Ausgabe 
28.9.1933 Erstes Blatt
 
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Nachdruck verboten!

10. Fortsetzung.

das Gespräch wurde

Bad-Nauheimer Herbstwoche vom 30. September bis 9. Oktober 1933

KIRCHWEIHE

14-15 Uhr

1. Oktober

Vergnügungspark auf dem Horst-Wessel-Platz

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los geworden."

Der Diener erschien, und abgebrochen.

Nach dem Essen ging man und Frau von Malten, die in Bildes saß, zeigte darauf.

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Grund eigener Reisen)".

Dr. Paul Rohrbach, München:Afrika 1933 und die deutsche Kolonialfrage .

Prof. Dr. Hermann Lautensach, Gießen: Reisen in Korea".

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Die beiden Mädels gefallen mir", hatte sie noch kurz zuvor zu ihrem Sohne gesagt.Ich wäre froh, wenn sie ein Weilchen blieben. Spiel und Gesang der einen, das frohe Gesicht, das nette Vorlesen der anderen tun mir wohl wie wirksame Medizin."

Marlene der das Bild schon am Nachmittag auf- gefallen war, sagte nachdenklich:Die weiße Reiterin sieht kühl und hochmütig aus."

Olga lächelte:Draußen im Freien möchte ich ihr nicht begegnen, aber vom Fenster aus sähe ich sie einmal, so um Mitternacht herum, ganz gern. Ich habe in meinem Leben noch nicht das kleinste Ge­spenst gesehen. So ein richtiger feudaler Spukgeist wie die weiße Reiterin könnte mir sicher zu ange­nehm gruseligem Herzklopfen verhelfen."

Achim von Malten zuckte die Achseln.

Verschiedene höchst glaubwürdige Personen schwö- ren darauf, die weiße Reiterin gesehen zu haben; aber ich glaube, sie alle irren. Susa von Malten, geborene Reichsgräfin Brunsberg, ist lange tot und kann nie mehr ihr Pferd besteigen, das ja ebenso tot ist wie sie selbst. Sie war eine wilde verwegene Reiterin, und über ihre tollen Ritte und mutigen Springkunststücke gehen hier noch viele Sagen um. Sie soll zum Beispiel oft über die böhmische Grenze geritten sein, und man behauptet, sie reite auch jetzt noch zuweilen hinüber." Er brach ab, sagte nach einem Weilchen:Sie versprachen mir, heute abend wieder zu singen, Fräulein Werner. Mutter hört sie so gern."

Mutter hört sie so gern! Marlene erinnerte sich, daß er am Nachmittag zu ihr gesagt: Vielleicht singen Sie heute abend noch einmal. Ich glaube, es würde nicht nur meiner Mutter, sondern auch mir gut tun!

Sie stand gleich darauf am Flügel, und Achim von Malten betrachtete mit einem Gefühl von Freude die schmale Gestalt in dem gutsitzenden wei­ßen Kleid. Seltsam, wie sehr sich seine Gedanken schon mit Marlene Werner beschäftigten, durchzuckte es ihn.

Sie nahm Platz, und ihre schlanken, ringlosen Hände glitten über die Tasten, zupften die Töne aus dem Instrument, daß es wie Harfenklang war. Sie begann mit einem Rheinlied. Frisch und klin­gend war es und machte warm, brachte so, wie es oorgetragen wurde, den ganzen Zauber der Rhein­landschaft mit sich. Frau von Malten liebte den Rhein. Das erste Ziel ihrer Hochzeitsreise war er einmal gewesen, und ihr Sohn hatte in Bonn studiert. Beide lauschten, als hätten sie noch nie vordem ein rheinisches Lied gehört. Rebenreiche Berge hoben sich vor ihnen, und schimmernde Wogen zogen vorbei mit Dampfern, darauf lachende frohe Menschen standen und winkten. Alte Burgen sahen sie und verträumte Städtchen, Klöster, tief in Bäume eingebettet, sprachen von stillem Ver­gessen, und Studentxn mit jungen Lippen und blitzenden Augen lachten in die Welt, lachten gegen­wartsglücklich.

(Fortsetzung folgt.)

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achtlos über sie hinweg, blieb an Marlene hängen, deren unregelmäßiges Gesichtchen von den macht­vollen Blauaugen beherrscht wurde. Ihr braunes Haar war kurz geschnitten; nur über Ohr und Wangen lag es ziemlich lang, bildete breite Wellen. Das weiße Tuchkleid war schlicht und geschmack­voll gearbeitet, besaß lange Aermel und einen herzförmigen Halsausschnitt, den ein Veilchentuff schmückte. Frau von Malten trug ein dunkelgraues Damastkleid mit schwarzen Spitzen. Viel zu schwer schien es für ihre kleine, ein wenig gebeugte Ge­stalt. Marlene mußte denken, das Kleid war sicher gearbeitet worden, als die Schloßherrin noch straff aufgerichtet gegangen und noch nicht so mager ge­wesen, so traurig mager und so zusammengefallen war. Achim von Malten trug einen schwarzen Abendanzug; er sah sehr vornehm darin aus.

Er ging Marlene ein paar Schritte entgegen.

Der Knecht Wollner läßt sich bei Ihnen bedanken, Fräulein Werner; bei Gelegenheit wird er es per­sönlich tun! Er ist sehr glücklich."

Marlene streckte ihm die Rechte entgegen.

Er ist ja nur Ihnen Dank schuldig, Herr von Malten! Aber ich freue mich, daß ich Sie aufmerk­sam machen durfte, und danke Ihnen für Ihre Güte."

Frau von Malten blickte fragend, und als man dann am Tische saß, berichtete Achim seiner Mutter von der Entlassung Wollners und der Fürsprache Marlenes.

Wohlwollend nickte die Dame ihr zu.

So ist's recht! Man soll helfen, wo man kann. Ich habe mich früher auch um allerlei solche Dinge gekümmert; aber ich bin zu stumpf und teilnahms-

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Das ist der Spuk von Maltstein. Das weiße Pferd und seine Reiterin! Man sagt, wenn sie sich zeigt, künde sich hier ein Unglück an. Ich habe sie auch schon gesehen; aber ganz gläubig bin ich des- Halo noch nicht, ganz noch nicht. Ich lege es mir so zurecht, daß mir meine Phantasie mehrmals einen Streich gespielt hat. Auguste behauptet allerdings, dasselbe Phantom gesehen zu haben wie ich; doch pechschwarze Nacht, flatternde weiße Zeugfetzen können uns irritiert haben. Allerdings stimmten auch die gellen Pfiffe. Die habe ich gehört, und die haben mich am meisten verwirrt. Die gespenstische Frau von Malten, die sich als Spukgeist von Malt­stein aufspielt, ist nämlich nicht nur zu sehen, son­dern auch zu hören. Sie soll bei Lebzeiten ihr Pferd mit gellen Pfiffen regiert haben, und die Gewohn­heit hat sie nach ihrem Tode beibehalten. Ein origi­nelles Gespenst nicht wahr?"

Sie sah Marlene und Olga an. Sie hatte das Thema absichtlich und gegen ihr eigenes Empfinden ein klein wenig spöttisch behandelt. Sie wollte nicht, daß den neuen Hausgenossinnen breit und wichtig von dem Spuk erzählt wurde.

Die beiden Gesellschafterinnen betraten das Speisezimmer.

Olga Zabrow sah sehr schön aus in dem schwar­zen Kleid. Ihr milchweißer Teint, die goldbraunen Augen, das leuchtende Flimmerhaar hätten ihr auf einer Schönheitskonkurrenz leicht einen Preis ein­getragen, und doch glitt Achim von Maltens Blick

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Ab heute Donnerstag Premiere des lustigen Ufa-Films vom Rhein mit Heinz Rühmann und Lien Deyers

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Die zwei Mädchen waren nach oben gegangen, und Olga seufzte nun:Außer ein paar Blusen habe ich nur meine Alltagsfähnchen; jo was wie ein Abendkleid habe ich feit langem nicht mehr besessen.

Marlene überlegte und erklärte:Ich besitze em weißes Tuch- und ein schwarzes Taftkleid, ich habe darin ein paarmal gesungen. Ich leihe Ihnen das schwarze Kleid, bis Sie sich eins kaufen können, Olga!"

Sie packte das Kleid aus, und es paßte der ande­ren, stand ihr ausgezeichnet zu ihrem rotblonden $£)Iga warf sich im Spiegel von Marlenes Schlaf­zimmer eine Kußhand zu.

Das Kleid ist bezaubernd. Schade, daß es hier anscheinend keine Besucher gibt, sonst verliebte sich bald einer rettungslos in mich."

Sie lachte vergnügt, aber mit einemmal fiel sie Marlene um den Hals und schluchzte herzzerbrechend. Der schroffe Uebergang vom Lachen zum Weinen erschreckte Marlene.

Sie streichelte die Weinende und sprach beruhigend auf sie ein.

Plötzlich lachte Olga schon wieder.

>,Jch mußte eben weinen vor Glück, weil ich nach langer Zeit wieder ein hübsches Abendkleid auf dem Leibe habe. So, wie früher bei meinen Eltern. Sie wirbelte im Kreise herum und rief dabei:Sie sind ein patentes Menschenkind, eins von der Sorte, die man mit der Laterne suchen kann." Sie hatte ihren Wirbeltanz beendet und staunte:So was hat zwei Abendkleider und gibt mir armen Luder eins davon ab. Aber das soll Ihnen unvergessen bleiben!'

Sie umfaßte Marlene wieder.Wollen doch, bitte, ,Du zueinander sagen, wenn wir uns auch erst seit gestern kennen. Nachdem ich das Kleid angezogen habe, kann ich nicht mehr ,Sie' zu dir sagen. Ich meine, ich muß Sie duzen. Ach was, ich meine, ich muß dich duzen." Ein Kuß drängte sich auf Marlenes Mund, und dann betrachtete sich Olga wieder aufmerkam im Spiegel.Das Kleid steht mir zum Verlieben."

Sie wurde ernst.Herr von Malten steht so etwas wie ein hübsches Kleid gar nicht, glaube ich", schwatzte sie weiter.Aber für ihn könnte ich mich auch nicht begeistern, er sieht zu ernst aus, und an den Schläfen sind seine schwarzen Haare schon ganz silbern übertupft." Sie zuckte die Achseln.Ist ja auch allerhand, was er durchgemacht hat, und ich verstehe, daß sein Haar ergrauen mußte."

Marlene neigte nur den Kopf, und das Mitleid, das sie für Achim von Malten empfand, war wie ein großer Schmerz, der sie stumm machte.

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Roberta schloß ihre Wohnung auf und riegelte hinter sich zu. Sie durfte sich nicht überraschen las­sen; sie wollte ihrem Zorn Luft machen. Sie brauchte das. Ihre herrschsüchtige Natur vertrug kein Unter­ducken. Und daß sie Wollner wieder hatte anneh­men müssen, bedeutete für sie ein Unterducken.

Sie stampfte mit dem Fuße auf, fest, ganz fest, wie ein Mann es nicht besser gekonnt hätte; ihre hohen Stulpenstiefel vertrugen dergleichen gut. Dann stieß sie eine Tasse vom Tisch; das Klirren der Scher­ben tat ihr gut.

Nach dieser Heldentat warf sie sich auf das alte Ledersofa, auf dem ihr Vater immer sein Mittags­schläfchen gemacht hatte, und begann nachzudenken. Marlene Werner schien äußerst gefährlich, und sie wollte vor ihr auf der Hut sein. Auf irgendeine Weise mußte ähr der Aufenthalt hier verleidet werden. Wenn das mit Achim von Malten so wie heute weiterging, erwachte er bald vollständig aus seiner Lethargie, und ihr schöner Traum, hier Herrin zu werden, durch Heirat oder Testament, war aus­geträumt. Sie hatte sich schon für völlig unentbehr­lich gehalten; seit vorhin jedoch empfand sie Zweifel, ob sie es wirklich war.

Achim von Malten aber wanderte durch den Park, der sich mit dem ersten Grün geschmückt hatte. Er atmete tief und langsam, pumpte die herbe Luft in seine Lungen, und ihm war, als atme er Kraft ein. Er blickte zum Himmel empor, der einem dunkel­blauen geheimnisvollen See glich. Die Wölkchen waren den kleinen Booten vergleichbar, die mit weißen Segeln fern über das Mittelländische Meer zogen. Er blickte sich um. Er befand sich allein. Da reckte er die Arme choch auf; das Kraftgefühl in ihm wollte sich betätigen, und er dachte mit Verlangen an einen Ausritt. Wie lange hatte er auf keinem Pferde mehr gesessen! Daß er es überhaupt ausgehalten hatte, er begriff es jetzt nicht. Morgen früh sollte man ihm sein Pferd satteln, morgen früh wollte er endlich wieder einmal hinausreiten bis an die Grenze seines Gutes. Er drehte um, es drängte ihn, Mar­lene Werner die Dankesworte Wollners zu über­mitteln. Er sehnte sich danach, ihre wundervollen Augen noch einmal so freudig ausstrahlen zu sehen wie vorhin, als er ihr versprochen, die Entlassung des Knechtes rückgängig zu machen.

Aber Marlene befand sich nicht mehr in der Bi­bliothek. Sie war mit Olga nach oben gegangen, um sich für den Abend umzuziehen. Auguste war vorhin in der Bibliothek gewesen und hatte gesagt:Die gnädige Frau bittet die Fräuleinchens, sich für das Nachtessen ein wenig festlich anzuziehen. Hier auf Maltstein macht die Herrschaft nämlich abends immer ein bißchen Toilette. Es ist alte Gewohnheit hier." ______________

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