Nr. 505 Erstes Blatt
183. Jahrgang
Donnerstag. 28. Dezember 1935
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General-Anzeiger für Oberheffen
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Dr. Frredr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil l D. Th.kümmel sämtlich in Biehen.
Krankreich bereitet seine Rückkehr nach Genf vor.
Dor Ueberreichung einer französischen Denkschrift in Berlin. — Ein neuer Abrüstungsplan.
Der Mnisterra«'.
Paris. 27. Dez. (TU.) Der französische Mini st e r r a i hat Mittwoch nachmittag über dreieinhalb Stunden unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik getagt. Er beschäftigte sich mit dem Eisenbahnunglück und den d e u t s ch - f r a n z ö s i - scheu Besprechungen. Eine amtliche Mitteilung besagt lediglich, dah der Autzenminister ausführlich über die verschiedenen Informationen berichtet habe, die er in der Jrage der Abrüstung eingeholt habe. Paul-Boncour habe den Ministerrat die grotzen Linien einer Denkschrift (Aide memcire) unterbreitet, die er dem französischen Botschafter in Berlin zugehen lassen wolle. Der Mlnisterrat habe diesem Vorschlag und dem Inhalt der Denkschrift z u g e st i m m t.
Ministerpräsident Ehautemps erklärte im An- schluh an den Ministerrat der presse, die Regierung müsse zunächst noch eine starke Zurückhaltung beobachten. weil es nicht üblich sei. diplomatische Schriftstücke zu veröffentlichen, bevor sie zur Kenntnis der ausländischen Regierung gelangt seien, für die sie be- stimmt seien. Ehautemps fuhr dann wörtlich fort: »Alles, was ich Ihnen sagen kann. ist. dah Frankreich — wenn es auch gern bereit ist, mit ollen interessierten Staaten die Besprechungen fortzusehen, die zudem von dem Bureau für Abrüstungskonferenz vorgesehen waren — die Organisie- rung der allgemeinen Sicherheit auf dem Wege der Rüstungseinschränkung und im Rahmen des Völkerbundes sucht. Die französische Regierung ist heule wie früher bereit, von sich aus diesbezügliche positive Vorschläge zu machen, die den Verhandlungspartnern die Aufrichtigkeit des französischen Friedenswillens beweisen würden." Ehautemps fügte diesen Erklärungen hinzu, dah der genaue Zeitpunkt für die Ueberreichung der Denkschrift noch nicht festliege.
In politischen Kreisen erklärt man ergänzend, dah der fkanzösische Botschafter In Berlin den Inhalt der Rote persönlich vortragen und sie dann als „Aide memoire“ der Reichsregle- tung überreichen werde.
Man erklärt ferner, dah die Ausführungen Ehautemps' in erster Linie aus innerpolitischen Gründen erfolgt seien, um einer Auseinandersetzung der französischen presse über die Zweckmähigkeit oder Unzweckmäßigkeit unmittelbarer Verhandlungen mit Deutschland vorzubeugen. Ehautemps habe durch seine Ausführungen zum Ausdruck bringen wollen, dah diese Frage überhaupt nicht zur Aussprache stehe, dah Frankreich vielmehr selbstverständlich den einmal begonnenen Meinungsaustausch forf- zusehen beabsichtige.
Paris dreh! sich im Kreise.
Paris, 28. Dez. (CNB. Funkspruch.) Trotz der Erklärung des französischen Ministerpräsidenten, daß mit Rücksicht auf den schwebenden Gedankenaustausch keine Mitteilungen über den Inhalt der angekündigten französischen Denkschrift gemacht werden könnten, werden in der Presse Ausführungen veröffentlicht, die das wesentliche dieser Denkschrift darzustellen scheinen. Danach will Frankreich nicht nur die künftigen Verhandlungen wieder im Rahmen der Abrüstungs- konferenz führen, sondern auch genau dort a n k n ü p f e n, wo die Genfer Verhandlungen im Oktober unterbrochen wurden. Frankreich will einen eigenen Plan für eine allgemeine Abrüstung vorlegen, der auf den englisch-französischen Beschlüssen vom 23. und 24. September und auf der bekannten Simon-Erklärung vom 14. Oktober beruhen soll.
Man spricht setzt nicht mehr von Probezeit oder Bewährungsfrist, sondern von zwei Heber- gangsperioden von je vier Jahren. In der e r ff e n Periode, die mit der Unterzeichnung der Konvention beginnen soll, soll für die europäischen Heere ein einheitlicher Ty mit kurzfristiger Dienstzeit geschaffen werden. Deutschland soll 200 000 Mann und ein entsprechendes „leichtes Defensivmaterial" erhalten. Frankreich würde 200 000 Mann im Inland und 200 000 Mann in den Kolonien erhalten, ebenso seine gesamten vorhandenen Materialien. Mährend der ersten vier Jahre würde eine ffänbige gegenseitige Kontrolle zwischen den europäischen Heeren hergesielll werden. Im verlaufe der zweiten vier Jahre würde Deutschland je nach dem Ergebnis der Kontrolle das Recht erhallen, sämtliche Defensivwaffen zu besitzen (elnschliehlich Tanks und Flugzeuge), während die anderen Mächte ihre Offen- sivwaffen (Geschütze mit einem Kaliber von über 105 Millimeter und Tanks von mehr als 1500 Tonnen) zerstören müßten.
In französischen Kreisen gibt man sich über die Erfolgsaussichten dieser Vorschläge, die die ganze Entwickelung aus der Genfer Krise zu ignorieren suchen, offenbar keinen Illusionen hin. Es kommt in der Presse deutlich zum Ausdruck, daß es sich vorwiegend um ein Manöver zur Verschiebung der Schuldfrage und zur Vorbereitung evtl. Aktionen im Völkerbund handelt hieran gemessen wird die Methode aber ebenso plump wie hinsichtlich der Abrüstungsfragen sein. Die Presse stimmt nicht einmütig den Beschlüssen der Regierung zu. „V o l o n t 6" begrüßt, daß der französische Außenminister es vermieden habe, diese Besprechungen durch eine strikte Weigerung abzubrechen, kritisiert aber d i e Methoden, die die Regierung anzuwenden beabsichtige. Das Blatt setzt sich für direkte Besprechungen ein —
„Paris Soir" bemerkt: Man wird also mit Berlin verhandeln, aber nicht in einem tete-ä-tete. Das französische Schiff nimmt Richtung nicht auf Berlin, sondern auf Genf. .^Intran- sigeant" bemerkt, die Aussicht auf direkte Besprechungen mit Deutschland scheine die rührigsten Elemente der Regierungsmehrheit etwas erschreckt zu haben. Man sehe nicht recht, welchen Nutzen man aus dem offenen Bruch mit den seit Genf eingeführten diplomatischen Methoden ziehen könne. Man wolle Deutschlands Vorschläge anhören, aber nicht über f i e verhandeln, als ob Frankreich allein Stellung zu nehmen hätte. Frankreich könne nicht den Block seiner Freundschaften vernichten, nur um den Schein seiner Sicherheit zu retten.
Oer neue Bürgerkrieg in China.
Schwere Kämpfe in der Provinz Zukien. - Japaner und Amerikaner ersuchen um Schutz.
Schanghai, 28. Dez. (TU.) Arn Mittwoch haben regelrechte Kämpfe zwischen den chinesischen Regierungs- und den Fukien-Kriegsschiffen bei Futschau stattgefunden. Dabei wurden drei Militärdampfer der Fukienregierung vernichtet. Nach Mitteilung chinesischer Militärbehörden haben die chinesischen Regierungstruppen die Befestigungsanlagen bei Taischun in Besitz genommen. Die Kämpfe waren besonders heftig, die Stadt fiel erst beim oiertenmal in den Besitz der chinesischen Regierungstruppen. Die Verluste sollen auf beiden Seiten sehr groß sein.
Wegen des Luftangriffs auf Futschau haben die japanischen Staatsangehörigen in Futschau ihren Generalkonsul um Schutzmaßnahmen gebeten. Der Generalkonsul hat sich auf Anweisung seiner Regierung unmittelbar mit dem amerikanischen Generalkonsul und anderen ausländischen Diplomaten in Verbindung gesetzt, um gemeinsame Maßnahmen zu treffen. Die amerikanische Mission berichtet, daß ihre Kirche und andere Gebäude beschädigt worden sind Die
Flugzeuge haben offensichtlich versucht, die Stadtteile zu schonen, in denen Ausländer wohnen. Ein großer Teil der Eingeborenen-Beoölkerung hat die Stadt fluchtartig verlassen.
Bei Tschangtschau kam es zu einem Gefecht zwischen Nanking-Truppen und kommunistischen Truppen, die die Fukienregierung unterstützen. Die Nanking-Truppen besetzten die Stadt. Nach einem Bericht der Fukienregierung warfen 16 Flugzeuge Bomben auf Tschangtschau. 30 Zivilpersonen und drei Soldaten wurden getötet. Drei Flugzeuge sind abgeschossen worden. Die Nanking-Truppen haben ferner die Mamao-Tschangmen-Forts etwa 30 Kilometer östlich von Futschau besetzt, die dot der 19. Division aufgegeben worden sind. Die Kriegsschiffe der Nanking-Regierung beherrschen auch die Pagoda-Forts bei Tschangtschau, oon denen die Truppen der 19. Division nach Futschau abmarschiert sind. Diese Division, die sich in den Kämpfen bei Schanghai gegen die Japaner ausgezeichnet hat, bildet das Rückgrat der Fukien- Armee
Abschiedsgesuch des Chefs der Heeresleitung genehmigt.
Berlin, 27. De;. (DTB.) Der Chef der Heeresleitung, General der Infanterie Frhr. o. Hamme r st e i n - L c q u o r d hat sich im vollen Einvernehmen mit der Reichsregierung entschlossen, zum
1. Februar 1934 seinen Abschied zu erbitten. Der Reichspräsident hat das Abschiedsgesuch genehmigt und den General Frhrn. v. ham- merstein mit dem Tage seines Ausscheidens zum Generalobersten befördert.
General d. I. Freiherr von Hammerstein-Ecquord wurde 1878 in Hinrichshagen in Mecklenburg als Sohn des großherzoglichen mecklenburgischen Forstmeisters von Hammerstein geboren. Er besuchte die Kadettcnanstalten Plön und Groß-Lichterfelde und trat 1898 in bas 3. Garde-Regiment zu Fuß ein. 1911 bis 1913 war er zum Großen General- ftab kommandiert und erhielt 1913 den Hauptmannsrang. In den Krieg rückte er als Adjutant des Generalquartiermeisters beim Chef des Generalstabes, General von Stein. Freiherr von Hammerstein ist der Verfasser der meisten bekannten Heeresberichte des Großen Hauptquartiers aus der ersten Kriegs- zeit. Später war er in verschiedenen Generalstavsstellen tätig, so beim Armee-Oberkommando III, bei der 27. Infanterie-Division, beim Armee-Ober- kommando IV und beim Generalkommando 65. 1917 wurde er zum Major ernannt, 1920 zum Oberstleutnant und Chef des Stabes des Gruppenkommandos II (Kassel). 1922 bis 1924 war Hammerstein Kommandeur des III. Bataillons des Infanterie-Regiments 12 in Magde
burg, 1924 bis 1929 als oberster Chef des Stabes der 3. Division (Berlin). Im Jahre 1929 wurde er zum Generalmajor und Ches des Truppenamts im Reichswehrministerium ernannt. Seit dem 18. Oktober 1930 ist er General d. I. und Chef der Heeresleitung. Besondere Verdienste hat sich General von Hammerstein um den Aufbau der Wehrmacht erworben. Im Heere rühmt man ihm seine außerordentliche Ruhe und Kaltblütigkeit nach und sein nüchternes und klares Denken. Mustergültig waren stets feine kurzen und klaren Befehle, deren Stil schon in den, wie erwähnt, von ihm verfaßten ersten Kriegsberichten zum Ausdruck kam.
Or. Ley an die politischen Leiter und Amtswalter.
München, 27. Dez. (WTB.) Der Stabsleiter der Obersten Leitung der PO., Dr. Robert Ley, erläßt, wie die Reichspreffeftelle der NSDAP, mitteilt, folgenden Aufruf:
Politische Leiter! Amtswalter! Ein Jahr des Sieges liegt hinter uns. Adolf Hitler hat die Macht. Das Jahr 1933 bedeutet den Beginn einer Weltenwende. Ihr politischen Leiter der NSDAP, und Ihr Amtswalter der gleichgeschalte- ten Verbände habt durch Eure Opferbereitschaft, Euren zähen Arbeitswillen und Eure unerschütterliche Disziplin dieses Werk mit zum Erfolg geführt. Euer Ringen verdient Dank und Anerkennung. Was seit 2000 Jahren in der Geschichte Deutschlands als unmöglich erschien, nämlich die Schaffung einer politischen Führung, ist jetzt Tatsache geworden. Diese Tat unseres Führers wird einst zu den größten Leistungen der Geschichte gehören. Erst dadurch, daß wir den politischen Unteroffizier und Offizier geschaffen haben, wird der Erfolg der nationalfozialisti- schen Revolution für alle Zukunft gesichert sein. Politische Leiter! Ihr leid ein Typ geworden, der Typ des Predigers, Soldaten zugleich. Arbeiten wir weiter in dieser zähen Verbissenheit um die Vollendung unseres Wollens. Dem Schicksal danken wir, daß es uns auf diesen Platz gestellt hat, und unseren Führer Adolf Hitler lieben und verehren wir. Mit ihm vorwärts in ein neues Jahr! heil Hitler!
Eine Anordnung der Obersten Leitung der PO. besagt, daß die Leiter der politischen Organisationen in Zukunft n i ch t m e h r A m ts- matter, sondern politische Leiter heißen. Dagegen heißen alle, die mit einem 21 m t in den gleichgeschalteten Verbänden, wie Deutsche Arbeitsfront usw., betraut sind, Amtswalter.
Jtanfrnoten.
Der Leipziger Prozeß war doch etwas mehr als nur eine rein innerdeutsche Angelegenheit, wie jetzt plötzlich einige ausländische Blätter herausgefunden haben. Schade nur, daß ihnen dsife Erkenntnis nicht früher gekommen ist, sie hätten sich und uns manchen Verdruß erspart, sie wären vor allem von dem Vorwurf der Parteilichkeit verschont geblieben. Wir haben nicht die Absicht, heute jeder ausländischen Zeitung vorzurechnen, wie sie bei der Berichterstattung aus Leipzig gefehlt hat, wie bereitwilligst sie die Lügen des Braunbuches aufnahm und wie wenig objektiv sie die bolschewistische Gefahr in Deutschland und deren Ueberwindung zu beurteilen vermochte. Es hat lange gedauert, bis sich bedeutendere Presseorgane des Auslandes dazu durchrangen, einmal zu überlegen, was wohl geschehen wäre, wenn der Bolschewismus in Deutschland Sieger geblieben wäre. Sie haben sich der Ansicht nicht verschließen können, daß es dann nur eine Frage der Zeit sei, bis auch Westeu- e u r o p a vor Hammer und Sichel in die Knie gehen müsse. Wir dürfen wohl heute feststellen, daß gerade der Leipziger Prozeß dem Ausland wesentlich mehr gebracht hat alsuns,diewirdiebolschewistischenVorreiter aus jahrelangem Kampf kannten. Wenn auch dem deutschen Volk noch einmal die bolschewistische Gefahr in ihrer ganzen Größe vor Augen geführt wurde, so blieb doch schließlich nur die Frage zu beantworten: Wer hat den Brand im Reichstag gelegt, wer ist schuldig zu sprechen? Um diese Frage kreiste auch die ganze deutsch-feindliche Propaganda, die i n d o p p e l te r Beziehung geschlagen, den Schauplatz ihrer wenig erhebenden Tätigkeit verlassen muß. Sie hat zwar die internationale öffent- • liche Meinung gegen uns mitreißen können, muß aber jetzt an Hand der maßgebenden ausländischen Presse, auch derjenigen, die wirklich nicht das geringste für uns übrig hat, erkennen, wie sehr alles, was irgendwie mit der kommunistischen Bewegung, die in Leipzig auf der Anklagebank saß, zusammenhängt, abgelehnt und wie bereitwillig dem beut« schen Richter bescheinigt wird, daß er bei der Abfassung des Urteils nur nach dem Gesetz und seinem Gewissen handelte. Es hört sich wie wütendes Gekläff an, wenn die Geschlagenen, die Herrschaften der Londoner Gerichtskomödie, die Verfasser des Braunbuches, die notorischen Hetzer und Lügner, davon sprechen, daß die „nationalsozialistischen Henker unter dem Druck des Weltproletariats^ zurückgewichen wären. Das sind freche Redensarten, die in unseren Ohren nicht fremd klingen, haben wir sie doch in der Vergangenheit nur zu oft in deutschen kommunistischen Versammlungen und in der „Roten Fahne" nebst verwandten Blättern zu hören bekommen. Ader immer nur bann, wenn es galt, ben im Banne bes Marxismus stehenben Massen etwas zu verschweigen unb bafür Kraftmeiertum vorzugaukeln. Wir empfehlen ben Drahtziehern ber Deutschenhetze, wie sie sich um ben Leipziger Prozeh gruppierte, eine Lektüre ber großen Auslanbspresss zu diesem Urteil, bas von einer ganz anberen Warte betrachtet aber auch als ein Spruch gewertet wirb, gegen ben roeber mit Gefühlen noch mit juristischen Spitzfindigkeiten angerannt werben kann unb gegen ben auch unter ben Vernünftigen niemanb vorzugehen bereit ist, weil man sich mit nichts mehr ztt belasten wünscht, was nach Wegbereitung für ben Bolschewismus aussieht.
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400 Opfer mußten nach ber entsetzlichen Kata, strophe von Lagny unter den Splittern und Trümmern hervorgeholt werden. 200 Tote und 200 Verletzte. Das find alles Menschen, die zu ihren Lieben zum Weihnachtsfest fahren wollten, keiner, ber nicht ein kleines Päckchen in ber Hand ober in ber Tasche gehabt hätte. Die Katastrophe von Lagny ist das größte Unglück, von dem bas Ersenbahnwesen in diesem Jahrhundert betroffen wurde, wenn nicht die größte Eisenbahnkatastrophe überhaupt. Was die Zahl ber Toten und Verwundeten betrifft, so gibt es kein Verkehrsunglück, bas auch nur annähernd mit ber Katastrophe von Lagny zu vergleichen wäre, höhere Totenziffern findet man überhaupt nur in der Unglückschronik der Bergwerke. Daß die Zahl der Toten und Verletzten hier so hoch ist, erklärt sich eben nur aus dem Umstand, daß der Zug, der nach Paris fuhr, mit Menschen überfüllt war. Sieben Wagen des Eisenbahnzuges wurden zertrümmert und in diesen sieben Wagen befanden sich zusammengepreßt die 400 Menschen.
Die Ueberfüllung ber Züge stellt ohne Rücksicht auf die technische Schuldfrage an und für sich eine schwere Gefährdung ber Reisenden bar. Wem ist nicht schon einmal ber Gedanke aufgetaucht, wenn er ein Verkehrsmittel benutzte unb wie ber Hering in ber Tonne eingekeilt war zwischen Hunderten, der Gedanke, daß ein Unglück, wie es ber Zufall jeben Augenblick bringen kann, keine Aussicht auf Rettung bieten würde. Man sollte, um die Möglichkeit jo großer Katastrophen auszuschalten, in ber ganzen Welt die schärfsten Maßnahmen gegen ZugüberstU- lung treffen und den Grundsatz durchführen, daß jedem Reisenden ein Sitzplatz gebührt. Dann wären eben entsprechend mehr Wagen zu stellen, aber hätte man das in Lagny rechtzeitig getan, bann hätte die Ostbahn vielleicht weniger ver- dient, Frankreich brauchte jedoch nur einen Bruch- teil ber Opfer des Unglücks zu beklagen.
Bei der Katastrophe von Lagny soll bas automatische Signalsystem nicht funktioniert haben. Das Versagen wirb bamit erklärt, baß bie elektrischen Kontakte nicht funktionierten. Von fachmännischer Seite wirb erklärt, baß auf ben deutschen Bahnen umfangreiche Sicherungen eingeführt finb, etwa 125 Schnellzugkokomo- tiven sind in Dentschlanb mit ber elektromagnetischen Fahrsperre versehen, bie automatisch ein setzt, wenn ber Zugführer bas Haltesignal überfährt. 250 Meter vor bem Hauptsignal liegt ein Magnet, bett


