Aus der Provinzialhauptstadt
Vauwirtschasl und Technik im neuen Staat.
Staatssekretär Feder und Generalinspekteur Todt auf der Leipziger Baumeffe.
Arbeitsbeschaffung für die S?l. und SS.!
Die Führer des Reichsstandes des deutschen Handels erwarten von jedem deutschen Kaufmann, daß er N c u e i n st e l l u n g e n von Ange st eilten vornehmlich aus den Reihen der SA. und SS. vorntmmt. Es ist deshalb zu diesem Zweck im ausdrücklichen Einverständnis mit der obersten SA.-Führung mit dem heutigen Tage im Reichsstand des deutschen Handels eine besondere Abteilung für Neueinstellungen geschaffen worden, welche in jedem Orte ihre Arbcitsoermittlungsstelle errichtet.
Gebt Ihr den alten Kämpfern im braunen Hemd Arbeit und Brot, so ehrt Ihr den Führer selbst und sein großes Werk.
Der Reichsstand des Deutschen Handels.
v. R e n t e l n, Wild t."
Wichtig für alle Teilnehmer am Neichsparteitag.
Berlin, 28. Aug. (TU.) Die NSK. gibt aus Nürnberg folgende organisatorischen Einzelheiten vom Neichsparteitag bekannt:
1. Der Eisenbahnverkehr von und nach Nürnberg ist während des Parteitages völlig normal. Fahrplanänderungen sind nicht vorgenommcn. Vor- und Nachzüge können wegen der zahlreichen Sonderzüge nicht gefahren werden.
2. Die Bahnhofsausgänge sind nicht gesperrt, ebensowenig findet dort eine Kontrolle der Zureisendcn statt.
3. Der Zuzug nach Nürnberg Über die Landstraßen ist ebenfalls unbehindert.
4. Der Zugang nach Nürnberg steht jedermann offen. A u s g e n o m m c n sind aus Gründen der Disziplin lediglich SA.- und SS. - Männer in U n i f o r m, soweit sie nicht zu den offiziell abkommandterten Abteilungen gehören.
5. Fahrzeuge dürfen b i s zurStadt- grenze fahren und werden von dort durch die Aufsichtsmannschaft der SS. und der Polizei an die jeweiligen Parkplätze verwiesen. Die Parkplätze sind bewacht, die Fahrzeuge versichert und gegen mutwillige und fahrlässige Schäden versichert. Die Versicherung ist tm Standgeld einberechnet. Ebenfalls besteht dort die Möglichkeit, zu tanken.
6. Von den Parkplätzen führen Autobus- und Straßenbahnverbindungen in das Innere der Stadt.
7. Von Freitag, den 1. September, 15 Uhr, bis Montag, den 4. September, 5 Uhr, ist das gesamte Nürnberger Stadtgebiet für den Verkehr von Fahrzeugen aller Art gesperrt.
8. Q u a r t i er e sind so reichlich vorhanden, daß bisher allen Anforderungen genügt werden konnte und daß voraussichtlich auch weiterhin keine Schwierigkeiten entsteyen. Im Westflügel des Hauptbahnhofs ist ein Quartieramt eingerichtet, das Tag und Nacht geöffnet ist. Allen Besuchern Nürnbergs kann nur durch dieses Amt ein Quartier, evtl. Massenquartier, zugewiesen werden.
Alle Geschäfte sind während der Dauer des Reichsparteitages von morgens 5 Uhr bis abends 21 Uhr geöffnet.
Oie hessischen Ostlandfahrer grüßen den Ministerpräsidenten Werner.
WSN. Darmstadt, 28. Aug. Aus Königsberg ist an den hessischen Ministerpräsidenten Dr. Werner folgendes Telegramm eingetroffen: Die hessische Opelsendbotenmannschaft gedenkt auf der Ostlandfahrt ihres alloerehrten Ministerpräsidenten und sendet treueste Hessengrüße.
oorzurufen. Das werde denselben Erfolg haben wie bei anderen Krisen, die natürliche Ankurbelung. Es müsse nur dafür gesorgt werden, daß der starke Antrieb sich nicht wieder tot laufe. Dazu gehöre, daß die Wirtschaft in Stand gesetzt werde, ihre natürlichen Funktionen zu erfüllen und auf die gesteigerte Nachfrage zu reagieren. Die Wirtschaft müsse nämlich soweit wie möglich von den öffentlichen La st en erleichtert und der Kreditapparat wieder zum Funktionieren gebracht werden.
Als letzter Redner sprach der Generalinspekteur für daö deutsche Straßenbauwesen Dr. Jng. Todt über die S t r a ß e n b a u t e n der Retchsregierung. Dieses Programm bedeute eine völlige Umkehr von der ganzen bisherigen Einstellung. Anstelle von einzelnen Maßnahmen, die bei ihrer Fertigstellung durch die Entwicklung des Verkehrs bereits überholt seien, solle tm Laufe der nächsten 15 Jahre ein weit verzweigtes Netz reiner Autobahnen errichtet werden. Der zweite große Gedanke des Führers sei verkehrspolitisch Der Kraftwagen werde ergänzend neben die Reichsbahn gestellt. In der Baumesse sehe er den ersten Schritt zur Mobilmachung der kommenden Bautätigkeit. Die Wirkung dürfe aber nicht eine künstliche spekulative Aufblähung sein, sondern die Herstellung eines gesunden, wohl gerüsteten Unternehmertums, dem auf lange Jahre Arbeit gegeben werden solle.
33 Millionen Mark Löhne für die 3Re chsautobahn München - Salzburg.
Rosenheim, 28. Aug. (CNV.) Wie wir erfahren, betragen die Kosten für die bayerische Reichsautobahn von München nach Salzburg insgesamt 42 Millionen Mark. Da bekanntlich 79 Prozent der Gesamtkosten auf Arbeitslöhne entfallen, ergibt sich ein L o h n b e t ra g von 88 180 000 Mark, lieber den wirtschaftlichen Wert dieses Projekts braucht demnach wohl kein Wort gesprochen zu werden. Die Arbeiten werden bereits im Oktober begonnen werden. 12 000 Arbeiter sollen im Oktober eingestellt werden.
Leipzig, 28. Aug. (TA.) Die Herbsttagung der Leipziger Baronesse wurde am Montag durch einen Vortrag des Rcgierungsbaurates S t e gern a n n, des Präsidenten des Deutschen Ausschusses für wirtschaftliches Bauen, eröffnet. Staatssekretär Gottfried Feder sprach über „die Technik und der Techniker im neuen Deutschland". Nirgends, so erllärte er, ist der Begriff des Füh- rergedankens meyi verwischt worden, als in der Wirtschaft der hinter uns liegenden Zeit, in der der Techniker zum Kuli geworden ist. Gewiß, auch wir wollen selbstverständlich die Segnungen der Technik den Menschen dienstbar machen, aber wir wollen nicht, daß die Maschine den Menschen beherrscht. Der technische Grund für die Weltwirtschaftskrise sei die Diskrepanz zwischen der Kapazität der Weltindustrie und der Aufnahmefähigkeit des Weltmarktes. Der Grundgedanke der Staatsführung sei, daß der Staat die Initiative ergreifen müsse, um die Privatinitiative in der Wirtschaft anzu regen und zu erhalten. Denn nur eine gesunde Privatwirtschaft mit schöpferischen, selb st verantwortlichen A n t e r n e hm e r Persönlichkeiten könne die Krise dauernd überwinden. Dem Staat seien die ganz großen Aufgaben Vorbehalten. Technik, so schloß der Redner, sei kein Wirtschaftsstand, sondern Dienerin einer Staatsführung, die nur ein einziges Ziel kenne: Deutschland, Deutschland über alles.
Die Bedeutung des Bauwesens für das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregie- rung behandelte sodann Staatssekretär Dr. Krohn. Im Tiefpunkt der Wirtschaftskrise entständen besonders günstige Bedingungen für den Wohnungsbau. Auch könne die öffentliche Hand durch vermehrte Aufträge namentlich an das Baugewerbe ankurbelnd wirken. .Das Tragische an der gegenwärtigen Krise bestehe gerade darin, daß der natürliche Heilungsprozeß auf dem Umwege über den Baumarkt durch UeberentWicklung des Wohnungsbaues in der Hochkonjunktur, Zerstörung des Kreditapparates und Versagen der öffentlichen Hand unterbunden sei. Staatliche Maßnahmen müßten daher in erster Linie versuchen, die feh- lendeBautätigkeitplanmäßig her-
Internationale Rauschgistschmugglerin festgenommen.
WSN. Darmstadt, 27. Aug. Am Donnerstag nach Arbeitsschluß erschien eine Frau am Pförtnerhaus der Firma Merck unter der Vorgabe, einen bei der Firma angestellten Herrn sprechen zu müssen. In Wirklichkeit existierte dieser ominöse Herr überhaupt nicht, sondern der Frau war es hauptsächlich um die Bekanntschaft mit dem Angestellten zu tun, den sie für ihre Zwecke ausnutzen wollte. Als sich nämlich der Angestellte kurze Zeit darauf in seinen Garten begab, wurde er nochmals von der Frau ins Gespräch gezogen, in dessen Verlauf sie ihn vertraulich bat, 50 0 Gramm Koka in für sie zu besorgen. Sie zahle für das Kilo 500 Mk. Als der Angestellte scheinbar in das glänzend dargestellte Geschäft einging, wurde eine Zusammenkunft in einem Darmstädter Hotelrestaurant verabredet. Bei der dort stattgefundenen Besprechung wurde vereinbart, daß das Kokain über Estland nach Rußland verschoben werden sollte. Das Geschäft wurde von der Ermittlungsabteilung der Darmstädter Kriminalpolizei dadurch verdorben, daß die schöne Frau $ur Feststellung ihrer Identität auf die Polizeidirektion gebracht wurde. Die dort angestellten Ermittlungen ergaben, daß es sich um eine 42jährige verwitwete Ausländerin Elisabeth Saar aus Reval handelte, die angeblich zu ihrer Ausbildung als Kosmetikerin Deutschland bereisen will, in Wirklichkeit aber wahrscheinlich im Dienste einer internationalen Rauschgifthändlerbande steht. Statt ihre „Geschäftsreise" fortsetzen zu können, wurde die Schöne vom Anterfuchungsrichter hinter Schloß und Riegel geschickt, wo sie reichlich Zeit zum Nachdenken haben wird, daß man in Deutschland für derartige Geschäfte kein Verständnis hat.
Wettervoraussage.
Obwohl sich der hohe Druck mehr östlich verlagert und etwas zusammengeschrumpft ist, nimmt er doch ganz Deutschland noch mit in seinen Bereich. Die trockene kontinentale Luft wird daher das schöne Wetter weiter fortbestehen lassen. Da allerdings im Westen sich flache Störungen herausbilden, ist späterhin mit vorübergehendem Aüf- zug gewitterhafter Bewölkung zu rechnen.
Aussichten für Mittwoch: Roch vorwiegend heiter, vorübergehend etwas wolkig oder leicht dunstig, sehr warm und trocken.
Lufttemperaturen am 28. August: mittags 22,8 Grad Celsius, abends 15,6 Grad: am 29. August: morgens 10,4 Grad. Maximum 22,8 Grad, Mini, mum 6,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. August: abends 22,8 Grad: am 29. August: morgens 15,5 Grad. — Sonnenscheindauer 13% Stunden.
oorfteher war er vom 1. September 1913 bis 31. Marz 1914 in Förderstadt bei Magdeburg tätig, dann bis 28. Februar 1917 in Bebra, hierauf bis 31. Dezember 1917 bei der Direktion in Frankfurt a. M., sodann bis 31. März 1920 in Betzdorf, anschließend als Eisenbahnoberinspektor bis 31. Juli 1920 in Betzdorf und seit 1. August 1921 als Reichs- bahnamtmann auf dem Bahnhof Gießen.
In seiner dienstlichen Laufbahn erwarb sich Amtmann Dörr durch seine hervorragende Tüchtigkeit und sein allezeit freundliches und gerechtes Wesen die volle Wertschätzung seiner Vorgesetzten, Mitarbeiter und Untergebenen, darüber hinaus aber auch die hochachtungsvolle Zuneigung weiter Kreise der Bürgerschaft. Neben seinem Amt widmete sich Amtmann Dörr ehrenamtlich in unserer Stadt seit 1921 der Mitarbeit im Evangelischen Kirchenvorstand und bis vor etwa einem Jahre auch im Ausschuß des Ver- kehrsvereins. Stets war er mit ausgezeichneter Arbeitsfreude und voller Hingabe seiner Person an den ehrenamtlichen Aufgaben tätig. Seine Mitarbeit wurde allenthalben sehr geschätzt und. brachte dem Jubilar mit Recht weitere aufrichtige Sympathien ein.
Oie Aürnberg-Fahrt her AGOAp. im Kreis Gießen.
Nach den Anordnungen der Kreisleitung Gießen der NSDAP, werden die Teilnehmer am Reichsparteitag (ohne SA., SS., HI.) in einem Sonderzug am Donnerstag, 81. August, 21,56 Uhr, vom Gießener Bahnhof aus abfahren. Die Fahrtteilnehmer versammeln sich um 21 Uhr vor dem Gießener Bahnhof. Von hier aus fahren die Mitglieder der Ortsgruppen Gießen (Mitte, Ost, Nord, Süd), Lang-Göns, Großen-Linden, Wieseck, Heuchelheim, Lollar, Allendorf a. d. Lda., Geilshausen, Großen-Buseck und Bersrod ab. Von den übrigen Ortsgruppen benutzen die Mitglieder den Sonderzug rote folgt: Es steigen ein in Garbenteich die Ortsgruppe Watzenborn-Steinberg, in L i ch die Ortsgruppen Lich, Grünberg und Ettingshausen, in Langsdorf die Ortsgruppe Bettenhausen, in Hungen die Ortsgruppe Hungen, in Trais-Horloff die Ortsgruppen Trais- Horloff und Rodhetm a. d. Horloff. Die Sonderzugfahrt steht unter der Transportleitung des Kreisbetriebszellenleiters Pg. Wagner, dem die Pg. Thomas- Gießen und K irch- höfer-Hungen als Zugbegleiter zur Seite stehen: die Anordnungen dieser Parteigenossen sind unbedingt zu befolgen. Die Fahrtteilnehmer müssen ihre Parteiausroeise mitnehmen. Die Eintrittskarte zum Volksfest gilt zugleich als Teilnehmerkarte.
Die Amtswalter der Ortsgruppe Gießen- Süd versammeln sich Donnerstag um 20.30 Uhr bei Ortsgruppenleiter Schwarz, um öie Fahne und die Fahrtteilnehmer zum Bahnhof zu geleiten.
Kundgebung der Oeuischen Arbeitsfront in Gießen.
Am Mittwoch, 6. September, 20.30 Uhr, findet in der Volkshalle eine große öffentliche Kundgebung der Deutschen Arbeitsfront statt. Redner ist DerbandSleiter Pg. Karwahne, Hannover. 5>ie Kundgebung steht unter dem Motto: „Kampf gegen versteckte marxistische Sabotage und Kampf für die nationalsozialistische berufsständische Organisation."
Fernschreibverkehr auf Fernleitungen.
Von der Oberpostdirektion Darmstadt werden wir um die Aufnahme folgender Zeilen gebeten:
Bisher ist ein unmittelbarer telegraphischer Nachrichtenaustausch zwischen Privaten nur auf besonderen Fernschreibleitungen, die als Dauer- oder Stundenverbtnbuilgen vermietet werden, zugelassen. Die Einrichtung wird zur
Oas Familienbuch.
Wie war es eigen, wenn unser Großvater in einer freundlichen Stunde aus dem Winkel des alten Schrankes, an den die Kinder nicht ohne Erlaubnis Herangehen dursten, jenes seltsam verstaubte Buch herausholte, sich die Brille auf» setzte und uns aus diesem Buch vorlas, woher unsere Urgroßeltern und deren Eltern stammten, was sie erlebt an Leid und Freud, und wenn er uns schließlich zeigte, wie in der fortlaufenden Reihe des alten Familienbuches auch unsere Namen schon ganz würdevoll eingetragen waren. Unsere Phantasie schickte die Gedanken in die Vergangenheit zurück, und wir durchlebten da die Geschicke unserer Vorfahren.
Es ist schade, daß diese schöne Sitte, in einem schlichten Buch alles Geschehen und Erleben einer Familie niederzulegen und dadurch eine Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft zu bauen, nur wenig noch gepflegt wird. Der Familienvater, der noch nicht ein solches Buch hat, sollte sich baldigst dazu verstehen, es anzulegen. Man läßt die ersten Blätter für künftige Nachträge der älteren Generation seines Geschlechtes aus Pfarrarchiven oder sonstigen Quellenroerken usw. frei, schreibt sich die Familienangehörigen, soweit man sie noch ermitteln kann, Großeltern, Geschwister, Kinder und Enkelkinder, Onkel und Tanten von väterlicher und mütterlicher Seite, übersichtlich zusammen und fügt bet jedem Geburts- und Todesdatum, Ort, Beruf und besonderes Geschehen bei. Bei jeder eigenen Familie empfiehlt es sich, ein anderes Blatt anzulegen und stets die Rückseite für gelegentliche Nachtragungen freizulassen.
Unter allen Umständen aber soll man sich bei diesen grundlegenden Anlagen niemals auf bloße Erinnerungen und mündliche Ueberlieferungen verlassen, sondern immer nur auf zuverlässige amtliche oder wenigstens schriftliche Quellen. Wem diese stammesartige Anlage nicht paßt, kann seine Aufzeichnungen auch einfach chronologisch oder, wenn ihm etwas der Niederschreibung wert erscheint, auch ohne besonderes System durchführen. Wer mehr daraus verwenden will, wird vielleicht auch Bilder von Personen oder Sachen an der betreffenden Stelle beigeben, ganze Lebensbeschreibungen oder Grabreden und anderes mehr.
Da dies weder mit besonderen Kosten, noch mit nennenswertem Zeitverlust verbunden ist, sollte keiner es versäumen, denn es gilt unseren Liebsten, unserer Familie, die durck» Kenntnis und Pflege ihrer Geschichte, wie die der Vaterstadt und des Vaterlandes neu gehoben und gefördert werden kann. M. Gr.
50 Jahre im Eisenbahndienst.
Dem Vorsteher des Bahnhofs Gießen, Reichsbahn- amtmann Dörr, wird heute nachmittag anläßlich seiner 50jährigen Dienstzeit bei der R e i ch s b ach n eine Jubiläumsehrung seiner Behörde dargebracht.
Herr Dörr stammt aus Grünberg, wo er am 26. August 1883 nach vollendetem Schulbesuch als Volontär in den Bahndienst eintrat. Nachdem er dort bis zum 31. Oktober 1885 tätig gewesen war, kam er als Büro- und Stationsgehilfe nach Alsfeld, wo er bis Anfang November 1889 wirkte. Hierauf genügte er seiner Militärpflicht bis Ende September 1891 beim Jnfanterie-Leibg.-Rgt. 115, von dem er als Unteroffizier abging. Er tat sodann als Stationsgehilfe in Stockheim und Fulda Dienst, wurde am 1. Dezember 1892 Großh. Stationsa si- stent in Fulda und vom 1. Januar 1893 bis 15. Ja- nuar 1895 Großh. Stationsassistent in Gießen. In gleicher Eigenschaft war er dann bis 31. Dezember 1898 in Lauterbach tätig, hierauf wurde er Sta- tionsoerwalter in Burg-Niedergemünden. Seine weitere Dienstlaufbahn war folgende: Als Stationsvorsteher vom 1. Juni 1905 bis 31. Oktober 1907 in Betzdorf (Sieg), sodann bis 15. März 1909 in Lauterbach, hierauf bis 31. Oktober 1909 in Elm, weiter 1 bis 31. August 1913 in Nidda. Als Oberbahnhofe-
Zeit von einer kleinen Anzahl leistungsfähiger Unternehmen benutzt. Um die Vorteile eines unmittelbaren telegraphischen Nachrichtenaustausches mit Hilfe des wie eineSchreibmaschiue zu bedienenden Einheitstelegraphenapparates (Fernschreibmaschine, Springschreiber) weiten Wirtschaftskreisen nutzbar zu machen, soll diesen künftig in größerem Umfange Gelegenheit gegeben werden, von ihren Geschäftsräumen oder Wohnungen aus mit anderen Stellen in unmittelbaren telegraphischen Verkehr zu treten.
Dies wird durch die Einrichtung eines Fernschreibverkehrs auf Fernsprechleitungen ermöglicht. Jeder Fernsprechanschlußinhaber, der an diesem Dienste tetlnehmen will, hat sich außer einem Springschreiber _ ein Tvn- frequenzzusatzgerät selbst zu beschaffen. Die zu verwendenden Apparate müssen vom Reichspostzentralamt zugelassen sein. Die Gebühr für die Benutzung der Fernsprechleitungen zum Fernschreiben ist dieselbe wie die Gesprächsgebühr.
Gictzcner Wochenmarktpreise.
* Gießen, 29. Aug. Es kosteten auf dem Heu- tigen Wochenmarkt: Landbutter, das Pfund 1,30 Mark, Kochbutter 1 Mk., Matte 20 bis 25 Pfennig, Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, grün 8, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 8 bis 12, Gelbe Rüben 10, Rote Rüben 10, Spinat 15, Römischkohl 8, Bohnen, grün 15 bis 20, gelb 15 bis 20, Mischgemüse 10, Tomaten 15, Zwiebeln 7 bis 10, Kürbis 6 bis 10, Pilze 25, Kartoffeln, das Pfd. 3 Pf., der Ztr. 2,30 bis 2,50 Mk., Frühäpfel 20 bis 25, Falläpfel 5 bis 6, Pfir. siche 30 bis 40, Preißelbeeren 30, Birnen 10 bis 20, Zwetschen 8 bis 15, Mirabellen 15 bis 20, Reineklau- den 10 bis 12, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80; Tauben, das Stück 40 bis 50, Eier, in- ländische 9, Blumenkohl 5 bis 40, Salat 5 bis 10, Salatgurken 5 bis 25, Einmachgurken 1 bis 3, Endivien 8 bis 15, Ober-Kohlrabi 5 bis 8, Rettich 5 bis 15, Sellerie 10 bis 15 Pf. das Stück.
Bornotizen.
— T a ge s k a le n der für Dienstag: Stadttheater, 20.15 Uhr, Sonderveranstaltung der NSDAP. „ArbeitI Dienst I Pflicht!". - Kathol. Vereinshaus, 9 bis 19 Uhr, große Möbelausstellung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: »Die Unschuld vom Lande".
Taten für Dienstüg, 29. August.
1866: Der Dichter Hermann Löns in Kulm geb. (gest. 1914). — 1872: Der Geograph Karl Uhlig in Heidelberg geb. — 1916: Hindenburg wird Chef des deutschen Generalstabcs, Lu'endorff Erster Generalquartienne.ster. — 1924: Annahme der Dawesverträge im Reichstag.
** Finanzamtspersonalie. Der Herr Reichspräsident hat den Vorsteher des Finanz» amts Gießen, Ober-Regierungsrat Krug in Gießen, auf sein Nachsuchen zum 1. November d. I. in den Ruhestand versetzt. Für die dem Reiche geleisteten langjährigen vorzüglichen Dienste wurde Dank und Anerkennung ausgesprochen mit den herzlichsten Wünschen für ferneres Wohlergehen.
** Zum Oberregierungsrat im Reichswehrmini st erium ernannt. Kapitän Sch m e h l, ein geborener Gießener, ist zum Oberregierungsrat im Reichswehrministecium ernannt worden. Kapitän Schmehl ist in der Nautischen Abteilung der Marineleitung tätig. Sein Gebiet ist das Rote Meer, der Indische Ozean und der Große Ozean. Wahrend des Krieges war er Navigatio. s sfizier des Linienschiffes „Zähringen" und Erster Offizier des Hilfs.reuzers „Wolf". Sieben Lebensrettungen hat er im Laufe der Jahre ausgeführt.
** Keine Amts stunden der Kreis- leitung der NSDAP, vom 30. August bis 4. «September. Wie Kreisleiter Dr. Harth bekanntgibt, fallen die Amtsstunden sämtlicher Abteilungen der Kreisleitung Gießen der NSDAP, von Mittwoch, 30. August, bis Montag, 4. September einschließlich, aus, da alle Amts- und Stabswalter der Kreisleitung am Neichsparteitag in Nürnberg teilnehmen.
** Zahlungsanmahnung der Stadtkasse. In einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil werden das Schulgeld (Juli 1933) für die Studienanstalt, die Wohnungsmiete (Juli 1933) aus städtischen Häusern, das zweite Ziel der Vorauszahlung an Gemeinde-, Kreis- und Provinzialumlage, das zweite Ziel der Kanal-, Straßenreini- gungs- und Müllabfuhrgebühren, sowie die dritte Rate der Bürgersteuer angemahnt.
** Die diesjährige öffentliche Imp- f ung, insbesondere die Impf- und Nachschautermine, betrifft eine Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil, auf die besonders aufmerksam gemacht sei.
** Wiedersehensfeier ehemaliger 1 15er. Man schreibt uns: Aus Kameradenkreifen ist schon öfters der Wunsch laut geworden, innerhalb der 2. Kompanie Leib°Jnf.» Regiment 115 eine Wiedersehensfeier in der alten Gamisonstadt D a r m st a d t zu veranstalten. Anter dem Vorsitz des letzten Feldwebels. Kamerad Raab, hat sich nun ein kleiner Ausschuß gebildet, der die Vorbereitung dieser Feier übernommen hat. Vorgesehen für diese Feier ist der erste Sonntag im November. Wünsche, Anfragen ufw. können an A. Raab, Darmstadt, Hobrechtstratze 33, gerichtet werden.
Schwurgericht Gießen.
Unter dem Vorsitz von Landgerichtsrat Trümpert wurde im Verlaufe des gestrigen Tages unter Ausschluß der Öffentlichkeit gegen den Heilkundigen und Masseur Ernst Kalbfleisch von Grünberg verhandelt. Der Angeklagte hatte sich wegen Verbrechen im Sinne des § 218 des Strafgesetzbuchs in 18 Fällen zu verantworten. Unter Aufgebot von vielen Zeuginnen und Zeugen, sowie unter Anhörung verschiedener Sachverständiger konnten dem Angeklagten seine Straftaten nachgewiesen werden. Der Staatsanwalt beantragte eine Zuchthausstrafe von vier Jahren, sowie die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren. In später Stunde wurde gestern abend das Urteil gefällt. Der Angeklagte wurde zu drei Jahren Zuchthaus und zu fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Verurteilten zur Last. Drei Monate der Untersuchungshaft wurden, dem Angeklagten auf die Zuchthausstrafe angerechnet.


