Ausgabe 
27.7.1933 Frühausgabe
 
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ten zahlreiche Revolver mit Munition, sowie eine Menge kommunistischen Zersetzungsmaterials be­schlagnahmt werden. Vier Personen sind bisher fest­genommen wovden.

Hindenburg-Eiche auf dem Tempelhofer Feld abgesägt. Berlin. 27. Juli. (OB. Funkspruch.) Ein übler Bubenstreich wurde heute nacht auf dem Tempelhofer Feld verübt. Unbekannte Täler sagten die Hindenburg-Liche in etwa 1 Meter höhe ab. Die Kriminalpolizei hat die Bachforschungen nach den Tätern sofort aus­genommen.

Kommunistischer Hochbetrieb.

Die Berichte der Polizei über die Ergebnisse ihrer Fahndungsaktion vom Dienstag sind nicht nur inter­essant, sondern auch außerordentlich auf­schlußreich. Aus ihnen geht hervor, daß die Kommuni st en durchaus nicht die Flinte ins Korn geworfen haben, sie sind vielmehr rühriger denn je. Die Vermutung, daß sie ein e n g - maschiges Netz über das gesamte Reichsgebiet gespannt haben, ist durch die Feststellungen der Polizei bestätigt worden. Innerhalb einer Dreivier­telstunde hat sie viele hundert Kommunisten tn allen

Direktionsbezirken der Deutschen Reichsbahn aus den Cisenbahnzügen herausholen können, die teils Kurierdienst taten, teils Pro pag anda- material und Waffen als Handgepäck von einem Ort zum anderen brachten. Die Aktivität, die die kommunistischen Funktionaare wieder entfalten lästt den Schluß zu, daß der P a r t e l a p p a r a t doch verhältnismäßig gut arbeitet und daß vor allem auch ausreichende Geldmittel vor­handen find, um die verschiedenen Unternehmungen finanzieren zu können. Das Ergebnis der Fahn­dungsaktion zeigt der Allgemeinheit wie schwer es ist mit den S t a a t s f e i n d e n fertig zu werden. Sie verfügen nicht nur im Lande über einen be­achtlichen Rückhalt, sie unterhalten auch die besten Verbindungen zu ihren Auftraggebern. i m Ausland wie auch ununterbrochen ausländische Kommunisten ins Land hineinströmen, um hier der Bewegung neue Impulse zu geben. Die Dinge lie­gen natürlich n i ch t so, daß kommunistische Unter­nehmungen größeren Stils Aussicht auf Er­folg hätten, es läßt sich aber nicht bestreiten daß der Fanatismus, der im deutschen bolschewistischen Lager herrscht, Ereignisse heraufbeschwören kann, die das Reichstagsattentat glatt in den Schatten stellen, wenn nicht das gesamte deutsche Volk von sich aus mithilft, den Staats­feinden das Handwerk zu legen.

Die Zukunst See deutschen Rechts.

Erklärungen des ReichsjustizkommiffarS Or. Frank.

München, 26. Juli. (TL.) Sn einer am Mittwochnachmittag abgehaltenen Pressebespre­chung erklärte der Reichsjustizkommissar Staats­minister Dr. Frank, daß die Unabhängig­keit der deutschen Rechtspflege vom ersten Tage der nationalen Erhebung an auf das intensivste in den Vordergrund gerückt worden sei. Die Rechtspflege sei in jeder Form frei von irgendwelchen amtlichen Einflüssen.

Die Unabhängigkeit des deutschen Richters soll in jeder Form ausrechterhalten werden.

Es gebe in der gesamten Justiz keine irgendwie gearteten Kommissare. Es sei nicht möglich, daß jemand, weil er einer bestimmten Partei angehört habe, oder aus sonstigen unjuristischen Grün­den in seinem Recht geschmälert werde. Die Richter seien unabhängig in ihrer Rechtsprechung, auch in politischen Fällen vor den Sonder­gerichten. Das Wort des Führers, daß nach der Revolution die Evolution ein­setzen müsse, gelte auch für die Justiz. Die Auffassung, als ob neben der Staatsjustiz auch eine Organisationsjustiz bestehe, sei falsch. Die Unabhängigkeit der Rechtspflege werde dadurch gesichert, daß entsprechend dem entschiedenen Willen des Führers die Persönlich­keiten, die in der Justiz tätig sind, in einer eigenen Organisation, im Rationalsozia- listischen Deutschen Jurist en bund, zu- sammengefaßt wurden. Der Bund werde An­fang Oktober unter dem Protektorat des Reichs­kanzlers seine große Reichstagung in Leipzig abhalten, die der Reform des deutschen Rechts­lebens gewidmet sein soll.

Die deutsche Rechtsresorm werde mit allem Bachdruck gefördert, es werde aber vermieden, Reformen zu überstürzen.

Sm Vordergrund stehe das deutsche Straf­recht. Es sei zu hoffen, daß diese Reform bis Rovember durchgeführt sei. Als nächstes komme das Urheberrecht daran, dessen Reform schon der Vollendung nahe sei. Dann werde folgen die Reform des Aktienrechts, des Deutschen Zivilprozehrechts und die Reuregelung der Strafprozetzordnung. Sm Vorder­gründe der nächsten Zeit stehen die Reformen des Rechts st udiums und die Vereinheit­lichung der dafür geltenden Vorschriften im Reichsgebiet, sowie die Vereinheitlichung der Prüfu ngsmethoden und Prüfungs­vorschriften. Sm Zusammenhang damit ste­hen das Freizügigkeitsproblem der

Rechtsanwälte und die Planung des ein­heitlichen Reichsnotariats. Schließ­lich versicherte Dr. Frank, daß sich die Justiz­verwaltung eingehend mit dem P r e s s e r e ch t beschäftige, und daß die nationalsozialistische Regierung sich für die F r e i h e i t d e r P r e ff e und ihrer Aeuherungen einsetze. Diefe Presse­freiheit sei durchaus vereinbar mit den national­sozialistischen Zielen.

Dr. Frank teilte u. a. noch mit, daß die Reichstagsbrand st ifter von deut­schen Rechtsanwälten verteidigt würden. Kein Rechtsanwalt werde deshalb angegriffen werden, weil er etwa eine Persönlichkeit ver­teidige die politisch belastet oder mißliebig sei. Wie der freie R i ch t e r st a n d , so werde auch die Freiheit des Rechtsanwalts- stands unbedingt gesichert werden.

Oer Staat wahri die Belange Oer Beamten.

Berlin, 26. Juli. Wie das DDZ.-Bureau meldet, hat der Reichsinnenmini st er in einer Verfügung angeordnet, daß Eingaben und Anträge von Beamten und Be­amtenorganisationen an die Behör­den, die sich mit Fragen der Besoldung, Ein­stufung, Laufbahn usw. befassen, nunmehr unnö­tig und unzulässig seien und in Zukunft nicht mehr entgegengenommen werden können. Seitdem die Regierung der nationalsozialistischen Revolution die ausschließliche Führung des Staa­tes übernommen habe, würden die Belange der Beamtenschaft durch den Staat selbst wahrgenommen. Unbedingt zu un­ter l a s s e n sind nach der Anweisung des Reichs­innenministers solche Eingaben und Vorstellun­gen, die auf eine Kritik am Vorgesetzten und damit an der allein verantwortlichen Staats­führung hinauslaufen. Persönliche Beschwerden sind lediglich auf dem Dienstwege vorzubringen.

Der preußische Innenminister hat verfügt, daß nach diesen Grundsätzen auch in der preußischen Staatsverwaltung und in der Schul­verwaltung zu verfahren ist. Er hat gleichzeitig die Verfügung des Reichsinnenministers über die Einführung des Hitlergruhe«s als allge­mein verbindlich für die preußische Ver­waltung erklärt, mit dem Ersuchen, hiervon allen Beamten, Angestellten und Arbeitern umgehend Kenntnis zu geben.

Henderson über die Abrüstungsfrage.

Unannehmbare Forderungen Frankreich-

London, 26. Juli. (TU.) Der Präsident der Abrüstungskonferenz, Henderson, äußerte sich in einer Unterredung mit dem Vertreter desDaily Herold" über den Stand der Abrüstungs- Verhandlungen. Henderson sagte, er habe die Hoffnung auf das Zustandekommen eines Ab­rüstungsabkommens noch nicht ausgegeben. Nach seiner Ansicht bestehe grundsätzliche Uebereinstimmung in folgenden Punkten:

a) Umwandlung der Heere in Milizarmeen;

b) Abschaffung der Offensivwaffen, schweren Ge­schütze und großen Tanks;

c) Abschluß eines Paktes zur Nichtanwendung von Gewalt. England wolle allerdings diesen Pakt noch immer nur für Europa gelten lassen;

d) allgemeine Bereitwilligkeit zur Annahme des russischen Vorschlages für die Bestimmung des Angreifers, nur England wolle noch nicht recht an diese Frage heran;

e) allgemeine Bereitwilligkeit zur Annahme einer periodischen und automatischen Rü­stungskontrolle einschließlich der Strafen für den Bruch der Abmachungen;

f) allgemeines Einvernehmen über die Notwen­digkeit einer strikten Ueberwachung und Kon­trolle der privaten Waffenherstellung.

Alle diese Fragen seien aber abhängig von einem deutsch-französischen Ausgleich zur Regelung der oben angegebenen Punkte.

Frankreich fordere zunächst die Umwandlung der Armeen in Milizheere. Ls wolle ferner die

Abrüstungsregelung auf zwei Zeitabschnitte von je vier Jahren verteilen. 3m ersten Abschnitt solle die Reichswehr abgeschafst und die Iststärke der kurz dienenden Heere herab­gesetzt werden. Ein scharfes internationales Ueberwachungsfyftem solle gleichzeitig sicher­stellen, daß die zugeteilten Ziffern nicht über­schritten werden, daß es keine halbmilitärischen Organisationen gebe, und daß die ehemaligen Feindländer die Bestimmungen der Friedens­verträge hinsichtlich der Rüstungen strikt inne­halten. 3n den ersten vier Jahren wolle Frank­reich Beuanschaffungen von Kriegsmaterial nicht vornehmen.

Erst nach Durchführung aller dieser Bestimmun­gen würde Frankreich dann im zweiten Dier- jahresabschnitt die Geschütze über 20 Zentimeter und die Tanks über 16 Tonnen aufgeben. Die vorhan­denen Vorräte sollten im zweiten Abschnitt dem Völkerbund ausgehändigt werden, der dann zu entscheiden hätte, ob diese Waffen zerstört ober ge­parkt werden sollen. Während die anderen Natio­nen Geschütze bis 20 Zentimeter und leichte Tanks behalten dürften, müßten Deutschland und die übrigen ehemaligen Feindmächte den Be­stimmungen des Versailler Vertrages nachkommen und dürften nur Geschütze bis 10,5 Zentimeter, aber keine Tanks besitzen. Dies sei aber ein Vorschlag, der natürlich für Deutschland unannehmbar sei.

Aus aller Well.

Fliegerische Rekordleistung des Reichskanz'ers.

München, 26. Juli. (TL.) Reichskanzler Hitler hat am Mittwoch eine fliegerische Re­kordleistung vollbracht. Er startete mit Ju 52 D 2600 (Flugkapitän Bauer) um 8 Hhr in Bayreuth und landete um 9 Hhr in Mün­chen zur Begrüßung der 450 Jungfaschisten in der Münchener Residenz. Um 11.30 Hhr startete er mit seinem Gefolge nach Berlin und landete dort um 13.40 Hhr, um an der Beisetzung des Admirals v. Schroeder teilzunehmen. Rach der Trauerfeierlichkeit flog der Reichskanzler um 15 Hhr mit seiner Begleitung nach Bayreuth, wo er um 17 Hhr eingetroffen ist.

Elly Beinhorn und Kronfeld bei Mussolini.

Am Mittwochabend wurde die deutsche Afrika­fliegerin Elly Beinhorn von Mussolini im Palazzo Venezia empfangen. In diesen Tagen hat Mussolini auch dem deutschen Segelflieger K r o n f e l d eine HnterreDung gewährt, in der er sich mit ihm über die Möglichkeit des Segel­fluges in Italien unterhielt.

Balbo-Geschwader in Beufundland.

Das Balbo-Geschwader ist um 7.40 llhr Ortszeit in Shediac (Neu-Braunschweig) von neuem gestartet und um 17.40 Uhr DIEZ. in Shoal Harbour (Neufundland) gewassert. General B a l b o und seine Flieger wurden von der Bevölkerung begeistert ernpfangen.Das zum Balbo- geschwader gehörende FlugzeugJnovi" hat in der Nähe von Kap Traverse auf der Prinz-Edward- Jnsel eine Notlandung vornehmen müssen. Die Besatzung ist wohlbehalten. General Balbo hat nach Rom gekabelt, daß er mit seinem Flugge­schwader in Shoal Harbour auf Neufundland vier bis fünf Tage bleiben wird. Das notgelandete Flug­zeug kann infolge Schadens an der Wasserpumpe nicht vor Donnerstag weiter fliegen.

Nach den letzten Funkmeldungen hat B a I b o mit­geteilt, er werde mit seinem Geschwader am Freitag über den Atlantischen Ozean zurückfliegen, und zwar wolle er die nördliche Route über Irland wählen.

Kupferbergbau im Sauerland?

Hm Vermutungen, daß sich in den Bergen zwischen Kirchhundem und Marmecke im Sauer­land Blei- und Kupfererze befinden, auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen, hat eine Derg- baukommission aus Dortmund an Ort und Stelle Hntersuchungen vorgenommen, die überraschende Ergebnisse gezeitigt haben. Man hat besonders das bevorzugte Braunkupfer gefunden, das heute nur noch von Amerika bezogen werden kann. Mit den Bohrungen soll in Kürze be­gonnen werden. Die heimische Bevölkerung, der sich vielleicht neue Arbeitsmöglichkeiten bieten, sieht den weiteren Plänen mit Spannung ent­gegen.

Bor einem neuen Slratosphärenflug.

Der amerikanische Kapitänleutnant Se111e beabsichtigt vom Flugplatz Soldiersfield mit dem BallonCentury of Progress zu einem Allein- flug in die Stratosphäre aufzusteigen, vorausgesetzt, daß nicht durch ein heraufziehen­des Hochdruckgebiet eine Aenderung der Wind­richtung eintritt. Die Instrumente zur wissen­schaftlichen Auswertung des Fluges sind unter Aufsicht des Reuyorker Physikers Dr. Arthur C o m b c a n eingebaut worden. Dr. Jean Pic - c a r d, ein Zwillingsbruder des bekannten Strato­sphärenforschers, wird das Unternehmen vom Erdboden aus leiten. Settle hofft, zum Studium der kosmischen Strahlen eine Höhe von über 17 030 Meter zu erreichen.

Kunst und Wissenschaft.

Hitlers Beileid zum Tode von Schillings.

Reichskanzler Adolf Hitler hat an die Witwe des Präsidenten der Akademie der Künste^ General­musikdirektors Dr.h.c. Max vonSchilllngsdas nachstehende Telegramm gesandt:Nehmen Sie bitte zu dem schmerzlichen Verlust, den alle Deutschen Mit­empfinden, mein aufrichtigstes und tiefstes Beileid entgegen. Adolf Hitler."

Verantwortlich für Politik: i. 58.: Ernst Blumschein.

DomToback-Tnncken".

Wer waren die ersten Raucher?

Bevor sich der Tabak die Welt eroberte, hat dieses indianische Kraut", von dem die Entdecker Ame- ritas die erste Kunde nach Eruopa brachten, man­nigfache Schicksale durchgemacht, wurde hochgeprie­sen und angefeindet wie alles Neue und errang zunächst Anerkennung als Heilpflanze, die als Panacee" gegen alle möglichen Leiden verordnet wurde. Uns interessiert diese medizinischeVer- wendung weniger als die Verbreitung des Ta­baks als G e n u ß m i 11 e l, da es ja in dieser Rolle seine bleibende Bedeutung erlangt hat.

Wer waren nun d i e ersten Raucker? Die Spanier haben vor einiger Zeit dem Manne, der diesen Brauch in Europa zum erstenmal einer er­staunten Menge vorführte, ein Denkmal gesetzt. Dieser Vorläufer aller heutige Raucher war Ro­drigo de Jerez, einer der Begleiter desColumbus auf seiner Entdeckungsreise, der von dem Admiral nach Kuba gesandt wurde und diese Insel zuerst be­trat. Als Rodrigo nach seiner Heimat Ayamonle zurückkehrte, brachte er dorthin die Sitte der India­ner T a b a k zu t r i n k e n " , die die ersten Schil- berer der neuen Länder, Ramon Pane und Oviedo, ausführlich beschrieben haben. Als die Seinen bemerkten, wie ihm plötzlich aus Mund und Nase Rauch quoll, erschraken sie furchtbar und glaub­ten nichts anderes, als baß der Teufel in ihn ge­fahren fei. Man rief den Pfarrer herbei, dieser wandte sich an die Inquisition, und die Folge war, daß Jerez in den Kerker wanderte und erst nach Jahren wieder freigelassen wurde. Dieser Vor­fall wirkte auf andere Raucher nicht gerade ermuti­gend, und so blieb die Sitte zunächst auf vereinzelte Seeleute beschränkt, die sie von den Bewohnern der fernen Lande angenommen hatten und nach den spanischen und portugiesischen Hasenstädten brach­ten. Unterdessen war Tabaksamen zur Anpflanzung nach der Alten Welt eingeführt worden. Der Leib­arzt Philipps II., Francisco Hernandez, sandte Tabaksamen nach Spanien, der französische Ge­sandte am portugiesischen Hof, Jan fJlicot, solchen nach Frankreich. Die Pflanze wurde in verschiedenen botanischen Gärten als ein seltenes Gewächs ge­zogen und als Heilmittel verwendet. Aber erst die Egländer tarnen so recht auf den Geschmack des Tabaks.

Jeder britische Schuljunge lernt die Geschichte von Sir Walter R a l e i g h, der den Tabak in Eng­land einführte und als er zum erstenmal rauchte, zu seinem Diener sagte:Lieber Ridley, wir stecken heute eine Kerze in England an, die, so Gott will,

niemals wieder ausgehen wird." Aber dieser Ruhm ist dem Seehelden zu Unrecht zuteil geworden. Wie Alfred H. D u n h i l l wahrscheinlich gemacht hat, ist der erste Tabakraucher in England Sir John H a w- k i n s gewesen, der 1565 bas Rauchen in seiner Hei­mat einführte. Der erste, der eine größere Menge j Tabak nach den britischen Inseln verfrachtete und I damit die allgemeine Verbreitung beförderte, war j der Gouverneur her neuen britischen Kolonie Vir- j ginia, Ralph Lane. Die Pfeife, die man allgemein benutzte, war 1564 der englischen Sprache noch nicht bekannt. Die Vorrichtung der Bewohner von Florida für das Rauchen schildert John Sparke, einer der Begleiter Hawkins auf seiner Reise in um­ständlicher Weise als einen Stock mit einem töner­nen Becher am Ende, in den das trockene Straut ge­tan und in dem es dann angeftedt wird. Das Wort Tabakpfeife" tritt erst seit 1594 auf.

Die Kolonie Virginia bot die Hauptursache für die rasche Einbürgerung des Rauchens in England. Die Siedler, die wieder in die Heimat kamen, waren starke Raucher, und sie hatten alles Interesse daran, den Tabak zu verbreiten, denn der Anbau dieser Pflanze bot ihnen eine gute Einnahmequelle. Die ersten Schiffsladungen von diesem Kraut gingen Jo reichlich in der Heimat ab und brachten so hohe Preise, daß sich alles auf den Tabakanbau warf. Der Tabak wurde sogar als Geld benutzt; Löhne wurden in Tabak bezahlt, Waren in Ta­bak gekauft. 1620 führte Virginia schon 40 000 Pfund Tabak nach England ein. Raleigh kommt in dieser Entwicklung das Verdienst zu, das Rauchen volkstümlich gemacht zu haben. Während König Jakob I. von England als leidenschaftlicher Feind des Rauchens auftrat, ohne mit seiner Verdammung auf die Dauer etwas auszurichten, verbreitete sich das Rauchen unterdessen auf dem europäischen Festland.

In Holland war es vor 1590 noch eine Selten­heit; man sah höchstens ein paar Matrosen rauchen. Die Worte des Krämers Soest in GoethesEgmont:Es trat ein Soldat bei mir ein. Tobak zu kaufen, sind jedenfalls unge­schichtlich, denn 1567 führte noch kein Krämer in Holland Tabak. Zu Anfang des 17. Jahr­hunderts aber war das Kraut in Holland schon ein wichtiger Handelsartikel, und ein deutscher Gesandter im Haag, von Rusdorff. schrieb damals:Ich kann nicht umhin, jene neue, er­staunliche und vor wenigen Jahren aus Amerika eingeführte Mode zu tadeln, welche man eine Sauferei des Rebels nennen kann, die alle Trink- leidenschaft übertrifft. Wüste Menjchen pflegen nämlich den Rauch von einer Pflanze, Die sie Ricotiana oder Tabak nennen, mit unglaublicher

Begierde und unauslöschlichem Eifer einzu­schlürfen.

Damals war aUerdings auch Deutschland be­reits mit dieser Mode bekannt geworden. Die ersten deutschen Raucher fanden sich in Köln, wo­hin die Holländer und Spanier dieseschlechte Sitte einbürgerten, über die sich 1587 ein Fran- ziskaner-Mönch beschwert. Hm 1616 wird aus der Schweiz gemeldet, daß man nun auch hier an­fange, sich des Wunderkrautes zum Rauchen und Schnupfen zu bedienen. Der eigentliche Verbrei­ter des Tabakrauchens durch die ganze Welt wurde aber der 30jährige Krieg. Die Söldner­scharen, die in dieser Zeit durch Deutschland mar­schierten, brachten dasTabak-Trinken" überall hin. Hm 1630 lernten es die Schweden kennen, und gleichzeitig gelangte die Sitte durch englische und venezianische Schiffe über die Ost­see nach Rußland, durch das Mittelmeer in die Levante und von dort aus nach Konstantinopel. Verhältnismäßig am spätesten scheint Oesterreich damit beglückt worden zu sein, wo erst ums Jahr 1650 eine größere Verbreitung gemeldet wird. Damals rauchte schon alle Welt.

Merkwürdige Museums-Schätze.

Als im vergangenen Goethe-Jubeljahr die ganze Welt nach Goeche-Andenken durchstöbert wurde, da konnte man die berühmten Pantoffeln, die dem Dich­ter feine Suleika gestickt hatte, nicht auffinden. Erst nachträglich stellte man fest, daß diefe denkwürdige Handarbeit, von der in dem Briefwechfel Goethes mit Marianne von Willerner die Rede ist, unbe­achtet an einer verborgenen Stelle war, nämlich in Dem Bally-Schuhmuseum, das sich zu Schönenwerd bei Aarau in Der Schweiz befindet. Hier steht das rotseidene Pantoffelpaar mit Den in ©olDfäDen fein gestickten persischen Schriftzügen, Das Marianne ihrem Hatem" 1816 zu Weihnachten schenkte. Die Suleila- Pantoffeln unD ihr Schicksal finD nur ein Beispiel für Die Fülle von kostbaren Dingen, die irgendwo in einem Museum oder noch häufiger in dem Maga­zin eines Museums vergraben sind. Dr. Hnger geht in einem Aussatz vonReclams Hniversum" von dieser vergeblichen Suche der Goethe-Freunde aus, um auf einen wichtigen HbelftanD im gesamten Mu- feumswesen h'nzuweifen, Man hat nämlich vielfach die seltensten Schätze aufgehäuft, ohne daß ihr Vor­handensein durch ein Inventar allgemeiner bekannt wird. Man kennt nur die Bestände der wichtigsten Museen ganz genau; ja auch in solchen riesigen Schatzhäusern der Kunst und Wissenschaft, wie im Louvre und Dem Britischen Museum, gibt es noch

vieles, was nicht registriert oder veröffentlicht ist. Sehr viele Museen befitzen höchstens eine hand­geschriebene, oft unvollständige Liste. Unter den Berliner Sammlungen ist das Völkerkunde-Mufeum ein solches Stiefkind, dessen Inhalt zu kaum einem Drittel in einem Katalog verzeichnet ist. Millionen­werte dieser umfangreichsten und wertvollsten Samm­lung asiatischer Kultur liegen wegen Platzmangels auf Speichern und in Kellern. Beim Durchstöbern Diefer Magazine stößt man häufig auf Kostbarkeiten, von deren Vorhandensein niemand etwas ahnte. Ganz ähnlich steht es z. D. mit Der Wiener Ratio- nal-Bibliothek. Bei einer RunDsrage, Die Unger Durchführte, mußte er feststellen, daß sogar ganz DeDeutenDe Sammlungen, Die in ihrer Art führend find, nur einen einzigen handgeschriebenen Katalog befitzen. Um diesem Mangel ^.bzuhelfen, soll jetzt eine Zentralstelle eingerichtet werden, Die alle Kataloge unD Führer einzeln sammelt, und zwar für jedes Museum in einer besonderen Mappe. Auf Grund aller Kataloge wird dann ein Stichwort- Register angelegt, nach Art des internationalen Zetlel-Kataloges der Bibliotheken. Doch werden nur folche Gegenstände ausgenommen, die durch ihre Eigenart, Seltenheit oder sonstige Bedeutung ver­merkenswert find. Würden die Schätze aller Museen auf diese Weise verzeichnet und Die Register leicht zugänglich gemacht, Dann könnten erst Die Bestände sehr vieler Sammlungen für die Wissenschaft und Die Allgemeinheit recht fruchtbar werben.

Zeitschriften.

Die Leipziger Jllustrirte Zeitung bringt in ihrem neuen Heft u. a. einen illustrierten Arti- feiAuf die Mensur!", Der für jeden Anhänger alter deutscher «ötuhentenfitte von höchstem Inter­esse sein wird. Das gleiche Heft enthält ferner einen ausführlichen BilderaufsatzDas Bayreuther Werk" als Geleitwort für Die Bayreuther Jubiläumsfest- spiele 1933. Im tagesgeschichtlichen Bilderteil ist dem 18. Bundeskegeln des Deutschen Keglerbundes in Frankfurt a. M. ein besonders breiter Raum ge­widmet worden. Ein außerordentlich brennendes beoölkerungspolitisches Problem behandelt der Auf­satz von Friedrich fßurghörferVolk ohne Jugend". Ein ausführlicher Bericht über die Ausstellung Malerei des Barock" in Dresden schließt sich an.

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Auf den Lehrstuhl für anorganische Chemie an der Technischen Hochschule in Darmstadtist Pro­fessor Dr. Eduard Zin11 von der Universität Freiburg i. Br. berufen worden.

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