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27.7.1933 Erstes Blatt
 
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Er. 175 Swettes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)Donnerstag, 27.Zuli|yzz

S.J.-fport

30Fahre Turnverein Gambach

Wirischast

denburg unb Bayern.

des

prachtvolle Hebungen am Barren

Oer Gausührer des 12. Gaues im Deutschen Fußball-Verband.

Hoffmann vorführten.

im er-

Laufe der Jahre eine beachtliche Stellung rungen

216; 1. Preis Karl Ratz, 199; 2. Heinrich Rumpf, 194; 3. Walter Wagner, 189; 4. Richard Ohlemutz, 183; 5. Wilhelm Ohlemutz, 165,5. 6. Wilhelm Alt, 158; 7. Weisel Karl, 139,5 Punkte.

Zehnkampf: 1. Erwin Weisel 188,5 Punkte; 2. Paul Müller, Karl Weihrauch 164; 3. Willy Wächter 160; 4. Heinrich Zeitz 154,5 Punkte.

Dreikampf: 1. Hermann Storck 64 P.; 2. Karl Krausch 62; 3. Karl Butz 61; 4 Wilhelm Alt 52 Punkte.

Lim diese« preis kämpfen die deutschen Fußball-Gaue.

Studenten vom deutschen Arbeiter oder Angestell, ten zu trennen schienen, niederzureitzen gewillt ist.

Die Gießener Akademische Turnver» b i n d u n gR h e i n f r a n k e n" hat eine Anzahl ihrer Mitglieder zum Deutschen Turnfest entsandt. Mit berechtigter Hoffnung verfolgt sie insbesondere das Auftreten ihrer Faustballmannschaft in der Aufstellung Loh l, Pfeffer. Rheinhard, Loh II, trapp.

Der Mannschaft gelang es in diesem Sommer­semester zum vierte Male, die Faustballmeisterschaft

A ch t k a m p f: 1. Ernst Rumpf 132 P ; 2. Wil» Helm Bingel 126; 3. Wily. Alles 112 Punkte.

Turnerinnen.

Achtkampf: Ehrenpreis, Meta Rack, 138 P; 1. Frieda Hofmann 134,5; 2. Erna Rumpf 130,5; 3. Irma Reichardt 109 Punkte.

Schüler-Zehnkampf: 1. Walter Bingel 188 Punkte; 2. Richard Grieb 178; 3. Kurt Metz­ger 161,5; 4 Walter Mohr 158,5; 5. Fritz Wolsner 153; 6. Richard Fenchel 142,5 Punkte.

Schüler - Achtkampf: 1 Erwin Schäfer 145 Punkte; 2. Helm. Bolz 144, 3. Heinr. Grieb 140, 4. Karl Boller 136; 5. Karl Schneider 134; 6. Heinr. Mattheis 132, 7. Gust. Alles und R. Rumpf 131; 8. Willi Wolf 129,5; 9. Heinr. Grüne­wald 127,5; 10. Adolf Grünewald 126; 11. Heinz Grieb 121 Punkte.

Schüler-Siebenkampf; 1. Heinrich Wolf 126 Punkte; 2. Otto Hofmann 123,5. 3. Richard Schäfer 122; 4. Waller Riegelhuth 120; 5. Erwin Wagner 117; 6. Walter Fenchel 106; 7. Alfred Alles 104; 8. Heinrich Alles 82,5; 9. Werner Grüne­wald 82 Punkte.

Schülerinnen-Siebenkampf. 1 (Elfe Busch 131 Punkte; 2. Hilde Mohr 130; 3. Klärchen Haase 125,5, 4. Paula Bröder 123; 5. Frieda Becker 121; 6. Emma Klein 118,5; 7. Erna Klein 113; 8. Hilde Haase 99; 9. Alice Löschhorn 97 Punkte.

Schülerinnen-Siebenkampf (2. Riege): 1 Alice Busch, 122 P.; 2. Erna Leschhorn und (Erna Rumpf, je 117; 3. Irma Boller 107,5; 4. Hedwig Ratz 99. 5. Elli Wächter 98; 6. Gertrud Alles 96,5; 7. Paula Beuler 96. 8. Liselotte Schmidt 90 Punkte.

der Landesuniversität zu erringen. Auch innerhalb der südwestdeutschen Hochschulen hat sie sich

Ergebnisse

Turnet.

Zwölfkampf: 1. Ehrenpreis Heinrich Hof­mann, 231 Punkte; 2. Ehrenpreis Gustav Rumpf,

Der H i t 1 e r - P o k a 1 mit den symbolischen Figuren des Land-, Industrie- und Geistesarbeiters. Diesen Pokal erhält der Sieger des am 6. August d. I. in München stattfindenden Endkampfes zwischen Bran-

Frankfurt uneinheitlich.

Frankfurt a. M., 27. Juli. (WTB.-Drahtmel- öung.) Die Kursgestaltung zu Beginn der neuen Woche war erneut uneinheitlich und infolge Cer (Enge des Geschäfts meist von Zusallsausträgen ab­hängig. Indessen war die Grundstimmung wider­standsfähig, wenngleich die wenig optimistischen Aus­führungen auf der gestrigen Hapag-GB. und die Aeußerungen Dr. Schachts über das Ergebnis der Londoner Wirtschaftskonferenz nicht unbeachtet blieben. Auch die Vorgänge bei der Deutschen Kabelwerke-AG. führten zu einiger Zurückhaltung. Andererseits boten die festen Schlußkurse Wall- streets der Tendenz eine Stütze. Bei kleinem Umsatz erfuhr das Kursniveau im Vergleich zur Abend- börje nur kleine Veränderungen, und zwar hielten sich die Abweichungen nach beiden Seiten im Rah­me" von 0,25 bis 0,75 Prozent. Einiges Kaufinter- efs? zeigte sich für Montanaktien, insbesondere für Klöcknerwerke (plus 1,50 Prozent), Harpener (plus 1 Prozent) und Phönix und Stahloerein mit je plus 1 Prozent. Dagegen eröffneten Rheinstahl 1 und Mannesmann 0,75 Prozent niedriger. IG. setz­ten mit 129 Prozent unverändert ein, während am Elektromarkt die Kurse meist um 0,50 Prozent nach- ließen. Das Angebot in AEG. hat jedoch aufgehört Chade und Elektrische Lieferungen lagen behauptet, Akkumulatoren 0,50 Prozent freundlicher. Reichs- bankanteile konnten sich um 0,50 Prozent erholen. Zement Heidelberg und Zellstoffaktien blieben gut gehalten. Rach den ersten Notierungen zeigten die Kurse vielfach Ansätze zu leichter Erhöhung. Die Glattstellungen zum Ultimo sind offenbar abge­schlossen.

Arn Rentenmarkt zeigte sich etwas Rach­frage nach Altbesih (plus 0,25 Prozent) und Reichsbahnvorzugsaktien (plus 0,4 Prozent), wo­gegen späte Reichsschuldbuchforderungen ange­boten und 0,75 Prozent schwächer lagen Reu- besih blieben behauptet. 3m Verlaufe blieb die älmsahtätigkeit mit Ausnahme einiger Spezial­werte ziemlich klein, doch lagen die Kurse im Vergleich zutn Anfangsniveau meist um 0,5 Pro­zent höher, teilweise kamen auch einige Werte noch etwas niedriger zur Rotiz, so u. a. Schiff­fahrtsaktien, Schuckert, Ilse Bergbau. Für die Altbesitzanleihe hielt das Interesse an, so dah das Papier um 0,6 auf 77,1 Prozent stieg.

Heinrich R i e rn a n n-Kassel vorläufig mit der Wah­rung der Geschäfte des Gauführers beauftragt, da er feinen Wohnsitz in Kassel hat und dadurch Ge­legenheit zu einer raschen Zusammenarbeit mit der Regierung gegeben ist. Der Gauführer gehört der Deutschen Turnerschaft an, war aber früher Mit­glied des VfB. Kurhessen-Marburg und spielte in den Jahren von 1906 bis 1912 in der 1. Mannschaft dieses Vereins. Manchem Gießener Fußballer aus jener Zeit dürfte der Gauführer also bekannt sein.

Der Gau 12 im DFB. teilt sich bekanntlich in zwei Bezirke, in den Bezirk Kassel-Fulda und den Bezirk Gießen. Als Führer des Bezirkes Gießen wurde vorn Gauführer der bisherige Bezirksvor­sitzende des Bezirks Hessen-Hannover im Westdeut­schen Spielverband, Herr Happ- Gießen, vorge­sehen. Die endgültige Bestätigung steht noch aus.

Oie Rheinfranken

auf dem Oeuischen Turnfest.

Das diesjährige Deutsche Turnfest in Stuttgart wird nicht nur ein gewaltiges Bekennt- nis zum Iahnfchen Turnen sein, das mit an erster Stelle berufen ist, wahrhaft deutsche Menschen zu bllden und zu erziehen. Vielmehr stellt dieses Fest der 300 000, dadurch daß alle Berufe und Stande zu feinem Gelingen beitragen wollen, auch eine

preutzen.

Atreiö Wetzlar

0 Groß-Rechtenbach, 26. Juli. Dieser Tage sand hier eine Gemeinderatssitzung statt. Die jetzt neu in die Gemeindevertretung ein- tretenden Verordneten Karl Engel, Johannes Mack und Wilhelm Hundt wurden von Orts­bürgermeister Langsdorf verpflichte! und in ihr Amt eingeführt. Zum Schiedsmann wählte die Gemeindevertretung Den Zimmermeister Heinrich Binz und zu dessen Stellvertreter den Landwirt Friedrich Marr. Die Vorlage der Waldwirt- schaftspläne der Gemeinde wurde beraten und der Hauungsplan genehmigt. Die im Kulturplan vor­gesehenen Arbeiten sollen ausgesetzt werden, wenn die vorgesehenen größeren Aufforstungsarbeiten im kommenden Herbst als Notstandsarbeiten zur Ausführung gelangen. Es wurde ferner noch be­schlossen, daß der Weg an der Dorswcid trocken gelegt werden und die Gemeindewiesen am Glockenbrunnen drainiert werden sollen.

Der vergangene Sonntag brachte für unser Dorf eine volkstümliche Veranstaltung: die Feier des 3 0. S t i f t u n g s f e st e s des hiesigen Turn­vereins. Don einer größeren Veranstaltung wurde abgesehen. Es fand lediglich ein Preis-, Werbe- und Schauturnen statt. Mittags zogen SA.- Turner und Turnerinnen und die übrigen Vereins- angehörigen nach dem Festplatz auf den ftneiben, wo sich ein reges, turnerisches Treiben entwickelte. Unter der Leitung des rührigen ersten Führers des Vereins, Karl Heinrich Ohlemutz und seine Mit­arbeiter, sowie unter der Mithilfe von Turnbrü­dern der benachbarten Turnvereine Griedel, Holz­heim unb Eberstadt als Preis- und Wertungsrichter wickelten sich die einzelnen Wettkämpfe reibungs- los ab. Vorgefchrieben waren, je nach dem Alter, 12», 10- und 8°Äämpfe. 3* allen Wettkampfarten konnte man sehr schöne Leistungen beobachten. Die Geräteübungen rissen das Publikum zu immer neuem Beifall hin. Alle Uebungen zeugten von fleißiger turnerischer Erziehungsarbeit. Ebenfalls großes Interesse erregten die Leistungen der kleinen und kleinsten Turner und Turnerinnen. Nach dem Abschluß der Wettkampfübungen führten sämtliche Turner und Schüler unter der Leitung des Tum- wartes Heinrich Hofmann nach der Festmusik die Freiübungen vor, die auf dem deutschen Turn­fest in Stuttgart zu turnen sind. Die Uebungen wurden sehr exakt durchgeführt und fanden unge­teilten Beifall. Als Abschluß der nachmittäglichen Veranstaltungen wurde noch ein Handballwerbe­spiel ausgetragen. Als Gegner hatte sich die Mei­sterelf eine kombinierte Mannschaft der Turnge­meinde Friedberg verpflichtet. Das Spiel wurde verdient von Gambach mit 8:5 Toren gewonnen.

Am Abend fand man sich zu kameradschaftlicher Unterhaltung in der GastwirtschaftZum kühlen Grund" ein. Der erste Führer des hiesigen Vereins begrüßte besonders den zweiten Bezirksvertreter des Bezirkes Hessen, Redakteur Schneider- Butzbach, der in Begleitung des ersten Führers des Askanifchen Turnvereins Berlin, Hauptmann a. D. Lembke, erschienen war. Der zweite Bezirks­vertreter hielt ebenfalls eine kurze Ansprache, dankte für die freundliche Aufnahme und wies auf den Wert des rechten Turnens für Die Jugendlichen, und auf die Bedeutung der Arbeit der Turnvereine für das Vaterland hin. In Anschluß an seine Aus­führungen überreichte er unter großem Beifall dem ersten Führer des Vereins Karl Heinrich Ohlemutz, der schon über zwei Jahrzehnte der Führer des Vereins ist, den Gauehrenbrief der Deutschen Turnerschaft. Der Führer nahm die Ur­kunde mit herzlichem Dank für die ihm zuteil ge­wordene Ehrung entgegen. Die Turnerinnen zeig­ten sodann unter der Leitung ihres Turnwartes Gustav Ze Keulenschwingen und die Freiübun­gen des Deutschen Turnfestes in Stuttgart, wäh renb die Turner unter Der Leitung von Heinrich

Absage an deutsche Uneinigkeit und Hader dar, und einen Aufruf zum gemeinsamen, einigen Wollen.

Daß die deutsche Studentenschaft hier­bei hinter keinem anderen Stande zurückstehen will, beweist die Tatsache, daß Tausende ihrer Mitglie­der sich an den Wettkämpfen und Kundgebungen beteiligen.

Als geschlossene Säule innerhalb der DT. wird der Akademische Turnbund in Stutt­gart auftreten und damit zeigen, daß der studen- tische Turner jede *2Irt von Schranken, die den

Späte Reichsschuldbuchforderungen waren uncr- holt. An den festverzinslichen Märkten herrschte Geschäftsstille. Gold- und Liquidationssandbricse sowie Kommunalobligationen wiesen Abweichun­gen von etwa 0,25 bis 0,5 Prozent auf. Stadt- und Staatsanleihen waren kaum ver­ändert. Von Jndustricanlcihen waren Stahlvereinsbonds leicht befestigt. Am Aus - landrentenmarkt zogen Rumänen etwas an. Tagesgeld war zu 3 Prozent unver­ändert.

Frankfurter Schlachtvietzmarkt.

Frankfurt a.M.. 27. Juli. Austrieb: 101 Rinder, 444 Kälber, 83 Schafe, 1164 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 34 bis 38, mittlere Mast- und Saug­kälber 28 bis 33, geringere Saugkälber 24 bis 27, geringe Saugkälber 18 bis 23; Schafe: beste Schafe 23 bis 25, mittlere Schafe 20 bis 22; Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfd. Lebendgewicht 39 bis 40, von etwa 200 bis 240 Psd. 37 bis 40, von etwa 160 bis 200 Psd. 34 bis 37. Marktveriauf: Kälber und Schafe schleppend, geräumt; Schweine schlep­pend, Lieberstand.

Dieser Tage wurden die Führer der Gaue Deutschen Fußballverbandes ernannt. Zum Führer des Gaues 12 (Nordhessen) wurde Oberstudienrat

Aquarium,wie Sie es nicht kennen

Don £o Beyer.

Liebe und Trompetenblasen.

Morgens um 8 Uhr, bevor das Publikum er- scheint. Im Krokodil-Urwald des Berliner Aquariums. Wassertropfen klatschen in der Stille laut auf fette, grüne Blätter. Es riecht nach feuchter Erde, Wasser. Schwüle Tropenlust. Schlinggewächse, grellrote Blüten, verfaulte Baumstämme, Dambusstauden.

Die Tiere allein mit ihrem Wärter. In abge­klärter Ruhe liegen die Krokodile da. Träu­men sie vom Ril, von Indien? Philipp, Jonas, Sarah, Krümel, die riesigen schwarzen Alligato­renparken" im dunklen Wasser, sauber aus- gerichtet. Rur ihre keinen scharfblickenden Au­gen mit den Wülsten darüber, ihre langen Rachen und die harten Drachenschuppen ihres Rückens ragen aus dem Wasser hervor.

Drüben auf dem weihen Sand liegt das Ril- krokodil Peter. Den rosa Rachen weit geöffnet. In einem dicken Knäuel zusammcngeballt ein ganzes Mädchenpenfionat: Krokodilschönheiten. Die Damen halten sich gerne separat. Sie wollen umschwärmt sein.

Wenn man auf der kleinen Brücke im Kro­kodil-Urwald steht, glaubt man sich weit weg in einem fremden Erdteil, mitten in den Tropen.

Plötzlich, aus einem dichten Gewirr Schling­pflanzen, ein furchtbarer, wilder Schrei, hört sich fast wie das Brüllen eines Löwen an. Der erste, wilde Liebesschrei eines Krokodilmännchens. Ooouuhh Ooouuh Ooouuhl" Laut, immer lauter anschwellend, zitternd in furchtbarer Lei­denschaft.

In derselben Sekunde wird es lebendig unter den anderen Krokodilen. Philipp, Jonas, Krümel stecken die Köpfe aus dem Wasser, ihre Augen funkeln eroberungslustig zu dem Mädchenpensio­nat herüber, sie sperren die Rachen weit auf, holen tief Lust und stimmen in den Liebesgesang ein. Ihr langer Drachenkörper zittert vor Lei­denschaft, mit dem Bauch trommeln sie so heftig im Wasser, daß es hoch spritzt. Die Weibchen werfen den Männern kokette Blicke zu und be­ginnen auch ihre Lievesgesänge anzustimmen. Wer noch nie Krokodile hat schreien hören, glaubt sich ins Raubtierhaus verirrt zu haben. Wild spritzt das Wasser auf, langsam nähern sich die Weibchen, durch so wildes Werben betört, den

Männchen. Da verstummt der Aufruhr. Stille in dem Gebüsch, aus dem der erste Liebesschrei ertönte. Der Krokodilwärter kommt hervor. Er nimmt die große Gießkanne, mit der er die ersten Schreie ausgestoßen hat, vom Munde. Das erste, verliebte Krokodil war also er. Er versteht ihren Gesang auf der Gießkanne nachzuahmen und die Männchen zur Galanterie anzuhalten.

Quallen-Früh stück.

Stumm, milchig-gläsern durchsichtig, geistern Quallen in ihrem Bassin. Auf ihrer Visitenkarte steht:Ohrenquallen. Inspektor Seih, ein kleines Glasgefäß und eine Pinzette in den Händen, steht neben den Quallen. Cs wird ihnen sofort das erste Frühstück überreichen. Rach eng­lischer Art: einen Fleischgang auf nüchternen Magen. Diesmal besteht das Menü aus kleinen, weißen Würmchen. Die Würmchen haben sogar einen wissenschaftlichen Ramen. Aber alsWürm­chen" weiß man besser, wie sie aussehen. Haupt­sache. es schmeckt den Quallen.

Manchmal, an besonderen Festtagen, bekommen die Quallen windige Fischchen zum Frühstück. Ob es nur Würmchen sind oder Fischchen sie nesseln" mit denResselkapseln" (das sind Die kleinen Fransen, die runterbaumeln) ihr Früh­stück. Wenn die Würmchen oder Fischchen mit den Refselkapfeln" berührt werden, sind sie sofort tot. Oben, in der Qualle, sitzen vier Ringe. Man glaubt es sind die Augen. Aber das ist ein Irrtum. Es sind die Magenringe. Die Quallen sind nur Magen, Gelatine und so weiter, und haben keine Gedanken. Auch Liebesgesänge stim­men sie nicht an. Wenn man Qualle ist, bleibt einem Liebeskummer erspart.

Moritz liebt das Licht.

Um eine Ecke kommt Tlorih, der bekannte Nie- senwaran, gelaufen. Moritz ist prominent. Während er spazierengeht, wirft er Den Sehens- roürDigfeiten Des Aquariums nur flüchtige Blicke zu Viel mehr interessiert sich Moritz für Licht. Er sucht sich danach seinen Weg aus. Die Riesenichlld- träten haben ihren Platz am Fenster, und Moritz wirft ihne gönnerhafte Blicke zu. Moritz hat ein ganz nettes Tempo am Leibe. Er rennt an Der Aufwartefrau mit ihrem Besen vorbei, ohne sie zu beachten. Von Der Treppe ist er schwer wegzubrm- gen. Unaufhörlich tastet er mit seiner langen ge­spaltenen Zunge vor sich hin Erstaunt unb stark interessiert, sieht er sich Durch Das große Glossen- jter Die Krokodile an. Er glaubt Artgenossen zu er­

kennen. Läuft Dann weiter um Die Ecke. Besinnt sich unD will zu Den KrokoDilen zurück. Die Wärter wollen ihn sanft führen, aber Moritz bockt. Er hat es sich einmal in Den Kopf gesetzt. Der Wärter bit­tet, reDet sanft auf ihn ein. Moritz macht an Der Ecke immer wieder kehrt. Zwei Mann können Moritz nicht bewegen, weiterzugehen. EnDlich wird Moritz, wie ein bockiges KinD, auf Die Arme Der beiDen Wärter genommen unD zurück in feinen Käfig getragen.

W o hie Futterfliegen wachsen.

Tief unten im Keller Des Aquariums ist Die Fliegen st ube. Hier werben Fliegen gezüchtet. Die man sonst lieber unschäblich an Leimtüten hän­gen sieht, unb bie sich überhaupt sonst nicht gerabe (»liebt machen. Das Aquarium hat zwei Fliegen- ftuben. In her ersten Fliegenstube wirb bie brave, runbliche Hausfliege gezüchtet. In her zweiten Flie­genstube bie winzige, monbän wirkenbe Essigfliege. Sie finb Futter für Frösche, Eibechsen, Insekten. Die kleinen Essigfliegen finb wegen ihrer Winzig­keit als Babyfutter bestimmt, Säuglingsnahrung für kleine Frösche unb Eibechsenbabys. Der Werbe­gang einer Fliege, kurz gefaßt, ist so: Fliege, Eier, Mabe, Puppe, Fliege. Von her Ei-Ablage bis zur Verpuppung finb es zehn Tage. Bis zum Schlüpfen sechzehn Tage. Zusammen sechsunbzwanzig Tage.

Das Futter kommt zum Gären, bie fliege legt bie Eier in bas Futter, es bilbet sich bie Mabe, bie sich verpuppt. Aus her Puppe entwickelt sich bie Fliege Hier werben mehr (Eier gelegt als auf her besten Hühnerfarm. Die Temperatur in der Flie- genftube wirb genau geregelt .Sie muß 25 bis 27 Grab betragen. Dreimal am Tage wirb gespritzt. Die Fliege braucht Feuchtigkeit.

Der Futtermeister Gustav forbert mich auf, mit ihm in bie Fliegenstube zu gehen, um alles genau zu untersuchen. Wir treten ein, unb ein bichter Strom von bitten, schwarzen Fliegen begrüßt uns. Tausenbe ober Millionen, man kann es nicht genau wissen. Sie können nicht gezählt werben. Als reiner Vegetarier bewahrt bie Fliege, wie bie Menschen, bie schlanke Linie, als Fleischfresser werben bie Weibchen mollig, runblich Die Männchen bekom­men einen wohlhabenb aussehenben Bauch.

Mit einer richtigen Falle, bie man auf Den er­sten Blick für eine Mausefalle halten kann, werben bie Fliegen vom Fliegenmeister gefangen.

Dann werden sie abtransportiert, mit Wasser betäubt unb schließlich: allen FliegenfressernGu­ten Appetit".

Oie Erfindung der Panzerschiffe.

Deutschland baut unter den ihm durch Den Ver­trag auferlegten Beschränkungen nur noch kleine Panzerschiffe, deren Gesechtswert aber sehr beträcht­lich ist. Wie diese Schiffsform entstand, darüber hat jetzt der englische Historiker Baxter unter Dem Titel Die Einführung des Panzer-Kriegstchiffs" ein ge­lehrtes Werk veröffentlicht. Die Umwandlung des hölzernen Kriegsschiffes in das mit Eilen gepanzerte begann im Krimkrieg. Als man nämlich in der Schlacht bei Sinope beobachtete, wie furchtbare Wir­kung die Bombengeschoffe der Ruffen auf die höl­zernen Schiffe bet Türken ausübten, suchte man sich in der französilchen und englischen Marine durch Schiffe zu sichern, deren Wände gepanzert waren, und so erschienen im Krim-Krieg die ersten fran­zösischen Panzerschiffe. Baxter schreibt das Verdienst dieser Erstndung hauptsächlich drei Männern zu: dem französischen Artilleristen Paixhans, der die Bomben-Kanonen herstellte, die an Bord aufgestellt werden konnten, dem Kaiser Rapoleon III., Derden richtigen Mann an die richtige Stelle brachte", und dem französischen Schiffsbaumeister Dupuy be Lome, Der als erster das Problem eines seetüchtigen Panzer­schiffes löste. Paixhans hatte schon 1824 Kanonen- Boote gelchaffen, mit Denen Frankreich Englands Herrschaft zur See brechen wollte, und 10 Jahre später waren diese in den meisten europäischen Ma­rinen im Gebrauch. Doch kam man zunächst nicht weiter, obwohl all« Sachverständigen wußten, dah diesen Geschützen kein Holzschiff ftanbbalten könne. Erst Rapoleon III., der zur Macht gelangte, als die französische Flotte in der Verwendung Der Dampf­kraft allen an Deren Marinen überlegen war, for­derte Den Dau vonschwimmenDen Batterien", Die aus Holz beftanDen, aber mit Eisenplatten gelchützt waren. Zur Durchführung Dieses Planes erkor er Dupuy De Lome, Der Den besten Dreiheck-Dampser jener Tage gebaut hatte. Er machte ihn 1857 zum Chef aller Bauten solcher, schwimmenden Batterien", und nun entstanden rasch Panzerschiffe, hie in Eng­land die größte Beunruhigung erregten. Dupuy de Lome hatte erkannt, daß das Problem des Panzer­schiffes nur gelöst werden konnte, wenn man die Zahl Der Kanonen herablehte, und hatte so ein Schiff ge­schaffen. das den viel stärker bewaffneten Fahrzeugen her englischen Marine überlegen war. Die Engländer aber machten sich diese Erfindung rasch ebenfalls zu eigen, und Dank ihrer Ueberlegenfjeit in Der Eisen- Herstellung unD Dem Schiffbau übertrafen Die eng­lischen Panzerschiffe balD Die französischen.