bergs, Popens und der Großagrarier sein. Die eigentlichen Harzburger, nicht Herr Hitler, haben sich durchgcsetzt. Es ist ein gefährlicher Kurs, der jetzt mit diesem Harzburgcr Kabinett eingeschlagen wird.
Nie Linke.
3m „B e rl i n e r T a g e b l a t t" heißt es u. a.: Die Anhänger der Demokratie werden durch die Ernennung des nationalsozialistischen Führers zum Kanzler und durch die Bestellung eines eindeutig reaktionären Kabinetts nicht die Rerven verlieren, obwohl sie die Anmaßung der Minderheit, die jetzt nach Schleichers Sturz die Macht über den Staatsapparat übernimmt, als eine Herausforderung empfinden müssen. — Die ,B o s s i s ch e Zeitung" etllutt; 3n einem Augenblick stärkster sozialer Spannungen, die nur durch sorglichsten und schonendsten Ausgleich der widerstrebenden Kräfte erträglich gemacht werden könnten, wird ein Kurswechsel vollzogen, der als Kampfansage wirken muß. Die Gegensätze, die zwischen den Trägern des neuen Regimes klaffen, verstärken das Unbehagen. den Zweifel, die Sorge um die nächste Zukunft. Hindenburg hat Hitler betraut. Die Zeichen stehen auf Sturm.
3m »Vorwärts" heißt es: Der Reichspräsident hat mit der Ernennung dieser Regierung die furchtbarste Verantwortung übernommen, die jemals ein Staatsoberhaupt übernommen hat. Er steht dafür, daß diese Regierung den Böden der Verfassung nicht verläßt, und daß sie sofort zurücktritt, wenn sie eine Mehrheit im Reichstag nicht erhält. Würde ein Versuch gemacht werden, diese Minderheitsregierung, deren Feindschaft gegen die Verfassung offenkundig ist, auch ohne Zustimmung des Reichstags im Amte zu halten, so wäre eine Situation gegeben, die vom arbeitenden Volke die Einsetzung letzter und äußerster Kräfte erfordert. Die Organisationen der Eisernen Front stehen in engster Verbindung miteinander und verfolgen die Entwicklung mit äußerster Spannung.
Keine Währungsexperimente.
Luther bleibt an der Spitze derRcichsbanl
Berlin, 31. Ian. (LAB. Zunkspruch.) Amtlich wird die bereits gestern abend vor der ausländischen presse abgegebene Erklärung aus das bestimmteste wiederholt, daß irgendwelcheLxperimente wirtschasts- oder gar w ä h r u n g s p o l i- tischer Art nicht in Jtage kämen, und daß sie von keinem kabineltsmitglied beabsichtigt seien. Diese Unterstreichung de» Standpunktes der neuen Reichsregierung erfolgt insbeson- dere im Zusammenhang damit, daß gestern und heute gewissedeutscheAnleihenanderBörse attackiert worden sind. Es wird die eindeutige Versicherung abgegeben, daß ein sachlicher Grund für solche Börsenoorstöhe in keiner weiseoor- Händen sei. Man hat deshalb auch die Ueberzen- gung, daß sie ganz anderen als sachlichen Motiven entspringen. Jedenfalls haben die Besitzer von deut- scheu Anleihen keine Veranlassung, irgendwie beunruhigt ;u sein. 3m gleichen Zusammenhang wird auch gegenüber gewissen Gerüchten betont, daß d i e Frage eines Wechsels in der Leitung der Reichsbank nicht aktuell ist.
Verhandlungen der Parteien.
Berlin. 31. Ian. (VDZ.) Reichstagspräsident Göring beabsichtigt vorläufig nicht, sein Amt als Reichstagsprasident zur Verfügung zu stellen. Formelle Bedenken besteben gegen die Ausübung des Präsidentenamtes durch einen aktiven Minister nicht, da weder in der Verfassung noch in der Geschäftsordnung Bestimmungen darüber enthalten sind.
Im Reichstag trat am Dienstagoormittag als erste Fraktion die Bayerische Volkspartei zusammen, um sich mit der neuen politischen Lage zu beschäftigen. Um 11 Uhr begann dann auch die Fraktionssitzung des Zentrums. Um die gleiche Zeit begab sich der Parteioorsitzende Dr. K a a s zum Reichskomzler Hitler. Nach seiner Rückkehr wird er der Fraktion über die Aussprache mit dem Reichskanzler Bericht erstatten.
Auch der sozialdemokratische Parteiausschuß, der telegraphisch nach Berlin berufen worden ist, trat am Dienstagvormittag im Reichstage zusammen. Zu Beginn der Sitzung erstattete Abg. Dr. Breitscheid Bericht über die politisch? Enkwichhmg und bezeichnete die neue Regierung als die reaktionärste, die Deutschland jemals gehabt habe. Die Arbeiterschaft stehe bereit, um den Abwehrkampf gegen alle verfassungswidrigen Bestrebungen zu führen. Die Opposition der Sozialdemokratie gegen das neue Kabinett sei eine Selbstverständlichkeit. Die Sozialdemokratie habe den Wunsch, in diesem Kampfe in einem guten Verhält- nis zu den kommunistischen Arbeitern zu stehen.
3tpei Zodesopfer eines Zeuerüberfalls a 4 Teilnehmer des Hackelzugs.
Berlin, 31. Januat. Am Montag gegen 23.40 Ahr wurde eine von dem Vorbeimarsch zurück- kehrende «lwo 10 0 Mann starke SA-Ab- (eilung in der Vallstraße in Eharlottenburg au» dem Haufe Nr. 24 angeblich von Angehörigen der KPD. beschossen. Dabei wurde der Polizeiwachtmeister Zaurih, der zu den Begleitmannschaften gehörte, durch einen Vrustschuh schwerverletzt. Lin SA.-Führer namens M ai- ko w s k i erhielt gleichzeitig einen Bauchschuß. Beide sind kur; daraus im Krankenhaus gestorben. Eine sofort vorgcnommene Durchsuchung de» Hauses blieb erfolglos. Jedoch wurden in angrenzenden Häusern zwei Personen mit Schuh- verlehungen aufgefunden und vorläufig fest genommen. Beamte der polit.schen Abteilung des Potizelpräsidiums weilen zur Zeit am Tatort. — 3n Spandau tarn es zwischen Rationalsozialisten und Kommunisten zu einer Schießerei, bei der ein Kommunist namens Oberheinrich schwere Schuhverlehungen erhielt und ein weiterer Kommunist leicht verletzt wurde. An vier Stellen der Stadt ereigneten sich ferner Schlägereien zwischen Rationalsozialisten und Andersgesinnten.
Oie „iRote Hahne" beschlagnahmt.
Berlin, 31.3an. (WTD. Funkspruch.) Die Morgenausgabe der »Roten Fahne" ist polizeilich beschlagnahmt worden. Ferner wurde heute früh ein Extrablatt der Kommunistischen Reichstagsfraktion »Alarm-Alarm" mit der Ueberschrift .Reuer 20.3uli droht" beschlagnahmt.
Das Gesicht der neuen Aeichsregierung.
Ner Reichskanzler.
Hitler ist heute ein Mann von 43 Jahren. Sem Aufstieg ist um jo verblüffender, als er in einem kleinen österreichischen Ort, Braunau, geboren wurde, in Wien als Zeichner auf die Malerschule ging und mehr zufällig 1912 nach München kam, um dort seine Studien zu beenden. Der Oesterreichcr Hitler machte an der deutschen Front den Krieg mit, erwarb als Meldegänger das E. K. 1 und kehrte nach Kriegsende nach München zurück. Er entschloß sich, nicht mehr nach Oesterreich zurückzugehen, kämpfte gegen die Räteregierung in München und wurde als Bil- dungsoffizier sodann einem Münchner Infanterieregiment zugeteilt. Hier hielt er vaterländische Vorträge und wandte sich dann der Politik zu. Mit ftchs Mann zusammen gründete er in München die Partei, die heute mehr als 12 Millionen Anhänger umfaßt. Hitler erlebte seinen kritischsten Augenblick, als er nach dem Bürgerbräuputsch und seiner Entlassung aus dem Landsberger Gefängnis 1924 die Parteiorganisation in halber Auflösung fand Damals führte ihm Gregor Straßer die wenigen noch vorhandenen geschlossenen Formationen der Partei zu. Bis 1927 hemmt Hitler in Bayern und bis 1928 in Preußen ein Redeverbot. Der Aufschwung der Partei setzt nach Aufhebung dieses Redeverbots ein, und die SA.-Formationen joroie das „Braune Haus" in München wurden die Symbole dieses Aufstiegs.
Der Krlfenminister.
Division und Befehlshaber im Wehrkreis 1. Im Oktober 1930 ging General v. Blomberg in offiziellem Komamndo auf die Dauer von zwei Monaten zur ArmeederVereinigtenStaaten.umdie nach dem Weltkriege angebahnten Beziehungen zwischen der amerikanischen Armee und unserer Reichswehr zu vertiefen. In letzter Zeit war von Blomberg als Sachverständiger Der deutschen Delegation auf der Genfer Abrüstungskonferenz tätig.
Geh. Finanzrat Dr. Alfred Hugenberg.der Führer der Deutschnationalen Volkspartei, der im neuen Kabinett das Rcichswirtschaftsministerium und das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft inne hat, bedarf als einer der prominentesten Politiker Deutschlands wohl kaum einer näheren Vorstellung. 1894/99 war er bei der Ansiedlungskommission in Posen tätig, wurde 1900 Verbandsdirektor der Raiffeisengenossenschaft. 1903 war er Vortragender Rat im preußischen Finanzministerium. 1907 wurde er zunächst Direktor der Metallbank in Frankfurt a. M. 1909 bis 1918 war er Vorsitzender des Direktoriums der Fried- rich-Krupp-AG. in Essen. 1919 wurde er in die Rationalversammlung gewählt, wo er sich der Deutschnationalen Volkspartei anschloß. Zum Parteivorsitzenden wurde Hugenberg am 20. Oktober 1928 gewählt, als Rachfolger des Grafen Westarp.
Auch Franz Seldte, der erste DundeS- führer des Stahlhelms, der im neuen Kabinett das Amt des Reichsarbeitsministers übernommen hat, ist eine der Oeffentlichkeit wohl bekannte Persönlichkeit. Gr stammt aus Magdeburg. Frühzeitig übernahm er das chemische Werk seines Vaters. 3m Weltkriege kämpfte er vom August 1914 bis zur Sommeschlacht 1916 als Führer einer Maschinengewehrkompanie an der Westfront: an der Somme verlor er seinen linken Arm. 3m Dezember 1918 glückte es ihm, in Magdeburg eine Vereinigung von Frontsoldaten ins Leben zu rufen, aufgebaut auf her 3dee des Fronterlebnisses, der Kameradschaft und des Selbstschutzgedankens. AehnUche Bereinigungen m anderen Städten schlossen sich zum Stahlhelm, Reichsbund der Frontsoldaten, zusammen
Dr. F r i ck, der zum Reichsminister des Innern ernannt worden ist, vollendet in Kürze sein 56. Lebensjahr. Er war viele Jahre Oberamtmann bei der Polizeidirektion München. Nach dem Umsturz wurde er Anhänger der nationalsozialistischen Bewegung-, 1923 wurde er zu Festungshaft verurteilt, später aber im Disziplinarverfahren freigesprochen. Im Herbst 1929, als die NSDAP, bei den thüringischen Wahlen ein starkes Anwachsen verzeichnen konnte, wurde er dort Innenminister: 1931 trat er von diesem Amt zurück und übernahm die Führung der Reichstagsfraktion der NSDAP.
Entscheidende Bedeutung im neuen Kabinett hat ohne Zweifel der Reichswehrminister, Generalleutnant o. Blomberg Ein Mann von 55 Iahr-n, der aus dem Kadettenkorps stammt im Kriege r>ene> ralstabsoffizier der 19. Reserve-Division war und 1917 zum Generalstab der 7 Armee kam Schon 1919 gehörte General von Blomberg ö'm Reichswehrministerium an, kam als Ches des Cieneralftabs nach Döberitz, wurde ein Jahr später Chef des Stabes der 5. Division in Stuttgart. 1925 kommt er als Chef der Heeresausbildungsabteilu'ig ins Reichswehrministerium, wird hier Oberst und 1927 als Generalmajor Chef des Truppenamts Am 1 Oktober kommt Blomberg als X8enercUeutnant nach Königsberg und wird hier Kommandeur der ersten
1 A
Der neue Reichsmtnister und kommissarische preußische Innenminister Goring wurde 1893 in Rosenheim (Oberbayern) geboren und ist evangelischer Konfession. Nach dem Besuch der Gym- mna,iums unu der Ka<.ettenanstaUen Karlsruhe und Groh-Lichterfelde wurde er 1912 Leutnant und nahm im Weltkriege zuerst als Bataillons- adjutant. dann als Beobachter, Jagdflieger. Staffelführer einer Jagdstaffel und in den letzten Kriegsmonaten als Kommandeur des Jagdgeschwaders von Richthofen teil. An Auszeichnungen erhielt er u. a. den Orden Pour le mörite. Rach mehrjähriger Tätigkeit als Flugberater -im dänischen und schwedischen Flugwesen studierte er in München und Rom. Seit 1930 ist Göring politischer Beauftragter Hitlers in Berlin. Dem Reichstag gehörte er seit 1928 an, und zwar den letzten beiden als Präsident.
Zechenverband Essen-Ruhr kündigt Nahmen- uno Lohntarif.
Essen. 31. 3an. (WTB. Funkspruch.) Der Zechenverband Essen hat heute den beteiligten Dergarbeiterorganisationen mitgeteilt, daß er den bisherigen Rahmentarifvertrag für daS rheinisch-westfälische Steinkohlenrevier Aum 31. März kündigt. Zum gleichen Termin hat der Zechenverband auch die zub Zeit gültige Lohnordnung gekündigt. Dazu wird vom Zechenverband mitgeteilt, daß das Ziel dieser Kündigung der bestehenden Lohnregelung nicht eine allgemeine Lohnherabsehung sein solle, sondern vielmehr bei Beschränkung von Lohnsenkungen aus einen Teil der Schachtanlagen, eine Umgestaltung der bisherigen besonders starren Lohnregelung zwecks Anpassung an die sehr unterschiedlichen Verhältnisse der insgesamt 142 Schachtanlagen des Ruhrbergbaues.
Oie Arbeitslosenhilfe.
Derbandsvorstand und Beirat des Zentral- verbandes der Ange st eilten haben auf ihrer Tagung am 23. und 24. Januar 1933 in Hannover zu der geplanten Reform der Arbeitslosenhilfe Stellung genommen. Sie erheben Protest gegen die anhaltende ' Verschlechterung der Arbeitslofenhilse durch die Ueberführuna von Unterstützungsempfängern aus der Versicherung und Krisenfürsorge in die Armenfürsorge. Es ist notwendig, die Versicherung mit ausreichenden Leistungen wieder herzustellen und die Krisenfürsorge mit der Wohlfahrtshilfe zu einer Reichsarbeitslosenfürsorge zu vereinheitlichen. Der Träger beider Unterstühungsformeln muß die Reichsanstalt sein. 3n der Reichsarbeitslosenfürsorge ist die willkürliche Hilfsbedürftigkeitsprüfung durch einheitliche Anrechnungsvorschrif. ten zu ersetzen, die eine ausreichende ilnter- stühung gewährleisten.
DieRegkrungskr siSi Frankreich
Ein Kabinett Daladier vor der Konstit ierung.
Parts, 31 3an. (WTB. Funkspruch./ Heute früh teilte Daladier der Presse mit, daß er seine Verhandlungen über die Kabinettsbildung unterbrechen und sie heute vormittag fortsehen werde. Er werde noch im Laufe des Vormittags dem Präsidenten der Republik die offizielle Liste seinerMitarbeiter unterbrei- t e n und er wünsche, am Donnerstag vor das Parlament treten zu können. Die von ,Havas" mit Vorbehalt veröffentlichte Ministerliste sieht in den wichtigsten Posten folgende Persönlichkeiten vor: Finanzminister. Abgeordneter Bonnet: Dudgetminister: Abg. Lamoureux: Innenminister: Abg. Chautemps: Auswärtige Angelegenheiten: Paul-Don- c our; Marineminister: Senator Ley gue s ; Handelsminister: Senator Serre.
Die Verhandlungen zwischen Daladier und der sozialistischen Abordnung wegen Regierungsbeteiligung der Sozialisten sind ergebnislos verlaufen und abgebrochen worden.
Wie verlautet, wird die Sozialistische Partei Daladier keinerlei Unterstützung gewähren.
Gehorsamsverweigerung auf niederländischen Kriegsschiffen.
Batavia, 30.Ian. (WTB.) Im niederländischindischen Kriegshasen Soerabaja weigerten sich heute morgen die europäischen Korporale und Matrosen dreier Kriegsschiffe zum Morgenappell anzutreten. Auch die eingeborenen Matrosen zeigten Neigung, sich ihnen anzuschließen, konnten aber infolge der energischen Haltung der Offiziere von diesem Vorhaben abgehalten werden. 40 Rädelsführer - wurden verhaftet und abtransportiert. A b - teilungen des Landheeres wurden zur Durchsetzung der militärischen Disziplin herbeibeordert. Die Kriegsschiffe sind späterhin programmmäßig zu der vorgesehenen Jnstruktionsfahrt ausgelaufen. Die Gehorsamsverweigerung dürfte wahrscheinlich auf die neueingeführte Kürzung der Besoldung zurückzuführen fein.
Kunst und Wissenschaft.
John Galsworthy -fr
London, 31. Ian. (WTB. Hunkspruch.) Der im vorigen Jahre mit dem literarischen Novelpreis ausgezeichnete englische Dichter John Galswort h y ist heute vormittag im Atter von 65 Jahren an den Folgen einer Grippe gestorben.
Mit Iohn Galsworthy ist der repräsentativste Vertreter der zeitgenössischen englischen Literatur dahingegangen. 3hm ist es gelungen, in seinem „Forsyte“-Zyklus das bürgerliche England des viktorianischen Zeitalters in epischer Breite und plastischer Eindringlichkeit darzustellen und seine Ausstrahlungen bis in die neueste Zeit hinein zu verfolgen. Der dreibändige Zyklus „The Forsyte Saga“ begründete vor allem den Ruf des Dichters auch bei uns in Deutschland.
Galsworthy wurde am 14. August 1867 geboren. Studien der Rechtswissenschaft führten ihn zunächst aufben Posten eines Anwalts in London. Der Dichter Galsworthy wurde erst geboren, als der Anwalt Galsworthy ein Mann im reifen Atter war. 37 Jahre alt, veröffentlichte er feinen ersten Roman, der in einer für englische Verhältnisse ungewöhnlich scharfen weise die gesellschaftlichen Zustände des Insel- reiches beleuchtete. Diese unbestechliche Kritik und ein liebenswürdiger, gütiger Humor sind wohl die hervorstechendsten Wesensmerkmale in Galsworthy» dichterischem Werke geblieben. Seine mit sicherem Gefühl für die Möglichsten des Theaters geschriebenen Dramen — „Gesellschaft“ vor allem — find auch bei uns viel gespielt worden.
Aus alter West.
Dr. Eckener in Rlederländisch-Jndien.
Dr. Eckener ist in Begleitung seiner Tochter und eines Vertreters des holländischen Syndikats für Luftschiffverkehr mit Niederländisch« Indien in Batavia eingetroffen. Er erklärte nach seiner Ankunft, daß ei ne Luftschiffoerbin- Dung Marseille — Batavia im günstigsten Falle in 1% Jahren verwirklicht werden könne. Dazu würden drei Luftschiffe nötig sein, und T)ie Reise Marseille—Batavia werde 4J4 bis 5 Tage dauern. Dr. Eckener beabsichtigt, sich zwei bis drei Wochen in Niederländisch-Indien aufzuhalten.
Zalschmünzerwerkslatt ausgehoben.
Schon feit Wochen tauchten in Rord-Rieder- schleften und den angrenzenden Kreisen der Provinz Brandenburg falsche Fünfmark stücke auf, die von Unbekannten beim Einkauf an den Mann gebracht worden waren. 3eht ist es gelungen, die Falschmünzer in Merzdors bei Muskau zu ermitteln. Es handelt sich um einen aus Berlin zugezogenen arbeitslosen Tischler und einen Landwirt. Diesem war vor zwei 3ahren die Scheune niedergebrannt, und er war durch umsangreiche Geschäfte stark in Schulden geraten; die Falschmünzerei sollte den Ausgleich b ingen. 3m Hause des Landwirts wurde ein Sack mit fast 1000 Mk. Falschgeld gefunden. Die Prägewerkzeuge sowie mehrere Säcke mit Münzmetall entdeckte man im Walde versteckt. Die Verhaftung der beiden Falschmünzer erregte in der ganzen Gegend großes Aussehen. Don den falschen Geldstücken müssen sich noch große Mengen in Rord-R.ederschlesien und der Riederlausitz befinden.
Hochzeit de» Prinzen Wilhelm von Hessen In Tabarz.
Unter großer Teilnahme der Uerfemlicykit wurde in der Pfarrkirche zu Tabarz in Thüringen die Trauung des Prinzen und Landgrafen Wilhelm von Hessen mit der Prinzessin Marianne, einer Tochter des verstorbenen Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, vollzogen. An der Hochzeüsseier nahmen außer den Eltern der Braut und des Bräutigams auch die Prinzen Friedrich Heinrich und Louis Ferdinand von Preußen sowie der Fürst Leopold zu Lippe-Detmold und der Herzog und die Herzogin von Ratibor teil.
Wettervoraussage.
Der gestern über England gelegene Ticfausläufer hat sich bis nach Dänemark und der Dft|ee weiler- bewegt. Fast ganz Deutschland wurde mit milder Lust überflutet, |o daß heute morgen, mit Ausnahme des äußersten Ostens, die Temperaturen über Null lagen. Ueber der Biskaya hat kräftiger Barometer- anftieg eingesetzt, wodurch üuer den britischen Inseln Westwinde ausgekommen sind. Diese treiben m.lde, maritime Luft nach dem Fist.ande vor, unter deren Einfluß die Witterung sich vorerst im ganzen mild, aber wechselhaft gestalten wird. Dabei dürften vereinzelte Regenschauer auftreten.
Aussichten für Mittwoch. W chseind wolkig mit vorübergehendem Auftiaren, Temperaturen schwankend, am Tage meist über Null, vereinzelte Niederschläge.
Aussichten für Donnerstag: Noch wechselhaftes Wetter, ziemlich mild, bei Aufklaren aber wieder Nachtfrost.
Lufttemperaturen am 30. Januar: mittags minus 2,1 Grad Celsius, abends minus 0,7 Grad; am 31. Januar morgens 2,3 Grad; Maximum 2,5 Grad, Minimum minus 5,6 Grad; Riederschläge 0,1 Millimeter. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 30.3anuat: abends minus 3,4 Grad, am 31. Januar, morgens minuS 2,2 Grad CelsiuS.


