Ausgabe 
30.5.1933 Frühausgabe
 
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kehr wird in einen Reichsausschuß für Fremdenverkehrumgebildet, dessen Vor­sitz der Reichsminister für Volksausklärung und Propaganda fuhrt. Zur Geschästsleitung wird der Reichsminister einen Arbeitsausschuß bestel­len. Der Reichsausschuß für Fremdenverkehr wird seine Arbeit schon in der kommenden Woche auf­nehmen. Er wird die Zusammenfassung und Lei­tung der Maßnahmen zur Förderung des Frem­denverkehrs im In- und Ausland übernehmen.

Neichsminister Goebbels in Nom.

Erste Fühlungnahme mit Künstlern und Dichtern des junen Italien.

Rom. 29. Mai. (WTB.) Reichsminister Dr. Goebbels wurde heute vom König in Au­dienz empfangen. Im Anschluß daran fand ein Empfang bei Mussolini statt. Die Unterredung der beiden Staatsmänner war überaus herzlich. Einen ungewöhnlich glücklichen Auftakt für den römischen Aufenthalt des Reichsministers Dr. Goebbels bot das Frühstück, das der Präsident des Faschistischen Verbandes der Freien Berufe und Dizevräsident der Kammer B o d r e r o zu Ehren des Reichsministers veranstaltete. Durch diese glückliche Initiative kam Reichsminister Dr. Goebbels wenige Stunden nach seiner Ankunft in Rom in einen großen und für dasGeisteslebenItaliens sehr bedeut­samen Kreis, zu dem auch die deutschen Journalisten geladen waren. In seinem Trinkspruch gab der Gast­geber Bodrero seiner ganz besonderen Freude dar­über Ausdruck, daß der deutsche Minister und Ver­treter des erwachten Deutschlands z u e r st mit Künstlern und Dichtern des neuenIta- l i e n s Zusammenkommen wollte, die ohnehin die enge Verbindung der beiden Völker sehr stark emp­fänden. Diese erste Fühlungnahme sei umso bemer­kenswerter, als in Italien die Tatsache dieser innigen Verbindung im Geistesleben der beiden Völker weit in die Jahrhunderte zurück auch heute lebendig emp­funden werde.

Neichsminister Goebbels erwiderte mit herz­lichen Worten des Dankes für die freundliche Auf­nahme sowie für die ihm gebotene Gelegenheit, schon wenige Stunden nach seiner Ankunft nick dem geisti­gen Italien in Kontakt zu kommen. Das Bild des geistigen Deutschlands in den letzten Jahren sei nicht immer erfreulich gewesen. Er glaube, daß in Zu­kunft Italien und Deutschland nicht nur durch die alten geistigen Beziehungen, sondern auch durch gei­stiges Zusammenleben des jungen Deutschlands mit dem jungen Italien in ihren Beziehungen gefördert werden.

Am Nachmittag stattete Dr. Goebbels dem Ver­ein der im Auslande lebenden Ita­liener einen Besuch ab. Er ließ sich von dem Leiter des Vereins Carini über die Organisationen der in der Fremde lebenden Italiener informieren. Neichsminister Dr. Goebbels wird von der italieni­schen Presse als Freund Italiens begrüßt. Die Blät­ter widmen dem deutschen Gaste lange Artikel, in denen sie vor allem seinen Werdegang darstellen. »Graf Zeppelin" über Nom.

Eine interessierte Menge bietet dem deutschen Luftschiff eine herzlicheÄegrützung

Rom, 29. Mai. (Sil.) Rach einigen höchst un­sicheren Gewitter- und windreichen Tagen und einem trüben Morgen hat sich der heutige Mon­tag wieder zu blauem, fast wolkenlosen Himmel über der ewigen Stadt entschlossen. Der Gast aus DeutschlandGraf Zeppelin" konnte seinen Fahr­gästen einen wunderbaren Ausblick schenken. Be­reits kurz nach Mittag begann das Publikum die Straßenbahnen nach den Albanerbergen zu stür­men. Der Flugplatz ist für das Publikum in mehrere Abschnitte eingeteilt, wobei die natür­lich geschlossen erschienene deutsche Kolonie einen wunderbar günstigen Platz erhielt. Rach- dcm ..Graf Zeppelin" um 16.15 ilhr über dem Weichbild der Stadt Rom erschienen war, traf er um 16.30 ilhr über dem Flugplatz Ciampino ein. Infolge starker Bodenwinde ^unterblieb die Landung jedoch zunächst und das Luftschiff zog zunächst noch einmal zwei große Schleifen, ilnter- dessen waren auf dem Flugplatz der König, der

Kleiner Herr gesucht...

Von Fred Lang.

An einem Morgen, trübe und regnerisch, fuhr ich in mein Bureau. Die meisten Männer sind an solchen Morgen schlecht gelaunt. Gewöhnlich schneidet man sich schon beim Rasieren, der Kaffee schmeckt miserabel, bei der Post ist eine unerwartet hohe Zahnarztrechnung, alle Uhren gehen falsch, und man kommt viel zu spät weg. Was kann man nach solchem Beginn eines Tages schon noch Gutes erwarten richtig fällt mir das Wechsel­geld, das mir der Schaffner gibt, zu Boden.

Es ist an sich schon schwierig, kleine Geldstücke aus den Bodenrillen eines Straßenbahnwagens aufzuklauben; wenn man aber Handschuhe anhat und so hoffnungslos kurzsichtig ist, daß man auf fünf Schritt Entfernung einen Omnibuskontrolleur von einem Kommandierenden General nicht unter­scheiden kann, ist das ein nahezu unmögliches Vorhaben. Run, ich tat jedenfalls mein mög­lichstes, ohne die Aussicht auf irgendeinen Erfolg. Ich erwartete gar nicht, etwas wiederzufinden, aber man verdient es so schwer, das Geld^ nicht wahr, und da ist man gewissermaßen mora­lisch verpflichtet, es nicht xu verlieren. Zudem sind 25 verlorene Pfennig schlechter zu verschmerzen als unnütz ausgegebene fünf Mark. Jedenfalls suchte ich brav und fand natürlich nichts. Immer­hin aber fiel mir der Hut auch noch herunter, und es hätte nicht viel gefehlt, daß ich einen respektablen Tobsuchtsanfall bekommen hätte. Ich pfiff schon längst auf diese 25 Pfennig, aber ich mußte sie wiederhaben, aus Prestigegründen.

Reben mir stand ein Herr, ein kleiner, gelehrt aussehender Herr in einem grauen Man­tel. Er sah sehr behende aus, und das war er denn auch er bückte sich und grapste ein paarmal auf dem Boden herum und dann hielt er mir freundlich lächelnd das Geld hin. Worauf ich, wie das unter Bürgersleuten üblich ist. den Hut zog und mich verwundert, aber herzlich be­dankte. Sieh mal an, dachte ich, was für ein netter Mann. Als der kleine Herr ausstieg, sah ich ihm zärtlich nach, er ging so schlank und klein und flink daher, ich toünfq)te ihm alles Gute.

Am nächsten Morgen stieg ich wieder auf die Straßenbahn. Der kleine Herr war auch darin und wurde achtungsvoll von mir gegrüßt. Dem Schaffner gab ich ein Fünfmarkstück. Er konnte es natürlich nicht wechseln. Der kleine Herr ver­langte zwei Fahrscheine, bezahlte, gab mir den

Luftfahrtminister Dalbo und Reichsmin-.ster Dr. G o e b b e l s mit seinem Gefolge eingetroffen. Das Feld war von einer großen Menschenmenge um­säumt, darunter etwa 1003 Deutsche. Bei schön­stem Wetter setzte das Luftschiff fura nach 18 Tlhr zur Landung an, die unter dem Jubel der Menge glatt vonstatlen ging. Der König, Luftfahrtmini­ster Dalbo, Reichsminister Goebbels und der deutsche Botschafter bestiegen die Füh­rergondel, die eingehend besichtigt wurde.

Es war inzwischen schon so spät geworden. Laß Reichsminister Goebbels und Minister Balbo an dem Rundflug über Rom infolge anderweitiger Verpflichtungen nicht mehr teilnehmen konnten. An ihrer Stelle nahm das Luftschiff andere Gäste auf. Das Luftschiff landete wieder nach etwa halbstündiger Rundfahrt über Rom und den Al­baner Bergen gegen 19.30 Uhr. Sämtliche Teil­nehmer des Rundfluges äußerten sich in begeister­ten Worten über den berrlichen Anblick, den die im Abendlicht daliegende römische Campagna und die Bergstädtchen der Albaner Berge boten. Rach älebernahme der außerordentlich zahlreichen Post nach allen europäischen Ländern und nach Süd­amerika vollzog das Luftschiff den endgülti­gen Start kurz vor 20 älhr unter dem brau­senden Beifall einer noch immer nach Tausenden zählenden Zuschauermenge und unter den feier­lichen Klängen des Deutschland-Liedes. Es war ein unvergleichlicher Anblick, wie das Luftschiff, von dem Lichtermeer der Ewigen Stadt erhellt und selbst in einem Kranz von Lichtern und Schein­werfern durch die sternklare Rächt dahinfuhr.

Schwere Zusammenstöße in Innsbruck.

Wilde Schießerei der Heimwehr.

Wien, 29. Mai. (WTB.) In Innsbruck ist, wie dieReue Freie Presse" meldet, es an ver­schiedenen Stellen der Stadt zuheftigenZu- sammenstößen zwischen Rational- sozialisten und Heimwehrleuten ge­kommen. In der Museumsstraße und in der Erlerstraße kam es zu einer wilden Schießerei der Heimwehr, die glaubte, daß einige ihrer Kameraden angegriffen und verprügelt würden. Die Heimwehr behauptet, daß sie mit blinden Patronen geschossen habe. Cs wurden jedoch sieben Personen verletzt. Unter den Verwundeten befindet sich ein Reichs­deutscher, der erst heute nachmittag in Inns­bruck angekommen war. Dieser Mann hat einen schweren Halsschuh erlitten. Die anderen sind an den Beinen oder an den Hüften verletzt. Einer hat einen Rückenstreifschuß davongetragen. Drei Kompanien Militär sperrten die innere Stadt von jedem Verkehr ab. Gegenwärtig herrscht wieder Ruhe. Außer bei der Schießerei wurden bei den verschiedenen Zusammenstößen noch insgesamt 36 Personen durch Hiebe verletzt.

Zur Aufrechterhaltung der Ruhe sind von den Rektoren die sämtlichen Wiener Hoch­schulen, die älniversität Innsbruck und die älniversität sowie die Technische Hochschule Graz bis Pfingsten geschlossen worden.

Kunst und Wiffenschast.

Mittelrheinische Gesellschaft zur Pflege aller und neuer Kunst E. v.

DieMittelrheinische Gesellschaft zurPflege alter und neuerKunstE. D." hatte ihre Mitglieder zur Jahreshauptversamm­lung nach St. Goar eingeladen. Aach Be­grüßungsansprachen des Vorsitzenden Regierungs­baumeisters a. D. Z i ch n e r, des Landrats Dr. Statz und des Bürgermeisters Dr. Burghofs, erstattete der Vorsitzende den Tätigkeitsbericht über das Jahr 1932, das als Goethegedächtnis- jahr für den größten Teil der Veranstaltungen bestimmend gewesen sei. Rachdem der Schatzmeister, Oberbürgermeister i. R. Hermann, den Rech­nungsbericht erstattet hatte, wurde die von den Rechnungsprüfern beantragte Entlastung des Vorstandes und der Vorstandschaft von der Ver­sammlung einstimmig erteilt. Die turnusgemäh

einen in die Hand und sagte, ich könne ihm das Geld ja morgen wiedergeben, er fahre ja auch immer mit dieser Bahn. Ich fand, der kleine Herr sei die Güte selbst und dankte ihm, so mit den üblichen Redensarten. Er guckte emsig in seine Zeitung, ich fand das sehr taktvoll von ihm, er wollte wohl zeigen, daß ich mich nun nicht veranlaßt fühlen solle, eine älnterhaltung M beginnen. Ich fand diesen Mann ganz groß­artig und erzählte meinen Kollegen und meiner Frau mit Begeisterung von meinem Erlebnis. Alle sagten, so was sei heute wirklich sehr selten.

Am nächsten Morgen steckte ich mir 25 Pfennig wohlabgezählt in die Tasche und stiefelte zur Haltestelle. Als ich einstieg, war der kleine Herr nicht da. Ich habe die ganze Dahn durchsucht, vor Aufregung beschlug meine Brille, und ich konnte nichts mehr sehen. Am Tag darauf das gleiche Ergebnis. In meinem Gedächtnis waren die Konturen des kleinen Herrn schon recht un­scharf geworden, ich entsann mich nur noch un­gefähr eines graublauen Regenmantels, eines weichen Hutes und brauner Handschuhe. Solche Kleidungsstücke tragen viele Leute. In meiner Verzweiflung sprach ich einen ungefähr so aus­sehenden kleinen Mann an, und fragte ob er ncund) das Fahrgeld ... Der Herr sah mich mißbilligend und ärgerlich von oben bis unten an und fragte, wie er wohl dazu käme, wild- fremden Menschen ihre Fahrkarte zu kaufen. Hinter allen kleinen Herren rannte ich her in "lesen Tagen, mein kleiner Herr war nicht bat» unter Wahrscheinlich habe ich ihn doch auf oer Bahn übersehen, und er wird sich gewundert haben.

Der kleine Herr hat sicher bei seiner Frau und 'einen Kollegen auf Menschen geschimpft, denen man Gefälligkeiten erweist, und die einen dann übersehen. Er wird gesagt haben, nie wieder tDoiie er einem Menschen einen roten Heller borgen, und wenn er auch das ehrlichste Gesicht der Welt habe. Er wird denken, ich wolle ihn um die 25 Pfennig bringen. Er wird mich viel-

Ln öet Straßenbahn verächtlich betrachten per ich ihn mit meiner lächerlichen Kurz­sichtigkeit nicht erkenne. Ich schäme mich so vor dem kleinen Herrn- Oder ist er etwa krank? Ist er zu einer eiligen Reise abgebrochen? Was weiß man es kann ihm etwas passiert sein und ich laufe ewig mit den 25 Pfennigen herum und mit einem belasteten Gewissen. Oder wird er eines Tages, wenn ich die ganze Geschichte langst vergessen habe, in der Bahn auftauchen und sagen: Ditte, ich kriege noch Geld von Ihnen!

ausscheidenden Mitglieder der Dorstandschaft so­wie auch der Vorsitzende wurden einstimmig wie­dergewählt. Regierungsbaumeister Z i ch n e r be­richtete über die Geschichte des Ortes St. Goar und über die Daugeschichte der Feste Rheinfels. In der katholischen Kirche zeigte Pfarrer Rauh die Kostbarkeiten, alte Handschriften, Dücher, Paramente, Meßgeräte, den Hochaltar und Dilder von dem großen Künstler, den man in der Kunst­geschichte nach seinem Hauptwerk Hausbuchmeistrr nennt. In der evangelischen Kirche veranstaltete die Gesellschaft eine Feierstunde zum Abschluß der Tagung. Frau Alzen (Alt), Frl. Cäcilie D i n g l e r (Geige) und Organist Wilh. Möller musizierten zur Freude aller Anwesenden aus­gezeichnet.

Eröffnung der veit-Sloß-Ausslellung in Nürnberg.

Im Germanischen Museum fand die Eröffnung der gemeinsam von diesem und der Stadt Rürn- berg anläßlich der 400. Wiederkehr des Todes­tages des Rürnberger Dildschnihers Veit Stoß veranstalteten Gedächtnisausstellung statt. In der zum Museum gehörigen ehemaligen Karthäuser Kirche hielt der bayerische Kultusminister S ch e m m die Festansprache. Er betonte, daß er den Sinn der Werke von Veit Stoß in der Syn­these von zwei Ideen, nämlich der des Deutsch­tums und der Religiosität finde. Der Ra­tionalsozialismus, der ;etzt die Macht im Staat erobert habe, wolle durch sie erstreben, daß dem gesamten deutschen Volk die Freude an der Kunst gegeben werde und daß auf deutschem Doden eine wahre Kulturblüte sich entfalte.

Werner Krauß an die Diener Hofburg verpflichtet.

Die Direktion des Durgtheaters teilt mit, daß Werner Krauß fürfünfJahrean das Durg- theater verpflichtet worden ist.

Professor John Georg Robertson f.

Professor Sir John Georg Robertson, der seit 1903 Professorfürdeutsche Spracheund Literatur c n der Londoner Universi­tät mar, ist gestorben. Er hatte seine wissenschaft­liche Ausbildung in Leipzig erhalten. Vor seiner Berufung nach London hielt er an der Straßburger Universität Vorlesungen. Sein Hauptwerk über Goethe wurde anläßlich der Goethe-Hundertjahr­feier in erweiterter Form herausgegeben. Er war eine der Hauptstützen der Goethe-Society.

Die Deutschen verlassen den Kongreß des Pen-Klubs.

Der Pen-Klub ist eine internationale Vereini­gung der Dichter und Schriftsteller (Poets, Essayists, Novellists P. E. N.). Cr hat jetzt inRa - g ufa getagt. Es war zu erwarten, daß bei dieser Gelegenheit der Versuch unternommen würde, das neue Deutschland vor der Weltöffent­lichkeit bloßzustellen. Man hat die warnenden Stimmen überhört, die sich gegen den Versuch einer Einmischung in die Angelegenheiten anderer Län­der wandten. Besonders dankbar müssen wir die älnterstühung hervorheben, die die Schweizer, österreichischen und holländischen Abordnungen den deutschen Vertretern zu­teil werden ließen. Dabei kam es zu einem be­zeichnenden Zwischenfall. Während der Ausfüh­rungen des Schweizer Vertreters machte ein Fran­zose den Zwischenruf:Und Wilhelm Teil?'^ Der Franzose bekam eine ausgezeichnete Antwort: W iIhelm Teil sprach nicht fran­zösisch, mein Herr." Die Mehrheit der Ver­sammlung in Ragufa sprach allerdings franzö­sisch. Der Vorsitzende, H. G. Wells, und die Vertreter Frankreichs, Polens, Belgiens und an­derer Trabanten, machtenfranzösischePo- l i t i £. im Pen-Klub hinter der Maske der so­genannten Geistigen der Welt. Als man gar noch Ernst Toller und Schalom A s ch als Vertreter der deutschenEmigranten" auf treten und Hetz- redengegendasneueDeutschland hal­ten lieft, obgleich die beiden nicht mehr im deut­schen Pen-Klub sind, da war die Absicht der Ver­sammlungsmehrheit enthüllt. Es war eine Selbst­verständlichkeit, daft unter diesen älmständen d i e deutschen Vertreter nach einer mannhaf­ten Abrechnung mit den Franzosen den K o n - g r e ft üerlieften. Wenn der Pen-Club sich zu einer Gruppe der marxistischen Internationale entwickeln soll, so haben Dichter und Schriftsteller

Cr wird mich doch nicht so vor allen Leuten blamieren?

Ich wollte, der kleine Herr hätte mir nie das Fahrgeld geliehen. Ich habe in der Bahn keine Zeit mehr, die Zeitung zu lesen, immer muß ich auf Herren in graublauen Mänteln aufpassen. Manche sehen mich wütend an, sie glauben sich beleidigt. Kleiner Herr, bitte kommen Sie zum Vorschein, erlösen Sie mich von meiner Schuld, lassen Sie mich endlich wieder in Ruhe meine Zeitung lesen; wegen dieser lächerlichen zweiein­halb Groschen rege ich mich auf, blödsinnig, so­lo as hab' ich Sie vielleicht gebeten, mir Geld zu leihen, wie? Direkt aufdringlich sowas ...

Kurioses Biedermeier.

Die Zeit vor 100 Jahren erscheint uns, die wir in einer so stürmischen Epoche leben, als eine Welt be­haglicher Jdhllik, obgleich auch damals schwere Er­schütterungen des politischen Lebens durchaus nicht fehlten. Aber Herr und Frau Biedermeier, denen die Forschung heute so viel Interesse zuwendet, hat- ten augenscheinlich bessere Rerven als wir und leb­ten außerdem in einer Umwelt, in der Technik und Tempo der modernen Zeit noch keine Rolle spielten. Wohl den bezeichnendsten Spiegel dieses Bieder­meierwesens bietet das Kunstgewerbe der Zeit, das Bestreben, alle Dinge der Umgebung weniger ge­schmackvoll als liebevoll und gemütlich auszustat­ten, woran sich die Liebhaber neben tüchtigen Hand­werkern eifrig beteiligten. Ein hübsches Dokument für diese Entfaltung des Diedermeiergeistes bringt 21. Schellenberg in denSchlesischen Monats­heften" bei, in dem er die seit dem Jahre 1818 regel­mäßig erschienenen Verzeichnisse der Kunstausstel­lung im Saal der Vaterländischen Gesellschaft zu Dreslau behandelt. Auf diesen Vorführungen, die stets zur Zeit des Wollmarktes stattfanden, wurden nicht nur Gebiete derhohen" Kunst gezeigt, sondern auch alle Formen des Kunstgewerbes im weitesten Sinne bis zu Schlössern, Dürsten und Dutterfässern. Der Dilettantismus feierte wahre Orgien, und die s^g. Künsteleien , die wir heute eher Kitsch nennen wür­den, machten sich breit. Besonders beliebt waren die Mosaiken", spielerische Zusammensetzungen bunter Dinge aus den verschiedensten Stoffen, aus Blumen, Moos, Baumrinde. Kork, Glas usw. In Blumen- mosaiken wurden Wappen, Orden, ja ganze Land­schaften dargestellt. Man war stolz darauf, Blumen­sträuße aus Haaren herzustellen, schnitt alle mög- heften ©acben in alte Kirschkerne und befestigte sie auf Pappe, fertigte allerlei mechanische Werke an; so stellte der königliche Mechanilus Kling er t

des nationalsozialistischen Deutschland in ihm nichts mehr zu suchen.

Aus aller Wett.

Der Reichskanzler an den Sieger um den Goldpokal Mussolinis.

Der Reichskanzler hat an Rittmeister <5 al) la, der sein PferdWotan" dem Reichs­kanzler als Geschenk angeboten hatte, folgendes Telegramm gerichtet:Ihren Brief mit der Mitteilung über das mir zugedachte kostbare Geschenk habe ich erhalten. So innerlich glücklich mich Ihr großherziger Entschluß macht, so schwer bedrückt mich aber doch öie Erkenntnis des Wertes dieses einzigartigen Pferdesund sei­ner nationalen deutschen Aufgabe. Aus diesem inneren Gewissenskonflikt heraus bitte ich Sie daher herzlichst, von dieser Zuwendung doch a b s e h e n zu wollen, denn es ist selbstverständlich, daß ich über die Zukunft desWotan" keine eigene Entscheidung treffen könnte und würde, sondern immer um Ihre Meinung bitten müßte. Ich bin glücklich, aus Ihrem großherzigen Schreiben den Beweis Ihrer Sympathie ersehen zu kön­nen, die mich tief bewegt. Dafür möchte ich Ihnen nochmals von ganzem Herzen danken. Im übrigen bin ich ja ohnehin Mitbesitzer dieses Pferdes, denn es ist ja ganz gleich, wem es gehört, ein herrliches Eigentum und damit ein Stolz der deutschen Ratio n."

Skagerrak-Gedenkfeier der Reichsmarine.

Die Reichsmarine veranstaltete gemeinsam mit den Kieler Wassersportvereinen und Turn- und Sportverbänden vor dem Seesoldatendenkmal eine Skagerrak-Gedenkfeier. Eingeleitet wurde die Feier durch zwei Gedenkminuten für die Ge­fallenen des Weltkrieges und den deutschen Frei­heitshelden Schlageter, während deren die Musik gedämpft das Lied vom guten Kameraden spielte umi> die Menge mit erhobener Hand in ehr­furchtsvollem Schweigen verharrte. Der Reichs­sportkommissar hielt sodann eine kurze An­sprache, in der er die Grüfte des Reichskanzlers überbrachte und des Sieges der deutschen Flotte vor dem Skagerrak gedachte. Der Reichssport­kommissar und der Stationschef begaben sich hier­auf an Bord des Stationsschiffes R i x e", um der Ausfahrt der Kieler Ruder- Vereine und Kanus sowie einer Regatta der Segel,chiffe, die in Stärke von etwa 200 Booten erschienen waren, beizuwohnen. Am Rachmittag sprach der Reichssportkommissar vor den Führern der Turn- und Sportverbände über die neuen Richtlinien für den deutschen Sport.

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident v. Hindenburg emp­fing den preußischen Ministerpräsidenten Göring. Ferner empfing der Herr Reichspräsident den deut­schen Gesandten in Stockholm, o. Rosenberg.

Der Reichskanzler empfing das Präsidi­um des Reichsstandes des Handels und des Hand­werks sowie eine Abordnung italieni­scher Landwirte die sich aus Anlaß der landwirtschaftlichen Ausstellung in Berlin auf­halten, unter Führung des italienischen Bot­schafters Cerruti.

Ministerpräsident Göring beabsichtigt nicht, wie in verschiedenen Blättern mitgeteilt ist, an den Pfingsttagen einige Zeit inKönigstein i. T. sich aufzuhalten. Ministerpräsident Göring wird, wie das Wolffbureau mitteilt, bei s i ch ergebender Gelegenheit auch Königstein auf einige Stun­den besuchen; ein Termin hierfür liegt noch nicht fest.

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Wie das Wolffbureau meldet, ist die Deutsche Allgemeine Zeitung wegen des Leitartikels in ihrer Abendausgabe vom 29. MaiBruderkampf" vom Berliner Polizeipräsidium auf drei M o - nate verboten worden.

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Das preußische Staatsministerium hat auf An­trag des Rektors und des Senats der Universität Greifswald den NamenErnst-Moritz- Arndt-Universität" verliehen.

1822 das erste äl-Doot aus,ein Fahrzeug unter dem Wasser zu gebrauchen, um dadurch vermittels einer Pulverexplosion Kriegsschiffe in die Luft zu sprengen." Die Schriftkünstler schrieben in winzig­stem Format die rührendsten Dinge auf sonderbare Schreibmaterialien, Gedichte auf einen Pfeifenkopf, oder die ganzeKindesmörderin" in eine aufgeschlos­sene Rose. In Moos und Baumrinde wurden Bur­gen, Schlößer, Stadtansichten gezeigt. Ein Künstler modellierte" sogar seine Landschaften in Moos, und eine junge Dame stellte einen Tisch aus,in welchem das Blatt mit Fischschuppen belegt ist". Es spricht für das künstlerische Empfinden jener Zeit, daß aus solchen unsachlichen Spielereien doch auch bescheidene Kunstwerke hervorwuchsen. Zu diesen ge­hören die in den Ausstellungen besonders bewunder­ten, aber auch heute noch hochgeschätzten und gesam­meltenGlasmosaiken" des Drieger Glasermei­sters Georg Gottlieb Kuhnt. Dieser stellte auf einer bemalten Glasplatte einen Hintergrund her, auf dem dann einzelne Glasstücke mosaikartig zu allerlei Bil­dern, Stadtansichten, Interieurs usw. zusammenge­setzt wurden. Das Ganze wirkte in einem gewöhnlich mit Gold überzogenen Rahmen recht stattlich, denn der wackere Meister besaß neben unglaublicher Ge­duld und Geschicklichkeit ein unbestreitbares künstle­risches Empfinden. DieKünsteleien" dieses Spezia­listen sind heut als besonders vortreffliche Beispiele einer damals beliebten Kunstübung anerkannt, die heut ausgestorben ist.

Testament eines Dichters.

Das Testament des großen andalusischen Dichters. Salvador Rueda, der vor einigen Wochen in Ma­laga gestorben ist, wird jetzt in spanischen Blällern veröffentlicht. Darin spricht der Poet den Wunsch aus, auf der Insel Rueva Tabarca in der Rähe von Alicante bei dem Häuschen begraben zu wer­den, das er am ll*er des Meeres besaß.Ich be­stimme," so fährt er fort,daß man einen Vogel in einen Käfig über meinem Grabe aufstellen soll, um mir auf diese Weise zu gestatten, an der gött­lichen Harmonie der Welt teilzunehmen." Sein Ver­mögen vermachte er der fpaniichen Akademie, um einen jährlichen Preis für diejenige Dichtung zu verleihen, diedie originellste, aber nicht die extra­vaganteste" der Jahresernte ist.Ich bin stets ein Neuerer gewesen," heißt es in dem Testament,der erste Paladin des modernen Stils in der spanischen Dichtung." Rueda bestimmt ferner, daft seine Werke, sobald die Verträge für einzelne von ihnen abge­laufen sind, sämtlich freigegeben werden und von jedem nachgedruckt werden dürfen.