Ausgabe 
30.3.1933 Erstes Blatt
 
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u. a. mit: Die Vorgänge in Braunschweig haben durch das Eingreifen der Deichsregierung ihre Er­ledigung gefunden. Eine Verallgemeine­rung der Braunschweiger Vorgänge oder ein Hinübergreifen^auf irgend einen anderen Landes­teil ist ausgeschlossen. 3n Hessen sind i n keinem Falle geschlossene Gruppen ehemals marxistischen Organisationen Angchorender ausge­nommen worden. Durch Landesbefehl wurde den Untergruppen zur Pflicht gemacht, alle An­meldungen schärf st ens zuprüfen. Wer einer marxistischen Organisation angehörte, hat Wartezeit von mindestens drei Mo­naten (im Gau Hessen ist die Wartezeit bis sechsMonate ausgedehnt) vor der Verpflich­tung einzuhalten. Diese Wartezeit dient zur letz­ten Prüfung. Dur wer zuverlässig auf nationa­lem Boden steht und bereit ist, auf dem Bo­den der von der Reichsregierung ge­gebenen nationalen Linie zu arbeiten und sonst den Anforderungen des Bundes ent­spricht, wird ausgenommen. Cs ist allen Stahl- helm-Bundesangehörigen zur Ehrenpflicht ge- n acht, an dem großen Ziel der neuen deutschen Wiederaufbaupolitik mit der RSDAP. Schulteran Schulter zu arbeiten, und zwar im Geiste der Kameradschaft, die höchstes Ziel der Stahlhelmerziehung ist.

Kleine politische Nachrichten.

Ab 1. April wird der Deutschland-Sen­der am Schluß seiner Abendprogramme regel­mäßig vor dem Deutschland.lied das Horst- Wessel-Lied spielen lassen. Möglicher­weise- werden auch andere Sender diesem Beispiel folgen.

Eine Tagung des Reichsverbandes der deutschen Hotels, Restaurants und verwandterBetriebe sprach sich gegen die Belastung der Hotelbetriebe durch die öffent­liche Hand aus und forderte Einführung des Vollstreckungsschutzes gegen Zwangs­versteigerungen bei unverschuldetem Rotstande.

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In München sind, wie die Polizeidirektion mit­teilt, Verlagsdirektor Dr. Betz derMünchener Neuesten Nachrichten" und Chefredakteur Karl Nabe derMünchener Telegrammzeitung" in Schutzhaft genommen worden.

Von der Kreisregierung Würzburg ist zum kom­missarischen Stellvertreter des zurückgetretenen Oberbürgermeisters der Stadt Aschaf­fenburg Landtagsabgeordneter Wohlgemuth und zu dessen Vertreter Stadtrat Schauer be­stellt worden.

Der Deutsche Rundfunk überträgt am Freitag von 9.30 Uhr bis 10.30 Uhr abends über alle Sender die Rede Reichsministers Dr. Goebbels au" der Gautagung der RSDAP. in den Wilmersdorfer Tennishallen. Am Am 1. April, dem Geburtstage des Altreichs­kanzlers OttovonDismarck, veranstaltet der Deutschlandsender in der Zeit von 20 bis 22 Uhr eine Reichssendung. Rach einem Hörbild von Gerd Fricke wird die Feier der deutschen Jugend an dec Bismarckwarte am Müggelsee übertragen. Die Feierrede hält Reichsminister Dr. Goebbels.

Kunst uüi> Wissenschaft.

Einschneidende Aendemngen im Frankfurter Kunstleben.

Der kommissarische Frankfurter Bürgermeister Lindner hat folgende Verfügung erlassen: Mit sofortiger Wirkung werden bis auf weiteres beurlaubt mit der Maßgabe, sich der Aus­übung aller dienstlichen Geschäfte zu enthalten: Am Opernhaus: Intendant Tur na u und erster Kapellmeister Steinberg: mit der ehrenamt­lichen Wahrnehmung der Geschäfte als Inten­dant wird vorläufig Herr Stüber (früher Schauspieler, zuletzt Leiter der Programmabtei­lung des Eüdwestfunks) beauftragt; am Schau­spielhaus: Intendant Kronacher und Regis­seur Fritz Peter Buch; mit der ehrenamtlichen Wahrnehmung der Geschäfte des Intendanten wird vorläufig Dr. G e i s o w (Leiter des Kampf­bundes für deutsche Kultur in Frankfurt a. W) beauftragt, die Vertretung des Regisseurs Buch übernimmt Oberspielleiter Geiß; am Städel- schen Kunstinstitut (Städtische Galerie): General­direktor Dr. Swarzenski; mit der ehrenamt­lichen Wahrnehmung der Amtsgeschäfte des Ge­neraldirektors wird Kunstmaler Fahrenbruch beauftragt; am Historischen Museum: Kustos Dr. Schönberger; mit der ehrenamtlichen Wahr­nehmung der Geschäfte wird vorläufig der Kunst­historiker Dr. Zülch beauftragt, der gleichzeitig als ehrenamtlicher Mitarbeiter Fahrenbruchs am Städelschen Institut beigeordnet wird; am Kunst­gewerbemuseum: Dr. Gundersheimer und Dr. Stern; an der Kunstgewerbeschule: Direk­tor Professor Dr. Wichert; mit der ehrenamt­lichen Wahrnehmung wird vorläufig Kunstgold­schmied Berthold beauftragt; an der Kunst- gewerbe--Dib.io.hek: Direktor Dr. Schürmeyer; mit der Wahrnehmung der Geschäfte wird ohne Aenderung seiner Anstellungs- und Gehaltsver­hältnisse vorläufig der Bibliothekar Dr. Diehl beauftragt. Ferner ist beim Fürsorgeamt die Oberfürsorgerin Dr. Hanna H e l l i n g e r beur­laubt worden. Die Beurlaubung des Magistrats­rats Dr. A l t h e i m ist zurückgenommen worden. Der Verwaltungsdirektor W e i g e 11 tritt an seine frühere Dienststelle zurück. Eine weitere Verfügung des kommissarischen Bürgermeisters besagt, daß im Hinblick auf die lügenhafte ©reuet- Propaganda des Weltjudentums alle im Dienst der Stadt stehenden Inden zum nächst zulässigen Termin gekündigt werden.

Veränderungen

in bet Leitung der B ühnengenossenschaft.

Die Präsidenten der Deutschen Bühnengenossen­schaft, W a l l a u e r und Otto, werden mit Wir­kung vorn 1. April auf ihren Wunsch vom Dermal- tungsrat beurlaubt. Als Ersatz für die bereits ausgeschiedenen Verwaltungsratsmitglisder Grete I l m und Emil Lind sind Otto Laubinger vom Staatstheater und der bekannte Bühnenbildner Benno von Arent in den Verwaltungsrat einye- treten. Der bisherige Präsident Otto bleibt im Verwaltungsrat und hat auf dessen Wunsch seine Dienste fernerhin zur Verfügung gestellt. Die Füh­rung der Genossenschaft übernimmt bis zur endgül­tigen Regelung Otto Laubinger.

Aus aller Welt.

Blutige Schmugglerzwischenfälle in Oberfchlesien.

Das nahende Osterfest hat zu einem riesigen Aufschwung des Schmuggelbetriebes an der deutsch-polnischen Grenze geführt. Rei Reu- Repten überschritt eine Schmugglerbande von 50 Personen die Grenze. Die Grenzbeamten machten von der Schußwaffe Gebrauch, wobei ein Schmugg­ler getötet und einer schwer verletzt wurde. Die Bevölkerung des Ortes nahm Partei für die Schmuggler, so daß die Beamten Verstär­kungen herbeiholen mußten. Erst dann lonnten a ch t Schmuggler fest genommen und ein Teil der Schmuggelware beschlagnahmt werden. Die anderen Schmuggler entkamen. Zwischen Tarno- wih und Doruschwih versuchten etwa 30 Schmugg­ler, die hauptsächlich Rosinen und Vanille als Schmuggelware mit sich führten, die Grenze zu überschreiten. Eine Streife der Grenzpolizei war biefem Massenorenzübertritt machtlos und muhte Hilfe herbeiholen. Der Führer der Schmuggel­bande und sieben Schmuggler konnten f e ft ge­nommen werden.

Raubmord bei Braunschweig.

Auf den Bäckermeister Kühne aus Rothemühle bei Braunschweig wurde nachts ein Raubüber­fall verübt. Man kam dem Verbrechen auf die Spur, als Pferd und Wagen des Bäckermeisters allein in Rothemühle ankamen. Als man sich auf die Suche begab, fand man den Bäckermeister etwa 600 Meter von Rothemühle entfernt an der Straße nach Braunschweig in seinem Blute liegend auf. Der Ver­letzte, der schwere Kopfwunden aufwies, wurde dem Landeskrankenhaus zugeführt, wo er, ohne die Besinnung wiedererlangt zu haben, ge­storben ist. Die Barschaft, deren Höhe nicht be­kannt ist, war geraubt. Von den Tätern fehlt jede Spur.

Schleswig-holsteinische Erhebungsfeier.

Schleswig-Holstein feierte die 85. Wiederkehr des Tages der Veröffentlichung der Proklamation durch die Provinzregierung, durch die die Erhebungskriege der beiden Herzogtümer gegen d i e Dänen- Herrschaft ihren Anfang nahmen. Die Stadt Kiel zeigte sich in schönstem Flaggenschmuck. Die Feierlichkeiten begannen mit der Kranzniederlegung am Grab der Helden von 1848 auf dem St. Jürgen- Friedhof. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Kiel des Schleswig-Holsteiner-Bundes Dr. G a r o ö gedachte der unvergessenen Opfer und gelobte, gleich den stummen Schläfern Kämpfer zu fein für Recht, Ehre und Freiheit des deutschen Vaterlandes. Anschließend formierten sich die Organisationen zu einem Fahnenmarsch nach der St. Nikolaikirche, wo ein plattdeutscher Gottesdienst statt­fand. Den Abschluß des Tages bildete eine Grenz-

Tierschuh im Frühling.

Im Tierreich entfaltet sich überall neues, fri­sches Leben. 3m Grase kriecht, läuft und springt es. 3n Bach und Teich treiben Molche, Fische und Frösche ihr Wesen. Käfer und Schmetterlinge durchschwirren die Luft. Roch ehe der letzte Schnee zerrann, ließ die Kohlmeise ihren Paarungsruf Spih-die-Schar" ertönen. Die Lerche erhebt sich trillernd in die blaue Luft. Ammern, Bachstelzen und andere Zugvögel sind zurückgelehrt. Da erschallt der Ruf des Kuckucks; seinem ersten Vernehmen sind mancherlei Auslegungen für das Leben und Wohlergehen des Menschen unter­schoben worden.

Kuckuck, ei, ich will dich fragen. Kannst du mir die Stunde sagen? Wieviel 3ahre leb' ich noch?

Lieber Kuckuck, sag' mir's doch! Horch! Der Vogel ist gefällig;

Sechzig achtzig hundert zähl' ich. Schönen Dank, Herr Kuckuck, dir! Soviel' Lenze bringe mir!

Die Züge der Meise und ihrer Verwandten zerstreuen sich allmählich und lösen sich in Pär­chen auf. Die Wohnungsnot der Vogelwelt be­ginnt. Manches traute Plätzchen ließe sich zur Kinderstube einrichten. Aber die Menschen sind oft unfreundliche Hauswirte. So groß ist die Wohnungsnot, daß Meisen in Briefkästen und Grabengeln nisten und Rotschwänzchen in fah­rende Eisenbahnwagen ihr Rest bauen. Roch ist es Zeit, Risthöhlen aufzuhängen. Es müssen keine gekauften sein. Auch zusammengenagelte Rist- kästen, richtig nach Südosten und etwas nach vorne übergeneigt aufgehängt, werden gern an­genommen. Ein in der Spitze des Dachgiebels angebrachtes Brettchen vermag der Bachstelze zu dienen, und ein ausgebrochener Ziegelstein in der Mauer macht Platz für ein Rotschwanz­nest. Die Schwalbe baut ihr Rest unter den Dachfirst. Verdrießliche Menschen stoßen es oft herab, weil die darunter liegende Fensterbank beschmutzt wird. Don neuem beginnt sie die Maurerarbeit. Ein kleines Brettchen, unter dem Rest angebracht, hilft dem Hebel ab. Sagt doch ein alter Spruch, daß Schwalben Glück und Frieden bringen.

Die Hochzeit in der Vogelwelt beginnt. Dort im Weihdornbusch am Wegrand werden in einem Astquirl Hälmchen aufgesch'.chtet. Mit Vorliebe bauen unsere geregelten Lieblinge gerade an belebte Plätze, weil sie sich da vor dem Raub­zeug am sichersten fühlen, leider aber dem schlimmsten Feinde, dem Menschen, zum Opfer fallen.

Rimmst du dem Vogel Rest und Ci, Ist's mit Gesang und Obst vorbei.

Man kaufe den Kindern keine Schmetterlings­netze! Wer Schmetterlinge und Käfer im Freien beobachtet, wird viel Freude erleben. Die Kröte, dieser häßliche Rützling, ist nicht giftig, wie man ihr nachfagt. Qual oder gar den Tod verdient sie nicht, sondern Schuh und Pflege. Den flin­ken Eidechsen, den schön gefleckten Salamandern und Molchen gönne man ihren Aufenthalt in Gottes Sonne ober im kühlen Waldesgrün. Auch die vierfüßigen Hausfreunde sollen wissen, daß der Frühling gekommen ist. Halte in der Hunde­hütte Kehraus und löse die Kette für einige Stunden.

Zu keiner Zeit ist es nötiger, die Liebe zu jeg­lichem Wesen, das da kreucht und fleugt, zu wecken, als im Frühling, wo sich neues Leben in der Ratur entfaltet und die 3ungen oder er­wachten Geschöpfe aller Schonung bedürfen.

Es schlagen die Finken von jedem Baum, Es schwingt sich die Lerche empor, wie im

Traum, Und singt ihre herrlichste Weise;

Es jubelt der Star schon vor seinem HauS,

bunbtunbgebung, in deren Mittelpunkt die Festansprache des Vertreters der deutschen Nord- schleswiger, Pastor Schmidt-Wodder, stand.

Karl Schwabes Afrikaflug.

Der deutsche 3ungslieger Karl Schwabe, Partenki^hen, der, wie gemeldet, allein mit sei­nem kleinen Klemm-Sportslugzeug einen Flug nach Kapstadt unternimmt, hat den Qlequator übeyuert. Rach den letzten Meldungen war er in Kampala. Sein Flugweg führte dann weiter nach 3nia am Victoriasee, über diesen hinweg nach Kisumu, der Stadt, die unmittelbar auf dem Ae- quator liegt. Von dort aus ging es über Rakuru nach Rairobi, wo sich auch Ernst Udet bei sei­nem Afrikaflug aufgehalten hat. Der englische Sportflieger Lord Carberry, der an den Eu­ropaslügen 1929 teilnahm und auch 1932 am Start war, hat den deutschen Fliegern gute Kamerad-' schäft bewahrt. Er erschien kurz nach der Landung Schwabes auf dem Flugplatz, um ihm zu erklären, daß er ihn gern als Gast bei sich ausnehme, so­lange er sich in Rairobi aufhalte. Schwabe will nur kurze Zeit bleiben, um seinen Flug dann nach Mosji und Tanga fortzusehen, wo er die Küste des indischen Ozeans erreicht.

vier Zuchthäusler ausgebrochen.

Aus dem Zuchthaus Ebrach bei Bamberg sind vier Schwerverbrecher ausgebro­chen. Cs handelt sich um den 32 3ahre alten Wilhelm Werner, der wegen Totschlags zu 15 Iahren Zuchthaus verurteilt war, um den ledigen 36jährigen Gärtner Max Martin, der eine lebenslängliche Zuchthausstrafe abzusitzen hat, den 32 Icchre alten Friedrich Sachse, der 8 3ahre Zuchthaus zu verbüßen hat, und um den 29jährigen Heinrich Aul, der drei 3cchre Zuchthaus absitzen muß. Unter Mitnahme von Zivilkleidung und eines Revolvers haben die Vier die Flucht ergriffen. Durch die zuständigen Behörden wurden sofort die notwendigen Gegen­maßnahmen ergriffen und die umliegenden Een- darmeriestationen wie auch die Bamberger Lan­despolizei verständigt. Die vier Verbrecher pat­ten den Aufseher überfallen und nieder­geschlagen, so daß er mit schweren Armbrü­che n und Kopfverletzungen in das Kran­kenhaus Bamberg eingeliefert werden muhte.

Ermittlungsverfahren

wegen des Reunkirchener Unglücks eingestellt.

Die Staatsanwallschaft in Saarbrücken hat das Ermittlungsverfahren, das sie anläß­lich des Reunkirchener E plosionsunglücks einge­leitet hatte, eingekeilt, da eine strafrechtlich greifbare Verantwortung einer bestimmten Per­son oder bestimmter Personen nicht festzustellen war.

Und Käfer und Bienlein, die treibt er hinaus, Zitronenfalter ziehen Kreise.

O Frühling, o Mer Frühlinasdrang, Dich kündet der Vöglein Schlag und sang;

O Herze, o Herze, du jauchzest voll Shift;

Wenn die Heimat dich grüßt aus der Vogelbrust.

(L. Ankenbrand.) ßw.

Oie Abwehr der Greuelpropaganda.

von der Kreisleitung Gießen der RSDAP. wird uns mitgeteilt:

Der Aktionsausschuß der RSDAP. im Rahmen der Abwehrbewegung der ausländischen Greuelpro- paganda ist für den Stadlbereich Gießen gebildet worden. Zum Vollzug der zu ergreifenden Maß­nahmen sind ausschließlich SA. und SS. berechtigt. Anregungen, Beschwerden und dergleichen aus dem Publikum find zu richten an den Sturmbann-Adju­tanten Heinz Horn im Parteilokal der RSDAP. (Soldan), Telephon 3786, Kreisleitung Gießen.

25 Jahre Mitglied der pserdemarkt- Deputation.

Bei dem gestrigen Frühjahrs-Pferbemarkt konnte bas Stadtratsmitglieb Apotheker Schmieder auf eine 25jährige Zugehörigkeit zur städtischen Pferde- markt-Deputation zurückblicken. In dem Vierteljahr- Hundert hat sich Herr Schmieder in eifriger Weise um die (Erfüllung der Ausgaben der Pferde- markt-Deputation bemüht, insbesondere wurde er seit Uebernahme des Vorsitzes des Verkehrsvereins immer mehr zum Hauptträger der gemeinsamen Werbearbeit der Pferdemarkt-Deputation und des Verkehrsvereins für die Pferdemarkt-Veranstaltun- gen. Der neue Vorsitzende der Pferdemarkt-Depu­tation, Bürgermeister Dr. Hamm, überreichte ge­legentlich des gestrigen Pferdemarktes dem Jubilar ein kleines Ehrengeschenk als sichtbaren Ausdruck der dankbaren Anerkennung, die ihm die Stadt für fein langjähriges selbstloses Wirken barbringt.

Erpressung in Reiskirchen.

(Linern raffinierten Erpresser fiel am Dienstag­abend ein jüdischer Kaufmann in dem benachbarten Reiskirchen zum Opfer. Dort erschien gegen 20 Uhr ein junger Mann, der sich durch eine Jnvalidenkarte als Einwohner von Bad-Nauheim legit.mierte. Er gab an, Mitglied der NSDAP, und in Gie­ßen bei der Kriminalpolizei angeftellt zu sein. Unter der Drohung, es stünden vor dem Dorfe noch acht Mann, die er holen werde, wenn seine Forderung nicht erfüllt würde, und die dann alles kaputtschlagen würden, erpreßte er von dem Kauf­mann einen Betrag von 100 Mark, der für die Par­tei verwendet werden solle. Der Erpresser hatte fogar noch die Frechheit, über den Empfang des Geldes eine Bescheinigung auszustellen. Die von dem Orts­gruppenleiter der NSDAP, in Reiskirchen und der Polizei sofort angestellten Ermittlungen ergaben, baß der Erpresser nicht der NSDAP, ange­hört, sondern als Provokateur anzusehen ist, der mit dem Namen der NSDAP. Mißbrauch trieb. Wegen ähnlicher Vorgänge soll der Täter vor einiger Zeit bereits an feiner Arbeitsstelle fortgejagt wor­den fein. Dank der energischen Nachforschungen der Gendarmerie und der Gießener Kriminalpolizei konnten der Täter und sein Komplice auf dem Gießener Bahnhof verhaftet werden. Der Täter ist der 26 Jahre alte Karl H e i n b a ck aus Bad- Nauheim, Mitbeteiligter ist fein der KPD. ange­höriger 20 Jahre alter Bruder August Heindach in Großen-Buseck. Beide befinden sich auf dem Po­lizeiamt Gießen in Haft. Im Besitz des Täters fand man den größten Teil des erpreßten Geldes noch vor.

Daten für Donnerstag, 30. Marz.

1282: Vertilgung der Franzosen auf Gedenktag der Sizilianischen Vesper.

Borrrotizen.

Tageskalender für Donnerstag. Turnverein von 1846: 20 Uhr, bei Gisset, Sitter Straße, Dorturnersitzung. Lichtspielhau^MWl- hosstraße:Ich und die Kaiserin". AstoriAHicht» spiele, Seltersweg:Eine Minute vor zwötf^. ff

Metzencr 'Lüochcnmarttpreife. j

* Giehen, 30. März. Es kosteten auf d<m heu­tigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 11C Pfennig das Pfund, Landbutter 100, Koch butter CD. Matte 20 bis 25, Wirsing (gelb) 12 bis 15, 'grün) 20 bis 25, Weißir ut 8 bis 10, Rotkraut, G< l^tRüben je 10 bis 12, Rote Rüben 10, Spinah 20 bis 25, Unter-Kohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15 bis 16, Feld- salat 80 bis 103, Zwiebeln 10, Meerrettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3, Aepfel 20, Dörrobst 35 bis 40,. Obstmus 40 bis 45. junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 70 b s 80, Russe 40; Tauben 40 bis 60 Pfennig chaS Stück. Käse 5 bis 10, Eier (inl.) 7, Blumenkohl 30 bis 60, Salat 20 bis 25, Endivien. 10 bis 23, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bisÄO; Radies­chen 15 bis 20 Pfennig das Bündel; Kartoffeln 2,50 Mark der Zentner.

** Schulpersonalien. Vom Ministerium für Kultus und Bildungswesen wurden mit sofor­tiger Wirkung in Oberhesfer fügende Be­urlaubungen verfügt: Lehr«; Dr. Balser, Wolfersheim, Lehrer Otto Grünebaum, Gie­ßen, Rektor Meyer, Friedberg, Kreisschulrat H a s e n z a h l, Schotten, Kreisschulrat Rausch, Alsfeld. Beauftragt wurden: 1 Lehrer Dr. Meuer. Alten-Buseck, mit der kommissarischen Wahrnehmung der Dienstgeschäfte des Kreisschul­rats bei dem Kreisschulamt in Schotten, Lehrer Spieß. Friedberg, mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Rektors an d-k dortigen Muster- schule, Lehrer Heinrich Walte r,'Darmstadt, mit der kommissarischen Wahrnehmung der Dienst- geschafte des KreisschulrateS b:im Kreisschulamt in Alsfeld. Weiter wurde u. a. mit sofortiger Wirkung entzogen dem Rektor Koch dasDek- toramt der Berufsschule in Offenbach, dem Rektor Reiber das Rektoramt an der Dallonschule in Darmstadt, dem Rektor 3. E o) m i b t in Offen­bach das Rektoramt, dem Aektr Wagner das Rektoramt der Knabenschule am Friedrichsplatz in Offenbach, der Rektorin M 0 u f a n g das Amt als Rektorin der Bernardschule in Offenbach, dem Handelsstudiendirektor Dr. Diehl die Leitung der kaufmännischen Abteilung i)er Berufsschule in Darmstadt, der Direktorin Faßbender die Lei­tung der Mädchenberufsschule in Offenbach. Be­auftragt wurden: Rektor Gol in Offenbach mit der gleichzeitigen Wahrn-chmung der Rektor- gefchäfte der Knabenschule am Friedrichsplatz. Lehrer R e e b in Darmstadt mit der Leitung der dortigen Kyritzschule, Rektor W i r t h w e i n. Of­fenbach mit der Leitung der allgemeinen und der gewerblichen Abteilung der Berufsschule cm Fran­zösischen Gäßchen in Offenbach, Rektor Zahn in Offenbach mit dem Rektoramt der Bernardschule dortselbst.

** Die Bautätigkeit ift Gießen. In dem Haufe Bahnhofstraße 41 wurde durch Umbau ein Friseur- und Zigarrenladen geschaffen. Nachdem diese Läden bezogen sind, wird jetzt das Haus Bahn­hofstraße 33, Ecke Wolkengasse, für die Verlegung des Kaifermagazins, bisher Srltersweg 2, umgebaut. Das Haus Bahnhofstraße- 2>) ist zum Abbruch ge­stellt, da an dieser Stelle ein modernes Wohn- und Geschäftshaus errichtet werden soll.

** I n bic Hobelmaschine geraten. Gestern nachmittag wurde der 65jährige Schreiner- meister Heinrich Knaus von Düdelsheim (Kreis Büdingen) in die hiesige Chirurgische Klinik einge­liefert. Er war mit der rechtest Hand in die Hobel­maschine geraten und hatte so schwere Verletzungen erlitten, daß der die erste Hilse leistende Arzt die Ueberführung in die Kttstik veranlaßte. Das Be­finden des Verunglückten.D den Umständen ent­sprechend leidlich.

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Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernkmckt die Redaktion dem Publikum gegenüber1, keinerlei Verantwortung.)

Die Platzmuflk in )er Süöanlage.

Unsere Bataillonsmufiv konzertierte aus Anlaß des großen Tages von Potsdam in der Südanlage. Sie hatte, wie gewöhnlich, im trefften Teil der An­lage Aufstellung genommen ®nb war umlagert von Hunderten von Menschen. Viele, die draußen wan­dern muhten, hörten nur bie große Trommel und einige Töne. Viel geeigneter wäre für die Kapelle ein etwas erhöhter Platz, wo die dichte Menfchen- mauer tiefer stehen könnte, und dadurch auch den anderen Konzertbesuchern die Musik hörbar würde. Vielleicht wäre vorerst kleine Hügel an der Steingruppe ein besserer Platz oder der Platz am Ausgang der Plockstraße, auf dem vielleicht mit geringen Kosten ein Podium zu errichten wäre. W.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechrsgurachten sind ohne Verbindlichkeit der Sdjrihleitung »

Stammtisch henkel, Walltorstrahe. Schloß Stolzen­fels am Rhein wurde von 18361845 von Friedrich Wilhelm IV. nach Plänen Schinkels erbaut. Im Jahre 1926 ist bas Schloß dem preußischen Staat zugefallen.

Alter Abonnent, wieseck. Wir konnten leider keine Anhaltspunkte zur Beantwortung Ihrer Fragen er­mitteln.

Wettervoraussage.

Die Jslandstöruna nimmt ihren Weg noch Nord- skandinavien zu, ohne bedeutendere Einflüsse auf unser Wetter zu gewinnen. An ihrer Rückseite fließt allerdings kühlere Luft südwärts, die bei dem Vor­dringen nach oem Kontinent Anlaß zu Nebelbildun­gen und vorübergehender Bewölkung geben und sich auch auf die Temperaturen etwas auswirken wird. Gleichzeitig ist aber damit von Westen her erneuter Luftdruckanstieg verbunden, so daß die Hochdruckwet­terlage bald roieberhergefteUt sein wird.

Aussichten für Freitag: Dunstig und wolkig, mit Aufheiterung, etwas kühler und trocken.

Aussichten für Samstag: Rach Früh­nebel wieder aufheiterndes und trockenes Wetter.

Lufttemperaturen am 29. März: mittags 17,4 Grad Celsius, abends 8,2 Grad; am 30. März: more­gens 0,8 Grad. Maximum 18 Grad, Minimum1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 29. März: abends 11,8 Grad: am 30. März: morgens 5,5 Grad. Sonnenfcheindauer 10 Stunben.

Aus der provinzialhaupistadi.

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