Ausgabe 
27.9.1933 Erstes Blatt
 
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Was gibt es Neues in der Medizin?

DonDr.p.Wölffel.

Vergiftung und Konstitution.

Professor Dr. W. Roth macht in einem Artikel über Unfälle und Vergiftungen im chemischen Laboratorium und im Betrieb die Feststellung, daß unter den gewerblichen Berufskrankheiten die Blei­vergiftung noch immer verhältnismäßig häufig ver­treten ist. Als besonders typisch tritt aus der Reihe der Vergiftungsfälle das tragische Geschick des Direktors einer Bleifarbenfabrik heraus, der seit 12 Jahren in Bleibetrieben tätig war. Der Direktor erkrankte mit der Zeit an Bleischrumpfniere und fiel schließlich der schweren Krankheit anheim. Von der Bleierkrankung bedroht sind besonders auch Bleilöter, die Kutscher von Chemikaliengrohhand- hingen, denen die regelmäßige Beförderung der Bleizucker-, Menninge- und Bleiweißbehctter ob­liegt, auch das Arbeiten an keramischen Glasuren birgt mancherlei gesundheitliche Gefahren. Paraffin, Teer und Ruß wieder schufen die Grundlagen zu Hautleiden. Eine höchst eigenartige Beobachtung hat man bei Phenol, Benzol und Naphtalin ge­macht, bei Stoffen also, die ihrer ekzemerregenden Einflüsse wegen bekannt sind. Hier zeigte sich londer- barerweise, daß sie ohne eine nennenswerte Wir­kung blieben. Im Gegensatz hierzu gingen die größten ekzemerregenden Wirkungen von den nie­drig siedenden (stark hydrierten) Leichtölen aus. Wie sich oftmals bewies, spielt bei den Dergiftungs- erscheinungen die körperliche Konstitutwn eine wichtige Rolle.

Fuchsprellen als Wieder­belebungsverfahren.

Dr. Felix Mocny weist in einer ärztlichen Zeitschrift auf ein besonders bewährtes und wirk­sames Verfahren zur Wiederbelebung Er- trunkener hin, ein Verfahren, das seit langem bei den Holzflößern auf der Weichsel in Hebung ist, und das seinen guten und schnellen Erfolg schon häufig bewiesen hat. Diese Methode ist nach An­sicht Dr. Mocnys wert, namentlich bei den Leitern von Samariter- und Rettungskursen Beachtung zu finden. Das Verfahren hat viel Aehnlichkeit mit demFuchsprellen", das von den Turnspielen her bekannt ist. Man veranlaßt also je zwei Mann, eine Handgrätsche zu bilden und sich nebeneinander aufzustellen. Man legt den Bewußtlosen mit der Bauchseite auf die verschränkten Handrücken. Jetzt darf jedoch noch nicht mit demPrellen" begonnen werden. Zuvor muß noch dafür gesorgt werden, daß der Kopf des Bewußtlosen in die richtige Lage kommt. Es muß deshalb noch ein weiterer Mann zur Stelle sein, der den Kopf des Verunglückten in Längsrichtung gestreckt hält, wobei dieser Mann die Handflächen zweckmäßigerweise flach anlegt. Nach diesen Vorbereitungen kann dasPrellen" ein- setzen, und zwar ist aller Wert darauf zu legen, daß das Hochwerfen des Bewußtlosen während der ganzen Prozedur rhythmisch erfolgt, entsprechend dem Kommando. Naturgemäß muß das Hochwerfen immer in der nötigen Grenze bleiben. Diese Grenze wird ganz von selbst von der Armreichweite des Mannes gezogen, der den Kopf des Bewußtlosen festhält. Hängt das Ertrinken also mit einer inneren Verblutung zusammen, so muß der rhythmische Einfluß dieses Verfahrens besonders nachhaltig fein. Nicht allein, daß die Atmung angeregt wird, es begünstigt auch den Abfluß und, was das Be­deutsamste bleibt, das Stagnieren der Blutsäule wird mehr und mehr behoben, da die dauernden rhthmyischen Bewegungen das Abströmen der Blut­mengen aus der Bauchhöhle nach der Peripherie veranlaßen.

Eine halbe Million Afthmaleidende.

Auf mindestens 500 000 hat man in Deutschland die Zahl der A st h m a l e i d e n d e n zu veran­schlagen. Die Zahl macht um so bedenklicher, als viele Aschmakranke durch die Beschwerden ihres

Leidens in ihrem Berufe schwer behmdert oder aar aus dem Produktionsprozeß ausgeschaltet wer­den. Nach dem Standpunkt der modernen Wissen­schaft trägt zur Entstehung des Asthma nicht allem eine krankhafte Verengung, sondern auch eine Ver- leauna der Luftröhrenäste bei, eine Erscheinung, öie noch durch die bald darauf eintretende Lungen- blähuna unterstützt wird. Bei der beginnenden Atemnot und dem oft bis zur Verzweiflung ge- steigerten Bemühen, die Lungen aufzublasen, wer­den größere Luftmengen in die engen Bronchial- ästchen hineingedrückt. Bald darauf wird der Kranke zu beschleunigter Ausatmung gezwungen, da die Elastizität der Lunge die größeren Luftmengen wieder aus dem übermäßig angespannten Gewebe hinausdrückt. Die Häufigkeit der Anfälle hat zur Folge, daß das Lungengewebe mehr und mehr in Milleidenschaft gezogen wird, daß sich nach und nach krankhafte Veränderungen einstellen. Auch die Elastizität des Lungengewebes leidet oft erheblich darunter. Wohl die heimtückischste Folge des Bron­chialasthmas ergibt sich daraus, daß nicht nur die Häufigkeit der Anfälle und das Ringen nach Lust zu einer entsetzlichen Qual werden können, noch ernster zu werten bleibt meistens der verhängnis­volle Rückschlag auf die Herzkraft und aufdas Lungengewebe. Bei diesen zermürbenden Einflüssen ist es keine Sellenheit, daß ost schon nach verhält­nismäßig kurzer Zeit die Arbeitskraft^ gänzlich untergraben wird. Die Anschauungen über das Asthma haben sich seither zwar noch nicht auf eine einheitliche Formel bringen laßen, doch darf immer­hin als unbestritten gelten, daß bei den Asthma- leidenden Einflüße zur Schädlichkeit werden, an denen andere Menschen völlig unbeschadet Darüber- Sehen. Die Behandlungsweife hängt in allererster inie von den Entstehungsursachen ab. Die genaue Feststellung der Ursache kann selbst dem Artt unter Umständen nicht ganz leicht fallen. Die Schwierig­keiten der Diagnose sind um so größer, als auch bei einer Reihe anderer Erkrankungen, so beispiels­weise bei der Tuberkulose, bei der Diphtheritis usw. asthmatische Anfälle als Begleiterscheinung an­getroffen werden.

Kopsweh und Migräne.

Don 100 Patienten klagen 90 über dene w i - gen" Kopfschmerz, der trotz aller erdenklichen Bemühungen nicht weichen will. Das kann nicht wundernehmen, denn es ist für den Laien fast aussichtslos, Kopstchmerzen wirksam bekämpfen zu wollen. Wie nutzlos es ist, das eigentliche (Bruno» leiden der Kopfschmerzen ohne ärztliche Inanspruch­nahme herausfinden zu wollen, erhellt zur Genüge aus der Tatsache, daß es etwa 300 verschiedene Entstehungsursachen für Kopfweh gibt. Im streng medizinischen Sinne hat das Kopfweh nichts mit einer Krankheitserscheinung zu tun. Es ist, richtig gesehen, nur die Begleiterscheinung irgend eines Leidens und oft das Warnungssignal für eine in der Entwicklung begriffene Krankheit. Freilich wird ein besonderes Grundleiden nicht immer ohne weite­res zu erkennen sein. In diesem Falle wird man meist auf einen nervösen Ursprung schließen müssen. Auch die mangelhafte und wenig abwechslungs­reiche Ernährung kommt mit in Betracht. Zur Feststellung des Grundleidens bietet fast immer das Lebensalter des Patienten einen wichtigen Anhalt. Desgleichen können auch aus den Tageszeiten, in denen die Kopfschmerzen am fühlbarsten aufzu­treten pflegen, oft wertvolle Rückschlüsse gezogen werden. Mit am meisten vom Kopfschmerz bedroht sind Personen mit sitzender Lebensweise und von ihnen wieder ganz besonders solche der sogenannten Stubenluftberufe". Leider sind gerade in diesen Berufen die meisten Verschleppungen anzutreffen. Auch der anfänglich nur mit geringen Beschwerden auftretende Kopfschmerz ist unter allen Umständen ernst zu nehmen. Es gibt kaum eine Krankheit, die nicht Kopfschmerzen als Begleiterscheinung hat. Gerade die schlimmsten Leiden entwickeln sich zu­meist unter den Symptomen des Kopfschmerzes, und das sollte zumindest zu denken geben. So gehen die meisten Gehimleiden mit Kopfschmerzen,

Weltanschauung und deutsche Bühne.

Von Dr. Karl Ruckelshausen, Gießen, Ortsgruppenleiter derDeutschen Bühne" e. V.

Wissen und Erkenntnis allein vermögen nicht, eine Weltanschauung zu vermitteln. Denn sie sitzen im Hirn, ohne den Kern von Wesen und Persön- lichkett in ihren Bannkreis zu ziehen.

Eine Weltanschauung ist nur echt und zuverlässig, wenn sie Si Vluie rollt, wenn sie von dem Eigen­wesen ihres Trägers bejaht wird, wenn sie ihm Notwendigkeit ist. Daheö kann eine Wettanschauung nur durch das Leden oder durch des Lebens edles Spiegelbild, die Lunst, vermittelt werden.

Damit ist die magische Kraft bloßgelegt, welche seit Jahrtausenden den Menschen antreibt, auf der Bühne des Theaters zu spielen und zu schauen, was ihn im ße*en belegt. Im Schauspiel sind den Wechselfällen des Schicksals keine flachen Zufällig­keiten des Alltags beigemischt; vertieft und ver­dichtet kommen hier die Erlebnisse zur Darstellung. Weite und Größe des Bühnengeschehens lösen dem Zuschauer die Rätsel sknes eignen Schicksals: er steht plö^lich Zusammenhänge in seinem Werden, er findet Gefahren und Hoffnungen seiner Zukunft. In der Sonne der dramatischen Dichtkunst weichen die Nebel des Alltags, welche dem Menschen zuvor den Weg zu sich selbst verhüllten. So findet in der Ergriffenheit oder auch Heiterkeit des Theater­erlebens der Zuschauer seine ihm eigne Welt­anschauung, und gefestigt durch inneres Erleben verläßt er das Haus der Dühnenkunst. Es hat seinen guten Grund, in den WortenSchau- spiel" wieWeltan schau ung" dem Auge die Füh­rung zugesprochen wird.

Drum vermeine auch kein Kopfarbeiter im Lehr­zimmer oder Laboratorium, die Schärfe seines Geistes bedürfe keine Belebung durch Bühnenkunst; er beachte, daß die Erkenntnisse des Verstandes zwar Ausbildung des Hirnes bringen, daß aber die wahre Bildung eine in dem Gemütsleben verankerte Weltanschauung voraussetzt. Kein Handarbeiter oder Erfinder in dem Labyrinth der Technik kann dem Theater auf die Dauer fernbleiben; der Durst seiner Seele wird ihn doch eines Tages zwingen, hinauf­zuschauen zu den Brettern, welche die Welt be­brüten.

Solche Macht über alle Menschen übt das Theater aus, wenn, ja wenn es wirklich das echte, reine und' edle Spiegelbild des eignen Erlebens und kein

Zerrbild vorweist. Dem Rufe falscher Propheten allerdings wird der durch Verankerung im Volkstum zuverlässig Hellhörige den Rücken kehren. So nur kann die zunehmende Leere gedeutet werden, welche in den Theatern der letzten Jahre immer mehr um sich griff, nachdem von den Großstädten her Speku­lation auf niedere Instinkte und bewußte Verfäl­schung des deutschen Eigenlebens sich durchsetzten.

Die Schädlinge am Baume des deutschen Theaters sind durch den Sturm der nationalen Erhebung abgeschüttett worden. Kein Loblied auf die guten Europäer, welche es in Wirklichkeit nicht gibt, wird mehr von bünnblütigen Gehirnakrobaten gesungen werden. Kämpfe, Leiden und Freuden wahrer Menschen, aus denen artgemäße Weltanschauung und Lebensbejahung spricht, werden die wieder deutsch gewordene Bühne beherrschen.

Vorbei ist es daher mit der Gefahr, daß das Gift pazifistisch-internationaler Gesinnung in die Herzen von Theaterbesuchern geträufett wird. Ganz umgekehrt soll jetzt die deutsche Bühne helfen. Ver­führte wieder zurückzuführen zu ihrem ursprüng­lichen deutschen Gefühlsleben.

Nach einem Worte unseres Volkskanzlers Adolf Hitler muh sich das Theater von innen heraus erneuern. Dieser ebenso großen wie schweren Auf­gabe zu dienen, wurde die alle Deutsche umfassende Besucherorganisation derDeutschen Bühne e. D. Berlin" geschaffen. Denn nur durch engste Verbindung von Spielleitung und Vertretung der Besucher kann das Ziel, das deutsche Theater zu erhalten, zu erneuern und zu bereichern, erreicht werden.

Man wende nicht ein, Kino und Rundfunk könn­ten das Theater in naher oder ferner Zukunft er­setzen Die Bühne allein vermag ein Erlebnis von Mensch zu Mensch, also ohne das Hilfsglied der Technik, zu vermitteln. Am tiefften wird daher auch stets das Erlebnis fein, wenn lebensvolle Künstler unmittelbar die Schönheit, Kraft, Tiefe und Lebens­freude deutscher Dichtung vorführen. Gewiß, auch die Technik hat ihre Wunder voll Reiz und Wert. Aber von der Bühne wird auch für alle Zukunft am meisten das Dichterwort gelten:

Märchen, noch so wunderbar, Dichterkünste machen's wahr."

Sind so die Aufgaben der deutschen Bühne groß und vielfältig, so darf es hier auch keine Hinder­nisse finanzieller Art geben. Es ist Sache jeder Ortsgruppe derDeutschen Bühne", durch An­passung an die örtlichen Verhältnisse dem Theater­besucher den Weg so zu bereiten, daß alle Kreise, auch die wirtschaftlich schwachen, chn gehen können.

und zwar ost sehr quälender Ari, einher. Besonders gefürchtet ist das Kopfweh, das durch das schwerste Hirnleiden, die Hirnaeschwülste, verursacht wird. Veranlaßt durch den stärkeren Hirndruck, wird ein sehr peinigender, meist bohrender und klopfender Kopfschmerz hervorgerufen, während sich häufig auch heftiges Erbrechen in Verbindung mit ver­mindertem Pulsschlag aeigt. Eine Blutleere der Hirngefähe, wie sie bei Blutarmen und Bleick- süchtigen anzutreffen ist, führt gleichfalls zu recht lästigem Kopfweh. Hier ist durch Tieflage des Kopfes eine nicht unwefenlliche Milderung der Be­schwerden zu erreichen. Nur zu oft trifft man Menschen, die Monate, ja Jahre hindurch unter den Beschwerden der Migräne zu leiden haben.

Auch kei der Migräne hak man es nicht mit de- Ausgangsform eines Leidens, sondern mit einet Warnung des Organismus zu tun. Ursachen# bas Leiden können sein: Unruhiger oder häuft- verkürzter Schlaf, überstiegene Zumutungen an das körperliche und geistige Leistungsvermögen, seelische Aufregungen, Kummer und Entbehrungen. Auch Rheumatismus, Verstopfung und Darmträgheit können eine Rolle spielen. Manchmal offenbaren sich im Migränefall auch Dauerstorungen konstitu­tioneller Art. Kopfwehmittel, die für Hunderte von Entstehungsursachen wirksam sind, gibt es nicht. Nur der Arzt kann durch eine genaue Diagnose zum Grundübel der Beschwerden vordringen.

Obecheffen.

Sängertagung des Gaues Vogelsberg-Nord.

A Angersbach, 26. Sept. Der Gau B o - gelsberg-Nord im Hessischen Sänger­bund hiett hier seine Sänger tagung ab, die sich zu einer erhebenden Kundgebung für das deutsche Lied gestaltete. Besondere Bedeutung erhiett die Tagung durch die Anwesenheit des Prooinz- führers Wendler (Bad-Nauheim) und des Bun­deschormeisters Prof. Dr. Temesvary (Gießen). Die Versammlung war sehr gut besucht, auch aus dem Kreise Schotten, weil gleichzeitig mit der Auf­lösung des Vogelsbergbundes die Angliederung an den Gau vollzogen wurde.

Ehrenmitglied Schulz vom Männergesangver­einEintracht" Angersbach begrüßte die Teilneh- mer. Der Ortsgruppenführer der NSDAP, und Bürgermeister Fehl wünschten der Tagung einen würdigen Verlauf. Gauführer F e i ck - Schlitz eröff­nete die Versammlung. Die Tagung solle, so führte er u. a. aus, neue Richtlinien über den Auf- und Ausbau des Hessischen Sängerbundes vermitteln. Heute würden große Anforderungen an den Sänger gestellt, und er müsse sich seiner Verantwortung für das Kulturgut des deutschen Liedes bewußt sein. In einem längeren Vortrag legte dann der Bundeschormeister, Universitäts-Musikdirektor Prof. Dr. Temesvary - Gießen die Aufgaben und Ziele der deutschen Männergesangoereine in Ver­bindung mit der neuen Staatsidee dar. Im An­schluß daran wurden unter Leitung von Chormeister Schäfer vom MännergesangvereinEintracht" Angersbach einige Chöre vorgetragen, zu denen Prof. Dr. Temesvary einige Erläuterungey gab. Er sprach dabei dem Dirigenten Schäfer volle Anerkennung für die vorzüglichen Leistungen aus.

Nach der Mittagspause gab Gauführer Feick - Schlitz einen Ueberblick über die politischen Ereig­nisse feit dem letzten Gautag, außerdem erstattete er den Jahresbericht über die Entwicklung im Gau. Nach der Eingliederung des Vogelsberg- Sängerbundes in den Gau erfaße der Gau insge­samt 2300 Sänger. Die Kassenverhältnisse wurden in Ordnung befunden und dem Rechner Entlastung erteilt. Für die im Laufe des vergangenen Jahres verstorbenen Sangesbrüder fand der Gauführer herzliche Worte des Gedenkens. Die Versammlung ehrte die Toten in üblicher Weise, der Männer- gefangoereinEintracht" sang ein Lied. Der Führer referierte sodann über die Zusammenlegung von Vereinen. Soweit in Tum- oder in ande­ren Vereinen Gesangsabteilungen bestünden, müß­ten diese dem Hessischen Sängerbund angegliedert werden. Neugründungen dieser Art gelte es zu unterbinden. Die Chorlieder seien dem neuen Geist im Staate anzupassen.

In kurzer Ansprache dankte der Führer des Pro­vinzialsängerbundes Wendl e r-Bad-Nauheim dem Vogelsberg-Sängerbund für feine Arbeit. Sein Dank galt besonders dem Vorsitzenden des Bundes, Herrn- Komp, den er in den Provinzvorstand berief. Er forderte die Sänger auf, sich in den Dienst der nationalen Sache zu stellen, fei es durch die Mitgliedschaft im Kampfbund für deutsche Kul­tur, ober als förderndes Mitglied der SS. Mit dem Treugelöbnis zu den Führern des Volkes wurde die anregende Tagung geschloßen.

Im Anschluß daran marschierten die Sänger

unter Vorantritt der Landenhäuser Musikkapelle zu einem freien Platze inmitten des Ortes, um dort unter Anteilnahme der zahlreich herbeigeeilten Be­völkerung erneut ein Gelöbnis der Treue zum nationalsozialistischen Staat abzulegen. Ein drei­fachesSieg-Heil!" auf den Volkskanzler Adolf Hitler und das Horft-Weßel-Lied bildeten den Abschluß der öffentlichen Kundgebung.

Lanvkrcis Giesten.

t Lauter, 26.Sept. Rege Bautätigkeit hat im Laufe des Jahres in unferm kleinen Dörf­chen geherrscht. Drei neue Arbeiterwohnhäuser sind im Rohbau fertiggestellt worden, und ein weiteres soll noch in Angriff genommen werden. Außer­dem hat ein Fabrikbesitzer an der Straße nach Wetterfeld ein neues Landhaus errichtet. Die ArbeitenamLautertalweg schreiten rüstig voran, die Planierungsarbeiten sind schon bis an die oberste Brunnkammer des staatlichen Wasser­werks gediehen. Die Straße wird soweit an die Bergabhänge gelegt, daß sämtliches Baumaterial an Ort und Stelle gewonnen wird.

Kreis Schotten.

* Schotten, 26. Sept. Zum Gaupartei« tag in Frankfurt a. M. am 23. uni) 24. Sep­tember waren aus dem Kreise Schotten insgesamt über 800 Pa. und nationalgesinnte Männer und Frauen gefahren. Wegen der verkehrspolitisch un- günftigen Lage des Kreises wurden die Teilnehmer auf drei Sonderzüge verteilt, Schotten Nidda- Frankfurt a. M., Hungen Frankfurt a. M., Ge« dem Stockheim Frankfurt a. M. Die Teil» ncljmer aus dem Kreise Schotten waren durchweg in Frankfurt a. M.-Nied ein quartiert, das hauptsächlich von Arbeitern bewohnt ist. Die Auf­nahme, auch in ärmsten Familen, mar überaus zuvorkommend und herzlich und zeigte, daß die Ar­beiter der Großstädte den Weg zum Nationalsozialismus gefunden Habern Die Pg. aus dem Kreise Schotten denken gerne an ihre lieben Gastgeber zurück und hoffen, daß es ihnen vergönnt sein möge, diese Gastfreundschaft, zu erwidern. Die Kreisleitung Schotten >d er NSDAP, hat in einem Schreiben an die Orts­gruppe Frankfurt a. M.-Nied ihren Dank aus­gesprochen und diese gebeten, in der örtlichen Presse von Nied folgendes Dankschreiben aus Kosten der Kreisleitung Schotten zu veröffentlichen:An die Einwohner von Frankfurt a. M.-Ni<d. Dis Kreisleitung Schotten dankt hiermit den Einwoh- nern von Frankfurt a. M.-Nied für die Ausnahme unserer Pg. aus dem Vogelsberg aufs herzlichste. 2UIe hiesigen Teilnehmer am Parteitag in Frank­furt a. M. sind des Lobes voll über die goft« freundliche Aufnahme in Nied. Heil Hitler! Kreis­leitung Schotten der NSDAP."

Kreis Alsfeld.

ll. Nieder-Ohmen, 26. Sept. Im Zeichen der Wirffchaftsbelebung erhielt der Basaltstein­bruch Mühlberg größere Aufträge. Wenn auch bis jetzt nur 13 Arbeiter beschäftigt werden, so ist doch damit zu rechnen, daß in Kürze weitere Ein­stellungen erfolgen. Neuerdings wurden auch in der Abteilung Mühlberg II Schürfungen vorgenommen, wo hauptsächlich Basalt für Straßenpflaster lagert. Auf der Grube Albert zwischen Nieder-Ohmen und Bernsfeld wird zur Zeit das Innere der Wäfchereieiniüchtung entfernt und soll durch neue Apparate ersetzt werden.

Zweikampf der Pferde.

Ein deutscher Reisender erzählt: Auf einem mei­ner Streifzüge durch das Montanagebiet am Rande der Rocky Mountains, also im nördlichsten Teil der Vereinigten Staaten, erlebte ich eine? Tages in der Morgendämmerung, die aus dem Osten mit fahlem Gold hinter den steilen Felswänden heraufstieg, ein seltsames und grandioses Schauspiel. Unmittelbar am Fuße der Felsen, ganz dicht bei meiner Lager­stätte, graste am Ufer des Flußes, der über einen stürmischen Wasserfall die Berge herunterstürzt, ein Rudel wilder Pferde. Der Wind war mir günstig, so daß das schwarze Führerpferd, ein Tier von aus­erlesener Kraft und Schönheit, meiner nicht gewahr wurde, trotzdem es die Öhren beständig gespitzt hielt, um seine Herde bei dem leisesten Geräusch zu war­nen. Die stattliche Herde, die in einiger Entfernung von dem Leit-Hengst sorglos weidete, zähtte viele Qliutiertiere. Als das volle Tageslicht über dem Tal lag, konnte ich die Einzelheiten erkennen. Eine kleine Gruppe fiel mir besonders auf; ein altes, graues Muttertier mit einem ganz jungen Fohlen und ei­nem Einjährigen an der Seite, hatte ein wachsames Auge auf ihren Herrn und Meister, der wie ich später in Erfahrung bringen konnte diese bejahrte Stute zusammen mit sechs anderen nach heftigem Kampf dem früheren Eigentümer, einem alten brau­nen Hengst, abspenstig gemacht hatte.

Der schöne schwarze Hengst horchte plötzlich auf, tänzelte nervös einige Schritte nach vorn und stand dann in gespanntester Aufmerksamkeit still. Ich sah in dieser Richtung seines Blickes an der Spitze von vielleicht sechs Muttertieren einen großen mahagoni­farbenen Hengst das Tal betreten, schwerfälliger in den Beinen und zweifellos langsamer in den Be­wegungen als mein wunderbares schwarzes Leit- Tier. Mit einem lauten Wiehern, das mehrfach von den Felswänden widerhallte, raste der schwarze Hengst zu seiner Herde, trieb sie zusammen, und führte fie geschloßen an eine Stelle ganz in meiner Rähe. Dann stürmte et mit zornigem Wiehern, das wie ein Kriegsruf klang, in gestrecktem Galopp zur Mitte des Tales feinem alten Gegner entgegen, mit stampfenden Hufen und wild geblähten Rüstem.

Der Braune, wahrscheinlich ein ehemals unbe­siegter Kämpe, beeilte sich nicht, sondern kam ruhig auf feinen Herausforderer zu. Dann stürzte er sich mit einem bösen Laut, mit zurückgelegten Ohren und gelbbleckenden Zähnen auf seinen Feind, der behende answich und dem Braunen zwei tüchtige Stöße ver­setzte. Run kehrten sich beide wieder gegeneinander mit gellendem Wiehern, jeder die Schwäche des an­deren auslundschaftend. Die Muttertiere der beiden

Feinde hatten sich inzwischen dem Kampfplatz ge­nähert und aufgeregt einen Kreis um sie gebildet. Rur die alte graue Stute graste ruhig weiter. Dis beiden Hengste waren schon mit Schweiß bedeckt, der Kampf wurde immer hitziger. Der Braune war ein schwerer und erfahrener Kämpe, aber der Schwarze war schneller und wilder. Es war bald kein Zweifel mehr, daß der junge Hengst gewinnen würde. Als er einem heftigen Ansturm des Braunen geschickt auswich, stürzte dieser in dem glatten Gras zu Bo­den. Der Schwarze war sofort über ihm und bear­beitete ihn erbarmungslos mit Husen und Zähnen. Der alte Hengst versuchte sich noch einmal aufzu­richten, wurde aber sofort wieder zu Boden gewor­fen und von seinem Gegner mit voller Wucht ge­schlagen und gestoßen. Das war das Ende des Kamp­fes. Der Braune begann den Rückzug, zuerst zögernd, dann aber, als et den Sieger hinter sich hörte, in schnellerem Lauf. Der Schwarze folgte ihm noch eine Strecke bis zum Ausgang des Tales, als ob er sich des endgültigen Abgangs seines Gegners vergewißem wollte, und kehrte dann in stolzem Trab mit fliegenden Mähnen zu seinen Mutterpferden zurück, zu denen er die Stuten seines besiegten Fein­des trieb. S. E.

Zeitschriften.

D e r deutsche Studen t". September- heft 1933. Wilh. Gottl. Korn Verlag, Breslau. Ein­zelheft 60 Pf. Das zweite Heft der amtlichen Zeitschrift der Deutschen Studentenschaft ist der außenpolitischen Arbeit, d. h. der geistigen und po­litischen Heberwindung von Versailles gewidmet. Es zeigt die Möglichkeiten nationalsozialistischer Außenpolitik in Aussätzen wieNationalsozialistische Heberwinduna von Versailles" von Johann von ßeers,Deutschland zwischen Ost und West" von Dr. Paul Wiedeburg,Studentische Auslandsar­beit", .Konfessionen in der Außenpolitik" u. a. m.

Lochschulnackrichten.

Der bedeutende Geograph der Unioerfität Ber­lin, Geheimrat Professor Dr. Albrecht Penck, vollendete dieser Tage das 7 5. Lebensjahr. Penck, aus Leipzig-Reudnitz gebürtig, ist Ritter des Ordens pour le m^rite, Mitglied der Akademien der Wissenschaften in Berlin, München, Wien, Rom, Kopenhagen, Stockholm, Hpsala, Helsingfors. Seine literarische Tätigkeit umfaßt das Gesamtgebiet der Geographie, insbesondere Gletscher- und Eiszeit­kunde, Morphologie der Erdoberfläche, Alter des Menschen.