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30/05/1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 124 Erstes Blatt

183. Jahrgang

Dienstag, 50. Mai 1933

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Chefredakteur.

Dr. Friedr. Wilh. Gange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.Tkgriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein unbfür denAn« zeigenteil i. B. TH.Kümmel sämtlich in Gießen.

Landnöten.

Das Danziger Wahlergebnis verspricht ein Markstein in der Entwicklung der Ostfrage zu werden, denn die Bevölkerung der Freien «ladt Danzig ist und bleibt der Märtyrer des 'Beitrages oon Versailles. Es schien durchaus so, als wurde der wirlschastliche Druck, der seit Jahren aus dem Geben der deutschen Bevölkerung lastete, allmählich eine Zermürbung des nationalen Bewußtseins her- vorbringen. Das Wahlergebnis zeigt keine Spur einer Zermürbung, sondern eine Konzentration der nationalen Kraft dieses alten deutschen Gemein, wesens. , m

Die Wahl hat der Nationalsozialistischen Partei einen überwältigenden Sieg gebracht. Mit 51 v. H. der abgegebenen Stimmen und 38 Mandaten haben sie einen vollständigen Erfolg errungen. In einem Danziger Wahlschausenster wurde eine Fridericus- sigur mit der Unterschrift gezeigt:Der hätte sich nicht gleichschalten lassen!" Nun hat sich eine Mehr­heit des Freistaates doch für diese Gleich- s ch a 11 u n g ausgesprochen. Damit ist selbstver­ständlich noch keineswegs gesagt, daß diese Gleich- schaltung sich über staatsrechtliche und Völkerrecht- liche Begrenzungen Hinwegsetzen kann. Der natio­nalsozialistische Führer in Danzig, Dr. Rausch- ning, der künstige Senatsprasident, hat sich un- mittelbar nach dem Bekanntwerden des Wahlsieges zu der Notwendigkeit bekannt, die Verfassung und die bestehenden Verträge zu halten. Er hat in einer Ansprache vor der Presse keinen Zweifel darüber gelassen, daß er keinerlei außen polit i s ch e Experimente zu unternehm-n gewillt ist. Dan- »jg wird die Verträge halten, es wird aber eben- o seine Rechte wahren, und wir dürfen mit lern Versuch einer Verständigung mit Polen rechnen, ofern d i e polnische Regierung ihrer- e i t s die Folgerungen aus diesem Wahlergebnis 3l*Die innere Lage Danzigs erfordert größte Auf­merksamkeit, denn die polnische Politik ist in erster Linie auf eine Zermürbung der inneren Wider­standskraft der deutschen Bevölkerung des Freistaats gerichtet. Danzig muß am Leben bleiben, um, wenn die Zeit gekommen ist, wieder zurückzukehren ins Reich. Die Danziger Wirtschaft vegetiert, aber sie hat den Willen, ihre Zukunft nicht zu verkaufen. Danzig steht noch immer mit dem Rücken gegen die Mauer und wird nicht nachgeben. Es will nicht nur fein, es will auch deutsch sein. Die polnische Politik hat daher eine sichtbare Niederlage erlitten. Es erweist sich eben, daß das nationale Bewußtsein stärker ist als die Not. Die Gefahr einer Polonisie- rung unter der Hand ist endgültig überwunden. Das Deutschtum steht fest in seinem Willen zu einem deutschen Leben.

Ueber den deutsch-österreichischen Konflikt wird uns aus Wien geschrieben: Ist es wirklich erst zwei Jahre her, daß Deutschland und Oester­reich gemeinsam den Gedanken einer Zollunion verfochten und sich vorübergehend stark genug glaub­ten, ihn gegen den Widerstand der Siegerstaaten durchsetzen zu können? Zwei Jahre, und in dieser kurzen Zeit hat sich eine völlige Verschiebung des Verhältnisses der beiden Länder zueinander voll- zogen, die jetzt schon über die Abkühlung hinaus bis hart an die Grenze einer offiziellen Feindschaft der Regierungen gediehen ist. Deutschland hat in der Abwehr zur Grenzsperre gegriffen, und die Regierung Dollfuß überlegt nun ihrerseits, ob sie nicht darauf wieder mit einem Einfuhrverbot aller deutschen Waren antworten soll, in der Hoss- nung, daß sie dadurch Deutschland zur Nachgiebigkeit zwingt. Allerdings ein Trugschluß Die deutsche Einfuhr nach Oesterreich ist zwar größer als umge- kehrt, aber innerhalb des gesamten Rahmens des Erports bedeutet für Deutschland der Handelsverkehr mit Oesterreich nur einen Bruchteil dessen, was für Oesterreich die Ausfuhr nach Deutschland darstellt.

'riic Zuspitzung des Kampfes ist also auch wirt- fchustlich ein sehr zweischneidiges Schwert, sie ist es vor allem auch natio­nal, und deshalb darf man doch erwarten, daß die Regierung Dollfuß es sich doppelt und drei­fach überlegen wird, ehe sie zur Freude des ge­samten feindlichen Auslandes die Tonart noch wei­ter verschärft. Denn schließlich kann auch der Bun­deskanzler sich nicht im Unklaren darüber fein, daß er nur eine schwache Minderheit Oesterreichs hinter sich hat. Richt einmal die Christlichsoziale Partei folgt ihm. die Jugend steht beinahe geschlossen gegen ihn, und er hat wiederholt Minister auswechseln mui- fen, die seinen Kurs nicht mehr unterstützen wollten. Bleiben eigentlich nur noch die Austromarxi- ft en, die ihn aus Angst vor Hitler als das kleinere liebel wenigstens mittelbar stützen.

Wir zweifeln nicht daran, daß Herr Dollfuß, als er seine Regierung begann, eine ganz andere Linie verfolgte. Wir nehmen an, daß er gegen feinen Willen auf die antideutsche Bahn gedrängt worden ist. Aber um so notwendiger ist es, daß er auf die Gefahren aufmerksam gemacht wird, die auf diesem Wege für ihn und für ganz Oesterreich liegen. Es ist ein falsches Schlagwort, daß Deutsch-Oesterreich sich dagegen wehrt, eine deutsche Kolonie zu werden: von der Sorge sind wir frei, und sie ist unaktuell gegen­über der Tatsache, daß wir französische, hol­ländische und Schweizer Kontrol­leure bereits im Lande haben, dagegen keinen einzigen Reichsdeutsch en. Es wäre also wirklich dringender, daß die Regierung sich dagegen wehrt, ihr Land zu einer Kolo­nie des Völkerbundes zu machen, es wäre dringender, wenn sie ihre bewußt deutsche Grundeinstellung betont, anstatt daß sie in Genf mit den Feinden Deutschlands zusammengeht und sich gegen eine Entöstcrreicherung wehrt, die ihr von niemandem zugemutet wird. .

38000 Mann Schutzpolizei sollen auf die deutsche Heeresstärke angerechnet werden Deutschland meldet gegen diesen Beschluß des Genfer Effektivausschuffes Protest an.

G e n f, 29. 2UaL (IDIB.) Das Technische Komitee des Lffektioausjchusses hat heute die Beratungen über die Anrechnung der Polizeistarken mit der An­nahme eines Berichtes abgeschlossen, der von allen ' lolizeisormationen f a fl einzig und allein der deutschen Schutzpolizei militari- chen Charakter beilegt. 39000 Wann der deutschen Schutzpolizei sollen bei der künftigen Festsetzung der deutschen Lsfektioflärke angerechnet werden. Außer der deutschen Schutzpolizei sind als militärisch verwendungsfähig lediglich noch bezeich­net worden der in verschiedenen Ländern bestehende Grenzschutz sowie die militärisch ausgerüstete Gendarmerie.

Zu diesem Bericht hat der deutsche Vertreter General v. Schönheinz eine Erklärung ab­gegeben, in der es heißt: Die deutsche Delegation legt einen allgemeinen Vorbe halt gegen die Mehrheitsbeschlüsse des Komitees bezüglich der Bewertung der Polizei ein, weil das Komitee sich bei seinen Entscheidungen nicht immer in gleicher Weise an die festgelegten Kriterien ge­halten und einzelne Fälle nach verschiede­nem Maßstab behandelt hat. Der Gang des Verlaufes des Beratungen hat gezeigt, daß das Komitee in seiner Mehrheit sich nicht von rein technischen Gesichtspunkten leiten lieft, sondern öaft ausgesprochen politische Ge­sichtspunkte maftgebenö gewesen sind. 3n zahlreichen Fällen hat der Ausschuß davon ab­gesehen, das Zutreffen dieses oder jenes Krite­riums für eine Polizei als Beweis für ihren militärischen Charakter und damit für ihre An­rechnung auf die Effektivstärken anzunehmen. Es sind Polizeikategorien ausgeschlossen worden, die mit KollLktivwafsen in zum Teil er­heblichen Mafte ausgerüstet sind- Es sind weiter Polizeikräfte ausgeschlossen worden, die militärisch organisiert bzw. nach militärischen Grundsätzen ausgebildet oder mit zahlreichen Transport- usw. Material versehen find. Diese Beschlüsse trugen zumeist in gewissem Umfange der besonderen Lage des be­treffenden Landes und den Umständen Rechnung, unter denen diese Polizeikräfte ihren Dienst ver­sehen haben.

Dieses Verfahren ist nicht in gleicher weise auf alle Staaten angewendet worden. So ist z. v. bei Beurteilung der deut- schen Polizei den besonderen Verhält­nissen Deutschlands nicht Rechnung getragen worden, weder die seit 15 Jahren bestehende innerpolitische Lage und die sich daraus ergebenden Ausgaben der Polizei, noch die rechtliche Stellung der Länderpoli- z e i k r ä f t e. noch die Tatsache, daß d i e Wehrmacht im Verhältnis zur Levölkerungs- zahl in Deutschland viel schwächer ist. als bei den anderen Staaten, daß sich in großen Landesleiten überhaupt keine Trup­pen befinden und der Rückgriff auf das Heer bei inneren Unruhen in diesen Landesteilen völlig ausgeschlossen ist, noch die Tatsache der großen Bevölkerungsdichte, der be­sonders hohen Zahl großer Städte und dicht­bevölkerter Industriegebiete ist berücksichtigt worden. Diese Tatsachen sind vom rein techni- schen Standpunkt aus ausschlaggebend für die

Beurteilung des Charakters der Polizei.

Von der Forderung ausgehend, daft das Abkom­men zu einer für alle Staaten in glei­cher Weife gerechten und tragbaren Lösung führen muft, ist die deutsche Abordnung leider gezwungen gewesen, eine Reserve einzu­legen.

Der deutsche Vorbehalt, der eine vernichtende Kritik an der ganzen Tätigkeit des Komitees bar» stellte, rief zunächst eine geheuchelte Ent­

rüstung hervor. In der Debatte griffen insbe­sondere die Vertreter Frankreichs und Ame­rikas ein. Der deutsche Vertreter lieft sich aber nicht beruhigen, sondern ging nochmals ausführ­lich auf die besonderen Verhältnisse Deutschlands ein. Er stellte feft daß im Verhältnis der Wehr­macht zur Bevölkerungszahl in Deutschland nur 1 * , ausgebildete Soldaten aus 1000 Einwohner fallen, bei Polen dagegen 7, Frankreich 8, Belgien 8 2. Tschechoslowakei 91/» Soldaten.

In den Beratungen über die vormilitärische

@ e n f, 29. Mai. (TU.) Ueber die Bestimmung des Angreifers in einem internationalen Streitfall tarn es im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz zu einem scharfen Zusammenstoß. Die französische Staatengruppe verlangte auf Grund des vom Sicherheitsausschuß ausgearbeiteten Vorschlages eine scharf u m r i f f e n e Bestimmung des Angreifers. Der von Politis ausgearbeitete Vcr- tragstext stützt sich bei Auszählung der Angriffsfälle auf einen ursprünglichen sowjetrussischen Antrag. Dieser aus der bekannten sowjetrussischen Befürchtung vor militärischer Einkreisung oder wirt­schaftlicher Blockade entstandene Vorschlag ist nun von der französischen Staatengruppe übernommen und im Sinne der französischen Sicherheitspoliuk ausgebaut worden.

Dagegen wiesen die Vertreter Englands, Italiens, Deutschlands und Ungarns übereinstimmend auf die großen Gefahren einer genau formulierten Bestimmung des Angreifers hin, die zu einer väl- ligen Umkehrung der tatsächlichen Schuldsrage füh­ren könne. Sie verlangten eine elastische, allen mög­lichen Verhältnissen Rechnung tragende Bestimmung.

Paul-Bvncvur bezeichnete jedoch den vor­liegenden Vertragstext als d e n E ck st e i n des gesamten Sicherheitsbaues und schloß mit der drohend klingenden Erklärung, daß bei Ab-

Be r 1 i n, 29 Mai. (CNB.) Heute vormittag Haven in den Räumen der Reichsbank unter dem Vorsitz des Reichsbankpräfidenten Dr. Schacht die Irans- ferbefpredjungen begonnen. An ihnen nehmen Ver­treter sowohl der ausländischen Gläu­biger kurzfristiger deutscher Kredite als auch der Emissionshäufer für die langfristigen deutschen Auslandan- leihen teil, und zwar aus sechs Ländern, näm'ich Amerika, England, Frankreich, Schweden, Holland und der Schweiz. Die Transferbesprechungen sind von der Reichsbank ausgenommen worden, um die Vertreter der Auslandgläubiger über die deutsche Devisenlage, die sich infolge der rückläusi - gen Tendenz des deutschen Außenhan- d e l s und des daraus folgenden geringeren Anfalls oon Exportdevisen dauernd verschlechtert hat, aufzuklären und die Möglichkeck-n zur Beseitigung der sich aus der deutschen De- oifenfituation ergebenden Transferschwierig. feiten zu erörtern. In unterrichteten Kreisen rechnet man für diese Besprechungen mit einer Dauer oon einigen Tagen.

Reichsbanlpräsident Dr. Schacht eröffnete die Transferzusammenkunft mit einer Ansprache, in der er darlegte, wie es zu der Transferirise kam, die ihre letzte Ursache i n d e n Reparationen habe. Die ausländische Kre­ditgewährung an Deutschland nach der Stabilisie-

Ausbildung beschloft der Ausschuft, den Ar­beitsdienst in Bulgarien gleichfalls bei der Berechnung der Effektivstärken in Rechnung zu stellen, obwohl das Internationale Arbeitsamt ausdrücklich festgestellt hatte, daft diesem Arbeits­dienst kein militärischer C h a r a k t e r zu­komme. Man hat den Eindruck, daß für diese Feststellung nicht zuletzt das Bestreben maft­gebenö gewesen ist, sich schon jetzt eine Platt­form zu schaffen für die Beurteilung des in Deutschland in Bildung begriffenen Arbeits­dienstes.

lehnung des Vorfchlags die e r n ft e st e n Befürch­tungen für das weitere Schicksal der Konferenz bestünden.

Dem italienischen Vertreter gelang es, die Unhaltbarkeit und Zweckwidrigkeit der Vor­schläge des Sicherheitsausschusses nachzuweisen. Es sei unmöglich für die Regierungen, so scharf um- riffene Verpflichtungen einzugehen, die größte Risiken in sich trügen. Die Angreiferbestirnmung berücksichtige in feiner Weise die Herausfor­derung, die im politischen Leben eine große Rolle spiele. Ein zum Angrisf entschlossener Staat werde es immer verstehen, zunächst einen An­griff des Gegners auf sich herbeizu­führen. Nach stundenlanger Aussprache wurde von dem sowjetrussischen Vertreter, der von der gesamten französischen Staatengruppe mit Lob und Bant saft überschüttet wurde, verlangt, eine s o - fertige Abstimmung herbeizusühren. Gegen diesen Versuch, eine Entscheidung oon großer poli­tischer Tragweite zu erzwingen, wandten sich je­doch die Vertreter einer Reihe von Staaten, so daß schließlich Präsident Henderson den üblichen Weg der privaten Besprechungen empfahl und I die endgültige Entscheidung aus die zweite Le­sung des Sicherheitskapitels des englischen Plans I verschob.

rung habe die Wiederauffüllung der Rohstoff­lager, den Wiederaufbau der Exportorganisation und die Vergröfterung der Gold- und Devisendecke der Reichsbank ermöglicht. Die Tatsache, öaft Öie Auslanökreöite größtenteils in Form von Waren nach Deutschland hereinströmten, ffanö im Gegensatz zu Öen Bestrebungen Öer Repa- rationspolitiler, öaft DeutschlanÖ semerse ts seine Reparationslast durch einen oerftärtten Warenexport aböeden sollte. Da sich das Ausland gegen den Export sträubte, sei nichts anderes übriggcblicbcn, als öie Auslanö­kreöite z u Reparationszahlungen zu verwenden. Dies an sich völlig verfehlte Sy­stem brach nach öer amerikanischen Oktoberkrise 1929 zusammen Der Zusammenbruch öer Oester- reichischen Kreöitanstalt gab bann Öen Anstvft zur Kündigung öer kurzfristigen Auslanökreöite und zur Einführung der Devisenzwangswirtschaft. Die Stillballeabfynmen hätten aber, so führte Dr. Schacht weiter aus, die Beendigung der Kata­strophe nur verschoben.

Dank der Amerifafrlse seien über 10 Mil­liarden Reichsmark an Kapital und Zinsen aus Deutschland abgeflof- s e n. Die Devisenzwangswirtschaft habe zu einer völligen Lahmlegung des gesamten Handels und damit zu einer weiteren Verringerung der Devisenbestände geführt. Cs sei nicht Ausgabe der Reichsbank, iftee Devisen- und Goldreserven

Die Bestimmung des Angreifers.

Rußland und der französische Staatenblock versuchen eine Lleberrumpelung.

Die berliner ÄansserbesprechmWii eröffnet. ReichSbankpräsident Dr. Schacht erläutert den ausländischen Gläubigern Deutschlands Devisenlage.

Der plötzliche Tod Marga v. E tz d o r f s, die eine öer tüchtigsten deutschen Fliegerinnen war, ruft toieöer öie Erinnerung an Öen vor- bildlichen Eportgeist wach, Öer so manchen Ramen mutiger Frauen bekannt machte. Man öenlt an Öen großen Flug nach Tokio, Öen Marga v. Etz- Öorf am 18. August 1931 antrat unö in elf Tagen zum Staunen öer ganzen Welt glatt durchführte, man erinnert sich öer groften Leistungen Elli Beinhorns, Öes Riesenflugs Amy Johnsons, öer kühnen Ozeanüberquerung Öurch Wift Earharöt. Immer toieöer überraschten öiese Frauen öurch ihre energische tatkräftige Arbeit und ließen öie Welt staunen über öie programmsichere Festigkeit, mit öer sie sich ihrer einmal ge­stellten Aufgabe entleöigten.

Gewöhnlich führte ein Zufall zur fliegerischen Laufbahn, zum Erfolg, zum Weltruhm, aber auch zum Schicksal, öas mit kalter Todeshand Öen Schlußstrich unter öie himmelstürmende Flugbe­geisterung zog. Bei Marga von Etzdorf war es ein Freiflug, den sie als Reunzehnjährige im Jahre 1926 gewann. Die Eindrücke bei diesem ihrem ersten Fluge ließen das junge Mädchen

nicht mehr los, bis sie einen Monat spater sich zur Fliegerschule in Staaten anmelöete. Im August 1927 war sie geprüfte Flugzeugführerin und fest entschlossen, den Fliegerberus zu ergreifen. Mit dem Kunstflugschein, den sie sich kurze Zeit später erwarb, sah man sie oft als Reklamefliegerin oder im Mittelpunkt grofter Flugtage.

Aber ihr Sinn stand nach Höherem. Sie wollte als Frau, unö eben weil sie Frau war, Pionier­arbeit leisten, um so der deutschen Sportfliegerei ihren Anteil Arbeit zu zollen. So erwarb sie sich 1930 ein eigenes Sportflugzeug, chr berühmt ge- wordenesKiek in die Welt". Nach einem Rundflug mit Begleiter über Prag, Wien, Buda­pest, Belgrad, Sofia, Konstantinopel, Bukarest, Warschau machte sie, jetzt ohne Begleiter, ihren er­sten Flug nach den Kanarischen Inseln. 1931 folgte der Fernflug nach Tokio. Jedesmal hatte sie insofern nicht die reine Freude ihrer großen Lei­stung, als sie sowohl auf ihrem Rückflug oon den Kanarischen Inseln als auch vor ihrem Start in die Heimat in Bangkok mit der Maschine verun­glückte. In Bangkok erlitt sie damals schwere Ver­letzungen, aber sie ließ sich nicht entmutigen und

arbeitete in aller Stille weiter. Im Frühjahr 1933 erhielt sie vom Deutschen Luftsportoerband das Sportfliegerabzeichen in Gold, oom Aero-Klub in Deutschland die Auszeichnung des Ehrenbechers.

Run hat sie, die 26jährige mutige Frau, ein all­zu früher Tod der Reihe der in der Welt Popu­lärsten Fliegerinnen entrissen. 3n aller Stille war sie von Staaten aus abgeflogen, die Oeffentlich- keit wuftte nichts von ihrem Vorhaben, voll Hoffnung, ein neues Ruhmesblatt in die Annalen der deutschen Sportfliegerei zu heften. Allein das Schicksal dachte anders. Marga v. Etzdorf muftte fallen, aber sie fiel wie eine echte deutsche Frau, in stiller Arbeit, im zähen Willen, dem Vctter- Icmde zu dienen, und als leuchtendes Beispiel treuer Pflichterfüllung und selbstloser Aufopfe­rung. Sie wollte jetzt so wenig wie bei ihren ersten Flügen keine Vorschußlorbeeren, still und beschei­den machte sie sich davon, diesmal leider für im­mer, aber ihr Ruhm, ihre frauliche Tapferkeit lebt weiter und wird in der Reihe ihrer Kameradinnen unvergessen bleiben. ,