Nr. 201 Srühausgabe
183. Jahrgang
Dienstag. 29. August 1033
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil L D. Th^ümmel sämUich in Bietzen.
Oes Volkes Dank an den Befreier Ostpreußens.
Berlin. 28. Aug. (VDZ.) Der Dank des deutschen Volkes, der dem Reichspräsidenten oon Hindenburg, dem Befreier Ostpreußens, am Tage von Tannenberg feierlich abgestattet wurde, ist äußerlich durch ein Reichsgesetz und ein preußisches Gesetz vollzogen worden, die beide mit Dem Datum vom 27. August 1933 veröffentlicht wurden und rückwirkend vom 1. Juli 1933 an in straft getreten sind.
Das preußische Gesetz, das die Unterschrift sämtlicher preußischen Minister trägt, sieht vor, daß zum ..Rittergut Neudeck mit Preußenwald" 1. das bisherige Rittergut N e u d e ck in einer Größe von rund 811 Hektar gehört, ferner die bisherige preußische Domäne Langenau von über 1044 Hektar Größe und schließlich der bisherige preußische Forst Königswald in Größe von über 1351 Hektar.
Das Reichsgesetz über die Befreiung des Reichspräsidenten von Hindenburg von Reichs- und Landes st euern für das Rittergut 91 e u b e cf bestimmt: „Reichspräsident v. Hindenburg und seine Abkömmlinge werden für das Rittergut Neudeck von der Zahlung der Steuern des Reiches und des Landes Preußen für die Zeit befreit, in der sich das Rittergut im Besitz eines männlichen Erben befindet."
In der preußischen Geschichte sind um den Staat oder im Kriege verdiente Männer zu wiederholten Malen durch besondere Dotationen ausgezeichnet worden, die nicht den Charakter eines Geschenkes, sondern einer besonderen Nationale!)- rung trugen. Schon Friedrich der Große gab seinen verdienten Generälen Domänen zu eigen, um ihnen damit den Dank des Staates und des Königs für ihre Verdienste abzustatten. Fontane erzählt in seinen „Wanderungen durch die Mark" davon, daß so auch nach dem Siebenjährigen Krieg im Jahre 1763 die beiden Generäle von Prittwitz und von Leßwitz Domänen aus dem früheren Besitz der Markgrafen von Brandenburg- Schwedt erhielten, der an die Krone zurückgefaUen war. Leßwitz hatte in der Schlacht von Torgau durch Zusammenfassung von in Unordnung geratenen Truppen wesentlich zur Entscheidung mitbeigetragen und Prittwitz hatte in der Schlacht von Kunersdorf dem König das Leben gerettet. So ging damals über die beiden Generäle das Wort um: Leßwitz a sauv6 l’etat, Prittwitz a sauvö le roi.
Nach der glücklichen Beendigung des Krieges von 1813 wurden am 3.6.1814 Blücher und Hardenberg in den Fürstenstand und Gneisenau, Tauentzien, Yorck. B ü l o w und Kleist in den Grafenstand erhoben. Gleichzeitig wurde vom König bestimmt, daß die auf diese Weise Geehrten außerdem eine Dotation in Gestalt von Landbesitz erhalten sollten, der den Grafen ein jährliches Einkommen von 8000 Reichstalcrn und den Fürsten von 12—18 000 Neichstalern bringen sollte. In einem Immc- diatbcricht des damaligen Staatsmirnstcrs Graf Bülow wird dargelegt, daß hierfür Domänen in dem alten und neuen Staatsgebiet und aus dem säkularisierten Besitz in Frage kämen und daß die Dotation für die Fürsten auf etwa 20—30 000 Reichstalcr erhöht werden müsse. Bülow wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß Metternich und Schwarzenberg in Oesterreich Dotationen von ungefähr 50 000 Gulden jährlich erhalten hätten. Der Minister Graf Bülow setzte sich nun mit den Herren wegen der Auswahl des Landbesitzes in Verbindung, wobei Hardenberg die Güter für sich wünschte, die heute noch die Herrschaft Neu-Hardenberg bilden. Blücher erhielt die Herrschaft Kriebelwitz in Schlesien, G n e i s e n a u Sommereschenburg in der Provinz Sachsen und Yorck Klein-Oehls. * .
1866 erhielten der Ministerpräsident Graf D t s- marck 400 000 Taler, der Kriegsminister General v. Roon 300 000 Taler und die Generale v. Moltke, Herwarth v. Dittenfeld, v. Steinmetz und Vogel v. F a l k e n st e i n je 200 000 Taler. 3n der Königlichen Derleihungs- urkunde heißt es: „Den genannten Donatoren ist von dieser meiner Bestimmung mit dem Eröffnen Kenntnis zu geben, daß es meinen Absichten und Wünschen entsprechen würde, wenn die ihnen verliehenen Dotationen in Grund- oder Kapital- besih vermittels fideikommissarischer Anordnungen ihren Familien und in Ermangelung eigener Nachkommenschaft denjenigen, welchen sie mit ihrem Namen das Andenken ihrer Verdienste zu übertragen beschließen sollten, dauernd erhalten blieben."
3n gleicher Weise wurden auch nach dem Kriege 1 8 7 0 /7 1 Mittel zu Dotationen an diejenigen deutschen Heerführer, welche in dem letzten Kriege zu dem glücklichen Ausgang desselben in hervorragender Weise beigetragen haben, sowie an deutsche Staatsmänner, welche bei den nationalen Erfolgen dieses Krieges in hervorragender Weise mitgewirkt hoben" auf Anregung des Kaisers durch ein vom Reichstag beschlossenes Gesetz in Höhe von 4 Millionen Talern aus der von Frankreich gezahlten Kriegsentschädigung bereitgestellt. Aus dieser Summe bestimmte der Kaiser je 300 000 Taler für die Generalfeldmarschälle Prinz Friedrich Karl von Preußen und Gra Moltke, sowie für den Kriegsminister Graf Roon. Diese drei Heerführer bildeten ihrerseits au Wunsch des Kaisers eine Kommission, nach deren Vorschlägen die übrigen Dotationen verteilt wurden.
Reichsmimsler Goebbels spricht auf historischem Boden.
Ostpreußen und das Reich eine unlösbare Einheit.—Oie Mission des deutschen Sozialismus.
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Der Reichspräsident betritt den Ehrenhof des Nationaldenkmals. Hinter ihm der Reichskanzler und Oberst oon Hindenburg, der Sohn des greifen Marschalls. Ganz rechts der ostpreußijche Oberpräsident Koch.
Die Feier im Hofe des Ehrenmals. — Vorn der R e i ch s p r ä f i de nt zwischen Adolf HltlsA und Ministerpräsident Göring.
Königsberg, 28. August. (TU.) Zum Schlußakt der Ostland-Treuefahrt traf am Montag 17.30 Uhr Neichsminister Dr. Goebbels mit dem Flugzeug in Königsberg ein. Zu seinem Empfang hatten sich Oberpräsident Koch, Obergruppenführer Litzmann und die Spitzen der Königsberger Behörden eingefunden. Der Reichsmini- ter schritt die Ehrenformationen der PO., SS. und der Fliegergruppe, Landesverband Ostpreußen, ab und bestieg dann den Wagen, von der Menge bejubelt.
Dr. Goebbels begab sich am Montagabend zum Alten Rathaus, wo er von Oberbürgermeister Dr. Will im Stadtgeschichtlichen Museum begrüßt wurde. Dr. Will drückte eine Freude darüber aus, daß er deck Führer des deutschen Kultur- und Geisteslebens in Königsberg willkommen heißen dürfe. Besonders danke er ihm dafür, daß er die O st - land-Treuefahrt befohlen und organi- iert habe. Die geniale Idee werde sich nicht nur in einer Werbung für Ostpreußen, sondern auch in dem Sinne auswirken, daß ein persönliches Band zwischen Reich und Ostpreußen geschlungen wurde.
Nachdem sich Dr. Goebbels in das Goldene Buch der Stadt eingetragen hatte, hielt er eine Ansprache, in der er betonte, daß er trotz der weiten Entfernung schon immer gern den Weg nach Ostpreußen gefunden habe. „Wenn wir aus der Bindung des Blutes heraus nach Ostpreußen kamen," so führte er weiter aus, „so galt das mehr als der Besuch der anderen, die nur gelegentlich ihren Weg nach Ostpreußen fänden, wenn es galt, Wahlstimmen zu gewinnen." Gerade jetzt habe Ostpreußen gezeigt, was es mit preußischer Gründlichkeit und Zähigkeit vermöge. Der Minister erinnerte sodann an die Tage, an denen er von Königsberger Polizei niedergeknüppelt wurde und fügte hinzu: die Erinnerung an diese Tage sei doch schön in dem Bewußtsein, daß er trotzdem immer wieder hierhergefunden habe.
Darauf nahm der Minister einen Rundgang durch das Museum vor. Dann fuhr er zum Gebäude der Gauleitung, um den Fackelzug der PO. abzunehmen. Auf dem Paradeplatz stauten sich die Menschen, und in langen Kolonnen marschierte die PO. mit Musik und Fahnen und Fackeln an dem Minister vorbei. OieKundgebungimSchloßhof wurde von dem Führer der Ostpreußen- Treuefahrt, Staatssekretär.F u n k, mit einer Begrüßungsrede eingeleitet, in der er u. a. sagte: Wir Ostland-Treuefahrer haben in diesen Tagen Großes erlebt. Ostpreußen ist zu neuem Leben erwacht. Es lebt, nachdem es jahrelang schwer darniederlag. Das verdankt es in erster Reihe dem Oberpräsidenten K o ch. Wir sind voll von Bewunderung über das, was wir in Ostpreußen erleben konnten und wir werden diesen Geist, der heute Ostpreußen erfüllt, mitnehmen ins Reich und werden überall bekunden, daß hier im deutschen Osten Wunderbares vollbracht ist. Staatssekretär Funk schloß mit einem dreifachen Sieg-Heil auf Ostpreußen und seinen Oberpräsidenten.
Oberpräsident Koch, der als zweiter Redner sprach, dankte zunächst dem Reichsminister Dr. Goebbels, dem Staatssekretär Funk und allen Ostlandtreuefahrern für ihr Kammern Er führte dann u. a. weiter aus: Nehmen Sie, wenn Sie in Ihre Heimit zurückkehren, die Gewißheit mit
wurden wir noch mit Gummiknüppeln bearbeitet Als Hitler am 4. März von Königsberg aus an die breiten Massen um ein ganz großes Vertrauensvotum appellierte, da wußten wir alle, diese deutsche Stimme vom ostpreußischen Boden aus kann im Lande nicht ungehört verhallen. Der 5. Mörz brachte bann die Entscheidung. Und diese Entschei» düng war so groß und so überwältigend, baß die Regierung der nationalsozialistischen Revolution nun auch anfangen konnte, die großen Zeitfrage« von Grunb aus zu lösen.
Der deutsche Kaum ist ein Unteilbares und nur aus der Kraft des deutschen Bodens heraus werden wir die Möglichkeit gewinnen, die Zeit zu meistern und über die Zeit hinaus Taten wirken, die auch der Zukunft zu Nutz und Frommen bereitet werden.
Gestern bekannte sich noch einmal das oft* preußische Volk zu seinem Führer und der Führer des Reiches zu seinem Feld* marschall. Cs schwangen ineinander alle Wünsche, alle Hosfnungen in einen einzigen Klang des Vertrauens und der Hingabebereitschaft der ganzen deutschen Ration. Der Tag der Ehre war angebrochen, die Wiedergutmachung eines vierzehnjährigen Anrechts. Eine dankbare Ration bekannte sich zu dem großen Heros des Weltkrieges und legte ihm ihre ganze Ehrfurcht zu Füßen. Damit ist Ostpreußen wieder zum Stamm- und Kernland des ganzen Reiches geworden.
Reich und Volk sind voll von Bewunderung füt das, was auf diesem Boden Ostpreußen in den vergangenen Monaten geleistet worden ist. Wenn wir einen Staat neuer Autorität aufbauten, so wußten wir sehr wohl, daß ebenso wie das Volk ohne Führer so der Führer ohne Volk nichts vermag.
Dir haben aus Masse Volk geformt und formen jetzt aus Volk Ration, und die Männer, die heute an der Spitze von Volk und Ratton stehen, sind nur ihre Wortführer und ihre willensvoll- strecker.
Rur dann geht ein Volk unter, wenn es selbst <m seine Zukunft nicht mehr glaubt. Wenn heute die, die wir ablösten, fragen, was sich denn geändert habe, so können wir ihnen nur zur Antwort geben: „Herr, verzeih' Ihnen, Sie wissen nicht, was sie tun.“ 14 Jahre lang hatten sie Zeit, Volk uni/ Ration zu retten. Aber sie haben ihre Zeit schlecht ausgenuht. 14 Jahre lang erklären sie, daß sie die Macht mit Zähnen und Klauen verteidigen würden. Uni) als es hart auf hart ging, da verschwanden fie bei Rächt und Rebel. Run halten sie in Prag oder Paris ihre Kongresse ab. Wenn sie glauben, ihre Stunde käme noch einmal, so sei ihnen gesagt: »Ihre Zeit ist vorbe i." An ihre Stelle trat ein junges Geschlecht, das der Weisheit letzten Schluß im mutigen Zugriff und kühnen Anlauf gegen die Rot sieht. 14 Jahre lang hatte die zweite oder die dritte Internationale Zeit, die soziale Frage zu lösen und dem Volk Brot und Arbeit zu geben. Wir haben das getan, was sie 14 Jahre lang versäumten.
Wir treten nickt vor der Welt hi», nm Gnade winselno, wir hausieren nicht um Kredite, sondern wir setzen nuferen ganze« &toli darin, «ns selbst z« helfen.
nach Hause: Der ostpreußische Mensch ist es gewohnt, um sein täglich Brot schwer zu ringen. Ostpreußen hat harte Menschen hervorgebracht, die hart, aber auch stolz sind.
wir wollen nur in Frieden Arbeit und Brot für unser Volk schassen und sind bereit, mit allen, die um Ostpreußen herumwohnen, in friedlichem Einvernehmen zu leben, sofern fie bereit find, uns zuzubilligen, was man einer jeden Ration oon Ehre zubilligt. Man möge in Europa ein- sehen, baß in Europa nur bann Frieden und wirtschaftlicher Aufbau möglich ist, wenn endlich das an Deutschland begangene Anrecht wieder gutgemacht wird.
Wenn mir auch bereit sind, friedlich unsere Arbeit und unser Brot zu schaffen, mit dem gleichen Fanatismus und der gleichen Leidenschaft werden wir, wenn man Ostpreußens Grenze antasten wollte, den letzten Tropfen unseres Herzblutes für die Verteidigung des letzten Quabratzentimeters unserer Heimat brangeben." Der Rebner schloß mit einem Sieg-Heil aus ben Reichsminister Dr. Goebbels. Reichsminister Dr. Goebbels führte bann etwa folgenbes aus: Wir Nationalsozialisten find hier in Königsberg nicht immer so empfangen worben, wie heute. Es gab Zeiten, ba sah man lieber, wenn wir gingen als wenn wir tarnen, unb selbst bas Weggehen würbe uns manchmal noch schwer gemacht. Vor zwei Jahren würben unsere Vorträge verboten unb auf bem Bahnsteig


