Ausgabe 
27.12.1933 Drittes Blatt
 
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nen Sitzung der Stadtverordneten lag u. a. eine wichtige Vorlage zur Beschlußfassung zu­grunde. Da das hiesige Postgebäude in Kürze ge­räumt wird, stimmte die Gemeindevertretung ein­mütig der Vorlage der Unterbringung der Stadtapo­theke in dem Postgebäude zu. Das Rathaus, in dem die Apotheke bisher untergebracht war, wird nun­mehr wieder ausschließlich für gemeindliche zweck­dienliche Einrichtungen Verwendung finden. Es sol­len dort ein Sitzungssaal, neue Registratur- und Büroräume, sowie ein Büro für SA. und Hit-

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nen Polizeijagd auf Wildschweine kamen zwei Stück zur Strecke. Die glücklichen Schützen waren Forstassessor Münch und Gendarmeriemeister Fröhlich. Als kommissarischer Bürgermeister für die Gemeinde Schwarz wurde Ortsgruppenleiter Konrad Haber mehl - Eulersdorf ernannt und mit der Führung der Geschäfte beauftragt.

ss. Grebenau, 21. Dez. Am Sonntag fand sich alt und jung in unserer geräumigen Turnhalle zur Weihnachtsfeier der Schulkinder ein. Die Darbietungen der Jugend übertrafen alle Er­wartungen. Eine Schülerin eröffnete die Feier­stunde mit einem sinnvollen Vorspruch. Zur Ein­führung versetzte ein lebendes Bild die Zuschauer an die Gcburtsstätte Jesu, ein Engel verkündete im Wechsel mit dem Chor die Weihnachtsbotschaft. Rach einleitenden Worten von Lehrer Schön zeigten die Kleinen in ihren weihnachtlichen Theaterstücken ihr Können. Zum Schluß stimmten alle Zuschauer mit ein in das Lied von derFröhlichen, seligen Weihnachtszeit".

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in körperlicher und geistiger Frische ihren 8 0. Ge­burtstoa. Ebenfalls in voller Rüstigkeit beging Frau Christine Limpert, Ehefrau des Landwirts Philipp Limpert, ihren 75. Geburtstag. Für den nach Kelsterbach a. M. versetzten Lehrer Heinrich Reith ist vor einigen Tagen Lehrer Wilh. Eitel von Kelsterbach nach hier versetzt worden.

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ll. Flensungen, 22. Dez. Die Gefolgschaft Merlau der Hitlerjugend veranstaltete gestern abend hier ihre Winter so nnenwend- ünd Weihnachtsfeier. Die Feier begann auf dem hiesigen Sportplatz mit dem Abbrennen eines riesigen Holzstoßes. Gemeinsam trug die Hitlertuaend Sprechchöre vor. Schulungsleiter Erb der Hitler­jugend ergriff das Wort und sprach über den Sinn der Sonnenwendfeier. Nach einigen Liedern wurde ein dreifachesSieg-Heil!" auf den Führer, auf den Jugendführer des Reiches und auf das deutsche Vaterland ausgebracht. Die Weihnachtsfeier fand im Saale von Reitz statt.

ch Nieder-Gemünden, 21. Dez. Hitler­jugend und Schule begingen dieser Tage im Gasthaus Decher gemeinsam ihre Weihnachts­feier. Gesang eines Liedes der HI. leitete den

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Anna Graf (Gonterskirchen); Aufsatz:Ein ausgestorbener Handwerkszweig in unserer Ge­meinde". Preis: Ein Bild des Führers.

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Heinrich Schmalbach (Ulrichstein); Aufsatz: Beim Schreiner". Preis: BuchRobinson Crusoe"

Annemarie Krautwurft (Freienfeen); Auf­satz:Ein ausgestorbenes Handwerk". Preis: Ein Photographie-Album.

Erwin Fuchs (Groß-Eichen); Aufsatz:Beim Schmied". BuchWildtöter".

Frieda Schmidt (Nieder-Seemen); Aufsatz: Ein Erlebnis aus der Reichshandwerkerwoche". Preis: BuchHauffs Märchen".

August Mohr (Berufsschule Schotten); Aufsatz: Ueber das deutsche Handwerk . Preis: Buch Ekkehard".

Landkreis Gieren.

Wieder ein großes Werk vor der BoUendung.

Am 29./30. Dezember findet in München öffentlich die Ziehung derZweitenGeldlotteriefür Arbeitsbeschaffung" statt. Reichsschahmeister Schwarz wird den Ziehungsakt, der als Abschluß der Lotterie wieder Millionen für Arbeitsbeschaffung bringt, mit einer Ansprache eröffnen. Diese Lotterie wird nicht nur symbolisch das alte Jahr abschliehen und Mittel für Arbeitsbeschafsung im neuen Jahr zur Verfügung stellen, sie wird auch noch im alten Jahr 280 000 glückliche Gewinner schaffen; denn schon am Siloestertag kann man durch Presse und Rundfunk erfahren, auf wen das große Los ge­fallen ist.

5. Margarete Höhl (Gedern); Aufsatz:Das Schlofserhandwerk". Preis: BuchDer rote Kampfflieger".

6. Gretel Semmler (Altenhain); Aufsatz:Ein (Erlebnis beim Schmied". Preis: BuchDie Kreuzerfahrten der Goeben und Breslau".

7. Frieda Bosch (Eichelsdorf); Aufsatz:Wie ein Axthelm entsteht". Preis: BuchPeter Moors Fahrt nach Südwest".

8. Karl Jäkel (Breungeshain); Aufsatz:Der Dorfschmied" Preis: BuchUnd wenn wir mar-

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mal",Kundgebuna am Riederwald-Denkmal") ver­stärkt wurde. Am Nachmittag wurde der Film durch die Schulen von Bernsfeld. Atzenhain, Rüddings- hausen und Weitershain besucht.

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l. Gedern, 22. Dez. Im GasthausZum Löwen" fand dieser Tage, einberufen vom Ortsbauernfllhrer Hermann Müller H., eine Bauernversammlung statt. Der Ortsbauernführer sprach über die Sied- lunasmöglichkeiten in der Gemarkung Gedern. Er erwähnte auch daß es hiesigen kleinen Bauern, denen ihr Besitz nicht den Lebensunterhalt einbringt, durch Erwerb von Grundbesitz ermöglicht werden kann nach und nach eine auskömmliche Eristenz zu schaffen und zu einem Erbhof zu kommen. Der Red­ner svrach weiter über das Erbhofgesetz sowie über das Genossenschaftswesen und forderte die noch nicht fVoanifiarten auf sich der hier kürzlich aearünbeten Mi'chabsatzaenossenschaft, sowie derViehverwertungs- aenossenschaft Gedern anzuschließen. Bürgermeister B e n e r berichtete über die geplante Maßnahme zum Schutz der Obsthäume. Mit einemSieg-Neil!" auf den Führer wurde die Versammlung aeschlosfen.

l (Gebern, 26. Dez. Frau Christian Diehl Witwe von hier feierte am ersten Weihnachtsfeiertag

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its bestehenden creits zur Aus- ütsdienst ange-- 3. schwebenden eines Arbeiis- Stellungnahme ten Verlangen t den Aussüh- kannt, daß für »rät bcschasft ntnis, wonach schaffungspro. die zur Aus- !b ®aller- choisstraße cm >en Ateis A- für otzenlliche llt sei, dagegen ne mch w h der Ruckzah- ägt str dieses ,5 ausreichende ra/ erklör/e s-ch dieser W; den W ngs- unb Ab-

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Abend ein. Die Führerin der BdM.-Gruppe, Frau Kahn, hielt die Begrüßungsansprache und betonte, daß wir dem Führer dankbar sein müßten, daß wir in diesem Jahre überhaupt Weihnachten feiern dürf­ten. Frl. A. Feldmann brachte ein ernstes Ge­dicht zum Vortrag, der BdM. zeigte einen Herbst- reigen und die Zehn- bis Zwölfjährigen brachten ein kleines Theaterstück zur Aufführung. Ein Lied beschloß den mehr als Elternabend gedachten ersten Teil der Veranstaltung. Der zweite Teil des Abends war der Jugend gewidmet. Lehrer Lotz sprach einleitend über die Bestimmung der deutschen Jugend und dann über den Sinn des Weihnachts­festes. Ein Gedichtvortrag und ein kleines Weih­nachtsspiel folgten. Den Mittelpunkt bildete die Auf­führung eines sechsaktigen Weihnachtsfpiels, das durch zahlreiche Liedeinlagen verschönt mar. Ein von den Mädchen des BdM. felbsterdachter Reigen be­schloß die Aufführung. Rach einem weiteren Gedicht­vortrag und nach dem Bundeslied des BdM. wurde die Veranstaltung mit einer Schlußanfprache des Zellenwarts der NSDAP., Pg. O 11 e r b e i n, und mit einem dreifachenSieg-Heil!" auf den Führer

geschloffen.

st. K i r t o r f, 21. Dez. Der dieser Tage abgehalte- der Stadtverordneten lag

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ck. Heuchelheim, 26. Dez. In den Tagen vor Weihnachten veranstaltete das Solo-Quartett für Kirchengefang in Leipzig (Profeffor- Röthig - Quartett) in unserer Kirche ein Konzert mit Darbietung von Weihnachtsliedern. Der Be­such des Konzerts war sehr gut. Die Hörer verleb­ten eine feine Feierstunde. Die Gesänge waren ganz auf Weihnachten abgeftimmt.

"Y" Watzenborn-Steinberg, 26. Dez. Jrn Sornrnerschen Saale zu Watzenborn beging dieser Tage der hiesige evangelisch-kirchliche Frauenverein seine Weihnachtsfeier. Gemeinsame Weihnachtslieder umrahmten Vorspruch und Ansprache des Pfarrers. Den Mittelpunkt des Abends bildete eine Weibnachtsverlofung, deren Ertrag fast restlos dem Winterhilfswerk zugute kam. ML einer schon früher zugewiesenen Gabe von 20 Mark stellt sie einen gerne geleisteten Bei­trag zum Winterhilsswerk dar. Noch manch frohes Lied verschönte den Abend. Der ev. Mädchenbund hielt eine schlichte Weihnachtsfeier am Mittwoch- ab-md

* Burkhardsfelden, 26. Dez Unser alter bereits 70jähriger Schafhirt Kaspar Schäfer tritt am 1. Januar 1934 in den wohlverdienten Ruhe­stand. Seine Treue im Beruf wurde bereits drei­mal durch Auszeichnungen anerkannt. Für 15iäh= riae Dienstzeit erhielt er eine silberne Medaille, für 28iährir>"«<»ue Dienstleistung eine Ehrenur­kunde vom Süddeutschen Schäfereioerband und für 31mhriae "n'mterbrochene Dienstzeit bei her Ge­meinde Burkhardsfelden eine bronzene M"hmlle. S''ne aefamfe Dienstzeit in der Gemeinde Burk- harhssesden befrua insgesamt über 40 Jahre. Er hat stch in dieser fanaen Feit stets als ein sehr tiicht'eer und treuer Schglhirf aezeiqt, der Taa und Nacht auf dem Bosten mar. Er gehört schon seit -1R wahren ri"m fi'rtnnornorein on

t Lumda, 24 D->z Am Samstagabend feierten wir wie oss'öhrs'ch mit unseren Kindern Weih­nachten Nachdem das erste Lied verklungen mar, zogen die Mädchen nom dritten bis achten Schul­jahr singend ins Gotteshaus ein und scharten sich nm den brennenden Lichterbaum 2B:- härten das Evangelium aus dem Munde unserer Kinder Auch der Junafrauenchor erfreute mit einigen dreistimmi­gen Liedern Nach her freier bescherte das Christ­kind den Kleinen E'N feines Büchlein und eine hübsche W-ihnachtstüte, von unserer NS - Frauenschaft gefüllt, durfte jedes.Kind beolückt nach Hause tragen - 9lm 1. Januar 1934 scheiden zwei aste, verdiente Männer aus bem Gem-'inde- dienst. Herr Bc'ter Rau legt nock) 25iähriaer Tätig­keit- das R"chneramt nieder. Durch Slnfhtion und Nachkriea-zeit h^t er die immer schwieriger mor­dende Arbeit mit großer Treue nusaefüfv-t Mit ihm tritt auch unser alter Feldlchütz und Boli'-ei- hiener Beter Klöß in den wohlverdienten Ruhe­stand Dreißig Tiahre" lang ist er unserSchütz" gewesen: feit 1917 hat er die Qrt-schelle geschwiin- gen Durch s"in freundliches Walen war er hei

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lerjugenb eingerichtet werden. Dieser bedeutungs­volle Entschluß der Gemeindebehörde wird allseits sehr begrüßt. Der einzige Raum, der die Jahre her für das Bürgermeistereiamt diente, ist schon lange als nicht hinreichend geeignet empfunden worden und entsprach in der Erfüllung feines Zweckes nicht den Erfordernissen. Zu allen wesentlichen praktischen Vorteilen wird die Verwirklichung des Planes, die nur Jnnenarbeiten erforderlich macht und die unter Reichszufchuß ausgeführt werden können, der Ge­meinde keine besonders hohen Baukosten verursachen. Ebenso werden durch diese Maßnahme die hiesigen Handwerker Arbeit erhalten. Die innenbaulichen Ar­beiten sollen schon bald (nach ministerieller Genehmi­gung) in Angriff genommen werden.

ss. Grebenau, 27. Dez. Die dieser Tage in unserer Gemeinde durchgeführte Viehzählung hatte nachstehendes Ergebnis: Pferde 28, Rind­vieh 339, Schweine 326, Ziegen 117, Federvieh 1149, Bienenvölker 34. Bei der in den Staatswaldun­gen des Heffifchen Fortsamts Grebenau abgehal-

Für den zweiten Vortragsabend des O b e r h e f - fischen Geschichtsvereins hatte sich Di. M i 11 e r m a i e r zur Verfügung gestellt. Der Red­ner behandelte zunächst die geographischen Grundlagen der Territorienbildung. Man versteht unter Rhein-Main-Gebiet heute im allgemeinen den Bezirk, den der Reichsstatthalter Sprenger für die Tätigkeit des Rhein-Mainischen Industrie- und Handelstages festgesetzt hat und der im Wesentlichen den preußischen Regierungsbezirk Wiesbaden, sowie den bisherigen Volksstaat Hessen, außerdem auch den südöstlichen Zipfel des preußi­schen Reaierungsbezirkes Kassel umsaßt. Gegliedert wird dieses Gebiet im Norden durch die Lahn, in der Mitte durch den Main mit seinen nördlichen Nebenflüssen Nidda und Kinzig. Nördlich der Lahn erhebt sich der Westerwald, zwischen Lahn und Rhein der Taunus, der nach Süden und Osten hin steil abfällt, östlich davon der Vogelsberg, südlich des Mains der Odenwald, auf der linken Rhein- feste nordwestlich der Nahe der Hunsrück. Zwischen diesen Gebirgszügen sind einige sehr fruchtbare Tal­ebenen eingebettet, unter denen vor allem die Rhein- ebene zwischen Rhein und Odenwald, die W et­ter a u als nördliche Fortsetzung der Rheinebene und Rheinhessen genannt zu werden verdienen. Diese Talebenen sind der ästest besiedelte Teil des Gebietes; hier sind auch die ersten Ansätze einer staatlichen Entwicklung zu beobachten, deren Aus- strahlungspunkte in den meist keltischen, hie und da auch germanischen Gauburgen, wie dem Dünsberg, dem Hausberg bei Butzbach, dem Altkönig bei Bad Homburg und ähnlichen Anlagen zu suchen find. Als um Christi Geburt die Römer einen großen Teil des Rhein-Main-Gedietes besetzten, richteten sie hier selbstverständlich eine wohlausgebildete staatliche Ver­waltung ein. Unsere Heimat bildete damals, soweit sie von den Römern besetzt war, einen Teil der römisch-gallischen Grenzprovinz Obergermanien mit Mainz als Verwaltungsmittelpunkt.

Um 260 erlag die rechtsrheinische Römerherrschaft dem Anprall der Germanen. In den folgenden Jahr­hunderten war das Rhein-Main-Gebiet der Schau­platz mannigfacher Wanderzüge und Kämpfe der germanifdjen Völkerschaften untereinander, aus de­nen schließlich im 6. Jahrhundert die Franken als Sieger hervorgingen. Das Rhein-Main-Gebiet wurde ein Teil des merowingischen Frankenreiches und zer­fiel in zahlreiche Gaue, in denen jeweils die Glie­der eines besonders hervorraaenden, meist einheimi­schen Adelsgeschlechtes als Grafen die öffentlichen Verwastungsbefugnisse ausübten.

Zu einer eigentlichen Territorienbildung kam es damals freilich noch nicht Diese begann erst mit dem allmählichen Zerfall der Grafschaftsverfassung feit dem 10 Jahrhundert und erhielt ihren Hauptantrieb als nach dem Untergang der Staufer um die Mitte des 13 Jahrhunderts der einheimische Adel sich mehr und mehr aus her bisherigen Abhängigkeit von der Reichsgewalt löste. Das Rhein-Maingebiet fiel in der Folgezeit einer heillosen territorialen Zersplitte­rung anheim, aus der sich erst allmählich einzelne größere unb wirklich lebensfähige Staatenbildungen herauszuschälen begannen

Fragt man, wieso es gerade hier, in dem alten Zentrum des karolingischen Reiches, zu dieser außer­ordentlich starken territorialen Zersplitterung kom­men konnte, so ergeben sich im Wesentlichen zwei Hauptgründe: einmal das Fehlen eines eigentlichen Stammesherzogtums, zweitens die Tatsache, daß sich gerade im Rhein-Maingebiet altbefiedeltes Kultur­land neben ausgedehnten, erst verhältnismäßig spät her menschliche" Kulturtätigkeit nutzbar gemachten Waldaebieten findet Ansätze zur Bildung eines Stammes-Herzogtums sind allerdings zu bemerken. Die im mittleren Lahngebiet beheimatete Familie der Konradiner, die zu Anfang des 10. Jahrhun- berts für kurze Zeit sogar den deutschen König stellte, hast» im Lause des 9. Jahrhunderts fast alle rhein-mainischen Gaugrafschaften in ihre Hand be­

kommen und ihre Glieder legten sich zuletzt sogar den Herzogstitel bei. Als aber die Königswürde an die Sachsen überging, war es mit dem konradini- schen Machtstreben vorbei. Das Herzogtum wurde eingezogen und überhaupt nicht wieder vergeben, ein Teil der konradinischen Hausgüter beschlag­nahmt, Fortan fehlte dem Gebiet die starke Zentral­gewalt, die das Selbständigkeitsstreben all der an­deren kleinen Adelsgeschlechter immer wieder hätte Niederhalten und eindämmen können. Als dann die eigentliche Territorienbildung einsetzte, waren die altbesiedelten Talebenen schon vollständig zersplit­tert und aufgeteilt, so daß nur noch die umliegen­den, weniger besiedelten und zum Teil noch nicht in festen Händen befindlichen Waldgebiete Raum für größere Staatsgebilde boten. Hier entstanden denn auch in der Folgezeit all die größeren Territorien, die später die politische Entwicklung des Rhein- Moingebietes maßgebend beeinflußten, wie die Grafschaften Diez, Nassau und Solms im Taunus­gebiet, die Fürstabtei Fulda im Gebiet zwischen Vogelsberg und Rhön, die Grafschaft Isenburg- Büdingen und Hanau in der stark verwaldeten südöstlichen Wetterau, die Grafschaft Erbach im süd­lichen Odenwald und das Territorium der Kurvfalz im Hunsrück, das später auch den ganzen südlichen Teil des bisherigen Rheinhessen und Starkenburg umfaßte.

Entscheidend wurde jedoch das Hochkommen der Grasen von Katzenelnbogen. Seit Beginn des 12. Jahrhunderts dehnten sie ihren Machtbereich im nordwestlichen Taunus zwischen Lahn und Rhein immer weiter aus und schufen sich gleichzeitig süd­lich des Mains in der Darmstädter Gegend eine ansehnliche Landesherrschaft. Als im Jahre 1479 die Grafen von Katzenelnbogen ausftarben, fiel ihr Besitz an die Landgrafen von Hessen, die feit der Mitte des 13. Jahrhunderts in der Gegend von Marburg und Kassel immer mehr zu Ansehen gelangt waren und nun auch im Rhein-Maingebiet die Vormachtstellung erlangten. Sie hatten es von drei Seiten her Kerngebiet im Norden, Nieder­grafschaft Katzenelnbogen im Nordwesttaunus, Ober- graffdjaft Katzenelnbogen im mittleren Starkenburg umklammert, und man hätte nun einen kon­zentrischen Angriff auf bas noch nicht hessische Ge­biet erwarten sollen, der aber ausblieb. Vielmehr führte Philipp der Großmütige, der zweifellos be­deutendste hessische Landesfürst, im Jahre 1562 durch Erbteilung eine bedeutende Schwächung der soeben erst errungenen Machtstellung herbei, die nach längeren Streitigkeiten einen Zerfall des hessischen Gebietes in zwei voneinander unabhän­gige Landgrafschaften Hessen-Darmstadt und Hessen- Kässel herbeiführte. Zwar machte Hessen-Darmstadt, dem in der Hauptsache die hessischen Landesteile im Rhein-Maingebiet zugefallen waren, in der Folgezeit noch mancherlei Erwerbungen, unter denen besonders die Wetterau und Rheinhessen zu nennen sind, doch blieben seine Gebiete dauernd von einander getrennt, indem Hessen-Kassel außer dem Gebiet der Fürstabtei Fulda auch noch halb Isenburg und die Grafschaft Hanau erwarb, Länder­strecken, die dadurch 1866 mit dem gesamten Kur­fürstentum Hessen-Kassel an Preußen fielen.

Erst der Nationalsozialismus machte dieser Zer- svlitterung ein Ende, indem Reichsstatthalter Sprenger durch Schaffung des rhein-mainischen Industrie- und Handelstaaes das gesamte Rhein- Maingebiet wirtschaftlich einte.

Im Schlußwort zeichnete der Führer des Ver­eins, Prof. Dr. Theodor Mayer, kurz die großen Linien auf, die dem Historiker das Rhein-Main- gebiet als zusammengehörig erscheinen lassen. Er wies ferner darauf hin, daß am 25. Januar ein Vortrag zurFeier des hundertjährigen Bestandes des deutschen Zollvereins" und am 15. Februar überDas Rhein-Maingebiet als geschichtliche Ein­heit" stattfindet.

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