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Nachdruck verboten!
23. Fortsetzung.
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Der Herr Staatssekretär wünscht eine sofortige Mitteilung der z. Z. in den Landgemeinden gültigen Backlöhne. Sie wollen uns daher umgehend bis spätestens 1. September l. 3., evtl, telephonisch folgendes
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„Eduard!" I
Mit Beklommenheit gewahrte sie sein blas- ] ses erstarrtes Gesicht.
Die Arme um seinen Hals legend, bot sie ihm den Mund zum Willkommkuß.
Er schloß wie in heftigem Schmerz die Augen und preßte die Lippen zusammen.
Ihren Mund berührte er nicht. Er bog den Kopf zur Seite. Sie wurde blaß,' matt lösten sich ihre Arme von seinem Halse. Kaum war sie imstande, eine Frage nach dem Verlauf der Fahrt zu stellen.
Er folgte ihr in das Eßzimmer.
„Du hast mit dem Essen gewartet, Magussi? Es wäre nicht nötig gewesen, da ich mit Vater bereits im Speisewagen zu Abend gegessen habe!" bemerkte er, „ich habe keinen Hunger mehr! — Tee —? Ja, eine Tasse Tee trinke ich, bitte —"
Es war wohl mehr der Form wegen und um etwas Zeit zu gewinnen, daß er den Tee, den sie eben aufbrühte, nicht verschmähte. Drei Minuten vergingen in quälendem Schweigen.
Mit flüchtig dankender Verneigung nahm er die nach seinem Geschmack zurechtgemachte Tasse Tee aus ihren Händen entgegen und trank sie schnell aus. Seine Augen ruhten mit schmerzlichem Ausdruck auf der geliebten Frau. Die Sehnsucht nach ihr verbrannte ihm das Blut, — aber er hatte es nicht über sich gebracht, den Mund zu küssen, der ihn belogen!
Belogen? Nein, gelogen hatte sie wohl nicht — nur geschwiegen, verhängnisvoll geschwiegen!
Und dieses Schweigen war schwerwiegender als eine Lüge gewesen — es kostete sein ganzes Glück! Was hatte sie ihm angetan! Noch immer konnte er es nicht fassen! So leer war ihm der Kopf — wie ausgepumpt, zermartert vom Denken und Grübeln!
Als er um die Mittagsstunde ins Hotel zurückgekehrt, hatte ihm der Portier die Post unter der sich auch ein Brief von Magussi befand, ausgehändigt. Er saß ihm Speisesaal, auf den Kommerzienrat wartend, und las seine Briefe.
„Nein! Nein!"
Satte er es laut gerufen? Es schien wohl fof verwundert schauten die Anwesenden auf ihn! Er mußte sich geirrt haben — das war doch unmöglich, was er da gelesen! Magußr auf der Bühne, ohne daß sie ihm etwas davon gesagt? Und mit diesem Geheimnis aus dem Herzen hatte sie viele Wochen neben ihm leben können?
Sein Vertrauen zu der geliebten Frau kam ins Wanken,' unwillkürlich erinnerte er sich des anonymen Briefes, der ihm jetzt in anderer Beleuchtung erschien. Sicher war doch mehr daran, als Magussi zugegeben!
Immer wieder starrte er auf die steilen
„Ach, Lilo, davon weiß ich nichts! — Es war der Leander der Oper — kein Mann war es."
„So denkst du! — Ob aber dein Mann deinen Gedankengängen folgen wird? Ich fürchte, Magussi, sein Groll ist groß. Was er wohl sagt?"
Ja, was er wohl sagen wird! Der Gedanke daran war der bittere Tropfen in Ma- gussis Freudenbecher. Und je mehr der Tag vorrückte, desto beklommener wurde ihr zumute, obwohl ihr jede Stunde Abwechslung brachte — Blumen, Briefe, Besuch, — daß sie kaum zu Besinnung kam.
16. Kapitel.
Behagliche Wärme durchzog die Wohnung. Im blumengeschmückten Eßzimmer war der Tisch mit einem Imbiß hcrgerichtet. Mit Ungeduld erwartete Magussi den Gatten, der jede Minute da sein konnte. Da der Zug erst spät eintraf, hatte sie ihn nicht am Bahnhof erwartet,' Eduard liebte es überhaupt nicht, wenn sie ihn abholte — den Begrüßungskuß wollte er ihr ohne Zeugen auf die Lippen drücken.
Magussi hatte längst die Abendzeitungen gelesen, 'fcie ihre Leistungen ausführlich würdigten neben der Besprechung der Oper. Sie war ein wenig müde geworden, obwohl sie nach Tisch gut geschlafen,' aber der Tag hatte ihr doch so viel an Ungewöhnlichem und Unruhigem gebracht, daß sie beinahe Verwirrung spürte.
Und das Schwerste stand ihr nun noch bevor!
Jeden Augenblick sah sie nach der Uhr. Wie langsam doch der Zeiger vorrückte! Endlich — sie fuhr beinahe erschreckt zusammen — hörte sie das wohlbekannte Signal des väterlichen Kraftwagens: mit unregelmäßigem Schlag hämmerte ihr Herz gegen die Rippen, daß ihr das Atmen beinahe unmöglich wurde; sie mußte sich einen Augenblick setzen, ehe sie den Spirituskesiel unter dem silbernen Teekessel in Brand setzte. Ob der Vater mit heraufkam? Sie lauschte — nein! Der Wagen fuhr schon wieder weiter!
Mit einem kleinen Gefühl der Erleichterung erwartete sie den Gatten in der Diele. Die Wangen brannten ihr vor Erregung.
bung des vorhandenen Vermögens.
Kreis Lauterbach.
Betr.: Die Bildung der Backlöhne in Landgemeinden.
Wie hoch ist z. Z. der Backlohn für das Backen von einem Laib Brot? Welche Bedingungen gelten dabei?
Wir laden unsere aktiven und passiven Mitglieder mit Angehörigen f. Sonntag, den 3.September 1933, nachmittags 4 Uhr, auf die
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kaufte die Morgen- und Abendblätter seiner Stadt,' unter Kunst und Wissenschaft fand er sofort, was er suchte! Mit gefurchter Stirn, die Augenbrauen zusammengezogen, las er den Bericht über die Oper des Komponisten Halling, die als ein Meisterwerk hingestellt wurde. Dann natürlich wurden auch die Künstler genannt, mit besonderer Erwähnung die Sängerin der Hero, die helfend cingesprungen und dadurch die Uraufführung der Oper gerettet hatte! Eine Stimme höchsten Lobes gab es nur über Gesang, Spiel, Erscheinung der Dame —
„— natürlich, wie die Vorzüge eines Rennpferdes hcrvorgehoben! Lieber wäre mir gewesen, man hätte sie heruntergerissen, daß ihr jede Lust und jeder Mut zu weiteren Versuchen genommen wäre und sie sich gründlich geschämt hätte!" sagte der Komerzienrat ingrimmig,' die Zeitung knitterte in seiner Hand. Er kannte den Doktor Weniger, den Kritiker der „Allgemeinen Nachrichten" als strengen, sachlichen, unparteiischen und vielseitig gebildeten Mann, der niemand zu Ge- sallen schrieb. Und wie dessen Urteil lautete das der anderen Blätter. „Das Schlimmste, was uns nach diesem noch widerfahren konnte, mein Junge! Das stärkt und hebt ihr Selbstgefühl noch mehr." —
Trübe nickte Eduard seine Zustimmung. Die Kehle war ihm wie zugeschnürt und aus dem Nattern des Zuges glaubte er höhnend zu hören — „vorbei — vorbei!"
Sonst wurde ihm das Herz weit und groß, sah er sein Haus nur schon von weitem — heute war ihm ängstlich und beklommen zumute, als er aus dem Auto stieg, das den Kommerzienrat weiterführte. Für den Bruchteil einer Minute flog es ihm durch den Sinn: „Finde dich ab und erhalte dir dein Glück! Denn Magussi ist dein Glück!"
Aber sein ganzes Empfinden empörte sich gegen dieses Eingeständnis! Er war ein Mann, der nicht gegen seine Ueberzeugung handeln und leben konnte!
Magussi beobachtete heimlich den Gatten; sie sah, wie es in ihm arbeitete und rang. Wie gern hätte sie ihre Hand auf die seine gelegt, hätte sie gestreichelt, — aber ihr Trotz hielt sie zurück. Nochmals abgewiesen werden wie vorhin, da er sie zur Begrüßung nicht geküßt? Nein! Schmerzlich empfand sie noch die Enttäuschung, weil sie Sehnsucht danach gehabt. Warum sprach er noch immer nichts? Sein Schweigen quälte sie. Um sich etwas zu tun zu machen, goß sie sich eine Tasse Tee ein. Sie bot dem Gatten gleichfalls an; doch er dankte mit einer knappen Handbcwegung.
„Wenn du nichts mehr essen willst, kann das Mädchen ja den Tisch abdecken"
(Fortsetzung folgt.)
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gleichmäßigen Schriftzüge Magussrs, die rhm in diesem Augenblick so furchtbar weh getan.
Bald danach kam der Schwiegervater, der ihm sofort ansah, daß etwas Außergewöhnliches geschehen sein mußte. .
Auf dessen Frage reichte er ihm den Brief. „Magussi hat wohl den Verstand verloren!
Gut, daß wir heute abend nach Hause kommen! Man wird ihr zeigen, wer zu bestimmen hat!" sagte der Kommerzienrat in seiner knappen bestimmten Art, seinen Ingrimm unterdrückend; er war furchtbar erregt.
Beide Serien mußten ihre ganze Selbstbeherrschung aufbieten, um nach außen hin eine unbefangene Miene zu zeigen. Von den auf- getragenen Speisen berührten sie kaum etwas.
„Ganz frei von Schuld kann ich dich nicht sprechen, Eduard! Du hast deiner Frau zu viel nachgegeben! Du hättest die Zügel straffer fassen müssen!" bemerkte der Kommerzienrat.
„Damit ich Magussi ganz verlor, Vater? Du weißt nicht, wie unsere Ehe anfangs kühl und förmlich war! Schritt für Schritt habe ich nur Magussi erst erobern müssen, — wav tut man der geliebten Frau nicht alles zuliebe.
„Hoffentlich wirst du ihr noch heute zeigen, wer der Herr ist! Doch wir wollen für jetzt diese unerquickliche Angelegenheit ruhen lassen, da mir zu den Besprechungen mit C. A. Walter & Sohn unsere ganze Kräfte nötig haben." , _ _ Y,t.
Selbstbeherrschung war von jeher Selbstverständlichkeit für Eduard Weiser gewesen; aber so schwer wie heute war es ihm noch nie geworden, sich zusammenzuraffen. Indessen durfte er sich vor dem Schwiegervater nicht gehen lassen, der trotz des in ihm kochenden Zorns mit eiserner Ruhe alles Geschäftliche bis zur Abfahrt des Zuges erledigte.
Die Herren hatten ein Abteil für sich. Schonungslos verurteilte der Kommerzienrat die Tochter auch da, wo Eduard noch ein Wort der Entschuldigung fand. Mehr als er sich selbst eingestehen wollte, litt er ja unter der Entfremdung, die seit Magussis Verlobungstag zwischen ihm und der Tochter bestand. Denn obwohl ihre Ehe glücklich geworden war, hatte Magussi die Härte und Tyrannei des Vaters, der sie zur Heirat gezwungen, nicht vergessen können! Seit jenem Tage hatte sie nie mehr die kindliche Zärtlichkeit, die ihn immer so sehr beglückt, für ihn gehabt — und — für wen arbeitete und schaffte er denn, wenn nicht für das einzige, geliebte Kind? Es hatte ihm sehr weh getan, daß Magussi auch in ihrem Frauenglück ihren Trotz nicht überwinden konnte. Im geheimen hatte er dennoch immer noch auf eine Aenderung gehofft, vielleicht durch ein Enkelkindchen, — nun aber war das vorbei!
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