Ausgabe 
30.6.1933 Erstes Blatt
 
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Verbände richtete sich darüber hinaus gegen die Elemente des völkischen Gemeinschaftslebens, deren Pflege und Förderung der heutige Staat sich zur besonderen Aufgabe gemacht hat.

Eine Mesentrauung im Berliner Osten.

Berlin, 29.3uni. (CAB.) Am Sonntag werden in der Lazaruskirche zu gleicher Zeit etwa 50 Paare getraut werden. Die Männer, die alle Angehörige der ASDAP. und der Glaubensbewegung Deutsche Christen" sind, tragen braune Uniform. Der Einmarsch der Hochzeitspaare in die Kirche erfolgt unter Vorantritt der Fcchnen- abordnungen der ASDAP., die von dem Pfarrer und den Kirchenältesten angeführt werden. Aach der kirchlichen Trauung begeben sich die Hoch­zeitspaare mit ihren Gästen in das Böhmische Brauhaus in der Landsberger Allee, wo bei Konzert und künstlerischen Vorträgen eine ge­meinsame Hochzeitsfeier ganz großen Stiles durchgeführt werden wird, zu der über 1030 Einlaßkarten ausgegeben werden.

Reichskanzler Adolf Hitler empfängt den Kührerrat des NeutschenBeamtenbundes

Berlin, 29. 3uni. (WTB.) Der Ehren­präsident der deutschen Beamtenschaft, Reichs­statthalter Sprenger, erstattete am 27.3uni mittags dem Reichskanzler Bericht über die im wesentlichen vollendete Aeuor- ganisation der deutschen Beamten­schaft im Deutschen Beamtenbund. Bei dieser Gelegenheit ließ sich der Kanzler d e n Führerrat des Bundes vorstellen. Auf die Worte des Reichsstatthalters Sprenger, der kurz ben Entwicklungsstand des Deutschen Beamten­bundes und der AS.--Beamtenabteilung dar­legte, das unbedingte Einverständnis mit der Ausscheidung aller ungeeigneten Elemente aus dem Beamtentum erklärte und das Versprechen ablegte, die Organisation der Beamten in Kürze zu dem erwünschten Instrument der Staatsfüh­rung zu machen, antwortete der Kanzler mit einer Ansprache, in der er auf Grund eines kurzen geschichtlichen Rückblicks das Schicksalhafte der gegenwärtigen Zeitenwende und die Hot» Wendigkeit, alles dem Gedanken der Vereinheitlichung und Verein­fachung unterzuordnen, hervorhob. Es sei die Aufgabe der nationalen Revolution, das Erbübel der deutschen Zerklüftung zu überwinden und, ob in kurzer oder längerer Zeit, darauf komme es ihm nicht an, die nationale Volksgemeinschaft zu schaffen. Er be­grüße, daß der Zusammenschluß der deutschen Beamten gelungen sei. Berührte Wünsche und Fragen würden mit den dafür in Frage kom­menden Stellen der Lösung zuzuführen sein.

Unzerstörbare Geschlossenheit des Bauernstandes.

Berlin, 29. Juni. (WTB) Die Pressestelle des Amtes für Agrarpolitik bei der Reichsleitung der NSDAP, teilt mit: Heute vormittag fand unter dem Vorsitz von R. Walter DarrS eine Sitzung der Reichsführergemeinschaft des deutschen Bauern st andes statt. In dieser Sitzung wurde seitens aller Verbände einstimmig und ausdrücklich dem Vorsitzenden Dr. Walter Darrö, als dem Reichsbauernführer die Voll­macht erteilt, die einheitliche Organi­sation des landwirtschaftlichen Berufsstandes i m Sinne echten Führertums zu gestalten. DieNationalsozialistische Landvost" wurde zum offiziellen Zentralorgan des landwirt­schaftlichen Berufsstandes bestellt.

Oie Grundverbände der Arbeiter in der Deutschen Arbeitsfront.

Berlin, 28.Juni. (CAB. Funkspruch.) Das Presseamt der Deutschen Arbeitsfront teilt mit: Aunmehr hat das Organisationsamt der Deut­schen Arbeitsfront unter seinem Leiter M u ch o w die Verschmelzung der einzelnen Verbände des Gesamtverbandes der Arbeiter in die fachlich neu gegliederten 14 Grundverbände abgeschlossen. Diese Verbände heißen jetzt: Deut­scher Arbeiterverband des Baugewerbes, Deutscher Arbeiterverband des Bergbaues, Deutscher Arbeiterverband des graphischen Gewerbes, Deutscher Arbeiterverband der ö f - fentlichen Betriebe, Deutscher Arbeiter­verband des Aahrungsmittelgewerbes, Deutscher Metallarbeiter-Verband, Deut­scher Fabrikarbeiter -Verband, Deutscher Holzarbeiter - Verband, Deutscher Textil­arbeiter- Verband, Deutscher Tabakarbei­ter - Verband, Deutscher Steinarbeiter- Verband, Deutscher Lederarbeiter - Ver­band, Deutscher Landarbeiter - Verband, Deutscher Heimarbeiter - und -arbeite» rinnen- Verband. Damit ist der Grundstock zur llebernahme der anderen kleinen und kleinsten Verbände geschaffen worden.

Keine Auflösung des OHV.

Berlin, 29. Juni. (TU.) Wie derZeitunhs- dienst" erfährt, hat der Führer der Deutschen Ar­beitsfront den bisherigen Vorsitzenden des DHV., M i l tz o w (Hamburg) abberufen. Zum Nachfolger sei der bisherige Personalchef des DHV., A. H a i d t, bestellt. Diese aus rein politischen Grün­den notwendig gewordene Umbesetzung stehe in keinerlei Zusammenhang mit der durch die Beauftragten der DAF. vorgenommenen gründ­lichen Ueberprüfung der Finanzver­hältnisse des Verbandes und seiner Einrichtun­gen. Die Prüfungskommission habe sich davon über­zeugt, daß die Verwaltung der Finanzen und aller Anlagen nach besten kaufmännischen Grundsätzen erfolgt sei und zu keinerlei Bean­standungen Grund vorliege. Die Finanzlage des Verbandes fei nach wie vor gut. Eine Auf­lösung des T)HV. fei nicht beabsichtigt. Dar­über yabe eine Aussprache zwischen dem Führer des DHV. und dem Führer des Gesamtverbandes der deutschen Arbeiter, Walter Schumann, dem fälschlicherweise solche Aeußerungen zugeschrieben wurden, Klarheit geschaffen. Es sei der feste Wille der Deutschen Arbeitsfront und ihres Führers, die Organisation des DHV. für alle Zukunft zur Grund­lage und Auffangstellung für die deutschen männ­lichen Kaufmannsgehilfen auszugestalten.

Or. Ley zur Krage der Konsumvereine.

B e r l in , 29. Juni. (CAB.) Der Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Leh hat zur Frage der Konsumvereine einen Aufruf erlassen, in dem es heißt: Für mich waren zwei Dinge maß-

Oie erste Fahrt desGorch Kock".

Das neue SegelschulschiffGorch Fock" hat seine Werft in Hamburg verlassen und ist durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal in seinem künftigen Heimathafen Kiel eingetroffen. Das Schiff wurde als Ersatz für die mit 69 Kadetten, untergegangeneNiobe" gebaut.

Krisenstimmung in London.

England zwischen den Währungsfronten. - Was will Washington?

Berlin, 30. Juni. (CNB.-Funkspruch.) Es ist in London nicht gelungen, die Weltwirtschaftskonfe­renz ersprießlich weiter arbeiten zu lassen,als ob" die Währungsfrage geregelt wäre. Die Spe­kulation hat sich inzwischen der Angelegenheit be­mächtigt und gestern einen Dollarrückgang herbeigeführt, der eine beträchtliche Nervosität ver­ursacht und die Stabilisierung wieder akut gemacht hat. Bei der unentschiedenen Haltung Englands und der entschiedenen Stel­lungnahme Amerikas gegen eine vor­läufige Stabilisierung, handelt es sich um ein Wettrennen beider Länder auf dem Weltmarkt, das bald zum Stillstand kommen muß, wenn nicht andere Länder sich ihm in kopf­loser Hast anschließen und alle internationalen Aus­tauschbeziehungen völlig zerrüttet werden sollen. Die europäischenGoldstandardländer sehen diese Gefahr besonders deutlich und suchen deshalb Macdonald zu einer klaren Entscheidung für die Goldwährung zu gewinnen. Dieser Entscheidung galten die zahlreichen Konferenzen des gestrigen Tages, in denen Frankreich und Holland besonders hervortraten.

Es hat sich herausgestellt, daß der Vertrauens­mann Roosevelts, Professor M o l e y , auch nicht in der Lage ist, der Konferenz die erhofften Zusiche­rungen zu geben. Die Spannung konzentriert sich nun aus das Ergebnis der Rückfragen, die er unter dem Eindruck der ausgesprochenen Londoner

Krisenstimmung an das Weiße Haus richten wird. Da die amerikanische Politik sich ganz eindeutig und nachdrücklich auf das bekannte Preiser­höhungsprogramm im Inland e, das mit einer Exportoerbilligung Hand in Hand gehen muß, festgelegt hat und die amerikanischen Vertreter in London noch in den letzten Tagen die Währungsfrage als nicht vordringlich be­zeichnet haben, find die Aussichten der Konferenz als sehr ungünsti g zu beurteilen. Die ergebnislose Vertagung zweier Weltkonferenzen wäre freilich ein schlechtes Vorzeichen für den Gedanken der inter­nationalen Zusammenarbeit überhaupt und ein Prestigeverlust für England, das die beiden Präsi­denten bestellt hat.

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WieDaily Telegraph" schreibt, sind die Bemühungen Frankreichs und der Vertreter der Goldwährungsländer, von Macdonald eine moralische Unterstützung für ihre Lage zu er­halten, ergebnislos geblieben. England wolle keine Partei in dem Währungsstreit zwischen Amerika und Europa ergreifen, sondern a l s Vermittler wirken. Dasselbe Blatt meldet, daß unter den Goldwährungsländern Frankreich, Italien, Schweiz, Holland usw. etwas wie eine Revolte gegen die gegenwärtige ungeregelte Währungslage ausgebrochen sei, und daß Ame­rika für die Verzögerung der Konferenz verant­wortlich gemacht werde.

gebend: Erstens: daß was faul ist, abzustoßen und unverzüglich zu liquidieren. So sind denn im Laufe dieser Zeit nicht weniger als fünfzig K on s u m v e re i n e liquidiert worden, und eine größere Anzahl steht noch in Liquidation. Zweitens erkannte ich, daß die Kon­sumvereine wohl eineBasis abgeben könn­ten, um dem schöpferischen Handwerk ein gesichertes Absatzgebiet zu geben. So habe ich denn meinen Mitarbeitern den Auf­trag gegeben, einen Plan auszuarbeiten, wie der Gedanke der Förderung des schöpferischen Handwerks in Verbindung mit den Konsumver­einen zum Wohle des Volkes eine glückliche Lösung finden kann, auch schon deshalb, weil die Konsumvereine im letzten Weltkrieg einen außerordentlichen wehrpolitischen Wert als Verteilerorganisation hatten. Ich habe verfügt, daß innerhalb von acht Tagen mög­lichst alle Stellen mit überzeugten Aationalsozialisten zu besetzen sind.

Oie Deutsche Krauenfront.

Berlin, 30. Juni. (WTB.) Der Stabsleiter der PO. der NSDAP, hat folgende Verfügung erlassen: Die Deutsche Frau en front ist bürd) einen revolutionären Akt der Nationalsozialistischen Deut­schen Arbeiterpartei geschaffen worden, um den Geg­nern auch diese organisatorische Macht aus der Hand zu nehmen und die Frauenverbände unter die Führung der nationalsozia­listischen Bewegung zu stellen. Die Deutsche Frauenfront umschließt grundsätzlich alle Frauen­verbände. Die Reicharbeitsgemeinschaft Deutscher Frauenverbände ist eine Orga­nisation im Reichsinnenministerium. Um eine enge Zusammenarbeit mit dem Ministerium zu ermög­lichen, hat die Führerin der Deutschen Frauenfront als Referentin Frau S i b e r entsandt. Frau Siber bleibt gleichzeitig Referentin der Deutschen Frauen­front. Die enge Verbundenheit von nationalsozia­listischer Bewegung und Staat macht es zur Selbst­verständlichkeit daß die Frauenfront als Schöpfung des Nationalsozialismus ausschlaggebend in der Reichsarbeitsgemeinschaft deutscher Frauenoerbände vertreten ist.

Korruptions-Skandal um den GpO- Reichskanzler Bauer.

B e r l i n, 29. Juni. (CAD.) Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft wurden der Geschäfts­führer der Wohnungsfürsorge-Gesellschaft Magi­stratsbaurat Dr. Schallenberger und der frühere SPD. - Reichskanzler Bauer ver­haftet sowie die Bücher bei über 30 gemein­nützigen Siedlungsgenossenschaften und Bau- firmen beschlagnahmt. Es besteht der dringende Verdacht, daß Schallenberger entgegen den In­teressen der Stadt zahlreiche Grundstücksgesell- schaften zum Aachteil der Stadt absichtlich erheb­lich begünstigt und hierfür in sehr erheblichem Umfange Schmiergelder erhalten hat. Bauer soll die Mohnungsfürforge-Gesellschaft durch Vor- lage falscher Unterlagen getäuscht haben, um höhere Hauszinssteuer-Hypotheken zu erhalten. Durch betrügerische Manipulationen soll es der

Gesellschaft gelungen sein, nicht nur Schulden in Höhe von 700 000 Mt abzudecken, sondern noch darüber hinaus Ueberschüss^ von mehr als 7 5 0 0 0 0 Mark zu erzielen. Der Schaden, der der öffentlichen Hand durch diese Korrup- tionsangelegenheit entstanden ist, geht in viele Millionen und läßt sich zur Zeit noch nicht voll übersehen.

Viehpreife und Fleischpreis.

Berlin, 29. Juni. (WTB.) Der Reichs- kommissar für Preisüberwachung gißt bekannt. In zahlreichen Zuschriften wird von Landwirtschaft und Verbrauchern Über das Mißverhältnis zwischen den Vieh­preisen und den Preisen des Flei­schergewerbes Beschwerde geführt. Bei der außerordentlichen Verschiedenheit sowohl der Kon­sumgewohnheiten wie der relativen Preisbewer­tung einzelner Fleischteile in den verschiedenen Gegenden läßt sich eine wirksame zentrale Beeinflussung und eine allgemein brauch­bare Regelung der Preisbildung nicht durch­führen.

Der Reichskommissar für Preisüberwachung hat den Eindruck, daß sich im allgemeinen d i e Ver­dienste des Fleischergewerbes, wenig­stens in den größeren Städten, in denen die Konkurrenz Auswüchse verhindert und in denen öie Preisbildung von sachverständiger behörd­licher Stelle überwacht wird, in vertret­baren Grenzen halten. Die Beschwerden beziehen sich fast ausschließlich auf die Preis­bildung in Klein- und Mittel st ädten und aus dem flachen Lande. Verbraucher und Landwirtschaft sind der Auffassung, daß die hier niedrigeren Gestehungskosten des Flei­schergewerbes den Konsumenten nicht in dem Maße zugute kommen, wie es die heutige Aotzeit erfordert.

Die oorgebrachten Klagen müssen sowohl im In­teresse der notleidenden Landwirtschaft.und Ver­braucher wie aber auch im Interesse des mit diesen Beschwerden angegriffenen und beschuldigten Flei­schergewerbes geprüft werden. Den einzigen Weg zur Beruhigung der Bevölkerung durch Klarstel­lung der Verhältnisse sieht der Reichskommissar für Preisüberwachung inderDurchführungoon Probeschlachtungen in Gegenwart von '23er- tretern der Landwirtschaft, des Fleischergewerbes und der Klage führenden Verbraucher mit fol­gender behördlicher Durchprüfung und Auswertung der Ergebnisse. Die Ergeb- niste können bei der erwähnten großen Verschieden­heit der Verhältnisse nur örtliche Bedeutung haben. Sie werden aber geeignet sein, die heutigen Span­nungen und Gegensätze zu vermindern.

Ein Geschenk Hamburgs an den Ministerpräsidenten Göring.

Berlin, 29 Juni. (TU.) Der Senat der P rIl " sestadt Hamburg überreichte hiXnfc t>C<n ^^otssekretär Ahrens dem Minister­präsidenten Goring die Bilderhandschrift des

hamburgischen Stadtrechts vom Jahre 1497 mtt folgender Widmung:Ministerpräsident Her­mann Göring, dem Paladin des Führers, dem Lenker Preußens und dem Wiedererwecker preu­ßischer Zucht und Ordnung im Geiste des neuen Deutschlands als Ausdruck nachbarlicher Ver­bundenheit und innerer Gemeinschaft überreicht vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg."

Hamburg, den 8. Juni 1933.

Der regierende Bürgermeister (gez.) Krogmann.

Moskaus Verhandlungen in London.

London, 30. Juni. (WTB. Funkspruch.) Das Kabinett hielt gestern abend im Unterhaus eine Sitzung ab. in der, wie verlautet, die Frage der Wiederaufnahme der Handelsbe­ziehungen mit Rußland erörtert wurde. Es heißt, daß das Kabinett sich heute wieder mit der Frage beschäftigen und den Entwurf einer Verein­barung erörtern wird, der die Grundlage der weiteren Verhandlungen zwischen Sir John Simon und dem russischen Vertreter bil­den soll.

Morning Post" glaubt berichten zu können, daß die Sowjetregierung bereit sei, d i e beiden bri­tischen Ingenieure entsprechend den von Baldwin gestellten Forderungen freizulassen. Das britische Einfuhrverbot auf russische Waren werde erst aufgehoben, wenn die Ge­fangenen wohlbehalten in England eingetragen find, gleichzeitig mit der Aufhebung des britischen Einfuhrverbotes werde auch das von der Sowjetregierung als Gegenmaßnahme erklärte Einfuhrverbot aufgehoben. Die noch be­stehenden Schwierigkeiten find, durch die britische Forderung verursacht, daß der abzuschließende neue Handelsvertrag Bestimmungen ent­halten soll, die für alle Zukunft solche Ge­richtsverfahren wie den Moskauer Prozeß vom April unmöglich machen. Die Schaffung eines Sondergerichtshofes werde erwogen.

Oergelbe Völkerbund." Japans Politik einer asiatischen Blockbildung.

Tokio, 29.Juni. (TU.) Einflußreiche japa­nische Blätter berichten, daß Japan aus der chaotischen Lage der übrigen Welt die Schluß­folgerung ziehe, und sich mehr nach Asien hin orientieren werde. Der Boykott ja­panischer Waren durch England, die Annahme des Marinebauprogramms durch Amerika, die Mißerfolge in Genf und der Verlauf der Welt­wirtschaftskonferenz das aUes hätte Japan zu einer PolitikZurück nach Asien" ge­zwungen. Die kommenden außenpolitischen Ent­scheidungen Japans würden nicht mehr auf Kon­ferenzen und in Verhandlungen mit den euro­päischen Großmächten fallen. Der Schwerpunkt liege für Tokio jetzt vielmehr in der Bildung des Blockes der asiatischen Mächte Japans, Mandschukuos und Chinas. Hier werde die Einigung der gelben Rasse durch­geführt und die Abwehr gegen den nächsten Aufmarsch der weißen Rationen vorbereitet wer­den. In diesem Zusammenhang wird berichtet, daß die Asienabteilung des Außenministeriums in allernächster Zeit Verhandlungen mit der chinesischen Regierung in Aan- k i n g aufnehmen werde. Geheime Vorverhand­lungen seien bereits im Gange. Das Ziel sei der Abschluß eines politischen und wirtschaftlichen Blocks der drei gelben Mächte.

Llm Kamtschatka.

Russisch- japanische Fischereiinteressen im Konflikt.

Berlin, 29. Juni. (CNB. Funkspruch.) Seit einigen Tagen beschäftigt sich die russische Presse und der Nachrichtenappakat der Sowjetregierung ausführlich mit russisch-japanischen Zwischenfällen, die sich im nordöstlichen S i b i r i e*n, also in einem Gebiet ereignet haben, das bisher nicht den Politiker, sondern nur den Geographen und Natur­forscher interessiert hat. Aus den russischen und ja­panischen Veröffentlichungen ergibt sich mit Sicher­heit nur, daß bei den Zwischenfällen an der Küste von Kamtschatka die alte Frage der japanischen Fischerei in russischen Gewässern, die jahrelang einen wichtigen Streitpunkt zwischen der Sowjetunion und dem ostasiatischen Jnselreich ge­bildet hat, wieder eine Rolle spielt. Im Herbst ver­gangenen Jahres war nach vielen fruchtlosen Ver­suchen endlich ein Abkommen zur Regelung dieser Frage getroffen worden, die für Japan eine lebenswichtige Angelegenheit ist, weil das über­völkerte Land einen großen Teil seiner Nahrung aus dem Meere holen muß, und besonders im Nor­den in der Fischerei den wichtig st en Wirtschaftszweig besitzt. Schon seit alter Zeit müssen die japanischen Fischer weit über die Gewässer ihrer Heimat hinaus vordringen, so daß es nicht überraschen kann, wenn Japan heute auch die Halbinsel Kamtschatka als eine Art wirtschaftliches Interessengebiet betrachtet und zum Schutze dieser Interessen Kriegsschiffe an der Küste stationiert. Die jetzigen Zwischenfälle sind an sich zu unbedeutend, um irgendwelche Verwickelungen er­warten zu lassen. Sie zeigen aber, daß von der mandschurischen Grenze bis in den hohen Norden hinaus erhebliche Reibungsflächen zwi­schen den alten Rivalen bestehen.

polnische Provokationen in Oanzig.

Danzig, 30. Juni. (WTB. Funkspruch.) Teil­nehmer an dem polnischen F e st d e s M e e r e s" in Gdingen haben sich Freitagabend auf dem Hauptbahnhof in Danzig einer schweren Störung des öffentlichen Friedens schuldig ge­macht. Mit dem um 19 Llhr in Danzig von Gdingen ein treffenden Zuge kehrten zahlreiche Danziger Teilnehmer zurück. Ein Teil befand sich in der Uniform polnischer Wehrver­bände. Auf dem Bahnhof rief die Menge nach dem Kommando mehrerer Führer in polnischer Sprache:Es lebe das polnische Dan- z i g". Tlnd dann nach Kommando Schmäh- rufe gegen den Reichskanzler. Die Po­lizei konnte zwei Rädelsführer fest- nehmen. Dabei wurde den Beamten hefttger tätlicher Wider st and geleistet. Infolge­dessen mußten fünf weitere an den Ausschrei­tungen Beteiligte festgenommen werden.

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident von Hindenburg empfing in Aeudeck in Abschiedsaudienz den auS seinem Amte scheidenden Königlich Großbritau-