Ausgabe 
28.1.1933 Erstes Blatt
 
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ForD-Wagen nicht abgestellt werden könnte. GS werde viel ®eiD kosten, aber daran könne er nichts andern. Weiterhin erklärte er, es fei die größte Heberraschung feines Lebens gewe­sen, als er am Donnerstagabend gehört habe, daß 6 000 Angestellte der Briggs-Gesell­schaft, die die Karosserien für die Ford- werke herstelle, die Arbeitsstätte ver­lassen hätten, ohne irgend einen besonderen Grund anzugeben. Er tadle diese Angestellten nicht, denn sie wollten arbeiten: er glaube auch nicht, daß ein Versuch gemacht werde, ihn zu zwingen, seine Karosseri'n bei anderen Firmen in Auftrag zu geben. Was seine eigenen An­gestellten betrefse, so sei unter ihnen nicht ein einziger Mann, der streiken wolle. Die Tatsache, daß sie zur Zeit nicht arbeiten konnten, bedeute nicht, das; sie streikten. Die Zustände in den Fordwerken seien zur Zeit vollkommen friedlich. Meldungen, daß die Werke von der Polizei bewacht würden, seien vollkommen falsch.

Oe Valeras Wahlsieg.

Irlands Nnabhänqiqkcit in der Presse gefordert.

Dublin, 27. Jan. (SU.) Die Ergebnisse der irischen Wahlen liegen zwar noch nicht vollständig vor, lassen aber schon jetzt einen starken Erfolg De Valeras erkennen. Vach den letzten Mittei­lungen erhält er 65 Mandate, Cosgrave 40, die Unabhängigen 8. die Farmer 8 und die Ar­beiterpartei 7. Alle Minister des Kabinetts De Valeras sind jetzt wiedcrgewählt worden, und zwar durchweg mit einem großen Stimmen­zuwachs gegenüber den letzten Wahlen. Disher ist noch kein einziger Kandidat der De Dalera- Partci geschlagen worden.

Die Presse De Valeras feiert das bisherige Ergebnis der Landtagswahlen mit Siegesjubel. Die Forderung nach einer Abtren­nung Irlands vom Mutterlande wird immer stärker erhoben. Das Dlatt De Valeras, dieIrish Preß", schreibt:Das irische Volk hat geantwortet. Cs ist die Antwort eines Man­nes, es ist eines der großartigsten Ereignisse in der irischen Geschichte. Vielleicht wird der englische Minister für die Dominions sich über das Ereignis freuen. Es ist eine bittere Er­fahrung für ihn und die englische Regierung. Anstatt die irische Vation auszurotten, haben sie nun ihre eigenen Freunde ausgerot­tet."Der Rcpublicaner" schreibt: Das Volk hat klar gezeigt, daß es eine unabhängige irischeVepublik wünscht. Wir wollen nichts mehr von Geschäften mit England hören. Wir vollen nur noch den Ruf hören: Auf zur Re­publik!"

Oebeswerben um Llnqarn.

Die Balkan-Monarchcn-Bcgrgnung von Linaja.

Berlin, 27.Jan. (CNB.) Das Zusammentref­fen der Könige von Südstawien und Rumänien in Sinaja, trug ganz das Gepräge der hockpolitischen Monarchenbeoegnungen der Vorkriegszeit. Der ru­mänische Außenminister Titulescu wirbt um Ungarn, dem er Freihäfen in Rumänien und über­haupt wirtschaftliche und auch minderheitenrechlliche Erleichterungen im Rahmen einer Entente verspricht, die außer den drei Staaten der Kleinen Entente auch Oe st erreich umfassen würde. Da­bei betrachtet er den sogenannten Tardieu« plan, der die Mitteleuropaerörterungen des Dort- gen Jahres beherrscht hat, aber von der Mehrzahl der Beteiligten abgelehnt worden ist, nach wie vor als richtunggebend, wenn nicht in seinen Einzel­heiten, so doch in den Grundgedanken. Es hat sich chon bei dem Streit um den Nichtangriffspakt zwi- chen Rumänien und Rußland gezeigt, daß Titu- escu, der fähig st e und gewandte st e Di­plomat Rumäniens, die Politik Tardieus im Gegensatz zu derjenigen Herriots vertritt und sich damit durchsetzt.

Diese Politik überschneidet sich gerade in Mit­teleuropa mit den Interessen, die Italien sehr aktiv verfolgt, und man wird auch das Intrigen­spiel, das gegenwärtigam Rande" der Genfer Ratstagung wegen der Waffensendun­gen nach Ungarn im Danae ist, mit dieser Rivalität zu erklären haben. Wegen der Ent­hüllungen über «inen Transport von angeblich 80 000 Gewehren und 200 Maschinengewehren, der von Italien nach Ungarn auf den Weg gebracht worden sein soll, droht die Kleine Entente, wahr­scheinlich mit dem gleichen negativen Erfolg, wie vor genau fünf Jahren bei der Szent-Dothard- Afsare, mit einem Untersuchungsverfahren. Dirr französischen Gruppe ist offenbar jedes politische Druckmittel, auch wenn es bedenklich nach einem Mißbrauch der Dölkerbundsmaschinerie auSsieht, im Kampfe gegen den »Revisionismus" will­kommen.

Kaiser Wilhelms Geburtstag.

Amsterdam, 28. Jan. (SU.) Aus Anlaß des 74. Geburtstages Kaiser Wilhelms sind am Freitag auf Haus Doorn zahlreiche Glückwünsche in mannigfacher Form aus allen Teilen der Welt, wo Deutsche wohnen, eingelaufen. Mit den Glückwünschen ist eine Füll« von Dlumenspenden und Geschenken eingegangen. Unter den Gratu­lanten befinden sich wieder die früheren Bundes- fürsten, die Generalfeldmarschälle, die DVVP. so­wie zahlreiche Vertreter von Wissenschaft und D^irtschaft, besonders auch aus Schilfahrtskreisen, mit denen der Kaiser bekanntlich stets besonders enge Fühlung hatte. Die Geburtstagsfeier, die in einfachem Rahmen stattfand, trug reinen Fa­miliencharakter. Empfänge von Abordnungen fan­den nicht statt.

Ein Glückwunschschreiben an den ehemaligen Staatspräsidenten Ulrich.

WSV. Darmstadt, 27. Jan. Staatspräsi­dent Dr. Adelung hat an den früheren hessi­schen Staatspräsidenten Ulrich, der morgen sei­nen 80. Geburtstag feiert, ein Schreiben gerich- tett in dem es u. a. heißt: Zum 80. Geburts­tag entbiete ich Ihnen im Vamen der hessischen StaatSregierung und im eigenen Vamen herz­liche Glück- und Segenswünsche. ES ist mir ein tiefgefühltes Bedürfnis, an diesem Eh­rentag Ihnen den Dank der he fischen Regierung zum Ausdruck zu bringen für eine über fast fünf Jahrzehnte erstreckte segensreiche Wirlsamkcit als Volksvertreter und als Staatspräsident. Wäh­rend neun Jahren konnten Sie als Staatspräsi­dent Ihre hohen menschlichen Eigenschaften, Ihre reichen politischen Erfahrungen und Ihre unver­wüstliche Arbeitskraft dem Dienste des Volkes widmen. Sie haben an diesem Platze für Ihre Person hohe Anerkennung, für die neue Regie- rungSforin Vertrauen und Verständnis weitester

Ser Sturz des französischen Kabinetts.

Die Auslösung deSL'M-Karlells.

(Berlin, 25. Jan. (ERB. Funispruch.) Schnel­ler als cs bei der Kompromihneigung der Regie­rung und der Sozialisten in den letzten Taacn den Anschein hatte, ist das Zwischenspiel des Kabinetts Herriots ohne Herriot", das den er­folgreichen Konjuniturpoli i er Paul-Don- c o u r an das Ziel seiner Wünsche geführt hatte, beendet worden. Ebenso wie Herriot in den Morgenstunden des 14. September anläßlich der Schuldenfrage, wurde Paul Boncour heute nacht bei der Budgetberatung von der­jenigen Fraktion gestürzt, ohne die eine Links- regicrung im Sinne der Maiwahlen unmöglich ist, den Sozialisten, die in Frankreich grund­sätzlich eine Koalition mit bürgerlichen Par­teien a b l e h n e n, aber einem linksgerichteten Kabinett ihre mehr oder weniger weitgehende parlamentarische Unter st ützung ge­währen. An dieser Einstellung der Sozialisten sind die Versuche einer dauerhaften Regierung des Kartells der Linken seit 1924 immer wieder gescheitert.

Unter Paul-Boncour wurde der Auflösungspro­zeß durch die akuten Finanzschwierigkeiten beschleu­nigt. Die schubweise bekanntgegebenen Pläne des Finanzministers Chsron für den Ausgleich des Budgets führte schon zu Beginn der neuen Par­lamentstagung zu einer wachsenden Verstimmung

der Sozialisten, die im Beisein des Ministerpräsi­denten geführten Verhandlungen zwischen CH6ron und den Beamtengewerkschaften über die angekün­digte Kürzung der Beamtengehälter verliefen ergebnislos. Gleichzeitig mußte sich die Regierung von der sozialistischen Presse vorhalten lassen, daß die Haltung des französischen Regie- rungsoertreters auf der Genfer Arbeits­zeitkonferenz nicht zu den gewerkschasts- freundlichen Ideen passe, Die Paul-Boncour in einer 30jährigen politischen Laufbahn vertreten und bei seiner Regierungsübernahme ausdrücklich zum Programm erhoben habe.

Diese Auseinandersetzungen mit den Sozialisten konnten aber gleichwohl die Regierung in den Augen der Rechten nicht von dem Vorwurf der Bevormundung durch die Gewerk­schaften befreien und ihr auch dort für ihre sehr unpopulären Sparmaßnahmen keine Mehrheit si­chern. Die sich verschärfenden Finanzschwierigkeiten und der Machtkampf um die Eingliederung des Sozialismus in den Staat werden jedenfalls die politische Entwicklung Frankreichs in den nächsten Monaten beherrschen und zu einer immer größe­ren Entfremdung zwischen den sozialistischen und den bürgerlichen Bestandtellen der Linksmehrheit vom 1.Mai fuhren. Der Gedanke einer bürgerlichen Konzentration, für deren Führung genug Anwärter vorhanden sind, gewinnt unter diesen Umständen wieder an Boden.

Berlin eröffnet se nr,,GmneWoche"

Die Tierzucht als Aufgabe der Landwirtschaft.

Berlin, 28. Jan. (TU.) Ain Samstag wurde wie alljährlich die in der Reichchauptstadt veran­stalteteGrüne Woche" eröffnet. Die Bedeutung der Grünen Woche" ist nicht nur wirtschaftlicher, son­dern auch ideeller Natur, zumal diesmal vor allem Sportausübung und Tierzucht die Aus­stellung beherrschen. Es werden Fische, Geflügel, Kaninchen und Hunde in einer Artoerschiedenheit ge­zeigt, die den Erfolg der Züchtungcarbeit beweist. Es wird am lebenden Tier selbst veranschaulicht, wie wertvoll die Züchtungsarbeit für die deutsche Land­wirtschaft und somit für die Volkswirtschaft über­haupt ist und wie in anderer Weise die Liebe zum Tier und zur Erde den deutschen Menschen ein ihm innewohnendes Naturaefühl ist. In den vielen klei­nen Käsigen der Kaninchenschau sind zahlreiche Prachtexemplare ausgestellt, die es jedem klar machen, wie wesentlich sowohl in Hinsicht auf Fleisch wie Pelzzucht die Pflege dieser Tiergattung ist. Die Katzen - und Hundeschau wird allen Freun­den Der Tierwelt besondere Freude bereiten.

Wie immer zeigt dieGrüne Woche" auch dies­mal eine reich beschickte Pferdeschau, die nicht

nur den Züchtern, sondern auch den Sportfreunden klar macht, was das Pferd dem Menschen als Ar- beits- und Wirtschaftswert bedeutet. Dor allem den Sportsleuten wird auf den in Verbindung mit der Grünen Woche" veranstalteten Turnieren vor Au­gen geführt werden, wie sich die deutsche Pferdezucht gerade in Den letzten Jahren stetig emporgearbeitet hat. Den weniger Sachkundigen werden die glanzvollen Darbietungen, die unter Mitwirkung Der Reichswehr vorgeführt werden, den Wert des Pferdesports und die Bedeutung guter Zuchtarbeit erkennen lassen. Die eigentliche Bedeu­tung dieser Ausstellung liegt aber darin, daß allen denen, die noch an der Aktivität der deutschen Land­wirtschaft zweifeln, jetzt zum Bewußtsein kommt, daß hier wirklich Fortschritt angeftrebt wird und auch schon in hohem Maße erreicht ist. Eine besondere Abteilung der Ausstellung ist schließlich dem Jagd- und Schießlport ge- widmet. Die diesmaligeGrüne Woche^ xeigt also ein ganz eigenes und ungewohntes Gesicht, das aber gerade in dieser Zeit seine besondere Berech­tigung hat.

England schlägt ein neues Arbeiisprogramm für die Abrüstungskonferenz vor.

(Senf, 27. Jan. (WTB.) Sie englische Delega­tion auf der Abrüstungskonferenz hat heute e i n Memorandum mit neuen Vorschlägen an die Delegationen Amerikas, Italiens, Deutsch­lands, Frankreichs und Japans gelangen lassen. Wie verlautet, soll dazu eine Koordination der Gedanken des Hoover-Plans, des französischen Plans, der Fünfmächte-Erklärung über die Gleich- beredjtigung und des englischen Abrüstungsplans vorgeschlagen werden. Rach englischem Wunsch soll die Abrüstungskonferenz nach Abschluß Der bevor­stehenden allgemeinen Aussprache über den fran­zösischen Plan auf Der Grundlage dieser neuen Vorschläge in die praktischen Arbeiten eintreten.

An Einzelheiten wird über den englischen Plan noch bekannt, daß Der politische leil fünf Vor­schläge enthält:

1. Eine Erklärung der europäischen Mächte, daß sie für die Austragung von Konflikten auf jegliche Gewaltan­wendung verzichten wollen.

2. Abschluß von Pakten über gegenseitige Hilfe­leistung zwischen den europäischen konti­nentalen Mächten.

3. Ersetzung des Teils V des Versailler Vertrags durch die allgemeine A b ° rüstungskonvention.

4. G l e i ch e Dauer der Konvention mit den gleichen R e v i s i o n s m ö g l i ch k e i t e n für alle Signatarstaaten.

5. Verwirklichung des Prinzips der Gleichberech- tigung in Etappen und Vereinheit­lichung Der H e e r e s s y ft e m e.

Der technische Teil greift zunächst die Bestim­mungen des Hoover-Plans über die Begrenzung der Heeresstärken auf und befaßt sich weiter mit der qualitativen Begrenzung der Tanks und der schweren Artillerie. Für die Luftfahrtfragen wird die Einsetzung eines Ausschusses der großen Luftfahrtmächte vorgeschla- gen, der über die Abschaffung der Kampfflugzeuge, des Luftbombardements und die Kontrolle der zi­vilen Luftfahrt beraten und entsprechende Vor­schläge ausarbeiten soll. Bezüglich der Flotten­fragen wird vorgeschlagen, daß die Arbeiten über die Begrenzung der Kaliber und die Tonnage verstärkt fortgesetzt werden sollen.

In englischen Kreisen wird betont, dah es sich nicht um einen englischen Abrüstungsplan, sondern

um ein Arbeitsprogramm handele, das auf den verschiedenen, der Konferenz vorliegenden Plänen beruhe. Dabei soll, so wird weiter erklärt, insbesondere auch Die Mächteerklärung vom 11. De­zember v. I. über die Gleichberechtigungsfrage berücksichtigt werden.

Eine erste Prüfung des englischen Arbeitspro- gramms für die Abrüstungskonferenz.hinterläßt den Eindruck, daß es sich hier um ein typisches Vermittlungspapier handelt, das sowohl den Simon-Plan wie den französischen Plan, die Hoover-Dorschläge und die Resolution Der Groß­mächte vom 11. Dezember v. I. über die Gleich­berechtigungsfrage berücksichtigt. Jede Delegation steht diesem Programm in völliger Freiheit gegenüber. Es ist anzunehmen, daß die Engländer Zunächst in privaten Besprechungen versuchen wer­ben, eine möglichst weitgehende Zu st lm- m u n g zu ihrem Programm zu erreichen, ehe es im Bureau der Abrüstungskonferenz zur Verhandlung kommt.

Die Tatsache, dah die Engländer jetzt mit diesem Programm heroorgetreten sind, wird so gedeutet, dah sie unbedingt vermeiden wollen, daß Der französische Plan die Richtung für die Ein- »elarbeit Der Konferenz bestimmen >oll. In dieser Richtung stimmt die deutsche Auffassung durchaus mit Der englischen überein. Mit Genugtuung ist auch festzustellen, daß Der Grundsatz Der Gleich­berechtigung gemäß Der Großmächteresolution vom 11. Dezember 1932 in Dem englischen Vorsch'ag enthalten ist. Die verklausulierte Formulierung über praktische Verwirklichung Der qualitativen Gleichberechtigung eventuell auf Dem Weg über genau festzulegende Etappen widerspricht unserer stets mit Nachdruck vertretenen Auffassung, dah das Deutschland verbotene Kriegsmate­rial von Den anben ßänDern zerstört werden muß. Auch was über die qualitative Ab­rüstung son t gesagt wird, geht nach deutscher Auf­fassung nicht weit genug. Aus Dem Gebiet Der quantitativen Abrüstung wird Der englische Vorschlag zweifellos auf großen Wider ft'a n d Frank­reichs stoßen, Denn in Ablehnung an Den Hoo­ver-Plan wird jetzt vorgeschlagen, das Derteidigungs- element in den Effektivstärken um ein Drittel herab­zusetzen.

Dolkskreise zu erwerben verstanden, die in Dank­barkeit und Verehrung Ihres heutigen Geburts­tages gedenken. Die hessische Regierung ist ge­wiß, sich zum Interpreten der Gefühle der Be­völkerung gemacht zu haben, wenn sie Ihnen, sehr verehrter Herr Staatspräsident, am heuti­gen Tage di« yerzlichen Wünsch« übermittelt.

Kunst und Wissenschaft.

Arauz Völker für die Bayreuther Festspiele eiugeloden.

Der bekannte frühere Frankfurter Opernsänger Franz Völker, Z. erster Tenor der Wiener Staatsoper, wurde vom Generalintendanten T i e t j e n eingeladen, anläßlich der Bay­reuther Festspiele den Siegmund in der Walküre" zu singen. Ebenso wurde Volker für die Münchener und Salzburger Festspiel« in diesen Sommer verpflichtet.

Aus aller Wett.

vierköpfige Familie gavoergifiei aufgefuudeu.

Der 42jährige Feuerwehrmann Franz Vogel in Greiz, seine 43 Jahre alte Ehefrau, ein sieben­jähriger Knabe und ein sechs Monate alten Säugling wurden in ihrem alleinstehenden Wohn­haus t o t aufgefunden. Ms die beiden er­wachsenen Töchter von der Arbeit zurückkehrten, fanden sie den Vater auf dem Sofa sitzend tot auf. Im Schlafzimmer lag der siebenjährige Sohn vor dem Bett der Mutter und im Veit fand man die Mutter mit dem kleinen Kind gleichfalls tot auf. Sie waren gaSvergistet. Die Ursache des älnlglücks wird darin gesucht, daß infolge der starken Kälte ein Gasrohr vor Dem Haus gebrochen war, und das aus- strömende Gas durch die Kellerräume in die Wohnung gelangt«.

Heuschreckenplage in Südbrasilien.

Nachdem schon vor kurzem aus Argentinien über große Verheerungen berichtet wurde. Die Dort in einigen LanDstrichen von Heuschreckenschwär­men angerichtet wurden, wird jetzt aus Porto Alegro gemeldet, daß die Heuschreckenfchwärme be­reits in das Gebiet des Staates Rio Grande do Sul eingebrochen sind und im Munizip Alearete im Südosten des Staates niedergegangen sind. Die Fel­der des Munizips wurden völlig vernichtet, und auch in die Stadt selbst fielen die Schwärme in solchen Mengen ein, Daß sie von Den Bewohnern teilweise geräumt roerDen mußte. Die Bemühungen Der Feuerwehr um Vernichtung Der Schwärme muß­ten durch den Einsatz von Militär unterstützt werden.

Reue Kältewelle in Rußland. 3n Sibirien 40 Grad unter Rull.

In Rußland w.rd eine neue Kältewelle erwartet. In Irkutsk ist Die Temperatur unter 4 0 GraD gesunken. Die Behörden haben in Den Straßen der Stadt offene Feuer angelegt, um Die Menschen vor Dem Erfrieren zu retten. Bis jetzt wurden als Folge der Kälte in Rußland fünf Todesopfer gemeldet.

Unberechtigte Abänderung der Autonummer ist Urkundenfälschung

DasI Schöffengericht Ingolstadt verurteilte Den früheren Rechtsrat der Stadt Ingolstadt Dr. Hier! wegen schwerer Urkundenfäl­schung zu einem Jahr drei Monaten Zuchthaus und 200 Mark Geldstrafe. Dr. Hierl hatte Pfing­sten 1928 mit einem Auto der Verkehrsgesell­schaft Jngclstadt eine Vergnügungsfahrt unter­nommen und dabei in Regensburg einen Unfall erlitten. Nach der Heimkehr ließ er, um die Nachforschungen zu erschweren, Die Zulas­sungsnummer des Wagens umän- Dem, worin das Gericht eine schwere UrfunDen- fälschung erblickte.

Zwei Arbeiter überfahren.

Auf Dem Rangiergelände des Bahnhof- Gera waren zwei Arbeiter mit dem Qluftauen von Weichen beschäftigt. Sie überhörten das Heran­nahen einer Lokomotive, von der sie beide überfahren wurden. Der eine war sofort tot. Der andere erlag im Krankenhaus seinen Ver­letzungen. Beide Verunglückte waren Familien­väter.

74 Stück Großvieh verbrannt.

In einem Rindoiehstall auf dem Rittergut Haus Forst in Buir bei Düren (Rheinland) brach, ver­mutlich infolge Kurzschlusses, Feuer aus, das in wenigen Minuten das Holzgebäude in Asche legte. 74 Mastochsen und Kühe fielen den Flammen zum Opfer.

Eine Geistesschwache in Dfr Wohnlaube verbrannt.

Einen entsetzlichen Tod fand in Hohenschönhausen bei Berlin die 31jährige geistesschwache Edith Schall ho rn. In der Wohnlaube des Ehepaares Schallhorn kam, wahrscheinlich infolge Ueberhcizens, ein Feuer aus, als die Familie bereits sch ief. Die alten Leute wachten durch Die große Hitze und den Rauch auf. Da die Flammen bereits das ganze Haus erfaßt hatten, konnte sich das Ehepaar nur unter großer Mühe retten. Dagegen verbrannte die Tochter Edith und konnte nur als verkohlte Leiche aus Den Trümmern geborgen werben.

Regerverfchworung in Porlugiesisch-Angola.

Diario de Lisboa in Lissabon berichtet, daß in der Hauptstadt von Portugiesisch-Angola, Loanda, nach dem geheimnisvollen Verschwinden verschiede­ner Weihen die Polizei eine Bande von 50 Negern dingfest gemacht habe, Die beabsichtigten, die gesamte weiße Bevölkerung auszurotten. Im Augenblick der Verhaftung waren die Mitglieder dieser Bande dabei, Gifte vorzubereiten, die in die Quellen gestreut werden sollten, aus denen Lo­anda und seine Umgebung mit Wasser gespeist wird.

taten für Sonntag, 29. Januar.

1486: Bestätigung Der Leipziger Messen durch Kaiser Friedrich III. 1499: Luthers Gattin. Katharina v. Bora, geboren. 1763: Der Dichter Johann Gottfried Seume in Poserna geboren. 1850: Der Dichter Ernst Moritz ArnDt in Bonn gestorben.

Aus Oer PromntiafbaupfftaOt

Mensch und Zeit.

Don Heinfioli) Braun.

Wenn man das Dornröschen-Motiv einmal in Beziehung zu Der harten Gegenwart setzt, so bleibt von ihm nur noch Die Dornenhecke übrig. Diese ist auf jeden Fall Da. Aber mit Dem andern allen stimmt es nicht mehr ganz. Keine verzau­berte Prinzessin sitzt schlafend am Spinnrocken, sondern Der arg verzauste Zeitmensch steht in­mitten Des Dornigen Geschlinges und sucht nach einem Ausweg. Kein erlösender, schwertgewal­tiger Prinz kommt mehr von außen her.Auf sich selber steht er Da ganz allein". Der schwer mitgenommene Zeitmensch. Gespenstisch wuchernd beDrängen ihn Die Dorngespinste Der Ismen, Der Denk-Systeme und Anschauungen, Der politischen Artungen und Entartungen, bedrängt ihn Die Hundertfältigkeit Der Strebungen und Ausein- anderstrebungen. Alle Sicht wirb ihm versponnen.

Immer wieder begegnet man Diesen arg Be­stürmten und Bestürzten, Die oft nicht zu Den Schlechtesten gehören, was Anlage betrifft. Aber sie sind in eine schlimme Hilflosigkeit verstrickt. Der kämpferische Wille zur Klarheit, Der heute als ein Stück Heldentum angesprochen werden muß, das wirkliche Herzbluten um Die Eigenheit fehlt ihnen. Diele scheuen den harten Zugriff in die Dornen. Sie haben Angst vor Wunden oder sind im übertragenen Sinne besorgt um ihre gepflegten Hände, um ihr Kleid, um ihre Behaglichkeit.

Die Zeit aber fordert Entscheidung, fordert einen tüchtigen Griff in sich selber hinein. Rur D e Entschiedenen tragen zur Entwirrung der Dinge bei; denn sie sind die, die da wissen, Opfer zu bringen, und sei es, sich selber. Dio Starken sind sie, Deren Starksein Kraft in andere He.zen gießt und zum Aufrechtstehen ermutigt; Die Lichten sind sie und Die Zuversichtlichen. Die Freude ihres inneren Befreitseins leuchtet au8 ih en Augen und ihren Taten. Wo Trägheit ist. deutet ihre Erscheinung Aufrus zu neuem Rhythmus. Fürwahr, der klare Mensch ist uns not wie DaS liebe, tägliche Brot!

Die Klarheit des deutschen Menschen must leuchtend offenbar werden in unferm verwirrten Dolle und in der ganzen Welt! Rur aus der innersten deutschenKlarwelt" wird der.Tag der Deutschen" kommen. Dielleicht ist bis dahin noch ein weiter und schwerer Weg. Aber gerade diese