Ausgabe 
28.11.1933 Erstes Blatt
 
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Doktor Gmdes Ehe.

Originalroman von J. Schneider-Zoerfil.

25. Fortjetzung. Nachdruck verboten!

Grude sah wie ein versteinertes Bild. Dick hatte Ihn hintergangen! Mit Madien hintergangen! Der Mann, von dem er geglaubt hatte, daß er der treueste aller Freunde war, entpuppte sich als der größte Schuft, den die Erde trug. Als ein ganz gemeiner minderwertiger Charakter. Er hatte ihn aus Erbarmen ins Haus genommen und erfuhr das zum Dank dafür.

Bersorich mir, daß du dich seiner annimmst.'" flehte Madlen. Ihre Stimme war ganz von Weinen vurchzittert.

Du verlangst» zuviel!" stöhnte er und drückte dos Gesicht in die Hände.

Ihre Finger griffen nach ihm.Ich kann dir ja nun kein Leid mehr zufügen, Felix. Ein, zwei Tage noch, dann bist du frei! Gan; frei!

Ihre Finger glitten unruhig über die DeckeEs hat einmal eine Zeit gegeben, Felix, da hatte ich den Himmel eingerissen, wenn ich dich nicht hatte haben dürfen. Rolf hat mich gewarnt: wir paßten nicht zusammen. Es ist tatsächlich so gewesen. Warum sollst du nun auf mich Rücksicht nehmen, wenn ich nicht mehr bin? Christa und du es wird sicher eine sehr schöne, friedliche Ehe werden." Und als er sich erheben wollte, streckte sie die Arme nach ihm aus.Komm noch einmal zu mir, mein Fe- titsche! Ich habe dich doch gern gehabt! Du hättest nur strenger mit mir sein müssen. Das wäre besser gewesen. Es hätte sich vielleicht doch manches aus mir machen lassen. Aber gräm dich nicht zu sehr darüber. Der Himmel gleicht ja immer wieder aus. Ich gehe und du darfst bleiben."

Du weißt nicht, wie es mit mir steht, Madlen. Ich nehme seit Wochen wieder Morphium."

Wie schrecklich!" sagte sie.Aber die Christa wird es dir obgewöhnen. Fahr nicht wieder auf", bat sie und ließ den Stopf müde zu.ücksinken. Er ist mir eine Beruhigung, wenn ich sie bei dir weiß und bei unserem Stinb. Und wenn du dann ganz wunschlos glücklich bist an ihrer Seite, vergiß nicht, daß ich £ür ihn gebeten habe. Er hat mich doch auch geliebt."

Das Kissen färbte sich plötzlich mit Blut. Noch einmal richtete sich der schlanke Körper aufFe­stliche!"

Seine Arme umfingen die Sterbende und hielten sie fest an sich gedrückt.

Vergib mir! Und wenn du und Christo" Die Worte verschwommen und wurden undeutlich. Noch einmal suchten ihre Augen in den seinen. Aber sie waren schon verdunkelt, suchten über ihn hinaus und gingen in überirdische Fernen.

Als die Schwester nachzusehen kam, saß Grude

neben der Toten und sah ihr mit halberloschenen ^eit M^e?mgegangen", tröstete sie und legte ihm die Hand auf die edjulter.^Wir müssen alle traaen, was uns bestimmt ist.

Dankbar begrüßte sie Wellenberg, der hinter ihr eintrat Er sah auf die tote Schwester und bann auf den Freund. Jetzt, wo das Leben schwieg, ruhte die Maje'iak des ewig Geheimnisvollen auf ihrer StirneMehr, als mit seinem Leben büßen, kann man nicht, Felix!" Dabei ruhte fein Blick bittend auf Krude.Hast du dich noch mit ihr ausge­sprochen?"

Er bekam nur ein Nicken.

Weiß sie, daß Dick in Haft genommen wurde?" Und als Grude auch auf diese Frage nur ein Nicken fand, gab Wellenberg seinen Zweifeln Aus­druck.Etwas stimmt da nicht! Nur die Hand­schuhe allein bas ist noch kein strikter Beweis. Sag boch selber: Warum soll er es benn getan haben?"

Grube sah nach ber Toten und preßte die Sippen aufeinanbcr.Mablen hat mir über alles Auf­klärung gegeben. Ich möchte nicht barüber sprechen. Es ist zu häßlich, Rolf. Sie soll in Frieben schlafen. Vielleicht besorgst bu Montrey einen guten Ver- teibiger. Ich will nichts mehr mit ihm zu schaffen haben."

Wellenberg war sprachlos. Er beugte sich zu bem Freund herab und legte ihm die Hand auf die Schulter.Sie hat ihn nie gemocht bedenke das, Felix. Trotzdem halte ich es ganz ausgeschlossen, daß sie ihn selbst im Angesicht des Todes noch ver­leumdet hätte."

Sie hat für ihn gebeten, Rolf."

Und gesagt, daß er schuldlos sei!"

Darauf schüttelte Grube nur ben Stopf.Ich kann bir nichts barüber sagen. Ich werbe auch bem Gericht gegenüber schweigen. Er mag selber sehen, wie er mit sich unb seinem Gewissen fertig wirb. Nur mir barf er nie roieber vor bie Augen kommen. Ich könnte sonst für nichts garantieren."

Wellenberg unterließ es, weiter in ihn zu brin­gen. Was mochte Mablen ihm erzählt haben? Es war vielleicht nur eine Fieberphantasie gewesen, die er nun für Wahrheit nahm. Es blieb nur noch bas eine. Dick selbst zu fragen. Unter bem Dor- roanbe, sich wegen Mablens Ueberführung zu er- funbigen, verließ er bas Zimmer.

Eine halbe Stunde später saß er bereits vor Montrey, ber bie Mitteilung von Mablens Tob mit ernstem Gesicht entgegennahm.

Sag mir um alles in ber Welt, was hast bu vor Felix zu verbergen gehabt?--Mablen muß

ihm etwas gesagt haben, bas ihn völlig aus ber Fassung brachte."

Wunbert bich bas?"

Well"nberg fuhr auf unb begann zwecklos in ber Enge bes Raumes hin unb her zu laufen.Ich will jetzt enblich wissen, wie sich bas Ganze eigent­

lich abgespielt hat. Du kannst doch nicht einfach in bie Garderobe gegangen sein und sie nieberge- schollen haben "

Warum nicht?"

Bring mich nicht zum Wahnsinn, Dick! Ich kann viel vertragen, aber es hat alles feine Grenzen. Du hast dich nie mit ihr verstanden! Gut' Du bist immer auf ber Seite von Felix gewesen! Auch gut! Warum hast bu bann gerade gestern abend den Kopf verloren unb gegen sie losgedrückt?"

Montrey saß auf dem etwas wackeligen Stuhl unb sah ihn nachdenklich an.Das kann man hintennach nimmer so sag'n. Ich bin halt aufgeregt g wes'n unb voll Zorn, bah sie bem Felix auch bas noch antut unb in einem Tingel-Tangel auftritt. Du fjättft ihn sehen sollen, wie er mir bas erzählt hat! Er war ganz verzweifelt. Ich hab's nimmer mit anschaun können und hab mir denkt: einmal muß jetzt Schluß sein. So ober so. Der arme Mensch muß endlich wieder einmal zur Ruh kom­men. Na, und da bin ich eben hingangen unb hab ihr Vorstellungen g'macht. Ein Wort hat bas andere gebn unb zum Schluß bas weißt ja eh alles--ist mir halt ber Gaul burchbrennt."

Aber so einfach liegen lassen unb niemanb tur Hilfe herbeiholen, bas wäre nicht nötig gewesen. Dick."

Montrey nickte.Was macht man net alles, wann man kopflos wird?"

Ich soll mich um einen Verteidiger für dich umsehen, hat mich Fellx beauftragt."

So", lächelte Montrey,bas ist nett von ihm."

Sei boch nicht so gleichgültig", brauste Wellen­berg jetzt auf.Jetzt geht der Skandal um Felix wieder von vorne an. Alles wird wieder ans Licht gezerrt. Die ganze Misere seiner Ehe mit meiner Schwester wird wieder breitgeschlagen. Wenn bu's wirklich getan hast, warum hast du nicht geleugnet bis zum letzten? Man sagt doch nicht gleich ,3a, solange einem nichts bewiesen ist."

Unb bie Handschuhe?"

Sinb es überhaupt die deinen?"

Dick stutzte. Die Frage war gefährlich.Warum soll'ns denn net die meinen fein?" beharrte er. Geh jetzt z'Haus, Rolf, unb tröst ben Felix. Viel­leicht kann bie Lena einmal zu mir kommen. Sag ihr, daß ich ein dißl Wäsch brauch unb so--.

Sie weiß schon."

Ich werbe es ihr bestellen. Hast du besondere Wünsche wegen eines Verteidigers?"

Gar keine", fügte Montrey gleichmütig.Mir ist jeder recht.--Unb bittschön--"; er nahm

seine Brieftasche heraus unb überreichte Wellen­berg eine Zehnschillingnote.Davon besorgst einen Kranz für bie Mablen. Ich selber kann mich ja net barum kümmern."

Der Doktor zog bie Hanb zurück.Vergiß nicht, daß sie trotz allem meine Schwester ist."

Das vergeß ich eh net, Rolf. Ich hätt ihr, weiß Gott, ein anberes Sterben g'wünscht. Aber es is

wohl jedem schon so aufg'setzt, bas Wie unb Wann. --Willst den Kran; für mich beforg'n?-- Sonst bitt ich die Lena drum." Er sah, baß Wellen» berg noch immer roiberftrebte und steckte ben Schein wieder zu sich.Geh jetzt! Der Felix braucht dich notwendiger!"

Morgen und übermorgen kann ich wahrschein­lich nicht kommen", sagte Wellenberg. «Liber bu kannst mir ja Bescheib sagen lassen, wenn du mir etwas Dringendes zu sagen wünschest."

3a, ja! Ich tu dir schon Bescheib! Behüt dich Gott, Rolf!" Montren ging noch mit bis an die Türe. Als der Aufseher von draußen abriegelte, lächelte er. Ader es war ein müdes, apathisches Lächeln.

Er hatte Grude zu hoch eingeschätzt.

Während der beiden nächsten läge, an welchen es so viel wegen Mablens Beerbigung zu regeln gab, kümmerte sich niemanb um Montren als Lena Moore. Sie brachte ihm Wäsche, Zigaretten, Bücher unb gewissermaßen auch so etwas wie Trost, indem sie ihm berichtete, baß Grube sehr gefaßt fei und bie Geheimrätin oorberhond in ber Mariahilfer- strahe Wohnung genommen habe.

Ehe sie sich von ihm verabschiedete, suchte sie in seinen Augen.Haben Sie mir nichts zu sagen, Herr Hauptmann?"

Nichts, bas Sie nicht schon wüßten, Lena."

Sie zögerte, wollte sprechen unb hob bann nur leicht die Schultern hoch.Es ist so schwer!"

Was ist schwer, Lena?"

Durch bas unsichere Licht ber Dämmerung forschte er in ihrem blassen Gesicht.

Alles ganz allein herauskiügeln zu müssen", ge- stand sie leise.

Erschrocken fuhr er zurück.Was woll'n Sie denn herausklügeln?"

Sie ließ ben Blick unsicher von ihm abgleiten. Es stimmt nicht alles. Man kann in fünf Minu­ten nicht von ber Mariahilferftraße zum Kabarett Faun kommen."

Was Sie für eine gescheite Frau find!" scherzte er.Das kann man net, nein!"

Eben! Gute Nacht, Herr Hauptmann!"

An ber Türe faßte er sie noch ab ..Lena ist 1 bas Elend noch nicht groß genug. Muß es noch j größer werd'n?"

Er bekam keine Antwort mehr, benn bie Be­suchszeit war um. Er küßte ihr noch rasch die Hand, 1 fühlte wie kalt diese war und bat:Trinkens gleich, I wanns jetzt heim kommen, eine Taffe heißen lec! I Mir zuliebe, Lena! Ja?"

Ob es mit einer Taste Tee getan ist, Herr 1 Hauptmann?"

Bitte!" sagte die Stimme des Aufsehers unge­duldig. Lena konnte Dick nur noch zunicken, bann I fiel die Türe ins Schloß.

(Fortsetzung folgt.)

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Amtsverkündigungen aus den oberhessischen und preußischen Kreisen.

Kreis Schotten.

Die Intendanz des Gießener Theaters teilt dem Kreisschulamt mit, daß am Samstag, dem 9. Dezember, nachmittags 16 Uhr, Lessinas Lustspiel:Minna von Barnhelm" als Schülcrvorftellung ge­spielt wird. Das Kreisschulamt empfiehlt den Besuch für die obersten Jahrgänge der Volksschule und für die Berufsschule. Wünsche wegen eines anderen Tages und einer anderen Zeit können unmittelbar an die Leitung des Stadttheaters gerichtet werden.

Kreis Wetzlar.

Die Kreiskommunalkaffe erinnert an die Zahlung der rückständigen Zins- und ! Tilgungsbettäge für vomKreiskommunal- , verband Wetzlar erhaltene Baudarlehen. Spätester Einzahlungstermin 10. Dezem­ber d. Z.; nachher kostenpflichtige Bei- tteibung.

Kreis Biedenkopf.

Auf Anordnung des 55crrn Preußischen Ministers für Landwirtschaft, Dömänen und Forsten sollen in diesem Jahr die An­bauflächen für-Wintergetreide und Win- tcrraps bereits unmittelbar nach dem Ab- schluß der ÄcrbstbestellungSarbeiten er­mittelt werden. ES wird daher eine beson­dere Erhebung der Anbauflächen von Wintergetteide und Winterraps für das Wirtschaftsjahr 1933/34 Ende Novem­ber d. Z. vorgenommen.

Der komm. Landrat ersucht, die Erhe­bung eingehend und sorgfältig vorzu- nehmen, dabei ist die Anleitung auf der Nückseite des weißen ErhebungSbogens zu beachten. Ferner ersucht der komm. Land­rat, tunlichst im Einvernehmen mit der Gemeindevcrttctung Sckähunßskommis- sionen von fach- und ortskundigen Per­sonen zu bilden. Zur Vermeidung von Störungen und Widerständen gegen die Erhebung sind die Landwirte darüber auf- zuklären, daß die Flächenanaaben vom stattstischen Landesaint zum Zwecke von Steuerveranlagungen usw. keinesfalls preiSgcgebcn werden und die Erhebung nur statistischen Zwecken dient. Mit näch- ster Post erhält jede Gemeinde ohne be­sonderes Anschreiben

1. einen weißen Fragebogen. Zn diesen sind zunächst die Zahlen einzuttagen, nachzuprüfen und erforderlichenfalls zu berichtigen. (Entwurf.) Der so ausaefullte weiße Fragebogen bleibt im Besitz der LNckspolizeibehörde.

2. einen grünen Fragebogen. Zn diesen werden die Zahlen eingetragen, wenn alle Verbesserungen durcbgeführt worden sind. Der ausgefüllte grüne ErgänzungSbogen ist ' dem komm. Landrat bis zum 30. November wieder einzureichen.

Auf pünktliche und richtige Einreichung der ErgänzungSbogen muq der komm. Landrat besonderen Wert legen. [7198D

fVinlrthtttlfl tu einer Mitaliederver« ^ImUPUng sammlnng des I» B.V. Die am vergangenen Donnerstag ausge­fallene Mitglieder - Versammlung findet bestimmt am Mittwoch, dem 29. Nov., abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshauö Gießen, Schanzenstraße IS, statt.

Erscheinen eines jeden Mitgliedes ist Pflicht. Anwesenheit wird kontrolliert.

Deutidi.BOro-a.BehörO.Hngeneni.-DeröQnO

tr. d. R. 0*715

gez.: Fr. GorgeS, gez.: Otto Jung, Geschst.-Leiter. O.-Gr.-Vorst.

670«

I Datum tolUt wohl

1 ____u«.Af,nMTT>aa)<)

Bei einer Verhandlung am 16. Novem­ber 1933 zwischen der Schäsereibesitzer- Ehefrau Justin Leck und dem Schäfers­knecht Baptist Sponsel, früher Schäfers- knecht bei obengenannten in Alzenau, jetzt in Altheim, wegen Beleidigung kam fol- gender Vergleich zustande. Sponsel Bapttst nimmt die unwahren Aussagen mit Be­dauern zurück. Er verpflichtet sich, eine Er­klärung in den Gießener Anzeiger und Süddeutsche Schäfereizeituna in Stuttgart rote folgt eine Erklärung aufzunehmen:

Erklärung.

Die von mir gemachten unwahren Ver­leumdungen in Groß-Eichen gegen Frau Beck von Alzenau Ufr. nehme ich als un­wahr mit Bedauern zurück. zhsd

Baptist Sponsel, Schäfer.

Alzenau Ufr., am 16. November 1933.

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Gießen, den 10. November 1933.

I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen«

Leo, Ortsgerjchtsvorstcher. I