Nr. 278 Drittes Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Montag, 27. November MZ
Eine Kahnenhalle der SA.
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Seit einiger Zeit sind die Geschäftsräume der SA. des Kreises Gießen unter Standartenführer Lutter im ersten Stock des Neuen Schlosses am Landgraf-Philipp-Platz untergebracht. Dort stehen für die Verwaltung der SA. bessere Raummöglichkeiten zur Verfügung, als in der früheren Unterkunft im Kreisamt. In Verbindung mit den neuen Geschäftsräumen ist nun von dem Kommando der SA. auch ein Raum geschaffen worden, der als Fahnensaal der Aufbewahrung des
Feldzeichens der SA.-Standarte 116 und der Fahnen der Gießener SA.-Stürme dient.
Am gestrigen Sonntag wurden nach den Vormittagsgottesdiensten die Standarte 116 und die Sturmfahnen von den Gießener Stürmen nach dem Neuen Schloß gebracht, wo sie im Fahnensaal aufgestellt wurden und dort künftig in der Obhut der Standarte verbleiben. Unsere Bilder zeigen einen Blick in den Fahnensaal und den Standartenführer Lutter.
Oer Totensonntag in Gießen.
Der gestrige Gedenktag an unsere Toten wurde in Gießen würdig begangen. Schon am Samstagnachmittag begaben sich viel Mitbürger nach den Friedhöfen, um dort die Gräber zu schmücken. Der gestrige Sonntag wurde von vielen weiteren Bürgern zu "einem Gang nach dem Friedhof benutzt, um dort still der Heimgegangenen zu gedenken. Am Vormittag sanden in den Kirchen stark besuchte Gottesdienste statt, an denen die Stürme der SA., SS., des Stahlhelms, die JH., ferner die Militar- und Regimentsoereine teilnahmen. Neben den Angehörigen der Wehrverbände und der Vereine wohnten auch viele Mitbürger in Zivil und Mitbürgerinnen den feierlichen Gottesdiensten bei. Nach dem Kirchgang folgten Gedenkfeiern aus dem Neuen
Friedhof und am 116er Denkmal auf dem Land- graf-Phuipp-Platz. Zwei Stürme der SA.-Reserve marschierten zum Neuen Friedhof, um dort des im blühenden Alter von 26 Jahren im Kampf für die Be- roeguna erkrankten und gestorbenen SA.-Kameraden Hugo S o l d a n am Grabe zu gedenken. Die NS- Kriegsopferversorgung hatte sich zur gleichen Zeit auf dem Ehrenfriedhof des Neuen Friedhofes zu einer Gedenkfeier für die gefallenen Kameraden versammelt. Der SA.-Marinesturm gedachte in einer Feier am Bootshaus des Marineoereins der Heimgegangenen. An den Gefallenendenkmälern, wie auch an den Denkmälern in der Stadt waren Kränze als äußeres Zeichen des Gedenkens niedergelegt.
Oie Gesattenen-Gedenkftier am llömöentmal
war von der Arbeitsgemeinschaft der Militär- und Regimentsvereine veranstaltet worden und vereinigte im Anschluß an den Kirchgang die Mitglieder dieser Vereine, ferner Abordnungen der Reichswehr, der nationalsozialistischen Formationen, des Stahlhelms und eine große Menschenmenge auf dem Landgraf-Philipp-Platz. Die Feier wurde vom Bauerschen Gesangverein unter Leitung von Universitätsmusikdirektor Prof. Dr. Temesvary mit dem Choral „Heilig ist der Herr" eingeleitet. Hierauf folgte die nachstehende
Gedenkrede jon Prof. Or. Schmoll.
Kameraden!
Wieder ist aus dem nebelverhangenen Grau des Novembers der Totensonntag heraufgestiegen. Die letzten Blumen und Zweige, die Gärten und Wald im späten Herbst noch bieten, liegen in Kränzen und Sträußen auf den Gräbern. Dort sprechen sie eine eindrückliche Sprache, die Sprache von Liebe. Sie wollen bekunden, daß die Toten, die dort ruhen, doch noch ein inniges, wenn auch stilles und heimliches Leben führen: nämlich in den Herzen derer, die ihrer gedenken und sich nach ihnen sehnen. —
Nur wenige Menschen aber wissen, daß der Totensonntag ober das Totenfest im Jahre 1815 in Preußen angeordnet wurde, um das Gedächtnis der >n den Freiheitskriegen Gefallenen zu ehren. Neben den Sieges feiern, die nach dem Sturz Napoleons überall begangen wurden, sollte auch der gewaltige EruÜ ber Zeit unb dl» Gröhe be«1 Vvk-- ni/üt 'ver
gessen werden. —
Und nach dem großen Kriege den mir erlebt haben, empfinden wir wohl alle, daß der Gedanke richtig war. Die Millionen, die auf dem Felde der Ehre für Heimat, Recht und Vaterland gefallen sind, haben es wahrlich v e r d , e n t daß man die Mahnung des Dichters beherzige: „Vergeßt die teuren Toten nicht." —
Vergeßt d i e teuren Toten nicht" — fo'bitten'alle die, welche in fremder Erde oder auf dem Boden des Meeres, im Massengrab ober wo immer zum letzten Schlaf gebettet fmtn Gerade heute weilen unsere Gedanken bei ihnen, die hinauszogen gegen eine Welt von Feinden und in aller Herren 'Länder nach Kampf und Streit den Tod gefunden. — .
Mit der Erinnerung an unsere Toten aber steigt sie selbst wieder auf, jene gewaltige.Ze", der Heldenkampf ohne gleichen, von dem es einmal heißt.
„Standen die Männer in Tod und Verderben, Stand Deutschlands Leben, für Deutschland zu ft e r b e n.
Sieghaft in trotzigem, einigem Sinne
Stehn an den Grenzen die deutschen Ritter, Schulter an Schulter und Hand in Hand: Vorwärts für König und Vaterland!
Ich will ihn nicht wieder schildern, den Riesen- | fampf vier Jahre lang, aber wenn sie wieder vor । unserem geistigen Auge ersteht, die große Zeit täi4~tK bann iü e» doch immer, als ob em Vor- I
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dahin verhüllte; dann werden auch sie alle wieder lebendig, die vielen, vielen grauen Scharen, die unsere Brüder, unsere Kameraden waren. Und wir bezeugen es ihnen in Ehrfurcht und Dankbarkeit: sie waren ganz gewiß nicht schuldig daran, daß der deutsche Adler schließlich wieder niedergerungen wurde, daß der große Krieg so jammervoll zu Ende gehen mußte, wie nie ein anderer zuvor, daß die klaren reinen Quellen, aus denen er entsprang, trüber und trüber wurden, um endlich in Verrat und Schmach zu versanden und zu verschlammen. —
Scanner geschenkt hat, die uns wieder frei und ehrlich vor der Welt gemacht haben: der Marschall und der Gefreite des Weltkrieges, Hand in Hand. Und beide, die den Krieg kennen, wie wenige, betonen es immer wieder, daß nicht neue Kriege uns Anerkennung, Gerechtigkeit und einen wahren Frieden bringen können, sondern nur die stille, beharrliche, zähe Arbeit an der deutschen Volksseele und am Ausbau wahrer Volksgemeinschaft. —
Ein langer, boyienooller Weg, bis wir so weit waren. Und wenn wir, wie wir sagten, in stolzer Trauer der Gefallenen des Weltkrieges gedenken.
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Professor Schmoll bei der Gedenkrede am 116er-Denkmal.
Ich weiß es, Kameraden, es gibt viele Menschen, die aus den verschiedensten Gründen, edlen und unedlen, überhaupt nichts mehr vom Kriege hören wollen. Und andere, die meinen: wir haben ja Denkmäler und Gedenktafeln, auf denen die Namen der Gefallenen stehen. Ganz schön!" Aber das i st nicht genug. So kann nur Undankbarkeit und Gedankenlosigkeit sprechen. Nein., in unserem Herzen müssen wir ihnen ein Denkmal setzen, muß ihr Gedächtnis leben. Heimrecht den Toten in den Herzen der Lebendigen: das erst ist rechte Heldenehrung, ist wahrer, deutscher Totendienst. —
Es wird in diesen trüben Nooembertagen, an Allerseelen und am Totenfest viel getrauert in Deutschland; alte Wunden brechen wieder auf und bluten von neuem. Das Entscheidende ist nur, daß die Trauer von rechter Art ist. Denken wir zurück an die Kriegszeit, so erinnern wir uns daran, daß unter den zahllosen, schwarzgeränderten Todesanzeigen, die ganze Spalten in den Zeitungen füllten, oft die Worte zu lesen waren: in stolzer Trauer. Gewiß ein eigenartiger Ausdruck! Aber er hatte feinen guten Grund. Die Angehörigen waren stolz darauf, daß einer der Ihren mit dabei gewesen war, wenn in Angriff und Verteidigung unsere unvergleichlichen Truppen mit ehernem Griffel ihre Taten in das Buch der Geschichte eingruben. — So ist auch unsere Trauer um die gefallenen Kameraden stolze Trauer. Aber auch das ist noch nicht genug. Bei aller berechtigten Heldenehrung dürfen sie uns nicht mit in ihr Grab ziehen. Die würdigste Ehrung und Trauer um einen Toten ist doch die, daß man in feinem Sinne lebt. Auf einem Krie-
dann wollen wir auch die Hunderte und Tausends nicht vergessen, die ebenfalls ihr Leben einsetzten, um neues Leben im deutschen Vaterlande zu schaffen, würdig der Väter und Vorväter. Im Einlaß ihres meist jungen Ledens haben auch sie die Krönung ihres Wesens erreicht; auch sie die Opfer für eine große, heilige Aufgabel Und ist es uns nicht, als ob die toten Krieger nicht eher hätten Ruhe finden können, als bis das deutsche Volk, für das sie litten und stritten, bluteten und starben, wieder besser und gotteswürdiger gemacht wäre?
Nur im Opfer und niemals ohne Opfer reift das Glück, wächst Segen und Sieg, und nur aus dem Dunkel können wir zum Hellen streben. Wir stehen erst am Anfang einer neuen deutschen Zukunft, viel schwere Arbeit bleibt noch zu tun. Wir haben feine Zeit, müde zu sein und erst nicht zu faulem, trägem Genießen. „Arbeiten und nicht verzweifeln", ist unsere Losung. Jeder gefallene Bruder, dessen wir heute in Dankbarkeit gedenken, will neue Hände werben, daß sein verlassenes Werk nicht sterbe.
Darum, Kameraden, wenn wir nachher auseinandergehen, wollen wir es an ihrem Ehrentage ihnen feierlich geloben und beten:
.Laßt pflügen uns alle ein heiliges Land, Nachdem wir errettet aus Elend und Schänd! Die Sonne im Morgen, wir pflügen ihr zu: Herr Gott im Himmel, dazu hilf du."
Der Abschluß.
Im Anschluß an einen weiteren Liedvortrag des Bauerschen Gesangvereins gedachte der Führer der Arbeitsgemeinschaft der Militär und Regiments
Die Gefallenen-Gedenksteine auf dem Neuen Friedhof.
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gerbenfmal in Tirol stehen die ergreifenden Worte: „Sie gaben alles, was sie konnten geben: Die Seele Gott, der Heimat Blut und Leben.
Vorbei Leid, Mühsal, Not und Tod und Schlacht: Es ist vollbracht."
Das soll doch wohl heißen: Die Toten haben ihr Werk getan; nun ist es Pflicht der Lebenden, das Werk weiter zu führen. Aus ihrem Opfer sollen neue Helden erstehen. Denn es gibt nicht nur ein Heldentum auf dem Schlachtfelde, im Trommelfeuer der Maschinengewehre und in dem Stahlgewitter der Granaten, sondern auch im kleinen alltäglichen Leben. Sie starben, damit wir leben und wirken. Haben wir das immer beherzigt nach dem Kriege? War es lange Jahre nicht fo, daß alle Opfer umsonst gebracht schienen, daß in weiten Kreisen unseres Volkes das Lied von deutscher Treue und mannhaft deutscher Wahrheit und Wehrhaftigkeit fast nur noch wie ein Märchen aus uralt versunkener Zeit erklang? Waren wir fast 15 Jahre lang nicht ein Volk, das im Finstern wandelte und in dem nur die Besten darauf hofften, daß auf die Nacht auch wieder einmal ein strahlender Morgen folgen würde, während im allgemeinen Verdrossenheit und Mißmut, Unehrlichkeit und Bestechlichkeit, Kleinglaube und häßlicher Parteihader an allen Ecken und Enden sich breit machten, — dachte man daran, daß Millionen deutscher Brüder und Schwestern durch einen schändlichen Vertrag, auf Lüge und Betrug aufgebaut, uns entrissen waren und mit wundem Herzen sich im Stich gelassen sahen?
Jene anfänglich so schwachen feldgrauen und braunen Scharen aber wußten es, im Geiste der alten Frontkämpfer, daß ein Aufstieg nicht möglich sei ohne innere Erneuerung in Dpferfinn und Treu, in Gottesfurcht und Glauben. Heute aber dürfen wir stolz und froh bekennen: Deutschland ift erwacht. „Welch eine Wendung durch Gottes Fügung!" Der uns nach langer Schänd« Nacht bi«
vereine, Kaufmann Müller, mit einer kurzen Ansprache der gefallenen Kameraden, zu deren Ehren der Redner einen Kranz am Denkmal nieder- legte. Mit dem Lied vom guten Kameraden fand die Feier ihren Abschluß.
MinisterpräsidentGönnaalsEhrenpaie
Dillenburg, 26. Nov. (WSN.) Ministerpräsident Göring hat bei dem 14. Kinde des Arbeiters S ch w e h n im Kreisort Eibelshausen die Ehrenpatenschaft übernommen.
Arbeitsbeschaffung im ReichSbahn- OirektionSbezirk Frankfurt.
Die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. hat zur Förderung der Arbeitsbeschaffung für die Wintermonate Zusatzmittel in Höhe von 963 000 Mk. bereitgestellt. Davon sind 700 000 Mk. vorwiegend für Jnstandsetzungsarbeiten an Bahnhofsgebäuden, Wohnhäusern und Werkstättenbauten bestimmt, kommen also in erster Linie den mittleren und kleineren Handwerksbetrieben zugute. Es soll damit erreicht werden, daß in den saisonmäßig ungünstigen Wintermonaten diese Mittelstandsbetriebe Beschäftigung erhalten. Um eine Gewähr zu haben, daß dieses Ziel erreicht wird, sollen die neuen Aufträge bis spätestens 31. März 1934 erledigt sein. Die rest- lichen 263 000 Mk. sind für Arbeiten an den Siche- rungseinridjtungen bestimmt. Bei all diesen Arbeiten handelt es sich um zusätzliche Arbeiten, also um solche, die ursprünglich für diesen Winter nicht vor» gesehen waren.
Daten für Montag, 27. November.
1701- der Astronom Anders Celsius in Upsala geboren (gestorben 1744); — 1850: der Geograph Rudolf Credner in Gotha geboren (gestorben 1908).


