Aus der provinzialhauptstadi.
Gegen Verbrechen am W.nterhilfswerk
Die Gauführung des Winterhilfswerks Hessen- Nassau teilt folgendes mit:
Die große Bedeutung, die das Winterhilfswerk des deutschen Volkes für die Allgemeinheit hat, verlangt noch aus strafrechtlichem Gebiet ein nach- drückliches Einschreiten gegen jeden, der sich un- rechtmäßig, insbesondere durch Diebstahl, Unterschlagung, Untreue oder Betrug Liebesgaben des Winterhllfswerks verschafft und sie dadurch ihrem Zweck, die bedürftigen Volksgenossen vor Hunger und Kälte au schützen, entzieht
Der Reichsminister der Justiz hat am 26. Mai, RGBl. I S. 29, folgendes Gesetz veröffentlicht:
„Wer vorsätzlich die ihm durch Gesetz, behördlichen Auftrag oder Rechtsgeschäfte eingeräumte Befugnis, über fremdes Vermögen zu verfügen oder einen anderen zu verpflichten, mißbraucht oder die chm kraft Gesetzes, behördlichen Auftrages, Rechtsgeschäfts oder eines Treueverhältnisses obliegende Dflicht, fremde Vermögensinteressen wahrzuneymen, verletzt und dadurch dem, dessen Vermögensinteressen er zu betreuen hat, Nachteil zufügt, wird wegen Untreue mit Gefängnis und mit Geldstrafe bestraft. Daneben kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden. In besonders schweren Fällen tritt an die Stelle der Gefängnisstrafe Zuchthaus bis zu zehn Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt insbesondere dann vor, wenn die Tat das Wohl des Volkes geschädigt, oder einen anderen besonders großen Schaden zur Folge gehabt, oder der Täter besonders arglistig gehandelt hat."
Wie aus Absatz II dieses Gesetzes hervorgeht, wird der Tater mit Zuchthaus bestrast, wenn die Tat das Wohl des Volkes schädigte. Dieser Tatbestand ist zweifellos gegeben, wenn sich der Täter an den Liebesgaben des Winterhilfswerkes vergreift. Zuchthausstrafe tritt ferner ein, wenn der Täter durch Betrug das Wohl des Volkes schädigt, also Liebesgaben unter Vortäuschung von Hilfs- bedürftigkeit und dergleichen erschwindelt.
Lehrlingseinstellung — eine nationale Pflicht!
Das Landesarbeitsamt Hessen teilt mit:
Zu Ostern 1933 sind aus den Volksschulen im Be- zirk des Landesarbeitsamts Hessen rund 17 000 Knaben und 17 150 Mädchen zur Entlassung gekommen. Cs war dies der letzte schwache Kriegsaeburtenjahr- gong. Zu Ostern 1934 ist mit einer Verdoppelung dieser Zahlen w rechnen. Schon jetzt ist bei den Be- rufsberatungsstellen der Arbeitsämter der Andrang von Jugendlichen, die zu Ostern 1934 aus der Schule entlassen werden, außerordentlich groß. Kinder und Eltern rechnen mit Sicherheit darauf, daß es im neuen Staat gelingen wird, dem Nachwuchs eine gute Berufsausbildung zuteil werden zu lassen. Die Prüfung der Jugendlichen auf ihre Berufseignung ist von den Arbeitsämtern mit allem Nachdruck in Angriff genommen worden, da sie bestrebt sind, den einzelnen Berufen den jeweils bestgeeigneten Noch, wuchs zuzuführen, und da zum andern auch die jungen Menschen auf solche Posten gestellt werden sollen, wo sie das ihrer Anlage entsprechend Beste für die Allgemeinheit zu leisten imstande sind. Noch ober fehlt es bei den Berufsberatungsstellen an der Anmeldung der zu Ostern 1934 zu besetzenden Lehr- stellen. Dabei kann infolge der allgemeinen Belebung der Wirtschaft mit Sicherheit angenommen werden, daß eine größere Zahl von Ausbildungs- stellen verfügbar fein wird, als während des Darniederliegens der Wirtschaft in den letzten Jahren. Je früher sich die Gesamtheit der verfügbaren Lehr- stellen übersehen läßt, um so mehr Möglichkeiten haben die BerussberatungsstcNen der Arbeitsämter, ein« zweckmäßige Verteilung der Jugendlichen auf die verschiedenen Berufe und Stellen durchzuführen, um so besser kann die Auslese nach den Wünschen
der Arbeitgeber gestaltet werden. An alle Arbeitgeber ergehl nunmehr der dringende Aufruf, sobald und so zahlreich wie möglich Lehrstellen bei dem für sie zuständigen Arbeitsamt zur Besetzung anzu- melden. Die Vermittlung geschieht vollständig kosten- los, die freie Enticheidung über die Einstellung bleibt den Arbeitgebern selbstverständlich in jedem Falle gewahrt.
Oer ^Hetn-Mainische Garantieverband
Um die für die Arbeitsbeschaffunasmaßnahmen im Rhein-Maingebiet notwendigen Kredite bereitzustellen, wurde auf die Initiative des Rhein-Mainischen Industrie- und Hondelstages der Rhein-Mai- nifche Garantieoerband G. m. b. H. mit dem Sitz in Frankfurt a. M. errichtet. Der Garantieoerband will die Finanzierung solcher Arbeitsbeschaffungsaufträge erleichtern, bei Denen ausreichende Sicherungen für die Aufnahme eines gewöhnlichen Bankkredits fehlen, für die aber die Garantie der neuen Gesellschaft die Gewährung eines Personalkredits ermöglicht. Zu diesem Zweck wird ein Garantiekapital von ca. 2 Millionen Mk. gezeichnet von Gemeinden, Ge- meindeoerbänden, öffentlich-rechtlichen Körperschaften, Banken, Genossenschaften und Sparkassen, sowie von größern Firmen des Bezirkes. Die Kreditinstitute, die die Garantie der Gesellschaft in Anspruch nehmen, haben für einen Teil der etwaigen Aus- fälle selbst einzustehen, bevor jene Garantie wirksam wird. Desgleichen wird ein von den Banken zu schaffender Delkredere-Fonds und der Anteil des Wirtschaftsgebietes an dem vom Reich als Garantieunterlage zur Verfügung gestellten Betrag von insgesamt 10 Mill. Mk. vor Rückgriff auf den Goran- tieoerband in Anspruch genommen werden. Die Höchstsumme der von der Gesellschaft zu garantierenden Kredite ist auf rund 10 Mill. Mk. begrenzt worden.
Durch die mit den Danken getroffene Verein- barung erübriaen sich auch langwierige Nachprü- fungen der Kreoitgesuche durch den Verband, so daß eine beschleunigte Bearbeitung der Gesuche ficher- gestellt ist. Die garantierten Kredite sollen im allgemeinen den Betrag von 5000 Mk. nicht übersteigen. Zu berücksichtigen sind vor allem mittlere und Heinere Firmen und die Finanzierung von Jnstand- setzungsarbeiten.
Deutscher Arbeiterverband der öffent« lichen Betriebe.
Wir machen alle Mitglieder unseres Verbandes heute schon darauf aufmerksam, daß wir in der Zeit vom 1. bis 15. Dezember ds. Is. eine Kontrolle der Verbandsbücher durchführen. Unsere Kassierer werden die Bucher bei unseren Mitgliedern einsammeln. Es ist aber Pflicht jedes einzelnen Mitgliedes, fein Buch in der genannten Zeit selbst auf dem Derbandsbüro abzugeben, falls kein Kassierer das Buch einfordert.
Der Hinweis, daß die Aufrechterhaltung der Mitgliedschaft von der Abgabe der Bücher abhängt, dürfte genügen, jedes Mitglied zu veranlassen, sein Buch abzugeben. Notwendig ist unter allen Umständen, daß von jedem Mitglied ein Zettel in das Buch hineingelegt wird, aus dem folgendes zu ersehen ist:
1. ob ledig ober verheiratet
2. Kinderzahl
3. ob in der NSBO. und evtl. Nr.
4. ob in der Partei und evtl. Nr.
5. ob in der SA., SS., St.
Die Bücher werden nach der Kontrolle den Mitgliedern sofort wieder zugestellt.
Es liegt nun an jedem Mitglied«, schnellstens für Ablieferung des Buches zu sorgen, sei es durch den Unterkassierer, oder durch Selbstablieferung. Auf keinen Fall darf es Vorkommen, daß es nach dem 15. Dezember 1933 noch Mitglieder gibt, die ihre Mitgliedsbücher nicht vorgelegt haben.
Deutscher Arbeiteroerband der öffentlichen Betriebe, Verbandskreisverwaltung Gießen, Schanzenstraße 18.
Wehrum, Verbandskreisleiter.
Verlegung der Bauernkammer nach Frankfurt.
Das Staatspresieamt teilt mit: Infolge Verlegung der Bauernkammer Darmstadt nach Frankfurt a. M. finden von Dienstag, 28. November, bis einschließ- lich Samstag, 2. Dezember, keine Sprechstunden statt. Ab Montag, 4. Dezember, befindet sich die Hauptabteilung II (Bauernkammer) der Landesbauernschaft Hessen-Nassau in Frankfurt a. TL, Bockenheimer Landstraße 25.
Der Winter im Vogelsberg.
Wie wir heute früh auf Anftage auf bem Hohe- rodskopf hören, hat der Winter feinen Einzug im Vogelsberg gehalten. Heute früh lagen im Oberwald bet 5 Grad Kälte 15 Zentimeter Pulverschnee. Auf der Heide ist der Schnee verweht, dagegen ist im Walde selbst gute Sportmöglichkeit vorhanden. Gegen 9.30 Uhr heute vormittag war der Schneefall noch im Gange. Unsere Wintersportler mögen sich also rüsten.
Oie neuen Münzen.
In diesen Tagen sind die ersten Münzen auf Grund der Münzreform dem Zahlungsverkehr übergeben worden. Die 1-Markstücke werden in Zukunft aus Reinnickel hergestellt. Die 2-Markstücke sind gegenüber den jetzigen 2-Markstücken um einen Milli- vieler kleiner. Die 5-Markstücke sind um etwa elf Gramm leichter und um 9 Millimeter kleiner, als die bisherigen 5-Markstücke. Auch gegenüber den jetzigen 3-Markstücken sind sie eine Kleinigkeit leichter und kleiner.
Die alten und die neuen Münzen werden eine ge- wisse Zeit nebeneinander im Zahlungsverkehr umlaufen. Es ist daher bei allen Zahlungen Vorsicht geboten, um Verwechslungen zwischen dem alten 3 Mark- und dem neuen 5-Markstück zu verhüten. Wenn genügend neue Münzen geprägt sind, werden die alten Münzen eingezogen und außer Kurs ge- setzt werden. Ein Prägung von neuen 3-Markstücken findet nicht statt.
Wenn die neuen 2- und 5-Markstücke auch leichter sind, so enthalten sie doch die gleichen Mengen an Silber, wie die alten Münzen.
Vornotizerr.
— Tageskalender für Montaa: Tun» haus am Brandplatz, 16 bis 18.30 Uhr, Kunstguss stellung des Reichskartells der bildenden Künste. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Im Zeichen bei Kreuzes".
Leseholzfammeln beim Holzsäl- len verboten. Die Bürgermeisterei veröfsentticht in unserem heutigen Blatte eine Bekanntmachung, nach welcher im Hinblick auf früher« Ungluckssälle bas Leseholzfammeln in solchen Waldstücken, in denen Holz gefällt wird, verboten ift Das Leseholzsammeln ist nur Mittwochs von 8 bis 17 Uhr erlaubt
• • Kauft rechtzeitig Christ bäum- schmuck. Der Erwerb von Christbaumschmuck ist nicht nur eine vorweihnachtlich« Freude, sondern auch eine besonders zu begrüßende soziale Tat Es wirb daher der Bevölkerung nahegelegt. möglichst bald Christbaumschmuck für das Weihnachtssest zu erwerben bzw. die Bestände an Christbaumschmuck SU ergänzen. Dabei sei daran erinnert, daß gerade Chrislbaurnlchmuck ein Erzeugnis der ärmsten Heim- arbeitertreife ist, die in besonders notleidenden Gebietsteilen des Reiches leben. Im Interesse dieser Kreise liegt es, wenn die Einkäufe von Ehristbaurn- schmuck recht bald durchgeführt werden. Diese Herrn- ften der Heimarbeiter haben bann auch eine Weih- nachtsfteube.
• • Stroßensoerr.ungs nachrichten, mit- Seteilt vom Oberhessisch.-n Automobil-Elul) E. D., iiefeen: Die Straßenstrecke Romrob —Schellnhausen im Zuge ber Straße Gießen—Alsfeld wird wegen Umbauarbeiten vorn 29. November ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt für Nahverkehr über Großfelda—Windhausen, für Fernverkehr über Ulrichstein—Lauterbach. Die Ortsdurchfahrt Wölfersheim im Zuge der Stroh« Friedberg- Hungen wird ab 30 November für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung des Durchgangsverkehrs erfolgt über Beienheim — Reichelsheim — Echzell und umgekehrt.
* * Eine Achtzigjährige. Am heutigen Montag, 27. November, begeht Frau Katharina Eberle, Schottsttaße 3, chren 80. Geburtstag
OieJmker im Dritten Reich.
Tagung der Ve freier der oberhessischen Bienenzüchter
Jrn Saale des Gasthauses Hindenburg" fand am Samstagnachmittag bie letzte Dertretersitzung bes Oberhessischen Bienenzüchter-Bereins unter bem Vorsitz von Lehrer Braun (Robheim o. d. H.) statt. Die Versammlung war von ben Vereinsoertretem sehr gut besucht.
Lehrer Braun
leitete bie Tagung mit herzlichen Degrüßunas- warten, insbefonbere an die Gäste, den Verbands- führer Reichsbahn - Oberinspektor Vogelsang (Kassel), ben landwirtschaftlichen Fachberater Hup- selb (Altenritte), Dr. Freubenstein von der staatlichen Bienenzucht- unb Lehranstalt in Marburg unb bas Ehrenmitglieb Lehrer i. R. Spitz (Gießen) ein. Er teilte bann mit, bah er nach Dem Rücktritt des bisherigen Vorsitzenden Lehrer i. R. R u n k (Nidda), der mit großem Geschick das Amt des Vorsitzenden des Oberhessischen Bienenzüchter-Der- eins versehen habe, als 2. Vorsitzender die Geschäfte seit 21. Oktober geführt hohe und die Vertreteroersammlung nun den Gauobmann wählen müsse. Diese Wahl zu leiten, bitte er ben bisherigen Dor- sitzenben Lehrer R u n k.
Lehrer i. CR. Runk-Aidda
betonte, baß bie Dertteterversammlung zum letztenmal tage unb auch keine Hauptversammlung mehr ftattfinbe. Das Alte sei vergangen. Neues sei gekommen. Es gelte jetzt, neue Männer zu bestimmen, bie bei ihrer Arbeit vom Vertrauen der Mitglieder getragen seien. Er schlage vor, als Gauodmann I Herrn Lehrer Braun (Robheim v. d. H.) zu wäh- |
len, dessen Name in der Imkerwelt einen guten Klang habe. Der seitherige Verein werbe aufgelöst, er werde nur noch ein Teil bes großen Gaues Hessen sein
hierauf würbe Lehrer Braun (Robheim o. b. h.) einstimmig burch Zuruf zum (Bauobmann gewählt unb diese Berufung mit lebhaften Heil-Rufen begrüßt.
Lehrer Braun
dankte sodann dem bisherigen Vorsitzenden R u n k (Nidda) für seine Mühewaltung, ferner im Namen aller Vertreter von ganzem Herzen für alles, was er (Herr Runk) für den Oberhefsilchen Bienenzüchter- verein getan hab«. Herr Runk werde b«i den Zusammenkünften der oberhefsischen Imker stets willkommen sein, unb seinen guten Rat werbe man immer gern hören unb achten. Der Tiebner dankte weiter ben vereinsoertretem herzlich für bie einstimmige Wahl zum Führer des Oberhessischen Die» nenzüchteroereins unb ben damit bekundeten Beweis des Vertrauens. Er werde seine ganze Kraft für die Aufgaben unb Ziele des Bersins einsetzen.
Oer Verbandsfuhrer Reichsbahn» Obertnspek or Vogelsang taflet
erklärte nach Danfesworten an ben neuen Gauobmann Braun unb an bie Versammlung, mit ber Entscheibung in biefer Versammlung über ben neuen Führer fei bas bisherig« parlamentarischHemokra- fische Verdandsleben auch im Bezirk Oberhesfen zu
„3m Zeichen des Kreuzes "
Lichtspielhaus.
Mit bem Film „3m Zeichen bes Kreuzes" knüpft die amerikanische Probuktion stilistisch unb stofflich an bie Historien „Ben Hur" unb „Quo vadis“ an. Das kaiserliche Rom zur Zeit Neros bildet ben Schauplatz ber .Hanblung, bie ihren bramafischen Antrieb unb ihre Konflikte aus ben Märtyrerkämp- fen ber ersten Christengemeinben um ihren Glauben bezieht. Der Wiberstreit zweier Weltanschau- ungen bot ben Herstellern willkommenen Anlaß zur Entfaltung einer pompösen Ausstattungsszene, rie unb zum Massenaufmarsch von 7500 Mitwir- kenben. Das Stück von Wilson Barrett, bas bie literarische Vorlage bildete, bürste bem beutschen Publikum kaum bekannt sein, boch ist ja ber klassische Stoff in seinen Grunbzügen ohnehin jeher- mann aus ben verschiebensten Quellen geläufig. Die deutsche Bearbeitung stammt von Dr. Karl Vollmöller. Regie führte Cecil B. de Mille, ber hier „3m Zeichen bes Kreuzes" fortführte, was er
den von ihm geschaffenen stummen Filmen „Die flebn Gebote" und „Aönig ber Könige" begonnen hatte. Wir beuteten bereits an, bah bie Rückkehr zu jenem klassischen Mofiokreis mit ben schon da- male angemenbeten stilistischen Mitteln geschah. Auch dieser Film wendet sich woyl in erster Linie an das Publikum, für das die englische Originalfassung geschaffen wurde. Di« Stärke der Regie liegt weit weniger in der Vermittlung einer weltgeschichtlich bedeutsamen Auseinandersetzung als In gewissen realistisch ausführlichen Details und dem, was mir etwa als filmisches Kolossalgemälde bezeichnen würden. Mit groß angelegten Schilderungen des brennenden Rom setzt die Handlung ein; mit ben oer- schwenberisch inszenierten Bildern ber riesigen Kampsarena, in ber bie stanbhaften Christen bem Barbarentum der Kaiserzeit aufgeopfert werden, klingt die Darstellung aus. Dazwischen liegen die höchst effektvollen und auf sinnfällige Wirkung be- rechneten Szenen, welche etwa den sittlichen Verfall der römischen Gesellschaft ober eine geschickt aus- gesponnene Liebesintrige, Ipiclenb zwischen der Kaiserin Poppaea, dem Präsekten Marcus und der jungen Christin Mercia, schildern. Außer dem enormen Aufwand an Architektur, Ausstattung unb Kostüm, einem Massenaufgebot von Statisterie unb einem kleinen Tierpark für die Spiele in der Arena hat die Paramount ein rein amerikanisches Ensemble von Solisten eingesetzt, die dem deutschen Publikum namentüd) kaum bekannt sein Dürften, Deren Darstellung ohne Ausnahme durch ben in Hollywood ausgebildeten typischen Spielstil ber klassischen Historu gekennzeichnet wird. Die besten Leistungen bieten Claubctte Holbert als Kaiserin Poppaea, die
unserer Vorstellung von dieser Gestalt durchaus entgegenkommt, und — In scharfem Kontrast — Elifsa Landi als Mercia. Gut auch Fredric March als Marcus Superbus, während Charles L a u a h t o n als Nero zwar sehr angemessen in der Maske, in Einzelzügen aber doch wohl etwas übertrieben erscheint. — Der Film läuft feit gestern im Lichtspielhaus unb wirb burch ein abwechslungsreiches Beiprogramm ergänzt. —r—
Reichskarieit
Der biiDenden Künste.
Ausstellung im Turmhaus am Brand.
Die im Reichskartell ber*bilbenben Künste zusammengeschlossenen Künstler Oberhessens eröffneten am Samstagnachmittag ihre erste Ausstellung im Turmhaus am Drandplatz. Nach Variationen eines Streichquartetts über bas Deutschlanb-Lieb unb nach kurzen Begrüßungsworten von H. Will, Gießen, ber insbefonbere bie Vertreter ber Behörben, ber Stabt unb ber Universität willkommen hieß unb betonte, man wolle hier ein gutes Adbilb heimatlicher Kunst geben, ergriff Felix Klipstein, Laubach, bas Wort zu einer einleitenben Ansprache. An- knüpfenb an bas Wort „Äunft bringt Gunst, unb ohne Gunst ist alle Kunst umsunst" unb an bie klassische Formulierung „Vieles Gewaltige lebt, boch nichts ist gewaltiger als ber Mensch" umspielte ber Maler bie Begriffe Kunst unb Gunst in ihren wechselseitigen Beziehungen unb ihren Zusammenhängen mit bem Leben in vielfältig aphoristischen Ausblicken unb Deutungen. lieber bas Wesen ber Kunst unb ber Schönheit, so führte ber Bortragenbe aus, fei viel geschrieben unb gesagt worben; hier handle es sich um etwas Absolutes. Kunst schlage, wie mit mancherlei literarischen Zitaten belegt mürbe, bie Drücke zwischen Welt unb Menschheit als eine im letzten unb tiefsten Orunbe religiöse Angelegenheit. Die vergangene Epoche des Liberalismus meinte, aus Reichtum wachse Kunst Gunst aber sei nur ein Nährmittel, nicht Befruchtung. Gunst ist zu begreifen als Miterleben, Miterleiden, Miterschaffen. Das Volk fall ber Boben sein, aus bem ber Gesang sich erhebt. Adolf Hitler hat bas Volk als einen „klingenden Körper" bezeichnet, als eine große kulturelle Einheit. Darum muffen wir alle Mitarbeiten. Wo stehen wir heute, wo knüpfen mir an? Bei den Brüdern van Eyck oder bei den Zeich- nungen Holbeins. Aber Die Tradition und mit ihr die handwerklichen Voraussetzungen aller großen Kunst gingen uns teilweise verloren unb müssen beute erst wieher neu erworben werben. „Blut unb Bobert" — ein in unser« Zett mit neuen 3nhalten
gefüllter Begriff muß auch auf Das künstlerische Schassen angemenbet werben. Als Leitsatz habe zu gelten: Einfachheit und Aufrichtigkeit; an unfern Früchten soll man uns erkennen, — nicht nur un unserer Schädelsorm. Klipstein warnte bann, antnüpfenb an ein Wort bes neuernannten Frank- furter Universitätsrektors Professor Krieck, vor naheliegenben Mißverstänbnissen und sehlgeleiteter Propaganda. Auch bie Kunst sei — von Dürers unb Luthers Zeiten bis in bie deutsche Gegenwart im Zeichen Adolf Hitlers — ein Teil bes Vaterlandes. Unb ber Geist, ben bie Griechen ben großen Pan nannten, stirbt nicht aus. — Die Ansprache würbe vom statllichen Besucherkreis mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Herr Will dankte anschließend bem Bortragenben, sowie bem Quartett, bas sich freundlicherweise zur Verfügung gestellt habe.
Bei ber Fülle dessen, was die neue Ausstellung rein stofflich bem Beschauer bietet, müssen wir uns schon aus räumlichen Grünben baraus beschränken, bie Eindrücke aus dem ersten Rundgang in einem Ueberblitf zusarnmenzufasfen. Von Karl Fries (Ortenberg), ber in ber Gießener Ausstellung feit langem regelmäßig vertreten ist, finden wir eine Gruppe von Lanbfchaften, bie sich ben neu gefunbe- nen Gesetzen einer bobenftänbigen Kunst schlicht unb felbstoerstanblich unterstellen. Sigurb Lange, ben unsere Leser bereits aus zahlreichen illustrativen Beiträgen zur .Heimat im BUb" kennen, erweist sich auch hier, mit Aquarellen, Zeichnungen unb Holzschnitten, als ein Lanbschaster von sicherem Blick unb energischem Zugriss, sehr fein unb glücklich gelöst scheint uns vor allem bie Rheinlandschaft bei Bafel, bie in großer farbiger Kurve destechenb an ben Zuschauer herangebracht wirb. Daneben sei ein markantes Porträt besonders genannt. Geil- f u s, offenbar von Spitzwegs kleinmeisterlichen Schilderungen angeregt, bringt eine Gruppe liebens- würdiger unb humorvoller Genreszenen, wie bie vier Musikanten unb ben „Prähistoriker". Steinbachs Malerei wirb, wie uns eine schöne, tonige unb plastisch gerundete Landschaft zu erweisen scheint, von Ausstellung zu Aussiellung reifer und unproblematischer in feiner Malerei. Von H. H. Walther fei ein farbig sehr lebendiges und reizvoll akzentuiertes Gießener Stadtbild herausge- griffen; Daneben einige südlichere Motive und eine Sammlung hüdfcher Gebrauchsgraphik. H. E. Kleine bringt neben etlichen Tierstudien ein paar apart zusammengestellte unb koloristisch sehr kultivierte Stilleben: mit blau-r Schale; italienische Pfirsich«; ein Bund Spargel. Margret Kranz zeigt, wie schon in früheren Jahren, eine Auswahl aus ihren femgliedrigen Blumenstücken. Von Hein- I rich Will sieht man u. a. zwei grofjangelegte Bilder von Schwalm« Bauern; Die barocke Form |
Der altüberlieferten Tracht in klaren einfachen Farbtönen sympathisch beruhigt und zusammengefaht. Die Radierungen von Felix K l i p st e i n (wir kennen schon einige davon aus früheren Ausstellungen) voller Zartheit und inniger Liebe zu allem Geschaffenen, scheinen uns an die beste Tradition altdeutscher Griffelkunst anzuknüpfen. Ueberaus reizvoll, aus Gemüt und Humor geschaffen, präsentiert sich unter dem Titel „9m Wald und auf der Heide" ein neues deutsches Bilderbuch (mit Versen) von Felix K l i p st e i n , geschnitten von Ernst Feuer- st e i n ; das ist ein anmutiges und seyr deutsches Werkchen, „einfältig" im guten alten Sinne des Wortes, in der Freude an der Miniatur gelegentlich an die Illustrationen von Timmermans erinnernd. Daneben eine Gruppe von Radierungen, die in ihrer zarten und gewissenhaften Durchbildung und eingehenden Genauigkeit ganz erfüflt sind von Hingabe an die beseelte Welt Der Dinge. In merkwürdigem Kontrast dazwischen einen weiträumig« spanische Landschaft, die vom Weitblick dieses hessischen Malers Kunde gibt. Karl Lenz bringt neben kleineren Landfchaftsmotioen ein paar große Figurenstücke. In den „Pflanzenhackern" stellt er Derbe bäuerliche Gestalten frei unD bewegt in Die Landschaft, angeleuchtet von Sonne, fest auf Heimat- lichcm Boden, mitten im Drang ber schweren Arbeit. O. I. Kutscher bringt in starken, ungebrochenen Farben und kräftigen Konturen ein paar Bildnisse von Charakter und selbstsicherer Haltung. Paul Maus ift mit einem eleganten unb dekorativen Damenbilbnis vertreten, bas sich auf wenigen, gut zusammenklingenden Farbakkorben aufbaut
Die Plastik ist biesmal erfreulicherweise etwas stärker vertreten, als bas sonst auf unseren Ausstellungen der Fall war. Von Ludwig ® ü n g e • r l ch sieht man bas Bronzeporiröt Geheimrat Dr. G., ein in Konturen unb Gcsichtsslächen herzhaft belebtes Porträt, besten unstilisierte Naturnähe durch die Einbeziehung der Augengläser ins Gesamtbild noch verstärkt scheint. K ö d D i n g bringt neben einer Porträtbüste eine recht dramatisch auf- gebaute biblisch« Gruppe „Der verlorene Sohn". Bourcarbe geht (unter dem Einfluß von Barlach?) immer entschiedener zur Holzplastik üb«. Eine schöne, ausgereifte Leistung: „Der Suchend«", in bem sich Gesichtsausbruck und Körperrhythmus der schwer und verhüllt aus Dem Block heraus entwickelten Gestalt zu einer ganz geschlossenen Wirkung verbinden. Sehr fein auch Die Gruppe „Das Paar", die materiell und gefühlsmäßig zu einer beruhigten Einheit verschmolzen ist. Zwei charakteristisch« Porlrätköpfe sollen nicht unerwähnt bleiben.
Die Ausstellung ift feit gestern allgemein zugänglich und wird sich hofsenttich eines recht regen Besuches zu erfreuen haben. —y—


