Nr. 227 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Donnerstag, 28. September (935
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deutsch-österreichischen Zollunion ist nichi sondern auch unseren Gegnern eine Lehi
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Gießen Intendant Hanne König Zviekeit 193334
italienische Wirtschaftseinfluß gilt. Der Gegensatz zu dem in seiner heutigen Form stark sperrend wirkenden S ü d s l a w i e n ist daher unvermeidlich, und die innig freundschaftliche Zusammen- arbeit mit Ungarn ebenso sehr eine poli-
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Marconis neueste Entdeckung der Kurzwellen-Ueber- tragung auf lange Strecken eröffnet Aussichten für eine tiefgehende Umwälzung des internationalen, ja des interkontinentalen Verkehrswesens und eine bedeutende Verbilligung des 'Nachrichtenwesens überhaupt. Marconi ist zur Zeit mit Versuchen beschäf- tigt, die die Empfangsweite der Sender von 800 km auf 2500 km heraufschrauben sollen. Selbst wenn sich diese Erwartungen nicht ganz erfüllen, so erwarten doch alle Praktiker von den Ergebniffen dieser neuen Arbeiten die Lösung vieler Schwierigkeiten auf dem Gebiet der Telegraphen- und Telephon-' Verbindungen in weniger besiedelten Landstrichen wie in den Kolonien, vor allem dort, wo Dschungel und unwegsame Strecken empfindliche Hinderniffe bieieru - Eine Verbindung auf ^optischeEntfer- nung" würde möglich sein, wenn entweder hindernisfreie Strahen gewählt werden oder durch Benutzung von Berggipfeln die Empfangsweite so erhöht wird, daß auf diese Weise eine Kette von Stationen entsteht, die den Derkehrsbedürfniffen eines zivili- fierten Landes genügten. Es ist sogar möglich, dah das System der automatischen Entfernungsvergröhe- rung, das kürzlich in verschiedenen Gebieten des Britischen Weltreiches auf weite Landstrecken durch die Postbehörde eingeführt worden ist, eine völlige Automatisierung der Zwischenstationen gestatten wird, wodurch eine gewaltige Kostenverminderung eintreten würde. Gin beträchtlicher Fortschritt würde
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jonoern aucy unferert Gegnern eine Lehre gerne en, und sie werden sich wohlweislich scheuen, Schritte zu unternehmen, die die Interessierten überraschen und sckon deshalb dagegen einnehmen. Die Franzosen servieren einfach immer wieder den berühmten Tardieu-Plan, nur die Tunke wird nach Bedarf geändert. Paris ist jetzt klug genug, diesen Plan nur als Rahmenvorschlag anzubieten. Er ist dehnbar, freilich nicht bis zum Einschluß von Deutschland in den Donaublock.
Monats'Bcrsamm'
Wanderung: Liebt
Aushänge. 592/D
Oer Blick von Rom über die Adria
Don unserem H. M. Berichterstatter.
auch durch die Ersetzung der Unterseekabel in Seekanälen oder anderen kürzeren Meeresstrecken erzielt werden, die immer ein verhältnismäßig kostspieliges Aachrichtenmittel dargestellt haben. Die weitere Frage der Verwendung der Ultra-Kurzwellen auf lange und längste Entfernungen, ist einstweilen noch mehr eine Angelegenheit der technischen Erwägungen. Immerhin ist es, wenn die Empfangsweite so stark vergrößert werden kann, wie das auf Grund der bisherigen Untersuchungsergebnisse erwartet wird, durchaus im Bereich der Möglichkeiten, daß auch manche internationale Nachrichtenstrecke auf dem Kontinent durch drahtlose Verbindung erseht werden wird. Was sind nun die Hauptvorteile der Ultra-Kurzwellen? 3n erster Linie die Senkung der eigentlichen Sendekosten auf vielleicht Eintausendstel der gegenwärtig für Langwellen-Station gültigen Ziffern und zweitens eine größere Unempfindlichkeit gegenüber atmosphärischen Einflüssen - sodann die Möglichkeit, die Zahl der Derbindungs- strecken ungeheuer zu erhöhen - ein Gesichtspunkt, der für die Praxis des Fernsehens von größter Bedeutung ist. Zwischen der Wellenlänge '/, und 2 m ist funktechnisch ein größerer Spielraum als zwischen 200 und 800 Metern. Die Derwertungsausfichten find jedenfalls von großer Bedeutung, und deshalb erwarten die maßgebenden Kreise der Aaturwiffen- schasten und der Technik die genaueren Mitteilungen über die Untersuchungen Marconis auf dem Gebiet der Ultra-Kurzwellen mit einer Spannung, die selbst für unsere an technischen Fortschritten so reiche Zeit ungewöhnlich ist.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Nom, im September 1933.
Wenn sich der Donauraum ganz allgemein als Schicksalsraum Europas in diesem Jahrhundert schon erwiesen hat und weiterhin zu erweisen scheint, so sind zwei europäische Großmächte in besonderer Weise an ihm interessiert: Deutschland und Italien, die Randmachte des europäischen Westens.
Das Expansionsbedürfnis des volkreichen, energie» geladenen Italien Mussolinis muß sein Augenmerk vor allem nach dem östlichen Mittelmeer richten. Die Bezeichnung der Adria als „ms re nostro" (unser Meer) ist kein leeres Schlagwort, sondern entspringt einem politischen Nicht-anders-können, demgegenüber auch Einwände oder Erwägungen wirtschaftlicher Art über die Vor-
und Nachteile einer italienischen Adria-Ostküste verstummen müssen. Immer wird Italien Einfluß und Macht auf dem Balkan suchen und bewahren müssen, letzten Endes eben gerade wirtschaftlic' Interessen wegen, die über ihn hinweg mitten ... den Donauraum und nach Vorderasien führen. Entweder der faschistische Staat verzichtet auf Istrien und Triest — was undenkbar ist — oder aber er verschafft sich für diesen großen Hafen Lebensmöglichkeiten, d. H ein Hinterland, in dem der
des Bergeltungsgedankens zu steigern. Daraus erhärt sich die Triebfeder, die vordringlichste Sorge der Pariser Oesterreich-Politik: Nur kein Machtzuwachs des Dritten Reiches! Hinzu kommt, daß die französische Presse wohl nicht ohne Wink der Welt Vormacht, daß die deutsche Politik gewissermaßen auf den sofortigen vollständigen Anschluß abgestimmt sei und ein Mißerfolg in dieser Richtung das Führeransehen unseres Reichskanzlers schädigen würde. Diese Vorstellung genügt, um alle Mittel in Bewegung zu setzen, von denen man hofft, daß sie die tatsächlichen oder eingebildeten Ziele des Nationalsozialismus und der Reichsregierung zu durchkreuzen ver- mögen. Geben wir uns keiner Täuschung hin: Das heutige Frankreich (das von morgen wird anders denken) würde das Letzte für einen Z u - fammenbrud) d e s jungen Deutsch- land geben, und die Donau-Politik wird immer | mehr von diesem Sehnen beherrscht. Oesterreich 1
interessiert als solches erst in zweiter Linie. Wenn die gesunden Oesterreicher nicht genau wüßten, was Freiheit heißt, könnte man besorgt sein. Man preist in Paris ständig die bestimmte Ablehnung des „Anschlusses" durch Mussolini. Trotzdem weiß man genau, daß Italien eine Lösung des Donau- Problems ohne Deutschland nicht zulassen wird. Man bedauert natürlich, daß Frankreich nicht auch wirtschaftliche Beziehungen von wirklichem Wert zu Oesterreich ausbauen kann. Holz und Käse und zweischneidige Anleihen sind da nicht bestimmend. Folglich hält man die aanze Frage in der Schwebe. Also erstens: Vernichtung des jungen Deutschland. Als zweites Wunschbild der französischen Politik gilt ein herzliches Einvernehmen mit England. Gäbe Rom nicht andere Spielregeln aus, men hätte noch manche Figur in die Partie eingefügt, nicht zuletzt auch Moskau. Und dieses Frankreich nennt Oesterreich den „Schützengraben der europäischen Freiheit"!
I zwei Lieder von Schumann und von Schubert („Heidenröslein" und „Wenn ich früh in den Garten geh") gefühlvoll und schlicht. Herr Volck feierte gestern abend sein 25jähriges Bühnenjubiläum und wurde mit herzlichem Beifall begrüßt und belohnt für einen heiteren Vortrag in schwäbischer Mundart. Maria Perry sang, von C u j ö begleitet, recht wirkungsvoll das Zigeunerlied aus dem „Zigeunerbaron". Anton Neuhaus, Charakterspieler, brachte zwei Balladen, „Stellwerk 9" und die prächtigen „Alten Landsknechte" von Münchhausen vortrefflich zu Gehör. Einen starken Erfolg hatte Fräulein B e l i n g als die Christel von der Post aus dem „Vogelhändler". Herr Marcks und Frl. Perry sangen ein heiteres Duett aus der kommenden Lustspiel-Operette „Männer sind einmal so", und Poccis Kulissenscherz „Kasperl als Porträtmaler" — von Hub, Wrede, Volck und Fräulein W i e ( a n • derin höchst angeregter Stimmung gespielt — gab dem Bunten Abend den Ausklang. Das vollbesetzte Haus dankte für alle Darbietungen mit kräftigem Beifall. htfi.
bet der Vergebung der Plätze jedem Besucher im nationalsozialistischen Sinne volle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Die „Deutsche Bühne" wolle die Kultur auch an den Arbeiter und den „kleinen Mann" heranbringen. Ablenkung und Erhebung solle ihm geboten werden durch wahre deutsche Kultur im Theater. Es handele sich aber nicht nur um eine Frage der Preisgestaltung: der einfache Theaterbesucher soll sich wohlfühlen in diesem Raum, und deshalb müsse der Grundsatz „Kleider machen Leute" hier verboten und aufgehoben werden. Es müsse erreicht werden, daß die drei Abonnement - Abende ausverkauft würden; 3600 Mitglieder müßten der „Deutschen Bühne" angehören. So solle die „Deutsche Bühne" dazu dienen, in echter Volksgemeinschaft, im nationalsozialistischen Geiste jeden teilnehmen zu lassen an den hohen Gütern der deutschen Kultur. In dieser Kultur werde Deutschland wieder aufblühen.
.Sie mit starkem Beifall aufgenommene Ansprache wurde mit dem Gesang des Deutschland-Liedes und des Horst-Wessel-Liedes, sowie mit einem dreifachen „Sieg-Heil" auf das deutsche Vaterland, die deutsche Kultur und den Volkskanzler Adolf H i t - l e r beschlossen.
Intendant Pg. Hanns König dankte dem Beigeordneten Bartholomäus für feine Worte und sprach dann, nach kurzem Hinweis auf das Programm des Abends, über die Aufgaben des Bühnen- leiters und Regisseurs, wobei er im wesentlichen den Grundgedanken seiner Ansprache beim ersten Werbeabend folgte. Intendant König sprach von der Verantwortung des Bühnenleiters vor dem kritischen Publikum, er bat, die Ansprüche an Ausstattung und Kostüm dem Geist der Zeit und der heute gebotenen Sparsamkeit anzupassen. „Was wir geben, geben wir aus vollem Herzen, aus halbvollem Geldbeutel ... wir brauchen Sie, das Publikum, brauchen Eie auch uns zu Ihrer Erhebung ... Seien Sie Echo und Widerhall und werben Sie als unsere Apostel von Mund zu Mund für das Theater und für die „Deutsche Bühne"! (Lebhafter Beifall.)
Nach der Pause begann mit der Ouvertüre zur „Schönen Galathee" von S u p p 6 (Stadttheater- Orchester unter Leitung von Kapellmeister (tu j 6) die Abwicklung der bunten, teils ernsten, überwiegend aber heiteren Programmfolge. Intendant K ö - nig sprach wieder, wie am ersten Abend, verbindende Worte zwischen den einzelnen Vortragsnummern und stellte die Mitwirkenden dem Publikum vor. Oswald Förderer fand mit dem berühmten Gedicht „Krieg und Frieden" von Liliencron eine dankbare Zuhörerschaft. Frl. Sibylle Flemming fang, von Herrn Cuj 6 am Flügel dezent begleitet.
Es gibt Franzosen, die aus krankhafter Liebe zu Formeln und Doktrinen auch die österreichische Frage ohne ausreichende Berücksichtigung ihres Inhalts in irgend eine Form pressen wollen, um den unzähligen Artikeln der Nachkriegsdiktate und -pakte wieder einige neue hinzuzufügen, auf die man sich in der Stunde der Gefahr (diese Leute wittern immer Gefahr) berufen könnte. Die amtliche Politik laßt sich zunächst allerdings auf solche Vorschläge nicht ein. Sie ist klug genug, um zu wissen, daß diese verwickelte Angelegenheit eben gar nicht in ihrem Sinne geregelt werden kann und beschränkt sich daher darauf, fremde Gestaltungsverfuche zu verhindern, sich der verschiedenen Spannungen zu anderen Zwecken zu bedienen. Der Versuch einer
Stiere im Porzellan-Laden.
Zehn feurige Stiere, die ein wildes Chaos in Laden und Restaurants anrichteten und sich befon- ders die Porzellan-Läden zu dem Schauplatz ihrer Untaten auserkoren hatten, verursachten eine Panik tn dem Dorf Sobral in der Nähe von Lissabon, in dem der Hauptjahrmarkt mit großen Festlichkeiten abgehalten wurde. Die Stiere sollten eigenlllch bei einem Stierkampf mitwirken, der als Krönung des Jahrmarkts gedacht war. Aber sie riffen den Wärtern aus und tobten durch die Straßen, während das Volk nach allen Richtungen auseinander stob. Eine Kapelle, die grade auf einem Podium auf dem Markt spielte, entging nur mit Mühe der Wut der Tiere; das Podium wurde völlig zertrümmert. In den Porzellan-Läden blieb nichts aanz, und auch in andern Geschäften richteten die Ausreißer viel Unheil an; besonders schlimm hausten sie in einem Barbierladen, in dem sie die ganze Einrichtung zerbrachen. Im ganzen wurden 40 Personen verletzt.
norwendig gewordene Säuberung und Neuordnung der Dachböden zu garantieren. Der Frau wird es obliegen, die Gasdichtmachung des Kellerschutz, raumes zu unterstützen und diesen Raum in verwendungsfähigem Zustand zu halten. •
Da im Ernstfälle wohl kaum Männer, welche die Handhabung der erforderlichen Luftschutzmaßnah, men leiten können, zur Verfügung stehen, ist es angebracht, auch für den Posten eines Luftschutz. Hauswartes, der bereits im Frieden die Durch- fuhrung des Selbstschutzes zu gewährleisten hat, eine Frau zu wählen, welche die nötige Ruhe und Entschlußkraft besitzt. Sie wird für alles im Hause verantwortlich sein, ja im Ernstfälle selbst die Gewalt eines Hilfspolizeibeamten haben. Um nun richtunggebend und vorbildlich anderen Volksge- noffen gegenüber handeln zu können, ist es nötig, sich die grundlegenden Kenntnisse des Luftschutzes
Frankreichs Triebfeder.
Don unserem v. G.-Berichierstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Paris, im September 1933.
Die Donauraum-Politik Frankreichs ist, befon- ders soweit sie Oesterreich betrifft, ein noch nicht abgestandenes Gemisch von mittelbaren und unmittelbaren Zielen, die teils Frankreich, teils der Kleinen Entente dienen sollen. Wenn von Paris Anregungen zu dieser Frage ergehen, so ist es durchaus nicht gesagt, daß ihr Ursprung im Pariser Außenamt zu suchen wäre. Es gibt naturgemäß kaum eine Frage, die das geschäftige Hin und Her auf den eingefahrenen Bahnen zwischen den Kanz- leien der Kleinen Entente und dem Quai d Orsay so zu steigern vermochte, wie die künftige Gestal- tung Ostmitteleuropas. Man vermag die einzelnen Stoßlinien der französischen Oesterreich-Politik ab und zu einigermaßen deutlich festzustellen, aber dann versckwinden sie wieder in einem Nebel von gegensätzlichen Behauptungen und unvermeidlichen Schlagworten. Kurz: es herrscht noch ein großes Durcheinander auf diesem Gebiet, und wenn nicht alles trügt, wird es noch einige Zeit dauern, vor allem, weil in Oesterreich gottlob un- abhängig von allen unnatürlichen Dressuroersuchen von außen — sich manche Dinge s e l b st t ä t i g entwickeln.
Gießener Stadttheater.
Bunter Abend der „Deutschen Bühne".
Die Ortsgruppe Gießen der „Deutschen B ü h n e" veranstaltete gestern gemeinsam mit der Leitung des Stadttheaters einen Bunten Abend, der als eine großzügige und tatkräftige Werbung für die volkstümlichste Besucherorgcmisa- tion im neuen Staat gedacht war und erfreulicherweise ebenso wie der oorangegangene erste Werbe- Abeni) des Theaters ein volles Haus machte.
Die Veranstaltung wurde mit den romantischen Klängen der „Freischütz"-Ouvertüre Carl Mana von Webers, gespielt vom Stadttheater-Orchester unter Leitung des Kapellmeisters Pg. C u j 6, stimmungsvoll eingeleitet. Darauf betrat der Thea- Lere2Ätnent' Beigeordneter Bartholomäus, Die .öufjne zu einer Ansprache über Wesen und 3iele der "Deutschen Bühne" und führte u. a. fol- genöes aus: Der heutige Abend diene einem anderen Zweck als die erste Veranstaltung in der vorigen A°che: es solle geworben werden für die „Deutsche .^hne , eine neuaeschaffene, ganz Deutschland um- spannende Organisation, die nur aus der Tiefe des nationalsozialistischen Gedankens begriffen werden könne. Nach einem Rückblick auf den Weg des kulturellen Niederganges in den letzten 14 Jahren als eine fremde Raffe mit den heiligen Gütern der deutschen Kultur Schindluder treiben konnte, betonte der Vortragende, anknüpfend an einen Aus- fprud) des bayerischen Kultusministers Sch e mm, daß man nun die alten historischen Stücke wieder spielen wolle; an den großen Gestalten der Ge- schichte und an den Taten unserer Vorfahren solle das Volk im Theater sich erbauen und aufrichten. Auch der Theaterbesucher müsse im nationalsozialistischen Geiste reformiert werden. Das Theater dürfe nicht mehr wie früher einer bevorrechteten Klasse gehören, sondern es müsse Allgemeingut des ganzen Volkes werden. Dazu die Möglichkeit zu schaffen, fei die Ausgabe der „Deutschen Bühne". Durch die „Deutsche Bühne" solle, im Sinne Adolf Hitlers, die deutsche Kultur auch dem Aermsten Zugänglich gemacht werden. Wer über 250 Mark im Monat verdiene, müsse dazu beitragen, diese 3oee wirtschaftlich möglich zu machen. Mit kurzen Worten wurde die Organisation der „Deutschen Buhne" geschildert: auch der minderbemittelte Volksgenosse solle monatlich zweimal ins Theater kommen — für je 60 Pfennig; 1,20 Mark sind zu zahlen pro Monat und Mitglied. Der ganze verfügbare Raum des Stadttheaters soll in'vier Blocks aufgeteilt und damit Gelegenheit gegeben werden,
Oie Aufgaben -er Frau im Luftschutz.
Don Or. O. $. Schaaf, Berlin.
In den letzten Wochen und Monaten ist sehr viel in unseren deutschen Zeitungen über die Luftrüstungen des Auslandes, die darum für uns bestehende Luftgefahr und somit über das Luftschutz- Problem geschrieben worden, lieber die Notwendig- teil der Lustschutzmaßnahmen konnte aber unser Volk nicht besser aufgeklärt werden als durch Den Aufruf Des Luftfahrtministers Göring im April dieses Jahres und durch die sachlichen und daher so wirkungsvollen Zahlenangaben über die feindlichen ßuftftreitfräfte in der Rede unseres Kanzlers vom 17. Mai. Man muß sich darüber klar sein, daß es im Kriegsfälle künftighin kein Operations-, Etappen- und Heimatgebiet mehr gibt, sondern nur einen einzigen großen Kriegsschau, platz, in dem sich die gesamte Zivilbevölkerung befindet. Diese Tatsache und das Fehlen eines aktiven militärischen Luftschutzes zeigt die unge- heure Bedeutung des zivilen Luftschutzes. Die Maßnahmen sind zwar nicht grundlegend neu. Schon im Weltkriege mußte sich Die Heeresleitung entschließen, einen Heimatluftschutz zu organisieren, wenn auch damals nur ein Luftschutz für West- Deutschland in Frage kam. Heute gibt es keine Stadt und keinen Ort mehr in Deutschland, den die feindlichen Flieger nicht IVi Stunden nach dem Eintreten des Kriegszustandes erreichen konnten! Ueber 5000 Flugzeuge stehen an den Grenzen des Reiches startbereit, um über unser Gebiet einzu- fallen. Sind uns auch nach dem Versailler „Frie- bensoertrag" alle Mittel des Angriffs und der Flugabwehr verboten, fo ist es doch eine dringende Notwendigkeit, nun endlich von der uns im Jahre 1926 gnädig gewährten Erlaubnis, wenigstens unsere Zivilbevölkerung durch passive Schutzmaßnahmen zu decken, Gebrauch zu machen und in den breiten Massen das Verständnis für eine gründliche Luftschutzorganisation zu wecken und zu vertiefen. Die Luftschutzbewegung muß, wie in durchweg allen anderen europäischen Ländern, die bereits schon seit vielen Jahren über solche bis ins kleinste durch, gearbeiteten Organisationen verfügen, auch bei uns zur Volksbewegung werden.
Darum können wir auch in Deutschland auf die tätigste Anteilnahme und Mitarbeit der Frau nicht Verzicht leisten. Ist es doch gerade die Frau, die alle Schutzmaßnahmen, welche im House vor- genommen werden müssen, mit organisieren und verwalten muß. Nachdem man schon bei den hochgerüsteten Militärstaaten Europas die Frau in der Handhabung der Flugabwehrwaffen ausgebildet und geschult hat — wie viel wesensoerwandter und fraulicher dürften die Posten sein, an denen wir Die deutsche Frau gerne sehen würden. Der Krieg hat uns gezeigt, welche wertvolle Helferin die Frau in der Verteidigung Der Heimat fein kann. An Diefer Stelle ist es nicht notroenDig, noch einmal Den heroischen Einsatz Der Frau in Der oielgeftal- tigen Tätigkeit, welche Der Weltkrieg von ihr verlangte, im einzelnen aufzuzählen. Es ist klar, daß wir heute mehr Denn je bei Ausbruch kriegerischer Verwicklungen Den letzten Mann einfetzen müssen, sei es zur VerteiDigung Der Grenzen oDer bei Den Aufbauarbeiten in Der Industrie. Für den Fall ein>s Tagangriffes noch mehr als bei nächtlichen Fliegerangriffen werden die Häuser und Wohnungen der Obhut der Frau allein anoertraut fein’ Fast alle Maßnahmen, welche die Durchführung des zivilen Luftschutzes betreffen, liegen auf dem eigensten Gebiet der Frau.
Wenn auch ein lOOprojentiger Schutz nicht mög- lich ist, so kann doch durch eine rechtzeitige Vorsorge Das Schlimmste abgeroenDet werben. Dazu roirD eine genaue Kenntnis auf Dem Gebiete Der Schutz- maßnahmen Das nötige Gefühl Der Sicherheit geben unD eine Panik, welche Die größte Gefahr ist, verhüten helfen. Bevor ich hier auf Den Aufgabenkreis Der Frau noch näher eingehe, mochte ich Die Angriffsmittel Der moDernen Bombenflugzeuge in Der Reihenfolge bringen. Die ihrer wahren Gefährlich-
kett entsprechen. Da sind in erster Linie die Sprengbomben zu erwähnen, gegen deren Splitterwirkung usw. man sich durch Schutzräume sichern kann, Dann die Brandbomben, welche viele kleine Brandherde verursachen können und daher die Bildung einer Hausfeuerwehr und eine gründliche Säuberung der Bodenräume erfordern. An letzter Stelle stehen die Gasbomben, die aber durch Gegenmaßnahmen wie Gasschutzraum und Gasschutzgeräte heute wirksam bekämpft werden können. 2Ules muß im Frieden vorbereitet sein, im Ernstfall ist es zu spät und der größte Seldsworwurf wäre Der, nicht vorgesorgt zu haben.
An Der Frau in Der Hauptsache wird es nun liegen, daß alle als zwingend erscheinende Vorbereitungen im Hause unverzüglich ausgenommen werden und eine nicht improvisierte Durchführung erfahren. Der Frau wird es obliegen, die dringend
in den dazu abgehaltenen Kursen und Vorträgen des Reichsluftschutzbundes anzueignen. Denn nur durch Die nötigen Erfahrungen auf diesem Gebiet läßt sich die größte Gefahr, die Panik, vermeiden, welche Der Gegner in vielen Fällen bezwecken roirD, um Den ÜBiDerftanDsroiUen Der Bevölkerung zu brechen.
So ergeht auch hier roieDerum ein Appell an Die deutschen Frauen mitzuarbeiten und mitzuhelfen zum Wohle des Volkes und nicht zuletzt zum Segen der eigenen Familie. Wie im Verlaufe Des Krieges mit zunehmender Zahl Der Fliegerangriffe und Bombenabwürfe durch immer mehr verbesserten Ausbau des zivilen Luftschutzes die Gefahren stark verringert werden konnten, so dürfte auch mit der in der Durchführung begriffenen Organisation bei Fliegerangriffen sehr viel Schaden vom deutschen Volke abgewendet werden.
Für den Durchschnitts-Franzosen steht fest, daß Deutschland O e st e r r e i ch „schlucken" will, um es sich selbst gleichzumachen und die Wucht
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tische Folge dieses Gegensatzes, wie sie andererseits dem unmittelbaren Bedürfnis entspringt, Den Einfluß im Donauraum zu verankern. So verstärken in gegenseitiger Wechselwirkung wirtschaftliche und politische, positive unD negative Gesichtspunkte Das italienische Interesse am Donauraum.
Auch Die Teilnahme an Der Entwicklung in Oe st erreich läßt sich aus Diesem Gesamtkomplex nicht herausDenken. UnD hier berühren sich Die außenpolitischen Kräftelinien deutscher und italienischer Zukunft am nächsten. Sie kreuzen sich sogar. Wir Deutsche dürfen dabei nicht müde werden, darauf hinzuweisen, daß es sich für uns nur augenblicklich und scheinbar um Außen politit handelt, wenn von Oesterreich die Rede ist. Der deutsche Außenminister hat soeben unsere bluts- und gefühlsmäßigen Bindungen in dieser Frage mit Recht betont. Mussolini, der heute die österreichische Entwicklung in dem für Italien rein praktisch günstigen Sinne zu beeinflussen sucht, denkt viel zu real und ist als Schöpfer Des Faschismus dessen kettenden Grundsätzen viel zu sehr verpflichtet, als daß er einer unvermeidlichen Endlösung i m wahrhaft nationalen Sinne sich auf die Dauer widersetzen sollte; andererseits ist von deutscher Seite oft genug betont worden, daß wir dem Anschluß nicht auf gewaltsamen, sondern auf europäisch legalen Wegen zustreben. Wichtig ist des- halb, daß rechtzeitig von beiden Seiten das llnoer- meidliche in einer Weise vorbereitet würde, die die beiderseitigen Interessen wahrnimmt und zugleich dem alten Europa ein Beispiel gibt, wie zwei in ihrem völkischen Wesen verjüngte, befreundete
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Fortsetzung folgt)
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