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27.9.1933 Erstes Blatt
 
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Oer frühere Reichsinnenminister Or. Bracht gestorben.

Der frühere Reichsinnenminister Franz Bracht ist in der Nacht vom Montag auf Dienstag in Ber­lin einem schweren Leiden erlegen. Mit ihm ist eine der markantesten Persönlichkeiten des Zentrums aus dem Leben geschieden. Bracht, der hauptsächlich durch seine Tätigkeit als Reichskommissar für Preußen seine politische Bedeutung erhielt,

entstammt einer Berliner Aerztefamilie. Sowohl fein Vater als ein Bruder hatten fich dem medizi­nischen Beruf gewidmet. Franz Bracht hatte da­gegen die juristische Laufbahn eingeschlagen, wo er es bis zum Staatsanwalt brachte. Er ging dann in die Verwaltung über, in der er zum vortragen­den Rat im Reichsamt des Innern aufstieg. Nach dem Kriege wurde er Ministerialdirektor im Preu- ßischen Wohlfahrtsministerium, um schließlich von Reichskanzler Marx als Staatssekre- tor in die Reichskanzlei berufen zu wer-

den. 1924 übersiedelte er auf die Stelle eines O b e r- bürgermeiflers nacy Essen, wo er sich große Derdienste erwarb.

Brachts bekannte Energie und Tatkraft bestimmte den Reichskanzler von Popen, ihm als Reichs- kommissar die Aktion gegen die Preußen-Re- gierung Braun-Seoering zu übertragen. Die Ein­zelheiten dieser Aktion, die vor vierzehn Monaten den ersten Schritt zu einer Reinigung der politischen Atmosphäre Deutschlands bringen sollte, ist noch in aller Erinnerung: Seoering wurde seines Amtes enthoben, die ganze preußische Regierung abgefetzt, der man bloß den Charakter einer Hoheitsregierung beließ. Bekanntlich hat das Reichsgericht dann über die Abgrenzung der Rechte zwischen der autoritären und der demokratischen Regierung entscheiden müs­sen, womit der Demokratie eine neue Niederlage beigefügt wurde. Bracht hat dann, als General Schleicher das Kabinett Papen ablöste, das Reichsinnenministerium übernommen. Auf diese Weise wurde die Personalunion lm inneren Porte­feuille zwischen dem Reich und Preußen herge­stellt. Mit dem 30 Januar 1933 ist dann Bracht aus der aktiven Politik ausgeschisden. Er trat eine Studienreise nach Amerika an, kehrte aber bereits im August schwer leidend nach Berlin zurück. Eine Operation, der er sich unterziehen mußte, konnte sein Leben nicht mehr retten.

Brachts eigentliches Verdienst liegt darin, daß er es auf sich genommen hat, die schwierige Frage des Dualismus zwischen dem Reich und Preußen zu lösen. Er hat sich dabei nicht gescheut, alle Mittel anzuwenden, die ihm zur Verfügung standen, aber wenn er auch einen gewissen objektiven Erfolg zu verzeichnen hatte, so ist er doch nicht bis zur rest- losen Lösung des Problems gekommen, weil er schließlich weder eine genügend starke Idee, noch eine Volksbewegung hinter sich hatte, wie sie zur Ueberwindung überlebter Formen notwendig ist. Bracht hat versucht, was der Nationalsozialismus mit wenigen Federstrichen in die Tat umgesetzt hat.

Die Aeuvenvurzelimg des deiiWen Bauerntums.

Das Kabinett beschließt die Einführung eines Reichserbhofrechts und Umschuldung

Berlin, 26. Sept. (WTB.) Amtlich wird mttgeteilt: Das R e i ch s k a b i n e t t befaßte sich in seiner heutigen Sitzung mit den Fragen des deut­schen Bauernrechtes und erörterte die Maß­nahmen, die notwendig sind, um die Scholle dem Baue rn g e schle ch t zu erhalten. Da- zu gehört die Schaffung eines für das ganze Reichsgebiet gültigen einheitlichen Reichs- e r b h o f r e ch-t e s , das Verschuldung und Zer­splitterung durch Erbgang verhindert und die Höfe aus den Zufälligkeiten des wirtschaftlichen Geschehens herauslost. Hierzu soll auch eine Umschuldung der durch dieses Gesetz zu schaffenden Erbhöfe dienen. Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft wurde vom Reichskabinett ermäch­tigt, im Zusammenwirken mit den zuständigen Rcichsminifterien die gesetzlichen Bestimmungen i m einzelnen sestzulegen.

Mit der Schaffung eines neuen deutschen Sauern- achtes, eines Reichserbhofrechtes und einer damit verknüpften Umschuldung der Erbhöfe ist ein wei­terer Schritt getan auf dem Wege zur völligen Neuorganisation des deutschen Bauerntums, zur Neuverwurzelung der deutschen Land­wirtschaft. Preußen hat bereits vor Monaten ein Erbhofrecht in Angriff genommen, das in erster Linie zu geistigen Vätern hatte den preußischen Iustizminister K e r r l, Ministerialrat Wage- mann vom preußischen Justizministerium, der nunmehr Präsident des höchsten Erbhofgerichts in Celle geworden ist, und den jetzigen Reichsernäh­rungsminister Walther Darr 6, wohl die markan­teste Persönlichkeit der gesamten deutschen Land- wirtschaft. Darr6 verfolgt bereits seit Jahren ganz neue Wege zur Erhaltung der deutschen Land­wirtschaft und zu ihrer Umbildung, die sie w i e d e r zum tragenden Fundament des Staa­te s machen soll. Dazu gehört die Seßhaftmachung des deutschen Bauern, die Neuschaffung deutschen Bauerntums in verhältnismäßig menschenleeren Gebieten und die Befreiung der Landwirtschaft von der Suboentionswirtschast her letzten Jahre Narb

öer neuen Erbhöfe.

Auffassung des Reichsernährungsministers sind Erbhofrecht und Umschuldung nicht v o n e in ander z u trennen.

Erbhöfe sollen auch nach dem preußischen Erb­hofrecht schuldenfrei sein. Die Aufnahme von Anleihen und Hypotheken auf diese Höfe soll nur in besonderen Fällen mit Genehmigung des An- erbengerichts erfolgen können. Dieser Gedanke ist natürlich mitbestimmend für das ganze Reichserb­hofrecht. Man könnte sich eine Umschuldung der­gestalt denken, daß gegen eine Landabgabe 3 u Siedlungszwecken an den Staat die landwirtschaftlichen Besitztümer schuldenfrei gemacht werden. Das würde insbesondere auf Großgüter und Latifundien zutreffen, die in den letzten Jahren wohl am meisten über­schuldet worden sind. Hier soll auf den weiten, für d«n jetzigen Besitzer unwirtschaftlich gewordenen Flächen deutschen Landarbeitern und Bauernsöhnen eine neue f r u d) t b r i n g e n b e Existenz geschaffen werden. Durch Ent­schuldung der Erbhöfe, etwa im Wege einer lieber* nähme der Schulden auf eine Institution und der Festlegung einer tragbaren Rente wird eine der Hauptsorgen der letzten Jahre von einem großen Teil der Landwirtschaft genommen.

Eine weitere Sorge ist bereits durch das eben» faüs auf den Reichsernährungsminister zurück- gehende Verbot des Terminhandels mit Brotgetreide und die Festsetzung von Richtpreisen von der Landwirtschaft genom­men worden. Der Landwirt kann nunmehr anhand der Richtpreise ungefähr für das Wirtschaftsjahr disponieren und später nicht schwankende Preise, durch Spekulanten hervorgerufene Preisstürze da­für verantwortlich machen, daß er ohne Barmittel ober sogar ohne Mittel zur Frühjahrssaat basteht. Es liegt in seinem eigensten Interesse, wenn er von ber bemoralifierenben Subventionswirtschaft befreit wirb. Nur bas Bauerntum ist lebensfähig, bas sich selb st zu helfen bereit ist

Heute Berufung des evangelischen Reichsblschoss

Wittenberg im Zeichen der ersten deutschen Nattonalsynobe

W i 11 e n b e r g, 27. Sept. (CNB.) In ber Luther- ftabt Wittenberg tritt heute die erste Deutsche Na- tionaljynobe zusammen, um durch die feierliche Be­rufung des Reichsbischofs das Verfasfungswerk ber neuen Deutschen Evangelischen Kirche zum Abschluß ^.ormgen. Die vom alten Augustinerkloster bis zur Schloßkirche führenbe Hauptstraße ber Stadt, an ber die großen Erinnerungsstätten der Reformation liegen, zeigt sich den Gästen im Schmuck zahl- L°.cr ^.aV4n '?on bcn Türmen der Kirchen flattern die Zeichen des neuen Staates neben dem violetten Kreuz ber Kirchensahnen

Der Eröffnungssitzung der Nationaljynobe geht em feierlicher Gottesbien st in der S ch l o ß k > r ch e voraus Die Predigt hält der wurttembergische Landesbischof. Nach dem Gottes- dienst ziehen die Mitglieder der Synode, an ihrer Spitze Landesbischof Müller, zum Marktplatz wo Oberbürgermeister Fader an die Führer der deutschen Kirchen ein Grußwort richtet, auf das Landesbischof Müller im Namen der Kirchen- leitung antworten wird.

Die e r ft e Sitzung der Synode wird i n öer Stadtkirche durch Landesbischof Müller eröffnet. Danach gibt die einstweilige Leitung der Kirche einen Bericht über ihre bisherige Tätigkeit Am Nachmittag treten bann die Führer ber Landeskirchen zu einer geschlossenen Sitzung zusammen Um 18 Uhr erfolgt in der Stadtkirche in feierlicher Sitzung die Berufung des Reichs- bischofs durch die Synode. Der Reichsbischof wird nach einer kurzen Begrüßung durch zwei Mit- glieder der Synode eine Kundgebung an ö a s e oangelische Kirchenoolk erlassen. *)te Sitzung wird auf den Rundfunk über- ^ggen. Nach Schluß der Synode begeben sich die Mitglieder und die Führer der deutschen Landes­kirchen in geschlossenem Zuge zum Marktplatz, wo der erste Deutsche Reichsbischof von dem Ober- burgermeister der Lutherstadt feierlich begrüßt ipirb.

Gleichzeitig findet ein Fackelzug zu Ehren des neuen Reichsbischofs statt, an dem die Formationen der SA. SS des Stablbelms unb ber HI teil­nehmen

Heute, Mittwoch, 18.05 Uhr dis 18.35 Uhr wird vom D e u t s ch l a n b f e n d e r, von ber Ber­liner Funkstunde unb vom Deutschen Kurz- roellenfenber in ber StunbeWas uns be­wegt", die Wahl des Reichsbischofs durch die Nationalsynode übertragen werden.

Aischof Hoffenfelder über die Ziele derDeutschen Christen"

Wittenberg, 26. Sept. (TU.) Dor dem Gro­ßen Führrat derDeutschen Christen" gab Bischof Hossenfelderals Leiter der Glaubensbewegung eine programmatische Erklärung über die Ziele der von ihm geführten Bewegung ab. DieDeutschen Christen", so führte er aus, sahen in ber national- sozialistischen Bewegung bie einzige Möglichkeit, bas beutsche Daterlanb vor dem sichtbaren Untergang zu retten. Sie sahen in Abolf Hitler einen von Gott ge­färbten Mann Die evangelische Kirche hatte zum Nationalsozialismus eine andere Haltung als die katholische Eingenommen. Während die katholische Kirche bis zum Abschluß des Reichskonkorbats als Gegnerin des Nationalsozialismus auftrat, hat sich die Evangelische Kirche in dem gewaltigen Rin­gen um die Wiedergeburt des deutschen Volkes neutral verhalten. Die alte Kirche aber hatte sich in einer falschen Neutralität gegenüber dem Nationalsozialismus zu stark mit den staats­feindlichen Mächten des alten Staates eingelassen. Daraus entsprang für bie Deutschen Christen bie Aufgabe, von Orunb auf eine neuekirchliche Organisation zu schaffen, um Kirche unb Volk einander näher zu bringen. Hatte der Nationalsozia­

lismus die heilige Aufgabe, dem Reich des eisernen Kanzlers, das ber November von 1918 nicht zu zer- schlagen vermochte» bas eine deutsche Volk zu schenken, so war es die heilige Aufgabe ber Deut- schen Christen, für dieeine beutscheKirche zu kämpfen. Dieser geeinten deutschen Kirche stellte der Bischof die Ausgabe, den Menschen des Dritten Reiches das Evangelium zu verkünden, wobei er sich besonders gegen den Vorwurf verwahrte, daß die Deutschen Christen das Evangelium von Christus verfälschten.

Wer wird Landesbischof der Großhessischen Kirche?

EineEntschlietzung derDeutschen Christen".

Frankfurt a. M., 26. Sept. (WSN.) In einer von der Landesleitung der Deutschen Christenbe- wegung nach Frankfurt a. M. einberufenen Ver­sammlung sämtlicher Gau- und Kreis­obleute der GlaubensbewegungDeutsche Chri­sten" wurde die Frage ber Ernennung bes Lanbesbischofs für bie Groß-Hessische Kirche eingehend erörtert unb folgende Entschlie­ßung angenommen:Die am 25. September 1933 in Frankfurt a. M. versammelten 40 Gau- und Kreisvbmänner der GDC. von Hessen- Darmstadt, Hessen-Nassau, Hessen- Kassel-Süd und Frankfurt begrüßen den Zusammenschluß ihrer Landeskirchen unb erwarten aut bas bestimmteste, daß ber Landesleiter der GDC., Pfarrer Probst, zum Landesbischof der Kirche Hessen-Nassau ernannt werde. Probst hat die gewaltige Bewegung in unserem Ge­biet geschaffen, auf feinen Namen' hin haben sich

Tausende der Bewegung angeschlossen, sein Kamp» fesmut ist uns allein Gewähr für die Erneuerung ber Kirche im großhessischen Raum. Mit ihm steht unb fällt die GDC. hier zu Lande Wir bitten, daß dem Landesleiter unserer Glaubensbewegung auch die Führung der Nassau-Hessischen Kirche übertragen werde."

Soziale Leistungen bei der AEG.

Berlin, 26. Sept. (CNB.) Die Arbeiter unb Ange st eilten ber AEG führten an bie S eiwillige Spenbe zur Förderung der nationalen _ rbeit. Der sie bereits im Juli 18000 M k. überwiesen hatten, im vergangenen Monat wei­tere 3 5 4 0 0 M k. ab. Im gleichen Monat hat bie AEG. in ihren Berliner Betrieben rund 2300 Angeftelte und Arbeiter neueinge- stellt.

Oer Rundfunk

an Hindenburgs Geburtstag.

Berlin, 25. Sept. (TU.) Der Deutsche Rund- fünf wird anläßlich des 86. Geburtstages des Reichspräsidenten (2. Oktober) folgende Reichs- fenbungen zur Uebertragung bringen: 6,30 Uhr: Tagesfpruch, anfchließenb bis etwa 8 Uhr Früh­konzert aus Hamburg. 10,10 Uhr bis 10,50 Uhr: Schulfunk, Reichsfenbung: Gedenkstunbe anläßlich bes 86. Geburtstages bes Siegers von Tannen­berg: 1. Kurze Würdigung des Generalfeldmar­schalls. 2.Brandfackel überO ft preußen", Hörspiel von Friedrich Wilhelm Brand unb Ebith Heinrich. 19 Uhr bis 20 Uhr: Stunbe ber Nation: Ewiges Deutsch! and". Hörspiel von Otto Heinz Jahn

Aus aller Well.

Schweres Erdbeben in den Abruzzen.

15 Tote, 200 Verletzte.

Rom, 26. Sept. (TU.) Dienstag früh 4.35 Uhr hat in den Abruzzen ein schweres Erdbeben [tattgefunben, besten ganzer Umfang fid) noch nicht übersehen läßt. Das Zentrum bes Erbvebens liegt etwa auf ber Linie zwischen Sulmona unb Pes­cara. Auch in Rom ist ber Erbstoß ziemlich stark verspürt worben. Ein Ueberblick über den vom Erdbeben in den Abruzzen angerichteten Schaden ergibt: In der Provinz Aquila sind 11 Gemeinden vom Erdbeben betroffen. In der Provinz Chieti, bie am stärksten in Mitleibenschaft gezogen ist, lind 14 Orte vom Erdbeben erfaßt worden. Hierbei sind zehn Tote zu beklagen unb 150 Personen würben verletzt. Tausenbfünfhunbert Häuser sind beschädigt, davon 200 zerstört. In der Stadt Sul­mona beträgt die Zahl ber beschädigten Häuser 2300, davon sind 300 unbewohnbar geworden. Weit geringer ist der Schaden in der Provinz Pescara. Insgesamt darf man mit 15 Toten und 200 Verletzten rechnen. Das Ministerium für öffent­liche Arbeiten hat 100 000 Lire für die allerbeste Hilfeleistung zur Verfügung gestellt.

Das am schwersten betroffene Gebiet ist ber süd­liche Teil der Hauptberge ber Abruzzen, nämlich das Gan Sasso unb die Majella-Gruppe. Die runb um bie Majella-Gruppe liegenden kleinen Ortschaften scheinen größtenteils zerstört. So werden aus Lama bei Pelignie sechs Tote unb mehrere Ver- rounbete gemelbet. Oestlich über Sulmona hinaus sind bie telephonischen unb bie Eisenbahnverbindun- gen nach bem Osten hin unterbrochen. Auch bie Wasserleitung, bie viele Orte ber Abbruzzen speiste, ist beschäbigt.

Oie Wirbelsturmkatastrophe in Mittelamerika.

Aus dem Katastrophengebiet in Mittel­amerika laufen noch immer Schreckensmel- düngen ein, die über die Schäden berichten, die der Orkan angerichtet hat. In Tampico sind fast alle Gebäude zerstört. Das Krankenhaus, ber Bahn­hof unb bas Zollgebäube finb vom Boben glatt wegrasiert worben. Aus Carbena auf Cuba werben 20 Tote gemeldet. An den Gleiskörpern der Eisenbahn sind die Böschungen in sich zusammen­gestürzt. Der Fluß, an bem die Stadt liegt, ist über die Ufer getreten. Die Umgebung der Stadt ist von ungeheuren Schlammassen überflutet worben.

Tampico bietet den Anblick einer über­schwemmten Ruinen st ad t. Der deutsche DampferAdria" und ber norwegische Dampfer Mirlof Tonsberg" sollen angeblich schwer be­schäbigt sein. Zahlreiche kleine Dampfer unb Schlep­per würben auf bie offene See abgetrieben ober an Lanb geschwemmt. Die nicht zerstörten Amts- gebäube, Kirchen, Hotels unb Privathäuser sind mit Verletzten überfüllt.

Die Meldungen, die fortwährend aus bem Kata­strophengebiet in Mittelamerika einlaufen, lassen nach unb nach ein Bild von den schweren Schä­den und von den Fortschritten der Bergungs­aktion entstehen. In Tampico sind aus den Trümmern der eingestürzten Häuser bisher 50 Tote hervorgezogen worden. Man hegt jedoch Be­fürchtungen, daß Die Zahl der Toten sich noch be­deutend erhöhen wird. Vor allem ist man noch nicht an die Häuser herangekommen, bie burch bie lieber« schwemmung unter Wasser gesetzt sinb. Die Kran- kenhäuser sinb mit Verletzten überfüllt. Trotz­dem werden immer neue Verletzte eingeliefert, die man aber nicht mehr in den Gebäuden unterbrin­gen kann. Etwa 20000 Familien sind ohne Ob­dach, ohne Nahrungsmittel und ohne Wasser Bei all diesen Opfern der Katastrophe macht sich mehr und mehr eine allgemeine körper­liche Erschöpfung bemerkbar, so baß man mit bem Ausbruch einet Epibemie rechnen muß. Aus immer neuen Gebieten Mittelamerikas laufen noch Schreckensmelbungen ein. Große Teile von Miramar sollen burch Hochwasser vernichtet worden fein.

verheerende Unwetter über Frankreich unb Oberitalien.

Die schweren Unwerter, die seit einigen Tagen über ganz Frankreich niedergingen, haben nicht nur großen Schaden angerichtet, sondern auch Menschenleben gefordert. Auf ber großen Landstraße zwischen Sete und Montpellier schlug der B 1 i tz in eine Baubude ein, in der sich mehrere Sack Sprengstoff für Steinbrucharbeiten befanden. Drei Arbeiter, bie in ber Baracke Schutz vor bem Unwetter gesucht hatten, mürben buchstäblich i n Stücke gerissen. In ber Gegenb von Toulon wechseln wolkenbruchartige Regenfälle mit Hagelschlägen seit 48 Stunden ununterbrochen ab. Die Braque ist aus den Ufern getreten unb hat weite Strecken überschwemmt. Auch bie Gegend von Avignon wird von einem Dauerregen

heimgesucht. Die Bewohner der Flußgegenden haben bereits Vorsichtsmaßnahmen getroffen.

Die italienische Riviera wurde in den frühen Morgenstunden des Dienstaas von einem von Ha­gelschlag und Gewittern begleiteten furchtbaren Unwetter heimgesucht, bas mehrere Stunden andauerte. Besonders stark wütete bas Wetter in der Umgebung von Savona. Die Gewalt ber an- ftürmenben Wassermassen riß ganze Stücke aus bem Erdreich, überschwemmte Mauern und Hinder- nisse unb ergoß sich reißend in die tiefer gelege­nen Gebiete, wobei riesiger Schaden angerichtet wurde. In Borgio Verezzi rissen Sturm und Wasser ein Haus ein. Drei Personen fanden den Tob. In Pietra Ligure waren bie Einwohner an verschie­denen Stellen vom Wasser gänzlich eingeschlossen. Zahlreiche Häuser würben buchstäblich w e g ge­schwemmt.

Das millionste Exemplar von HitlersMein Kampf".

Wie der Zentralparteiverlag der NSDAP. Franz Eher Nachfolger in München mitteilt, wirb am 2. Oktober dieses Jahres bas millionste Exem- plar von Abolf Hitlers BuchMein Kampf" ausgeliefert werben. Selten hat ein poli­tisches Werk eine berartig hohe Auflageziffer allein in beutscher Sprache erreicht, ein Beweis Dafür, wie sehr sich bas beutsche Volk in bie Darlegungen feines Führers vertieft hat. Die englische unb ame- rikanische Ausgabe bes BuchesMein Kampf" ge- langt im Oktober in ben betreffenben Staaten zur Ausgabe. Weitere Ausgaben in Italienisch unb- nisch sind in Vorbereitung.

Spionageffanbai in ber Schweiz.

Unter bem bringenden Verbacht bes Landes­verrats durch Verkauf militärischer Geheimnisse ist ber Angestellte beim schweizerischen Militärdepar- tement, Jakob Steiner, ber ben Rang eines Ooerleutnants befleibete, verhaftet worben. Der Fall Steiner wirb als der schwerste Fall seit Jahr- zehnten bezeichnet. Der Verkauf von Plänen usw. soll sowohl nach Italien als auch nach Frankreich erfolgt sein. Steiner hatte diese Verkäufe durchfüh- fl"J10nnen' er als Zeichner für dieKriegsge- schichte der Schweiz" verwendet wurde.

Schwere Strafen in einem Wilderer-Prozeß.

3m Prozeß gegen bie Elsener Wilddiebe in Pa­derborn wurde der Angeklagte Derroig junior wegen versuchten Totschlags in drei Fällen, wegen gewerbsmäßigen Wilderns, foroie unbefugten Waf- fenbefifces zu 12 Jahren Zuchthaus, Dermin entor wegen gewerbsmäßigen Wilderns unb unbe­fugten Waffemragens zu 5 Jahren Gefängnis und Heiermeier ebenfalls zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt. Diesen drei Angeklagten wurden außer« dem die bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre ab- erkannt. Die Angeklagten waren im April b I von zwei Gutspächtern beim Wilbern überrascht worben, worauf sie von ber Schußwaffe Gebrauch machten unb beibe Pächter lebensgefährlich ver­letzten. Auf ber Flucht würben sie von Oenbarmerie erneut gestellt, bie ebenfalls beschossen würbe. Da- bei würben ein Oberlandjäger und ein Hilfspolizist schwer verletzt. 0 1

WJärung einer Mordtat nach 8 Iahren.

Em M o r d der vor acht Jahren in Kottbus begangen worden ist, hat nunmehr feine Aufklä- rung gefunden. In einer Märznacht bes Jahres «THfa %uröe. ,n Cottbus der Polizeiwachtmeister Fntz Zunker erfchoffen aufgefunden. Die SÄhS'V 3®*! ®5.u6tJerIeöungen auf. Unter dem ^erdacht ber Täterschaft würben bamals vier Brü- Der namens Kleitz in Haft genommen, bie u. a. bereits wegen schweren Einbruchbiebstahls mit Zuchthaus vorbestraft waren. Die Jnbizien reich, tzn aber nicht aus, so baß sie wieder auf freien gu& gefefet werden mußten. Im August d.J. schritt die Polizei erneut zur Festnahme der vier Brüder. Im Konzentrationslager Sonnenburg g e st a n d letzt einer von ihnen, Gustav Kleitz, die Mordtat begangen zu haben. Inwieweit die übrigen Brüder H.n .er Tat beteiligt waren, müssen die weiteren Ermltllungen ergeben.

töc 11 c rvo rn nssage.

Der hohe Druck im Norden und Osten macht L k?. weiterhin geltend, so daß das schöne Herbstwetter bestehen bleibt. Da sich stellenweise in höheren Schichten sehr warme Luft befindet, kommt es weiterhin zu Nebelbildungen, die sich aber tags­über wieder auflösen.

. 2l" s s i chten für Donnerstag : Nach kal- ter Nacht und Nebelbildung tagsüber aufheiternb, warm unb trocken.

Ausfidjten für Freitag: Fortdauer der Hochbruckwetterlage.

Lufttemperaturen am 26. September: mittags 21,5 Grab Celsius, abends 13,6 Grad: am 27. September: morgens 12 Grad. Maximum 22,4 Grad, Minimum 10,5 Grad (Erbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 26. September: abenbs 17 Grab; am 27. Septem­ber: morgens 13,7 Grad Celsius. Sonnenschein, dauer 5n Stunden.