Nr. 226 Zweites Blatt
Eiehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
Wirtschaftliche Aeuordnunc, im Rhein-Main-Gebiet.
Oie Eröffnungssitzung des neugebildeten Rhein-Mainischen Industrie- und Handelstages wird von Reichsstatthalter Sprenger mit einer wichtigen JteDe eingeleitet.
WEN. Mainz, 26. Sept. Die erste Sitzung des Rhein-Mainischen Industrie- und Handelstages, zu dem sich die Preußische Industrie- und Handelskammer für das Rhein- Mainische Wirtschaftsgebiet und die Industrie- und Handelskammern des Volksstaates Hessen zusammengeschlossen haben, fand heute nachmittag im Akademiesaal des Kurfürstlichen Schlosses zu Mainz unter Leitung des Reichsstattyalters Gauleiter Sprenger statt. Zu dieser denkwürdigen Sitzung, der nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in politischer Hinsicht weittragende Bedeutung beizumessen ist, hatten sich die Mitglieder des neugebildeten Rhein-Mainischen Industrie- und Handelstages, die Spitzen der Behörden, der Hochschulen und Abordnungen der nationalen Verbände zahlreich eingefunden. Kurz nach 17 Uhr betrat Reichsstatthalter Sprenger, von der Versammlung mit dem deutschen Gruß empfangen, mit seiner Begleitung den Saal. Instrumentalmusik leitete den historischen Akt ein.
Oberbürgermeister Or. Barth, Mainz, begrüßte die Versammlung, insbesondere den Reichs- statthälter Gauleiter Sprenger und die übrigen Ehrengäste. Die Stadt Mainz, führte er u. a. aus, ist sich der Ehre bewußt, Geburtsstätte eines Werkes zu sein, das für die Gestaltung des innerpolitischen Aufbaues des Deutschen Reiches einmal große'Bedeutung haben wird. Herr Reichsstatthalter, Sie haben auf der großen Linie, die uns der Führer gezeigt hat, und die zu einer einheitlicheren, strafferen Zusammen- fassung des Reiches dermaleinst führen soll, eine bestimmte Marschrichtung für das Rhein-Main-Gebiet angegeben,eine Marschrichtung, die zunächst wirtschaftspolitische Bedeutung hat. Aber schon einmal hat in der deutschen Geschichte zunächst eine wirtschaftspolitische Maßnahme siattgefunden, um später die Basis abzugeben für den neuen staatsrechtlichen Aufbau. Ich denke an die preußisch-hessische Zollunion. Am Schluß seiner Rede feierte Oberbürgermeister Dr. Barth den Reichs st atthalter als Garanten dafür, daß alle Fragen, die in Zukunft im neuen gemeinsamen Arbeitsgebiet auftreten, ohne Ansehen der Person entschieden werden, ohne Ansehung der Stadt oder des Landstriches.
Reichsstatthalter Sprenger, mit lebhaften Beifall empfangen, führte u. a. aus: Der Rhein-Mainische Industrie- und Handelstag ist gebildet. Die preußische und die hessische Staatsregierunq haben ihre Zustimmung zu der Bildung erteilt. Pis zu diesem Tag, bis zu dieser Stunde war es ein weiter Weg. Die politische Z e.r r i s s e n h e i t des Gebiets in der Vergangenheit konnte selbstverständlich auch einen einheitlichen Wirtschaftswillen vicht aufbringen und nicht aufkommen lassen.
wo aber ein einheitlicher Wille nicht gebildet werden konnte und nicht vorhanden war, muhte die einheitliche Tat fehlen.
Der Reichsstatthalter gab dann einen kurzen Rückblick auf die politische Zerrissenheit und ihre Hintergründe und erinnerte in diesem Zusammenhang an die Rivalität unter den Städten im Rhein-Maingebiet. Weiter, so fuhr der Reichsstatthalter fort, sehen wir klar, daß die a b - gestsrbe»e Vergangenheit noch einige Erbstücke uns hinterlassen hat, die wir entweder beseitigen müssen, oder, was besser ist, wenn irgend möglich ihrem natürlichen Untergang entgegenführen lassen. Es sind degenerierte Erscheinungen, die
meiner Auffassung nach ohne Zutun von selbst dem Verwelken und Absterben anheimfallen.
Die 7l$D2Ip. hat von Anbeginn ihres wir- kens ab erklärt, daß sie nicht allein die wacht im Staat erobern werde, sondern sie hat auch erklärt, daß sie diese wacht allezeit behalten will, und sie hat erklärt, daß sie mit dieser wacht das ganze Volk führen oill. Damit ist der Grundsatz des Führerprinzips von Anfang an dem ganzen Volk vor Augen geführt worden. Lin Führer nur kann das Volk als Gefolgschaft vereinigen und unter seiner Hand das Volksleben gestalten und weiterentwickeln. Unter dieser Führung werden alle Zweige, die das Volksleben ausmachen, gleichermaßen zu entwickeln sein. Auch die wirtschaft ist ein Teil dieses Volkslebens, und
die wirtschaftliche Entwicklung ist niemals von der politischen zu trennen.
Zu allen Zeiten, sagte Adolf Hitler im General- rar der Wirtschaft, ist die Macht Wegbereiterin der deutschen Wirtschaft. Die politische Führung, die Re- gierung, sichert die ruhige Entwicklung, und Sie werden mir zugeben müssen,daß der 30. Januar als Fundament, und in Fortsetzung die Taten dieser Regierung, die Richtigkeit desPrimatsderpo- litischen Führung bewiesen haben. Seit dem 30. Januar geht es zielsicher aufwärts. In ruhiger Entwicklung gestaltet sich die politische Lage und gibt den Resonanzboden auch zur Entwicklung der Wirtschaft. Seit diesem Tage kann die Wirtschaft wieder disponieren. Rach dem Wil- len des Führers soll allerdings nicht, wie es in der Vergangenheit gewesen ist, der Staat allzuviel in die Wirtschaft eingreifen, während umgekehrt unter keinen Umständen geduldet werden kann, daß die
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Ein alter Müller wollte feine Windmühle, die Oer Konkurrenz der modernen Motormühlen nicht mehr gewachsen war, abreißen. Die Stadt erlaubte es nicht und bestimmte, daß die Mühle als technisches Kulturdenkmal erhalten bleiben solle. Man beriet sich mit Rektor Körte, dessen Geschick in solchen Fragen weit über das Städtchen Bernau hinaus bekannt ist: er hat das berühmte Sern» ouer Hussitenmuseum geschaffen, eine der orei großen „Rüstkammern" in Europa neben *mben unD Graz. Rektor Körte machte den Vorschlag, in der alten Windmühle ein Mühlenmuseum |tfe2Uu<^en — ein Plan, der mit Verständnis und lebhafter Zustimmung ausgenommen wurde.
Eine Mühle wird Museum.
Don Michael Bauer.
„Brot essen — das kann jeder; aber wie es gemacht wird, davon haben die wenigsten Menschen eine Ahnung;" meint der Stadtschulrektor Körte, den wir in seinem entzückenden alten Städtchen Bernau vor den Toren Berlins besuchten. Man überlegt sich den Satz des Rektors. Wirklich — in Schule und Leben hat man recht wenig über die Entstehung unseres wichtigsten Nahrungsmittels erfahren. Die Arbeit des Bauern kennen wir Städter zur Not; wir wissen auch, wie der Bäcker mit dem Mehl umgeht; aber wie der Müller aus dem Korn das Mehl herstellt: da klafft meist eine stroße Lücke in unserem Wissen. Und doch müßte gerade in unserem technischen Zeitalter die Mühle aus besonderes Interesse stoßen — denn die Müllerei ist wohl die älteste Derarbeitungstechnik der Menschheit!
Der Gedanke, durch Schaffung eines Mühlen- mufeums zur Verbreitung besserer Kenntnis in diesen Dmgen beizutragen, ist bisher nur in Holland durchbefuhrt worden; an die Universität Leyden ist em kleines Mühlenmuseum angegliedert Auch das „Deutsche Museum" in München, diese Fundgrube unerschöpflicher wissenschaftlicher Belehrung, hat einige Mühlenmodelle ausgestellt. Sie sind jedoch, wie es dem Wesen des „Deutschen Museums" entspricht, nur nach rein technischen Gesichtspunkten emgegheDert worden. Die nicht minder wichtige Bedeutung der Müllerei für die menschliche Kultur hat noch keine Schaustätte gefunden. Auch die berühmte Schiffsmühle, die bei Ginsheim auf dem Main schwimmt, führt dem Besucher nur einen kleinen Ausschnitt aus dem großen Gebiet der Müllerei vor Augen.
Auf engem Raum sollen die interessantesten Marksteine in der Geschichte dex-Müllerei gezeigt werden: die Mühle von der Urzeit bis heute in ihren prägnantesten Typen. Da wird die Handmühle zu sehen fein, die im Altertum von Sklaven betrieben wurde; die Wassermühle, die Zeugnis von wachsendem technischen Geschick der Menschen ablegt; die Tiermühle, die sich der Arbeitskraft von Ochsen und Eseln bediente; die' Mahlsteinmühle, die noch im späten Mittelalter im Gebrauch war und aus einer runden, mit der Hand gedrehten Steinkugel in einer Stein- schale bestand; die Windmühle, die in ihrer ältesten, von Italienern erdachten Form bis in die Jetztzeit nahezu unverändert benutzt wird; und schließlich die Dampf- und Motormühlen des 19. und 20. Jahrhunderts mit modernem Mahlgang und Walzenstuhl. Viele Arten von Mühlsteinen, Mehlbalken und Mehlwaagen werden die Sammlung vervollständigen.
Natürlich ist eine Windmühle zu klein, um Platz für ein derartiges Museum mit Ausstellungsstücken in Originalgröße zu bieten. Man wird zum Vehclfs- mittel instruktiver Zeichnungen greifen und größere Stücke in Modellen zeigen; von jedem Modell werden zwei bis drei Exemplare hergeftellt werden — denn Mühlen sind bekanntlich recht feuergefährlich, und es könnte sein, daß ein Brand unersetzliche Werte vernichtet. Auch die Zeichnungen und Tafeln werden gleich in mehrfacher Auslage angefertigt. Die Windmühle selbst, die für den Besucher in Betrieb gesetzt werden kann, dürfte das interessanteste Ausstellungsobjekt sein, weil sie davon Aeugt, wie lange sich trotz der ungeheuren technischen Fortschritte der letzten Jahrzehnte die Windmüllerei gehalten hat.
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Noch eine andere, nicht minder wichtige Aufgabe als die der rein technischen Belehrung soll das erste deutsche Mühlenmuseum erfüllen: es soll die Bedeutung des Müllers und der Müllerei für die Kultur zeigen. Eine Sammlung von Innungs - Zeichen Der Müller wird dem Handwerksforscher wertvolles Material bieten; Hausrat und Lebensweise der Müller aller Zeiten sind ebenfalls aufschlußreiche Themen.
Aber am merkwürdigsten ist die besondere Bedeutung, die Mühle und Müller in Geschichte und Literatur erlangt haben. Kein Handwerk ist so oft von Volksmund und Dichtern besungen und zu Vergleichen herangezogen worden, wie die Müllerei: „Es klappert die Mühle" — „Das Wandern ist des Müllers Lust" — „Gottes Mühlen mahlen langsam" — die Reihe bekannter Zitate läßt sich
leicht vermehren. Die reizvolle Verbindung von Romantik und Technik mag es sein, die Das Handwerk des Müllers so volkstümlich gemacht hat und die sicherlich auch bewirkte, daß das Volksgedächtnis eine Reihe historischer Mühlen — etwa die von Potsdam und die von Tauroggen — nicht vergessen wird. Das Mühlenmuseum wird diese Mühlen im Bild zeigen und ihre Geschichte erzählen.
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„Wann wird das Mühlenmuseum fertig sein?" Rektor Körte zuckt die Achseln. „Wir haben wenig Geld; wir sind daraus angewiesen, daß in allen Teilen Deutschlands ein bißchen an uns gedacht wird; daß man uns historisch interessante Stücke, die irgendwo vergessen ruhen, überläßt. Erst im großen Rahmen eines Museums erhalten solche Dinge Wert und Bedeutung."
Mairosen mögen keine Liebesgeschichten.
Die Liebe der Matrosen, die in einem volkstümlich gewordenen Schlager gesungen wird, scheint sich nicht auf das Theoretische zu erstrecken. Denn wir hören von Den Bibliothekaren Der Britischen-See- mannsgesellschaft, Die Die Organisation der „Ozean- Büchereien" unter sich hat, Daß Die Matrosen keine Liebesgeschichten haben wollen. .Dieses sentimentale Zeug ist nichts für einen Seemannsgeschmack", Derartige Aeußerungen erfährt Der Bibliothekar immer wieder. Einer von ihnen, Clarke, berichtet in einem Fachblatt über die Einrichtung der englischen Ozean- Büchereien, die 3-4 Millionen Bücher,zur Unterhaltung und Bildung der Seefahrer un Umlauf haben. Bor 100 Jahren gab es schon 80 solcher Ozean-Büchereien auf den Britischen Handelsschiffen, seitdem sind es über 800 geworden. Jede dieser Schiffsbibliotheken enthält 30 ausgewählte Bände, von denen zwei Drittel aus schöner, ein Drittel aus wissenschaftlicher Literatur bestehen. Ze nach der Gröhe des Schiffes werden auch mehrere dieser Zusammenstellungen auf eine Reise mitgegeben. Bach Beendigung der Fahrt wird gewechselt. „Es mag vielleicht manchen verwundern", schreibt Clarke, „dah die Lieblingsbücher der Matrosen Seegeschich- ten sind, aber trotzdem ist es wahr. Bichts gefällt dem Seebären besser als eine spannende Erzählung, die in seinem Milieu spielt und in die er sich recht anschaulich versehen kann. Der Seemann von heute ist durchaus fein ungebildeter Mensch, sondern von einem starken Dildungsdrang ergriffen. Diele von ihnen sind leidenschaftliche Leser; bevorzugt werden im allgemeinen Detektivgeschichten und überhaupt
Mittwoch, 27. September (955
spannende Romane: aber es zeigt sich auch eine wachsende Wertschätzung für Biographien, geschichtliche und besonders naturgeschichtliche Werke. Dor allem sind die Leute auf Leuchttürmen und Leuchtschiffen für Naturgeschichte interessiert.
Wirtschaft sich in die Staatsgeschäfte einmischt. Vornehmste Aufgabe des Staates wird cs sein und bleiben, Ordnung in seinem Bereich zu schaffen. Wird diese Ordnung im Reich geschaffen, dann überträgt sic sich bis herunter zum letzten Einzclstaat. Das Leben kann und darf nicht beunruhigt werden durch besondere Fragen der Verfassung, Erhaltung der Eigenstaatlichkeit der Länder usw. Ich wiederhole auch in diesem Gremium:
Oberstes Gesetz und Verfassung ist der Wille des Führers.
Wie der Führer das Reich zu gestalten gedenkt, darüber sind nicht nur klare Gesetzesbestimmungen erlassen worden, sonderen ist auch klar und eindeutig in der Proklamation und der Rede desFührersauf demReichspar» teitag der NSDAP, in Nürnberg zum Ausdruck gekommen. In diese organische Entwicklung einzugreifen, kann niemand gestattet werden. Die Gründung des Industrie- und Handelstagcs kann und darf ebensowenig ein Vorareifen in die Entscheidungen der Reichsregierung sein, wie auf der andern Seite nicht geduldet werden kann, daß noch einmal Trennungsmomente in das orga- nischeWerden hineingetragen werden dürfen. Diese staatliche Entwicklung des Deutschen Reiches wird eine durchaus organische bleiben, well als Führer eine Persönlichkeit letzten Endes entscheidet. Auf der andern Seite ist gerade für Sie, meine Herren von Industrie und Wirtschaft, durch diese ruhige, zielsichere Entwicklung die Möglichkeit geboten, zu jenen ewigen Rechtsgrundsätzen in der Wirtschaft zurückzukehren, daß der Starke führen soll, daß die schöpferische Kraft des Einzelnen wieder zur Geltung kommen soll. Betrachten Sie es als Ihre hervorragende Aufgabe, solche Kräfte zu fin- den und sie zu fördern. Damit werden Sie Den Grundstein gelegt haben zu einem neuen Aufblühen der deutschen Wirtschaft.
Mir sind berufen, das wollen des Führers in die Tal umzusehen. Kampf gilt es nun zu führen gegen die Arbeitslosigkeit. Dieser leil- tampf ist als vordringlich in den Vordergrund gestellt worden und die Arbeitslosigkeit gilt es nunmehr anzugreifen, wo wir sie treffen.
Die erste und zweite Etappe dieses Kampfes liegt bereits hinter uns, und ich darf mit Genugtuung feftftellen, daß dieser Kampf im rhein-mainischen Wirtschaftsgebiet durchaus mit Erfolg geführt wor- den ist. Wir können stolz der Öffentlichkeit sagen, daß in unferm Gau mehr Arbeitslose dem Elend entrissen und in den Arbeitsprozeß zurückgesührt worden sind, als ganz Ostpreußen überhaupt jemals Arbeitslose hatte. Durch die Tatkraft des Führers find uns die Wege gewiesen. Die öffentliche Hand ist stark eingespannt worden in die Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten. Ich Darf nur erinnern an Den Baubeginn der Autobahn, und Ihnen braucht nicht besonDers aufgezeigt zu werden, daß ein solches Problem Arbeitsmöglichkeiten auf allen Gebieten schafft. Wir sind i m starken Vormarsch begriffen, und in un- ferm Gebiet können wir uns glücklich schätzen, daß wir in Der nächsten Zukunft eine merkliche' Abnahme der Arbeitslosenziffer haben werden. Die Theorien der liberalistischen Wirffchaftsentwicklung müssen endgültig als überwunden angesehen werden«
Nie wieder Dürfen wir zurückkehren zu der Theorie der Bedürfnislosigkeit, der Senkung der Löhne. Dieser weg würde ohne weiteres einen Stillstand, Rückgang und endgültigen Tod Der Deutschen Wirtschaft beDeuten. Der Wille Des Führers, Der Sinn Der nationalsozialistischen Weltanschauung ist allezeit gewesen, Daß eine gewisse BeDarfshähe Der Lebenshaltung im Interesse Des Volkes, seiner GesunDheit unD seines Fortlebens nicht unterschritten werben kann.
Die Führer der Industrie, die Führer Der Wirt- schäft kurzhin müssen sich gerade der B e d e u t u c g dieser Frage und i hr 4 r Tragweite
Korsikas allerletzter Bandit.
Seit dem großen Feldzug gegen das Banditen- wesen im November 1931 sollten zwar auf Korsika alle berühmten Räuber ausgerottet sein, aber einer war doch noch übrig geblieben. Dieser, Der allerletzte BanDit Der Insel, Der die alte romantische Ueberlieferung noch aufrecht erhält, ist jetzt wieder aufgetaucht. Franxois Bornea, der Gendarm mar, bevor er sich einem ungesetzlichen Leben ergab, galt für tot; jedenfalls war er seit zwei Jahren verschwunden. Nur ein Mann auf Korsika erklärt offen, daß er den Geächteten gesehen hat. Es ist ein gewisser Usciata, der sich jetzt in sehr bedenk- lichem Zustand im Krankenhaus zu Ajaccio befindet. Bewohner von Coti-Chiavari hörten Ge- wehrfeuer und fanden Usciata schwer verwundet auf der Straße etwa 400 Meter vom Dorf entfernt, bevor er ohnmächtig wurde, brachte er noch Die Worte heraus: „Bornea hat mich getötet". Ge- rückste. Darüber, daß dieser Bandit aus seinen alten Schlupfwinkeln sich wieder herausgewagt habe, gingen schon seit einigen Wochen um. Man Der- mutet, Daß er Usciata angriff, well er glaubte, dieser habe der Polizei Mitteilungen über ihn gemacht. Bisher waren alle Versuche, Bornea zu fassen, vergeblich. Der Räuber, der eine Zeit lang Der Gefährte des berüchtigten Bartoli war und „der König des Busches" genannt wird, ist von ebenso großer Kühnheit wie Schlauheit. Einmal war fein Haus schon von Gendarmen umstellt, die mit Maschinengewehren bewaffnet waren, aber als sie nach heftigem Feuer eindrangen, war der Räuber be- reits entflohen. Als man Das Haus feiner Mutter Durchsuchte, fand man drei Pistolen, drei Gewehre und 400 Schuß Munition. An Der Wand hing eine em Meter hohe Photographie Borneas, die ihn in Der „Uniform" Der korsischen BanDiten zeigte, in Samtanzug, hohen Schaftstiefeln unD mit breitem Gürtel, in dem Dolche und zwei Pistolen stecken, sowie einem an der Brust angebrachten Fernglas. Vor einigen Monaten erfuhr Die Polizei, Daß Borneas Frau aus Tunis nach Ajaccio zurück- gekehrt fei; aber bei einer Hausuntersuchung wurde bei ihr nichts gefunben.


