fie hatte den Wählern versprochen, auf dem Sumpf ollten hübsch« Kleinhäuser errichtet werden, aber es geschah nichts. Wenn seit dem Kriege nur zwan- ziotausend Slumhäuser niedergerissen wurden, so geschah das nicht durch die Regierung oder durch die Wohlfahrtspflege der Gemeinden sondern einfach, weil die private Spekulation das Gelände benötigte.
Jetzt haben die Konservativen .zur Belebung des Binnenmarktes und Verminderung der Arbeitslosen- Ziffer endlich nach deutschem Vorbild eine Ankurbelung der Bautätigkeit mit Staatshilfe verkündet. Echan daß man sich zu der Erkenntnis ausschwang, der Staat Hobe die Pflicht, die Slums auszurotten, ist ein Bruch mit der britischen Tradition, die bisher jeden Eingriff des
Staates in derartig« Dinge verpönte. Nach einem Fünftahresplan fallen nicht weniger als 210 000 Slumhäuser, etwa ein Fünftel der vorhandenen, durch Kleinhäuser ersetzt werden, in denen eine Million Engländer untergebracht werden sollen. Das englische Wohnungselend ist unbeschreiblich, do nach der Statistik auf eins der kleinen britischen Zimmer durchweg zwei Personen kommen. Die Gesamlbaukoslen werden auf 95 Millionen Pfund berechnet, die dem britischen Steuerzahler vierzig Jahre lang mit jährlich 2,/$ Millionen Pfund und die Besitzer der neuen Häuser mit 825 000 Pfund belasten. Der Mietzins soll sich einschließlich der Tilgungsrate auf wöchnttlich 12 Schilling 6 Pence belaufen, ein Satz, den auch der britische ungelernte Arbeiter aufbringen kann.
Aus der provinzialhauptstadt.
Rektor Kneipp.
Am 1. Dezember 1933 tritt, auf fein eigenes Nachjuchen, ein Gießener Schulmann in den Ruhe- ftano, oer es verdient, daß seiner in der Defjent» lichkeit besonders gedacht wird: Rektor A. Kneipp.
Als Sohn unserer engeren Heimat wurde er am 18. September 1872 in Langsdorf, Kreis Gießen, geboren. Rach feiner Schulentlassung widmete er sich dem Lehrerberuf und fand feine erste und auch ous- scyueßliche Verwenoung vom 4. Mai 1891 ab an der Volksschule zu Gießen. Bis zum 1. August 1927 war er Lehrer an der Stadtknabenschule (Pestalozzischule), von do an übernahm er die Leitung der Schillerschule. Heber 42 Fahre lang hat A. Kneipp als Lehrer und Erzieher in Gießen gewirkt und seine besten Kräfte der Volksschule gewidmet.
Mit großem Geschick hat er es verstanden, die ihm onoertraute Jugend zu tüchtigen, charaktervollen Menschen zu erziehen. Besonders an dem morgigen Tage werden viele Gießener dankbar des Mannes gedenken, der feinen Schülern stets ein hilfsbereiter Berater und Förderer gewesen ist. Mit besonderer Liebe hat sich A. Kneipp des Knabenhortes angenommen, für dessen Besucher er in geradezu väterlicher Weise sorgte. Durch seine Verbindungen mit ehemaligen Schülern — die Verbindungen reichen dis über das Weltmeer — konnte er an Weihnachten den Hortkindern immer eine Freude bereiten. Ebenso war er auch darauf bedacht, daß die Schulentlassenen gemäß ihrer Veranlagung in den für sie geeigneten Beruf eintreten konnten. Im Verein mit seinen Lehrkräften nahm er sich stets der notleidenden Schüler und Schülerinnen eifrig an.
lieber 25 Jahre lang verwaltete A Kneipp — selbst mit dem Buche aufs innigste verbunden — die Kreislehrerbücherei, die er mit großem Geschick neu aufbaute bzw. ergänzte. Im Schulvorstand und im Stadtschulamt setzte er sich mit Nachdruck und Erfolg für die allgemeinen Anliegen von Schule und Lehrerstand ein. Mit Umsicht führte er lange $eit den Gießener Lehrerverein, dem er einen Teil feiner Straft gewidmet hat.
Schon als junger Mensch spannte er den Rahmen feiner Berufs- und Lebensarbeit recht weit. Wer ihn kennt, weiß, daß er mehr als feine Pflicht getan hat; selbst in den schwersten lagen seines persönlichen Lebens Jeder, der mit ihm arbeitete, schätzte ihn als Persönlichkeit von reichem Wissen, von großem Verantwortungsgefühl und von hohem, sittlichem Emst. Alles in allem: Ein schlichter, aufrechter Mann von kerndeutschem Wesen: ein treuer Sohn feiner oberhessischen Heimat.
Möge ihm nach reicher, gesegneter Arbeit ein friedlicher Lebensabend beschieden sein!
Ausfall her Sprechstunden des S aatsministers.
Das Staatspreffeomt teilt mit: Die Sprechstunden des Herrn Staatsministers fallen am Samstag, 2. Dezember, aus.
AS.-Aerztebund Oberheffen'Aord.
Tagung am Sonntag. 3. Dezember, 16 Uhr, im Hotel Viktoria.
Tagesordnung:
1. Vortrag des Aamilienforfchers Pfarrer Knodt über: „Familienforfchung".
2. Vortrag des Direktors der Universitäts-Ner- venklimk Professor Dr. Hoffmann über: „Erbprognose in der Psychiatrie".
3. Mitteilungen
Gäste für die Punkte 1 und 2 der Tagesordnung willkommen. Punkt 3 nur für Mitglieder. Erscheinen aller Pg. Pflicht.
Dr. Kranz,
Obmann des NE -Aerztebundes Oderhessen-Nord.
Bund Nationalsozialistisches Deutscher
Juristen.
Der Bejlrfeobmann für den candgerichtsbezirk Gießen.
Anmeldungen sind zu richten an den Bezirks- obmann für den Landgerichtsbezirk Gießen, Rechtsanwalt W. Luley in Gießen
Aufruf zur Nezeptfammlung für ein nationales Kochbuch.
Folgender Aufruf wird uns zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt:
Deutsche Haosfrauen in allen deutschen (Bauen!
Die Reichsführung des Winterhilsswerkes ruft Euch zu einem Wettbewerb auf. Der 3. Dezember 1933 ist der nächst« i5 i n t o p f g e r i d) t s • c o n n- tag, zugleich der erste Adventssonntag. An diesem .Tage denkt an Eure Heimat, wo Ihr geboren und ausgewachsen seid und stellt auf Euren Mittogs- tisch alle das heimatliche Eintopfgericht! Seht zu, daß Ihr es genau fo macht, wie es Eure Eltern und Großeltern bereitet haben! Macht es billig und schmackhaft und schickt Eure Rezepte an die Propagandaleituna der Reichsführung des Win- terhilfswerkes. Dort sollen sie wieder gesammelt werden zu einem guten nationalen Koch- buch. Wir haben In unseren deutschen (Bauen genau so herrliche Gerichte rote in Poris, Dien und sonstwo, und deshalb helft beim Sammeln der deutschen Eintopfgerichts-Rezepte und schickt sie an die Propagandaleitung des Winterhilfswerkes ein.
Erleichterungen für den Bezug von Hausbaltsmargarine.
In einem neuen Erlaß an die Landesregierung hat der Reichsarbeitsminister Erleichterungen für den Bezug von Houshaltsmagarine ausgesprochen. Die bisherigen Stommabschnitte find noch ihrem Aufdruck für November und Dezember 1933 bestimmt. Um auch den Personen, bei denen die Dor
oussetzungen für den Bezug der Stammabschnitle erst nach dem 1. November 1933 eingetreten sind, diese Vorteile zu gewähren, wird bestimmt, daß diese Personen bis zum 9. Dezember 1933 Anspruch auf die unverkürzten Stommabschnitte haben.
Nach dem 9. Dezember 1933 darf dagegen für den Rest des Monats nur noch der für Dezember geltende Stammabschnitt ausgegeben werden, vom 27. Dezember 1933 an darf der für November und Dezember gültige Reichsoerbilligungsschein nicht mehr ausgegeben werden. Für Januar 1934 ist die Ausgabe neuer Bezugsscheine zu erwarten.
Die Verkaufsstellen werden ersucht, die ihnen für die abgelieferten Bestellscheine von den Finanzämtern erteilten Bescheinigungen sofort an die Margarinefabriken weiterzuleiten, um die Kontingents- Verteilung unter die Herstellerfirmen im Interesse der Bezugsberechtigten zu beschleunigen.
Lanzga apiel im &a tcheater
Aus dem Stadttheaterbürv wird uns geschrieben: Der Intendant hat für Montag, 4. Dezember, bas Tonzpaar Mathilde Buhr — Joachim von Seern i 6 zu einem einmaligen Gastspiel eingeladen. Das Programm des Tänzerpaares umfaßt „Phantastische Tänze". Das Tänzerpaar ist foeben von einer erfolgreichen Amerika-Gastspielreise zurückgekehrt und konnte für sich und dadurch für die deutsche Tanzkunst auf der Weltausstellung in Chikago und in Neuyork starke Erfolge verzeichnen, wie sie in Amerika ausländischen Künstlern gegenüber vielfach selten find. Die amerikanischen Kritiken rühmen vor ollem den ausgesprochen bildlichen Reiz, sowie die überwältigende Körperdynamik, sowie die bezau- bernbe Harmonie ber Bewegungen. Die musikalische Untermalung des Tanzabends übernimmt bas Stadt- theater-Orchester unter Leitung des Kapellmeisters Fritz C u j 6. Preise der Plätze von 0,30 bis 1,50 Mk. Spieldauer von 20 bis 22 Uhr.
chstreubund ehenia iger Berufssoldaten.
Die Erkenntnis ber Notwendigkeit gemeinschaftlichen Zusammenwirkens im Geiste der nationalen Erhebung Hot zu einer neuen Organisation der mehr als 130 000 ehemaligen Berufssoldaten geführt. An die Stelle zahlreicher Sonderbünde ist nunmehr der „Reichstreubund ehemaliger Berufssoldaten" (Reichstreub in b) getreten. Er ist entstanden aus dem Zusammenschluß des bisherigen Reichsbundes der Zivildienstberechtigten (RdZ.) und der bisherigen Treubünde des Reichsheeres und soll von jetzt ab alle ehemaligen Berufssoldaten, darunter auch die ehemaligen Angehörigen der Reichsmorine, umfaffen.
Die Aufgabe des Reichstreubundes ist eine dop- velte: In ihm soll die Erinnerung an die gemeinsame Dienstzeit und an die Truppenteile eine staubige kameradschaftliche Pflege finben, er soll aber auch bie volle Berufsoertretuna ber versorgunqs- anroärter übernehmen, dos heißt also aller aus- geschiebenen Berufssoldaten, die noch keine Anstel- lung als Beamter gefunden Haden. So wird der Reichstreubund ehemaliger Berufssoldaten zur ftan- bigen Derufsoertretung der ehemaligen Soldaten im neuen Staate.
Zum Führer des Reichstreubunbes ist der bisherige Präsident des Reichsbundes der Zivilbienst- berechtigten, ber bekannte Oberbürgermeister von Coburg, Schwebe, bestimmt worden.
Getreu dem in der aktiven Wehrmacht des Reiches verkörperten Gefühle strengster Pflichterfüllung stehen die nunmehr zusammengeschlossenen ehemaligen Berufssoldaten bereit, im Sinne unseres Führers Adolf Hitler an der Erneuerung des Vater- landes mitzuarbeiten. Sie werden ihre Aufgaben in enger Anlehnung und in kameradschaftlicher Zusammenarbeit mit dem größten Soldatenbunde ber ehemaligen Wehrmacht, dem Rcichskriegerbund Kyffhäuser und dem Bund Deutscher Marineoer- eine durchführen.
Mein Heimatland.
• Eine geborene Gießenerin in Rochester (Amerika) sendet hiesigen Bekannten einen Ausschnitt aus einem dortigen deutschen Magazin, der die Anhänglichkeit an die alte Heimat dokumentiert. D. Red.
Kennt Ihr mein liebes Heimatland? Es ist das schone Hessenland.
Ringsum Wälder und sonnige Wiesen, Da liegt mein trautes Städtchen Gießen.
Der Gleiberg grüßt herab ins Tal, SBon seiner Nähe sieht man die Cahn. Sie fließt im lachenden Sonnenschein Durchs Hessenland bis in den Rhein.
D. du mein liebes Städtchen Gießen Mit deinen Bergen und deinen Wiesen Und deinem duftenden Tannenwald, Wie oft hat dort mein Lied erschallt
Doch des Schicksals harte Hand Wies mich in ein fremdes Land, Dich aber kann ich nie vergessen, Mein Heimatland, das schöne Hessen
Zusammenschluß im Korbmacherhan^werk.
Der Reichsverband des deutschen Korbmacher- Gewerbes bittet uns um folgende Ausnahme:
Wir Hoben in Hessen, Hesien-Nasiau, Baden, Württemberg und Hohenzollern den Kollegen Pg. Josef Wiesner, Groß-Umstadt (Hessen) mit der restlosen Organisierung des gesamten Korbmacher- leroerbes beauftragt, um sämtliche Korbmacher und korbmachermeister in den Reichsverband des deut- fchen Korbmachergewerbes aufzunehmen. Nach dieser Durchorganisierung werden die Landesverbände und Innungen berufen bzw. gebildet
Um nach dein Wtllen des Führers alle Beteilig-
Ein Luchs in Oberhessen?
Drn General a. O. Jtafrolf Mohr, Gießen.
Mit obiger Ueberschrfit sind m den letzten Wochen in einer Anzahl von Zeuunacn Notizen erschienen, die sich mit dieser Frage beschäftigen. Da sie wohl sämtlich auf die Abhandlungen zurückzuführen find, die ich hierüber mehrfach in der 3agb<eitung „Wild und Hund" veröffentlicht habe, hat die Redaktion des Gießener Anzeigers mich ersucht, soweit es möglich ist, eine Aufklärung über die Vorfälle zu geben, die zu dem verdacht geführt haben, daß ein Luchs in Oberhessen fein Unwesen treibe. Voraus- 'chicken muß ich, daß ich in meinem langen Jäger- leben praktisch selbst niemals mit dem Luchs zu tun gehabt habe, und daß sich alles, was ich anführe, lediglich auf die mir in großer Zahl ^gegangenen Srieie und B"richte erfahrener Jäger, rote des bekannten Kanada-Jägers Otto und mehrerer Kar- pathen-Iäaer stützt. Die von mir in „Wild und Hund" gestellte Frage: „Wer schneidet den Kopf ab?" hat nicht allein in ber Iägerwelt außerordentliches Int,re sie und reiche Beantwortung gefunden, sondern auch allgemein? Beachtung, die sich durch zahlreiche Briefe, An' gen und Beobachtungen ausweist.
In meinen Aus führt igen werde ich mich nur auf feststehende Tatsachen beschränken und an ihnen den Nachweis zu bringen suchen, daß alle Momente und Derdachtsaründe tatsächlich nur auf ein bestimmtes Raubtier hinbeuten — den Luchs! Heber bie Möglichkeit seines Auftauchens in hiesiger Gegend — später!
In Nr. 32 '33 von „Wild und Hund" berichtete ich zum ersten Male über einen „Rehmord ganz eigener Art" in den Jagden zwischen ® I a b e n b ach — Biedenkopf — Marburg. Es waren dort eine große Anzahl — es hieß 125 Stück — gerissener Rehe gefunden worden, zum Teil mit abge- schnittenen labgefressenen) Köpfen, alle mit durch- biffener Kehle, mit Krallenspuren im Rücken, sonst aber meist unverletzt im Wildpret. Als Täter sollten wildernde Hunde in Frage kommen. Ich war nicht dieser Ansicht, denn Hunde verfahren mit einem gehetzten und niedergerissenen Will» ganz anders. Zwar würgen sie es auch, besonders größere Rassen, wie die Schäferhunde, an der Kehle, schneiden aber dann sofort ihre Beute in den Weichteilen (Gescheide) an und fresstn sich zum Platzen voll. Mit dem Abtrennen des Kopfes halten sie sich jedenfalls in ihrer Gier nicht auf, das tut nur die Katze Und zwar nicht allein die Wildkatze, sondern auch die umherstreunende Miez, wenn sie einen Hasen oder ein Kaninchen gefangen hat. Meiner Meinung nach kam also nur eine Katzenart in Frage, aber welche? Die echte Wildkatze ist sehr selten geworden und, wenn sie auch ein gefährlicher Räuber ist, zu ein~m derartigen Massenmord wohl kaum in der Lage. Da brachte mich die Mitteilung, daß eine alte Frau beim Holzsammeln in den betr. Wäldern „ein merkwürdiges Tier mit komischen Ohren” gesehen habe, auf die Vermutung, es könne sich um einen Luchs handeln. Denn dieser hat die „komischen Ohren", aus denen eigentümliche steife schwarze Haarbüschel über die Spitzen hinweg wachsen (Pinselohreni. Holzweiber und Beerenfammler sehen bekanntlich immer mehr, als die Jäger, warum sollte das Gerücht nicht auf eine richtige, zum mindesten erklärliche Spur weisen? So schnell der Spuk aufgetreten war, so schnell verschwand er wieder, um dafür in den Laubacher Waldungen auhutaud)en. Nachdem auch dort über 20 Rehe gerissen waren, alle unter gleichen Umständen und Erscheinungen, entstand in der Gegend von Wetzlar ein neuer Mordplatz, der in kurzer Zrit über 30 Opfer forderte. Jetzt herrscht wieder Ruhe in den betreffenden Revieren, aber dafür kommen von der Mosel neue Meldungen.
Zieht man das Endergebnis aus allen bisher bekannt gewordenen Nachrichten, so steht zunächst fest, daß in den betroffenen Jagden mehrere hundert Rehe gerissen sind, ohne daß der ober die Täter entdeckt und vertilgt werden konnten. Nicht einmal bestimmte Spuren hat man gesunden. Die im Sommer herrschende Trockenheit hinderte ein Absvüren, das erst bei Schnee stattfinden kann. Und nur dadurch, daß man im Schnee der Fährte folgt, die wie die Smir eines großen Hundes aus- sieht und wie die Schnur des Fuchses (wenn es sich um einen Luchs handelt), ift dieser zu bekommen. Denn treiben läßt er sich nicht, er bäumt auf, läßt die Treiber an sich vor''ber und verschwindet sofort lautlos aus dem betr. Revier, um 20 bis 30 Kilometer weiter sein Mordw'rk sortzufetz-m. Das schildern genau und eindringlich die Berichte aus Kanada und den Karpathen.
Besonders eindrucksvoll schreibt einer berÄarpathen- jäger, der jahrelang den Raubtierfang dort ausge
übt hat, im Frage- und Antwortton, genau p of« fenb auf d i e B o r k » w « , i s j« in hiesiger Gegend
1. „Der schneidet den Kopf ab?" Ich sage Ihnen, nach meinen Erfahrungen n u r ber Luchs. (Anscheinend um leichter an das Gehirn zu kommen.)
2. „Der kehrt fast nie zu seinem Riß zurück?" Nur ber Luchs!
3. „Der schlägt alles Niederwllb, vor allem Rehe, durch Kehlbiß?' Der Luchs'
4. „Der mordet in einer Nacht oft vier bis sechs Rehe und säuft ihnen bas Blut aus?" Der Luchs.
5. „Der verlaßt fofnrt bas Revier, wenn er merkt, baß Jagd auf ihn gemocht roirb1" Der Luchs.
6. „Der wandert meilenweit in einer Nacht?" Der Luchs
Und wetter sagt er aus seinen reichen Erfahrungen heraus: „3tie schneidet der Luchs an. rote Dolf ober Hund, d h. ttn Gescheide Seine Df er aber wer- Öen der willkommene Fraß für wildernde Hunde unb Füchse, bie einen gedeckten Tisch im Revier oorfinben."
Denn in den letzten Monaten eine größere An- Zahl von öilbernben Hunden in benachbarten Revieren abgeschosien wurde, so hat bas wohl feinen Hauptgrund in der erhöhten Wachsamkeit, mit ber bie Jäger ihre bebrohten Jagden zu schützen such- ten. Gewiß mag ab und zu auch ein wildernder Hund ein Reh gerissen haben, aber dieser wandernde Tod, der von Revier zu Revier zieht und alles Lebende, was ihm vorkommt, durch Sprung von oben und Kehlbiß tötet, muß eine andere Ursache haben. Es ist ja möglich, daß ich mich täusche, aber nach meiner Ueberjeugung kann nur ein entsprungener Luchs in Frage kommen, dem — was man ja kaum für möglich hallen kann — es bisher gelungen ift, sich allen Verfolgungen durch rechtzeitiges Auswandem zn entziehen Und Raubtiere sind, abgesehen von Zoos, Tierschauen usw. wohl mehr in Privathänden. als man ahnt. Ich erinnere nur an den Fall im vorigen Jahre in Berlin, roo ein Maler in seinem Zimmer einen Leoparden im Käfig hielt, der in einem unbewachten Augenblick ein Kind tötete. Und einer der Karpathcnjäger schreibt noch, daß er genau wisse, daß vor drei Jahren ein deutscher Jäger in den Karpathen zwei junge Luchse gekauft und mit nach Deutschland genommen habe. Daß selbst Zoos versagen, erfuhr ich durch eine Aeußerung Hagenbccks-Stellmgcn. der meinem Schwiegersohn erst vor einigen Wochen mitteilte, aus dem Wiener Zoo fei im Frühjahr d. I. ein Lucks, unbekannt wohin, entsprungen, und der auf die Frage, ob es denn möglich fei, daß bei der Riefenentfernung das Tier bis hierher gelangen könne, diese bejahte und wörtlich hinzusügte: „Der Luchs ist das Tier ber großen Wanderungen." Auch aus dem Züricher Zoo soll biefes Jahr nach einer Mitteilung aus Wiesbaden ein Luchs entsprungen sein, hoch fehlt mir hier noch die Bestätigung. 6*fbft- redend wird sich freiwillig keiner der glücklichen Vorbesitzer melden, er käme ja in Schadenersatzsorbe- rungen geradezu um.
So steift zunächst die Angelegenheit „Luchs", und man muß. wie immer im Leben, warten, was die nächsten Wochen bringen. Bor all-m bie erste Reue! An ein stärkeres Raubtier wie Luchs, vermag ich, trohbem mir andere Ansichten bekannt sind, nicht zu glauben, denn bann würbe das Wribenfth wohl sicher ebenfalls angefallen worden sein. Aber alle Zeichen deuten nur auf .Luchs".
von mehreren Seiten sind Schilderungen unbekannter und verdächtiger Tiere eingesandt worden, von den-n aber keine in Betracht kam. Auch die Ansicht, daß vielleicht „ein geisteskranker Milderer* die Kopfe ber Rehe abschnitte, trifft roohl kaum zu. denn die Äöofe sind nicht mit dem Mesftr abgeschnitten, sondern mit den Zähnen durchgenagt. ..Abschneiden" ist lediglich ber Iägerausbruck hierfür.
Ich mochte aber doch zum Schl'isie eine Beschreibung des Luchses geben: Am Widerrist etwa 62 bis 65 Zentimeter hoch, 1,20 Tb^r lang, Färbung oben rötlich-grau: Kovf, Hals, Rücken und Seiten braun gefleckt, Unterseite meist weiß. Kurzer Schwanz, eigentümliche steife Haarbüschel (schwarz) an den Ohren, zweizipflin"r grau braun und weiß geforenfelter Backenbart. Sein Geschrei ist bas gellendste Katzengeschrei in verstärktem Maße, ein Ion,. dem gegenüber bas SBolfsgeheul wie Musik klingt, . und das den Hörer mit (Brauen erfüllt (nach dem Urteil des Karpathen'ägers). —
Irgendwo jedenfalls muß ber Würaer stecken, § ob nah oder fern. Unb sehr bankbar wäre ich für bie Mitteilung von weiteren volstiven ^-obact)hingen unb Feststellungen in ähnlichen Fällen.
ten unserer Rranche zu erfassen und zusammen- zuschließen. ist es unbebinate Pflicht, daß sich jeber Kollege sofort einreiht unb auch mithilft in seinem Bezirk Im Interesse der Gesamtheit unseres not- leidenden Berufsstandes und zur Beseitigung ber Mißstände hat alles Nörgeln von nun an keinen Wort mehr, sondern es gebietet die Stunde, daß sich jeder einreiht, um bann nach der Durchorgani- sierung an die großen Aufgaben gehen zu können, welche wir zum Nutzen und zur Gesundung unseres Handwerks meistern müssen, um zu einer Besserung unserer Branche zu kommen.
Anmeldungen von Mitgliedern, sowie auch von solchen Korbmachermeistern, die sich berufen fühlen, bie Sache in ihrem dortigen Kreise organisieren zu können, oder bie mithelfen wollen, sind zu richten an den Beauftragten des Reichsverbandes Knlleoen Josef Wiesner. Groß-Umstadt IHesien), Adolf-Hitler- Straß« 17, welcher die Aufnahmen entgegennimmt, jede weitere Auskunft gibt unb nach erfolgter Organisierung ber Bezirke, Kreise unb Provinzen die einzelnen Landesverbandsphrer und die Kreis- Innungsführer bestimmt.
Wici;cncv .i'üdicnmnr!tvrei)c.
• Gießen, 30. Nov Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten Landbutter, bas Pfunb 1,35 bis 1,40 Mark, Matte 20 bis 25 Pf, Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) 15. Wirsing, da- Pfund 10 bis 12, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 10, Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rüben 10. Spinat 13 bis 20, Unter- fohlrabi 7 bis 8, Grünkohl 15. Rosenkohl 20 bis 25, Feldsalat 80 Pf bis 1 Mark, Zwiebeln 8 bis 10 Pf , Meerrettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 20 bis 25, Kartoffeln, das Pfund 3 bis 3 Pf, der Zentner 2,50 bis 2.80 Mark, Hepfel, bas Pfund 12 bis 20 Pf., Birnen 10 bis 15, Rüste 35 bis 50, junge Hähne 70 bis 75, Suppenhühner 60 bis 70. Gänse 60 bis 65, Blumenkohl, bas Stück 20 bis 00 Salat 5 bis 10, Endivien 5 bis W Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10* Sellerie 5 bis » Pf.
tiornotitcn.
— Tageskalender für Donnerstag.! Oberhessiiche G-sscllschast für Natur- und Heilkunde: I 20.15 Uhr. Physiologisches Institut, gemeinsame! Sitzung beider Abteilungen. — Turmhaus am Brand 16 bis 1880 Uhr, Ausstellung — Lichtspiel- t haus, Bahnhofstraße ..Der Schuß am Nebelhorn".— ? Aftoria-Lichtspiele. Sestersweg: „Höllentempo".
— Aus dem Stabllheaterböro wird | uns geschrieben: Morgen. Freitag, 1 Dezember, 20 Uhr, 9. Vorstellung im Freitag-Abonnement: „Der Traum her vi'ma Kelemen", Gesellschaft«- j fomöbie von Franz Molnar Sviellestuna: Inten-1 dank Hanns König. Gewöhnliche Preise Ende» 22 15 Uhr. — Samstnn, 2. D-zember, Deutsche V Bühne, Reihe 2: gerade Mitgliedsnnmmern (1 De- I zember-vorstellung ber 6am«lca Abonnenten) bas Vvlksstück: ..Wenn ber Hahn kräht" von Auoust Hinrichs Spielleitung: Anton Neuhaus. Spieldauer * von 20 bis 22 Uhr.
— Der Deutsche Hanblungsgehllsen- I verband, Ortsgruppe Gießen, veranstaltet am | kommenden Samstag, 2. Dezember, in der Restau- | ration „Liebigehöhe" einen geselligen Abend mit i Tanz. Die Musikergilde, bie Turneraifbe, sowie bie Laienlviellchar ber Ortsgruppe werden Mitwirken. ’ Herr K Lust (Tenor) wird durch gesangliche Dar- « bletunaen erfreuen. Eintrittskarten sind in ber Geschäftsstelle unb an ber Abendkasse zu haben. Man beachte bie morgige Anzeige.
* von der LanbesuniversitSt. von ber Pressestelle ber Universität Gießen wird uns mitgeteilt. Dem ordentlichen Professor an unserer Universität Dr H a r r a sf o w i tz wurde von der Organische van Natuorphilosophische en Technologische Facultehen in Nederland ber ehrenvolle Auftrag zuteil, für bie Mitglieder der Vereinigung (Professoren unb Studenten) ft, Holland Vorträge


