Ausgabe 
28.11.1933 Erstes Blatt
 
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Oer Feuerüberfall am Etzalpenkogel.

Das amtliche Ergebnis der Llnterfuchung stellt schwere Grenzverletzung durch österreichische Heimwehrleute aus politischer Verhetzung, Roheit und Trauflust einwandfrei fest.

Berlin. 27. Nov. (WTB.) Sus dem dienst­lichen Bericht des Wehrkreiskommandos 7, aus den Feststellungen der deutschen Gerichtskommission und den Vernehmungen der beteiligten Personen er­fahren wir über die Vorgänge der Erschießung des Schützen Schuhmacher an der deutsch-öster­reichischen Grenze von amtlicher Seite folgende Einzelheiten: Die Skimannschaft der 6. Kompanie des Infanterieregiments 21 aus Nürnberg unter Führung des Unteroffiziers Gertner unternahm am 23. November von der Hindenburg-Hütte bei Reit im Winkel eine Orientierungsübung. Die aus 23 Mann bestehende Mannschaft trug Zivilanzüge verschieden st e r Art. führte keine Waffen mit und marschierte infolge der schlechten Schneeverhältnisse zu Fuß, ohne Schneeschuhe, nach Karten. Die in drei Patrouillen eingeteilte Mannschaft sollte von ver­schiedenen Seiten mit Hilfe von Marschkompassen den Etzalpenkogel erreichen. Bor dem Abmarsch fand eine eingehende Unterweisung über die Grenzverhältnisse statt.

Um 15.30 Uhr war die ganze Abteilung auf dem Etzalpenkogel unmittelbar an der Grenze versammelt, hier fand durch den Unteroffizier Gertner eine erneute Ge­la n d e o r l e n t i e r u n g und Unterrich­tung über den Grenzoerlauf statt. Etwa 15.45 Uhr marschierte die ganze Abtei­lung auf der deutschen Seite einer neutralen Schneise weiter und bog nach 70 bis 80 Metern nach deutschem Ge­biet hin ab. hier erhielt die Abteilung plötz­lich Richtung Scharwandkogel Jener, und zwar zuerst durch einen einzelnen Schuß, nach­dem die Abteilung Deckung nahm, nach wenigen Sekunden vier weitere Schüsse. Durch einen dieser Schüsse wurde der Schütze Schuh­macher tödlich getroffen.

Der Schuß ist zwischen linkem Auge und Ohr ein­gedrungen. Der Ausschuß befindet sich hinter dem rechten Ohr. Der Punkt, an dem Schuhmacher ge­troffen wurde, befand sich 9 3 Meter vom Grenzstein auf dem Etzalpenkogel und 16 Meter von der Mitte der Grenzschneise, also auf einwandfrei deutschem Gebiet. Diese Maße sind durch die Gerichtskommission am 24. November festgestellt worden. Aus den im Schnee noch gut sichtbaren Blut- und Fußspuren wurde ferner einwandfrei festgestellt, daß sich die ganze Abteilung im Augenblick der Feuereröffnung auf deutschem Boden befand. Weiterhin konnte festgestellt werden, daß die Abteilung weder auf dem Wege zum Gipfel, noch beim Abmarsch die Grenze überschritten hotte.

Ein österreichischer Gendormerie- beamtet, der sich der deutschen Kommission anschloß, hol ebenfalls zugegeben, daß die deutsche Abteilung die Grenze zu kei­nem Zeitpunkt überschritten hat. Die weitere örtliche Prüfung ergab, daß zwi­schen dem Standpunkt der österreichischen Schüt­zen und der deutschen Abteilung eine Ent­fernung von etwa 900 Meter bestand, und daß sich zwischen beiden Standorten ein breites tiefes Tal mit steilen Jclshängen hin­zieht. Ein Wortwechsel oder ein An- r u f seitens der Oesterreicher ist weder erfolgt, noch wäre er auf diese Entfernung möglich gewesen.

Nach eigener Erklärung eines der drei an dem Feuerüberfall beteiligten Heimwehrmänner gegen­über der deutschen Gerichtskommission wurde mit Visier 800 geschossen. Die drei Heimwehrleute, die als Hilfspolizei dem Gendarmerieposten in Erpendorf zugeteilt sind, suchten ihre Tat der Gerichtskommis­sion gegenüber damit zu rechtfertigen, daß sie die Abteilung für SA.-Leute gehalten hätten und daß, wenn sie nicht das Feuer eröffnet hätten, dieses von der deutschen Abteilung eröffnet worden wäre. Dazu ist festgestellt worden, daß die drei Heimmehrlcute am 23. November zum erstenmal in das Gebiet gekommen waren, und ohne Beglei­tung eines aktioenGendarmeriebeom- ten auf Streife gegangen waren.

Ferner ist feftgeffeüt worden, daß die deutsche Abteilung der erste Skilehrgang in diesem Win­ter in diesem Gebiet war, daß die Abteilung sich nm 23. November zum erstenmal der Grenze genähert halte, daß sich außer dieser dicht zu- sammenmorschierenden Abteilung von 23 Mann keine anderen Abteilungen in diesem Gelände befanden und daß in diesem Grenzgebiet bis­her keinerlei Zwischenfälle oorge- kommen sind. Um so befremdender ist da» verhalten der österreichischen heimwehrieute, die etwa eine Stunde nach dem Feuerüberfall auf dem Etzalpenkogel erschienen und zur deutschen Abteilung hin riefen: haben w i r auch was getroffen?** während des Abtransportes der Leiche er­schollen dann Rufe wieNieder mit der hitlereik heil Dollfuß! Ls soll sich ja keiner blicken lassen!- Dann fangen sie ein Lied: .Glieder mit der hitlerei! Nieder mit den Landesverrätern!" Als Motiv der Tat kommt nach Ansicht der Un­tersuchungskommission politische Verhetzung und persönliche Rohheit und Rauflust in Frage. Besondere Hervorhebung verdient dem­gegenüber das in allen Einzelheiten einwandfreie Verhalten der deutschen Abteilung und ihres Füh­rers. Die Stelle, an der Schütze Schuhmacher tödlich getroffen wurde, ist vorläufig durch ein einfaches Holzkreuz gekennzeichnet worden.

Eine Oollfuß-Nede.

Wien, 26. Nov. (691®) Bei einer vaterländi­schen Kundgebung in Amstetten, an der bemerkens­werterweise keine Heimatschuhabteilunaen teilnah- men, hielt Bundeskanzler Dr. Dollfuß eine Rede, in der er über das Verhältnis zwischen Oesterreich und dem Deutschen Reich u. a ausführte: Ich habe viele, auch familiäre Verbindungen mit dem Deutschen Reiche. Man kann cs mir daher glauben, daß es nicht meine Schuld ist wenn wir in ein so schlechtes Verhältnis zu Deutschland gekommen sind. Heute hört man verschiedene Ge­

rüchte über konkrete Verhandlungen. Unbe- deutende und unverantwortliche Persönlichkeiten ver­suchen sich damit einen falschen Nimbus zu geben ober den Anschein zu erwecken, als ob sie geeignete ober berufene Vermittler wären. Derartige Zwischen­träger habe ich immer ab gelehnt. Ich habe immer und überall erklärt: Wir wollen und wir

werden Oesterreich unabhängig erhalten, nicht nur als eigenen Staat, sondern auch innenpolitisch und keine Einmischung in unsere Verhältnisse dul­den. Unter dieser Voraussetzung habe ich immer u n - fere Bereitschaft zur Bereinigung der Miß- Helligkeiten bekundet.

Sie Beisetzung des Opfers der kainslal.

Nürnberg, 27. Nov. (WTB.) In Gegenwart des Führers fand heute auf dem Nürnberger West- friedhof die Beisetzung des von österreichischen Grenzbeamten erschossenen Reichswehrschützen Phi­lipp Michael Schuhmacher von der 6. Kom­pagnie des Infanterieregiments 21, Nürnberg, in Form eines feierlichen Staatsaktes statt. Tausende hatten sich um den in winterlichem Kleid liegenden Friedhof eingefunden. In den Straßen vom Haupt­bahnhof zum Friedhof standen SA., SS. und Stahl­helm Spalier. Dahinter staute sich Kopf an Kopf die Bevölkerung. Vor der Aussegnungshalle des Friedhofes hatten ein Spielmannszug der Reichs­wehr, die Kompagnie Schuhmachers und ein Musik- korps Aufstellung genommen. Am Eingang der Halle standen das gesamte Offizierskorps der Reichs­wehr des Standorts Nürnberg/Fürth, die Offiziere der Landespolizei, die höheren SS.- und SA.-FÜH- rer der Gruppe Franken und der Brigade 78, die Spitzen der Reichs-, Staats- und der städtischen Behörden.

Oie Ausbohrung.

In der Halle war der Sarg aufgebahrt, von Kranzspenden der Reichswehr und der SA. um­geben. Dor dem Sarg hatten die Mutter und die Schwester des Verstorbenen Platz genommen, da­hinter standen der Führer mit dem Reichswehr­minister und ihrem Gefolge. Zu beiden Seiten des Sarges stand die Ehrenwache der Reichswehr. Mit einem Orgelspiel wurde die Trauerfeier eingeleitet. In den Mittelpunkt feiner Ansprache stellte der Mi­litärgeistliche Stadtvikar Helbig ein Wort aus dem 5. Kapitel des Johannisevangeliums. Unter Glocken­geläut und Choralgesang wurde der Sarg sodann von sechs Reichswehrsoldaten aus der Kapelle zum Grab getragen.

0er Trauerzug

Der Trauerzug wurde eröffnet durch Musik der Reichswehr, eine Hundertschaft Landespolizei und einem Ehrensturm der SA. Vor dem Sarg ging die Geistlichkeit. Hinter ihm schritten die Ange­hörigen des Toten; dann folgte der Führer, links und rechts von ihm Reichswehrminister von Blomberg und General von Hammer st ein. Weiter die bayerischen Staatsminister Esser und

Wagner, sowie Dertteter der Reichswehr, der Be­hörden und der Partei. Am Grab hatten die Fahnenabordnungen der Reichswehr, der SA. und SS., des Stahlhelms, der Ärieaer- und Veteranen­vereine, sowie der Studentenschaft Aufstellung ge­nommen.

0ie Feier am Grabe.

Schon senkte sich bas Dunkel des Abends über das offene Grab, als der Militärgeistliche seine Traueransprache begann: Das ganze deutsche Volk, so sagte er u. a., stehe erschüttert vor diesem Tod. Die feige Kugel hatte das ganze deutsche Volk getroffen, darum schreie auch das ganze Volk auf und Nage an. Uns schmerze es besonders, daß diese Kugel von stammesoerwandten Brüdern über die Grenze gejagt wurde. Diese Kains - Tat zeige, wie gewaltig die Sünde fein könne, wenn sich der Haß offenbare. Der Geistliche zeichnete dann ein Bild von dem guten Kameraden, dessen junges Leben eine ruchlose Kugel endete und richtete Worte des Trostes an Ellern und Verwandte.

0er 0anf der Wehrmacht.

Dann trat der Reichswehrmini st er an die Gruft, um im Namen der Reichswehr zu sprechen: Ich tret? an das Grab eines jungen Kameraden. Der eine Kranz ist vom ältesten Soldaten der Armee, Generalfeldmarschall von Hindenburg. Er weilt in seinem Geist an diesem Grab. Den anderen Kranz lege ich nieder als Befehlshaber der Wehrmacht. Wir treten in Trauer an dieses Grab. Wir sprechen den Eltern und Verwandten, die diesen jungen und hoff­nungsvollen Soldaten hingeben mußten, den Dank der Vorgesetzten aus, denn er war ein. guter Soldat, den Dank der Kameraden, denn er war ein guter Kamerad. Dieser junge Ärieaer starb in Ausführung seines Dienstes. Wir dürfen ihn nennen einen Blutzeugen für das Werden unseres neuen Deutschen Reichs. Neben aller Trauer bewegt uns Solda­ten der Gedanke, daß es gut ist, wenn ein Soldat für dieses neue Reich sterben mußte. Eins ist sicher, wer als Soldat für unser Reich stirbt, der ist nicht u m s o n st gestorben.

Oie Worte des Führers.

Blutzeuge des neuen Oeuischiand.-Dorbild und Mahnung anVeuischlandsZugend

Nach dem Reichswehrminister trat

Reichskanzler Adolf Hitler

als Vertreter des ganzen deutschen Volkes an das offene Grab. Mit den Worten:Mein lieber, toter Kamerad!" begann der Führer seine von tiefem Ernst getragene Ansprache, in der er u. a. aus­führte:Ich bin hierher gekommen als Ver­treter jener 40 Millionen Deutschen des 12. November. Ihr Geist, der Geist des deutschen Volkes, steht heute hier an diesem Grab. Das deutsche Volk gibt mit diesem Kranz seinem jungen deutschen Soldaten den letzten Gruß. Denn sie alle haben sich zu dem Ideal bekannt, dem dieser Soldat diente und dem er sein junges Leben hin» geben mußte. Ich weiß", so führte der Kanzler weiter aus,daß in diesen Tagen durch ganz Deutschland eine Welle des Schmerzes und der Erbitterung geht. Ich weiß aber auch, daß wir gerade an der Bahre dieses Opfers, dieses toten jungen deutschen Soldaten, überzeugt sein dürfen, daß er nicht umfon ft gefallen ift" Unter Hinweis auf die Worte des Reichs­wehrministers erklärte der Kanzler:Die Wehr­macht hat in diesem Toten einen Blut­zeugen des neuen Deutschlands. Das ganze deutsche Volk aber sehe in ihm einen Märtyrer für d i e deutsche Sache. Er glaube, daß aus diesem Todesopfer das erwachsen werde, was wir alle ersehnen.

2Hif erhobener Stimme tief der Kanzler aus: Die Mörder dieses deutschen Soldaten sind nicht identisch mit den Millionen unserer Stammesbrüder jenseits der Grenze. Würden diese Stammesbrüder die Möglichkeit besitzen, ihre Stimme frei zu erheben, fo würden sie sik feierlich lossagen von den Mördern und

den Prinzipien, aus denen diese Blut­schuld erwuchs. 3d) bin überzeugt, daß das Bekenntnis auch drüben kein anderes sein würde, als es hier im Reich heute bereits ist. Deshalb aber dürfe, so betonte der Führer, für uns dieser Opfertod nicht eine Quelle neuer Erbitterung, sondern müsse zu einem Zeugen des Glaubens werden, zu einem Zeugen für diese neue Ge­meinschaft.

Diesen Kranz lege ich zugleich aber auch nieder im Namen der deutschen Jugend, die in diesem Toten nicht nur wieder ein Vorbild sehen soll für sich, sondern zugleich auch eine ernste Mahnung, was bas Vaterland von dem Einzelnen fordert und was der Einzelne bereit fein muß, dem Vaterland zu geben. Wenn die deutsche Jugend' sich zu dem gleichen Geist bekennt, der in dem Opfer dieses toten Soldaten seine leben­dige Verkörperung findet, bann kann und wird aus Leid und Schmerz, die uns heute bewegen, dereinst wieder eine bessere Zukunft für unser Volk erwachsen.

Im Anschluß an seine Worte, die die Umstehen­den im ergriffenen Schweigen anhörten, legte der Kanzler einen Lorbeerkranze am Grab nieder, der die schwarz-weiß-rote und die Hakenkreuzschleife mit der goldenen Aufschrift seines Namens trug. Im Namen der deutschen Arme« und der deutschen Heeresleitung legte der Chef der Heeresleitung General Freiherr von Hammer st ein einen Kranz nieder, ebenso der Befehlshaber des Abschnittes VII General Adam, Staatsminister Esser, Innenminister Wagner, Polizeipräsident o. Obernitz, Oberbürgermeister Liebel- Nürn­berg und ein Vertreter der NSDAP. Landesleitung Oesterreich. Den Abschluß der Feier bildete eine Ehrensalve der Reichswehr, an die sich das Lied vom guten Kameraden anschloß.

Wie die KpO. zum bewaffneten Aufstand rüstete.

Das Material der Geheimen Staatspolizei im Reichstagsbrandstisterprozeß.

gestellt. Schließlich loll bann der General­streik entfacht werden, der einmündet in den b e maffneten A u f st a n d gegen d i e Staats­gewalt der Bourgeoisie. Das Plenum des Vollzugsausschusses der Kommunistischen Interna­tionale stellt ausdrücklich in seinen Beschlüssen fest, daß mit der deutschen Revolution das Schicksal der proletarischen Revolution in West- unb Mittel- europa entschieden wird, und daß der Sieg der deutschen Revolution den wichtigsten Schritt zur Weltreoolution bedeute. Als notwendige Maßnahme zur Vorbereitung der revolutionären Auseinandersetzung wird die proletarische Einheits­front in der Weise bezeichnet, daß der Verrat der sozialdemokratischen Führer entlarvt und ein Bünd­nis der kommunistischen Arbeiter hergeftellt war mit den Arbeitern. Angestellten. Bauern unb Klein­

Leipzig, 27. Nov. (WTB.) Im Reichstags­brandstifterprozeß begann am Montaa der letzte Teil der Beweisaufnahme, die Erörterung der Frage, ob b i e KPD. in Deutfchlanb zur Zeit ber Brandstiftung einen bewaffneten Aufstand betrieben habe. Rriminalrat Heller (Berlin) führte dazu als Zeuge u. a. aus: Durch Verlautbarungen in Wort und Schrift und Be- fchlüffe der kommunistischen Parteitage wurde der Beweis erbracht, daß die KPD. nie bas Ziel auf- gegeben hat, die Diktatur des Proletariats in Deutschland aufzurichten. Als wichtigste Kampfmaß- nähme, fuhr Kriminalrat Heller fort, wird in der kommunistischen Literatur und den Beschlüssen der Parteiinstanzen die Entwaffnung der Bourgeoisie und Bewaffnung des Proletariats so­wie die Organisierung ber Massen fest­

bürgern, die fetzt noch nicht im kommunistische!» Lager stehen.

Auf dem Bezirkstag in Hamburg wurde gesagt, der Kamps gegen öle Hiller parket müsse als ideologischer und wehrhafter Masten­kampf geführt werden. Auf dem vezirkspartet- tag Mittelrhein In Köln sagte I o r g I e r, die Masten der noch Unorganisierten oder in andern Parteien Organisierten mühten für den Kampf um den Sturz der faschistischen Dik­ta t n r nnd für den Kampf nm eine deutsche Arbeiter- und Bauern- republik vorbereitet werden. Nach Torglers Referat mußten die Gastdelegierten den Saal verlosten. Nur vor den eigentlichen Parteidelegierten sprach ein auswärtiger Kom­munist, dessen Name nicht genannt wurde, über die Zersehungsardeit in der Reichs­wehr. Schutzpolizei und Land­jägerei. Dabet mühten auch jüngere Kommunistinnen eingesetzt werden, die die Ausgabe hätten, gegebenfalls unter Frei­gabe ihrer eigenen Person. Soldaten oder Poll- zisten für den Kommunismus zu gewinnen und sie zum Diebstahl von Massen und zum Verrat von Geheimnissen zu erweichen.

In ber KPD. waren von jeher zwei Rich­tungen zu erkennen. Eine legale, bie nach außen hin mit parlamentarischen Mitteln arbeitete, sowie die illegale. Für bie Kenyer ber Verhalt- nisse war es seit langem klar, bah ber Schwer­punkt ber kommunistischen Betätigung auf dem Gebiete ber illegalen Arbeit lag, deren zwangsläufige Auswirkung auch im Reichstags­brand zu erkennen fein würde. Unzählige Ver­fahren wegen ber Vorbereitung zum Hochverrat legen Zeugnis ab von ber geradezu fieberhaften Tätigkeit ber KPD., ein Sowjetbeutschlanb. bie Diktatur bes Proletariats nach bekanntem Muster zu errichten. Es wurden besondere Kurse abgebalten, in denen u. a. auch ber Straßen- kämpf, bei bem ber Bau von Barrikaden und das Ueberfallen von Polizeiwachen eine besondere Rolle spielte, erörtert wurde Die einzelnen Phasen des bewaffneten Aufstandes wur­den an Hand von Plänen unb in praktischen Hebungen gelehrt, so daß bie KPD. bereits feit längerer Zell für den Bürgerkrieg wohloor» bereitete Kerntruppen besaß.

3m Januar 1933 wurde in Berlin ein derartiger Kursus abgehalten, in bem ber ehemalige Reichs- lagsabgeorbnete Graste sagte, bie KPD. würde Ende Februar 1933 in die bewaffnete Auseinandersetzung eintreten und das Zeichen des Aufstandes würbe allen Beteiligten durch e in weithin fichtba- res Zeichen gegeben werden.

Wenn die KPD-, betonte ber Zeuge, eine Zeit- lang geglaubt hatte, mit bem von Heinz Neumann vertretenen WortSchlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft* die nationale Welle nieder­werfen zu können, so sah sie sich getäuscht. Abgesehen davon, daß die nationalen Vorkämpfer sich durch keinerlei Terrorakte von ihrer vaterländischen Pro­paganda abbringen ließen, mußte bie KPD. bie bittere Erfahrung machen, baß sich große Teile ber Bevölkerung von der kommuni­stischen Idee abwendeten. Cs blieb ber KPD nichts anderes übrig, als dem terroristisch n Tun Einhalt zu gebieten unb von Neumann offiziell abzurücken. Trotzbem gingen bieTerrorakte weiter unb sortierten viele Opfer. Die KPD. hat stets versucht, die Verantwortung dafür abzuwrl- zen. Demgegenüber ist aber au verweisen auf bas, was Langer, hinter dem sich Kippenberger verbirgt, in seiner BroschüreDer Weg zum Sieg" sagt:

Richtig ist, bah es auf den Massen- kämpf ankommt unb dah versuche, diesen durch Einzclkampf zu ersehen, aufs schärfste zu verurteilen sind. Ls kann aber Gewaltakte geben, bie von der breiten Maste als solche verstanden werden unb zum Erfolg bes Massenkampfes bei fragen. Solche müssen gebilligt unb in gewissen Fällen birett organisiert werden. 3m bewaffneten Aus­stand selbst ist bas Zusammenfallen des indivi­duellen mit bem Massenkampfe klar und un­trennbar." Mit dieser Darlegung von promi­nenter Seife ist bie Behauptung ber KPD^ daß sie den individuellen Terror ablehne, gegen­standslos geworden.

Am 1. Februar wurde ein illegales Rundschreiben an alle Berliner Unterbezirke der Partei verbrellet. in dem es heißt: Verbot ber Partei heißt Großalarm. Sofort feien durchzusühren: Alar­mierung der 'Betriebe, Vorbereitung des politischen Massenstreiks und von Demonstrationen. Sofort Be- legschaftsversammlunaen, nicht protestieren, sondern handeln. Vom 21. Februar liegen dem Berliner Po­lizeipräsident von privater Seite Briese vor, die äußerlich den Charakter von Geschäftsbriefen hatten, in Wirklichkell aber getarnte Parteian­weisungen waren. Es heißt darin: Für alle Angestellten der Fabrik unb die gesamte Kundschaft! Bürgerkrieg unvermeidlich, Sturz der Regierung nur auf revolutionärem Wege mählich. Alle großen Betriebe bearbeiten, bei Ueberfallen von Arbeitern sofort Großalarm und Massen- exkurfionen gegen Razikasernen und Au sräumung derselben.

Von Anfang März liegt eine Schrift des illegalen Rot-Frontkämpfer-Bundes vor, in der es heißt: Jetzt ist es genug! Wir organisieren den wehrhaften antifaschistischen Mastenkamof. Entwaffnet Hilfspoltzei und Faschisten!

Es gingen dann, fuhr kriminalrat Heller fort, beim Berliner Polizeipräsidium verschiedene Meldungen ein über geplante Anschläge auf Elektrizitätswerke, Starkstrom anlagen, Umformer unb andere lebenswichtige Betriebe. 3n der Nacht vom 5. zum 6. März sollten in Stettin die Gasanstalten, das Elektrizitätswerk, die eiserne Oberbrürfe und ber Fuoksender durch Sprengstofsanschläge be- schädigt werden. 3nfolge geeigneter Schutzmaß­nahmen sind die Anschläge nicht zur Ausfüh­rung gekommen. Am 16. August wurden in Stettin bei Kommunisten 39 Büchsen mit einem äußerst explosiven Spreng­stoff beschlagnahmt, der geeignet ge­wesen wäre, sämtliche verkehrseinrichluagen in Stettin zo sprengen. Aehnliche Berichte zitiert der Zeuge aus Ostpreußen, Schlesien unb aus anderen Ieilen bes Landes. 3n den Anwei­sungen kehrt Immer die dringende Matz-