nr. 124 Krühausgabe
183. Jahrgang
Dienstag, 30. Mai 1933
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Chefredakteur
Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantworilich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.Thyrlot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein undiür denAn. zeigenteil i. D.Th.Kümmel sämtlich in Gießeii.
Danzig nach dem nafionalsozialistischen Wahlsieg.
Oer künftige Staatspräsident Dr. Rauschning erläutert vor der Berliner presse die Aufgaben des neuen Kurses.
Berlin, 29. Mai. (END.) Aus Einladung des Danziger Landbundes (der der Reichsführergemeinschaft des Deutschen Bauernstandes ange- Port) gab in einer Pressebesprcchung der Präsident des Danziger Landbundes und agrarpolitische Fachberater der ASDAP., Dr. Hermann Rauschning — der auch als künftiger Senatspräsident der Freien Stadt genannt wird — einige Erläuterungen zu dem Ausgang der Danziger Dolkstagswahlen.
Er betonte, daß es auch für eine neue, nationale Regierung notwendig sein werde, unter allen Umständen, verfassungundbe stehende Verträge zu erhallen, da sie die Rechtsgrundlage seien, auf Grund deren
Die endgültige Mandats- verteilung im x anziger Volkstag.
Danzig, 29. Mai. (WTD.) Aach der vorläufigen amtlichen Berechnung verteilen sich die Mandate des neuen Danziger Bolkstags wie folgt (in Klammern die bisherige Mandatsverteilung): Aationalfozialisten 38 (13), Sozialdemokraten 13 (19), Kommunisten 5 (7), Zentrum 10 (11), Schwarz-Weiß-Rot 4 (10), Polen 2 (2).
Der Danziger Gauleiter der ASDAP. Reichs- tagsabgeordnpter F o r st e r veröffentlicht einen Aufruf an die Danziger Parteigenossen, in dem er allen Mitarbeitern seinen Dank ausdrückt.
„Ihr habt nicht nur der nationalsozialistischen Bewegung einen großen Dienst erwiesen, sondern einen nod) größeren dem Deutschtum in Danzig. Die Welt wird und muß, so heißt es in dem Aufruf weiter, auf Grund dieses Wahlergebnisses erkennen, daß Danzig unzertrennlich mit dem Mutterland verbunden ist. Keine Macht der Erde wird dies zu ändern vermögen. Wir müssen unsere nationalsozialistische Aufklärungsarbeit solange fortsehen, bis in Danzig der letzte Mann und die letzte Frau vom Geist Adolf Hitlers ersaht und damit Träger des nationalsozialistischen Staatsgedankens geworden ist."
die Unabhängigkeit der Freien Stadt gewahrt werden könnte. Alle Maßnahmen, die In Deutschland möglich gewesen seien, könnten nur auf dem weg der staatlichen Gesetzgebung durchgeführt werden.
Judentum und derartige Probleme spielten in Danzig überhaupt keine Rolle, der arische Paragraph komme nicht in Frage. Auch liege keine Veranlas. sung vor, die Kampfmaßnahmen, die in Deutschland vorübergehend durchgeführt werden mußten, in Danzig durchzuführen, da Danzig nicht dem ausländischen Gespött wie Deutschland unterworfen worden sei. Wenn man sich auch an die bestehenden Verträge und die Verfassung absolut halten wolle, so hoffe man doch letzten Endes, eine neue Form für das Gemeinschaftsleben und das Wirtschaftsleben zu finden
Was das Verhältnis zu Polen anbelange, so erklärte Dr. Rauschning, er stehe auf dem Standpunkt Adolf Hitlers, daß das Bekenntnis zum eigenen Volkstum auch ein Bekenntnis zur Achtung fremden Volkstums in sich berge. 3tn Ostraum könnten die Verhältnisse nur gewährleistet werden auf dem Grundsatz der GleichberechtigungundAchtungder beiderseitigen Rationen. Die Ratio- nalfozialiften seien bereit, mit den Polen zu einer Generalbereinigung sämtlicher schwebenden Fragen zu kommen — allerdings auf der Basis der Gegenseitigkeit. (Eine Bereitschaft zum Frieden sei nicht gleich einer Bereitschaft zur Unterwerfung. Die unabdingbaren Rechte könnten auf keinen Fall preisgegeben werden.
Die Lage der Danziger Wirtschaft sei fast noch schwieriger als die in Deutschland, und große Wirtschaftszweige feien einfach nicht mehr zu beleben. Es müsse versucht werden, ein Instrument der Kooperation der einzelnen Wirtschaftskreise zu finden Zu diesem Zweck solle eine Hauptberufs st ändekammer geschaffen werden, die als Selbstverwaltungskörper eine Reihe von Maßnahmen werde durchführen können, die der Staat außen- und innenpolitisch nicht lösen könne. Eine Derwaltungs- reform und -Vereinfachung könne dadurch vielleicht gefunden werden, daß man staatliche Hohcitsrechte in eine reine Verwaltungskörperschaft, wie sie mit der Ständekammer geplant sei, delegiere Man werde auch den genialen Gedanken des Führers, das Reichsstatthalterprinzip, natürlich in geänderter Form aufgreifen, indem man staatliche Präsidenten in diese Hauptwirt- schaftskamrner hineinschicke. Dadurch erübrige sich jeder Eingriff in die wirtschaftlichen Belange von irgendwelcher Seite.
Dr. Rauschning gab seiner Hoffnung Ausdruck, daß die ASDAP. die Schwierigkeiten meistern werde, und daß sie die wirtschaftliche Lage und Selbständigkeit Danzigs werde erhalten können. Im Interesse der Sicherheit Danzigs müsse so schnell wie möglich dem Wahlergebnis Rechnung getragen werden. Mit Deutschnationalen und Zentrum zusammen könnten die Aationalfozialisten eine Dreiviertelmehrheit erreichen, die ausreichend sei für alle neuen Maßnahmen, doch könnten sich die Aationalso- zialisten nicht die Bedingungen diktieren lassen, sondern sie mühten ihrerseits verlangen, daß man sich zumindest die großen Ideen und Leitgedanken des Aationalsozialismus zu eigen mache.
Llm öen Veichsbischos der Deutschen Evangelischen Kirche
D. von Bodelschwingh tritt sein Amt an.
Berlin, 29. Mat. (Vdz.) Wie das Ddz.-Düro meldet, hat Reichsbischof v. Bodelschwingh nach Beendigung der zweitägigen Zusammenkunft der Vertreter der Landeskirche sogleich fein neues Am t übernommen. Er wird nunmehr in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den drei Bevollmächtigten des Kirchenbunds das Reformwerk der Kirche durchführen. Auf Grund der in Loccum vereinbarten Richtlinien wird der Entwurf einer neuen Kirchenverfassung ausgearbeitet. Diese Arbeit soll mit größter Beschleunigung zu Ende geführt werden. Am Montagvormittag lieh sich der Reichsbischof die Mitglieder des Kirchenbundesamts vorstellen.
Der Reichsbischof wird zu seiner persönlichen Unterstützung mehrere jüngere Mitarbeiter berufen. die ihren Dienst ehrenamtlich tun, ebenso wie er selbst von der Kirchenbehörde kein Gehalt zu beziehen, sondern sein Pfarr- aehalt wie bisher von der Bethel-Gemeinde zu bekommen wünscht, deren Leitung er behält. Die Aufgaben für das Reformwerk beschränken sich daher auf die Erstattung der tatsächlichen Auslagen für Reisen usw. Da hierfür keine Etatsmittel zur Verfügung stehen, hat der Reichs- bischof die Bitte ausgesprochen, es möchten ihm aus der deutschen Christenheit für die Durchführung dieser Aufgabe freiwillige Gaben anvertraut werden.
Pastor D. v. Bodelschwinghwird am Pfingstsonntag, vormittags 10 Hbr, in der Berliner Zionskirche predigen und damit zum ersten Male als Reichsbischof vor die evangelische Gemeinde treten. Die Wahl der in einem Arbeiterviertel des Berliner Aordens gelegenen Zionskirche dürste dem besonderen Wunsche Dr. v. Bodelschwinghs entspringen, nicht in einem der repräsentativen Gotteshäuser der Reichs- Hauptstadt zu sprechen.
Pastor D. v. Bodelschwingh.
Wie das VdZ.-Büro weiter meldet, hat die Berufung Dr. v. Bodelschwinghs zum Reichsbischof im ganzen Reich wie. auch beim evangelischen Auslandsdeutschtum eine starke Zustimmung gefunden. Ein Strom von Telegrammen, die stündlich in Berlin und Bethel eingehen, legt davon Zeugnis ab. Iugendoerbände, Männerbünbe, Theologiestudenten, Professoren, Pfarrervereine, Arbeiteroerbände, Männerkampfbünde, Synoden usw bringen darin ihre Zustim- mung zu dem Beschluß der Kirchenleitung zum Ausdruck und stellen sich hinter den berufenen Führer der Deutschen Evangelischen Kirche. Von deutschen Auslandskreisen hat u. a. der Bischof der Deutschen Evangelischen Kirche in Jugoslawien, Dr. Hopp, ein warm gehaltenes Glückwunschtelegramm gesandt.
Oer Einspruch der Glaubensbewegung Deutsche Ehristen.
LZehrkreispsarrer Müller auf dem Kurmärkischen Kirchentag der „Deutschen Ehristen".
Berlin, 29. Mai. (Vdz.) Auf dem außerordentlich stark besuchten Kurmärkischen Kirchentag der Glaubensbewegung „Deutsche C h r i ft c n “, der in Potsdam stattfand, sprach der Vertrauensmann des Reichskanzlers, Wehrkreispfarrer Müller, über die Frage des Reichs- bijchofes Wenn gesagt werde, daß die Glaubens- bcwegung „Deutsche Ehristen" Politik in die Kirche tragen wolle, so sei das nicht nur unrichtig, sondern eine lügenhafte Verdrehung Die Deutschen Christen wollten nichts anderes als die Deutsche Evan- a e 1 i s ch e Kirche. In Loccum, so sagte Pfarrer Müller, haben wir dafür gekämpft, einmal das ganz bewußt herauszustellen, was uns Evangelische eint, und mit dieser einigenden Parole wollten wir die großen Massen der Kirche wiedergewinnen, die durch den Marxismus der Kirche entfremdet sind. Wenn das geschehen war, dann sollte die neuer ft anbene Kirche mit dem erwachten Kirchenoo 1 k sich ihren Bischof wählen und ihre Verfassung gebe n." (Lebhafte Zustimmung.) Wir wollten einen Kampf dieser Art, wie er nun entstanden ist, vermeiden. Dabei kam es uns nicht auf Rainen an. Weder Pastor v. Bodelschwingh, mit dem ich lange gesprochen habe, noch ich erstreben das Amt des ersten Bischofs, weil es mit Glanz und Schimmer verbunden wäre. Wir wissen vielmehr, daß der Mann, der dieses Amt als erster übernimmt, sich damit eine schwere Bürde auf die Schultern legt. Wir hofften, wir hätten in dieser Angelegenheit > den Weg zur Einigung gefunden. Daß es nicht so I
kam, ist nicht unsere Schuld, so müssen wir um unseres Gewissens willen den Weg weiter gehen, den uns unsere Herkunft aus der großen kämpferischen politischen Bewegung oorschreibt. (Lebhafte Zustimmung.) In Loccum wurden in den Verhandlungen die Dinge so feftgelegt, daß, wenn die Kirchenoertreter sich über die Persönlichkeit des Reichsbischofs geeinigt haben, und wenn die Regierung ihre Zustimmung baxu gegeben habe, daß bann bas Kirchenoolkselbst befragt werben solle. Rach dem Wortlaut dieser Loccumer Vereinbarung erheben wir nun unsere Forderung, bas Kirchenoo 1 k wirklich entscheiben zu lassen. (Stürmischer Beifall.)
Das Kirchenvolk soll entscheiden.
Berlin, 28. Mai. Der Reichsleiter der Glaubensbewegung Deutsche Christen, Pfarrer Hoffen- selber, hat an den Präsibenten bes Deutschen Evangelischen Sirdjenbunbes, D. Kapier, zwei Schreiben gerichtet, in benen es heißt: „Eine Mehrheit ber Kirchenregierungen hat ben Pastor D. (iriebrid) von Bobelschwingh zum Reichs- bifchof einer fommenben deutschen evangelischen Kirche benannt. Wenn sich jetzt zum erstenmal in der Geschichte des deutschen Protestantismus das Amt eines Reichsdischofs verwirklicht, so nimmt d i e Glaubensbewegung Deutsche Christ e n für sich in Anspruch, geschichtlich ber Faktor gewesen ju fein, ber allein den Willen zum Reichs- bischofsamt aus dem Reiche des Wunsches in das der Erfüllung gehoben Hal. In öiefer entscheiden
den Stunde fragen wir die Kirchenregierungen, mit welch innerem Recht dieselben die Benennung des Reichsbisdioss gegen den Willen der Glau- bensbewegunp Deutsche Christen unternommen haben. Der Wille des Kird)envolkes ift nicht bei den bisherigen Kirchenoerlretungen, sondern bei uns. Wir halten an unserer 'Benennung des Wehrkreispfarrers Müller zum Rcichsbischof fest und bitten die Kirchenregierungen, sich un|crcm Willen anzuschließen. Andernsalls werden wir den Beweis erbringen, daß das deutsche evangelische Kirchenvolk der von ihnen gefundenen Lösung nicht zu stimmt und in seiner Mehrheit hinter der Glaubensbewegung Deutsche Christen steht."
In einem zweiten Schreiben heißt cs u a.: Aach ber in Loccum von den drei Bevollmächtigten der deutschen evangelischen Kirchen und den Bevollmächtigten des Herrn Reichskanzlers gemeinsam beschlossenen und unterschriebenen Art des Vorgehens in der Frage des deutschen evangelischen Reichsbischofs muß der Hcbereintunft der Vertreter der Kirchenregierungen die Zustimmung des Kirchenvolkes folgen. Wir beantragen hierdurch in aller Form, daß diese Zustimmung des Kirchenvolkes am 31. Oktober d. 2. herbeigesührt wird. 3n der Sache stützen wir uns dabei auf die Auffassung Dr Martin Luthers von der Dischofsweihe. Das Rechtsempfinden des erwachten deutschen Volkes, das mit dieser Auffassung Luthers über- einftimmt, verlangt, daß in der so grundlegend wichtigen ersten Bischosswahl die Entscheidung vom Kirchenvolk selb st getrof- f e n werden muß. Ohne diese Zustimmung deS Volkes kann die endgültige Ernennung des Reichsdischofs nicht erfolgen.
Wie der Evangelische Pressedienst meldet, wird hierzu von „zuständiger kirchlicher Seite" mitgeteilt, daß man sich in den Loccumer Verhandlungen darüber einig gewesen sei, daß die Einigung über die Person des künftigen Reichsbischofs lediglich bei de in Drei- männerkollegium und bei den landeslirch- lichen Bevollmächtigten liege.
Reichsstatthalter Sprenger an die Evangelische Kirche in Hessen.
Das Lanbeskirchenamt teilt bas folgende Dank- fchreibenbesHerrnReichsstatthalters Sprenger an bie Hessische Evangelische Kirchen- regierung mit:
An bie Hess. Ev. Kirchenregierung zu Darmstadt. Sehr geehrter Herr Prälat! Ich danke Ihnen für die mir im Namen der Hessischen Evangelischen Land's- kirche, ihrer Kirchenregierung und des Lanbes- kirchenamtes anläßlich meiner Ernennung zum Reichsftatthalter in Hessen ausgesprochenen besten Glückwünsche. Ich werde meine Amtsführung ver- antwortungsbewußt immer so halten, daß d i e E i n - richtungen und Segnungen der christ. lichen Kulturzu allen Zeiten erhalten und gefördert werden. In vorzüglicher Hoch- achtung bin ifi) Ihr sehr ergebener gez. Sprenger.
Oie Stiftung für Opfer der Arbeit.
Bereits drei Millionen an Lvenden.
Berlin, 29.Mai. (MTB.) Am Samstag sand die konstituierende Sitzung ber durch den Aufruf des Reichskanzlers Adolf 5)itler ins Leben gerufenen „Stiftung für Opfer der Arbeit" im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda statt. Der Abteilungsleiter h a e g e r t begrüßte die anwesenden Mitglieder des Lhrenaus- s ch u s s e s : Schuhmann, M. d. R., Dr. Fritz Thyssen, Dr. v. Stauf}. Zum Vorsitzenden des Lhren- ausschusses wurde Schuhmann gewählt und zum ehrenamtlichen Geschäftsführer Oberregierungsral Dr. Ziegler vom Propagandaministerium bestimmt. Aus dem Bericht des Geschäftsführers ergab sich, daß der (Eingang der Spenden außer- ordentlich rege ist und daß die erste Million noch in diesen Tagen erreicht fein wird.
Als erste Bewilligung wurde der von dem Reichskanzler für die Hinterbliebenen der auf der Zeche Matthias Stinnes am Vortag des „Tags der nationalen Arbeit" zu Tode gekommenen Bergleute gestiftete Betrag von 2000 Mark verteilt.
Etwaige Gesuche um Unterstützung aus der Stiftung sind einzureichen: an die Geschäftsstelle der „Stiftung für Opfer der Arbeit", Berlin 2D. 8, Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, wilhelmplah 8.
In der Sitzung konnte Dr. Thyssen die erfreuliche Mitteilung machen, daß die 3 n b u ff r i e des Steinkohlen- und Braunkohlenbergbaus und die eisenschaffende Industrie des Ruhrgebiets zusammen ein Kapital von zwei Millionen Mark für die Stiftung zur Verfügung gestellt haben. Demnach haben die Mittel der Stiftung jetzt bereits den Betrag von rund drei Millionen Mark erreicht.
Reichsminister Goebbels übernimmt die Führung des Fremdenverkehrs.
B e r l i n, 29. Mai. (WTB.) Die Führung im deutschen Fremdenverkehr hat der Reichsminister für Dolksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels übernommen. Der bisher vom Reichsminifter a. 2. Dr. Hamm geleitete Hauptausjchuß für Fremdenver-


