Mr 15000 Abiturienten werden 1034 zum Hochschulstudium zugelassen.
Erste Maßnahmen gegen die Lleberfüilung der höheren Schulen und Llniver- fi.öten. - Oie Richrzahl für Hessen 340. — Abiturienten ohne Hochschutt eise werden praktischen Berufen zuge-ührt werden.
Kunden sind. Wenn für das Äufrüifen in die höhere Besoldungsgruppe das Bestehen einer Aufstiegs- Prüfung oorgeschrieben ist, müssen die Beamten diese Bedingung erfüllen.
An SA. unO SA «ReserveI
Neujahrsbefehl?
Am Ende des scheidenden Jahres gehen unsere Gedanken rütfroärls Trotz aller Miesmacherei Berufener und Unberufener können wir feftfteUen: Das Jahr 1933. trüb am ersten Tage seines Laufe», geht strahlend als das Jahr des Sieges zu Ende. Dank der unermüdlichen Tatkraft unseres Führers, der niemals die Zuversicht verlor, der niemals an den Fähigkeiten des deutschen Volkes zweifelte, dank den Opfern der Toten unserer SA. ist Deutschland noch einmal emporgerissen worden. Neben dem Verdienst des Füh- rers, neben dem Opfer der Toten verblaßt jedes andere Verdienst Am 12. November 1933 hat das deutsche Volk in nahezu hundertprozentiger Einigkeit voll Vertrauen das weitere Schicksal der Nation in unsere Hände gelegt.
Der Führer hat in seiner Rede an die Reichstagsfraktion zum Ausdruck gebracht: Der Erfolg diese» Tages beweist nicht unsere Tüchtigkeit, son
dern beweist einzig und allein, daß trotz allem die- ft» deutsche Volk das alte, anständige Volk geblieben ist. Und wenn wir nun in das Jahr 1934 hineingchcn, dann kann die Parole nur mehr denn je lauten. „M I t unserem Führer für das deutsche Volk."
Mit unserem Führer, dem wir Männer der SA. mit Leib und Leben verschrieben sind, für da» Volk, dem wir angehören und auf das stolz zu fein wir endlich wieder eine Berechtigung besitzen. Auch die Zukunft kann uns nicht mit Sorge erfüllen. Die SA. wird den Matz im Staate erhalten, den sie braucht- dafür ist uns die Person des Stabschefs Gewahr, der immer noch das errungen hat, was notwendig war. Im Vertrauen zu ihm, im Glauben an den Führer gehen wir in das Jahr 1934 hinein. Möge kommen, was kommen mag, in Freud oder Leid, In Sieg oder Tod, in Kampf ober Frieden, wir wollen und wir müssen fein d i e schlichten Soldaten einer schlichten Idee, der Ä>ee, die nichts anderes kennt als Deutschland, nur Deutschland. Und deren Inbegriff nicht anders heißt als Adolf Hitler.
Sieg Heil!
Der Führer der Obergruppe V (Frankfurt a. M.) gez. v. I a g o w, Obergruppenführer.
Kameraden der SA -Reserve I?
Ein für unser deutsches Vaterland und auch für ben Bund der Frontsoldaten ereignisreiches Jahr neigt sich seinem Ende zu! Das Jahr 1933 mit sei- nen Geschehnissen wird wohl in der Geschichte der- maleinst einzig dastehen und einem 1813 gleich zu achten sein! Eine gütige Vorsehung hat-das große Werk Adolf Hitlers gelingen und den in Taufenden von deutschen Herzen seit langen Jahren still glü- henden Wunfch in Erfüllung gehen lassen!
Wenn man auch manchmal zu träumen glaubt: W i r find wieder Deutsche und dürfen wieder deutsch fühlen, denken, spre- chen und handeln! Und so muß bi« jetzige Jahreswende für einen jeden von uns Anlaß sein, rückschauend sich über die Größe bes gigantischen Befreiungswerkcs Adolf Hitlers klar zu werden und ihm dadurch zu danken, daß er ihm für das kommende Jahr unwandelbareTreuebiszum Letzten gelobt! Wir Stahlhelmer find unserem Führer besonders zu Dank verpflichtet. Es liegt eine erneute, hohe Anerkennung der im Stahlhelm zusammengeschlossenen Frontsoldaten seitens des Führers und seines Stabschefs darin, daß er »ns mit der Aufstellung der SA. -Re- ferne I betraut hat. Wir alten Soldaten gehen mit stolzer Freude an diese Aufgabe heran und wollen dem Führer beweifen, daß wir festen Willens sind, unter seiner Führung sein Werk ausbauen zu helfen und zu sichern! In der Treue und dem Gefolgschaftswillen wollen wir von der S-A.-Res. I. uns von Niemanden übertreffen lassen, denn wenn wir Feldgrauen einem Führer die Treue geschworen haben, dann halten wir sie bis zum letzten Blutstropfen!
Möge der Himmel unserem Führer noch viele Jabre erfolgreichen Schaffens vergönnen zum Wohle unseres geliebten deutschen Vaterlandes. Wir Stahl- Helmer aber folgen ihm, wohin er uns führe! Dies jei unser Wunsch und Wille für bas Jahr 1934!
Front Hell! Heil Hitler!
Gez.: Keßler, Lanbesführer LV. „Hessen".
linien abhängig machen, dürfen nicht diese Bczeich- nung führen. Mit der Führung der Preußischen Landesslelle für volkstümliches Bürcherciwesen ist kommi'wrisch ber Führer des Derbanoes Der Deut- fdjen Dokksbibliothckare EV. Dr. Schuster beauftragt worden. Einmischungen nid)t,=iuftänbiger Stellen sind ihm sofort zu melden.
Theaterbesuch ist nationale Pflicht
d e r l i n, 28. Dez. (WTB.) In einem Rundbrief an bie Intendanten ber städtischen Thraker Preu- ßen» weift -vtaatskommiliar Hans Hinkel als Leiter bes amtlichen Preußischen Theakerausschuffes darauf hin, day ,eber Volksgenosse, der in aus- reichendem Maße in Arbeit und Brot stände, die nationale Pflicht habe, durch leinen dauern- ben Besuch bas deutsch« Theater zu färbe rn. Staat unb Bewegung, Länber und Kommunen würben ihr Beste» tun, um ben Be- stanb ber beutschen Bühnen zu sichern. Der gleiche Staat forbere aber beshalb auch in besonderem Maße den Theaterbesuch als nationale Pflicht Die Buhnenleiter werben ersucht, die Parole ..Äraft durch Freude" wahrzumachen, sich — soweit e» ber Bestand ihres Instituts zulas,e — in ben Dicm't ber Organisation „Nach ber Arbeit" zu stellen unb alle» zu tun, um bie lebenbigste Verbindung zwilchen dem Theater, dem Volk und dem Kampf der Gegenwart herzustellen. An alle Organisationen er- roerbstätiaer Volksgenossen ergehe ber Ruf: Helft dem um seinen Bestand ringenden beutschen Thea- ter, in bem ihr euren Mitgliebern ins Gewissen ruft: Theaterbesuch bedeutet Dienst am Volk, Theater- besuch ist nationale Pflicht!
©06 künftige Programm der „Deutschen Christen". Erklärung deS neuen Reichöleiter».
Berlin, 28. Dez. Dr. jur. Ehriftian Kinder teilte ber Schriftleitung ber „DAZ." ben Wortlaut der Erklärung mit, bie er al» Ausgangspunkt feiner zukünftigen Wirksamkeit als Reichsleiter ber Deut- ichen Christen betrachtet:
„Die grunbsätzliche Aufgabe der Deutschen Ck)ri-^ sten ist bie Ueberwindung ber Gruppen- bilbung innerhalb bes evangelischen Kirchenvolkes. Das Fuhrerprinzip aeftattet nicht bas Auftreten von Sonbergruppen, auch nicht in ber Evangelischen Kirche. Es ist die weltgeschichtliche Stunbe be» beut» ichen Volkes, bah es unter ber starken Führung Aböls Hitlers sich als nationalsozialistisches Volk über alle Klassen unb Stanbe hinweg du r Einheit jufammengefunben hat. Dieses nationalsozialistische Volk in seiner evangelischen Glaubenshaltung in Einheit zusammenzufassen, war bie ursprüngliche Aufgabe ber Deutschen Christen unb wirb ihre ausschließliche Aufgabe w i e b e r fein. Die mancherlei Glaubensfragen, bie bie Menschen gestern unb heute bewegt haben unb auch in Zukunft roicber bewegen werden, sollen derKirche selb st vor- behalten bleiben. Zur Dokumentierung dessen wirb bie Bezeichnung „Glaubensbewegung" hinfort nicht mehr geführt werben. Unter ber Bezeichnung „Deutsche Christen" wird das Ziel des Zusammenschlusses ber Nationalsozialisten in ber Evangelischen Kirche burchgeführt werben. Damit kehrt bie Bewegung zu ihren ursprünglichen Ausgaben zurück.
Orr ceutfef e Tiechisstand proklam eri.
München, 27. Dez. (TU.) Aus Anlaß be-3 Ab- schlusscs ber organisatorischen Arbeiten bes Ausbaues ber Deutschen Rechtsfront und des Bundes Nationalsozialistischer deutscher Juristen v.-rsam- melte Reichsjustizkommissar Dr. Frank bie Reichs- sacharuppenleiter ber sämtlichen Berufsgruppen bes beutschen Juristentums unb aller mit bem Recht wurzelnben Amtsträger einschließlich ber Wirt- schastsrechtler, also ber Volkswirte unb Wirtschaft»- treuhänder, im Hause ber Deutschen Rechtsfront. . Dr. Frank dankte feinen Mitarbeitern für die ge« leistete Arbeit unb proklamierte ben deutschen Rechts st and, der alle Arbeiten am Recht umfaßt, deren charakteristische Funktionen in ber Betreuung unb Durchsetzung bes Rechts in allen Le- bensbereichen bes beutschen Volkes liegen.
Der Deutsche Anwaltoerein, die größte bisher in Deutschland bestehende Juristen Organisation, -ist aus einer Vollversammlung ber Mitglieder aufgelöst worben. Die Mitglieder sind einzeln in den Bund nationalsozialistischer deutscher Juristen aufgenommen und in die Reichsfachgruppe Rechtsanwälte eingegliedert worden.
Diejenigen Abiturienten- denen die Hochschulreife versagt wird, sollen damit keineswegsals allgemein minber befäl)igt gekennzeichnet fein; sie sind nur burch ihre Anlage auf Berufe verwiesen, für bie es bes theoretischen Stubienganges burch die Hochschule hindurch nicht bedarf. Daraus ergibt sich, daß es nicht angängig ist, bei der Zuer- kennung der Hochschulreife eine bereits bestehende Berufsabsicht des Reifeprüflings zuarundezulegen; ferner ergibt sich daraus, daß bie Zulassung kein müheloser Vorzug ist, fonbern daß ein hohes Maß von Eigenoerantwortung von dem Hochschulberech- tigten erwartet und gefordert wird. In den folgen-
B < r l i n, 28. Dez. (TU.) Der Reichsminister des In- nern hat die Zay 1 der Abiturienten denen im Jahre 1934 bie Hochschulreife zuerkannt wirb, auf 15 000 begrenzt. Die Hochschulreife soll nur benjenigcn Abiturienten zugesprochen werben, bie geeignet erscheinen, ben befonbe» ren burch die Hochschule gestellten An- forberungen nach ihrer geistigen unb körper- lichcn Reife, nach ihrem Charakterwert unb ihrer nationalen Zuverlässigkeit zu genügen. Die Richt- zahl von 15 000 verteilt sich auf bie Lander wie folgt: Preußen 8 984, Bayern 1 670, Sachsen 1 339, Württemberg 611, Baben 574, Thüringen 390, Hessen 340, Hamburg 398, Mecklenburg 172, Dl- benburg 122, Braunschweig 122, Anhalt 87, Bremen 105, Lippe 40, Lübeck 34, Schaumburg-Lippe 12. Es bleibt bem einzelnen Canbe überlassen, bie ihm zugewiesene Zahl auf bie einzelnen An- st a l t e n entroeber voll umzulegen ober ben Prü- fungskommissaren zu ermöglichen, ben Ausgleich unter ben einzelnen Anstalten burch Verfügung über einen ihnen oorbehaltenen Anteil an ber Gesamtzahl herbeizuführen.
Diejenigen Länber, bie ihre künftigen Volks- schuIlehrer aus ber Zahl ber Abiturienten mit Hochschulreife entnehmen, können bie ihnen zugewiesene Zahl um sooiele Abiturienten erhöhen, wie sie an Lanbesangehörigen 1934 zu ben Lehrerbildungsanstalten zulassen.
Die Zahl ber Abiturientinnen, benen bie Hochschulreife zuerkannt wirb, ist nicht gefonbert bestimmt worben; jeboch barf ber Anteil ber Abiturientinnen an der Gesamtzahl ber Hochschulberechtigten in keinem Lanbe 10 v. H. ber zugewiesenen Zahl überschreiten.
Die Zuerkennung oder Versagung ber Hochschulreife darsnichlaufdem Reifezeugnis vermerkt werben. Heber bie Zuerkennung der Hochschulreife ist neben dem Reifezeugnis eine besondere Bescheinigung zu erteilen. Der Abiturient barf bei der Bewerbung um einen praktischen Beruf von dieser Bescheinigung keinen Gebrauch machen; die an- stellende Stelle darf die Vorlage der Bescheinigung nicht verlangen. Die Abiturienten ohne Hochschulreife praktischen Berufen zuzuführen, ist der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung übertragen worden. Die Berufsberatungvstellen sind angewiesen, durch ihre fachlich besonders vorgebildeten Berater eine sorgsame Linzelberatung durchzuführen und bie Unterbringung in geeignete Lehr- unb Ausbildungsstellen vorzunehmen. Die dazu notwendigen Lehr- und Au s - bllbungs ft eilen sollen in allen Berufen bes Handwerks, des Handels, der Industrie und der Landwirtschaft, sowie bei staatlichen und kommunalen Behörden durch planmäßige ID et- bung beschafft werden. An alle fireife der Wirtschaft und die Personalstellen der Behörden ergeht der Ruf, durch Bereitstellung von Lehr- unb itusbilbungsffeUen daran mitzuwirken, daß die im Frühjahr aus den höheren Schulen zur Entlassung kommenden wertvollen jungen Menschen zweckmäßig In das wirtschafts- leben eingegliedert werden können.
den Jahren wird eine von Jahr zu Jahr teilweise festzusetzenbe weitere Senkung ber Richtzahl eintreten. Es wäre nicht zu rechtfertigen, wenn auf die folgenden Jahrgänge, bie als Kriegsgcburlen- Jahrgänge schwächer beicht sind, nicht bie gleichen Maßstäbe an Auslesescharfe angewandt mürben; ge- rabe biese Jahrgänge haben nochgewiesenermahen eine besonbers hohe Zugangshäujigkeit zu ben hö- Heren Schulen gezeigt. Im übrigen ist vorgesehen, durch neue Auslcsebestimmungen bie Zahl ber Besucher ber höheren « chulen , vor allem ber Oberstufe künftig so zu senken, baß ein (Eingriff bei ben Abiturienten nicht mehr erfor- berlich ist.
Oer sächsische Vollöbildungsmimster Or. Sarfnade
gab Erläuterungen unb Begrünbungen für die Maßnahmen zur Begrenzung des Hochschulzuganges. Mit bem Absinken ber Nachwuchs zahlen sei ein Ansteigen bes Zustroms zu den gehobenen geistigen Berufen einhergegangen. Um bie Jahr- hunöertroenbe habe es in Dcutschlanb etwa 8000 Abiturientenzeugnisse im Jahre gegeben. 1932 waren es 43 000 Abiturientenzeugnisse. Neben jeber 22. Kinberwiege habe ein Menschenkind mit Hochschulreife gestanden. Hier habe ber neue Staat mit Nach- druck eingreifen müssen. Die Zahl ber Neuirnmatri, Motionen habe zu Ostern 1931 29 700. Ostern 1932 24 700 betragen. Als Stubienneuzugang wären bei allergünstigster Rechnung etwa 10 500 Neuirnmatri- fulierte zu oerwenben.
IDer die Zahl der 15 000 Studienberechtigten, die das Reichsinnenministerium überdie 1 0500 hinausgchend festgesetzt hat, für zu eingreifend halte, der möge sich darüber klar werden, daß in Wirklichkeit überhaupt kein Bedarf an Reuzugang zum Studium vorliege. Die vorhandene Staumasse würde nicht einmal völlig verebben, wenn die vier folgenden Iahre überhaupt ausfallen würden.
Daher sei bie Beschränkung auf 15 000 Studien- berechtigte nur zu verteidigen im Hinblick darauf, daß es eine_ Ungerechtigkeit wäre, diese Jahrgänge überhaupt für das Studium ausfallen zu lassen. Sie sei ferner nur verantwortbar, wenn man annehme, daß von dieser Zahl nur ein Teil wirklich studiere. Den Eltern müsse man sagen, daß Volk, Staat und Wirtschaft nicht für ihren Sohn da seien, sondern ihr Sohn müsse sich dort einordnen, wo man i h n brauchen könne. Das sei der Sinn des Nationalsozialismus.
Neuordnung des Bücherei- wesens in Preußen.
Berlin, 28. Dez. (WTV-) Minister R u st hat eine Neuordnung des Büchereiwesens in Preußen vorgenommen. Es wird eine Preußische Lanbeste ll e für volkstümliches Büchereiwe- e n geschaffen. Ihr werben der Beratende Ausschuß ür volkstümliches Büchereiwesen, ber Sonberaus- chuß für Katalog-Fragen und die entsprechende Prüfungskommission angegliedert.
Die Landesstelle ist die alleinige Vertretung der Volksbüchereien in Preußen, sie übernimmt auch den gesamten grundsätzlichen Schriftverkehr mit den zentralen Stellen, die Führung in der Katalogarbeit unb der allgemeinen Schrifttumspflege. Die staatliche Beratungsstelle erhält für ihr Gebiet die Fachaufsicht über alle Büchereien und ist verpflichtet, sofort die vorhandenen Büchereien betreffs ihres Buch- ftanbes zu überprüfen. Von dieser Prüfung rst le- diglich ausgeschlossen das spezifisch kirchliche und re- ligiöfe Schrifttum der konfessionellen Büchereien.
Als öffentliche Büchereien sind lediglich die Büchereien anzusehen, die ihre Arbeit als eine öffentliche Funktion im Sinne der nationalsozialistischen (Erneuerung der Gemeinschaft ansehen und in allen grundsätzlichen Schrifttumsfragen die öffentliche Aus- sicht anerkennen. Büchereien, die ihren inneren Aufbau ganz oder teilweise von nicht staatlichen Richt
Gtatifterie.
Don Per Gchwenzen.
Gr war einer von den zähen Burschen, die sich eine ganze Jugend lang tapfer gegen ben Begriff ber Arbeitslosigkeit gewehrt hatten. Er war auf bie §°lze gegangen, hinter ber Arbeit her wie ein topürbunb aus ber Fährte bes Wilbes. Er hatte bas Heu ber Bauern im Marfchlanb unb in Hessen geroenbet, er hatte in Nachtlokalen die Debe des Betriebes hinter ber Serviette vergähnt, er hatte in fle,4'ppt ^"Waffeln auf Sportplätzen verkauft. Er war wochenlang auf einem gepumpten WrS^WrhT d" Ausgabestelle bes kostenlos verteilten „Arbeitsmarktes mit vielen Schicksals- gestörte! 6tra6cnrenn,n um die letzte Chance eln^Xn"^10!9*9.’ er ,n e,ner Kneipe einen alt» n «schauspieler tennengelemt. Der hatte
Th TV” Filmbörse genommen unb einem Aufnahmeleiter vorgestellt. Mit einigen Schwierig. feUen roar es ihm gelungen, Zulassung zur ,,Bör e" au erhalten. Seine Karte ftanb mit vielen anberen *n d" Kartothek be» Büros. Seit vier Wochen saß er aUabenbhd) hier und bot seine Person ben sor- tlercnben Augen ber Aufnahmeleiter ober Hilfsregisseure bar, bie Statisterie und kleine Rollen für ben kommenden Drehtag suchten Er saß ziemlich hoffnungslos da in seiner zerschlissenen Montur bes »leinen Dajclnsfämpfers. einem abgewetzten Anzug von der Stange des Konfektionsjahres 1931. Er blies ben Rauch ber 2'/»-Psennig-Zigarette gegen bie Hangelampe unb versuchte nachzubenken. Es gelang ihm nicht.
Um ihn her ging es ziemlich geräuschvoll zu Junge Leute kritisierten die Neuerscheinungen ber Filmsaison. „Mißerfolg macht auf bie Dauer auch bie Gescheiten hochmütig, Erfolg nur bie Dummen .. hatte ber alte Schauspieler zu ihm gesagt. Er hatte es damals nicht verstanden. Ueberhaupt — er war ja kein Schauspieler! Er schämte sich ein wenig, sich hier hineingeschmuggelt zu haben — Da trat ein Ausnahmeleiter an ihn heran- „Sind Sie frei fik morgen? Punkt sieben Uhr früh. Cicero, ftrafie *
Es war ein Kurzfilm Er mußte seinen Namen Beim Portier nennen. Der Portier überflog tu’
Auge unb Zeigefinger die lange Namensliste der Beschäftigten. „Hubert Wendt, stimmt." Er konnte passieren. Er meldete sich beim Aufnahmeleiter, der mit dem Tonmeister im Atelier verhandelte. Nein, er brauche sich nicht schminken zu lassen. Es handle sich nicht um Nahausnahmen.
Außer ihm waren noch zwei junge Leute aus ber Börse unb zwei Damen da. Die Hauptbarsteller kamen eben fertig geschminkt aus ihren Garberoben. Der Regisseur trieb unb hetzte, ber Tonmeister brachte seinen Tonwagen in Stellung, bas Mikrophon würbe so nahe wie möglich an bie Dekoration, Fensternische eines Cafes, herangeschoben und Spiel unb Dialog würben probiert. Hubert begriff, oaß ber Film an einem Tage zu Ende gebreht rocrOen solle, benn ber Regisseur, der sichtlich nervös rour, peitschte ein Mvrdstempo auf, probierte jede einzelne Szene ein, zweimal und ließ sofort drehen.
Das Leben des Komparsen besteht wie das des Soldaten nach altem Sprichwort aus Warten: „Die Hälfte seine» Lebens — wartet der Komparse vergebens". — So auch hier. Hubert ging mit seinen Kollegen in die Kantine. Man saß unb las unb rauchte unb versuchte bie Zeit mit Witzen totzu- rrr9en- Ader ber Humor war ein bißchen dick- flufüg an biefem leicht verschlafenen Vormittag. Gott, wie Hubert biese mübe Stimmung bes War- tens haßte! Lieber hätte er Szene nach Szene pro- °,<r< a.nter der Schminke geschwitzt unb sich brennende Augen im Strahl ber Jupiterlampe geholt — als hier in brr Kantine au blöbeln unb zu gähnen — roie hinter ber Serviette bes Nachtkellners... Jni Auf unb Hb seines jungen Lebens war ihm Immer nur eines verhaßt gewesen: warten, nichts tun, unausgenutzt sein...
Es war eine Dual! Einen ganzen geschlagenen —'Minä.^dtuhestellung zu verharren- ^itungen 2? ,,n - -'ne Erbsensuppe -
ein Kaffee — ein leises Gähnen — tote Minuten lüften in d" Mitte eines arbeit»-'
lüsternen, unwirberbringlich oerrinnenben Lebens! «•h’I?1’«?' W'unb5roanVg Uhr, würben sie geholt Es banbrlte sich darum, mehrmals ui iroeien oon redjts, allein von links, zu dreien von lin!s un? IV efn,nD°kbhX6n °hm* ?U ^hcn
t ifononen Pasiantrnverkehr auf der
<9<n. langwelligste Statisterie aljol Ader irgend
was bäumte sich in ihm, ein beißender Humor wehrte sich in ihm dagegen, zwölf Stunden gewartet zu haben, um wie ein Perpendikel auf unb ab zu penbcln. Nein! Er wollte in drei Teufels Namen die Sache so gut wie möglich machen? Darsteller — bas war er hier — unb er hielt es für leicht un- wahrscheinlich, daß die Passanten hinter einem Kaffeehausfenster einander so restlos ähnlich sehen sollten! Und er verwandelte sich! Er war der Passant A., mit hängenden Schultern, daherschleichend wie das böse Gewissen — er kam gleich daraus — von rechts nach links — strahlend und leichten Schrittes zurück als der Herr B., der soeben das große Los kassiert hatte. Er warf seinen Haarschopf bald nach links, bald nach rechts, er ließ bie Mähne in bie Stirn hängen, trug Filzhut unb Pfeife, er ging mit Fettscheitel unb Zigarre, er war in jebem Gang ein onbercr. Er nahm allen Umftehenben bie Kleibungsstücke weg, er setzte bie Melone bes Tonmeisters auf unb holte sich ben Kamelhaarmantel unb Silberkrückenstock bes Regisseurs aus ber Garderobe. Er war ganz auf der Höhe! Unb er drang durch...
Erst lachten bie Kollegen, bann die Arbeiter, die Operateure, bie Tonleute, ber Aufnahmeleiter, der Regisseur... .
Ueber Hubert kam eine nieaefannte Begeisterung — unb sie schmolz ihn um, schmolz seine ©lieber, kürzte sie, streckte sie, lockerte, straffte, verwandelte ibn. Er lief oierunddreihigmal hin und her, auf und ab, unb immer kam ein anderer Mann. Die Hauptbarsteller lagen im Fenster ber Dekoration unb schrien vor Lachen Der Regisseur putzte bie Tränen von ben Brillengläsern, ber Operateur hatte aufgehört zu drehen — und Hubert merkte nicht einmal, daß er eine Solooorftellung, eine private Einlage zur Belustigung des Atelier» gab, während die dreimal heilige Zeit — diesmal für die Filmgesellschaft — ungenützt verstrich.
Plötzlich rief der Regisseur, als wäre der Blitz in ihn gefahren: „Mann Gottes? Sie sind engagiert!"
Hubert blieb bis Mitternacht im Atelier. Der Regisseur verpflichtete ihn mit Handschlag und Handgeld für seine kommende Filmgroteske. Als Ber- wandlungskünftler.
Glücklich sah Hubert abends, mit seinen jungen Hoffnungen allein in einem Cafä vor einer halben Flasche Dein. Draußen ging ein Monn in dünnem
Mantel vor dem Fenster auf und ab. Er »artete offenbar auf den Autobus. Ging immer auf unb ab, immer fröftelnb auf und ab. Er sann nach — kannte er diesen Menschen nicht? War er das nicht selbst — in diesen hoffnungslosen Tagen...? Er ging hinaus, er wollte diesen frierenben Menschen zum Abendessen einlaben, aber al» er hinauskam, war er fort ... ins Dunkel der Nacht verschwunden...
3eiffd)riften.
— Die „Berliner Illu strikte" bringt In ihrer letzten Nummer u. a. eine gute Wiedergabe ber Hitler-Büste bes Gießener Malers unb Bild- Hauers Hellmuth Mu e 11 e r • C c u t e r t, ferner eine Anzahl luftiger Siloesterzcichnungen von Paul Simmel, außerbcm eine (hoffentlich echte) Aufnahme ber berühmten englischen Seeschlänge.
ÖodifebulnadindHen.
Der o. Professor für Mathematik an ber lechni- schen Hochschule in D a r m ft a b t, Geh Hofrat Dr. Fakob Horn, ist mit Wirkung vom 1 April 1931 ab in ben Ruhestanb versetzt worben. Horn stammt aus Rehbach im Obenwalb, habilitierte sich 1890 in Freiburg, kam 1892 an bie Technische Hochschule in Berlin, würbe später Ordinarius ber Mathematik an ber Bcrgafabemle zu Clausthal unb 1907 Nachfolger Gunbelsingers in Darmstadt.
Der Ordinarius und Direktor des Physikalisch- Chemischen Instituts, Dr. M. Trautz in Heidc 1- berg, hat einen Ruf als o. Professor sür anorganische Chemie nach Rostork erhalten.
Professor Dr. Heinz B u r M e • b e 1 a Como von ber Unioerfitat München ist als Nachfolger von Profesior Magnus (Der, wie gemeldet, vor kurzem die Leitung der früheren Bierschcn Klinik in Berlin übernommen hat) zum Chefarzt der chirurgisrhen Abteilung des Krankenhauses Berg» mannsheil in Bochum berufen worden.
Auf Grund bes Gesetzes zur Wieberherstellung des Berufsbeamtentums ist bem nichtbeamteten ao. Professor Dr. Lubwig Wolf an ber Unioerfität Berlin unb bem Honorarprofessor Dr. Herbert Freundlich an ber Universität unb an ber Technischen Hochschule Berlin die Lehrbefugnl» entzogen worden.


