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30.11.1933 Zweites Blatt
 
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Nr. 281 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 50. November 1933

Kinder bis zu 15 Jahren fehlen, wenn man un­sere Verhältnisse mit denen der Vorkriegszeit ver« gleicht. Burgdörfer hat auch ausgerechnet, daß in einigen Jahrzehnten 100 000 Lehrerstellen gestri­chen werden müßten, weil die Kinder fehlen. Man befrage die Kinderärzte, die Betriebe der Kinder» konfektionen, die Spielzeugfabrikanten und viels andere, um zu hören, wie der Absatz stockt und wie man sich hier und da dadurch zu helfen sucht, daß man teuere und elegante Ware fabriziert in der Hoffnung, daß für das Einzelkind keine Ausgabe xu hoch ist. Die Geburtenabnahme einer kommen­den Zeit wird eine Abnahme der Arbeitnehmer bringen, die Abnahme der Verbraucher aber eilt ihr voran, und so wird die Arbeitslosigkeit verewigt: Jedes Kind gibt einem Arbeitslosen Beschäftigung.

Oer Kronprinz besucht Wieringen.

Kronprinz W i l h e l m bei seinem alten Freund, dem Dorstchmied Jan Luyt, bei dem er während (eines Exils das Schmiedehandwerk erlernte. Der Kronprinz suchte jetzt den kleinen holländischen Ort auf, in dem er nach dem Zusammenbruch einsame Jahre verlebte.

3ebe5fiinb gibt einem Arbeitslosen Beschäftigung Kinderarmut verewigt die Arbeitslosigkeit.

Don Or. Fritz Brüggemann, Hannover.

i Als die Arbeitslosigkeit ihre ersten schweren Schatten über das deutsche Volk warf, suchte man in Hast nach Gründen und nach Abhilfe. Das Aus- !land kauft unsere Waren nicht mehr, die Export­industrie liegt darnieder, die in ihr beschäftigten Arbeiter werden immer brotlos bleiben, also: Men­schen zuviel, Uebervölkerung! Die Send­boten des Marxismus zogen von Ort zu Ort, ihre Theorien schienen sich zu bestätigen. Der Kapita­lismus brachte die Massen zur Verelendung, er brauchte ein Ueberangebot der Arbeitskräfte, um die Löhne zu drücken. Es schien klar, der Kapita­lismus konnte durch Geburtenbeschrän­kung bekämpft werden. Mangel an Menschen aus dem Arbeitsmarkt, hoher Lohn als unmittel­bare Folge davoi», das war das Zukunstsideal. Unsere Kinder sollen es einmal besser haben!" K iüberreiche Familien? Wir wollen ihnen helfen, aber wir wollen sie auch vernichten, indem wir sie ständig vor allem Volk als d i e Aerm- sten der Armen hinstellen und ihrer Bedürftig­keit und Unklugheit die Schelle umhängen. Aber das genügt nicht, man mußte die Frauen gewinnen, die Jugend, denn wer die Jugend hat, hat die Zu­kunft. Neue Schlagworte von aufpeitschender Wir­kung wurden geprägt: Fort mit dem Paragraphen 218, das war für die Frauen. Dann war auch in den späteren Ehen ein großer Kindersegen nicht Mehr zu erwarten, vor allem wenn die Freigabe der Abtreibung als Notbremse noch hinzukam Der Marxismus, hilflos auch da, wo er die Macht in Händen hatte, kämpfte den letzten Kampf, den Kampf gegen den Menschen. Dann hatte

Ein Soldat will beim

Don Theodor Megler

Vier Jahre ist der Unteroffizier Adolf Domdey * im Feld gewesen. Als er zurückkam, ernster und reifer, mit einem harten und kantigen Gesicht, in (schweren Kämpfen verbrannt und gegerbt, war fein Heimatdorf von Polen besetzt. Nach dem Waffen- süllstand waren die Truppen in ihre Garnison- jläiite zurückgekehrt, auch das Regiment, in dem Domdey gedient hatte, löste sich auf Als der Unter- esfizier Adolf Domdey erfuhr, daß sich in seinem Heimatort polnische Feldwachen eingenistet hatten, meldete er sich zum Grenzschutz, der evon einigen «ntschlossenen Männern ins Leben gerufen wurde, nn.b ließ sich in den Kampfabschnitt versetzen, in dem das väterliche Anwesen lag.

Nur anderthalb Kilometer trennen die deutsche Stellung von den ersten polnischen Feldwachen, die in den Häusern seines Heimatdorfes liegen. Acht Nochen »st der Unteroffizier Domdey schon in die­sem Abschnitt, ohne daß der Befehl zum Angriff Gegeben wird. Man munkelt sogar, daß das Ba­taillon in den nächsten Tagen aus der Stellung lerausgegogen und durch ein neu aufgestelltes ab- kclöst werden soll. Tag für Tag hat Domdey auf die Stunde gewartet, da es ihm vergönnt sein Diirbe, feine geliebte Heimat befreien zu helfen, lag und Nacht zerrt das Heimweh an seinem Her- fcn. Seine Mutter, denkt er, kann erschlagen wer­den, ehe er da ist und über die Treppe stürmt in ü? kleine, verwinkelte Dachkammer, Hanna kann bi sein, ehe er wieder ihre geliebte Stimme hört, mb wer weiß, was inzwischen aus Ali geworden iit, dem kleinen Jagdhund mit dem schwarzweiß gefleckten Fell und den lappigen Ohren, ohne den ch der Unteroffizier Domdey ein Leben mit Mut­er und Hanna nicht mehr denken kann.

Nein, Domdey kann nicht länger warten Wie slhön, denkt er, wäre es, morgen schon durch die alten Straßen zu gehen, und den Leuten zu sagen, daß man wieder da ist, mitten unter ihnen, einer, ter zu ihnen gehört, der mit ihnen ißt und trinkt, mb am gleichen Tisch sitzt, Adolf Domdey, einer ton Millionen, ein Sohn seines Volkes Wenn die tolen vertrieben sind, träumt Domdey weiter, wird fr sein Gewehr wegwerfen, weit fort, und beten, daß dieses Leben von einst wieder seinen Lauf nehmen soll mit Frieden, Arbeit und Heiterkeit, wochentags auf den Feldern, in den Höfen und kcheunen, abends im Gasthaus und auf der Kegel­bahn und Sonntags mit der alten Mutter in der Kirche. Er wird Hanna zur Frau nehmen, und der Lunge soll stark werden und Hans heißen und ver-

man die Industrie an der Gurgel, sie sollte betteln um Arbeit, und man wollte sie ihr teuer verkaufen I

Es war nicht der Marxismus allein, der hier kämpfte und siegte. Ihm folgte, zaghaft und un­entschlossen, im stolzen Tugendmantel der Verant­wortung, das Bürgertum. Auch bei ihm faßte die Lehre von der Uebervölkerung Fuß, denn es spürte die Arbeitslosigkeit hart am eigenen Leibe. Die schwindende Kaufkraft ließ die Handelsein­nahmen zusammenschmelzen, die Soziallasten der Jndustriewerke fraßen die schmalen Reingewinne, und der Wohlfahrtsetat der Städte besteuerte scharf den Rest der früher guten Einkünfte. Mußte nicht auf schnellste Weife für eine Verminderung der Arbeitslosen gesorgt werden? Das Kinderkriegen mußte bestraft werden! Es kam noch ein ganz an­deres hinzu. Im Bürgertum hatte man feit Jahr­zehnten aus höchst egoistischen Gründen die Kin- derbeschränkung geübt, und während man sich nach außen mit seiner Klugheit brüstete, kämpfte man im Innern den Gewissenskampf gegen die natür­lichen Instinkte des Menschen, vor allem der Frau. War hier nicht die Lehre von der Uebervölkerung ein herrlicher Schild, den man vor sich hertragen konnte? Wir haben eben Verantwortungsgefühl! Und die tatenlos herumsitzenden erwachsenen Kin­der in den Häusern der Bekannten schienen dem recht zu geben.

Und doch war die ganze Rechnung falsch. Falsch die des Marxismus, falsch die des Bürgertums, falsch die der Gemeinwesen In der Lehre, daß Ge­burtenbeschränkung die Arbeitslosigkeit mindere, machten alle einen groben und unbegreiflichen Feh-

schont bleiben von dem, was einst seinem Vater widerfuhr, Gott gebe es. Amen. Frieden lall sein und Eintracht

Als Domdey hört, daß das Bataillon in den nächsten Tagen aus der Stellung herausgezogen werden soll, fürchtet er, daß er nie wieder in diesen Abschnitt zurückkommt Er muß Abschied nehmen von seinem Dorf, das so nahe und doch so uner­reichbar vor ihm liegt, einmal noch will er aus nächster Nähe die vertrauten Häuser sehen, die Scheunen und Ställe und die kleine Holzbrücke, die unter Hannas Fenster über den Bach führt Eines Abends verläßt er die Truppe. Es glückt ihm, durch die den Feldwachen vorgelagerte Postenkette unge­hindert zu passieren Nachdem er eine Weile gelau­fen ist, wirft er sich erschöpft auf den Waldboden, nimmt Deckung hinter einem Baum und späht in die Nacht. Eine schwermütige, gespenstische Ruhe lagert über dem Feld, kein menschlicher Laut ist zu hören, nur in den Wipfeln der Bäume ist ein ein­schläfernder Lärm wie das Rauschen eines fernen Flusses. Still verdehnt sich das Land in die Dunkel­heit, irgendwoher gluckert das murmelnde Wasser eines Baches, die kleinen Häuser drüben haben sich verkrochen und schlafen geduckt, tief zieht Domdey die Luft in seine Lunge und blickt nach dem schla­fenden Dorf Der Soldat erkennt die Umrisse der Scheune, wo er als kleiner Junge auf dem Heu­boden gespielt hat, im Hause seiner Mutter wan­dert ein kleines Licht und verlöscht, einsam steht ein Wagen im Hof mit drohend emporgereckter Deichsel Zuhause muß ein Warten sein, ein trauriges Kau­ern auf dem Bettrand, wieder wandert das suchende Licht, dann verlöscht es für immer

Adolf Domdey gräbt seine schwieligen Hände in den feuchten Waldboden und preßt seine Stirne auf knollige Baumwurzeln. Das Lächeln seiner guten Mutter ist bedroht, Hannas anmutiger Gang, sein Haus und sein Glück der Stube, jeder Zaun und das Plätschern des Baches, das ihm gehört, ihm allein. Er möchte auffpringen und kerzengerade über die Felder gehen in sein kleines, geliebtes Dors

Plötzlich hört er ein verdächtiges Knacken, ein Schnüffeln und Schnaufen Ein Hund muß das fein, ein verwildertes, herrenloses Vieh, das im Ge­strüpp herumzigeunert. Das Tier hat den Mann gewittert und fällt mit einem wilden Satz über ihn her Der Hund schlägt mit dem Schweif, springt und wälzt sich auf dem Rücken. Er leckt dem Sol­daten Gesicht und Hände. Ali, flüstert Domdey, Ali. Domdey drückt den Hund neben sich, und wie er dem Tier über das zottige Fell streicht, fühlt er plötzlich, daß dieses kleine, verwahrloste Vieh ihm Die ganze Heimat bedeutet, die Scheune neben dem Haus und den Garten mit den Rosensträuchern, das weise Gesicht seiner alten Mutter und Hannas starke.

ler: Sie sahen in dem Kinde nur den künftigen Arbeitnehmer, der Arbeit fordert, nicht aber d en jetzigen Verbraucher, der Arbeit schafft. Sie vergaßen, daß des Men­schen Leben in drei Abschnitte geteilt ist, von denen nur der mittlere, von 15 bis 65 Jahren etwa, dem Erwerb dient, während die Lebenszeiten, die vorher und nachher liegen, von der Arbeit dieser mittleren Qaljre mitzehren. Daß aber gilt vom ganzen Volke wie vom einzelnen. Dem Volke, dem die nachwach­sende Jugend fehlt, fehlt auch der Teil der für die Jugend sorgenden Arbeit; es leidet an Arbeitslosigkeit. Wir können es auch an­ders ausdrücken: Wenn in einem Volke zu viele Arbeitnehmer sind, so sind der Verbraucher zu wenig, für die sie arbeiten, und diese fehlenden Verbraucher sind bei uns die Kinder. Friedrich Burgdörfer hat berechnet, daß etwa 8 Millionen

Das Eisstadion von Braunlage im Harz, wo die Deutschen Winterkampfspiele 1934 aus­getragen werden. Das Stadion enthält eine 300-Meter-Doppelbahn für die Eisschnellauf-Meisterschaften, zwei Kunstlaufplätze und Bahnen für das Eisschießen.

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Ser Drache Slum.

Wohmmgseleni) auf den

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britischen Inseln.

England ist das Land der Bausparkassen, der Einfamilienhäuser, die wie Semmeln aneinan­dergereiht und sich ebenso ähnlich sind, aber zugleich auch das Land der Slums, Der fürchterlichsten Wohnquartiere, die man außerhalb des Sowjetpara­dieses kennt. Diese englischen Elendsviertel entstan­den, als im vorigen Jahrhundert die Industriali­sierung sich überspitzte. Verfallene Kleinhäuser mit schiefen Wänden, winzigen Fenstern, Denen Die Schei­den fehlen, ohne Türen, ohne Aborte oder Wasser­leitung, ohne Gas oder Elektrizität, beherbergen Millionen derfreigeborenen Briten" und sind Brut­stätten des Lasters und des Verbrechens und sie strotzen von unbeschreiblichem Schmutz und Verkom­menheit auch außerhalb des Londoner Castend oder Whitechapel.

Slum heißt in der englischen Gaunersprache eigentlich Betrug. Die Engländer bezeichnen Den Slum als einen Drachen, dessen Pesthauch alles

vergiftet. Ader der Kampf gegen diesen Sumpf ist bisher erfolglos geblieben, weil ihn ihm die Aerm- ften der Armen hausten und eine Trockenlegung sich nicht bezahlt machte, Der Prosit also nicht winkte, ohne den nicht nur ein britischer Geschäftsmann, sondern auch die englische Politik nichts tut. In Der Nachkriegszeit sind in England fast zwei Mil­lionen Kleinhäuser neu gebaut worden, zumeist mit Hilfe der Bausparkassen, und zwischen acht und zehn Millionen Engländer sanden Darin eine Heimstätte. Dabei muß man berücksichtigen, daß die englischen Einzelhäuser oder Reihenhäuser viel leichter gebaut sind als in Deutschland und der Eng« länber gegen Wind und Kälteschutz sich weniger isoliert als der Deutsche, so daß die Gestehungs­kosten sich niedriger stellen. Aber die Slums hatte man dabei völlig vergessen. Ehe die Arbeiterregie­rung Macdonald 1924 ihre Wirksamkeit begann, hatte sie wunderbare Programme ausgearbeitet;

I aufopfernde Liebe. Ganz leise, fast demütig, streicht | der Soldat über den Kopf des Tieres, er bewegt die Lippen, als wolle er etwas sagen, und Ali, Der Köter, sieht ihn aufmerksam an, klopft mit Dem Schweif, und versteht ihn. Hanna, denkt der Soldat. Ja, blicken die Augen des Hundes, ja, ja, Hanna. Hanna ist da, guter Herr, Hanna wartet auf dich. Liebe, gute Hanna, denkt Domdey, und der Hund sieht ihn an und drückt seine Schnauze an sein Ge­sicht. Liebe, gute Hanna, meint Der Hund.

Plötzlich sind Stimmen in Der LanDschaft Der Hund springt auf, hebt witternb die Nase, beginnt zu knurren Domdey zieht das Tier zu sich und hält ihm die Schnauze zu Domdey erkennt, daß es pol­nische Soldaten sind Sie revidieren die Posten, denkt er. Wenn der Hund nicht aufhört zu knurren, bin ich verloren. Aber der Hund springt wieder auf und knurrt von neuem; noch einmal zieht ihn Domdey zurück und hält ihm die Schnauze zu. Die polnischen Soldaten stehen in kurzer Entfernung und horchen. Domdey kämpft einen harten inneren Kampf, dann umklammert er mit beiden Händen den Hals des Tieres, schließt die Augen zu und drückt dem Hund mit einem zangenharten, wür­genden Griff Die Kehle zu.

Die polnischen Soldaten bleiben noch eine Weile stehen, dann gehen sie weiter, über die Brücke, an Das anDere Ufer unD verschwinDen im Dunkel Der Unteroffizier ADolf DomDey liegt reglos auf Dem BoDen. Dann kriecht er vorsichtig weiter. Mecha­nisch schiebt er sich langsam nach vorn. Wenn es Dämmert, muß er längst roieDer Drüben fein, bei seiner Kompanie. Plötzlich macht er eine Pause unD kriecht roieDer zurück. Er bückt sich zum toten Tier, er nimmt Den Hund behutsam vom Boden auf mit seinen rauhen Händen und bettet ihn an seine Brust wie ein schlafendes Kind, während er mit Der Linken Die Tränen fortwischt, Die über sein Ge­sicht fließen. Nun, da Der HunD tot ist, hat er Das gespenstische Gefühl, als hätte er für immer seine Heimat verloren. Er trägt das Tier, wie ein Letz­tes, das ihm geblieben ist, und in seinem Herzen sticht und zieht ein sengender Schmerz .

Am nächsten Tage wurde das Bataillon, von dem es hieß, daß es aus der Stellung herausgezogen werden sollte, durch ein neues verstärkt, um die Polen durch einen überraschenden Angriff zu über­rumpeln. Nachdem die polnischen Stellungen fast ohne Verluste genommen waren, wurde dem Haupt­mann gemeldet, daß der seit gestern vermißte Un­teroffizier Adolf Domdey zweihundert Meter von Den deutschen Stellungen, einen toten Hund unter dem Arm, mit einem Kopfschuß aufgefunden wurde. Sonst seien außer drei Verletzten keine Verluste zu beklagen.

Oer falscheZager aus Kurpfalz".

Das alte VolksliedDer Jäger aus Kurpfalz" ist wohl überall bekannt; da wird Die Anregung in einer rheinischen Zeitung allgemein interessieren, daß man Dem HelDen des Liedes endlich eine wür­dige Grabstätte mit einer entsprechenden Gedenk­tafel Herrichten müsse. AlsJäger aus Kurpfalz" wird hier Der vor 201 Jahren in Rheinböllerhütte im Hunsrück geborene unD 1795 gestorbene Fried» rich Wilhelm U t f ch bezeichnet, Förster im vorDe» ren Soonwald im Hunsrück. Damit wird ein Irr« tum erneuert, der endgültig überwunden zu sein schien. Man wird dem alten Herrn eine gepflegte Grabstätte gönnen aber,Der Jäger aus Kur« Pfalz war er nicht. In der ZeitschriftDie Pfalz am Rhein" vom 15. August 1933 hat Johann Kei« per erst wieder auf den Irrtum hingewiesen. Dem vor etwa 40 Jahren Utschs gleichnamiger Nach­komme, einem Münchener Kunstmaler, verfiel. Auf seine Anregung hin rourDe sogar 1913 in Anwesen­heit Kaiser Wilhelms II. ein Denkmal zu Ehren Utschs im SoonwalD eingeweiht. Nun steht aber zweifellos fest, daß Das Lied bereits im 17. Jahr« hundert in der Pfalz gesungen wurde. Damit ge­winnt Keipers Vermutung an Wahrscheinlichkeit, daß Der berühmte und beliebte Pfalzgraf I o« Dann Kasimir (1543 bis 1592) Das UrbilD Des LieDes war. JeDensalls kann Utsch es keinesfalls gewesen sein Der Irrtum gab seinerzeit zu man­chem <5vott Anlaß. So brachte DerKladDeraDatsch" Den schönen Vers:Der Ruhm von FrieDrich Wil­helm Utsch ist nach erneuter Forschung futsch." Es ist also Durchaus an Der OrDnung, Daß auf Utschs Grab keine Inschrift an DenJäger aus Kurpfalz" erinnert.

Ood>fd>ulnocbn(bfen.

Der Kultusminister hat zum Rektor Der Philipps- Universität Marburg für Das Amtsjahr 1933/34 Den Direktor Des Pharmakologischen Instituts Pro» fellor Dr. med Max Baur ernannt. Der neue Rektor ist gebürtiger Badener unD war früher als Assistent an Der KinDerklinik in Köln sowie an Den Pharmakologischen Instituten in Köln und Kiel tätig. 1927 erfolgte seine Ernennung zum o. Professor an Der Philipps-Universität.

An Der Universität Berlin ist ein neuer Lehr­stuhl für Rassenhygiene eingerichtet roorDen Pro­fessor Dr Fritz Lenz, Der bisher Den Lehrstuhl für Rassenhygiene an Der Universität München innehatte, hat eine Berusuna auf den neueingerichte­ten Berliner Lehrstuhl angenommen.