in Sachsen ( Verstörungen und Widerstreit wegen bes'unb gegen das Königsabenteuer des Kursürsten, immer waches Mißtrauen und der gleiche Widerstreit gegen den fremden neuen König in Polen, dem man sowohl nachzujagen begann, er strebe danach, entgegen der beschworenen Verfassung die Königskrone in eine ür das Haus Wettin e r b l i ch e zu verwandeln, als auch die nicht ganz unberechtigte Verdächtigung am hängte, er habe mit feinen Nachbarn Hohenzollern und Habsburg bereits lose Geheimverhandlungen ausgenommen zwecks einer eventuellen Austei­lung Polens: diese peinvollen Bedrängnisse trieben August den Starten auf einen Weg, der sich in der Folgezeit als äußerst verhängnisvoll sowohl ür ihn selbst als für seine Lande erweisen sollte. Er sah die Rettung aus allen Konflikten in einer glänzenden A u ß e n p o l i t i k, das hieß damals: in neuem Gebietserwerb: vor allem wollte er sich die Anhänglichkeit seiner neuen Untertanen, der Polen, sichern durch Wiedereroberung einst verlorenge­gangener polnischer Provinzen zunächst einmal des an Schweden abgetretenen Livland. Sein Ehr­geiz schweifte gleich ins Ungemessene, zumal ihn eine Prophezeiung beeindruckte, die nicht mehr und nicht weniger besagte, als daß bereits mit dem 'Beginn des nahenden 18. Jahrhunderts die deutsche K a i s e r k r on e von den Habsburgern auf die Wet­tiner übergeben werde. Als sei diese wilde Weis­sagung schon erfüllt, sah sich August in seinen Trau­men bereits als Dritten Herrn der europäischen Welt: links von ihm Ludwig XIV. von Frank­reich, rechts von ihm Peter der Große, der Zar aller Rusten, in der Mitte, im Herzen Europas, Herr über ein Drittel des ganzen Kontinents, er selbst, Kurfürst von Sachsen, König von Polen und zukünftiger deutscher Kaiser ...

Zunächst ging sein Bestreben dahin, die Prophe­zeiung wirksam zu unterstützen durch eine Kriegs­erklärung an den Kaiser; von diesem Plan aber brachte ihn ein anderes kriegerisches Abenteuer ab, das als kurzer militärischer Spaziergang gedacht war, auf dem aber der langjährige nordische Krieg wurde, unheilvoll für Polen und fast noch verderblicher für Sachsen.

Schwedens Thron hatte Augusts junger Vetter, Karl XII., bestiegen. Zumal die Jugend dieses Königs schien Schwedens Widersachern und Rivalen eine gute Möglichkeit zu bieten, mit dem allzu mäch­tigen Ostseereich schnell und bequem fertig zu wer­den. Hier dämmerte für August die Gelegenheit, das Herzogtum Livland ohne große Mühe für Polen zuruckzugewinnen; der Führer des gegen des Schwe­denkönigs Absolutismus grimmig sich wehrenden livländischen Adels, v. Patkul, forderte ihn offen dazu auf. Gleichzeitig kam ein Angebot von Däne­mark, sich freundwilligst an einer gemeinsamen Offensive gegen Schweden zu beteiligen. Den dritten Antrieb bot ein Treffen zwischen dem Polenkönig und dem aus Holland heimkehrenden Russenzaren Peter, das unter wilden Zechgelagen bei Rawa statt­fand und zu diesem Beschluß führte: Peter wird 2luguft helfen im eventuellen Kampf gegen auf­fällige Polen, August wird Peter helfen, die Schwe- den vom Südufer der Ostsee zu vertreiben über die Verteilung der Beute wird man sich schon einig werden. Dazu tarn noch ein geheimes Abkommen mit den Hohenzollern: Brandenburg werde Schwedisch-Pommern sich einverleiben können, falls es August helfe beim Erwerb Livlands nebenbei dürfe der Hohenzoller sich in den Besitz von Polnisch- Elbing setzen. Dies letzte Angebot benutzte der Bram benburger umgehend zu einem Hand st reich gegen Elbing und dieser Handstreich mit Wissen und Willen ihres Königs versetzte die Polen in helle Wut ... eine Tatsache, die den König keines­wegs von feinen Kriegsplänen abzuhalten mächtig war. Er begann seinenm ilitärischen Spa- z i e r g a n g" der zu einer Katastrophe wurde . .

Zunächst geschah ein gleichsamprivater" Ucberfall auf Riga und ging schief. Dazu kamen Schwierig­keiten anderer Art: zum Kriegsuhren gehörte schon damals erstens Geld, zweitens Geld, drittens Geld aber woher nehmen in dieser scheußlichen Situation? Die Alchimisten des Fürsten versagten kläglich bei ihrer Goldmacherei, die^sächsischen Stände verweigerten neue Steuern und Soldatenaushebun gen, so daß sie August wutentbrannt nach Hause jagte; es hals also nichts, als wieder einmal eine Anzahl von Herrschaften zu verpfänden und von den Bundesgenossen Geld zu borgen. Das klappte noch einigermaßen. Als aber Augusts Günstling Flemming sich daran machte, in Livland einzu- marschieren und erneut eine Eroberung Rigas zu versuchen, klappte nichts mehr. Riga ward nicht er­obert, gleichzeitig war dieser junge schwedische Vet­ter, dieser Tollkopf Karl XII., den man so sehr unterschätzt hatte, bereits mit den Dänen handgemein geworden und hatte ihnen berartige Hiebe versetzt, daß sie schnell einen vorübergehenden Frieden schlos­sen. Inzwischen war Rußland wenigstens so wett, daß es sich für Unternehmungen im Norden inter­essieren konnte; aber noch im gleichen Unglücksiahr des Kriegsbeginns, im November 1700, schlug Karl der Zwölfte diesen russischen Gegner bereits ver­nichtend in der Schlacht bei Narwa und setzte

Karl XII. nämlich stürzte sich mit wildem Elan auf die Truppen des Kurfürsten-Königs, uberschrill die Düna, warf die Gegner zurück, marschierte in polnisches Gebiet ein und machte dem Polenreich olgendes Angebot: wolle Polen Frieden, so müste es feinem König August ... Thron und Krone neh­men! August begann zu zittern: feine Freundin Aurora v. Königsmarck, jetzt bereits vierzig Jahre alt, versuchte zu retten, was noch zu retten war, fuhr mitten im strengsten Winter in Karls Hauptquartier, um ihn für ihren Freund anzuflehen ... aber sie hatte nicht mit dem Frauenhaß dieses jungen Kriegsmannes gerechnet: er ließ sie gar nicht einmal vor, verhaftete lediglich ihren Begleiter, den Kammerherrn Vitzthum o. Eckftädt und fand bei diesem Papiere, aus denen klar ein Plan des Wettiners zur Aufteilung Polens hervorzugehen schien, welche Papiere Karl sofort benutzte, den Keil zwischen August und seinen polnischen Untertanen noch tiefer zu treiben. Er marschierte immer weiter in Polen ein, und im Mai 1702 öffnete ihm bereits Warschau ohne Widerstand die Tore. Polen jam merte um Frieden; und abermals kam die Antwort Werft zunächst einmal euren König hinaus! Wählt euch einen anderen König! Schließlich leben ja^ noch die Söhne des letzten polnischen Königs, die Söhne Sobieskis!"

schieden" von Lichtenberg (Spielleitung: Heh­ler) Gewöhnl.che Preise. Mittwoch. 1. 5e- bruar im Mittwoch-Abonnement Erstausjuhrung ber OperetteDreimäderlhaus" von Willner und Re'chert mit der Muli! von Heinrich Berts nach den Melodien Fraatz Schuberts. Spielleitung Paul W r e d e dessen Inszenierung ein bisher meist gestrichenes Sertetr . durch Ballettmeister E. Däulke und Frau tünzer.sch wiedergeben läßt. Die musikalische Leitung liegt bei Kapellmeister Walter W o e h l. Operettenpreis«. Spieldauer von 19.30 bis 22.30 Uhr. Das Ensemble des StadttheaterS Koblenz bringt Donnerstag das Schauspiel .Gestern und heute" von Christa Winsloc zur Aufführung. DaS Bühnenstück, das dem FilmMädchen in Uniform" den Stoff gab und im vergangenen Jahre einer der stärksten Theatererfolge in Berlin war, kommt auf dem Wege des Austauschgastspieles nach Gießen. Die GastaufFührung. w;rd in der Koblenzer Original­besetzung erfolgen und durch das Gastspiel der Berliner Schauspielerin Hedwig Schlichter eine besondere Note erhalten. 5)ic_ Vorstellung ist außer Abonnement und zu ermäßigten Ope- rettenpre.sen. Abonnenten räumt die Intendanz die Vergünstigung der ermäßigten Schauspiel­preise ein. Schülerkarten haben an diesem Abend keine Gültigkeit. Rundfunkgutsche.ne werden m Anrechnung gebracht. Am Samstag. 4. Fe­bruar. findet 20 Uhr eine Doltsvorstellung statt Zur Aufführung gelangt die Komödie -Potttik der Weiberröcke" von Neil Grant. Der deutsche Weltflieger Wolfgang von Gronau wird bet seinem Besuch in Gießen am Sonntag, 5. Fe­bruar. im Stadttheater Gießen einen Lichtbilder- vortrag über seine Erlebnisse bei seinem Flug um die Welt an Hand eines reichen Bilder- Materials halten. Das deutsche Frontstuck

Die endlose Straße", mit dem das Ensemble des Gießener Stadttheaters in Koblenz gastieren wird, kommt am Montag, 6. Februar, zum letztenmal zur Aufführung. Es gelten kleine

ihn für längere Zeit außer Gefecht. Dazu kam, doß sich nicht nur der Brandenburger weigerte, Schwe den den Krieg zu erklären, sondern auch das Polen reich mit der gleichen Weigerung kam ... August sah sich von den eigenen neuen Untertanen im Stich gelassen. Und diese eigenen Untertanen IpieltenJIjrem erwählten König einen noch viel schlimmeren Streid).

erösfnung vorgefunden wurde, bei weitem nicht vorhanden gewesen sein konnte. Auch im übrigen hatte der Angeklagte in verschiedenen Unter- Handlungen mit den Vertretern der Dank seine wahre Vermögenslage verschleiert. Beispiels weise hatte er verheimlicht, daß es sich bezüglich der bei der Bank von ihm hereingegebenen Wech'el um Gefälligke.tsakzepte handelte. Auch die Einsichtnahme seiner Bücher hatte er stets zu verhindern gewußt-

Soweit sich die Anklage auf die unübersichtliche Buchführung richtete, war der Angeklagte in der Hauptsache geständig. Die Beweisaufnahme ergab auch, daß die Bücher des Angeklagten keinerlei Uebersicht über den Stand seines Ver­mögend gewährten Abgesehen von der bereits erwähn'.en Bilanzführung des Angeklagten fehlten z. D- im Wechselbuch sämtliche Gefälligkeits- akzepte, im Kassabuch hatte es der Angeklagte unterlassen, seine Privatentnahmen einzutragen. Allerdings bestritt der Angeklagte, seine Bücher deshalb so unordentlich gesührt zu haben, um seine Gläubiger zu benachteiligen. Jedoch konnte nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme kein Zweifel daran herrschen, daß die unübersichtliche

Am vorigen Dienstag und Mittwoch die Urteilsverkündung fand am Donnerstagmorgen statt verhandelte die Strafkammer gegen einen Kaufmann wegen Betrugs. Unterschlagung und Konkursverbrechens. Im einzelnen wurde ihm zur Last gelegt, durch Vortäuschung semer Kre­ditfähigkeit die Bank, mit der er m Geschäfts­verbindung stand, zur Hergabe großer Kredite veranlaßt, ferner eine erhebliche Anzahl seiner Kunden zur Akzeptierung von Gefälligkeits- wechseln unter dem Versprechen der Sewstein- lösung. obwohl er wußte, daß er zur Selbst­einlösung nicht in der Lage war, bewogen, weiter Gelder, die ihm von einigen Kunden zur Ab­deckung von durch diese ausgestellten Wechseln anvertraut worden waren, nicht zu diesem Zweck verwandt, sondern für sich verbraucht, also unter- schlagen zu haben. Außerdem war er angeklagt, in der Absicht, seine Gläubiger zu benachteiligen, falsche Bilanzen ausgestellt und seine Geschäfts- bücher so unordentlich geführt zu Haden, daß sie keine Uebersicht über sein Vermögen ge­währten (Konkursverbrechen).

Die Beweisaufnahme, zu der neben einem | großen Zeugenaufgebot auch zwei Sachverständige geladen worden waren, ergab folgendes: Das I Geschäft des Angeklagten war schon seit 1924 von Jahr zu Jahr zurückgegangen. Bereits im Jahre 1928 war seine Lage recht unsicher geworden und nach der Feststellung des Vach, verständigen schon im Laufe des Jahres 1929 Konkursreife eingetreten. Erst Anfang 1931 meldete der Angeklagte, obwohl er sich schon seit langem über seine wirkliche Lage durchaus im klaren war. Konkurs an. Durch allerlei Manipulationen hatte er es verstanden, seine Bank, die ihm Kredite gewährte, über seine wahre Vermögenslage zu täuschen. So hatte er für das Jahr 1928 Kvei Bilanzen ausgestellt, die in einen c ftteto^eu Mißverhältnis zuein­ander standen, sn Del Bilanz für das Satyr 1929 hatte er u. a. ein Warenlagen von rund 29 000 l Mark angegeben, das aber nach den getroffenen

Feststellungen, insbesondere nach dem geringen - Lagerbestand, der ein Jahr später bei Konkurs-

Buchführung und falsche Bilanzausstellung zu dem Zweck geschehen war. um die wirkliche Ver­mögenslage zu verschleiern und nach außen kred, - fäh g zu bleib:n Aach war sich der Angeklagte dec Folgen seines Verhaltens für seine Gläubi­ger wohl bewußt gewesen.

Das Gericht hielt daher sur nachg<n lesen, daß ter Ang ll. g.e in Gläubige.b:nachteiligungs- absicht gehandelt hatte. Dagegen erachtete aber das Gericht nicht den Nachweis für erbrach daß der Angeklagte seine Kunden durch Gr- schwindeln von Gesälligkeitsakzepten betrogen, ferner daß er Gelder seiner Kunden, die ihm zur Einlösung von Wechseln gegeben toorben waren, unterschlagen habe. Es »^urteilte batyer den Angeklagten lediglich insoweit, als Antlag^ wegen Betrugs der Bank und unordentlicher Buchführung bzw- falscher Bilanzausstellung er­hoben worden war. im übrigen sprach es den Angeklagten frei. Die Strafe lautete auf zehn Monate G efängnis.__,

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