Ausgabe 
28.12.1933 Erstes Blatt
 
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Oie österreichischen Bischöfe im Soufuß-Zahrwaffer.

München, 27. Dez. (CNB.) DerVölkische Beobachter" schreibt u. a.; Anläßlich des Weihnachts- sestes haben österreichische Bischöfe einen Hirtenbrief veröffentlicht, der sich offen gegen die politische Neuordnung im Deutschen Reich und ggen den Nationalsozialismus aus­spricht. Die österreichischen Bischöfe machen auf diese Weise den unangebrachten Versuch, sich in die Verhältnisse Reichsdeutscher einzumischen. Dieser Versuch verdient schärf st e Zurückweisung Er wird die Entwicklung in Oesterreich jedoch eben­sowenig aufhalten wie alle sonstigen Zwangsmaß­nahmen des Herrn Dollfuß und seiner Freunde. Die Unterbindung der politischen Tätig­keit der Geistlichen im nationalsozialistischen Staat erweist sich bei dieser Gelegenheit wiederum als eine durchaus notwendige und weitsichtige Maß­nahme der Regierung Hitler, durch die die Geist­lichkeit in die Schranken der ihr angemessenen Ge­biete gezwungen und der Kirche und ihren An­hängern politische Gewissenskonflikte erspart werden. Es ist kein Zweifel, daß der Schritt der österreichi­schen Bischöfe im engen Einvernehmen mit der Regierung Dollfuß getan worden ist. Es ist bezeichnend, daß dieser Hirtenbrief aus­gerechnet in den Tagen des Weihnachtsfestes er­lassen wurde. Der Schritt der österreichischen Bischöfe ist angesichts des Konkordats zwischen Deutschland und dem Vatikan besonders be­fremdlich, da er selbstverständlich gegen Sinn und Geist des Konkordates verstößt.

Oie holländische Regierung bitter um Strafmilderung für van der Lubbe.

Berlin, 27. Dez. (CNB.) Der niederländische Gesandte Graf Limburg-Stirum hot im Auftrage seiner Regierung an Reichsaußenminister Freiherrn von Neurath ein Schreiben ge­richtet, in dem er die Reichsregierung bittet, die im Reichstagsbrandstifterprozeh gegen van der Lubbe ausgesprochene Todesstrafe in eine mil­dere Strafe umzuwandeln.

ReichsbundVolkstum und Heimat^ in der Reichskulturkammer.

Der ReichsbundVolkstum und Heimat" hat sich korporativ der Reichskulturkammer und den zustän­digen Fachkammern für seine sämtlichen Mitglieder angeschlossen. Dem Reichsbund kommt besondere Bedeutung für die GemeinschaftKraft durch Freude" zu. In dieser Gemeinschaft wurde ebenfalls ein Amt fürVolkstum und Heimat" gebildet, dessen Leiter Pa. Haverbeck zugleich Leiter des ReichsbundesVolkstum und Heimat" ist.

Der Reichsbund ist eine reich gegliederte Organi­sation. Von den wichtigsten Verbänden, deren Ein­gliederung in den Reichsbund bereits vollzogen ist, seien u. a genannt der Deutsche Bund Heimatschutz, der Volksbund Naturschutz E. V. und die Fichte-Ge­sellschaft. Angeschlossen haben sich ferner die Gesellschaft für Volksbildung, der Plattdeut­sche Verband, die Vereine deutscher Studenten, der Deutschbund und der Deutsche Handlungsge- hilfen-Veroand. Der Deutsche Handlungsgehilfen- Verband hat insgesamt 2100 Beratungsstellen für die Arbeit des Reichsbunds zur Verfügung gestellt. Zu diesen Verbänden mit ihren Millionen von Mitgliedern treten noch eine große Anzahl von ört- lichen und landschaftlichen Gruppen und von Einzel­mitgliedern Außerdem stehen große Organisationen mit weiteren tausenden Vereinen in den abschlie­ßenden Verhandlungen mit dem ReichsbundVolks­tum und Heimat".

Aus aller Well.

AationalfoziariSmus der Tat.

Beispielgebend haben die Angestellten der NSDAP. München zu Weihnachten 5 0 0 0 Lose der 2. Geldlotterie für Arbeitsbeschaf­fung erworben. Bekanntlich dient der (Ertrag der Arbeiisbeschaffungslotterie dazu, neue Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten. Die Ziehung findet schon am 29. und 30. Dezember statt. Ls ist also nur noch wenige Tage Gelegenheit gegeben, sich diesem vorgehen anzuschliehen.

französischer Schnellzug rast in eine Arbeitergruppe.

Der Schnellzug VannesParis ist am Mittwoch­morgen in eine Gruppe von Streckenarbeitern ge­fahren, von denen drei getötet und einer schwer verletzt wurde. Der dichte Nebel, der immer noch in ganz Frankreich herrscht, hatte es dem Rottenführer unmöglich gemacht, den Schnell­zug herannahen zu sehen.

Der Brand im Amsterdamer Fernsprechamt.

Der im Zusammenhang mit dem Brand in einem Fernsprechamt in Amsterdam unter dem Ver- dacht der Brandstiftung verhaftete syndikalistische Monteur wurde wegen mangels an Beweisen wieder aus der Hast entlassen Der Monteur, der zum Pro­test gegen seine Verhaftung vorübergehend in den Hungerstreik getreten war, leugnete jede Schuld und bestritt, davon zu wissen, daß der Brand ein Zeichen zu einem Streik bei dem städtischen Telephonamt sein sollte. Die Staatsanwaltschaft ist nach wie vor von der Böswilligkeit der Brandstiftung überzeugt. Der Fernsprechverkehr konnte während der Feiertaae etwas ausgedehnt werden. Im Ortsverkehr ist jedoch noch keinerlei Besserung eingetreten, was sich im Geschäftsleben, und u a an der letzten Börse sehr stark auswirkte

Fast eine halbe Million Reichsmark erschwindelt.

Die Justizpressestelle Berlin teilt mit: Die Straf­kammer des Landgerichtes Berlin hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft gegen den früheren Heraus­geber der WochenschriftMagazin der Wirtschaft", den ausländischen Schriftsteller Rafael B e r n f e l d, wegen fortgesetzten Betruges und wegen Kon­kursvergehens das Hauptoerfahren eröffnet. Bernfeld hat es nach den Ermittlungen der Staats­anwaltschaft verstanden, durch Ausnützung seiner guten Beziehungen zu Finanzmännern und Größen des alten Systems in den Jahren 1929 bis 1932 nahezu eine halbe Million Reichsmark zu erschwindeln. Der Angeklagte hatte im Herbst 1929 die ZeitschriftMagazin der Wirtschaft" von dem Pazifisten Schwarzschild gekauft und für deren Vertrieb in der üblicken Weife eine G.m.d.H. gegründet. Da er von seinem Vorgänger eine Schuld in Höhe von über 100 000 Mark überneh­men mußte und sich trotz der schlechten Finanzlage selbst ein Monatseinkommen von 4000 Mark zu- sicherte, war die Gesellschaft von vornherein kou- kursreis. Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen hat

Sie Eisenbahnkatastrophe bei Lagny.

Verspätung und starker Nebel.Schlechte Organisation des Hilfsdienstes.

Oer Augenzeugenbenchi eines Deutschen.

Augsburg, 27. Dez. (WTB.) Der Auasburger Ingenieur Georg Müller, der sich im Auftrage der MAN. auf einer Dienstreise befand, ist Augen­zeuge der Eisenbahnkatastrophe bei Lagny gewesen. Müller, der mit dem D-Zug ParisStraßburg um 19.18 von Paris abfuhr, berichtet u. a.:

Unser Zug war außerordentlich stark besetzt und mußte mit einem Vor- und einem Nach­zug gefahren werden. Ich fuhr mit dem ersten Zug und hatte von vornherein ein Gefühl peinlichen Un­behagens. Nach halbstündiger Fahrt gab es e i n e n furchtbaren Knall, das Licht erlosch und das Gepäck stürzte herunter. Die Passagiere taumellen durcheinander und wurden zu Boden geschleudert. Ich hatte den Eindruck, als sei ein Bombenanschlag auf den Zug verübt worden. Angstschreie durch­drangen die Finsternis. Niemand wußte, was ge­schehen war. Es herrschte st a r t e r Nebel, auf zwei Meter Entfernung war schon nichts mehr zu erkennen. Allmählich flammten Lichtfeuer auf. Wir sahen uns inmitten eines Trümmerfel­des. Die Wagen des Zuges, auf den unser Zug aufgefahren war, waren vollkommen zer­schmettert. Nur noch kleine Holz- und Eisen­teile waren ganz zu sehen. Der ganze Bahndamm war mit kleinen Trümmern übersät. Noch hinter dem Wagen, in dem ich gesessen hatte, lagen die Toten des Eilzuges, gräßlich verstümmelt. Es dauerte zwei Stunden, bis der Hilfszug kam, der das notwendige Rettungsmaterial her- beibrachte und die unverletzten Passagiere weiter­beförderte. Der Hilfsdienst war sehr schlecht or­ganisiert. Verschiedene Anordnungen kreuzten sich, keiner der Verantwortlichen wußte ein und aus, alles 'war kopflos. Man erlaubte mir nicht, nach Hause zu telegraphieren. Anstatt vor­mittags 10,50 kam ich erst um 20 Uhr in Augs­burg an.

Die Angehörigen Müllers erfuhren durch den Rundfunk zuerst von dem Unglück. Die Gattin wußte, daß ihr Mann mit dem Unglückszug von Paris abgefahren war. Vergebens wartete sie mit ihren beiden Söhnen am Augsburger Bahnhof auf ihren Mann. Furchtbare Angst packte die Frau, die Stunden des Wartens waren von unend­licher Qual. Noch nie hatte die Familie Müller einen so traurigen Heiligen Abend zu erwarten als dies­mal, wo sie jeden Augenblick die Nachricht von dem Tode Müllers erfahren mußte. Umso größer war

die Freude als Müller endlich um 20 Uhr zu den Semigen zurückkehrte.

Trauerteier für die Opfer von Lagny.

Parts, 27. Dez. (TU.) Am Ostbahnhof fand eine schlichte eindrucksvolle Feier an den Bahren der Todesopfer von Lagny statt. Unter der Führung des Ministerpräsidenten war die gesamte Re­gierung erschienen, ferner der Präsident der Republik, das Präsidium beider Kammern, Vertreter der Stadt Paris und aller zuständigen Behörden-. Der Minister für öffentliche Arbeiten, dem in Frankreich das Eisenbahnwesen untersteht, und der Vorsitzende des Aufsichtsrats Der Companie de lEst hielten kurze Ansprachen, in denen sie be­tonten, daß das Unglück von Lagny das ganze fran­zösische Volk betroffen habe. Tief erschüttert ver­neigten sich die zahlreichen Anwesenden anschließend vor der langen Reihe der Särge. Etwa 80 Särge werden im Laufe des Nachmittags den Angehöri­gen zugeführt werden, die übrigen werden voraus­sichtlich auf Kosten der Eisenbahngesellschaft beige­setzt werden.

Die Untersuchung über die Ursache des Un­glücks dauert fort. Nachdem die ersten Verhöre ab­geschlossen sind, werden nun die Sachverständigen ihre Berichte einreichen. Zunächst handelt es sich darum, den gesamten Zugverkehr aus der betroffenen Strecke an jenem Abend zu überprüfen, eine lange mühsame Arbeit, da fast alle Züge da­mals mit Verspätung verkehrten. Ferner muß festgestellt werden, ob Der Signalapparat normal funktioniert hat. Die bisherigen Versuche haben noch fein einwandfreies Ergeb- n I s gezeitigt, und schließlich muß die Frage geklärt werden, ob auf der Unglücksstrecke an diesem Abend andere Störungen erfolgt sein können.

Die Zahl der Todesopfer hat sich im Laufe des Mittwochs auf 203 erhöht. Zwei Schwerverletzte, die in Pariser Krankenhäusern ge­pflegt wurden, sind ihren Verletzungen erlegen. Es ist gelungen, sämtliche Opfer zu identifizieren. Am Mittwochabend ereignete sich in der Nähe von Lyon ein Eisenbahnunglück, das glücklicher­weise keine ernsten Folgen hatte. Die beiden letzten Wagen des V-Zuges ParisMarseille sprangen aus den Schienen und stellten sich quer. Es gelang glücklicherweise, den Zug rechtzeitig zum Stehen zu bringen, ehe die beiden letzten Wagen umkippten.

Bernfeld es nach der Anklage verstanden, durch seine freundschaftlichen Beziehungen zu den Direk­toren der verschiedensten Finanzinstitute immer neue Kredite zu erhalten. Dabei verschwieg er den Ban­ken gegenüber stets, daß er bereits anderweitige hohe Verpflichtungen hatte. Er ließ geschickt durch­blicken, daß er die benötigten Kredite anstandslos von der Konkurrenz erhalten könnte, wenn er nicht befürchten müsse, dadurch die wissenschaftliche Selb­ständigkeit seiner Zeitschrift einzubüßen. Auf diese Weise'konnte er in einem Zeitraum von drei Jah­ren etwa 400 000 Mark erbeuten.

Mit dem Auto in die Spree.

Passanten beobachteten unweit des Reichstags­gebäudes in Berlin, wie ein kleines Lieferauto plötzlich in voller Fahrt von der Fahrbahn abwich und in die Spree hinein fuhr. Der Wagen versank sofort in den Fluten. Eine Frau, die sich aus dem Wagen hatte befreien können und schwim- mend im Wasser umhertrieb, wurde von der Feuer­wehr gerettet. Erst nach längerer Zeit konnte das Auto gehoben und der Führer des Wagens, Der ertrunken war, geborgen werden. Es handelt sich um einen 28 Jahre alten Gemüsehändler und seine 32 Jahre- alte Ehefrau. Die Frau ist kurz nach ihrer Einlieferung in das Krankenhaus einem Herzschlag erlegen. Es konnte weiter er­mittelt werden, daß wahrscheinlich Selbstmord vor- liegt. Der Händler war in erhebliche geschäftliche Schwierigkeiten geraten und lebte mit feiner Frau in sehr zerrütteter Ehe.

Schnellere Flugzeuge im deutschen Luftverkehr.

Die Deutsche Lufthansa hat soeben das zwölfte Großflugzeug vom Typ Junkers Iu 5 2 in Dienst gestellt. Der Ankauf dieser dreimoto- rigen Großflugzeuge, die einen Reisedurchschnitt von etwa 240 Stundenkilometern gestatten, war notwendig geworden, weil die Deutsche Lufthansa in den vergangenen Jahren kaum nennenswerte Beschaffungen an Flugzeugmaterial vorgenommen hatte. Die Indienststellung der neuen Junkers- Flugzeuge, die sich im regelmäßigen Streckendienst bereits außerordentlich gut bewährt haben, liegt in der Linie der planmäßigen Entwicklungsarbeit der Deutschen Lufthansa, die stets bemüht war, nur die leistungsfähigsten, zuverlässigsten und schnellsten Verkehrsflugzeuge einzusetzen.

(Erfolg des Sportfliegers Schwabe in Kairo.

Der deutsche Sportflieger Karl Schwabe, der sich zur Zeit auf einem Flug nach Kapstadt be­findet und vor Weihnachten an dem internatio­nalen Oasenwettbewerb in Kairo teilgenommen bat, ist aus diesem Wettbewerb mit einem beacht­lichen Erfolg hervorgegangen. Schwabe liegt bei 32 zum Teil größten internationalen Konkurrenten in der Endbewertung an vierter Stelle. Dieser Er­folg erhält dadurch ein besonderes Gepräge, daß Schwabe den Wettbewerb mit seiner Reisemaschine, einer Klemm KL 32 mit Siemens SH 14 bestritt, während die übrigen Teilnehmer über Spezialwett­bewerbsmaschinen verfügten. Schwabe fand auf einem EnirCang bei König Fuad größte Aner- fennung. Schwabe wurde auch vom deutschen Ge­sandten empfangen

Zahlreiche Sportunfälle in den bayrischen Bergen.

In den bayrischen Bergen sind während der Feiertage zahlreiche Münchener beim Skifah­ren verunglückt, so daß die Bergwacht oft zur Hilfeleistung herangezogen wurde. In die Münchener Chirurgische Klinik allein wurden über 30 Verunglückte gebracht, die sich zum Teil ernst­liche Verletzungen zugezogen hatten. Davon mußten 22 Verletzte im Krankenhäus in ärztlicher Behand­lung bleiben

Gasexplosion in Heilbronn.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag erfolgte in einem Gebäude in Heilbronn eine heftige Gasexplo­sion, wodurch die Stirnseite des Gebäudes in ihrer ganzen Ausdehnung hinausgedrückt und auf die Straße geschleudert wurde. In der Nachbar­schaft gingen zahlreiche Fensterscheiben in Trüm­

mer. Der Wohnungsinhaber erlitt erhebliche Brandwunden im Gesicht und an den Händen. Das Gas war aus einem undichten Ofenrohr in das Wohnzimmer und das daneben liegende Bade­zimmer ausgeströmt und kam durch Die Oesfnung Der Ofentür zur Entzündung. Die Stichflamme, Die sich DaDurd) bildete, griff durch das Fenster des Bade­zimmers über Die Straße hinüber und setzte Die Fenster und Einrichtungsgegenstände des gegenüber­liegenden 8 Meter entfernten Gebäudes in Brand; dieser kannte aber von der Feuerwehr sofort gelöscht werden.

Bis zu 44 Grad Kälte in USA.

In den nördlichen Gebieten der Vereinigten Staa­ten herrscht eine ungeheure Kälte. Vielfach wurden die Kälte-Höchstzahlen der letzten 50 Jahre überschritten. In Illinois, Iowa, Nord- und Süd-Dakota, Michigan, Wisconsin wurden Tem­peraturen von 26 bis 35 Grad Celsius Kälte gemessen. Aus Minnesota werden sogar 4 4 Grad Celsius unter Null gemeldet. In Chikago herrschen 23 Grad unter Null. Dort sind zwölf Per­sonen der Kälte zum Opfer gefallen.

Spritschmuggel mit Flugzeugen.

Die finnischen und schwedischen Sprit« schmuggler sind neuerdings dazu übergegangen, auch das Flugzeug in den Dienst des Schmug­gelns zu stellen. Die finnischen Zollbehörden haben festgestellt, daß die geheimnisvollen Flugzeuge, die man in Nordschweden festgestellt hat, tatsächlich Schmuggelflugzeuge sind. Von den großen Lagern gehen die Flugzeuge zur finnischen Ost- und West­küste, wo Stationen zur Weiterleitung eingerichtet worden sind. Die Spritpolizei in Wasa (Nordfinn- lanb) nimmt an, daß der größte Teil Der illegalen Alkoholeinfuhr Der letzten Zeit auf dem Luftweg be- fördert worden ist.

Professor Rudolf Lennhof f

In der Nacht zum zweiten Feiertag starb infolge eines Schlaganfalles Oberregierungsmedizinalrar Professor Rudolf Lennhof in Berlin im Alter von 67 Jahren. Professor Lennhof war ein entschie­dener Vorkämpfer für Sozialhygiene und bis vor kurzem Vorsitzender der Berliner Aerztekammer.

Feuertod einer vierkopfigen Familie.

In Targoviste (Rumänien) verbrannte eine ganze Familie dadurch, daß die Kleider eines Ar­beiters, der mit Benzin Flecken entfernen wollte, in Brand gerieten. Seine Frau, die ihm zu Hilfe eilen wollte, wurde ebenfalls von den Flammen er­griffen, desgleichen Die beiden Kinder, die dazu kamen, als die Eltern lichterloh brannten. Als später Nachbarn zu Hilfe eilten, fand man die vier Per­sonen nur noch als halbverkohlte Leichen auf.

Schwere Wahlunruhen in Rumänien.

In Crajova (Rumänien) kam es zu den bisher |d)roerften Zusammenstößen während Des gan­zen Wahlfeldzuges. Eine große Gruppe von natio- nalzaranistischen Wählern, denen angeblich die Aus- folgung der Wählerkarten für den Senat verweigert worden fein soll, stießen vor einem der Wahllokale in Crajova mit Anhängern der Regierung zusam­men. Es kam zu einer regelrechten Straßen- schlacht zwischen den beiden Gruppen, bei der anscheinend auf beiden Seiten von Schußwaffen Gebrauch gemacht worden ist. Vier Nationalzarani- ften wurden durch Schüsse schwer verletzt. Einer der Verletzten erlag bald seinen schweren Verletzungen. Die Ruhe wurde durch ein starkes Polizeiaufgebot wiederhergestettt.

Ueberschwemmungskatasirophe in Brasilien.

In dem Gebiet von Cataguazes in Brasilien sind überall schwere Wolkenbrüche niedergegangen. Weite Gebiete wurden überschwemmt. Nach den in Rio de Janeiro etngegangenen Meldungen sind zahlreiche Tote, Verletzte und Vermißte zu verzeichnen. Man spricht davon, daß etwa 2000 Per­sonen obdachlos sein sollen.

Vrüderpaar von kohlenoxydgasen getötet.

In Kohlscheid bei Aachen wurden zwei Brüder im Alter von 16 und 17 Jahren, die eine Hühner­

farm zu überwachen hatten und nachts wegen der starken Kälte den Ofen unvorsichtig heizten, am Morgen tot ausgefunden. Man vermutet, daß sie von ausströmenden Kohlenoxydgasen betäubt und getötet worden sind.

Htreikdemonslrationen in Detroit.

Die amerikanische Automobilstadt Detroit war der Schauplatz einer eigenartigen Straßen« tunbgebung. Etwa 2500 Manifestanten durch- fuhren in 300 Kraftwagen unter wildem Hupen, Lärm und Gesckrei die Stadt. Sie schleuderten Wurfgeschosse auf die angrenzenden Häuser und zer­brachen viele Fensterscheiben. Die in den Straßen haltenden und fahrenden Automobile wurden zum großen Teil umgestürzt. Alle Polizeikräfte der Stadt muhten mobil gemacht werden, ehe es gelang, die Demonstranten abzudrängen und zu zerstreuen. Die Kundgebung war von st reitenden Arbei­tern veranstaltet worden, die dagegen Einspruch erheben wallten, daß die Belegschaft einer Werk­zeugfabrik trotz Streikbefehls die Arbeit wieder aufgenommen hatte.

Unmenschliche Eltern

wegen ihrer Kindesmißhandlung verurteilt.

Eine besonders rohe Kindesmißhand» I u n g, die man kaum für möglich hallen würde, stand vor der 17. Großen Strafkammer des Ber­liner Landgerichts zur Aburteilung. DieEltern" haben ihr vierjähriges Kind in ihrer Wohnung mit einer eisernen Kette an eine schwere Kiste ge­fesselt, wenn sie ausgingen. Weiter wird den Ange­klagten, dem Ehepaar P a l k a, vorgeworsen, ihr Kind derartig mißhandelt zu Haden, daß sein Kör­per mit grünen und blauen Flecken und Kratzwun- den übersät war. Die Aussage der ersten Zeugin, einer Hausbewohnerin, entrollte die erschütternde Tragödie dieser Kindesmißhandlung. Als am Pfingstsonntag d I. die Eltern weggingen, ohne den vierjährigen Helmut mitzunehmen, habe sie Verdacht geschöpft. Durch die Polizei wurde die Wohnung geöffnet. Die Zeugin erklärte:Den An­blick, Der sich uns jetzt bot, vergesse ich nicht!" Der kleine Helmut habe auf einem Stühlchen in der Ecke des Zimmers gehackt mit einer Kette, die um feinen linken Fuß geschlungen und an einer schwe­ren Kiste befestigt war. Die Kette war mit einem Vorhängeschloß so zusammengehalten, daß sie durch« gefeilt werden mußte. Die Strafkammer kam zu fol­gendem Urteil: Die Angeklagten sind der schweren Kindesmißhandlung und der Freiheitsberaubung schuldig und werden zu je 21 / Jahren G e - f ä n g n i s verurteilt. Die angeklagte Ehefrau, die bisher auf freiem Fuß war, wurde sofort verhafteL Bei der Begründung des Strafmaßes sagte der Vorsitzende, dem Gericht sei ein solcher Fall noch nicht vorgekommen.Das Gericht bedauert", schloß der Vorsitzende die Verhandlung,daß es kein Ge­setz zur Verfügung hat, das es gestattet, den Ange­klagten solche Strafe aufzuerlegen, wie sie das un­schuldige Kind erdulden mußte"

18 Menschen von Haifischen gefressen.

Von einem schauerlichen Schicksal wurden acht­zehn Menschen in dem brasilianischen Hafen Ma- ranhao ereilt, als sie in einem Finnen Boot von einem Hochseedampfer an Land gebracht wurden. Das Boot kentert« plötzlich und Die 20 Insassen stürzten ins Wasser. 18 von ihnen wurden sofort von Haifischen angegriffen und aufgefref» s e n. Nur zwei Personen konnten gerettet werden.

Kleine politische Nachrichten.

Am Neusahrstag spricht auf Einladung der Funkstunde Berlin Frau Paula Siber über den Großsender Tegel zu den deutschen Frauen.

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Eine der ältesten deutschen Zeitungen, tlie im Jahre 1640 gegründete önigsberger Har- tungsche Zeitung" stellt nach einer Mitteilung des Verlags mit dem 31. Dezember ds. Js. ihr Erscheinenein. Der Verlag hat sich entschlossen, seine Arbeit in Zukunft auf das ,Königsber° ger Tageblatt" zu konzentrieren.

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Der diesjährige Fehlbetrag im Staats­haushalt der Vereinigten Staaten beträgt eine Milliarde Dollar. Der vorjährige Fehlbetrag belief sich auf 1 594 Millionen Dollar.

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Das südslawische Königspaar wird im Januar zu einem offiziellen Besuch nach Paris kommen. Auch König Karol von Rumä­nien und Außenminister litulescu werden im Januar zu einem Besuch der französischen Regie­rung erwartet.

In Mentone (Riviera) ist der frühere forojetruf« fische Volkskommissar für Unterrichtswesen Lunat­scharski gestorben.

Wettervoraussage.

Die mit ihrem Kern über Südengland lagernde Störung hat sich erheblich vertieft und neben Tem­peraturanstieg auch Niederschlagstätigkeit, besonders im Westen Deutschlands, eingeleitet. Auf der an­deren Seite ist Der Druck im NorDosten Europas gestiegen, und von Osten und Nordosten gelangt weiterhin kalte Luft nach Deutschland. Im Grenz­gebiet, in dem wir uns befinden, dürften also die Temperaturen um Null schwanken und erst allmäh- lick darüber ansteigen. Die entstehenden Nieder­schläge werden vorerst noch als Schnee und Grau­peln auftreten und bann in den tiefer gelegenen Teilen in Regen übergehen.

Aussichten für Freitag: Meist bewölkt, Temperaturen um Null schwankend, zeitweise Nie­derschläge, teils als Schnee, teils als Regen.

Aussicht en für Samstag: Wechselnd be­wölkt, stellenweise leichter Nachtfrost, noch Anhalten Der Niederschlagstätigkeit.

Lufttemperaturen. Am 27. Dezember: mittags 2.3 Grad Celsius, abends 0,5 Grad; am 28. De­zember: morgens0,1 Grad, Maximum 2,5 Grad, Minimum1,5 Grad; Niederschläge 0,6 Milli­meter; Schneedecke % Zentimeter; Sonnenschein- DauerA Stunde. Erdtemperaturen in 10 Zenti­meter Tiefe. Am 27 Dezember: abends0,5 Grad; am 28. Dezember: morgens 0,6 Grad.

Amtliche Dintersportnachrichten.

Vogelsberg, Hoherodskops: Dunstig, minus 5 Grad, 26 cm Schnee, 8 cm Neuschnee, Pul­verschnee, Sportmöglichkeiten sehr gut. fier- chenhainer Höhe: Rauhreif, minus 3 Grad 25 cm Schnee, 10 cm Neuschnee, Pulverschnee, Sport sehr gut. Hochwaldhausen: Bedeckt, minus 4 Grad, 12 bis 15 cm Schnee, 8 cm Neu- schnee, Pulverschnee, Ski und Rodel gut. Sauer» land, Winterberg: Nebel, minus 3 Grad, 20 cm Schnee, 1 bis 2 cm Neuschnee, Nauhreif, gut.