Ausgabe 
28.11.1933 Drittes Blatt
 
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Wiederaufri ihtung des Vaterlandes gefallenen brau­nen Kameraden, die gleichfalls auf dem Feld« der Ehre fielen, in demselben Geiste, in dem auch die feldgrauen Kameraden ihr Leben ließen für dos eine Ziel: für dos Vaterland. Mit dem deutschen Gruß, in einer Minute Schweigen verharrend, wurde Abschied von den toten Kameraden genom­men.

Reichsbahn-Dienst am Kunden.

Die Winter-Urlaubstarten der Reichsbahn, die ab 1. Dezember erhältlich sind, bringen wesentliche Neuerungen. Es wird zum ersten Male im Per­sonenverkehr von dem reinen Entfernungstarif zu gestaffelten Beförderungspreisen übergegangen. Diese Einrichtung findet man seit langer Zeit bei den italienischen und den schwedischen Eisenbahnen. Wie wir bereits berichteten, ist die Ermäßigung gestaffelt und beträgt bei (Entfernungen über 400 Kilometer sogar 30 bis 60 Prozent. Es wäre nun irrig, anzunehmen, daß bei einer (Entfernung von 900 Kilometer eine Ermäßigung von 50 Pro-

©enfe an Weihnachten schon heute und gib durch Aufträge Brot und Wärme deinen Boltsgenosfen!

zent gewährt wird. Vielmehr ist es so, daß man für die ersten 400 Kilometer 20 Prozent, die fol­genden 200 Kilometer 30 Prozent, die nächsten 200 Kilometer 40 Prozent und die restlichen 100 Kilometer 50 Prozent Ermäßigung erhalt. Erft die Strecken über 1000 Kilometer einfacher Entfernung werden mit 60 Prozent ermäßigt.

Eine w/tere bedeutsame Neuerung besteht darin, daß man nicht mehr, wie bei den Sommer-Urlaubs- forten, hin und zurück denselben Weg benutzen muß. Gerade dies wurde bei den Urloubskarten sehr häufig recht unangenehm empfunden, und es ist erfreulich, daß die Wunsche des reisenden Publikums in dieser Beziehung ein williges Ohr bei der Reichs­bahn gefunden haben. Man kann jetzt auf einem anderen Wege als bei der Hinfahrt zurückreisen; dieser Rückweg darf bis zu einem Drittel länger (ein als der Hinweg. Allerdings kann man diese Karten nicht bei den Bahnschaltern haben, sondern man muß sich mit seinen Sonderwünschen an ein Reisebüro wenden, das dann ein Fahrscheinheft ausstellen kann. Für Oberhessen kommt hier das Hapag-Reisebüro in Gießen in Betracht.

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Ab Freitag, 1. Dezember, wird der Personen- zug 572 W, G r ü n b e r g ab 5.37 Uhr, Gießen an 6.18 Uhr, auch zum Einsteigen von Reisenden am Ucbergang Öidjer Straße freigeqeben. Der Zug trifft um 6.12 Uhr am Ucbergang Licher Straße ein und fährt um 6.13 Uhr ab.

Ferner erhält der Personenzug 561 W, Gießen ab 18.53 Uhr, Burg- und Nieder-Gemün- d e n an 19.54 Uhr, vom gleichen Tage ab am Ucbergang Licher Straße einen Halt zum Ein- und Aussteigen. Ankunft am Ucbergang Licher Straße um 18.57 Uhr, Abfahrt 18.58 Uhr.

Die an der Licher Straße zusteigenden Reisen­den erhalten Fahrkarten durch das Zugpersonal.

(Uicftcner Wochen Marktpreise.

* Gießen, 28. Nov. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,35 bis 1,40 Mark, Kochbulter 1,20 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) 15, Wirsing, das Pfund 8 bis 12, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 10, Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rüben 10, Spinat 12 bis 18, Römischkohl 10, Unterkohl­rabi 6 bis 7, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 20 bis 25 Pf., Feldsalat 1 Mark, Zwiebeln 8 bis 10 Pf., Meerrettich 25 bis 50 Pf., Schwarzwurzeln 20 bis 25, Kartoffeln, das Pfund 3 bis 3% Ps., der Zentner 2,50 bis 2,80 Mark, Aepfel, das Pfund 10 bis 18 Pf., Birnen 10 bis 15, Nüsse 35 bis 60, Honig 40 bis 45, junge Hahne 70 bis 75, Suppenhühner 60 bis 65, Ganse 60 bis 65, Blumenkohl, das «tück 25 bis 60, Endivien 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 5 bis 25 Pf.

Taten für Dienstag, 28. November.

1887: Stabschef Röhm geboren; 1898: der schweizerische Dichter Konrad Ferdinand Meyer in Kilchberg gestorben (geboren 1825); 1914: Hin­denburg wird Gcncralfelbmarichall 1918: Ab­dankung des Kaisers Wilhelm II.

-ltüi notigen.

_ Tageskalender für Dienstag: Stadttheater, 20 bis 22.30 UhrDer Strom. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Im Zeichen des Kreuzes. Turmhaus am Brand, 16 bis 1830 Uhr, KunstausstellungRotes Hakenkreuz, Gaffe Leib, 20 Uhr, Jjcffentlidjc Kundgebung.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, 9. Vorstellung im Dienstag-Abonnement Erstausführung des Schau­spiels:Der Strom von Ma^ Halbe. Spielleitung Anton Neuhaus. Gewöhnliche Preise. Ende: 22 Uhr. Mittwoch, 29 November, 8. Vorstellung im Mittwoch-Abonnemenl:U-Boot 116". Schau­spiel von Karl Lerbs. Spielleitung: Kurt L ü p k e. Gewöhnliche Preise. Spieldauer von 20 bis 22 Uhr.

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Von der Landesuniversität. Don der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteih Der Prosessor an der Hochschule für Lehrerbildung in Frankfurt a. M, Dr. Gerhard Pfähler, hot einen Rus auf den ordentlichen Lehrstuhl jur Psychologie und Pädagogik an unse­rer Universum erhalten.

* Silberne Hochzeit. Postassistent Adam R i tz und Ehesrau Elisabeth, geb. Reyschmidt, Hille- brandstrahe 14, feiern am heutigen Dienstag, 28. Nov., das Fest ber Silbernen Hochzeit.

Eine öffentliche Kundgebung des Roten Hakenkreuzes findet heute, Diens­tag, um 20 Uhr beginnend, Im Saale des Gaffe Lech statt. Auf di« Veranstaltung sei besonders hin- gewiesen.

Aufgehobene Straßensperre. Die Straßensperre auf der Provinzialstraßenstrecke Al­lertshausenLondorf ist wieder aufgehoben.

* Für den Reichsbahn-Sonderzug nach Oberammergau und Ettal vom 25. Dezember bis 4. Januar erhält man Prospekte und Auskunst auch bei den Fahrkartenaus­gaben Dort werden auch Anmeldungen ent-

ng vor einem betrügeri­

schen Heilkundigen. 3n Frankfurt a. M und engeren und weiteren Umgegend tritt zur Zeit ein betrügerischer Heilkundiger auf, ber stch D

gegengenommen

* Warnu

Duchenthal nennt Der Betrüger gibt vor Homoopach zu fern und lerne Kundschaft nur auf Empsehlung auszusuchen. In der Regel nennt er auch bekannte Namen der von chm Ausgesuchtem Er läßt sich die Krankheit erklären und auch zeigen. Der angebl.che Buchenthal verordnet so- dann homöopathische Heilmittel und fertigt den Leuten einen Garantieschein aus, daß nach zwei Monaten bet Anwendung der verschriebenen Hell- mittel die Krankheit behoben set Buchenthal ver- langt dann in jedem Falle eine entsprechende An- zahlung, während der Rest mit den Medikamenten öurd) Nachnahme erhoben werde. Buchenchal hat sich nie wieder sehen lassen, und eine Lieferung der Medikamente ist in keinem Falle erfolgt Wie

festgestellt wurde, hat der angebliche Buchenthal seine Betrügereien in zahlreichen Fällen durch- geführt

" Schneewetter- und Wintersport­dienst im Südwestsunt 2m Interesse der deutschen Wintersportplätze und Wintersportgebiete, sowie im Interesse des Wintersports überhaupt, wird der Südwestfunk vorn 2. Dezember ab regel­mäßig vormittags 8.15 Uhr einen Schneewetter, und Wintersportbericht über die Sender Frankfurt, Freiburg, Kassel und Trier geben. In diesem Win­tersportwetterbericht werden die Gebiete Schwarz­wald, Taunus, Vogelsberg, Sauerland und Hunsrück berücksichtigt.

MnlechWwerk 1933/34 Stadtgebiet Gießen.

Die Zuweisung der Spenden an Lebensmitteln (Brot, Fleisch, Wurst- und Kolonialwaren) an die Hilfsbedürftigen erfolgt in diesen Taaen.

Hierbei ergibt sich notwendigerweise eine Maß­nahme, die den Bäckerei- und Metzgerei- Betrieben Veranlassung zu einer irrtümlichen Beurteilung über die abzuholenden Warenmengen geben könnte, weil bei den wöchentlichen und mo­natlichen Spenden an Brot, Fleisch und Wurst auch auf die Monate Oktober und November zurückge- griffen werden muß, um möglichst viele Hilfsbe­dürftige zu berücksichtigen.

Ich bitte diese Maßnahme nicht dadurch zu er- schweren, daß Sie die Spendenempfänger abweisen.

Hell Hitler?

gez.: Kloß, Kreiswaller der NSV.

AS-DottSwohllahrt Gießen-Süd.

1. Winterhilfswerk 1933/34.

Alle Amtswalter der NSV. haben am Dienstag, 28. November, 19.15 Uhr, im Hotel Hopfeld (Saal)

die Lebensmittel-Bezugs- und Gutscheine für die Hilfsbedürftigen ihres Amtsbezirkes in Empfang zu nehmen. (Dauer der Ausgabe etwa 20 Minuten.)

2. Sohlenabrechnung.

Alle Firmen, die von Gießen-Süd Kohlenbezugs- cheine in Zahlung genommen und noch nicht ab* zerechnet haben, bitte ich am Mittwoch, 29. Novern- >cr, zwischen 17 und 19 Uhr im Hotel Hopfeld Saal) zur Abrechnung zu erscheinen.

3. NSv. e. v.

Der Kassenwaller und die Zellenwalter der NSD. haben am Mittwoch, 29. November, zwischen 18 und 19 Uhr in ber Sprechstunde der NSD. Gießen-Süd im Hotel Hoofeld (Saal) Gelegenheit zur Erledi­gung der Kassengeschäfte.

Hell Hiller?

gez.: Friedel, Ortsgruppenwaller.

Um die Jahre nach 1900 habe kein Kolonist wehr einem deutschen Bruder Brot oder Lier verkauft das hätte et als Schande ange­sehen aus dem Ueberftuh heraus seien dies« Lebensrnittel verschenkt worden.

Im Mittelpunkt des Landes deutscherkolonisten habe stets die Schule und die Kirche gestanden. Der Kirche sei große Macht gegeben gewesen. Der Geistliche habe Führer fein sollen. Die ersten dieser Kolonisten- ^eisllichen seien es auch gewesen, die Nachfolger ijrembe aber schon nicht mehr. Die Schule fei rein kirchliche Schule gewesen. Die Kinder seien nur zu Konfirmanden erzogen worden, fanden sich aber doch in jeder Lebenslage zurecht. Die Bibel sei den Kindern Hall geworden. Dann seien die Schulen in russische Hände übergeführt worden. Russisch sei die Schulsprache aeworden und völlig ungebildet verließen die Kinder die Schule.

Mit der russischen Bevölkerung habe der deutsche Kolonist gar keine Derbindung gehabt. Alles Un­deutsche sei abgelehnt worden. So sei die deutsche Rasse rein geblieben. In ber Zeit von 1905 bis 1915 sei ein bewußtes Deutschtum groß geworden.

Die deutschen Siedler im Wolgagebiet seien die letzten gewesen, die sich dem bolschewistischen Regime unterworfen haben. Es habe einen hartnäckigen Kampf und größte Opfer an Blut und Leben ge­kostet. Aber aller Kamps habe nichts geholfen. 1919 sei es zu einem Aufstand ber Deutschen gekommen. Dieser Aufstand habe ber bolschewistischen lieber« macht erliegen müssen. Aber bas Deutschtum sei nun enbgülttg wach geworden. Das Doll habe alle Kräfte zusammengehallen, um sich die Existenz zu sichern. 1920 sei den deutschen Kolonisten alles ge­nommen morden. 1921 folgte das Hungerjahr 3m Jahre 1927 schien sich eine Besserung anzubahnen und bas Dolk habe aufs neue gehofft. 1929 aber habe der völlige Zusammenbruch alle Kräfte auf­gerieben. Der wirtschaftliche Rückgang habe ver­heerende Ausmaße angenommen. Elend in un­beschreiblichem Ausmaß habe begonnen, die Be- völkerungszahl der Kolonien zu reduzieren.

Gau Ausland des NS.-Lehrerbundes hielt

Der

Oie Bedeutung des 12. November

Wolgadeutsches Schicksal."

Ein Vortrag im Gau Ausiano des AS-LehreroundeS.

Als zweiter Redner sprach

Kreisschulra» Dr. Henß

über den 12. November und seine Bedeutung für das deutsche Dolk. Wir lebten, so führte der Red­ner aus, in einer großen Zeit Wer das Ringen um die Gestaltung unseres Vaterlandes nicht spure, wisse nicht, was Nationalsozialismus fei. Der 12. November bedeute für uns die Heimkehr aus einem weltanschaulichen Ausland. Jeyt habe sich bas Dolk zu Adolf Hiller bekannt. Nur der Ber- brechcr, oder der Dumme bekenne sich noch nicht zu ihm. Dem Erzieher aber seien die größten Auf­gaben erwachsen im neuen Staate.

Die Forderung unserer Zell müsie lauten: hin zu neuem Fühlen und zu neuem Denken.

Adolf Hiller sei mll seinen in klaren Worten aus­gesprochenen Gedankengängen maßgebend auch für die Erzieher. Die deutsche Schule dürfe nicht Zu­rückbleiben oder Schaden leiden, nur weil einige ihre Positionen halten wollten, die schon längst kein Recht mehr darauf hätten. Der Nationalsozialismus sei die Bewegung der Erzieher. Der Staat der Ge­genwart habe den Nationalsozialismus als seine Wurzel. Der Staat beziehe feine Kraft aus dem Nationalsozialismus. Nationalsozialismus sei Staats- auffaffung.

lieber allem stehe das Wort ber Bibel:Es werde?" Das Baumeisterliche sei es, was die Welt zusamenhalle. Was nicht wachse und im Aufbau begriffen sei, sei tot. Wenn ber Mensch nicht wachse und schöpferisch sei, so sei er gleichfalls tot. Auch Teilung bedeute den Tod. Deshalb habe Abolf Hit­ler die Parteien über den Hausen geworfen, weil sic da» Dolk teilten, spalteten. Mit dem baumeister­lichen Prinzip komme in das Dolk wieder Glauben und Leben. Nachdem sich der Redner in seinen wei­teren Ausführungen mit einigen sprachlichen 'Be­griffen auseinanderaesetzt und dabei den tieferen Sinn verschiedener Worte in ihrem Ursprung ver­folgt hotte, wies er darauf hin, daß die Zell ber Psychoanalyse vorbei sei. Psychoanalyse habe bas Unteilbare, die Seele, teilen wollen. Darunter müsse endgültig ein Strich gemacht werben.

Schule sei Dienst an der Dolkheit. Volkheit und Gottheit seien eins. Nur in ber Gemeinschaft bilde sich der Charakter. Gharakter im Menschen erkenne man am Besten im Derhöllnis zu seinen Mitmen­schen: an ber sozialen ober asozialen Haltung. Pfar­rer und Lehrer müßten sich resllos zum Dolke be­kennen, denn nur bann werbe wahre Religiosität Wirtklichkeit. Die Winterhilfe, bie in blesem Jahre durchgeführt werbe, werde viele ehemalige Gottes­leugner zu Gott zurücksühren. Diese Zuruckführung zu Gott bedeute gleichzeitig Dolkwerdung. lieber den Konfessionen müsse bas WortEhnstentum" stehen Man werbe auch auf bem Gebiete ber Re­ligion keine Teilung zulassen. Größer als bas Dogma seien Gott unb bas Volk Luthers Tat sei völkische Tat gewesen. Hiller aber fei Luthers Nach­fahr geworden Abolf Hitler habe auch, wie Luther, in ber Gefangenschaft dem deutschen Volke eine Bibel gegeben, bas BuchKein Kampf. Er führe

bas deutsche Volk zum Glück in ber volkwerdung. Glücklich sein aber heiße glücklich machen. Wer nicht glücklich mache, werde nie glücklich fein. Der Ein­same lebe in der Hölle.

Tiefste menschgewordene Sehnsucht des deutschen Volkes verkörpere sich in Adolf Hitler. Er fei ber Führer, Erwecker ber Kräfte, ber Dynamische, vor­wärtsdrängende. Gr sei der nordische, gotische, der deutsche Mensch. Werdender,Kämpfender imvorwärts- drängen! Andere nennten sich Dor sitzende ober Vorstehende Sie befänden sich nicht in Bewegung. Nationalsozialist sein heiße ewiger Kämpfer sein. Wer Führertätigkeit auszuüben habe, müsse auto­matisch dem Führer folgen.

Lange habe Dunkelheit geherrscht in deutschen Landen, viele hielten ihre Stuben für die Well, ihr künstliches Licht für Licht. Erst allmählich sei eine Sonne aufgegangen. Das Sonnenlicht der Dolkhell könnten viele nicht vertragen, die Jugend habe aber nach bem Tag gerufen. Die Sonne der deutschen Erziehung heiße Dolk unb Gott. Die Schule müsse Dienerin Des strömenden Gebens sein Hier sei leider Diel Verbindung mit bem Dolke verloren gegangen.

Zum Begriff des deutschen Schülers gehöre nicht nur Schulbravheit, sondern auch Mut, Tapferkeit, Ausrichllgkeil, Initiative. Schwung, Begeisterung, vielleicht auch Abenieureriust.

Die bisherige Schule habe in derabgeschlosse­nen Bildung ihr Idol gesehen ZumAdge- schlossenen aber brauche nichts mehr hinzuzukom­men. Das aber bedeute doch Stillstand! Das müsie anders werden! Es gebe Schüler, deren Leden ohne Sinn sei, es gebe aber auch solche, bie ihr Leben wahrhaft lebten. Das versagen eines Kindes in irgendeinem Fache dürfe in der Zukunft bas Leben eines Rinbes nicht mehr zur Düste machen. Die meisten Schulpläne seien überlastet. Der Begabte aber wolle nicht in bie Breite, sondern In bie Tiefe.

Der Lehrer seinerseits müsie sich Autorität au ver­schaffen wissen. Autorität sei nicht zu erschleichen. Es komme gar nicht auf bas Mehrwisien an. Es löse, wenn es in ben Borbergrunb gestellt werb« und wenn sich darauf bie Autorität gründen solle, entweder Minderwertigkeitsgefühle oder aber Spott im Schüler aus. Gin Lehrer müsie welterfahren und klug sein Gr müsse Rinder verstehen können Ein Lehrer solle auch lachen können, Heller sein von Natur aus.

Zum Schluß feiner Ausführungen gedachte der Redner der Toten des Weltkrieges und der Gefal­lenen ber Freiheitsbewegung. In schweigendem Ge- benken wurden die Toten geehrt. Das Lieb vom guten Rameraben klang auf.

Das Blut der Gefallenen sei gestossenen fir die deutsche Zukunft, für die Zukunft bei deut scheu Volkes, so wie das Blot aus Golaakha gefloßen sei für bie Menschheit bet Weit

Neben ben Särgen unserer Toten müßten bie Die- Bn stehen Aus dem Opfer ber Gefallenen bes Welt- egts müsie die Zukunft Deutschlands erwachsen.

(Lebhafter Beifall!) Mit einem dreifachenSieg- Heil auf ben Führer fanb bie Versammlung ihren «dschlusi.

Allmählich seien grvßc Kolonien entstanden. Ge­meinschaftlich bewirtschaftete man bas Land. Wiesen, Wald und Weide seien Gemeindebesitz gewesen. Da« Los ließ jeden Einzelnen zu seinem Anteil kommen. Allmählich erft habe sich wirtschaftliche Besserung eingestellt. Die Bevölkerung sei gewachsen. Bei der S egten Form der Gemcinschaftswirtschaft habe bas

Land und vermehrten Reichtum bedeutet Die Regierung habe neues Land geben müssen. Wohl­stand habe sich angebahnt. Die Siedlungen seien mu­stergültig aeworden. Aber nun leien die Schwierig­keiten des Absatzes ber landwirtschaftlichen Probukle immer größer geworben. Das Jahr 1881 habe eine große schwere Mißernte gebracht. Der fränkische Teil der Siedler sei in Verlegenheit geraten, der schwä­bische Teil habe cs verstanden, den Riemen enger au schnallen. Mißernten Häuften sich nun. Der jung­fräuliche Boden lei erschöpft gewesen. Mit der Not­wendigkeit der Düngung Des Landes sei die Ge­meindewirtschaft oersallen.

In den ursprünglichen Kolonien sei man nun zu einer anderen Austeilung des Landes geschritten. Der Losantcil wurdefestgemacht, d. h. er ging in den endgültigen Besitz der Bauern über. Unter der Initiative des Einzelnen fei es wieder zu einer regelmäßigen Bewirtschaftung gekommen. Wirt­schaftlicher Aufstieg folgte.

am Samstag in der Restauration ,Liebigshöhc eine Versammlung ab, die von zwei interessanten Vorträgen ausgesullt war. (Einleitend fang der Ehor des NSLB. ein Volkslied. Der Gauobmann

Kreisschulrat Or Henß

gab bann einiae geschäftliche Mittellungen bekannt, wies auf bie Art ber Arbeit im Gau Ausland hin und referierte über bie Tagung bes NS.-Lehrer- bunbes in Dortmunb. Der NS.-Lehrerbunb befinbe sich, so führte er u. a. aus, gegenwärtig in einer Gefechtslage, wie bie NSDAP, vor ber Hebern ahme ber Macht im Staate. Es hanbele sich um bie (Er­oberung ber Schule unb ber Erzieher. Das Ziel sei bie Totalität. Der NS.-Lehrerbunb kenne seine Ziele unb werbe sich von ihnen nichts abhandeln Ionen.

Ls gebe nur noch eine Reichsleftung des 715CB. in Bayreuth. Die Lehrer feien alle als Einzel­mitglieder ber Organisation angeschlossen. Es bebürfe keiner korporativen Mitgliedschaften mehr. Die Gesamtzahl von 250 000 Lehrern fei bereits zu/« im NSLB. organisiert.

Es herrsche engstes Einverständnis zwischen dem Staat und der Organisation. (Es sei auf der Ta­gung in Dortmund eine Art von Personalunion zwischen Staat und NS.-Lehrerbunb symbolisch aus­gesprochen worben. Von ben Philologen, bie heute noch avseits stünden, erwarte man freiwillige Einordnung in die Erzieherfront. Alle Erzieher seien im Dienst am Volke gleichwertig. Wer sich nicht zum BegriffVolksschullehrcr" bekennen wolle, stehe außerhalb ber Volksgemeinschaft. Gewertet werbe in Zukunft nur noch bie Leistung im Dienste bes Volkes.

Sobann sprach

Dr. Srih1erȀuchschiag

der Sohn eines deutschen Kolonisten an der Wolga, der selbst Jahrzehnte seines Lebens in Rußland ver­bracht hat. Seinen von einem unerschütterlichen Deutschbewußtsein durchglühten Ausführungen sei das Wesentlichste entnommen. Der Redner schilderte zunächst zwei kleine Erlebnisse, die in klarer Gegen­überstellung den Verfall vaterländischen Denkens ficgen das (Ende und nach dem Kriege in Deutsch- and kennzeichneten. Kein Volk habe seine Rinder so behandelt, wie das deutsche. Zwei Millionen deut­sche Menschen wohnen, bzw. wohnten in Rußland. Als die ersten nach Rußland ausgezogen seien, habe man jene als Abschaum betrachtet. Katharina II. von Rußland habe in ber ersten Hälfte bes 18. Jahrhunbcrts ben Ruf zur Ansiedlung in Rußland an bie europäischen Völker ergeben lassen. Au« ben verschiedensten Ländern seien Die Menschen dem Rufe gefolgt. Die meisten Dieser Ansiedler seien aber Deutsche gewesen.

30 000 seien im Jahre 1736 ausgezogen, dar­unter sehr viele hesien.

27 000 von ihnen seien an die Wolga gebracht morden, wo Ihrer eine bittere Enttäuschung harrte. In ein völlig unwirtliches Gebiet seien sie ge­lockt worden; keine Unterkunft, kein Ackergerät, keine Arbeitsgelegenheit, nichts sei vorhanden gewesen. So feien alle zum schwersten Beruf gezwungen morden, zum Bauernoeruf. Auch hier habe es an allem gefehlt. Rein Werkzeug, kein Saatgut, kein Geld, fein Rückhalt bei ben amtlichen russischen Stellen seien vorhanden gemesen bei vielen habe jede Sach­kenntnis gefehlt und vor allem bie Liebe zum Land. Angesichts dieser Tatsachen moüten die Betrogenen sofort zurück. Sie mollten es mit Gemalt. Der Rück­zug sei ihnen aber verwehrt morden. Die Lage sei verzweifelt gewesen. Noch vor dem Winter gruben sie sich Erdhöhlen, um vor der grimmigsten Kälte geschützt zu sein. Im nächsten Frühjahr habe man nur bas Notwenbigste angebaut. Denn man wollte ja roieber zurück nach Deutschland! Es gelang nicht, bie notroenbigften Mittel für eine Rückkehr zu er­werben. So habe man sich zu ernsterer, nachhalti­gerer Arbeit entschlosien, um bas zur Rückkehr not­wendige Geld zu gewinnen. Krankheit aber habe die Siedler erneut jurütfgeroorfen. Anfeindungen und RaubAÜge der nachbarlichen Gingeborenen- flämme forderten zu größter Wachsamkeit auf dem Felde heraus und wenn dann die Männer zurück­kehrten, so fanden sie manchmal den Hof zerftört, das wenige geraubt oder in Flammen aufgegangen vor. Die Männer aber, bie brauchbar waren, seien in die Sklaverei geschleppt und oft bis nach Indien geführt morden.

Hütt nie habe das deutsche Volk an der Wolga den Widerstand gegen diese« Geschick und nie die Hoffnung auf eine Rückkehr in das Mutterland aafgegeben.

Keine Einbildungskraft vermöge all da« Leid und die Not auszudenken, die Den Wolgadeut­schen deschieden gewesen seien. Die bolschewistisch« Kollektive habe sich aber auf das verhängnis­vollsie ausgewirkt.

Das Deutschtum und der Glaube der Deutschen sei ständiger Verfolgung ausgesetzt gemesen. Steuern drückten, Kirchen wurden mit riesigen Abgaben be­lastet, unb wenn sie bie Gemeinde nicht habe auf­bringen können, so seien bie Kirchen geschlossen worben. Härteste Maßnahmen seien gegen bie Deutschen angewandt worden. Verbannungen nach Sibirien, Aussiedlung in Erdhöhlen unter faden­scheinigsten Gründen seien an der Tagesordnung gewesen. Rücksichtslos seien die Familien ausein­ander gerissen worden. Der Hunger in seinen här­testen und trostlosesten Formen habe die Dörfer zu menschenleeren Steinhaufen gemacht. Manche Ge­meinde von 3000 Einwohnern fei auf etwa 700 Einwohner zusammengeschmolzen.

Beispiellos in der wett sei der Kamps ge- wesen, ben das Volk der deutschen Kolonisten In Rußland 170 Jahre lang gekämpft habe.

Allein Gott sei Ihnen Hall gewesen, er, der Spen­der aller Kraft. Ungeheuerer Kampfestrotz habe bie- fee Volk aufrechterholten und lebe heute noch in den Resten der deutschen Bevölkerung. Der Ruß- lanbsbeutsche habe immer sein Schicksal als von Golt gesandt betrachtet. Es ohne Klage zu tragen, sei sein Stolz gewesen. Das Leben ber Rußlands­deutschen fei deutsches Leben gewesen durch die Jahrhundertel (ßanganhaltenber, starker Beifall.)